Die Mittel, einen möglichst hohen Wirthschafts⸗
ertrag zu erzielen.
Ueber diesen Gegenstand hielt Herr Hofrath Prof. Stöckhardt im
oergangenen Jahre einen Vortrag in einem sächs. Bezirksvereine, wel—
her in den „Mittheilungen“ des Leipz. landw. Kreisvereins mitgetheilt
wird. Er eröffnete diesen Vortrag mit dem Bemerken, daß derselbe der
zweite sei, den er im Freien halte und sie deshalb mit dem Namen
„Feldyredigten“ bezeichnet worden.
Dann stellte der Redner als Haupttheile, als Mittel zum Zwecke
auf: 1) Reichliches und gutes Futter; 2) gesundes Futter, gesunde
pflanzen; 3) kräftigen gesunden Futterboden und knüpfte daran zunächst
die Bemerkung, daß man früher und noch lange bis in die Neuzeit
biel, d. h. verhältnißmäßig zu viel Vieh gehalten habe, während man
neuerdings die jedenfalls richtigere Ansicht befolge, weniger Vieh zu
halten, dieses aber um so besser zu füttern.
Jedes Vieh gebrauche zum eigentlichen Unterhalt beim Ausathmen,
Schwitzen u. s. w. meistens die Hälfte des Futtergehalts. Dieser Ver⸗
brauch werde erhöht, wenn das Vieh schlecht abgewartet, unregelmäßig
zefüttert, in zu kalte Ställe eingestellt werde. Was mehr durch das
Ausathmen, Schwitzen und Frieren, an Nahrungsstoff abgehe, gehe
der Ernährung, dem Fettansatz und dem Dünger ab; denn wie das
Futter, so der Dünger,; wer schlecht füttere, werde schlechten, mageren
Dünger erzielen.
Daß Fleisch und Fettansatz, resp. Düngerertrag erhöht und ver—
bessert werde, wenn das Vieh, namentlich auch Rindvieh, außer mit
Rauhfutter auch mit Körnern genährt werde, darüber herrsche wohl
kein Zweifel mehr. Gleichwohl habe man sich seit nicht erst zu langer
Zeit überzeugt, was man durch angemessene resp. erhöhte Fütterung
erzielen kann. Er machte beispielsweise darauf aufmerksam, daß bei
Tharandt auf einem Gute mit gutem Boden jährlich eine Kuh für 7
Thaler verpachtet gewesen. Vieh⸗ und Feldwirthschaft stehen in Wech⸗
selwirkung; füttert man das Vieh gut, hat man guten Dünger, kann
man gut düngen, kann man viel Futter erbauen.
Herr Lehrer Kasten aus Flößberg nahm hierbei das Wort und
fragte an, ob es nicht in Uebereinstimmung mit den Ansichten des
Herrn Prof. Stöckhardt zweckmäßig sei, sich mehr der warmen Ställe
zu befleißigen, er habe wieder Klagen gehört, daß nach Ausführung
bon Neubauten das Vieh in gewölbten Ställen weniger Milchertrag
zebe, als früher in den alten warmen Ställen. Auch habe er sich über⸗
zeugt, daß auch kleinere Landwirthe darauf kämen, möglichst viel Körnen
dem Vieh zu füttern; er könne daher die von Herrn Prof. Stöckhardt
ausgesprochene Ansicht nur bestätigen.
Herr Prof. Stöckhardt fuhr hierauf fort: Ein Landwirth am Rhein,
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wendet habe, sei berühmt gewefen durch sein schönes und eriragsfähi⸗
zes Vieh und durch seinen ertragsfähigen Boden. Später sei er oft
aach dem Grunde seiner erfolgreichen Wirthschastsfüheung gefragt wor⸗
den, da habe er regelmäßig keinen anderen Rath geben können, als
daß sie einen Theil des Viehes abschaffen und das zurückgebliebene
nit derselben Masse Futter bedienen sollien.
Nachgewiesen sei es auch, daß das Vieh auch im Sommer höhe—
ten Nutzen gebe, wenn es im Winter besser gefüttert werde, als schein—
bar nothwendig und zweckmäßig sei. Man werde sich von derartigen
Erfolgen aber immer nur dann vollständig überzeugen können, wenn
nan Milchregister halte; man täusche sich zu leicht über die Ertrags—
ähigkeit einer oder der anderen Kuh, wenn man nicht genau nachrechne.
Zur zweiten Unterfrage „die richtige Fätterung betreffend,“ führtt
herr Prof. Stockhardt ein chemisches Erperiment vor, indem er vor—
zusschickte: verbrenne man Weizenkörner, so habe man in der Asche
fast lediglich Knochenstaub, viel weniger in Heu⸗, noch weniger in Stroh—
asche. Der Engländer wisse das, er fütlere raher auch Jungvieh mir
Bestandtheilen, die Knochenmasse bildeten; das englische Vieh habe
schwache Knochen, aber enge Knochenzellen. Daraus erkläre sich die
zuffällige Erscheinung, daß das ꝰengl. Vieh auf dünnen Knochen ver—
hälinißmäßig übermäßige Fleisch- und Fettmassen tragen könne. &
zierin für das Vieh gelte, habe auch auf die Menschen Anwend.
aamentlich bei uns im Gebirge; seit man in Annaberg und Umge—
durch die sonst so angefeindete Krinolinenfabrikation reichlicheren Eeh
erzielt, seien die dort sonst vorklommenden Knochenkrankheiten ganz w
Jefallen. Dabei kam der Herr Referent mit darauf, daß der Landyn
sehr falsch rechne, wenn er Heu und anderes Rauhfutter bis zum K
nuen reif werden lasse, weil der eigentliche Nährstoff in den Pflarz
von unten nach oben schließlich in Samen übergehe, dieser falle har
Einernten heraus und gehe damit verloren. In Uebereinstimmung de
mit habe die Kartoffel weniger Stickstoff als Futtergewächs. Haubn
yabe mit Schafen Versuche gemacht, diesen blos Kartoffeln gefüm
ohne Erfolg im Fettansatz, im Dünger fanden sich Stärkekügelchen zun
bei Zusatz an Oelkuchen sei das fragliche Schafvieh nicht nur sit ge
worden, sondern es hätten sich im Dünger auch die Stärkemehlli
chen nach und nach ganz verloren. Der Hauptfehler bei der Wi
schaft liege aber hauptsächlich darin, daß man zu wenig stickstoffhalti
Futter verabreiche.
Ein ganz ähnlicher Prozeß gehe bei der Brennerei wie bein
Lerdauung vor, es gehöre eine bestimmte Quantität Stickstoff zur RMi
»eutung des Zuckerstoffes. Stickstoffhaltig seien: Rapsmehl, jung
Futter, Grummet mehr als Heu; der Alpenwirth wisse das, ziehe dah
das Grummet diesem vor. In der Schweiz haue man das Futter du
viermal nach guter Düngung. Man entschuldige oder rechtfertigt
uns das späte Hauen des Heues damit, daß man sage, man m
das Heu reif werden lassen, damit sich die Wiest besame. Das
vohl ein Irrthum oder ein Vorurtheil. In Flandern lasse mane
heu nie zum Blühen kommen und stelle ganz richtig den Grurndse
auf: daß man blos durch zeitiges Abhauen und Düngen der Vesch
fräftige Grasstöcke erziele. Das sogen. reife Heu verdiene diesen Mu!
nen nicht, sondern es sei „Grasstroh.“ Ganz junger Klee werdet
besten mit Hecksel gefüttert, weil er zu viel Stickstoff enthalte;
unger Klee komme den Koͤrnern gleich. Um deswillen sei es aber ar
unzweckmäßig, sehr viel grünen Klee zu füttern; man werde besser thun
venn man dörre und es als Winterfutter mit Stroh verwende
dieses damit besser ausnutze. Er habe von einem Pächter der gräß
Brandenburgischen Güter in der Brandenburgischen Sandgegend du
Futterbau, Klee, Luzerne, Futterroggen, Futterraps außerordentlided
Frfolg erzielen sehen, namentlich auch dadurch, daß jener dieses Ful
dörre. Alles, was er hier zur Aufbesserung der Viehnutzung gesagt ha
gelte doppelt für das Jungpvieh; schlecht gefüttertes Jungvieh wen
zie vollkommen werden. In Flandern verkaufe man die meisten Kid
ber gemästet nach Paris, man füttere sie aber nicht fort, wenn
Krankheitssymptome zeigten.
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Was von dem Vieh gelte, gelte auch von den Pflanzen;
iesen nicht in der Jugend aufgeholfen, werde man eben so wenig
Vortheil wirthschaften, wie wenn man das Vieh und namentlich
Jungvieh Noth leiden lasse.
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gi
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Herr Prof. Stöckhardt nahm hierauf noch Gelegenheit nachzu
en, daß man nur gut thue, wenn man viel Oclkuchen füttere. *
Engländer wisse das auch. Vorurtheil sei es, wenn man sage,
suchen schade der Butter; die berühmte Berliner Tafelbutter wern
Wirthschaften bezogen, wo schlechtes Heu, aber pro Stück 2 Pft.
uchen gefüttert wurden. Von dem Oelkuchen blieben /5 im Vihe
zingen auf den Dünger über; eins habe der Landwirth bei den 6
uchen umsonst, entweder die Milch ober den Dünger. Seit die e
chen mehr auf Oelkuchen geben, sehe sich der Engländer genb“
Ersatz zu suchen in Baumwollenkuchen, Baumwollensamen u. dal
(Schluß folgt.)
Die Behandlung der trächtigen Kühe.
Die Behandlung der trächtigen Kühe ist für den richtigen
erfolgreichen Verlauf der Trächtigkeit von entscheidendem Einflust
»aher der Aufmerksamkeit des sorgfältigen Viehzüchters besonders
Wenn auch gleich eine gute Verpflegung uach Menge und Besc