Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

mag. Auf großen und kleinen Gütern liegen die Felder in neun Schlä—
gen, die, wie folgt, bewirthschaftet werden:
1) Reine oder schwarze Brache. Die Haferstoppel ist schon im vori⸗
gen Herbst umgebrochen, hat den Winter auf rauher Furche gelegen
und wird im Frühjahre, sobald es geht, glatt geeggt, damit die Un—
fräuter recht aufleimen. Gleich nach der Frühjahrssaat erhält der Acker
eine tiefe, die tiefste Furche, wird bald wieder glatt geeggt, bleibt dann
14 Tage bis Z Wochen liegen und wird dann gedüngt, und zwar recht
ordentlich. Dieser Dünger wird gleichgestreut und dann flach unter—
gepflügt und zugewalzt. So bleibt der Acker bis nach der Ernie liegen,
wo er glatt geeggt und durch eine tiefere Furche, die den Mist nicht
nach oben, sondern herunterbringt, in die Saatfurche gebracht. So
hleibt der Acker 14 Tage bis 3 Wochen liegen, ehe gesäet wird, und
setzt man großen Werth darauf, daß der Acker sich recht gesetzt und ab—
gelagert habe, ehe man die Saat hinein bringt. Von schmalen oder
hohen Beeten ist nichts zu sehen, sondern alle Aecker sind glatt und
eben. Säemaschinen sind wenig im Gebrauch, sondern die Handsaat
ist das Gewöhnliche, auch für das mitunter schroffhügelige Terrain das
Geeignetste. Die oben schon bezeichnete 16fuͤßige schwedische Egge
üͤberzieht den Samen einmal, indem im Kreise geeggt wird, woraui
dann die andere 24zinkige Egge einmal schräg und dann lang abeggt
Man liebt es, den Samen etwas tief in die Erde zu bringen. Wasserfurchen
 sind wegen des hügeligen Terrains selten nöthig.
Doch zurück zur Fruchtfolge. Also:
1) schwarze Brache mit Düngung, 2) Winterung, 3) Gerste, 4)
Erbsen und Kartoffeln mit halber Düngung, 5) Winterung und Gerste,
6) Rothklee und Timothee und Raygras zur Heugewinnung und dann
Weeide, 7) Weide, 8) Weide, Mergelung und im Herbste gestürzt, 9) Hafer.
Mit der ad 4 angegebenen halben Düngung sieht es aber in den
meisten Wirthschaften kümmerlich aus, indem man den ganzen Winter⸗
mist gewöhnlich fur die Duͤngung der Brache gebraucht. Nur auf den
größeren Gütern, wo eine perhältnißmäßig stärlere Viehhaltung betrie—
hen wird, wird vom 20. Oltober bis 20. Mai so viel Mist brreitet,
daß auch Schlag 4 seinen Theil bekommen kann. Aus diesen Grün—
den sind auch auf den größeren Gütern die Strohschober, die aus
einem Jahre in's andere hinüberreichen, nicht so groß, als auf den
Bauerhöfen, wo sie oft die Höhe und Länge der Scheunen übertreffen.

Auf ver Insel Fünen, die man wegen ihrer Fruchtbarkeit und flei⸗
zigen Anbaues den Garten Dänemarks nennt, fand ich folgende Frucht⸗
folge: 1 schwarze Brache gedüngt, 2) Weizen, 8) Gerste mit Raygras
und Timothee, 4) Gras, Mergelung, 5) Wickhafer mit halber Dün
gung, 6) Roggen, 7) Gerste, 8) Hafer gedüngt, 9) Klee mit Gras,
10) Weide, 11) Hafer. — Die fünischen Landwirthe lobten diese Frucht⸗
folge sehr, und es leuchtet ein, daß sie noch mehr, wie die zuerst an⸗
gegebene, den Acker in Kraft erhalten muß.
Die Pflege des Düngers geschieht mit großer Sorgfalt. So oft
die Ställe ausgemistet werden, wird der Mist auf der etwas vertief
angelegten und mit etwa 3 Fuß hohen Mauern eingefaßten Dünger—
stätte, die stets ihre Jauchebehälter mit Pumpe enthält, sorgfältig zer
streut und geebnet, um so eine gleichmäßige Lagerung zu befoördern.
Der Pferdemist wird nie an einer Seite, sondern sorgfältig über den
ganzen Düngerhaufen gleichmäßig verbreitet. Diese, im Frühjahre oft
zbis 6 Fuß hohen Misthaufen werden stets gehörig feucht erhalten,
so daß eine gleichmäßige Gährung und Zersetzung darin stat.findet.
Beim Düngerfahren wird nie von oben abgefahren, sondern im⸗
mer vorn angefangen, und so immer von oben bis auf den Grund
stückweise fortgeladen. Ich habe da mit Befriedigung gesehen, wie egal
der Mist grlagert und wie gleichmäßig derselbe verrottet war, so daß
bon trockenem, strohigem und darum wenig nahrhaftem Miste krine
Rede sein konnte, und darum denn auch die Saaten so egal stehen.
Beim Duͤngerfahren wird eine besondere Sorgfalt darauf verwendet,
nichts zu verlieren. Es sind nämlich die Höfe und Ausfahrten. sowrit
der Düngerwagen sie berührt, stark mit Stroh belegt, damit das Sto—
zen vermieden werde und aller Mist, der sich dennoch vom Wagen
sösen würde, in dieses Stroh fällt und so nach Beendiguug des Dün—⸗
gerfahrens wicder mit dem Stroh zurück in die Düngerstätte gebrach

verden kann, ohne durch Näder und Pferdefüße verschleppt zu p.
Nichts lohnt sich schlechter,“ sagt der Däne, „als die Wege zud
gen.“
Da der Dünger nur im verrotteten Zustande in den Acker kon—
so ist es begreiflich, daß er sich vortrefflich mit demselben mischt
der folgenden Einsaat sofort und gleichmäßig zu statten kommt.
Da ich die Sprache eigentlich nicht verstand, so habe ich n
zrößtentheils auf eigene Beobachtuugen beschränken und darum Vit
anerörtert lassen müssen. Aus diesem Grunde habe ich auch night
zrtern können, ob diese Art zu wirthschaften mehr einbringt, als un
sogenannten intensiven Wirthschaften, wo man sich und den Ackere
tändig quält, jährlich eine, wo möglich zwei oft kümmerliche Em
zu gewinnen. Das nur habe ich wahrnehmen können, wie ich lin
aus Erfahrung wußte, daß die schwarze Brache die Arbeit gleigniß
ger vertheilt, die Unkräuter niederhält und bei fleißigen Wirthen au
oertilgt, den Acker sehr kräftigt, eine frühe Einsaat gestattet und u
gezeichnet reiche Erträge bringt.
Nur bei einem Pächter, der ein geborener Holsteiner war,
»eutsch sprach, habe ich so etwas über den Ertrag der Wirthschafl
ahren, das ich mittheilen will. Er hatte ein Gut von 1400 Mon
in Pacht, hielt darauf 150 Milchkühe und 22 Ackerpferde. Er zuh
außer den Steuern 8000 Thaler Pacht und mußte seinem Verpäth
200 Scheffel Roggen, 300 Scheffel Hafer und 200 Scheffel Kat
feln abgeben. Er hatte die Milchwirthschaft wieder für 4000 Th
oerpachtet, erhielt aber alle Abfälle von der Käserei zur Schweinemäsut
zurück. Dieser hatte im Jahre zuvor verkauft 1750 Scheffel Weist a
3750 Scheffel Gerste und 2000 Scheffel Hafer. — Die Preise sithev
etwas höher als hier, und ist besonders die schwere dänische Ge
ein sehr gesuchter Artikel für die englischen Brauer. Die Besteucrunꝰ
st eine so eigenthümliche und mannigfaltige, daß ich kein rechtes llarecki
Bild mir davon habe machen können; nur so viel habe ich hiraut
zebracht, daß die verschiedenen Staatssteuern zusammengenommen gj
Sgr. pro Morgen der Gesammtifläche betragen werden. *
Auch die Bienenzucht wird gepflegt. Bei einem, einsam am Wa
vohnenden Manne sah ich einen Bienenstand, der neben den gewöl
ichen Strohkorben auch Dzierzon'sche Bienenstöcke enthielt. — Ihh n
nn den Garten ein, um mir dies näher anzusehen. Der Besitzer n
Zimmermann, geborener Schleswiger, und sprach daher noch emn u
deutsch. Er hatte sich die Bienenstöcke selbst gemacht, und zeigte r
zie ganze Einrichtung, ähnlich, wie ich sie bei unserem renommieg
Bienenwirthe in Manze gesehen habe. Auf meine Frage, wie er
zuf gekommen sei, dies so einzurichten, erwiederte er: „ich habe da
fleines Buch von einem Pastor aus Carlsmarkt in Schlesien, dan
habe ich's gemacht, und es ist viel besser, als unsere bisherige Wei
Der Mann führte mich dann in sein kleines Häuschen, über deh
iußere Neitigkeit ich mich schon gewundert, und dessen blumenrei
übsche Umgebung mich von Ferne angezogen hatte. Wie erstaunte ye
zier eine hübsch tapezirte Stube mit Sopha und Polsterstühlen, grot
Zpiegel und vielen Kupferstichen und zwei Tischen voll Nippsachen w
Art und im ganzen Hause eine Sauberkeit und Zweckmäßigkeit! D
kinrichtungen zu sinden, wie ich's nicht erwartet hatte. Der R
arbeitete im Tagelohn und verdiente täglich 1 Thlr. oder 22, E
Noch einiger Gegenstände muß ich Erwähnung thun, die ti
kandwirthschaft in enger Verbindung siehen und beweisen, wie seht!
Regierung auf die Landeswohlfahrt bedacht istt.
1) Kein Besitzer darf einen Morgen Wald niederhauen und in An
and verwandeln, wenn er nicht nachweist, daß er an dessen Siele
reits einen andern Morgen bepflanzt hat. Die Landesforstbeht
vacht hierüber sehr strenge. Es ist hierbei wohl erwogen, wie vill
Wäider nützen in Beziehung auf Abhaltung und Milderung der Stin
Erzeugung und Erhaltung ver nöthigen Feuchtigkeit, Zersctzung
Gewiner und Verhütung der Gewitlerschäven. Ein Hagelschaden
ein unerhörtes Ereigniß.
2) Ein Gesetz verbietet das Tödten der Krähen, Elstern, Eulen
Raubvögel; darum kommt auch nie ein Mäuseschaden vor, eben
zie Verwüstungen, die Werren und Engerlinge anrichten können,
inbekannt sind.

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