Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Dörfern gesehen, die mit Rosen, Lilien und sonstigen Blumen prangten,
jedes Grab sein sinniges Denkmal tragend, mit geschorenem Buxbaum
ringefaßt, kein Gras und kein Unkraut auf dem ganzen Kirchhofe, son—
dern Alles fein gerecht und sauber gehalten. Ein solcher Kirchhof läßt
ofort einen vortheilhaften Schluß auf den sittlichen und religiösen Zu—
tand der Bevölkerung thun. Und in der That ist dieser Zustand ein
beneidenswerther. Ich bin zu den verschiedensten Tageszeiten in die
Dörfer gekommen, nirgends habe ich diese Schaaren roher, zügelloser
Kinder bemerkt, wie sie in unseren Dörfern leider zu oft zu sehen sind.
Fast jedes Dorf hat seine Schule mit gehörig eingerichtetem Turnplatz
mit den nöthigen Geräthen. Uneheliche Geburten gehören, wie Bett—
ser, zu den Seltenheiten, Diebe wie Diebstahl zu den seltensten Er—
scheinungen. Darum sieht man denn auch Tag und Nacht, oft an den
entlegensten Orten Kühe, Pferde, Schafe und Schweine ohne alle Auf—
icht, an Stricken angebunden, auf der Weide, und es kommt nie vor,
zaß ein Stück Vieh gestohlen werde. Ebenso ist es mit den Acker⸗
geräthen, die den ganzen Sommer im Felde liegen. Selbst Holzdieb—
sahl ist den Förstern eine unbekannte Erscheinung. Glückliches Land,
wo Sittlichkeit, Gottesfurcht und Rechtsgefühl noch so vorherrscht!

Das Klima ist ein ganz eigenthümliches. Rings vom Meere um—
geben, ist es fast immer windig, und ein stiller Sommertag gehört zu
den Seltenheiten. Obgleich .5 Grad nördlicher als Schlesien, steigt
»ach die Kälte fast nie über 12 Grad, wie auch die Hitze nie 20 Grad
äbersteigt. Alle bei uns gedeihenden Gewächse kommen auch dort fort
Broße zahme Kastanienbäume, ja in geschütter Lage sogar Mandel
bäume, deren Früchte reifen, sowie alle in unseren Gärten vorkommen—
den Bäume und Sträucher gedeihen dort zum Theil ohne Winterbe—
deckung und zeigen, daß das Land trotz seiner nördlichen Lage doch
eigentlich ein gemäßigtes Klima hat, dessen Charakter aber Veränder—
ichkeit is.. Aus diesem Grunde sind denn auch die Baumfrüchte von
geringem Werth, sauer und saftlos. Genießbare Kirschen werden aus
Deutschland eingeführt.
Der Winter beginnt ungefähr 14 Tage früher, endet aber volle
1Wochen später als bei uns, und wechselt mit Sturm, Regen, Schnee
und Frost in kurzen Zwischenräumen. Selten fällt so viel Schnee und
oleibt so lange liegen, daß es zur Schlittenbahn kommt.
Die langen Tage und hellen Nächte des Sommers sind für uns
twas sehr Auffallendes. Im hohen Sommer, oder richtiger von Mitte
Juni bis Ende Juli kann man um 10 Uhr Abends noch bei Tages
icht lesen. Um 11 Uhr sieht man noch den hellen Schimmer der unter—
gehenden Sonne und um 2 Uhr ist die Morgendämmerung schon wieder
da. Zwischen 12 und 1 Uhr Nachts konnte ich aus meinem Fenster
noch die Gegenstände auf 200 Schritt Entfernung erkennen. Diese
angen Tage und hellen Nächte, die vom 22. März bis Johannis stei⸗
zen, und von da an bis zum 22. September allmälig abnehmen, ma—
chen dann um so kürzeren Tagen und dunkleren Nächten Platz.
Das späte, mit Sturm, Regen und Schnee abwechselnde Frühjahr
äßt selten die Frühjahrsaat vor Anfang Mai beginnen. Als ich am
2. Juni nach Seeland kam, waren manche Saaten eben erst aufge—
zangen; aber unter dem Einfluß der langen Tage entwickelte sich Alles
zusehends rasch.
Als ich Schlesien verließ, hatte der Raps längst abgeblüht und
tand in der Gelbreife; drei Tage nachher fand ich ihn in Seeland in
beginnender Blüthe. Hier hatte der Roggen schon seine Korner gebil—
det, in Seecland fiel die Rapsernte in die Zeit vom 10. bis 15. Juli,
die Roggenernte begann den 6. August, der sich die Gerstenernte un⸗
mittelbar anschloß, worauf Weizen, Hafer und Erbsen sich rasch folgten.
Die ganze Insel ist ein schönes Hügelland mit prächtigen Buchen⸗
und Tannenwäldern und größeren oder kleineren Landseen. Ebene
Flächen gibt es nur im südlichen Theile, während es im nördlichen
Theile selten eine ebene Fläche von 100 Morgen geben dürfte. Der
Acker ist im Allgemeinen ein tiefgründiger, dunkel gefärbter, humoser
dehm, der stellenweise stark mit kleinen Steinchen, meist Feuersteinen
und grobem Sande, gemischt ist. Die vielen Hügel bestehen alle aus
Kalkmergel und Sieingerölle aller Art, sind aber alle mit einer frucht—
‚aren Erdschicht bedeckt. Die kleinen Vertiefungen zwischen den Hügeln

enthalten gewöhnlich ein Torflager von sehr leichter Beschaffenheit, ceil.
auter Pflanzentheilen bestehend. Fast jeder Bauer hat sein kleit im
Torflager und sticht seinen Torf selbst. Die vielen kleinen Bäche kEr
den Wiesenthäler, die jedoch im Allgemeinen, bei mangelnder Pfll vo
und Cultur, zwar üppige, aber grobe, saure Gräser enthalten. Nva
auf unseren Wiesen so gern gesehene und häufig vorkommende Vr.
nelle Pimpinelle) findet sich nirgends. Auf den Aeckern finden
auch alle bei uns vorkommenden Unkräuter, nur der kleine Ritters
ind der Hederich nicht, dagegen aber sind die feuchteren Felder
chwarzen Ackersenf ebenso wie bei uns heimgesucht, uͤnd manche H
ind Gerstensaat gleicht einem blühenden Rübsenfelde. Ein boöses
kraut aber, das ich in Schlesien noch nicht, aber wohl in anderen?
en Deutschlands sah, ist hier sehr zu Hause und beeinträchtigt auft
Aeckern der minder fleißigen, die Tiefcultur scheuenden Landwirthen
Ertrag sehr. Dies ist die gelbe Wucherblume, eine Chrysanthemun
nit großen gelben Blumen und fetten glänzenden Blättern, die inm— e
hen Theilen Westphalens so gescheut wird, daß, wenn ein Wirth weseln
remden Samen dies Unkraut in eine von demselben noch freie d. in
nark eingeschleppt hatte, er früher polizeilich angehalten wurde, Ar
Frucht vor der Reife abzumähen, um so der Vermehrung des
Feindes zu wehren. Sie gedeiht nur in der Sommerfrucht und
inmal reif geworden, sehr schwer wieder auszurotten.

(Forisetzung folgt.)

Zwei schöne, wenn auch nicht eben neue Pflanzt
für das Blumenfenster.

(Schluß.)

2. Der Granatbaum.
Der Granathaum ist bei ungeeigneter Pflege in unserm Klit gi
zewöhnlich ein sehr undankbares Gewächs; ersetzt man ihm aberdL
bessere Klima durch passenden Dünger im Boden, so treibt er
brennend⸗rothen Blüthen in den heißesten Monaten mehrere We
zindurch in Menge hervor. Wie der Oleander hat der Granalb.
auch eine sehr stark verzweigte Faserwurzel, welche gleich im ersten E
ner den Erdballen ganz durchdringt. Aus diesem Grunde wird
Bäumchen im Frühjahr, wenn es anfängt zu treiben, nach dem
nusnehmen aus dem frostfreien Winterquartier in gute nahrhafte
imgesetzt, der Ballen dabei rings herum stark beschnitten; die Kr
„ält man ansprechend rund, und so zugerichtet gewöhnt man den Be
nach und nach an die freie Sonne. Beim Einfuͤllen der Erde ind
»bern Raum des Topfes läßt man nach Umständen einen Raum 5.
2 bis 3 Zoll tief unausgefüllt. Diese Vertiefung belegt man ganz 35
rischem Kuhdünger, dessen Oberfläche schließlich mit der oben erwän
en fruchtbaren Erde geebnet wird, um das Auge nicht zu beleidigt
Diese Decke hält man von nun an immer feucht; deshalb dar
ꝛs nicht lange, so dehnen sich die feinen Faserwurzeln oben wie u—
im Topfe massenhaft aus, die Pflanze bekommt in Folge der reichlid
Nahrung ein frisches kräftiges Laub, späterhin auch kleine Blüm—
knospen in Büscheln von 2 bis 4 Stück. Von diesem Zeitpunt— u
darf das Begicßen niemals unterlassen werden, sonst fallen Blätt oi hei
Blüthen vor der Zeit ab und man läuft Gefahr, für diesen SenutS.
die Bluüͤthe entweder ganz zu verlieren, oder das Bäumchen weniglte Pr
mansehnlich zu machen. Wenn man das Versäumte noch zur rite
Zeit nachholt, so gelingt es zwar, einen neuen Blüthenflor wieder
deben zu rufen; aber dann ist die größte Sonnenwärme des Somm
schon vorüber, die Pflanze ist theilweise entblägtert, die Blüthen J
ich nicht vollständig und fallen in diesem Zustande vor der Zei
dat die Pflanze obenauf noch nicht Dünger genug erhalten, odel
nerkt man dies an einem theilweisen Stillstande der Vegetation
aimmt man eine beträchtliche Portion des ausgelaugten Düngers
weg und legt neuen hinzu auf dieselbe Weise, wie oben angegebfs
Scheut man etwa das alljährliche Umsetzen der Pflanze, so
es, im Frühjahr nur eine neue Düngerlage oben auf zu legen,
nan wird ebenfalls Blüthen bekommen, aber nicht so viel, wie

A.
gar

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