Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

In Großbritannien in den bestbewirthschafteten Distrikten, flnden
wir die Ration Salz um folgende Zahlen schwanken, die als Basis
ingenommen werden: bei einem Kalbe, 6 Monate alt, 1 Unze (2 Loth)
vei einem Stier oder einer Kuh, 1 Jahr alt, Z Unzen; bei einem Mast—
ochsen 6 Unzen; bei einer Milchkuh 4 Unzen — pr. Tag berechnet.

In Belgien gibt es ein gesetzliches Quantum Salz, welches füͤr
landwirthschaftliche Zwecke berechnet und von der Steuer ausgenommen
st, die von dem andern Salz erhoben wird. Das Gesetz bestimm
für Ochsen eine Dosis von 2 — 1/0 Unze pr. Kopf und pr. Tag;
dieses ist zu viel für junge Kälber und für Stiere nach englischer und
deutscher Praxis zu wenig. Die Belgier vermischen noch dazu ihr un—
versteuertes Salz für die Landwirthschaft mit Gips oder Kalk, um es
fjür andere Zwecke untauglich zu machen, bevor sie es an die Land—
virthe vertheilen.

Wo Salz aus Gewohnheit einen Theil der Nahrung des Pferdes
bildet, wird im allgemeinen angenommen, daß es die geringste Mehr⸗
ausgabe oder dadurch entstandene Mühe reichlich bezahlt. Salz mit
dem Futter des Pferdes, Esels oder Maulesels zu vermengen, ist eine
häusige Praxis in England oder Amerika. In beiden Ländern ist die
zewöhnliche Ration für ein voll ausgewachsenes Pferd von mittlerer
Größe ungefähr 2 Unzen pro Tag. In Belgien beträgt die von der
Regierung bestimmte Quantität für ein voll ausgewachsenes Pferd
etwas mehr als 1 Unze pro Tag.

Für Schafe beträgt die in England und Deutschland in Anwen—
dung gebrachte Quantitäte! / Unze pro Kopf, wenn sie ausgewachsen
und von gewöhnlicher Größe sind. Zahlreiche Versuche haben den
Beweis geliefert, daß Salz den Schafen vortheilhafter ist als irgend
einer Gattung von Rindvieh.

Bei Schweinan scheint man als beste Portion 2/, Unzen pro Kopf
und pro Tag für voll ausgewachsene Schweine anzunehmen. Im Fall
der Krankheit kann die Dosis etwas vermehrt werden.
Bei der Reichung des Salzes, wenn es nicht als Mediein ge—
zeben wird, ist es um so besser, je genauer dasselbe wit dem Futter
permengt wird. Dies ist keine leichte Sache mit trockenem Futter, be—
onders mit dem, welches gesalzen worden ist, um es zu erhalten; in
diesem Falle müssen wir einen Ueberschlag zu machen versuchen über
den Betrag an Salz bei einem gegebenen Gewicht des trockenen Fut⸗
jers, damit nicht ein schädliches Uebermaß gegeben werde. In Wirth—
schaften, wo Oel- und Repskuchen in gepulvertem Zustande gegeben
werden, was ein etwas unverdauliches Futter ist, sollte die Ration Salz
damit gemengt werden, in Vorzug vor jedem anderen trockenen Futter.
Salz mit gekochtem oder halbflüssigem Futter zu mengen ist leicht.

Man muß festhalten, daß ein Uebermaß von Salz jedem Thiere
schädlich ist, und deshalb habe ich die vorhergehenden Zahlen als eine
Art von praktischem Führer gegeben. Ein Uebermaß von Salz erzeugt
Reizung und Entzündung der Schleimhaut und verursacht verschiedene
Arten von Hautkrankheiten, namentlich bei Schafen. Bei Pferden er—⸗
zeugt ein Uebermaß von Salz Dysenterie (Ruhr) und bei Ochsen
Krankheiten des Blutes.

Man soll nie dem Rindvieh Salz geben, sobald es nicht aus
Maugel an Futter reichliche Nahrung empfangen kann; man reizt den
Appetit, ohne ihm Genüge zu leisten, und die Thiere verlieren schnell
an Fleisch. Man muß das Salz auch überall da verbieten, wo wir
eine Entzündung der Eingeweide, der Leber, der Blase ꝛc. wahrneh—
men. In solchen Fällen dürfen wir uns nicht vom Instinkt der Thiere
seiten lassen, welches sie im Allgemeinen auf Salz hinleitet. In Krank—
heiten der Verdauungsorgane hat sich das Salz als vortheilhaft er⸗
wiesen.

Als Medicin angesehen, läßt es die Thiere bei folgenden Dosen
purgiren: Pferde bei 8—10 Unzen, Ochsen bei 10— 16 Unzen, Schafe
zei 2453 Unzen, Schweine bei 223 Unzen, Hunde bei 1 —2 Unzen.
Es wird Gift bei folgenden Dosen: für Pferde 2 Pfund (engl.), für
Ochsen 3 Pfund, für Schafe 6—8 Unzen, für Schweine 438 Unzen.

Ich habe nun alle Einzelnheiten gegeben, welche ich für noth
zig gehalten habe, und ich bin in deren viele eingegangen, wi
zlaube, daß die Aufmerksamkeit der Landwirthe nicht genug auf d
GBegenstand geleunkt werden kann. v. H. (Ellw. landw.

Die Mineralöle als Leuchtstoffe.

Die riesigen Fortschritte, welche die Chemie in den letzten de
nien gemacht hat, haben uns gelehrt, aus der Braunkohle, Torf
ninösem Schiefer werthvolle und billige Leuchtstoffe zu gewinnen.
ind dies das Paraffin, Photogen und Solaröl. Das!
raffin ist fest, und die daraus gefertigten Kerzen zeichnen sich
ihr schönes, sauberes Aeußere und durch die Helligkeit ihres bid
aus, leider besitzen sie aber einen niedrigern Schmelzpunkt als Ste
'o daß um den Docht herum stets eine Menge flüssiges Paraffu
befindet. Daß der Schmelzpunkt des Paraffins, wenn es gelingen
bessere Reinigungsmethoden ausfindig zu machen, erhöht werden
dürfte wohl kaum zu bezweifeln sein. Allein in erster Reihe stehen
das Solaröl und das Photogen nebst dem Petroleum,t
nassenhafter Verbrauch überall wahrzunehmen ist. Und in der?
oerdienen auch diese Oele, besonders Solarbl und Photogen, eine
zjemeine Verwendung, um das theure und bei weitem weniger b
ende Rübol zu verdrängen. Wer die Gelegenheit gehabt hat,
zrennende Solaröllampe und eine Moderateurlampe, in welcher!
rer doch das Rübbl mit der größten Leuchtkraft verbrennt, zu beob
sen, wird gewiß das Licht derselben gegen das der Solarbllampe
ein mattes und trübes bezeichnen. Die Feuergefährtichkeit des P
eums in seinem natürlichen Zustande war die Ursache, daß namer
oon den Englischen und Hamburger Behörden dessen Trausport
hewohnte Orte verboten wurde. Unter diesen Umständen konnte
Petroleum keinen Anklang finden. Um diesen Uebelstand, die fu—
gefährlichkeit des Petroleums, zu beseitigen, unterwerfen es die Wwe
raner erst einer Reinigung, um die leicht entzündlichen Gase zut
zernen. Mit der Entfernung dieser gasförmigen Producte ist wohl
iner Feuergefährlichkeit nicht mehr die Rede, allein es ist dami!
reuchttraft des Petroleums bedeutend beeinträchtigt worden und so
ich durch vergleichende Versuche ergeben, daß die Leuchtkraft
Pphotogens und Solaröles die des gereinigten Petroler
ibertrifft. Um das letztere auf seine leichte Entzündlichkeit zu
en, gieße man etwas davon in ein flaches Gefäß und versuche es
einem brennenden Spahne zu entzünden. Gut gereinigtes Oel
ich nicht entzüunden. So kann man auch getrost eine Lampe bei Al
hei daneben stehendem Lichte mit Steindl füllen und werden sich
Dämpfe bilden, die sich entzunden. Nur hüte man sich, Oel einzr
zen, während die Lampe brennt. Von allen diesen erwähnten Le
toffen ist für die gewöhnliche Zimmerbeleuchtung das Solaröl
uziehen und besonders dürften die Solaröllampen mit rundem D
ind eingeschnürtem Cylinder denen mit flachem Dochte vorzuziehen
ie geben nicht nur ein helleres Licht, sondern es sind auch die“
ür eine Lichtstärke geringer, als die Lampen mit flachem Dochte.
»eobachte nur, daß beim Anzünden der Lampe der Docht ganz
„erausgedreht sei, und daß der Cylinder nach dem Anzünden
uufgesetzt werden muß. Das Abschneiden des Dochtes, wie de
den gewöhnlichen Oellampen stattfindet, ist bei den Solaröllamper
iöthig, ein bloßes Abreiben der Kohle mit etwas weichem Papitt
inreichend, sogar nur zulässig, so daß man mit 2 — 3 Dochtt
janzen Winter ausreicht. Der einzige Vorwurf, den man dem So
uind Photogen mit Recht machen kann, ist der, daß sie beide
nicht gerade angenehmen Geruch haben. Dieser Geruch macht sich
nicht beim Brennen des Solaröles in gut konstruirten Lampen beu
bar; ist dies der Fall, so liegt es an den Lampen und moglicher
uuch an dem Solaröle, welches von verschiedener Beschaffenheit il
Handel kommt. Man kaufe nur möglichst farbloses Solarbl, dun
Del taugt nichts. Auch die Klage, daß öfters bei den Solarblam
zie Cylinder springen, ist in sofern unbegründet, als dies nicht an
Dele selbst liegt, sondern an dem unrichtigen Aufsetzen des Cylin
die Flamme darf nicht zu groß sein. Bei Lampen mit flachem

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