Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Fandwirthschaftlicher Verein.
Nach einem eingetroffenen Schreiben von Dr. Schneider aus
Worms ist derselbe in Folge eines plötzlich eingetretenen Todesfalles
in seiner Familie verhindert, seine Thätigkeit dem hiesigen Kreise in
yer Zeit vom 15.-22. d. Mts. zu widmen.
Die in der Bekanntmachung vom 4. Maic. angekündigten öffent—
ichen Vorträge über landwirthschaftliche Gegenstände zu St. Johann,
Fechingen, Saarbrücken und Heusweiler, werden daher ausfallen und
vird weitere Bekanntmachung darüber erfolgen, wann dieselben statt⸗
inden werden.
St. Johann, den 12. Mai 1864.
Der Director der Local-Abtheilung Saarbrücken,
G. Bruch.

Die Wirkung der spirituösen Getränke.
Alle Branntweine sind im Grunde nichts weiter, als mit vielem
Wasser verdünnter Alkohol in Verbindung mit einem kleinen Antheil
eines würzenden flüchtigen Oels, dessen Wirkung auf den Körper nicht
mit Bestimmtheit anzugeben ist. Die Branntweine enthalten mithin
eine Nährstoffe in den Formen, wie sie in unseren thierischen und
oflanzlichen Lebensmitteln angetroffen werden. Daraus folgt indessen
noch nicht, was Manche absprechend genug behaupten, daß die geisti⸗
gen Getränke durchaus ungeeignet seien, in dem Haushalte des mensch⸗
lichen Körpers irgend einen Nutzen zu stiften. Vielmehr steht fest, erst⸗
lich, daß dieselben den Körper direct erwärmen und im Blute einen
Theil der Kohlensäure und des Wasserdampfes ersetzen, welche wir, in
Folge einer nothwendigen Lebensfunction, fortwährend durch die Lun—
gen aushauchen. In diesem Sinne vertreten sie also auch die Stelle
eines Nahrungsmittels, z. B. des Fettes und der Stärke. Ein Schnaps
and ein Stückchen mageres Fleisch bilden ein ähnliches Gemisch, wie
das der Stärke und des Klebers in unserem Brote, also einen wirk
ichen Nährstoff.

Zweitens ist es ebenso ausgemacht, daß geistige Getränke den
Substanzverlust verringern, der dem Körper durch die Ausscheidungen
der Lungen und Nieren erwächst. Sie vermindern, gleich dem Kaffee
und Thee, den natürlichen Aufwand an Fett und Zellgewebe, und setzen
also nothwendig in gleichem Grade die Menge fester Nahrungsmittel
welche nöthig ist, um den Korper bei gleichem Gewicht zu erhalten,
herab. Sie haben, mit andern Worten, die Wirkung, daß eine gege—
bene Gewichtsmenge von Nahrungsstoff mit ihnen fuͤr die Erhaltung
der Koörperkraft und des Körpervolumens weiter reicht, als ohne sie.
iund neben dieser Ersparniß an Nahrungsstoff erleichtern sie auch noch
die Functionen der Verdauungsorgane, was bei einem schwachen Ma—
gen zuweilen von großem Werthe ist. Daher üben geistige Getränke,
wenn sie sonst der Leibesbeschaffenheit zusagen, auf alte Leute und schwäch—
iche Personen, deren Fett und Fleisch zu schwinden anfängt und durch den
Verdauungsprozeß nicht wieder ersetzt werden kann, einen wohlthätigen
Einfluß aus. Ein solcher Gewichts- oder Substanzpverlust ist eine der ge⸗
vöhnlichen Folgen des herannahenden Alters und ein sicheres Zeichen, daß
die Lebensfunctionen zu sinken beginnen. Der Magen erhält entweder
oder verdaut nicht genug Nahrung, um Das zu ersetzen, was der Kör⸗
per täglich an Substanz einbüßt. Schwache geistige Getränke verzögern
und mindern diest Verluste, ähnlich wie Kaffee, Thee. Sie sind ein
gelindes Reizmittel für die Verdauungsorgane und helfen ihnen besser
uind ausgiebiger arbeiten. Sie sind also, mäßig genossen, ein
vahres Lebens-Verlängerungs mittel. Daher haben die Dichter den
Wein die Milch der Greise genannt, und die Naturwissenschaft erkennt
das Treffeude dieses Ausdrucks vollständig an.

Alles dieses kann nun allerdings keineswegs den übermäßigen
Hang zu irgend einem geistigen Getränke rechtfertigen, noch die mora—
lischen Nachtheile beschönigen, welche ein solches Uebermaß unausbleib⸗
ich im Gefolge hat. Die guten Wirkungen, von welchen der Verfasser
gesprochen, zeigten sich nur bei mäßigem Gebrauche. Aber freilich liegt
die eigenthümliche, mit dem Genuß geistiger Getränke verbundene Ge—
fahr darin, daß derselbe so äußerst verführerisch, und die Gewohnhei

Persouenposten.
Abgang von Saarbrücken-Bahnhof:
nach Hanweiler (Saargemünd) 8 Uhr 20 Min. Vorm.
5 15, Nachm.
3 30 ,„ Vorm.
5 3830 Nachm.
79 Nachm.

nach Lebach per Heusweiler
und außerdem
nach Heusweile.7 „10,
von St. Johann ..7
Saarbrücken, den 21. April 1864.
Königl. Post-Amt. Munds.

2M

des Trinkens, wenn sie sich einmal gebildet hat, fast unüberwindliqh
Die bösartige Natur der geistigen Getränke wird, wenn sie erst
Oberhand gewonnen haben, besonders dadurch erkannt, daß sie Lei
—V Verbrechen erzeugen und groß ziehen.
„Wo ist Weh?“ fragt Salomo, „wo ist Leid? Wo ist Zan
Wo ist Klagen? Wo sind Wunden ohne Ursache? Wo sind rothe
gen? — Da, wo man lange beim Wein liegt, wo man gemisch
Wein sucht. Siehe den Wein nicht an, daß er so roth ist und
Glase so schon stehet! Er gehet glatt ein, aber darnach beißt er
rine Schlange und sticht wie eine Otter.“

Anwendung von Gebläsewind bei Flammöfen.
Die Anwendung von Gebläsewind bei Flammofen, eine zeitlan
in Folge der Arbeiten Ebelmen's sehr hoch gepriesen, wurde spär
pielsach wieder verworfen; heute aber kommt man, ungeachtet der d
gegen gemachten Einwendungen, wieder darauf zurück. Man schlit
den Aschenfall des Ofens durch eine Thür und bläst mittelst eint
Ventilators Wind unter den Rost, anstatt ihn durch eine Esse anzusa
zen. Diese Gebläseflammöfen gestatten den Verbrauch des Kohlengru
essen Verbrauch verhältnißmäßig gering ist. Man hat zu Ser gied
dabei folgende Resultate erhalten:
Drei Schienen⸗Schweißöfen verbrauchten in 21 Tagen a 24 Sun
den: 1566 Hectoliter (a 1 Scheffel 181/3 Metzen preuß) Kohle zu
Frce. 60 Centim., 1782 Hectol. Kohlengrus zu 1 Fre. 10 Cemtin
voraus sich ein Kostenaufwand von 4287 Fres. 60 Centim. ergi
Dieselben Oefen verbrauchten in derselben Zeit bei Anwendung
Hebläsewind: 36 Hectoliter Kohle zu 1 Fre. 60 Centim., 3306 He
iter Kohlengrus zu 1 Fre., woraus sich ein Kostenaufwand von 32
Fres. 60 Centim. ergibt. Die Ersparung beträgt demnach 9249
»ei den Gebläsebfen, oder 14 Fres. 75 Centim. pro Ofen und
Tag ohne Berücksichtigung der Kosten für den Motor.
Ferner liegt ein Hauptvortheil des Gebläseofens darin, daß m
ein sehr hohes Feuer auf dem Roste halten kann; die Folge davon
zine sauerstoffarme Flamme und daher geringe Oxydation der Schweh
⸗ackete. Diese sind in einem gewöhnlichen Zugflammofen auch sehr di
Wirkung der Luft ausgesetzt, wenn man im Ofen arbeitet; denn beh
Deffnen der Arbeitsthür füllt die durch die Esse mit Hestigkeit ang
sogene Luft den Ofen an und wirkt stark oxydirend auf die Pack
wodurch natürlich der Abbrand bedeutend vermehrt und die Schwe
»arkeit beeinträchtigt wird. Dagegen kann man während einer H
»en Rost nicht reinigen, und da das Brennmaterial gewöhnlich unrt
st, so bildet sich auf dem Rost eine dicke Schlackendecke. Auch hat m⸗
den Gebläseöfen noch den Einwand gemacht, daß in ihnen die Pacdh
zu rasch erhitzt würden, so daß sie auf der Oberfläche schon Schwe'
zitze hätten, während der Kern noch kalt wäre. Dieser Einwand
edoch nicht stichhaltig; denn bei einer richtigen Windführung wird dit
nicht vorkommen. Bei Gebläseöfen wird das Gewölbe des Ofen'
besser benutzt als bei gewöhnlichen Zugöfen, denn bei diesen wird d
zlamme durch den Essenzug in horizontaler Linie durch den Ofen
ogen und wirkt bei Gelegenheit mehr oxvdirend auf's Eisen, wäb
            
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