werden. Die Theorie wird wie bereits erwähnt, auch hier durch die
rxacte Erfahrung unterstützt, und ebenso, wie man dies aus verschiedenen
Gegenden hört, ist auch in hiesigen Kreisen, nach längerer Anwendung
des Peru-Guano zum Backer-Guano und zum Knochenmehl überge—
gangen worden, oder wenigstens zu einer Mischung von hauptsächlich
stickstoffhaltigen Düngemitteln, nachdem mit Hülfe der ersteren die Cultur
und der Humusgehalt des Bodens erhöht worden waren.
Ad 5. Kann man die verschiedenen Düngmittel als in ihrer
Wirkung gleichwerthig erachten, kann man, wie es noch oft geschieht,
ohne Rücksicht auf die Bestandtheile des Düngers, blos nach Geld—
werth düngen, oder kann man noch von Düngung mit „fkünstlichen
Düngemitteln“ ohne weitere Rücksicht auf ihre Bestandtheile reden?
Nachdem die Bedingungen des Pflanzenlebens, die Zusammen⸗
setzung und Eigenschaften des Bodens und die Verhälmisse des Bodens
zur Pflanze aus den Forschungen der Wissenschaft erkannt worden sind
und nachdem auch die exacte Erfahrung sich überzeugt hat, daß die
Resultate der Forschung bei dem landwirthschaftlichen Betriebe sich
überall geltend machen, können über die Verhältnisse der Bodenfruchtbarkeit,
zu den verschiedenen Düngmitteln bei dem gebildeten Land—
wirthe keine Zweifel mehr obwalten. Es ist klar: jedes Düngm itte'
hat je nach seiner Zusammensetzung und je nach seiner Eigenschaft
einen wechselnden Werth, je nach den Bodenverhältnissen, unter denen
es zur Auwendung kommen soll, und es kann daher im ökonomischen
Sinne, von einem Düngen nach Geldwerth nicht mehr die Rede sein
Für den einen Landwirth handelt es sich darum, wie er sich am
billigsten den für seinen Boden nothwendigen Humusgehalt beschaffe,
oder wie er sich den Stickstoff am billigsten gewinne, um die chemischen
Wirkungen des fehlenden Humus hervorzubringen. Für einen andern
Landwirth, oder resp. in einem andern Falle, für ein anderes Feld
handelt es sich um das billigste Mittel, den vorhandenen Humus zu
einer schnellen und vollkommenen Verwesung zu bringen, um den Ka
pitalumsatz zu beschleunigen, und hiermit den Gewinn zu erhöhen.
Wieder für einen andern Fall handelt es sich darum, dem Felde auf
die billigste Weise Kali, oder Phosphorsäure, Schwefelsäure, Magn esia
u. s. w. zuzuführen, — immer in einer Form in welcher zugleich eine
baldige Verwendung zu Gunsten der Pflanzenproduction zu erwarten
steht, und dies ist die möglichst fein vertheilte Form.
Der Begriff: „künstliche Düngemittel“ ist in unserer Zeit etwas
unklar geworden, weil man sich gewöhnt hat, nur die in der neueren
Zeit von der Wissenschaft dem Landwirthe zugewiesenen Düngemittel
mit dem Namen „künstliche“ zu belegen, während die schon in früherer
Zeit angewendeten, nicht aus dem wirthschaftlichen Betriebe stammen⸗
den Düngemittel, z. B. Kalk, Mergel, Asche, Gyps ꝛc. mit eben dem—
selben Rechte zu dieser Categorie zu zählen sind, und wäre deshalb im
Interesse des allgemeinen Verständnisses zweckmäßig nur von Hof- und
von Handels-Düngemitteln zu sprechen. Den Werth eines Dünge—
mittels nach der Stöckhardt'schen Methode festzustellen, halte ich
für falsch, denn der Werth desselben ist nur ein volkswirthschaftlicher
Gebrauchs-Werth, d. h. er wird bestimmt durch die Production, welche
in Folge seiner Anwendung veranlaßt wird. Diese Production ist
aber ganz abhängig von dem Verhältniß, in welchem die Zusammen⸗
setzung und die Eigenschaften des Düngemittels zu der Zusammen⸗
setzung und den Eigenschafren des Bodens steht, für welchen das erstere
bestimmt ist, so daß die von Stöckh ardt festgestellten Werthe der
Nahrstoffe nur zu Begriffsverwirrungen führen. Erst der Herr Medi
zinalrath Dr. Mohr zu Coblenz hat in der landwirthschaftlichen Zeit⸗
schrift für Rheinpreußen eine rationelle Methode für die Ermittelung
der volkswirthschaftlichen Werthe verschiedener Pflanzen-Nährstoffe an—
gebahnt. Gorts. folgt.
Zur Gesundheitspflege.
Manche Einflüsse der Luft und anderer Körper sind im Augenblick so
wenig bemerkbar, daß sie übersehen werden und erst im Laufe der Zeit, aber
dann auch einen um so schädlicheren und dauernden Einfluß üben. Dazu
gehört die üble Gewohnheit ein Nachtlicht zu brennen. Nicht bloß, daß man
unruhiger und weniger gut schläft, als in einem vollständig dunkeln Zim—
mer, sondern das Licht verzehrt auch einen beträchtlichen Theil des im
Schlafzimmer enthaltenen Sauerstoffes. Wie nachtheilig Zimmerluf—
auf die Gesundheit wirkt, haben die in München angestellten Versuche
ergeben. Woher käme es denn auch, daß die Luft auf dem Lande
hesser ist, als in der Stadt! Zu dieser schlimmen Angewöhnung
kommt noch in neuerer Zeit das Gas, welches so viel Sauerstoff ver—
braucht, daß die Luft im Zimmer merklich unangenehm wird, wenn
man nicht fleißig lüftet. Es ist schon schlimm genug, daß man im
Winter mehrere Stunden Licht haben muß, es ist aber Thorheit, diesen
Nachtheil auf die ganze Nacht auszudehnen. Das Gas wird jetzt in
Privatwohnungen immer mehr angewendet und sogar in den Schlaf—
immern durch Kleinerstellen der Flamme als Nachtlicht benutzt. Viele
Anglücksfälle sind dadurch schon entstanden, weshalb darauf aufmerksam
zgemacht wird. Ein geringer Luftzug schon, eine Bewegung der Bett⸗
decke ist im Stande, ein solches Flämmchen auszuloschen, und die ge—
ährliche Gasausströmung aus dem unverschlossenen Rohr zu veranlassen.
(Nach d. Arbeitgeber.)
Vermischtes.
In Stettin sind in den städtischen Anlagen Beleuchtungsver⸗
uche mit Petroleum angestellt worden, die ein sehr gutes Resultat er—
jeben haben. Es stellte sich heraus, daß der Leuchtwerth des Petro—
eums viermal größer als der des früher verwendeten Rüböles und
dennoch der Kostenpunct geringer ist. Während die Unterhaltungskosten
einer Straßenlaterne bei Rüböl 121/,, Thlr., bei Gas früher 147/6,
etzt 117/3 Thlr. betragen, würden bei Anwendung von Petroleum nur
112/3 Thlr. erforderlich sein.
Leuchtgas. Dem Fabrikanten H. Grütter in Nienburg ist es
nach der Ill. Ztg. gelungen, im Großen Wasserstoffgas darzustellen,
das er mit Kohlenstoff gemengt zur Beleuchtung benutzt. Dasselbe soll
veit billiger als das aus Steinkohlen dargestellte Gas sein und weniger
)en nachtheiligen Wirkungen des Temperaturwechsels unterliegen, während
es sich leicht auf weite Entfernungen leiten läßt. Der Erfinder be—
euchtet damit seine Fabrik und Wohnung.
Eine Geradführung für Schneidbohrer, welche Hadley
in Amerika ausgeführt hat, soll die Schwierigkeiten beseitigen, welche
es macht, in ein etwas dickes Arbeitsstück ein Muttergewinde genau in
gerader Richtung einzuschneiden. Der Schneidbohrer wird durch eine
bon einer starken Spiralfeder umwundene Röhre gesteckt, die auf einem
Dreifuße sitzt und der viereckige Zapfen an seinem obern Ende wird
durch eine Preßschraube mit einem Bundringe verbunden, der sich an
das Obertheil der Spiralfeder anschließt; je mehr nun der Bohrer bei
der Arbeit vorrückt, desto stärker drückt er auf den Bundring, der wie—
der durch die Spiralfeder den Dreifuß an das Arbeitsstück andrückt.
Auf diese Weise soll dem Bestreben des Bohrers von der geraden
Linie abzuweichen, entgegengearbeitet und gegen die gewöhnliche Weise
bedeutend an Zeit erspart werden.
Literatur.
die Trichinen im Fleische des Schlachtviehes und die Trichinenkrank—
heit des Menschen nach dem Genusse von Fleischspeisen aus zwanzig—
jähriger Erfahrung mit mikroskopischen Abbildungen von Dr. med.
Klencke ꝛc. Leipzig, Verlag von Christ. Ernst Kollmann. 1864.
Der Herr Verfasser, welcher schon im Jahre 1844 seine Beobachtung
n wissenschaftlicher Form bekannt gemacht und seitdem diesen Gegenstand
nicht aus den Augen verloren hat, verdient vor allen Anderen, daß das
Bublikum in seine Ansicht Vertrauen setzt. Er hat diese kleine Schrift zum
Anterricht und zur Belehrung des Publikums geschrieben, welches durch
nancheriei Zeitungsberichte erschreckt worden ist und bedroht zu sein glaubt.
Zugleich soll das Schriftchen aber auch als Antwort der vielen Anfragen
ind Anforderungen dienen, welche in Naͤhe und Ferne von Aerzten und
anderen Personen über die Trichinencalamität an den Herrn Verfasser ge⸗
richtet worden sind.
Wir glauben sicher, daß durch Lesung dieses Schriftchens der eben
angedeutete Zweck nicht allein größtentheils erreicht, sondern überhaupt auch
n dieser, viele gewerbliche Interessen berührenden Frage, viel Gutes ge⸗—
tiftet werden wird und nehmen daher keinen Anstand, das Publikum be—
onders darauf aufmerksam zu machen und die Anschaffung desselben bestens
u empfehlen.