Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

es Messers und sonstigen Einflüssen und lassen sich mit Porzellan⸗
Aben Loloriren und brennen. Die auf Glasfenster eingebrannten
Photographien haben in Kraft, Haltbarkeit und Lichteffect eine über—
jaschende Wirkung, welche oft nicht nur die Glasmalerei ersetzen kann,
sondern derselben in vielen Fällen vorzuziehen ist. Auf Stahl und
anderen Metallen eingeätzte Photographien gleichen der elegantesten
Arbeit des Graveurs oder Ciseleurs.

Das unter der Firma Heidenhaus u. Comp. in Apolda be⸗
tehende Etablissement hat bereits eine große Anzahl der verschiedensten
Begenstände des bezeichneten Genre geliefert und führt Aufträge aller
Art schnell und in der gelungensten Weise aus; dasselbe hält auch be—
reits ein Lager von mit Photogravhien verzierten und reich decorirten
porzellanwaaren.

Technische Notizen.

Wagenschmiere. Während man in Deutschland die Eisenbahn—
oagenachsen vielfältig und fast ausschließlich mit flüssigen fetten Oelen
chmiert, benutzt man in England fast ausschließlich die festeren Schmier—
nitiel. Die sogen. Locomotivschmiere ist, nach dem Bresl. Gwolt., ein
Bemisch von Palmol oder Talg mit einer schwachen Sodalösung, wäh—
end die sogen. Antifriction oder Wagenschmiere aus einer Mischung
zen Kalkmilch mit Harzol bereitet wird. Da die Ausgabe für Schmier⸗
aittel einen sehr bedeutenden Posten bildet und eine unpassende Schmiere
ehr viel Kraftverlust und eine große Abnutzung der Maschinen und
Wagen bewirken kann, so haben sich verschiedene große engl. Eisenbahn—
esellschaflen entschlossen, ihre Schmiere selbst zu fabriciren, um sicher
uu sein, dieselbe immer in gleicher Güte zu erhalten. Für Locomotiven
bird meistens nur Oel, für Passagier- und Güterwagen Talg-Palmöl—
„oda⸗Schmiere, für Grubenwagen ohne Achsbüchsen dagegen die Harzöl—
hmiere angewendet. Die Talg-⸗Palmöl⸗Soda-Schmiere ist von hellgel—
er Facbe und von verschiedener Consistenz. Einige Fabrikanten wen—
,en nur Palmöl an, andere setzen Talg zu, wodurch zwar die Kosten
rhöht werden, aber eine viel bessere Qualität und auch mit verhältniß—
näßig weniger Feitzusatz eine gleiche Consistenz erhalten wird. Eine
z„chmiere mit 35 6/0 der gemischten Fette langt ebenso weit, als eine
lche, die 45 630 Palmöl allein enthält.

Vor einigen Jahren wurden über den Verbrauch von Schmiere
ergleichende Versuche angestellt. Dabei hielt eine Füllung der Achsen—
üchse bei der besten Schmiere ca. 1200 engl. Meilen aus, während bei
er schlechtesten Sorte schon nach 40 engl. Meilen alle Schmiere ver—
hraucht war. Die beste Sorte enthielt 30 00 des Talg⸗ oder Palmöl⸗
gemisches, die schlechteste 30 0 Palmöl allein. Eine Schmiere, die
16 00 fast reinen Talg enthielt, zeigte sich zu fest, die Achsen wurden
parm und die Schmierbüchsenfüllung reichte nur für 800 engl. Meilen.
Die beste Schmiere wurde nach wenigen Umdrehungen zur Consistenz
eines sehr dicken Rahmes erweicht, in welchem Zustande sie ein sehr
zollkommenes Schmieren bewirkte. Damit möglichst wenig Rückstand
n der Absenbüchse bleibt, muß das Verhältniß der angewendeten Soda
nmöglichst niedrig gehalten werden, 1, —1, 6/0 kohlensaures Natron ge—
nügen vollständig; gewöhnlich wendet man 23/.—3 0/0 krystallisirte Soda
in, was dem angegebenen Verhältnisse von reinem kohlensauren Natron
enispricht.

fettige Substanz angewendet werden, während 38 o/ Fett selbst fün
die wärmsten Sommermonate genügen.
Folgende Gewichtsverhältnisse sind mit den besten Erfolgen ange—
vendet worden:

Für den Sommer: Für den Winter:
Talg.... 41/ Centner engl. 33/. Cenmer engl.
Palmb6l....2 2
Wallrathöͤl. .. 22Pfh. * 35 Pfd. J
Krystallisirte Soda. 1Cwr. 8 Pfd.„ 1Cir. 14 Pfd.,
Wasser...12, 26 12 96
Mit Abzug von 21/ Pfd. für Verlust wurde so 1 Tonne Schmiere
rhalten. Der Zusatz der kleinen Quantität Wallrathöl hat sich sehr
weckmäßig erwiesen.

Die Harzöl⸗Kalkmilch⸗Schmiere, das sogen. englische oder belgische
Patent⸗Wagenfett, ist jetzt durch den Amerikanischen Krieg fast aus dem
LBerbrauche verschwunden, da das Harz und Harzöl im Preise zu hoch
jestiegen ist. Man destillirte das Harz in eisernen Retorten, sonderte
ie ersten flüchtigen Antheile ab, die als Terpentinöl gebraucht werden
nnen, und reinigte wohl auch das dann übergehende schwere Oel
zurch Rectification. Der Kalk wird zu einer zarten Kalkmilch gelöscht
ind diese noch dadurch gereinigt, daß man sie durch mehrere überein⸗
inder stehende Gefäße fließen läßt, wo sich alle gröberen Theile in den
ersten Bottichen absetzen und nur der zarteste Schlamm sich im letzten
Zammelgefäße niederschlägt. Man zieht das klare überstehende Wasser
ib und läßt den feinen Brei am Boden auf Tüchern ablaufen, über⸗
gießt dann den teigartigen Rückstand mit einer kleinen Quantität Harzol,
velche sich mit dem Kalke verbindet, so daß das beigemischte Wasser
iblaufen kann. Diesen so erhaltenen Rahm setzt man nun dem Harzble
nn der Kälte unter beständigem Rühren zu, bis die passende Consistenz
ꝛrreicht is. In anderen Fällen wird das Harzoöl bloß mit einer sehr
näßigen Kalkmilch (ca. 23 0,00) gemischt. So erhält man die billigere
darzschmiere. Bei größeren Portionen wird das Mischen zweckmäßig
durch eine Maschine verrichtet. Die Versuche, durch schwere Solarble
und ähnliche Substanzen das Harzbl zu ersetzen, haben zu keinem rech⸗
en Resultat bis jetzt geführt, wenigstens nicht mit Zusatz des Fettes.
In neuester Zeit hat Prof. Schwarz in Breslau ein einfaches Mit⸗
gel gefunden, um eine dem Patent-Wagenfette durchaus gleichstehende
Schmiere aus schwerem Solaröl anzufertigen und stellt er Proben zur
Ansicht gern zu Gebote.

Vermisehtes.

Jagdscheine in Frankreich. Die Zahl der in diesem Jahre
n Frankreich gelösten Jagdscheine beläuft sich auf 180,000 Stück mit
inem Gesammtertrag von 41,, Mill. Francs. Im Durdhhschnitt wer⸗
en jährlich 155,000 solcher Scheine gelbst, die dem Staate 2,325,000,
en Gemeinden 1,550,000 Fres. einbringen. Die Zahl der französi—
chen Wilddiebe wird auf 455,000 Köpfe veranschlagt. Angenommen,
zaß das Erträgniß der Jagd durchschnittlich für jeden Jäger 50 Fres.
ruusmacht, ergibt sich eine Gesammtsumme von 30 Mill. Frks., die von
einigen Statistikern auf 50 Mill. gebracht wird. Im französischen
dandel figurirt die Jagd unter der Rubrik „Einfuhr“ mit 18, unter
„Ausfuhr“ mit 7 Mill. Fres.

—ö———

Zur Verhütuug des Zerspringens der Glascylinder
vird empfohlen, den neuen Glascylinder, ehe man ihn in Gebrauch
nimmt, in der Art zu kochen, daß man denselben in einen mit kaltem
Wasser angefüllten Topf steckt und das Wasser bis zum Sieden erhitzt.
Der Cylinder soll dadurch eine solche Festigkeit erhalten, daß er von
der Flamme des Lichtes nicht platzt.

Die Fabrikation ist ungemein einfach. Die Fette werden in einem
kessel geschmolzen und auf 82 — 880 C. erwärmt. Das Wasser uund
die krystallisirte Soda werden in einem andern Gefäße auf 930 C. er—
vwärmt und beide Flüssigkeiten dann in einen hölzernen Kübel laufen
Rlassen, in welchem man sie bis zum Erkalten unter einander rührt.
Je langsamer die Erkaltung vor sich geht, eine desto festere Waare wird
tzielt. Man bereitet daher gern größere Mengen auf einmal, wodurch
die Erkaltung sehr verlangsamt wird. Natürlich sucht man die Ein—
nischung von Sand und Schmutz fern zu hallen.

Für die verschiedenen Jahreszeiten sind etwas abgeänderle Mischungs
erhältnisse nothwendig. In der kältesten Zeit müssen weniastens 250

Alle Obstbäume sind in diesem Jahre so voll Tragknospen,
daß die Baumbesitzer darauf aufmerksam gemacht werden, an jungen
Bäumen wenigstens die Hälfte der Blüthen bei Zeiten auszubrechen,
venn der Rest der Früchte vollkommen und die Bäume erhalten werden
zken.
            
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