Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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den Kreis Saarbrücken.

M 35.

Donnerstag den 5. Mal

1864.

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Das Schaltjahr 1864 ist ein Maikäfer-Flugiahr
Pon Freih. v. Manteuffel, Oberforstmeister in Colditz.

Der Maikäfer (Melolontha vulgaris) bedarf, wie bekannt, in
unserem Klima einen Zeitraum von vier Jahren zu seiner völligen
lusbildung, deshalb und weil fast kein Insect eine solche lange Lebens—
auer hat und während dieser Zeit seinen gewöhnlich schwer zugäng—
ichen Aufenthalt so sehr verändert, erscheint es von besonderer Wich
zkeit, dessen Lebensweise zu kennen, um ihm durch zweckmäßige Ver—
lqungsmittel beizukommen.

Nach Ratzeburg („die Forst-Insecten“) graben sich die Weib—
„en der Maikäfer nach der Begattuug am liebsten in Aeckern, trockener
erde, doch wenn sie solche nicht auffinden, auch auf berasten, festen
Liesen, ja selbst auf mit Laub und Waldunkräutern bedecktem Boden
bis 8 Zoll tief ein und legen dort 12 bis 30 Eier von der Größe
nes Hanfkornes auf ein Klümpchen zusammen. Sie verlängern dann
itweder die Röhren eine kurze Strecke weit, um eine zweite Brut von
benso viel Eiern etwas entfernt von den ersten zu legen, oder sie ver⸗
issen die erste Röhre ganz, um sich zu diesem Behufe anderweit ein—
agraben. Nach beendigtem Eierablegen sterben die Weibchen meist
uch in der Erde und haben sich so ihr eigenes Grab gegraben. —
Die Entwickelung der Eier zu Larven erfolgt meist schon nach 4 bis
Wochen. Die Larven erreichen schon im ersten Jahre eine Länge
yon 8 bis 9 Linien, wobei sie aber noch sehr dünn bleiben. — Wäh—
end des ersten Jahres verbleiben sie in geringer Entfernung von
mander, während sie sich schon im zweiten Jahre mehr zerstreuen und
m dritten und vierten Jahre nach allen Richtungen hin entfernen um
Wurzeln zur Nahrung aufzusuchen. — Zum Winter graben sie sich
ieftr, und oft mehrere Fuß tief in die Erde, und auch um den jährlich
inmal eintretenden Häutungsprozeß zu überstehen, begeben sie sich mehr
a die Tiefe. Ebenso sind sie auch mitten im Sommer, je nachdem
er Boden dürr oder feucht ist, bald höher, bald tiefer in der Erde zu
inden. — Ihre Nahrung besteht in den ersten zwei Jahren, muth
naßlich, aus verretteten vegetabilischen Stoffen, wogegen sie während
ts 3. und 4. Lebensjahres nur von Wurzeln leben. — In diesem
Ater vermogen sie mit ihren scharfen Zangen starke Wurzeln zu eat⸗
uinden und minder starke gänzlich zu zernagen. Sie lieben vornehm⸗
ich jüngere Pflanzen, gehen aber auch Hoͤl,pflangen von fast allen
Hattungen, bis zum Alter von 10 und mehr Jahren an, die sir öfiers
hhrer Wurzelhaut bis an den Wurzelknoten hinauf berauben und selbst
bis 30 Fuß hohe Obstbäume sind bisweilen von ihnen nicht ver⸗
chont. Dabei sind ihnen Rüben, Erdäpfel, sowie die Wurzeln von
aillen Garten- und Feidfrüchten eine Lieblingsspeise. — Am Ende des
ierten Sommers, oft schon im August, gehen die Engerlinge tiefer
uls sonst, wohl ein Klafter tief in die Erde, wo sie sich innerhalb
iner ovalen Höhle verpuppen. — Schon nach vier Wochen entwickeln
ich die anfangs ganz blassen und später immer mehr dunkelnden und
»trhärtenden Maikäfer, um sodann, bei eintretender Frühjahrswitterung
»es darauf folgenden Jahres, sich wieder nach der Oberfläche hinaus—
ubohren. Sie fangen mit viefem Geschäft, so weit es der Frost er
aubt, gewöhnlich schon Mitte Februar an, so daß sie im April und
—* dem ausbrechendem Laube ihren Flug und ihre Begattung
ginnen können. — Der Käfer frißt die Blälter der meisten Holzge—

vwächse und verschont nur das Laub der Traubenkirsche. Unter den
Feldfrüchten soll er in vereinzelten Fällen den Rapskohl gefressen haben.
— Zur Nachtzeit und am Tage ruht er, in den Stunden der Däm—
nerung sieht man ihn schwärmen und des Morgens, wenn er vom
Thau erstarrt ist, hängt er still und nur locker an den Gewächsen. Das
Sammeln der Käfer in den Morgenstunden ist daher am lobnendsten.

Obschon wir jährlich Maikäfer fliegen sehen, so hat man doch seit
angen Jahren beobachtet, daß deren Haupiflugzeit immer mit den
—AV
zewachsener Engerlinge, welche man im vergangenen Sommer gefun—
den, ist im heurigen Schaltiahre ein ungewöhnlich starker Maikäferflug
zu erwarten.

Wohl dürfte es daher an der Zeit sein, daß Städter und Land—
nann sich vereinigten zum gemeinsamen Feld- und Waldzuge gegen
dieses Thier, welches zur Landplage zu werden droht, wenn dessen un—
zlaublich rascher Vermehrung nicht bald und kräftig entgegen getreten
vird; denn bei nur einiger Aufmerksamkeit kann uns nicht entgehen,
daß die Zahl der Maikäfer vom Frühjahre zu Frühjahre sich in
Schrecken erregender Weise vermehrt und daß Wiesen, Gärten, Felder
ind Wälder, durch die Verwüstungen, welche der Käfer selbst an Blü—
hen, Blättern und Aehren, vornehmlich aber dessen Larve (der Enger⸗
ing) an den Wurzeln und Knollen der Culturgewächse anrichtet, arg
eschädigt werden.

Alle diejenigen, welche die obigen Angaben etwa noch bezweifeln
oder für übertrieben halten sollten, vornehmlich aber die Landwirthe,
fordert der Herr Verf. auf, nur einmal mit offenen Augen der Kar⸗
offel- und Rübenernte beizuwohnen, oder fich hinter die Mäher zu
tellen, welche die Halmfrüchte auf den Feldern schneiden, und sie wer⸗
den mit Erschrecken sehen, welch erheblicher Theil der Rüben und Erd⸗
ipfel von den Engerlingen befressen oder ganz ausgehöhlt ist und wie
»iele Halme durch die Sense sammt ihren Wurzeln aus dem Felde
zerissen werden, weil letztere durch die Engerlinge abgenagt wurden,
ind sie werden sich nicht mehr über geringen Ausdrusch wundern,
veil sie wissen, daß die an ihren Wurzeln benagten Halme nur unvoll—
'ommen und wenig Körner zu tragen vermögen. Im Walde wird
nan die zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, mit vielem Fleiße
uind Geldaufwande ausgeführten Culturpflanzungen vergelben und
endlich absterben sehen, weil die Wurzeln der jungen Stämmchen durch
»en Engerling abgenagt wurden. Erst dann wird man sich einen Be—⸗
zriff von der Schädlichkeit der Maikäfer machen und die Nothwendig—
eit einsehen, daß es Pflicht der gesammten Landesbevölkerung ist, alle
uu Gebote stehenden Mittel zu ergreifen, um gegen diese Landplage an⸗
ulämpfen und nicht, wie zeither, ruhig abzuwarten, bis der angerichtete
Schade unerträglich, die Vertilgung der Maikäfer dann aber ein Werk
der Unmöglichkeit geworden ist.

Was aber die zur Vertilgung der Maikäfer uns zu Gebote stehen
den Mittel betrifft, so sind dieselben zweierlei Art, nämlich: a) durch
Anterstützung der Natur, indem wir solche Thiere hegen und zu ver—
nehren suchen, deren Nahrung vornehmlich aus Maikäfern oder Enger⸗
ingen besteht, und b) durch Menschenhände, indem wir Maikäfer und
Engerlinge sammeln und fködten.
            
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