Ein zweiter landw. Wanderlehrer im Süden der
Provinz
(Aus der Zeitschrift des landwirthschaftlichen Vereins für Rheinpreußen.)
(Schluß.)
Die letzte Versammlung, gehalten am 10. Mai auf dem Karls
hofe, erfreute sich eines Besuches von gegen 200 Landwirthen, Forst
heamten und Frrunden der Landwirthschaft. Dieselbe wat votzugs⸗
weise einem Vortrage über den Weinbau gewidmet. Nachdem der Vor—
ragende, Herr Dr. Schneider, die ofkonomische und national-vkono⸗
nische Bedeutung des Weinbaues erörtert hatte, verbreitete er sich: 1)
iber die Wichtigkeit, vor neuen Weinbergsanlagen den Boden ans
seine physikalischen Eigenschaften und seinen chemischen Bestand zu un
ersuchen, weil hierauf nicht nur die Auswahl, sondern auch die Erzie⸗
hungsart und die Art der Düngung Bezug habe; 2) über die Rodung,
den Schnitt und die Behandlung der Setzreben, bezüglich der Rodung
Janz besonders betonend, wie durch das zu tiefe Roden, namentlich bei
schwachwurzelnden Rebsorten, Nachtheile entständen, die später nicht
eicht gut zu machen seien; 3) über die Schnittart, besonders ermah⸗
nend besorgt zu sein, daß den in hiesiger Gegend noch vorkommenden
Hadweinbergen durch die ausführbare Zwei⸗ oder Dreischenkelzucht eine
hessere Cultur zu Theil werde; 4) über Pfahl- und Drahtanlagen,
ahnlich wie aus der Versammlung zu Kreuznach schon berichtet ist;
5) uͤber die Düngung, namentlich hinweisend auf die Düngung junger
Anlagen mit Wembergsdünger und auf die Nachtheile zu tiefer Ein⸗
bringung des Mistes; ferner über die Erfolge der verschiedenen Dün⸗
gerarien, des Guano's, der Asche, der Rebenabfälle, des Knochenmehls,
Zes Weinbergsdüngers, der mit Eisenvitriol behandelten Mistjauche und
des Compostes, wie aus früheren Versammlungen bereits eingehend
berichtet ist; 6) üüber die Weinlese, besonders hervorhebend die Nach
heile zu der späten, aber auch der zu frühen Weinlese; 7) über die
Behandlung der Weine.
Hieran reihte sich die Erorterung mehrerer Fragen, über die wir,
weil sie auch auf früheren Versammlungen zur Sprache kamen, schon
berichtet haben. Als neu heben wir aber noch hervor die Frage, wie
die Korner am geeignetsten zu verfüttern seien. In dieser Beziehung
wurde hingewiesen auf die Nachtheile, welche die Fütterung derselben in
Mehlform mit sich bringe, auf die aber noch weit größeren Nachtheile
der Ganzfüuerung, namentlich bei im Alter vorgerückten Thieren, weit
zieselben einen großen Theil der Körner unverdaut von sich geben und
weil, wenn sogenannte Hinterfrucht mit allerlei Unkrautsamen zur Füt⸗
erung komme, auch die Felder, wegen des zum Vorschein kommenden
Ankrauts, darunter leiden müßten. Daher sei eine Queisch- oder auch
ine Schrotmühle ein Geräthe, das in keiner Wirthschaft fehlen dürfte.
Die weitere Frage, betreffend die Vertilgung des Flughafers, wurde
dahin beantwortet, daß der öftere Bau von Hackfrüchten nebst einem
deien guten Bau der Felder die geeigneisten Mittel seien, diesem schlim⸗
nen Unkraute vorzubeugen.
Hhiermit wurde auch die 8. Versammlung geschlossen. Der Herr
docal⸗ Abiheilungs-⸗Director sagte dem Herrn Dr. Schneider für die
gehaltenen Vorträge Dank, und Herr Schneider dankte für den recht
zahlreichen Besuch, dessen sich die Versammlungen zu erfreuen gehabi
hätten, wünschend, daß es ihm gelungen sein möge, auch solche, welche
seither dem Fortschritte noch serne gestanden hätten, überzeugt zu haben,
daß der Beruf des Landwirthes nicht nur mit Muͤhseligkeiten, Sorgen
ind mannigfachen Täuschungen über den Erfolg der Bemühungen ver⸗
hunden sei, sondern daß er auch eine höhere Seite habe, eine geistige
Seite, die ihn anderen Berufsarten bei⸗, ja hinsichtlich seiner wissen⸗
chaftlichen Seite vielen anderen Berufsarten überordne. Wenn sich
er Landwirth bemühe, mehr und mehr in Erkenntniß derjenigen Na—
urgesetze zu wachsen, die dienstbar gemacht, Vortheile gewähren und
Schaden abwenden, so werde er nicht nur materiell, sondern auch im
Gefühle seiner wahren Menschenwürde wachsen, auf seinen Beruf stolz
sein und ihn mit aller Liebe mehr und mehr zu erheben streben.
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Der Einfluß des Futters auf den thierischen Körper
Ueber einen solchen Einfluß, wenn das Futter dem Thiere voe
Jugend auf gegeben wird, macht Herr Baron von Crailsheimi,
der „Zeitschr. d. landw. Ver. in Bayern“ aufmerksam. Auf einer Reist
velche derselbe u. A. in Tyrol in's Gebirge machte, sah er einen Bau
seine Milchkühe mit gekochtem Leinsamen füttern und fand diese n
einem Milchsystem versehen, wie er es beinahe noch nie gesehen har
die Euter hingen beinahe bis auf den Boden und waren gestrotzt v
inzufühlen, gleichzeitig waren auch die Kühe gut bei Leibe. Dies
Veranlassung, daß er verschiedene Starken (Färsen) drei Monate v
dem Kalben jeder täglich zweimal eine Hand voll gekochten Leinsam—
auf das Futter gab, wonach sich das Milchsystem dieser Thiere tägt
nehr ausprägte, so daß ein auffallender Unterschied rüchsichtlich die
zei jenen Thieren, anderen derselben Race gegenüber, welche kr
reinsamen erhielten, sich bemerkbar machte. Die wohlthätige Wir‘
—VV0
hrachte auch bei weiteren Versuchen an anderen Orten dieselben gu
jen Erfolge.
Weiter wird bemerkt, wie nothwendig es ist, daß man bei
Wahl der Futtermittel darauf achte, welche Zwecke man erreichen wor
Milcherzeugende Futterstoffe soll man dem Mastvieh nur dann gebe
wenn es dabei auch Milch geben soll; nicht aber in dem Falle, wo
sediglich auf die Mästung des Thieres abgesehen ist. Heu z. B. wu
hesonders auf Fleisch, und Körner wirken besonders auf Fettbildun
Zur Ausbildung des Knochenspstems trägt gleichfalls am meisten Ka—
zerfütterung bei, weil Knochen Stickstoff und Phosphor brauchen un
ziese vorzugsweise in den Körnern enthalten sind. — Eins bleibt di.
seferenten, wie er am Schlusse bemerkt, noch ein Räthsel, warum nän
ich Hafer mehr als die aunderen Getreidearten auf den Muth und
straft der Thiere wirkt, wie man sowohl bei Pferden als bei Oa
»cobachten kann. Nach allen chemischen Analysen enthält nämlich v
hafer am wenigsten Nahrungsstoff und doch wirkt er beinahe am me
den auf Knochen⸗ und Muskelbildung, wie dies sogar an den Haf
brodessern, z. B. den Schotten und Schweden, zu bemerken ist;
hei den Thieren ist dies, allen Theorien zum Trotze, derselbe Fall.
Uebrigen soll im Orient die Gerste dieselbe Wirkung bei Pferden
jorbringen.)
Zur Vertilgung der Blattläuse.
Diese schlimmsten Plagegeister junger Pflanzen zu vertilgen,
in intelligenter ungarischer Gärtner das Anpflanzen von Liebes⸗ d
Paradiesäpfeln an. Demselben waren zu wiederholten Malen die n
igsten Melonen⸗ und Gurkenpflanzen im Mistbeet durch dieses in R
ionen erscheinende Ungeziefer vernichtet worden. Alle sonst daget
empfohlenen Mittel, wie das Räuchern mit Tabak, der Absud desselb
vie des Wermuths blieben fruchtlos. Zu seinem nicht geringen!
taunen war jedoch ein Kasten völlig von den lästigen Thieren verscho
der in jeder Beziehung mit den anderen gleich bestellt war. Der a
älligen Erscheinung immer genauer nachforschend, fand der Beu
ndlich, daß in dem von der Blattlaus verschont gebliebenen Min
ich Paradiesäpfelpflanzen, die er bisher nicht beachtet hatte, befan.
Daß der Saft der grünen Blätter vieser Pflanze als Vertilgungs
el gegen Schwaben und Wanzen dienstbar sei, war ihm bekannt, vh
er sofort in diesen die Beschützer dieses Beetes zu sehen glaubte.
ich Gewißheit darüber zu verschaffen, pflanzte er in die von den Ble
äusen schwer befallenen Brete Paradiesäpfelpflanzen und siehe da, na
dem diese sich kräftig entfaltet, verschwanden die Blattläuse wie v
»ösen Feind vertrieben, die erkrankten Melonen⸗ und Gurkenpflat
rholten sich wieder und gaben eine gute Ernte. In neuerer Zeit
außer Tabakstaub auch vielfach das Insektenpulver mit Erfolg an
wvendet worden.
Von der enormen Vermehrung dieses Ungeziefers kann T
eine Vorstellung machen, wenn man erfährt, daß die Weibche
10 Tage Junge gebären und dann sterhen, nach 10 Tagen geoa
ihre Tochter wieder lebendige Töchter. 8 im Herbst, in der 9