Ein zweiter landw. Wanderlehrer im Süden der
Provinz
(Aus der Zeitschrift des landwirtbschaftlichen Vereins für Rheinpreußen.)
(Fortsetzung.)
Die Versammlung zu Windesheim am 5. Mai erfreute sich
eines sehr zahlreichen Besuches. Herr Ehrendomeapiular Rummel
war zum drittenmale anwesend, und auch Herr Superintendent und Schul⸗
Inspector Schohll zu Stromberg beehrte die Verfammlung mit seiner
Anwesenheit. Nach Auseinandersetzung des Zweckes dieser Versamm—
lung durch den Local-Abtheilungs-Director Herrn Grosholz begann
Herr Dr. Schneider seinen Vortrag und zwar in Rücksicht auf die
Anwesenheit der Herren Schul-Inspectoren, Lehrer und Gemeindevor⸗
steher gemäß der Aufforderung des Directors über die Art und Weise,
wie sich die Volksschule in ihrem Rechnen- und natur kundlichen Unter—
richt der Landwirthschaft dienstbar machen könne, wie Fortbildungsschu⸗
len zu errichten und durch welche Methode sie zu erhalten, sowie was
andwirthfchaftliche Cafino's zu leisten vermöchten und wie dieselben
dauernd zu begründen seien. (Siehe die Berichte über die drei ersten
Bersammlungen.) Hiernach verbreilete sich der Vortragende über die
Wichtigkeit des Futterbaues, hervorhebend, welchen großen Umschwung
die Landwirhschaft durch Aufhebung der Weidewirthschaft und Einfüh—
rung der Stallfütterung erfahren habe. Ferner wies er nach, wie in
den ackerbautreibend hochstehenden Ländern Belgien und England in
der Regel die Hälfte des Geländes einer Wirthschaft dem Futterbau
jewidmet werde und wie dadurch die andere Hälfte viel mehr produ⸗
rire, als wie, wenn man nur! des Areals dem Futterbau widmete.
Diese Erscheinung habe sich auch in Deutschland bewahrheitet; denn
im Allgemeinen betrage der Futterbaus! /„ der Ackerländerti, wo man
dieses Verhältniß erhöht habe, da sei die Production wesentlich gestei⸗
zert worden. Daher sei es vor Allem Pflicht, die Wiesen durch Be⸗
and Entwässerung, sowie durch Düngung zu ihrem höchsten Ertrage
zu bringen. Da aber dieselben in Windesheim und nächster Umge—
gend eine mehr untergeordnete Rolle spielen, so sei es wohl am Orte,
hier den Futterbau näher zu beleuchten. Derselbe stütze sich vorzugs⸗
veise auf den Kleebau. Leider habe man in der neuesten Zeit gefun⸗
den, daß derselbe gegen früher in seinem Ertrage merklich abgenommen
habe; ihn zu heben, sei darum eine Sache von großer Wichtigkeit.
Der Bau der Kleewurzel, insbesondere von mehijährigem Klee, belehre,
daß derselbe einen großen Theil seiner Nahrung im Untergrunde suche,
da derselbe aber, seiddem man Klee baue, schon oft in Anspruch ge⸗
nommen worden sei, ohne daß er durch Einwirkung der Wilttrung in
jeiner Zersetzung und Löslichwerdung eine Förderung erhalten habe,
so sei es zur Hebung des Kleebaues sehr förderlich, außer der bekann⸗
en Regel, den Klee auf einem und demselben Felde nicht in zu kur⸗
zen Zwischenräumen wiederkehren zu lassen, den Acker in der Art vor⸗
zubereiten, daß man ihn im Herbste vor der Kleeeinsaat mit dem ge—
wöhnlichen Pfluge pflüge, demselben einen Untergrundspflug folgen lasse
und den gelockerten Untergrund kalke. Wo man dieses Culturverfahren
eingeschlagen habe, sei es vom besten Erfolge begleitet gewesen, denn
der mehrjährige Klee mache nicht nur auf einen gewissen Kalkreichthum
im Boden Anspruch, sondern der Kalk wirke auch zersetzend auf den
Untergrund ein und komme so der Verwitterung zu Hülfe.
Nachdem Redner diese Sätze durch Beispiele aus der landwirth—
schaftlichen Praxis weiter beleuchtet hatte, verbreitete er sich über den
Tiefbau, nochmals verweisend auf den Satz, daß da, wo der Landwirth
ich nicht mehr in die Breite ausdehnen könne, er in die Tiefe bauen
nüsse. Erfahrungen hätten gelehrt, daß durch die Vertiefung der Acker
rume, z. B. von 6 Zoll auf 9 Zoll, die Erträge ganz bedeutend ge—
teigert worden seien. Nur sei es nicht räthlich, eine solche Vertiefung
auf einmal vorzunehmen. Habe man nicht über bedeutende Mistvor—
räthe zu verfügen, so sei es geeignet, jährlich die Herbstfurche um etwa
/ Zoll tiefer zu geben, so daß man in 6 Jahren eine Vertiefung von
3 Zollen erlange. Auch dürfe man nicht glauben, durch Vertiefung
am Duͤnger sparen zu können, im Gegentheil, je tiefer man baue, desto
nehr Dünger müsse man geben, allein die Erträge würden auch in
entsprechendem Verhältnisse vermehrt. Nun gebe es freilich Felder, bei
denen eine Vertiefung der Krume unmöglich erscheine, da nämlich, wo
eine seichte Krume auf einem geschlossenen Felsen ruhe. Aber auch he
sei eine Verticfung möglich und durchaus nothwendig. Wolle
iolchen Feldern beikommen, so müsse man die Witterung auf den fe
zen Untergrund wirken lassen, und dies geschehe, wenn man jedesm
'o oft das Feld über Winter unbesaamt liegt, die Krume vor Winter mitt
eines Häufelpfluges mit weit gestelltem Streichbrette in Kämme ake
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zadurch der Feuchtigkeit und dem Froste mehr directe Einwirknngeg
dattet. Durch dieses Verfahren seien auf felsigen Hochebenen 4zöll
krumen in einem Zeitraum von 6 bis 7 Jahren 5zöllige gewordt
Nachdem der Vortragende auch diese Sätze an Beispielen erläut
yatte, schloß er mit dem Wunsche, daß sich hier Männer finden möe
en, die sich zur Verallgemeinerung landwirthschaftlicher Berufsbildu
die Gründung landwirthschaftlicher Casino's recht angelegen sein lass
nöchten.
Hieranf sprach der Local-Abtheilungs⸗-Director über die Nothwer
digkeit, den Unterricht in den Landschulen so zu gestalten, wie mih
heilt worden sei, und begründete die Nothwendigkeit von Fortbildunge
chulen durch überzeugende Beispiele aus dem Leben. 8
In ähnlicher Weise verbreitete sich auch der Herr Domcapitul ur
Rummel, wiederholt hervorhebend, daß er sich die Förderung diel d
Sache in seiner amilichen Siellung recht angelegen sein lassen werdt
Nach einer kurzen Pause wurden die Verhandlungen über loch —
Fragen aufgenommen. Es wurde dabei Manches berührt, was aur
schon in früheren Versammlungen vorkam und worüber wir bereiub
ʒerichtet haben. Daher beschränken wir uns hier auf die Mittheilun hn
des folgenden Neuen. Herr Mattes fragt an, welches die Ursat
des Brandes im Weizen und welches das Mittel zu seiner Verhüm
sei. Dr. Schneider hob hervor, daß der Brand den praktisch
dandwirthen seit lange Veranlassung zu Beobachtungen und den *
lehrten zu Forschungen gegeben habe. Drei Ansichten über die Urs
des Brandes fänden ihre Vertheidiger; die Einen nehmen an,
der Brand durch kleine Pilse sich durch das Saatgut fortpflanze,
Andern bezeichnen den Brand als eine Folge gestörler Befruchun—
durch Wind, Staub, Regen und dergleichen, und die Dritten sagteh
der Brand werde durch den Biß kleiner Thierchen veranlaßt. Die ẽ
ahrung habe gelehrt, daß das Beizen des Saatwiizens in —T
Fällen nicht vor Brand geschützt habe. Das Beizen mit Kupt—
zitriol sei schon aus andern Gründen nicht unbedingt zu verwerß
allein seine Wirkung gegen den Brand werde vielfach in Zweifel
ogen. Was gegen den Brand am meisten empfohlen werden mü
»as sei eine sorgfältige Bestellung des Ackers, die Verwendung eun
rräftigen und möglichst egalen Saatgutes und die möglichst gleiche
iörmige Unterbringung desselben.
Herr Fabrikant Philippi aus Stromberg stellte die Frage,
her die Bouquetlosigkeit mancher Weine rühre. Dr. Schneid'
heilte mit, daß diese Frage mit aller Bestimmtheit schwer zu entscheit
sei, daß aber mancherlei Beobachtungen zu nützlichen Winken fühtlwp
Als allgemein bekannt dürfe die Abhängigkeit des Bouquets von d
Rebsorten vorausgesetzt werden. Kaliarme Weine besäßen in der
sel das geringste Bouquet, und in Weinen mit sehr hohem Alkol
Jehalte werde es öfters verdeckt. Stark eisenhaltige Weinbergsla
erzeugten in der Regel das feinste Bouquet. Naturgesetzlich erlliil
ieße sich diese Erscheinung nicht, aber hypothetisch werde vielfach
genommen, daß das losliche Eisen eine greßere Zufuhr von Weinn
hildenden Stoffen in die Reben veranlasse. Die in dem Laboraton.
der landwirthschaftlichen Lehranstalt in Worms vorgenommenen Unn
ruchungen hätten es indessen auch mit sehr stark eisenhaltigem Bod
zu thun gehabt, der kaum Bouquet erzeuge; allein diese Bodenart.
hesäßen nur Spuren von Kali, und die betreffenden Weine seien dun
die Anwendung von kalihaltigen Düngmitteln, sowie durch ein zeitn
iges Decken mit Schiefergeröll wesentlich auch hinsichtlich ihres Bo
qzuets verbessert worden.
(Forisetzung folgt.)
Die Smithfield-Viehausstellung.
Berichterstatter sagt über die Viehausstellung in Islington
don) Folgendes: Dieselbe wird alljährlich Anfangs December abar
en und die letzte lieh gegen die voriährige keinen Fortschritt bem
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