Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Hat der vergangene Winter Spuren von Frost an
Garten⸗ und Feldfrüchten hinterlassen?
Aus: Blätter fuͤr Handel, Gewerbe und soeiales Leben. Magdeburg.)
Diese Frage drängt sich uns auf, wenn man bedenkt, daß der ver⸗
agene Winter gegen frühere Jahre strenge, langedauernd und in ge—
issen Zwischemäumen auch schneelos war. Man darf daher wohl
agen, ob er auf einzelne Pflanzen nachtheilig eingewirkt hat. Im
Zarten, wo man sich auf mannigfache Weise gegen Nässe nnd Käite
hützen kann, findet sich wenig der Art, außer etwa am Wein, den man
inbesorgt und unbedeckt der freien Luft überlassen hat in dem Wahne,
aß man denselben dadurch nur verweichlichen und verzärteln würde.
Zon diesem haben die markigen Sorten, z. B. der Frühleipziger, der
undbeerige Diamant, der Rothgeisler und der Oporto allerdings ge—
ten und zwar nach Umständen mehr oder weniger; andre mehr hart⸗
olzige Reben dagegen sind bei wenig Schutz ganz frisch und gesund
zeblieben und geben Aussicht auf eine gute Ernte, wenn man bedenkt,
aß der Winter nach vielen Jahren zum ersten male wieder sein volles
stecht hatte. Er brachte uns Schnee und Eis zur rechten Zeit, ver—
chonte die Reben mit dem viel Knospen zerstörenden Glatteis, machte
den Boden mürbe und geschickt zur Aufnahme der uöthigen Feuchtigkeit,
welche die Rebe zur Kräftigung und Zeitigung der Trauben eben so
zut wie jede andere Pflanze beansprucht.
Derselbe wohlthätige Einfluß zeigt sich hauptsächlich auch an fast
allen „Obstbäumen. Die Blüthenknospen haben nirgends gelitten,
bielmehr zeigen sie sich nach der fast gänzlichen Ruhe im vorigen Jahre
in solcher Fülle und Menge, daß man voraussetzen kann, die Obst—⸗
äume werden unter so günstigen Umständen ihre Schuldigkeit thun,
oenn anders der Mensch die Pflege derselben im Allgemeinen nicht ver—
achlässigt.
Dagegen erscheint der Pfirsich, als Spalierbaum, in diesem Jahre
viederum leidend und an manchen Orten hat das sachkundige Messer
a Voraussicht dessen, was da kommen wird, schon merklich aufgeräumt;
allein die vor einigen Jahren von dem Postsecretär Haffnerr in Baiern
ewpfohlenen wurzelächten Edelpfirsichen als Hochstämme sind siegreich
aus dem Winter hervorgegangen. Sie wurden hier als Kern (Stein)
im Jahre 1861 gepflanzt, haben im Jahre 1868 die ersten Früchte für
insere Herbstausstellung geliefert und versprechen nun durch größere
Bermehrung sich auch bei uns heimisch zu machen.
Stark gelitten bei uns hat ferner der, in neuester Zeit wegen
einer Ergiebigkeit (wie man behauptet, pro Morgen 24 — 26 und
nehr Scheffel) hier erst eingeführte Engl. Spaldingweizen, wäh—
end unser einheimischer Deutscher Weizen nicht die geringste Spur
on Frost zeigt. Einige meiner Freunde hatten dazu hiesigen Samen
ar Aussaat verwendet à Scheffel 3 Thir.; andere dagegen haben, um
X sicher zu gehen denselben aus England perschrieben und dieser
»ar ihnen dabei im Preise nicht höher zu stehen gekommen als der
ier gebaute. Beide aber klagen jetzt über starkes Auswintern dieser
Weizenart bei uns. Darüber darf man sich übrigens nicht wundern;
»enn das Klima Englands ist ein ganz anderes als unser Deutsches
und in einem Zwischen. aum von wenig Jahren acclimauisirt sich eine
remde Pflanze auch nicht gleich zusehendc.
— —
——
ieder erholt, so sind nähere Nachrichten über
enselben abzuwarten.
— eloche ich mir noch eins zu erwähnen, was
v vdh— Pflanzenwelt, namentlich unsern Obstbäumen noch
d ist nichts weier als mehr Feuchtigkeit im Boden, woran
dnd 8* ⸗ und 1862 immer noch leidet. Mag auch vor der
dae gkeit in demselben vorhanden stin dennoch findet sich
Jenug für meine Behauptung. Man blicke hin auf den zum
—— gebffneten Erdboden, man beachte ferner sorgfältig das
— schnell wegfallende Hochwasser der Elbe, und denke
—— na⸗ über die fast ein ganzes Vierteljahr lang anhaltend
—— n auswrocknenden Winde soder vielmehr Stürme
hedi . so ist leicht zu überschauen, was für einen Sommer wir
h zu erwarten haben.

— — —

Maikäfer-Vertilgung.
Wie erfahrene Landwirthe behaupten, wird das gegenwärtige Früh—
ahr sehr mit Maikäfern gesegnet sein. Dieser schlimmen Post wollen
vir hier sogleich ein Vorbeugungsmittel anfügen. Herr van der Brom,
Broßgärtner in Oudenbusch, legt zur Zeit, wo der Maikäfer erscheint,
n möglichst großer Anzahl kleine Häufchen frischen Kuhdüngers auf's
dand, circa 10 — 12 Centimeter hoch, diese überdeckt er mit 3 Centim.
Erde. Da der Maikäfer seine Eier stets in den lockersten und besten
Boden legt, um seinen Nachkommen gute Nahrung zu gewähren, so
zat die Erfahrung gelehrt, daß diese Haufen dazu erwählt werden;
denn sobald die Saison vorüber war, zeigte die Untersuchung dieser
daufen, daß hier die Eier eingesenkt waren. Die Häufchen werden
iun aufgehoben und in die Mistbeete gewoerfen, woselbst die Brut voll⸗
tändig zerstört wird. Herr van der Brom hat in dieser Weise sein
zroßes Gartenterrain von den lästigen Gästen gesäubert.
Amtsrath Felber hat beobachtet, daß der Maikäfer mit dem Be—
zinne seiner Flugzeit 14 Tage von Ost nach West streiche und daß
nach der Begattung die Weibchen 14 Tage lang in umgekehrter Rich—
rung streichen, also gleichsam zum Flugloche zurückkehren.
Neue Gemüse-Sorten von ganz vorzüglichem
Werthe.

Zu beziehen um beigesetzte Preise von Centrale der praktischen Gartenbau
Gesellschaft in Bayern zu Frauendorf bei Vilshofen in Niederbayern.)
1) Erfurter Zwvergblumenkohl, à Loth 31/, fl. rhein, 300
storn 18 kr. Nicht die ganze Pflanze ist zwerghaft, sondern nur der
Stengel gedrungen, kurz, die Dolde jedoch außerordentlich groß, fest,
blendend weiß und von zartestem Geschmack. Dabei gedeiht diese Sorte,
vie gewoöhnliche Kohlarten, vortrefflich im freien Lande und auf dem
Acker.
2) Ungeheuer großer russischer Centnerkopfkohl (Krauhy, à Pfd.
7 fl., à Loth 15 kr. Die großte und schönste aller Kopfkohlarten mit
zanz festem Haupte und zartem weißem Fleische, zum Einmachen sehr
zu empfehlen, gedeiht auch in rauheren Lagen und liefert selbst in un—
zünstigen Jahrgängen gute Ernten.
3) Neuer 2 Fuß langer Winterrettig aus Japan, 100 Korn
12 kr. Im vorigen Jahre von der preußisch-japanesischen Gesandt⸗
schaft nach Berlin geschickt und von Herrn Krüger in Lübbenau in
Handel gebracht.
4) Grünbleibende chinesische Gurke, 18 Korn 12 kr. Die
von den ersten Gemüsezüchtern anerkannt beste Sorte, leicht gedeihend,
ruchtbar und von der Krankheit noch nie befallen.
5) Neue Schlangengurke aus Japan, 7 Korn 12 kr. Extra
ange, dicke, feine Sorte.
6) Arnstädter gestreifte Riesen-Schlangengurke, 12 Korn 18 kr.
28 bis 30 Zoll lang, sehr schmackhaft, eine der schönsten und besten
Gurken.
7) Neuer Kopfsalat, non plus ultra, à Port. 12 kr. Sehr groß⸗
köpfig, wachsgelb. Soll gegen jede Sommerhitze unempfindlich sein.
8) Neue blaue Riesen- oder Familienkohlrabi, 200 Korn 12 kr.
Erreicht in gutem, sandig leichtem Erdreich ein Gewicht von 18 bis
20 Pfd.
9) Neue rothe Riesenpfahl-Runkelrübe, a Pfd. 1fl., ä starke
Port. 12 kr. Hat sich auch im verflossenen Jahrgange glänzend als
Zie allergrößte, einträglichste Sorte bewährt und dürfte bald allgemein
gebaut und bevorzugt werden. Liefert 25 Proc. Ertrag mehr, als jede
indere Sorte.
10) Neue asiatische uund südamerikanische Speisekürbisse von
150 bis 200 Pfd. Schwer und prachtvolles Colorit, wahre Schau—
dücke, à Port. 24 kr. Die jungen Früchte sind eßbar, zum Einmachen,
die ausgewachsenen können lange Zeit aufbewahrt und im Winter ge—
zrüht als ergiebiges Vjehfütterungsmittel verwendet werden.
11) Neue australische Riesenzwiebel, aͤ Loth 24 kr. In ein
Mistbeet oder in Töpfe gesäet und Anfangs Mai in kräftigen Boden
zepflanzt, liefert diese Sorte Zwiebeln von einer erstaunlichen Größe.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.