Full text : Dudweiler Zeitung

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ee Amtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beilagen:
ich 2.25 Mark. 2432 is 3. .
Bürgermeisterei-Bezirk Dudweil— Sonntagsblatt und Heitere Blätter.
Fernspr.⸗Ar Saarbrũcken Nr. 69, 259, 269, 1261. Drucku. Verlag: J. Unterkeller, Dudweilot Verontwortlich für die Schristleitung Arthur Unterleller, für den Anzeigenidil Karl Unterkeller
eder Abonnent ist y M. geger durch Unfal bei der Rurnberger Lebensversicherungsbant in Nürnderg versiert Je der Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnder i sß—
gegen7 7 ant ·J2 ger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte in Ib 24 Stunde/ dem Unfall in ärztl
ehandlung begeben Tod F fort spätestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebrachtwerden. über die Voraussetzung der Versicherung geben die Versicherungsbedingungen Aufschluß, die vom Ire d von der eeee —— — ne
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Nr. 267. Ausgabe ohne Abonnenten⸗Versicherung Donnerstag, den 8. November 1911. 24. Jahrgang
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zersplitternng der europälschen Türket. ihre Zufunnnung dazu, daß der Fürst von Bulgarier
Die im Aeußern und Innern gleich kritische Lage, Ie en rolgcunerneun von Ostrumelien ernannt wurde
welcher die türkische Regierung uͤch noch immer be— * erii gab sie tatsächlich die Herrschaft über Ost
udei däßt einen Rückblick auf die der Pforte früher umelien auf. 1888 erlangte die Insel Kreta ihre Au
ind jetzt zur Verfügung stehenden Machtmittel hetent —
ertigt erscheinen. Unsere beistehende Karte illustrier 237.5
n deutlichste den ungeheuren Rückgang des Halbmon— Turxei und Nachbarlãnder
es in Europa. Wie mächtig einst die Türkei auf euro— — ——— —
iischem Grund und Boden gewesen ist, und wie im A7α ι
zaufe der Zeiten seit dem Frieden von Carlowitz 1609 —
zre Macht stetig gesunken ist, läßt unsere Karte klar
rkennen. Unsere Leser finden in derselben (oberen) die
ürkei und ihre Schutzstaaten zur Zeit ihrer größten
lusdehnung (Ende des 17. Jahrhunderts) und in der
uderen (unteren) die jetzige Türkei nebst der ihnen bis
um heutigen Tage verloren gegangenen Gebieten dar—
ellt. In beiden Darstellungen ist das türktische Gebiet
urch Schraffierung kenntlich gemacht. Wie ersichtlich,
„aren in früherer Zeit Siebenbürgen, Moldau, und
valachen türkische Schutzstaaten, während ein großer
eil des heutigen Ungarns, ganz Bosnien, Serbien,
dontenegro. Rumänien, Bessarabien und Bulgarien
ebst Ost-Rumelien, sowie ganz Griechenland zur Tür—
gehörten. Alle diese Gebiete gingen im Laufe der
— * * —
rurkei und Schutzstaaten.
Sel AuSdennung bis gum
— —
*
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w—r a
421*2

*Im Bundesrat hat man schon die Möglichkeit er—
wogen, was zu geschehen habe, wenn die Mehrheits—
varteien des Reichstags gelegentlich der Interpellations
besprechungen über das Abkommen mit'Frank
weiscch eine außerprogrammäßige Ver—
tärkung unserer Flotte in der Richtung ei—
tes beschleunigten Ausbaues großer Panzerkreuzer und
Unterseeboote verlangen. Es verlautet, daß die maf
gebenden Stellen, wenn die Mehrheit des Reichstage
diesen Wuusch zum Ausdruck bringt, sich nicht ablehnen.
erhalten werden. Allerdings muͤßte zu gleicher Zei
die Deckungsfrage gelöst werden. Man erwägt, zur Ko—
tendeckung eventuell die Erträgnisse eines Wetrosenm
Monopols heranzuziehen.
* Zu der bevorstehenden Beratung des Schiff.
ahrtsabgabengesetzes äußert sich der hol.
ändische „Nene Schiffahrtscourier“, daß Hollan d
venngleich das Schiffahrtsabgabengesetz im deuischer
Reichstage mit großer Mehrheit durchgehe un
Preußen vielleicht auch auf Holland einen Sruck aus
ibe, die Schiffahrtsabgaben auf dem Rheine einzufüh—
ren, auf seinem jetzigen ablehnenden Standpunk!
Berharren werde. Darübetr ist man sich in allen
dreisen der holländischen Nation einig, daß die Schiff
ahrtsabgaben dem Lebensinteresse des Staates widen
prechen. Eine Verbesserung des Rheines soll durch di
Mittel des ganzen Staates, aber nicht allein auf Ko—
ten der Schifiahrt durchgeführt werden.
Kreita.
»Die kretensische National-Versammlung beschloß ir
zeheimer Situng, eine Denkschri st an die Schutz.
nachte zu richen, in welcher um ihre Zustimmung für
en Anschluß Kretas an Griechenland' er
ucht wird.
Portugal.
*Das Kabinett Chagas hat demissio
niert.

— Zum Krieg um Tripolis
* Vom Kriegsschauplatz.
Die Türken unter Enver Bey haben Der
ha zurückerobert. Diese Nachricht ist von der Pfort
ämtlichen Botschaftern mitgeteilt worden. Die Ver—
uste der Italiener werden mit etwa 500 Toten und
209 Verwundeten angegeben, doch beruhen diese Zif
ern nur auf Schätzungen. Sicher ist, daß mehrere 100
Italiener gesangen genommen und mehrere Geschütze er—
heutet worden sind.
Die letzten in Konstantinopel eingetroffenen amt—
lichen Melduugen aus Misrata, 150 Km. von Tri—
polis entfernt, besagen, daß die Jialiener nunmehr bis
in die Altstoödt von Tripolis zurückgedrängt seien. Der
Raum zwischen den türkischen Stellungen und der Alt—
stadt seien mit Jtaliener-Leichen angefüllt. Es
sei nur mit Mühe gelungen, die Araber, die sehr aufge—
regt seien. ghauhalten, die gefangenen Italiener nieder
zumachen
Einem Bericht des italienshen „Corriere della Se—
ra“ zusolge planen die Türken einen neuen An—
griff aAut die Befestigungen an der östlichen Mauer
yon Tripolis. Man will die Nachricht von arabischen
dundschaftern haben. Diese Nachrich: wird von dem
Messaggero“-Korrespondenten in Tripolis bestätigt. In
lin Zare soll ein Kriegsrat der iürischen Truppen—
rührer statigesunden haben, in dem man zu dem Ent—
schluß amen sei, die italienischen Stellungen in der
ganzen SFeent anzugreifen.
Nach dem „Secolo“ herrscht Teuerung in Tri—
dolis. Gemüse. Hafer, Heu, Stroh sind sehr knapp. Ita—
ien müise nicht nur das Exrpeditionskorps, sondern auch
zie Bevölkerung der Okkupationsgebiete erhalten. Dei
„Abanti“ beklagtden Wassermangel, der die Aus—
»reitung der Cholera begünstigt.
Wie die Londoner „Times“ aus Tripolis mel—
zet, wurden die Außenposten der Jtaliener bis
Fort Sidi Schahab vorgeschoben. Das Feuer der
danonenboote machte den Weg frei.
Im Kampf von Derna sollen, wie aus
zuter Quelle in Konstantinopel versichert wird, drei
italienische Regimenter gefangen genommen wor—
den sein. — Aus Tobruk wird gemeldet: Die Ara—
ber griffen die Italiener an und es gelang ihnen, nach
zweistündigem Kampf, die Italiener aus den Verschanz—
ungen bei Taruck zu werfen, wobei sie 200 Tote ver—
loreu haben sollen. Der Verlust der Araber soll 19
Tote und 50 Verwundete betragen haben. Der Abge—
ordnete von Fessan, Dschami Bey, nahm an den
Kämpfen teil. Auch bei Benghasinfanden neuée
Kämpife statt, bei denen, wie gemeldet wird, die
Italiener ebenfalls mehrere Stellungen räumen muß
en und drei Geschütze verloren. — Aus Tripolié«
vird berichtet, daß die Türken neuerdings einen Sturm
nif die Stadt unternahmen. Die Italiener leiden sehr
chwer unter der Cholera, da es nicht mehr möglich sei
ille Leichen zu begraben. Infolgedessen herrschen fürch
erliche Zustände in der Stadt.
Nach einer Meldung der Wiener „Zeit“ aus La Va—
ette auf Malta liegen dort mehrere vritische Kriegs⸗
chiffe bereit, jeden Augenblick nach Tripolis abzudamp—
en, da die Lage der Stadt als sehrkritifsch be—
eichnet wird. Man fürchtet, daß im Falle einer Er—
türmung von Tripolis durch die Türken und Araber
ein Enropäer am Leben bleiben werde. Die Lage der
ztaliener soll nach den bei der Admiralität eingegan—
nenen Nachrichten aus Tripolis sehr prekär sein.
Die Großmächte lehnen ab.
Wie bestimmt verlautet, hat zwischen den euro—
äsischen Kabinette'n ein Depeschenwechsel über
die italienische Souveränitätsertltä—
tung über Tripolis stattgefunden, dessen Re—
sultat gewesen ist, daß die Großm ä chte einschließ⸗
lich England die Souveränität Italiens nicht vor
dem Friedensschluß anerkenneun.

J

*

nomie 1909 an ektien: Bulgarien föemlich Ostrume—
en und Zar Faedinand machte sich aus eigner Macht,
ollkommteit zum Zarce von Bulgarien. Kurze Zei—
arauf le auch erreich Ungarn das letzte lose Band,
velches Bossnien und die Herzegowina noch an das Ot
zmanenreich tnüpfte. Die türkische Herrschaft in der
uropäischen Türkei ist heute nur noch eine Scheinherr—
chaft, abhängig von dem qauten Willen der europäischen
zroßmächte, und üserhannt nur noch durch vas gegen—
eitige Mißtrauen der teneren möglich, von denen kei—
er der anderen irgend einen Vorteil auf der Balkan—
albinsel einräumen will, und deshalb lieber das Ge—
iet unter der Herrschaft des Halbmondes sieht. Daẽs
igorose Vorgehen Italiens im Tripoliskonflikt schien
ereits im ersten Augenblick den Keim weiterer inter—
ationalen Verwickelungen in sich zu tragen. Und wie
icht kann ganz unerwartet ein Anlaß zum Einschrei—
n entstehen, und die Aufrollung der orientalischen
rage notwendig machen. Was aber wird dann von
er europäischen Türkei noch übrig bleiben?
—rr'ent —— —
Volitiesdye Nundschanu.
Deutsches Reich.
sDer zurückgetretene Staatssekretär vwon Linde—
u isst hielt bei seinem Abschied von den Beamten
es dieichs-Köylonialamtes an diese eine Ansprache,
un der er nach dem „L.A.“ u. a. sagte: Die letzten
“—age sind durch ein amtlich inspiriertes Telegramm ge—
rübt worden, in dem ohne einen Beweis dafür zu
rbringen oder auch nur einen Versuch dafür zu unter—
ehmen, unter dem deutlichen Hinweis auf das Kolo—
ialanit gegen eine „nachgeordnete Stelle“ die schwere
zeschuldigung erhoben worden ist, durch deu Bruch der
lutsverschwiegenheit den Abschluß der Kompensations—
Serhandlungen gestört zu haben. Ich habe die Ueber—
eugung, daß Sie Alle hierzu nicht fähig sind, und
»aß Sie mit ruhigem Gewissen der Präzisierung der
zanz allgemein gehaltenen Vorwürfe entgegensehen
Dunen.

Das Marorkro⸗Abrommen.
Während der letzten französischen Kamniersitzunç
erlangte der Deputierte Besa ur'e gard vom Kabi—
ettschef die Veröffentlichung des französisch-spanischen
zeheimverirages vom Jahre 1904, ein Verlangen, auf
elches Caillaux sofort eine zustimmende Antwort gab
der „Matin“ veröffentlicht bereits den Geheimvertra
m Wortlaut. Es geht daraus hervor, daß Spanier
er sranzösisch-englischen Abmachuriig vom Aprihe 190
‚ezüglich Marokkos und Aegyptens zustimmt. Der Ver—
rag bestimmt weiter die spanische Einflußsphäre in
NRittelmeer. Für den Fall, daß die politische Lage ir
Narokko eine Aenderung erfahre und der Staius que
licht erhalten bleiben sollte, foll Spanien seine Aktion
nnerhalb seiner Interessensphäre ausüben, und sich in
em bezeichneten Gebiet festsetzen können unter der Be—
zingung, daß Spanien sich vorher mit dem Sultan
arüber verständigt. Spanien verpflichtet sich, die ein—
nal besetzten Gebiete unter keinen Umständen an eine
indere Macht abzutreten. Sollte eine militärische Ak—
ion nötig werden, so muß jede der beiden Mäͤchte
ie andere hiervon benachrichtigen. In keinem Falle
zarf die Beteiligung einer fremden Macht nachgesuch
erden. Die Stadt Tanger behaäͤlt ihren besonderen
Lharakter, den sie kraft ihrer Gemeinde- und sanitären
zinrichtungen, sowie durch die Anwesenheit des diplo—
natischen Korps besitzt. Solange die jetzige Polizei be—
eht, find öffentliche Bauten, die von einem Punkte
Rarokkos nach dem Gebiete der spanischen Einflußsphäre
inüber gehen, von spanisch⸗französischen Gesellschaften
uszusühren. Die in Marokko bestehenden spanischen
zchulen werden beibehalten, der Umlauf spanischen
eldes wird nicht behindert. Spanier und Franzosen
erden weiterhin im Besitz der ihnen vertragsmäßig zu—
estandenen Rechte bleiben. Beide Regierungen treffen
zorkehrungen gegen den Waffen⸗Schmuggel. Der Ge—
eimvertrag soll veröffentlicht werden, wenn beide Re—
terungen den Zeitpunkt dafür als gekommen erachter

D —— — — —
erloren. Besonders groß war der fuürtische Ge—
sperlust auf Grund des Friedens von Caclko
1690. durch welche Ungarn und Siebenbürgen ar
terreich, Asow an Rußland, Podolien und die Ul
nme an Polen und der Peloponnes an Venedig fiel
ach einem unglücklichen Kriege gegen Oesterreich verlo
e Türlkei im Frieden zu Passarowitz (am 21. Julb
18 einen Teil von Serbien und Belgrad. Unten
ustafa 3. (1757- 1779) und deffen Nachfolger Abdu
unid 1. (1774 - 189) eroberte Rußland die Krim unt
warb ein Schutzrecht für die Moldau und Walachei;
V mußte die Türkei alle Plätze an der Nordküste des
hwarzen Meeres an Rußland abtreten. Der Krim
eg (18332 1856) und der Russische Krieg 1877 hatter
e weitere Beschränkung der tüuͤrkischen Machtsphäre zur
ge. Auf dem Berliner Kongreß 1878 wurde Oester
hy mit der Okkupation Bosmens und Herzegowine
uftnagt, und zwei Jahre späler wurde auf der Ber—
er‚Konferenz ganz Thessalien und der epirotische Be—
Arta Griechenland zugesprochen. Auch sah sich 1880
Pforte genoͤtigt, ihre eigenen Untertanen“ in Dul.
no mit Gewalt zur Unterwerfung unter ihre Ablret
Aman Montenegro zu zwingen asg an e 6

Kreuz und Halbmond.
historischer Roman von K. v. Humboldt.

— — — — — E — — — a
ein unheinlt Rehen verriet, welchem jurchtdarer
z vecke es die
Vor dene Tore zeizte er dem Pörtner das
zandschreien igin, worrun der elbe sosort da—
For öffnete u Arecetiers herbeiriei.
Die ser. ei minh vorre n. vart und geiuhr
s gewordener Mann warf gleichfalls einen Blick au
as Billet der Königin, dann verzog sich sein Gesicht
meinem grinsenden Li heln und mit schnarrender, sro⸗
ger Stimme sagte er:
„Ihr kommt wohl zu spiüt. vor zwei Stund en erst
af ein Besehl Sr. Giaden des Herzogs von Lerma
n, besagtem Piquillo, einem verstokten Burschen, die
tzte Folter anzutun, da mit er seine Mitschuldigen be
m schändlichen Ueberfall auf den edlen Don Bernaurd
dlich nenne.“
Der Greis war im ersten Augenblick vollst'andiqg
rachlos. Mit welchem freudigen Gefühle war er hier—
ergeeilt und was mußte er erfahren? War es möglich
aß der königliche Wille so mißa htet wurdrz?
„Aber auf Befehl seiner Maiestäit sind doch die bei—
n Gefangenen sofort freizulassen,“ entrang es sich end⸗
chh mühsam den Lippen des Greises. „Hat maan diesen
esehl nicht erhalten 2*
„Gott schühe und erhalte unseren vielgel iebten Kö—
ig, dessen Befehle uns heilig sind, aber er kam auch
hon zu spät.“
Führt mih zu meinem Sohn — tot odder lebendig
—2flehte der Greis. „Ich muß ihn sehen.“
„Wie Ihr wollt,“ bemerkte der Carcerlerco aleichgül⸗
g. „»So folgt.“
Nach einer kurzen Wanderung über eineri von hohen
isteten Mauern umgebenen Hof und eirien feuchten,
unklen Gang, stieß der Carcerirro eine eise rne Türe zu⸗
ick; roter Fackelschein wallte dem erschrockenen Greis
atgegen. Er erblichte im Hintergrunde zivi schen zwei
ze waffneten Fa kelträger; etwas zur Seite lag, von vier
esigen Knechten umrungt, eine Gestalt aui der Folter⸗
ank, trotzdem es ihm vor den Augen fiimmerte, erhannte
einen Jüngling. d' Alberics stieß einen Schrei aus,
at einige Schritte vorwärts und stuͤrzte neben der Fol—
ranb hetäubt zu Bod

F

16 Als ihn eine rauhe Hand nach einiger Zeit aue
einer Betäubung aufrüttelte, war das Bild veränder
und er erwachte wie aus einem Traume.
Die Folterkammer war leer. Der Cyarceriero führke
ihn einige Schritte weiter in eine durch ein Lämpchen
natt erleuchtete Kerkerzelle, sch ob ihn hinein und drücktt
die Türe hinter ihm zu.
Mit Mühe erkannten die tränenfeuchten Augen des
zrei es auf kargem Strohlager liegend den gefolkerten
züngling. Er kniete neben ihm nieder, nahm seine kalte
hand und benetzte sie mit Tränen. Pequillo schlug die
lugen zu ihm auf und blickte ihn sragend an.
„Allah s groß! Mein Sohn, er ließ mich Dich in
em Augenblick finden, wo Schweres über Dich gekom—
nen ist,“ entgegnete der Greis ruhiger geworden.“
„Mein Vater! hauchte P'quillo, dessen Kräste rasch
hwanden, da unter der surchtbaren Folter seinen Kör—
er der Todesstoß getroffen hatte.
„Ja, ich bin Tein Vater und bringe Dir zugleich die
Grüße Deiner Schwester. Aischa ist Deine Schwester
— sie hofft Dich gesund aus dem Kerker besreit wieden
u sehen. Wiit Vangen zählt sie jetzt die Minuten, au'
neine — auf unsere Rückkehr wartend.“
Der Eindruck die ser Morte auf Psquillo war kiefer—
reiserd. Die Aufklärung 'eines Verhältnisses zu Ai scha
ind das Erscheinen seines Vaters er schütterte ihn so ge
vartig, daß die ihm in der Folter gesschlegenen Wunden
zujs neue hestig zu bluten begannen.
Noch einmal wollte der Juůͤngling sprechen, aber nur
ie Lippen bewegten sich noch lautlos; er besaß nich
iehr die Kraft zum Sprechen — die Lebensgeister be
annen aus dem noch nor einigen Tagen in lebenskrö
gen Korper zu schwin den als Opfer eines schͤmudhe
dacheaktes.
Erschrocken beugte sich der Greis über den Sterben
en und lauschte den schwachen Atem zügen, bis der letzte
„auch sich mühsam der zerflei schten Brust entrunger
atte.
„Allah ist groß,“ sprach er, indem er den Kopf des
ohnesz küßte. „Ich ahnte es, daß mein Sohn ster
n würde. ohne den Schmerz der Verbannung »u r

—
— 7 Er bedeckte die Leiche mit seinem Burnus und über
ie gebeugt wartete er geduldig, obwohl Stunde auf
Stunde verran. Kein Klagelaut kam mehr über seine
bleichen Lippen, nur arabische Gebete murmelte er.
Aischa hatte inzwischen bange Stunden erlebt, als
ie jo lange auf die Rückkehr ihres Vaters warten muß⸗
en. Don Fernando war inzwischen zurückgekehrt, au
das freudigste von seinem Onkel und seiner Braut be
zrüßt. Diese Freude war um so größer, als er durch
die Beförderung gleichzeitig eine glänzende Genugtuung
ür die vorübergehende Hast erhalten hatte und er somit
nuch von dem auf ihm lastenden Verdacht befreit war.
kr vermochte keine Auskunst über Piquillo und seinen
VGater zu geben, da er von den übrigen Vorgängen im
Sefängnis in seiner einsamen Zelle nichts erfahren hatte
und auch dann nichts, als ihm der königliche Befehl
mitgeteilt und ihm seine Freiheit angekündigt worden
war.
Endlich kehrte auch d'Alberiea in den Palast zurück;
müde war sein Schritt, wie ein Schatten wankte er da—
jer. Der Gouverneur, sein Reffe, seine Tochter und
Aischa waren anwesend, denn Stunde um Stunde hatten
sie auf seine Rückkehr gewartet und weil sie sich so lange
Ainzoag, waren auch schon die schlimmiten Befürchtungen
entstanden. Ein Blick auf den sast vomg gevrohen er
Greis rechtsertigte diese nur, er sah nicht aus wie ein
Vater, weicher eine frohe Boischaft bringt.
„Ihr bringt ihn nicht?“ wagte endlich der Gouver⸗
ner die Frage und alle waren gespannt auf die Antwort
d Alberieas.
Der Greis suchte d'Aquilar durch einen verstohlenen
Blick zu verstindigen, daß er die Wahrheit noch nicht
sagen könne. Aber Aischa, welche schon bei seinem Er⸗
scheinen heftiz zitterte, hatte die sen entsetzlichen Blick doch
»emerkt. Von einer schrecklichen Ahnung durchzuckt⸗
tieß sie einen jähen Schrei aus und stürzte ohnmächtiq
u Boden.
Sie hat in meinen Augen gelesen,“ flüsterte d' Albee
dem Gouverner indom einer Tyochtor A

α

3*

die Königin diktierte:
„Don Fernando d' Albayda und der gewesene Se
zretär Don Juan d'Aguilars, namens Piquillo
ind sofort aus der Hast zu entlassen und außei
Versolgung zu jsetzen.
der König schrieb. —
„Ceid Ihr nun zufrieden Madame?ẽẽ
Noch nicht, mein gnädiger Herr! Ich bitte schreibt
er.“
„Ebenso ernennen Wir Don Fernando d' Albaydo
zum Hauptmann im Regimente der Königin.
Gegeben in Un'erem Palaste zu Madrid—
am 24 September 1599

Phil pp
Die Königin nahm dieses wichtige Schriftstück, X
es „orafäst'g zu sammen und nahdem sie sich von
n Gemahl nah lebhasften Dankesbezeugungen ver
hiedet hatte, ühergabe sie es einer im Vorzimmer hat
en Ordonan; ir schleunigsten Bejörderung an den
lshader de naat sgefängnisses.
yn ihre Geer Zurückgekehrt, schrieb Köninir
argarethe so or einige Zeilen an den Gouverneur ihr
u dem Eriolunrer Unterredung mit dem König in
sintnis setzend. Gie sieitige forderie sie darin deAlbe—
auß seinen Sohyn Yend“ aus dem Gesangnis abzu—

17. Kapitel.
sroße Frende herrschte im Palast des D ernee
ie es Billet der Königin eintras. Nunmehr
aalles zun z321 wenden, Ausf der Stelle ma
Alberier au 24 Veg nach dem Gefängnis, jede
tung abed er vollie alleine leinen Sohn ir
ma neyei, nienaad sollie Zeuge dieser Szene

Nibt ver, den Weg nach dem ge—
119 —
            
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