Full text : Dudweiler Zeitung

Montag, den 30. Januar 18911.

24. Jahrgang.
—
Posischließfach Nr. 14.

—E X 8 — ——
* — * V — * 8 —
4— IJ 14 9 F5 4 A 51— 5 —
— * 1418 A— B— * 8* —9— ——83 53 J —3
Erscheint 9 —7— 33 — —— * — J 7 —5— — 3 Anzelgen
taalich mi. Ausnahme der Sonn⸗ und W 9 9 J 33868 36 J J — kosten 16 5 pro Gspaltig Yetcau
* * — —* ⸗» 5 — — —9 S 2 J —* * E 3— * —8— — —
Feiertage. 28 s e * 4 —E —X —A auswãrtige 15 4

Postschkeßfach Nr. 14

Amfllches Publlkasionsergan Mt zwel Beslagen: —A
—«R6 für die Bürgermeißerel Dudweiler. Sonntagsblatt und heitere 3lätter. xo pro 4spaltige Petitzelle.
monatlich 70 frei in's Haus 2*
gebraucht, 5
al der Post bestellt A 2,25 vierteljährlich. Fernlprech⸗ Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 25890, 260 1. 1261. Redaktion, Druch und Verlag von J Unerkeler⸗Dudweller. Bei Jahre-⸗Abonnemeni „ochstir Aechakl.
αα 8 PBWWE—————— ùv eaæae —em— c— — — ——⏑—‘2æßö22-'…8_8B9898Þ39883_3P2IXMAIAvd,z, — —úû 78sc; WWW—oo„oO — ⸗ IIINXEE———— üü———— — —
»nnent ist mit 300 Mgegen Tod durch Unfall ner der —itruherer Lebeusversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger debensversicherungs-Bank anzuzeigen, auch muß sich der Berletzte innerhalb 24 Stunden nach bem Unfall in arztliche Behan Aung begeben. Todefalle müfsen sosn
2 0 — — sput⸗s⸗ne — 9 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gedracht werden. Ueder die Voraussebung der Versicherung rden die Versi herun jsbebingungen Ausschünß, die vom' Berlage ober von der Ruürnber ger Lebensvericherunge⸗Baut z0 beziehen find. o 0 —— ¶0
— — * — —— — — — —,⸗ — —— — WBS — — — — — — ln
utschlands Politik in Welfen, Danen und Etsasser zusammen haben bis jetzt 10
F 222 2 Kandidaten ausgestellt. In 80 Kreisen ist noch kein Kan—
französischem Lichte. bidat aufgesteilt worden in 22Kreifen sind mehr als
den Wandelgängen der rranzösischen Kammer hatte stand. daturen zu verzeichnen.
iser Korrespondent der „Fr. Ztg.“ Gelegenhert, mi OesterreicheUngarn.
anz ösischen Poliliter zu sprechen, welcher zu den *Aus Podwoloczyska wird über einen Grenz
en des Min siers des Aeußeren gehört und über zwischenfall gemeldet: Zwei österreichische Gendar
enz der auswärtigen Politik Frankreichs um so men brachten zwei ausgewiesene russisch
iterrichtet ist, als er die Aufgabe erfüllt, d'e par Staatsangehörige an die rufsische Grenze nächs
ische Welt im Einklang mit dem Minister zu er dem Zbruzfluß. Die abgeschoöenen Russen trafe
Dieser Politiker äußerte sich einigermaßen ver jedoch Anstalten, schwimmend wieder das österreichische Ge
aber keineswegs erstaunt, daß die auswärtig biet zu erreichen. worauf sie von russischen Grenzfoldaten
zrankreichs seit einger Zeit mit wenig Wohwo— auf österreichisches Gebiet verfo gt wurden. Als die ruffi
der deutschen Presse beureilt werde. Er schen Soldaten der Aufsorderung, sich zurückzuzichen, nicht
folgendes: Folge leisteten, gab ein österreichischer Gendarm einen
nes auch in Frankreich ein Prinzip ist, die aus— Schus ab, der angeblich einen russischen Soidaten tödlich
Politik nicht in den Kampf der Parteien und ins— verletzte. Hierguf erschien die russische Grenzwache von 36
nicht in die Wahlbewegung hineinzuziehen, so Mann und es wurden mehrere Schüsse abgegeben, ohnt
wir kb ganz gut, daß man in Berlen gegen oaß jemand verletzt worden wäre. Erst nach ednier
r »aran denkt, daß am Ende dieses Jah Ztunden zugen sich die russischen Grenzsoldaten, welche in
3 Reichstage stattfinden werden zwischen die Ausgewiesenen in Empfang genommen hat
Haft einer gewissen, wenn nicht na ten, auf rusisches Gebiet zurück. Eine spätere Meldung be
doch patriotischen An pannung bedarf sagt, daß der russische Grenzso dat nischt getötet wurde
Ipposttion und insbesondere die Sozialdemokra sondern sich nach Kosakenart zu Roden warf
‚u große Erfolge erringe. Es ist deshalb nich
für uns, daß der neue Reichskanzler Beth—
veg und sein Staatssetretär des Aeußeren von
gtet sich bemühen, die Erfolge der deutschen
uf dem Gebiete der auswärtigen Politik her—
d selbst unbedeutende Zwischenfälle zu über—
»Nation in der Ueberzeugung zu befestigen,
rung eine attive Weliposticit mit Ersolg
Staatsselkretär von Kiderlen-Wächter steh
er ein treuer Schüler Bismarcks ist, urd
cht leugnen, daß es zur Zeit Bismarcks Pe
o man ebenfalls in Berlin die kleinsten Zwi—
auswärtigen Politek ausbeutete, um insbe—
anzösische Presse zu Ausbrüchen der Leiden—
Zzieren, und daß man damit auch oft das
erreichte, wie 3. B. im Zehre 1887 he
ahl.
stehen ganz gut, daß es der Berliner Rege
In gewesen wäre, wenn im Anschluß an die
zusammenkunft eine heftige Polemi? in der
Presse ausgebrochen wäre. Wir sind auch
*3in Berlin ganz gern gesehen würde
»c Presse mit Uebereifer sich der Wün—
von Elsaß-Lothringen annehmen
aus, für uns unzweifelhaft, daß die Ver—
zsischen Diplomatie in der Frage der Be—
ingen Absichten zu unterschieben, die sie
tirtlichkeit von Berlin ausgehen, wenn
a Umwege über Wien ans Tages icht ge—
wer' diese Versuche, die öffentliche Meinung
in Erregung zu versetzen, werden scheitern.
sich in ähnlicher Weise in den nächsten Mona—
em beliebigen Anlaß wiederholen. Aber das
Ministerinum des Aeußeren wird, soweit es
ß auf die Pariser Presse besitzt, diesen Ein—
Inden, von jeder Uebertreibung abzuhalten
an A zu erinnern, daß es sich um Ausflüsse
ütk Deutschlands handle, darauf berech
e Publikum in einer warmen nationalen
jlten, angesichts der nichsten Neuwahlen
z fehlt nicht an Polisikern, die diese
anzösischen Diplomatie und Presse für
e erinnern an den Ursprung des
nsbesondere/ an die spanische Thron—
Aürchien, daß die Diskussion über die
αινι doch zu einem inter
nflikt führen könnte, wenn die Presse nich
—
ufmerksant macht. Die ojfizielle französische
st nicht dieser Meinung. Die Zeiten, wo
rch Kundgebungen der Presse in e'nen Kr'eg
cden konnte, sind vorüber, und zudem hat
eder den Wunsch, noch ein Inderesse, einen
n dieser Frage, welche in erster Linie nur
Relacien berührt. u sruchen

424
PNolitische Rundschau
Deutsches Reich.
*Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ meldet: Das
Banchaus S. Bleichröder ernannte den bisherigen
Sesandten in Mexiko, Geheimen Kommerzienrat Beu—
enz, zum deutschen Delegierten beim Verwal—
tungsrat der türkischen Staatsschuld. Buenz
nahm das Mandat an.
*Die Fernsprechgebührenordnung, die
vom Plenum des Reichstages an die Badget'ommission
zurückverwiesen worden war, wird auf den Wunsch der
Regierung von der Budgetkommission bereits in diejser
Woche einer erneuten Beratung unterzogen werden. Der
Wunsch der Regierung, diese Vorlage auf jeden Fall noch
in dieser Session zu erledigen, hat bei den Konservativen
und beim Zentrum Anlang gefunden und wird von die—
en Parteien unterstützt werden. Zu Beginn der nächsten
Woche soll ein Kompromiß abgeschlossen werden, nach dem
die Grune gebühr erhöht werden und die pauschalierte Ge—
prächsgebühr eine Ermäßigung erfahren soli. Der Ent
wurf soll noch im Februar in zweiter Lesuna vom Ple
num verabschiedet werden.
*Der deutsche Weinbau ist seit Jahren eir
Sorgenkind für Gesetzgebung und Verwaltung: kaum ij
unter großen Mühen ein neues Weingesetz zustande gekom
men, so tauchen auch schon neue Klagen und neue Schmer
jen auf, die erkennen lassen, daß die unleugbar vorhan
dene schwierige Lage unseres Winzerstandes nicht ein
Folge der Gesetzgebung, sondern der natürlichen Verhält
nisse ist. Es handelt sich eben hier um eine hochgesteigerte
LBeredlungskultur: jahrhunderte hindurch ift die Rebe auf
zie hohe Stufe hinaufgepflegt worden, die den Ruf dei
eutschen Edelweine begründet hat. Fast scheint es nun,
ils sei die Rebe dadurch so überfeinert worden, daß sie
hren vielen Feinden kaum noch standzuhalten vermag. In
Weinbau, der so von der Witterung abhängig ist, haber
nnausgefetzt gute und schlechte Jahre miteinander abge
wechselt, aber schließlich kam doch immer wieder ein Jar
gang. der den Winzer herausriü. „Der Wein läßt den Win
zer sinken, aber nicht untergehen“ — das Sprichwort cha
ralterisierte den Zustand. Run aber ift ein Neues aufge
treten, denn nicht mehr ist die Witterung der schlimmst
Feind des Winzers, sondern der Rebschädling. Zur Reb
laus, zum Oidium und zur Peronaspora gesellt sich der
Heu⸗ und Sauerwurm, ein tierischer Schädling, der durck
sein massenhaftes Auftreten große Werte zerstoͤrt und der
die Winzer umso mut oser macht, als eine Erfolg verspre
hende Methode für seine Bekaͤmpfung noch nicht gefunder
ist. Der hierdurch verschärfte schwere Noistand der Win
zer hat die Parlamente bereits wiederholt beschäftigt, wo
»ei der gute Wille aller Fraktionen zum Ausdruck gelang
st. Aber mit dem guten Willen und mit gefühlvoller
Worten allein ist hier gar nichts ausgerichtet, es wär
auch falsch, darauf zu warten, daß der bose Wurm nun
etwa durch eine Aenderung der Witterung oder durch sein
natürlichen Feinde wieder vertilgt würde, es muß eind
planmäßige Bekämpfung vorgenommen werden.
* Der Zustand des erkranklen Reichstags-Abgeordneter
Paul Singer gibt sortdauernd zu Besorgnissen An
laßz. Eine Besferung in Feinem Beiinden iit bisher nich
ingetreten.
* Die türkische Marine-Kommission, die nach Deutschlant
jekommen ist, um Schiffe anzukaufen, ist seit einigen Ta
gen in Hamburg. Die Verhandlungen mit der Hamburg
lImerika⸗Linie wegen Ankaufs von zwei ähteren
dampfern sind bisher noch nicht erfolgreich gewesen
dagegen schweben aussichtsreiche Verhandlungen huüt der
deutschen Dampischiffahrts-Gesellschast „nαα wegen
Ankaufs zweier Dampfer.
* Bisher sind nach einer Zusammenstellung der „Deut
chen Tageszesung“ im ganzen gegen 600 Kandidaten fün
die bevorstehenden Reichsstagswahlen auifgesiel
vorden; die meisten, nämlich etwa 130, von der nauona!
iberalen Partei: dann solgen die Sozialdemokraten m
15, die Fortichr'ttliche Voltspartei mit 102, die tkonser
ative Partet mit 85, das Zentrum mit 05, die Wirt
haftliche Vereinig ng bezw. die Antisemiten mit etwa 50
o Reichsvarte mit 25. die Bolen mit 14 Gand dature

leit sei ebensowenig zu zweifeln, wie an dem guten Wir
en, aber was er far das Maximum des Möglichen halt«
ꝛrscheine den Elsässern als das Minimum des Erreichba—
zen. Die Regierung wurzele noch in der Bismarckschen
luffassung von 1871, Elsaß-Lothringen sei aber ganz von
den Ideen des Jahres 1911 erfüllt. Der Kernpunkt der
Rede sei die Frage, ob die Elsässer für die Verfassung reiß
seien, das soll im Sinne der Regierung bedeuten, ob die
elsässische und lothringische Eigenart so in der Masse des
Deutschtums aufgegangen sei, daß nichts mehr vom Urstof
zu merken sei. An der unmöglichen Lösung dieses Pro
blems scheitete der beste Wille. Die Gesetze der Natur sind
stärker als die Versuche des Genies, wie der angeblich
Wunsch Bismarcks beweise, dem Elsaß die Autonomie zu
zeben, den bismarckischen Grenzwall durch ein freies Land
zu ersezen, den Gedanken der Eroberung mit dem Ge—
danken der Gerechtigkeit zu vereinen, Mißtrauen dem Ver—
trauen gleich zu machen, das Interesse des Siegers mit
dem Recht des Besiegten zu versöhnen, die Folgen der
Annerion den Forderungen der Gleichberechtigung anzu—
»assen. Das sei das Problem Elsaß-Lothringens und
volle man es eraistlich lösen, so könne man ebensogut
Feuer mit Wasser verbinden

das österreichisch- uugarische Flotten-Programm
*)Im Marineausschuß der Ungarischen Delegation
 erstattete der Marinekommandant Montecuccoli ein
ausführliches Exposee, in dem er betonte, die Marinever—
waltung köͤnne in den nächsten Jahren mit einer nur eine
halbe Million betragenden Erhäͤhung des normalen Bud—
gets unmöglich auslommen. Die Verteilung des angefor—
derten Kredits von 312 Millionen aus sechs Jahre ent
spreche nicht den Bedürfnissen der Marine, sie bedeute
vielmehr nur eine Anpassung an das Leistungsvermögen
der Staatssinanzen. Von zwei Dreadnoughts dürfte der
erste Mitte 1911. der zweite Ende 1911 vom Stapel ge—
hen. Von zwei weiteren Dreadnoughts werde einer an
die Danubiuswerft vergeben werden.
Redner besprach sodann das Flottenprogramm, nach
dessen Durchführung im Jahre 1915 die Flotte 13 Schlacht
schiffe, dO Kreuzer, 18 Torpedofahrzeuge, 48 Torpedoboou
und 12 Unterseeboote zählen wird. Notwendig sei aber
eine Flottenstärke von 16 Schlachtschiffen, 12 Kreuzern, 24
Torpedofahrzeugen, 72 Torpedobooten und 12 Unterseebooten,
 sodaß de bis zum Jahre 1920 auszuführenden
Reubauten drei Schlachtschiffe, drei Kreuzer, sechs Torpedo⸗
ahrzeuge und 24 Torpedoboote umfassen würden, deren
derstellungs kosten etwa die gleiche Summe erfordern wür—
den, wie der sür das nächste Flottenprogramm angefor⸗
derte Kredit. Der Marinekommandant betonte, er halte
die außerordentlichen Kredite für einen Notbehelf, an de—
ren Stelle besser eine entsprechende Erhöhung des Ordi—
nariums treten solle. Redner schloß: Keine Flotte, wie
groß sie auch sei, ist so teuer wie der Krieg; schützen wir
uns vor dem Krieg, indem wir unsere Wehrmacht stärken
——
Deutscher Reichstag.
Vorm. 11 Ulr Berlin, 28. Januar.
(116. Sitzung.)
Zunächst versagt der Reichstag die Genehmigung zur
Strafverfolgung des Abg. Behrens (GWirtsch. Vag.),
in einer Privatbeleidigungsklage.
Sodann steht auf der Tagesordnung die Weiterberat⸗
ung der beiden Gesetzentwürfse über die
elsaßz lothringische Verfassungsfrage
und die Wahl der Zweiten Kammer. F
Abg. Winckler (kons.): Die Angelegenheit ist eino⸗
der allerwichtigsten Fragen. Wenn der Herr Reichskanz
ler einen Blick wirft auf die Stimmung, die vorgestern
hier zum Ausdruck gekommen ist, so wird er sagen müs—
sen, dem einen geht die Regelung nicht weit genug, dem
andern geht sie zu weit. Auch wir erkennen an, daß die
Verhältnisse in Elsaß-Lothringen ein Uebergangsstadium
darstellen und daß das Ziel sein muß, diesem Lande die
undesstaatlichen Rechte zu geben. Ein schöner Tag würd⸗
lein. wenn di⸗ Ministtoer vor den Weihαοα treten umgs

ιιιτ τα
Die elsaß-othringische Frage. *
Der „Temps“ charalterisiert in einem interessanten Ar
ikel das Bemühen der deutschen Regierung um die elsäs
ische Verfassung als den Versuch, die Quadratur des Zi
els zu finden. Staatssekretär Delbrück habe sich bemüh
AN— * — — 5e—nor N

Zwei Köniaskinder

da ich weder Vater noch Wutter getannt hade und michy
seit ich denken kann, mit der blohen Tatsoche zufrieden
geben mußte, daß ich lebe. Aber es ist ratürlich gang ab
surd, an irgend eine tiefere Gemeinsamkeit zwischen den
längst verstorbenen Prinzen und mir zu denken Ih mus
mir's immer wiederholen: ein Naturspiel, nichts weter
Aber trotzdem werde ich wohl einige Zeit brauchen, bis
meine Phantasie den ziefen Eindruck — haber
wird

Waĩse war und auf dem Schlotßz erzogen wurde. Ve
rühere Kastellan und seine Frau waren mit ihr verwand
zatten das Kind in Pflege genommen und soilen ihr vie.
Sorgfalt und alle Liebe zugewendet haben. Als die alten
deute starben, nahm die Prinzessin Wilhelm, die Mutte
oes Prinzen Ferdinand, sie in ihren Dienst als Kammer
ofe. Aber das soll nicht lange gewesen sein. Von eine!
steise nach Italien kam die Prinzessin mit einer andere
Zofe zurück, und ein paar Mongate später kam die Meil
»ung an das Gemeindeamt, daß meine Miitter in Frant
urt gestorben sei. Und dann hat die Gemeinde eben fü
nich sorgen müssen, weil meine Mutter in Wiefernbur,
eimatsberechtigt war.
Das also weiß ich nun, und meine Phantasie schweif
nns Ungemessene. Ich bin nicht imstande, still zu sitzen un
u arbeiten: ich wandere raftlos durch die Wälder unt
inde keine Ruhe: ich suche die Natur und erfahre zun
rstermal, daß sie mir keinen Trost zu bieten hat. Die
Unrast foltert mich geradent und ich sehe feinoen Req zu
Frieden.
Merkwürdig ist, daß der Pastor mir nun ausweichl
Ich war zweimal unten, und beide Male hieß es, er ser
richt zu Hause. Möglich, daß er wirklich über Land ist, wie
die alte Wirtschafterin behauptet; aber in meiner hoch—
gesteigerten Nervosität komme ich nicht über den Eindrug
fort, daß er aus irgend einem Grunde sich scheut, mit mir
iber die Angelegenheit zu sprechen. Welchen Grund aber
önnte es haben? Ich quäle mich mit dem unsinnigen
Bedanken ab, daß die Aehnlichkeit zwischen dem Pringen
und mir keine zufällige ist; ich suche verzweifelt nach Grün
den für diese Zufälligkeit, ich finde nur Wahrscheinlichkeits
momente, die recht gut dagegen angeführt werden könnten
Dann versuche ich, mir alle diese Grübeleien als finn
los darzustellen. Selbst wenn auch die kürhnsten Ahnunge:
Wahrheit wären, was sollte mir das nützen? Ich blieb
doch der arme Teufel, der ich zeitlebens war, und nicht
würde geändert sein. Aber über derart nüchterne Erwä
gungen fluten die Empfindungen erstickend hin: ich had
die Zufälligkeit meines Daseins zu lange als eine vaß
empfunden, und nun schreit meine Seele nach der Ver
gegenwärtigung der unbekannten Menschen, die mir Wale
und Mutter waren.
Ih will den Intendanten fragen. Wie immer ich au
V halten mir egenüber deute — ich finde jebt
—00 —X ———

—
4. Junt.
Eimn Unglück ist geschehen — vor etlichen Tagen schou
aber wir haben es erst heute durch die Verwaltung de
prinzlichen Güter erfahren: Pring Wolff ist beim Rennoe
gestürzt und schwer verletzt. Genaueres weiß man nuẽ
nicht, und in dieser Weltabgeschiedenheit ist a nichts zr
erfahren; aber es scheint doch daß das Unglück sehr erusta
Natur ist. Hier im Schloß herrscht große Bestürzung Da
Intendant läßt sich außerhalb seiner Vohnung mecht seben
Arad das sonstige Personal hegt ernste Befürchtungen für
die Zukunft. Der Kastellan sagte mir heute, das Ehlos
und die anderen Besitzungen kämen an die Sauptlinie, wen
der Pring etwa sterben sollte, und das scheim teinet als ber
oclende Aussicht zu betrachten.
Ich habe eine rubelose Nacht gehabt und werde ma
ruhelose Tage dazu haben; denn m fonv ich den alte⸗
Mann nicht auch noch mil

1. Juni.
etwas Merkwürdiges geschehen — etwas
ireckt und beinahe entsetzt hat. Jetzt, da ich
aft über mein Empfinden gebe, tritt der starke
dings zurück, und ich habe sogar Mühe, mil
kder Entdeckung wieder in voller Unmittel—
o GSoelo aꝛu rufon. Aber die Errenung zitter
au
»m Atelier ist unter anderen überflüssigen
ein großer Spiegel. Heute nachmittags in
zause, blieb ich rein zufällig davor stehen
te ich in der blanken Fläche das Bild des
ich kopierte — das gemalte Bild und mein
elbild daneben. Ich war in Gedanken und
des Prinzen ohne Interesse, aber dann wat
belebten fich die Augen, die aus dem Bilde
htet schienen; dann gewann das Bild Zug
; anz wie am Tage meiner Ankunft, ir
tunn, in der ich mit dem Bilde zum ersten
. Ser nun war es gar nicht mehr zu ver
ef »Him Bilde aleicht dem meinen! Zug—
ns ⸗indliche umgewandelt. Denn der Pri
zwamig Jahren ein Kind, naiv und leben
Würde, die er mit dem Glanz der Order
antsuniform vortäuichte, stimmt schlecht zr
wunderung, mit der diese Augen ins Leben
rotz alledem ist's gar nicht zu verkennen:
Nase, Mund und Kinn und das Zusam
x Einzelheiten: mein Bild.
bedeutet das gar nichts, ein Naturspiel,
Man sagt, daß nicht zwei Dinge auf der
mmen gleichen, und das mag richtig sein;
ig ist es auch, daß die Natur in ihrer ver—
Fülle zu Menschen und Dingen Wider⸗
ie bis auf kleine Unterscheidungsmerkmale
mhaben und einander zum Verwechseln glei—
ielleicht keinen Menschen, der nicht irgendwo
nger hätte, und wem dann unvermutet Ge—
en vird, in einem fremden Menschen sich
»n » wird sich selbst eines seltsamen Ein
ind er wird unwillkürlich nach
dahin ꝛtannter Zusammer
de ⸗n estehe. e
u8—5.

2. Juni.
Der Pastor unten im Dorf ist ein lieber Mersch. Einer
er jung ous der Welt hierber verschlagen wurde in die
kinsamkeit dieser Waldberge und der nun nicht müde witd
ich hinauszusehnen In die große Welt, aus der er kam
Nicht, weil er genußsüchtig ist oder sein Amt nicht erns
rimmt; aberet ist unstfroh und entbehrt die Kunft; er
»raucht die Anregung, die nur gleichgeartete und gleich
zestimmte, Menschen geben können, und er ist hier doch
inzig auf den Umgang mit seinen Bauern angewiesen—
ie seine Bücher ihm geben können. So hat er sich fas
eidenschaftlich an mich angeschlossen, seit wir uns einmal
auf einem Spaziergang zufällig kennen gelernt haben, und
e ot der Umgang mit dem feinfinnigen Manne eine
Freude.
Heut' hab' ich ihm erzählt, was ich gestern entdeck
und innerlich erlebt habe. Aber er war ganz sonderbar⸗
er hat nicht gelacht und wurde nachdenklich
Ob es nicht unklug sei, davon überhaupt zu sprechen
hab' ich ihn gefragt; die Zufälligkeit sei doch so häufig
zu konstatieren, daß sie im Grunde sogar den Charafier
des Besonderen verliere. Der Zar zum Beispiel umd der
Prinz von Wales. Weiter könne die Natur doch gar nicht
in der Aehnlichkeit zweier Menschen gehen, und doch sei
auch hier der Zufall allein Meister gewesen.
Er schwieg ein paar Augenblicke, aber dann fagte er
nachdenklich: Aber gerade bei diesem Beispiel lassen sich
die Familienbeziehungen nachweisen.“
Dann kamen wir auf andere Dinge: aber ich mache
nir nun schon wieder Gedanken darüspert

2322
—ED ö. Jum
DHDer Slurz ist nicht lebensgefährlich und die neueste
Nachr ichten laitten hoffnungsvoll. Im Echloh tritt wie
der oinige Beruhigung ein, umd Schonborn hat mich heuds
wieder bei der Arbeit beficcht. Ich arbeite wieder, wem
auch nur langsam und mit schweren Hãnden; meine Nervo
ãtät ist so gesteigert, daß ich zuweilen Mühe habe, starh
Befühlsausbrüche zu unterdrüden, und heute war es mit
sast. als müßzte ich Schönborn hassen. Wenn der Inten
dant weiß. wer ich bin — Drum laßt er, mich dann i
dieser folternden Ungewißheite Und was soll sfeine über
triebene Freundlichkeit, wenn er mmaufrichtig istꝰ
Er sah mir ganz still und friedlich zu. Verschiedentli
drängten fich mir die Fragen auf die Zunge, die er mi
rantworten sollz aber dann fehlte mit wieder der Veut, um
ein gewisses Mitleid mit dem friedlichen alten Manne bieß
nich schweigen. Aber morgen soll es sein — morgen werd⸗
cch ihn fragen —7
— XW——k— ——e— —
Und nun war's so weik J . —
3
war fer nnte
Arüber Mindern daß Feeee o lftãndiq dem ——
»*CGglich

— merde an⸗e 23 Unruß*⸗
ne
h.
enitv

—

Jun
554

4 *—

—

I

—

1
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.