Full text : Dudweiler Zeitung

3a sfelt werden, daß in einca CEirserii
g von 6 Kilometern reguläre türkische Truppen nach
züdwesten zu marschierten. Diese Truppen hben
dampfe nicht teilgenommen. Der Hauptmann Piazze
onnte bei einem Rundfluͤg über das Schlachtfeld ein
eindliche Abteilung in einem dichten Gehölz bei dem
zandhaus Nediad feststellen. Die Italiener umzingel⸗
en diese Abteilung, ein Wiederentkommen der Abteil
uig wird für ausgeschlossen gehalten. Eine andere ara
bische Abteilung, die in die Sase bei Tripolis einge;
drungen war, wurde dort niedergemetzelt. Dabei wurd
aie grüne Fahne des Propheten eroberi, ein Zeichen,
die Araber den Krieg als einen heiligen Krieg
ühren.
Dem Reuterschen Bureau wird aus Malt a ge.
neldet, in einem Privatbriefe aus Tripolis wetͤd—
erichtet, die Truppenmacht der Türken und Ara.
x wachse von Tag zu Tag und betrage 60 000 Maun
der Ueberfall aus den Hinterhalt, der am Montag au
ie Italiener unternommen wurde, habe beinahe zun
zernichtung der Italiener geführt, die sich mit größten
Nuhe und Tapferkeit geschlagen hätten. Der Aufstar
n Tripolis sei erst nach hitzigem Kampfe niedergeschla
jen worden, in welchem die Truppen 180 Mann ver
oren hätten. Die Nachforschung nach Waffen werd«
ortgesetzt. Täglich würden 40 bis 50 Araber er.
chossen.
„Ueber Derna soll vor der Besitznahme durch die
ztaliener die grüne Fahne zum Zeichen des heiliger
driegs geweht haben. Der dortige Kommandant, eir
ürkischer Hauptmann, dab der Aufforderungç
zur Uebergabe die heldenhafte Antwort: Er me, was
talienische Offiziere an seiner Stelle täten, obwohl er
ie Unmöglichteit ersolgreichen Widerstandes erkenne.
Das englische Wochenblatt „Outlook“ teilt auf Grunt
»esonderer Informationen aus Negypften mit, daf
Snver Bey durch Aegypten zum Großscheif der
Senussi gereist sei und jetzt das ganze Hinterland
unm heiligen Krieg gegen die Italiener aufbiete. Es sei
ollkommen unmöglich für die aͤgyptische Regierung, die
grenze gegen Tripolis zu sperren. Enver reiste in Ver—
leidung nach Aegypten ab mit der erklaͤrten Absicht, den
srieg gegen Italien zu leiten und den Semmifinamm
nobil zu machen.
Den Blättern zufolge richtete der Scheik der Se—
wu sssi an den Mutesfarif von Benghasincein
Zchreiben, in dem er tapferen Widerstand gegen die
Ftaliener empfiehlt und die staffelweile Entsendung von
Freiwilligen anzeigt. Man werde alle dgegen
die Franzosen bestimmten militärischen Vorbereituünger
nunmehr gegen die Italiener anwenden. Der „heilige“
rieg werde in der ganzen Sah ara und in dem gaän—
en übrigen mohammedanischen Afrika erklärt werden.
Aus der Türkei.
Der anti⸗-italienische Boykott ist nun—
nehr in der ganzen Türkei und Aegypten in vollem
vange.
Die türkische Presse nimmt die Meldungen über be—
»eutenden Rüederlagen der Italiener in
kripolis und Benghasi wie etwas erwartetes auf, da
je stets an die Ueberlegenheit der türkischen Soldaten
ber die italienischen geglaubt hat. In der Bevölkerung
st die Stimmung wegen der Waffenerfolge gehobem
Nan bringt jetzt dem Kabinett Said Pascha größeres
dertrauen entgegen als bisher.
Von herrorragender diplomatischer türkischer Seite
vird berichtet, daß die Vermittelungsaktion der Mächte
zollständig ruht, seitdem die Grundlagen ermittelt wor—
en sind, auf denen jedes der beiden kriegführenden
Länder in Verhandlungen eintreten würde. Da die Ita—
iener einfache Annexion, die Türken die Anerkennung
er Oberhoheit des Sultans verlangen, gehen die Stand—
unkte zu sehr auseinander, als daß Vermit—
elungs-Porschläge einen vrattischen Wert
ätten.

J — ——— r0 — —
Revolutton in China.
Durch ein kaiserliches Edikt ist Puanschikaisder
kitel eines allerhöchsten Bevollmächtigten verliehen wor—
en. Gleichzeitig sind ihm damit alle gegen die Auf—
ändischen operierenden Truppen zu Wasser und za Lande
interstellt und es ist ihm überlassen, alle zur Unter—
rückung des Aufstandes geeigneten Maßregeln nach
igenem Ermessen unabhängig vom Kriegsminister zu
rgreifen. Lriegeministe Rinuschang hat den Be—
ehl erhalten, das Armeekommando dem NKanzleichef
zengkuochanug zu übergeben und nach der An—
unft NYuanschikais nach Peking zurückzukehren. Ein zwei—
es Edikt drückt das Bedaueru über die Ermordung des
datarengenerals Fungsen durch die Revolutionäre
n Kanton aus.
Die Aufständischen aus Siangfu marschieren ost—
värts. Wie verlautet, haben die Rebellen die Stadt
Aschengitschunin der Provinz Honane 50 Kilome—
er südlich von Huangho, besetzt. In Hongitschou
n der Provinz Tschekiang ist eine Militärrevol—
e ausgebrochen.
Endlich beginnt der Thron für die Armee
Held flüssig zu machen. Ein Edikt teilt mit, daß die
daiserin aus ihrer Privat-Schatulle eine Million Taels
ür die Organisation der militärischen Streitkräfte zur
berfügung gestellt hat.
Die Regierungstruppen besetzten nach hartem Kampf
Haukau. Die Aufständischen hatten starke Ver—
uste und verloren viele Geschütze.

rakter, seinen Geschmack, seine Ideen und Manierer
porher zu kennen. Aber wem sollte sie sich an einen
Hose anvertrauen, wo sie eine Fremde und dazu die
Zönigin war, welcher wohl Niemand die Wahrheit zr
agen sich getraute, sobald diese keine angenehme jür sit
dar? — — —
Der Abend war hereingebrochen und ihre Frauer
satten sich äämmtlich schon zurückgezogen. Margareth
ieß ein Schwarm von Gedanken über ihr kündstige—
Loos nicht schlasen. Sie öffnete eine Glastüre, welch
n die ausgedehnten Gärten des Palastes führte und
rat hinaus. Die Racht war schön, die Vuft warm und
nit Valfamd ften erküllt. Meberall herrschte tiese Stille
mier den hochragenden Bäumen und in den dichten
Vosquets. Mardarethe ging einige Schritte in einer
Allee, Das Bewußtsein völliger Ungestörtheit machte
je zuversichtlicher, sie schritt weiter und verlor sich bald.
n grünen Laubgängen.
Nach einigen Minuten hörte sie plötzlich die Stimmen
iehrer Frauen in einem nahen Bosquet: fie blieb lau—
hend stehen und hörte ihren Namen und den des Kö—
igs ausprechen. Dadurch geiesselt, huschte sie dicht
inter das Granaten und Orangengebüsch und bemerkte
uf einer Bank zwei Damen vom Hofe.
„Wir werden glänzende Feste und Bälle haben,.“
agte die Eine; „endlich ist Seine Majestät nahe dabei.
fhemann zu werden, aber wahrhaftig. es scheint Mühe
gekostet zu haben!“
Ihr täuscht Euch, liebe Marquise,“ erwiderte die
Andere; „es hatte gar keine Schwierigkeiten, den König
u vermählen — im Gegenteil.“
„Im Gegenteil sagt Ihr? Erklärt, mir das deutli⸗
her, liebe Gräfin!“
„Wißt Ihr nicht, auf welche Weise diese Ehe be—
chlossen worden ist? das ist eine seltsame Geschichte.
Philipp M., welcher fürchtete, daß sein Sohn wenig Geist
abe, und den Mangel in allen seine Handlungen zu be—
nerken glaubte, woillte ihn noch bei seinem Veben ver
eiraten und erklärte einigen Hofleuten, worunter Graf
erma und der Marquis von Denia sich befand, daß er
im eine von den Töchtern des Erzherzog Karl vor
esterreich zur Frau geben wolle.“
Her Erzherzoo Karl von Oesterreich hatte drei Törk

„Pie Lage in China wird für die Mandschu⸗Regie:-rung
 immer aussichtsloser Sechs Haupisiadie des ei—
eutlichen China befinden sich bereits in den Händen
»er Rebellen und letztere růüden immer weiter nac
dorden, der Hauptstadt Peking zu Fällt erst diefe,
aun ist die Herrlichkeit der Mandschus in China zu
znde. Die chinesische Regierung hat bereits einen
zchrecken nach dem anderen erlebt. Die Unterbrechung
es telegraphischen Dienstes zwischen Peking und Kaͤ
———

eng, der Hauptstadt von Konan, gav zu den snmn
en Befürchtungen Anlaß. Wenn die Garnison vor
donan, wie in Peling verlautet, revoltiert hat, dürft
das Schicksal des Generals Jintschangs besiegelt sein
der Hof in Peking sieht sich jeder Hoffnung beraubt
⸗aß Juanschitai sich doch noch vielleicht bewegen wer
en lasse, die Revolution zu unterdrücken. Der Abfaf
Der primrerr αοXn Xsehen h
—* becus ante e

zer alten Kaiserstadt Siansu wird besonders schwer
mpfunden. Der Vizekönig der Kwangprovinzen tele—
raphiert nach Peking, daß er sich auf die Kaiserlichen
ruppen nicht verlassen kann und keine Munition für
ie alten Provinzial-Bataillone hat. Er dringt in den
»of, die Forderungen der Rebellen zu erfüllen und
lle Mandschus ihren Aemtern zu entkleiden, da selbst
er ganze Süden absfallen werde. Unser oberes Bild
eigt Hankau, von wo aus die Revolution sich verbrei—
ete und unten den Prinz-Regenten Tschun mit seinen
indern, sowie den fünfjährigen Kaiser Hüan-Tung
* 8 77 —
Aus West⸗ und Süd⸗Deutichlaud.
* Duisburg, 29. Oktt. (Der Typhus an der
Ruhr.) Der Geheime Obermedizinalcat Dr. Abel
ind der Geheime Medizinalrat Dr. Finger vom Mii
tisterlum des Innern sind an Ort und Stelle entsandt
vorden, um zusammen mit einer Kommission und den
degierungspräsidenten von Münster und Düßeldorf die
n Betracht kommenden Wasserwerke zu besichtigen, die
efallenen Ortschaften zu besuchen und zur alsbaldigen
Unterdrückung der Evidemie geeianete Maßnahmen 2u
cwagen.
* Vom Niederrhein, 28. Ott. (Niedrige
zIchweinepreife.) In verschiedenen Orten sind
ie Landleute, die ihre Schweine sonst an die Mettzger
erkauften, dazu übergßegangen, die Schweine selbst zu
chlachten. Obwohl nun ihre Verkausspreise sich 15—25
Pfg. unter den sonst üblichen Ladenpreisen hielten, er—
ielten sie doch durch die Sesbstichlachung mehr, als
venn die Schweine an die Mehger abgegeben worden
vaͤren. Unerklärlich ist dieses Ergebnis nicht, denn ir
den letzten 14 Tagen sind die Preise unter 4 Mark, jc
tellenweise bis 6 Mark für 50 Rilogramm Schlachtge
vicht gesunken. Die Ladenvreisfe sind nur unbeträchtli
gefallen.
* Trier, 28. Oktt. Ma ubmord.e) Im lurembur—
lischen Dorse Monnerich wurde ein alleinwohnender
Junggeselle ermordet und beraubt. Die Mörder steckter
darauf das Haus in Brand. Man fand später die ver—
ohlte Leiche und starke Blutspuren. Von dem Täte
ehlt jede Spur.
*Bad Ems, 28. Okt. (Werhaftete Einbre—
her.) Die Verüber des Einbruchsdiebstahls im Achen—
zachschen Uhren- und Goldwarengeschäft sind in Köln
ermittelt und das gestohlene Gut ist zum größten Teil
vieder herbeigeschafft worden. An dem Dicbstahl wa—
en vier Rerionen beteiligt.
*KHanau, 28. Ott. (Leichenfund.) Unterhalb
zer Station Dörniaheim wurde auf den Bahngeleit—

ter wie ich glaube.“
„Jaz der König zeigte also seinem Sohne die schön
Angefaßten Porträts der drei Prin zessinnen und fordert
qun auf, Diejenige zu bezeich nen, welche er sich zur Ge
nahlin wünsche . Ratel nun, was der Infau tatl
21 „Er wünschie sich alle Drei?“
„Sein Vater mag wohl auch so etiwas erwarket ha—
sen, aber der Sohn erwiderte mit der ihm eigenen Umn—
erwürfigkeit, daß er sich in einer so wichtigen Sache
em Richterspruch der väterlichen Majestät füge.
„Aber es handelt sich um Deinen Geschmack,“ sagte
hm der König.
och folge unbedingt dem Geschmacke Eurer Maje—
rät
Nach Deiner eigenen Neigung?“
Rein, nach der Eurer Majestät!“
Aber welche von den drei Damen geiällt Dir denn
n besten?*
„Die, welche Euere Majestät am besten gefällt!“
Der König besahl nun, die drei Porträts in das
immer des Infanten zu bringen, damit ersie länger be
achten und sich mit Muße entichließen könne. Der
zrinz aber entgegnete, das sei fruchtlos, weil seine Wah
chon getroffen sei. Und worin bestand diese? Er bliel
abei, diejenige Prinzessin haben zu wollen, welche sein
Ater ihm zur Frau best imme! So blieb die Sache au
ch en.
„er brachte sie denn aber endlich zum Abschluß?
ꝰein anderer vermutlich, als Graf Lerma?
„ein, meine Gnädige, ein Schiedsrichter der mäch
iger war als der König und der stolze Minister — de
rdod rähmlich, welcher zwei von den Prinzessinnen hin
oegrusste und nur die Dritie zur Wahl übrig ließ.“
„Cin Glück für sie!“ lachte die Marquise.
„Dies noch mehr für Seine Majestät, welche nich
iel Zeit mehr zu verlieren hatte?“ spottete die Gräsin
J d ie findet Ihr die neue Souveränin, liebste Mar⸗
jqui e?“
„Gut deutsch, beste Gräfin.“
„Ich finde sie sehr linkisch, Marquise!“
„Das meinte ich auch mit meiner Bezeichnung!“ lachte
Noßlte re überlon

e Veiche des aus der Provinz Hannover gebürtigen
dupferschmiedes Friedrich Fischer gefunden, der am 30.
zeptember dss. Is. von der 8. Kompanie des Eisen—
uhn-Regimeuts Nr. J1 in Berlin zur Reserve entlassen
vorden ist. Ob Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt,
ounte noch nicht festgestellt werden

Aus auer Welt.
Ein Riesen-Vetrug. In Berlin wurde eir
roßes Betrugsmandver von der Berliner Kriminalpo
izei aufgedecktt. Es gelang einem Gerichtsbeamten, im
zaufe von drei Jahren eine Reihe von Betrugeteier
ind Schwindeleien zu verüben, bei denen es sich um
tehrere Hunderitausende handeln soll. Der Beamsie heiß
david Wuüller und ist unter verschiedenen Namen üunmt
1s Gerichtsassessor und dergleichen aufgetreten. Nachk
iner anderen Nitteilung soll die Höhe der Betrugs
ummen 4 Million M. betragen. Wüller wurde sofor
erhaftet.
GCook in Berlin. Der etwas in Mißkredit gera—
ene Nordpolfahrer Cook ist mit seiner Gallun in Ver
in eingetreffen.
Ein Vortrag Richters. Ingenieur Richter hiel
u Jena vor ungefähr 2000 Personen seinen erster
iffentlichen Vortrag über seine Olympreise und Gefsan
enschaft. Der Vortrag brachte in Bezug auf die Schil
erung des Räuberlebens, die Verhandlungen über das
Lzösegeld und über die Rolle einer weiblichen Person
ie als Richters Frau ausgegeben wurde, manches neue
QZuell. Auf dem Truppenübungsplätz Posen fam
in Zweiktampf zwischen einem Hauptmann der Schieß
chule und einem Oberleutnant vom 6. Regiment sjtatt
der Hauptmann wurde verwundet. Der Anlaß zu den
duell sollen Zwistigkeiten bei einer Abschiedsfeier sein
Mitschuldige Bagrows. In Kiew wurden meh⸗
ere Mirwisser des hingerichteten Revolutionärs Bagronr
echaftet. Sie sollen den Auftrag gehabt haben, Bag
ow zu töten, falls er seinen Anschlag auf Stolypi
nicht ausgeführt hätte.
Der Pulverskandal. Der Leiter der Pulverfabri
Zont de Buis, Maissin, hatte eine lange Unterredung
nit dem Kriegẽminister, der auch der Dixektor des Pul
er⸗Departements im Kriegsministerium, General God
zin, sowie der General-Kontrolleur Chapelle beiwohn
en. Die Unterredung währte über eine Stunde. Sp
er fand eine neue Besprechung statt, über deren Gegen—
and bisher strengstes Stillschweigen beobachtet wird.
Saboteur. Das Seegericht in Brest hat den Ar—
ꝛnalarbeiter Gaurmelon, der beschuldigt wird, mehrere
elegraphendrähte zerstört zu haben, zu 2 Jahren Ge—
ingnis und 900 Franks Geldstrafe verurteilt.
Fenersbrunst. Aus Jassy wird gemeldet, daf
meinem Konditorladen Feuer ausbrach, das rasch um
h griff und 8 Haͤuser einäscherte. Bei den Löscharbei—
n wurden 6 Feuerwehrleute schwer verwundet, wäh—
end 12 Personen in den Flammen umkamen.
Tat einer Wahnsinnigen. In einem Anfalle vor
Lahnsinn durchschnitt in Troyes ein 16iähriges
Rädchen ihrem bjährigen Brüderchen die Gurgel, bracht«
er hinzu eilenden Mutter schwere Verlezungen bei und
ötete sich selbst durch mehrere Stiche in die Brust.
Von Tosellis. Nach der „Euisse“ hatte Frau To—
elli, die incognito als Comtesse d'Jsette reiste, letzthir
wei Konferenzen mit dem Genfer Advokaten Lachanal
»er die Augelegenheiten der Kronprinzessin gelegentlick
hrer Flucht vertreten hatte. Lachanal äußerte, daß sie
a das italienische Gesetz die Scheidung nicht zulasse
en Papst um Annullierung ihrer Ehe angehen wolle
edenfalls werde der Florentiner Advokat Mattaroli all
hebel in Bewegung setzen, damit sie wieder in den Be—
itz ihres Kindes gelange.
Geuickstarre. Direktor Felxner vom Rockefeller-In
titut in Mew-York kündigt an, daß er eine sicher—
virklende Behandlung der epidemischen Genickstarre durck
Sinspritzung eines Serums unter die Haut gesfunder
zabe

— ů—
Gerichtszeitung.
Soldatcuschinder. Der Musketie Bowele;
om 17. Infanterie-Qegiment in Mentz, besand sich, da
r Stubendrenst gemacht hatte, noch auf der Stube, als
ereits die übrigen Soldaten zum Gewehrreinigen im
asernenhof angetreten waren. Der Korvporalschaftsfüh
er Unteroffizier Stte in brink kam auf die Stube
ackte Bowelet an die Gurgel und warf ihn hinaus
luf dem Kerridor dicht an der ersten Treppenstube packt«
reihn von neuen am Kragen und schüttelte ihn, da—
ei hatte seine Angrifijsbewegung eine sosch entschiedene
Kichtung nach der Treppe hin, daß Bowelet die Emp—
indung hatte, daß er rücklings zur Treppe hinunterge—
orfen werden solle. Aus Angst faßte er den Vorge—
etzten an die Arme. Der Unierojsfizier stieß ihn darauf
ie Treppe hinab und ließ ihn dann die Treppe etwa
ünf Mal auf- und ablaufen. Auf dem zweiten Trep—
enpodest wurde das Schütteln und die Treppehinab—
wßen wiederholt. Auch hierbei packte der Mustetier
en Unteroffizier an die Arme, was der Unterofsizien
mmer als Veleidigung ansah, er wänschte, daß sich der
Naun siteif, in der Haltung „Stillgestanden“, die Treppe
inabwerfen lasse. Auf dem dritten Korridor und Trep—
enpodest zos er den Mann, nachdem dieser, um nich:
ie steinerne Treppe in den Hof hinabzufliegen, sich wie—
er an den Armen des Uneroifiziers festgehalten hatte,
neine Ecke, packte ihn an die Kehle und riß ihn hir
eind ber Als dieser bei dem Hin- iind Sorichütteln der

Die Junge Königin hatte kaum die letßten Worte ver⸗
ommen, so eilte sie entrüstet zurück und gelangte, ohne
on Jemand bemerkt zu werden, wieder in ihre Gemä—
her. Sie scußzte tief auf, als sie sich wieder ganz allein
ouß te.
„Törichter Traum, sich von ihm gewählt zu glauben,“
lüsterte sie schmerelich. Also darum fiel seine Winl auf
nich, weil meine Sckwestern gesterben waren! O mein
ßott, mein Gott!“
Alle Illusionen der armen Margarethe, alle ihre
kräume waren verschmunden und als der König am
ächsten Morgen erschien, war die Begrüßung kalt und
örmlich.
Wir übergehen die Einzelnheiten der Feste, welche
ur Feier der königlichen Hochzeit veranstaltet wurden;
ie Geschichte hat die Erinnerungen daran bewahrt.
Ueber'ättigt von Vergnügungen und Huldigungen,
rmüdet von glänzenden Festen, Emp'angsaudienzen und
iner lästigen Etikette, erklärte die Königin, ohne Es—
orte und nur mit einem kleinen Gejolge inkognito in
leinen Tagesreisen durch Valeneia nach Maoͤdrid sich
egeben zu wollen, um das Land kennen zu lernen und
ich zu erholen, während der König, welcher bei Gele—
enheit, der Krönungshul digung ganz Epanien schor
urchreist hatte, auf gera dem Wege von seinem Ministen
nd dem Hofe begleitet nach Madrid zurückkehrte.
Das Land, welches die Königin durchreiste, bot der
zstlichen Anblick eines großen Gartens, dessen Frucht
atkeit bezau bernd war. Es schien, als hätten die Brut
reme, welde durh die Kämose zwischen den Cyristen
nd Mauren vergossen worden waren, den Boden be⸗
ruchtet Mehr aber als das Blut der Mauren, hastte
hr Schweiß und ihre Arbeit die Provinz Valeneia frucht⸗
ar emaht.
Uherall besanden sih Wunserreservoͤrs und künstliche
danile, welche das Wasser na h höhzer gelegenem Ter⸗
ain führten. Ueberall w 7 rin⸗ nne⸗en und grüne
da liben, prangende * »u tende B'umen.
Künigin verolgte die herrlichen Ufer
zuadalqevier und konnten sich an all
imgaben —

IJII.

Interoffizier unabsichtlich auf den Fuß tral, zog die
ein Seitengewehr und setzte es dem Manne auf 6
Leib mit den Worten: „Wenn Du nicht still bist, rem—
ch dich durch und durch!“ Der Mann erklärt, daß e
iun den rechten Arm zur Abwehr erhoben habe, we
er gefürchtet habe, der Unteroffizier schlage ihm übe
den Schädel; der Untercoffizier hingegen behauptet, de
NRNann habe ihm absichtlich auf den Fuß getre⸗en un
»en Arm jedensalls zum Schlagen erhoben. Das Kriege
ericht tzatte Bowelet von einem tätlichen Angriff ar
inen Vorgesetzten freigesprochen, den Unteroffizier ab
vegen Mishaudlung ꝛc. mit vier Wochen Misltela
mest bestraft Hiergegen hatte sowohl der Gerichtshe.
vie der Unteroffizier Berufung eingelegt. In der Ve
audlung vor dem Obertriegsgericht wurde
zie Berufungen verworf—

Fin amüsanter Druckfehler. Man schreibt de
Ir. Btg.“ aus Prag: Dem Organ der kaiserlich köm,
ichen Stattholierei. „Prager Abendblatt“, pafsierien
»er, NRumnmer vom 21 Oktober ein amüfanter Drug
ehler. An diesen Tage hatte anf Schloß Schwarza
n Riederösterreich die Trauung des zukünftigen östen
eichischen Thronfolgers Erzherzog Kaͤrt Franz Josep
nit der Prinzessin Zita von Parma flattgefunden Da
ffizielle Blatt widmete dieser Feier einen ausfuͤhrliche
zZericht, beschrieb das Schloß, die Gegend, die Gäste
en Hochzeitszug, die Trausn.. Aber vweh! Wa
nußte man lesen: „der Tra uer ak enahm Line Vier
elstunde in Anspruch ...“ Hatte der Druckfehlerteufe
ie Hand im Spiele oder war der Seber ein einge
lzischter Junggeselle, der auf diese Weise seinem Miß
nut darüber Ausdruck gab, daß man „hohen Ortesei
o schlechtes Beispiel gibt? Jedensalls lTachten die Pra
er herzlich über den Vorfall. Uebrigens scheint da
srager osffizielle Blatt der „Tücke des Objetis“ beson
ers oft zum Opser zu jalien. Als Anno 91 Kais.
zranz Josef die Prager Landesausstellung besuchte um
as Abendblatt“ ihn willkoinmen hieß, wollte es da
chicksal, daß fein patriotischer Hymnus durch eine;
Ruckfehler einen —z hochverräterischen Inhal
ekam, und so blieb der Behörde nichts übrig, als ib
igenes Blatt zu — konfiszieren.
Angenehme Ueberraschung. Dieser Tage kam
die das „Husumer Wochenblaut berichtei, ver“ Führe.
iner Zigennerbande, der bekannte Petermann, zu den
ehrer in Dagebüll (Schleswig-Holftein, und macht
ym die Mitteilung, er habe das Ralphsche Gewese an
afen in Dagebüll gekauft und melde hiermu 130 schul⸗
flichtige Zigennerkinder für die Schule an. Der Lehrer
er schyn jetzt eine übervolle Echule mit 73 Kinbern
at. traute seinen Ohren nicht. Aber es waͤr winud
enst. Zu allem Malheur füt den unglücklichen Lehre.
»aren nun gerade der Pastor, der Schulinspeklor um
er Gemeindevorsteher verreist; auch der Landrat in
ondern war abwesend. Der Lehrer ließ also, da e
ie vielen Kinder in dem Schulgebaude Jint eree
konnte, Bänke auf die Haͤusbiele und vor das Saus
e ist aber im übrigen ratlos- Es wird einmal
estgestellt werden müssen, ob eine Gemeinde sich so dhne
eneres eine solche Zigeuner-Invasion gefallen lassen
iuß.
Der Caunso-Nummel. Von einer Dame erhält die
— 8 launige Schisderung des Treibens,
as sich Dienstag abend vor dem Opernhause anläßlich
es Caruso-Gastspiels entfaltete: „Da ich durch einen
uten Freund ersahren hatte, daß die Billetthändler nach
zeginn der Vorstellung Billetts unter Kassenpreis ver—
austen, und daß er im vorigen Jahre Caruso für 7
age und schreibe 5 Mark im Parkett sitzend gehört un
esehen hatte, machte ich mich gestern um 48 Uhr auf,
miauch für 5 Mark (allerhöchstens!) einen mir uge
iessenen Sitzplatz zu erstehen. Der Franz Joseph-Plat
zimmelte von Menschen, trotzdem die Vorstellung schon
or einer Viertelstunde begonnen hatte. Ich bin zu sehr
deuling, um einen Blick dafür zu haben, wer Billett⸗
ändler ist oder nicht. Ich schloß mich daher an ein
inges Mädchen an und fragle, ob noch Billetts sir die
euflge Vorsicllung zu haben seien. „Aber feste!“ war
hre Antwort. Sie war wohl eine waschechte Berline.
in und erzaͤhlte mir freudestrahlend, daß sie sich jedes
zjahr den „ECaruso-Rummel“ ansehe und die Billetthänd—
er genau kenne. „Das siud nämlich die, die die Hände
andie Taschen haben, aber es sind vooch so'ne Menge
riminalpalizisten hier, det die Billetthandler Angft ha⸗
en und lieber mit die Billetts aufsitzen. Wir können
s ja mal probieren, und wenn Sie sich nicht trauen,
»erde ick mit Ihnen gehn und für sie fragen.“ Also —
pir stürzten uns in den Strudel. Es hatten sich mitt.
»rveile zwei junge Damen uns angeschlossen und ein
»err „im besten Mannesalter“, der eine bedenklich rot⸗
dase hatte. Jeder Mann, ob Jüngling, ob Greis, der
ie Hände in den Taschen trug, wurde nun gefragt:
Haben Sie Billetis zu heute abend?“ Oft wurde uns
nmwyortet: „Zu heute abend nicht mehr, jedoch noch
ine Menge zu Freitag und Sonntag.“ Oft sagten sie
uis: „Kommen Sie zur Charlottenstraßen-Ecke, hier sind
u viel Kaminalbeamte.“ Wir gingen auch mit bis zur
ecke. Hier entspann sich ein Handel, ganz wie in der
zurgstraße. Der Billetthändler verlaugte 20 M. für
en Platz — es war 3 Rang Proszeniumsloge — und
eteuerte des öfteren, daß er kein Billetthändler sei und
etbit 32. 520 M. für den Platz bezahlt habe. Wir boten
Wiart sür das Billett und machten ihm in beredten
Lorten seine Vorteile klar. Es war ja schon 8 Uhr
— —⏑ G— rett liro on im

Die größte Ueberra'chung war ihr noch vorbehalten.
Es war am Ende eines wunderdbar heiteren Tages, als
ie ein Tal, oder vielmehr ein Eden erschaute, welches
ille Wunder der Vegetation, alle Gewächse des tropi⸗
chen Europa vereinigte. Ein Ausruf der Bewunderung
entfloh ihren Lippen. Hier stritten sich köstliche Bang⸗
ien, Myrten und Sesamen, Wälder von süßdustenden
Drangen- und Zitronenbäumen voll goldener Früchte um
den Vorrang.
Ein breiter Silberbach, dessen Shaumperlen funkelnd
auf grünen Borden sprangen, schlangelte sich hindurch
und besruchtete mit seiner Flut die Baumwollenstaude,
das Zuckerrohr, die Ananas und den würzigen Kaffee.
Dieses feenhafte Tal trug seinen Namen Val Pa—
ryo mit vollem Rechte, denn es war in der Tat ein Pa⸗
radies.
Witten in diesem Eden erhob sich ein Gebäude, wie
die Königin ein ähnliches nie zuvor gesehen. Es war
in dem leichten und eleganten Stile maurischer Architek⸗
ur au zeführt; seine prächtigen Säulen, seine graziösen
Lerziernngen waren Meisterwerke in Marmor. Rings
im die Sohnung prangten herrliche Gärten mit Blumen⸗
jzüngen und Fontänen in weißen Marmorbassins.
2 2u beiden Seiten des mit einem Saulenportikus
yrrelenen Haupthauses drängten sich zahlreiche Heerden
ch ihren Ställen. Melodisches Geläut von Glocken
»m Falie alänzeuder Kühe und reichwolliger Schaie
rte sich rings umher mit dem Gesang der Hirten, welt
i. das vielfiache Echo der Talwände wiederholte.
Die Königin fragte höchst überrascht nach dem Eigen
lümer dieses wahrkast königlichen Landbesitzes. Man
nenenihr din reichsten Grundbesitzer Valencias. Alami—
Teccar d'Alber'ca.
„Wohlan!“ jsprach Margarethe, der Tag hat sich ge
neiot, es ist noch weit bis nach Tuejar, wo unser Nacht
ager vorbereitet ist, und ich hätte wohl Lust, hier zu
zleiben und dieses schöne Tal im ersten Glanze der
Frühsonne zu jichauen, wie ich es jetzt im Scheine de—s
Abendrotes bewurdert habe.“
„Aber ich bitte Cure Majestät zu bedenken, daß diee
rm öglich ist,“ erwiderte ihre Hosdame die Gräfin Alta
            
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