Full text : Dudweiler Zeitung

Narinebehörden eine Aenderung ein, wobei Prinz Adal⸗
dert „Generalinspekteur“ der Marine wurde, das „Ober⸗
ommando“ verschwand, und das Marineministerium er—
ielt den Namen „Admiralität.“ Auch in dieser Stell—
ing blieb der Prinz trotz mancherlei körperlicher Be—
chwerden die Seele des Ganzen, und es war ein sehr
chwerer Verlust für die eben erst in fröhlichem Auf—
blühen begrissene deutsche Marine, als dieser ihr Schöp⸗
ier und eifrigster Förderer am 6. Juni 1873 in Faris
bad verschied. Sein Verdienst war es, daß aus den
leinen Ansangen im Jahre 1848 eine kräftige, lebens—
ähige Organisation geworden war; denn er besaß in
naritimen Fragen den weiten Blich des Großen Kur—
ürsten, der bereits die Bedeutung einer Flotte für das
Baterland erkannt hatte, und gleich ihm wollte auch er
nichts Halbes, wenn es galt, das einmai gesteckte Ziel
uu erreichen! Wie sehr der tatlräftige, weitsichtige Prinz
er Marine fehlte, das zeigte sich namentlich während
er beiden folgenden Jahrzehnte, und erst Kaiser Wil—
elm 2. blieb es vorbehalten, durch seine Flottenpolitit
inen frischen Zug in das Marinewesen zu bringen, des—
en Entwicklung hauptsächlich auf der vom Prinzen Adai—
ert eingeschlagenen Bahn vorwärie⸗ schreitet.
In Wilhelmshaven grüßt neben des alten Kaisers
Standbild auch das des prinzlichen Admirals; aber def⸗
en schönstes Denkmal bleibt doch die von ihm geschaf—
ene, immer machtvoller aufblühende deutsche Flotte, die
Zukunft des Vatersande⸗

Bolitische NRundschau.
— Deutsches Reich.
*Die „Nordd. Allg. Zig.“ schreibt: Ueber die dem
LAusnabmetarif fuͤr'gFurer mid Streu—
mittel zugrunde liegende Absicht antwortete der Mi—
nister der öffentlichen Arbeiten auf eine Anfrage der
deutschen Landwirtschaftsgesellschafi, die Frachtermäßig⸗
ung sei ausschließlich den Verbrauchern von Futter⸗ und
Streumitteln zugedacht, damit die Folgen der ungünsti—
zen Futterernte für die Viehhaltung gemildert wuͤrden.
Der Tarif selbst drückt diefe Absicht dadurch aus, daß
zr nur auf Sendungen mit überwiesener Fracht (Zah⸗
iung der Fracht durch den Empfänger) angewendet wer—
den kann. An der Tarifgrundiage andert sich durch die
Neuausgabe des Tarifs vom 22 September 1911, die
auch die Sendungen von Händler zu Händler einbezog,
nichts. Verweigert ein Teil der Verkäufer den Ver—
brauchern die Ermäßigung, so verstößt dies gegen die
Absicht des Tarifs. Es möchte zunächst abzuwarten sein,
ob die nötige Aufklärung genügt, die fraglichen Han
delskreise im wohlverstandenen eigenen Interesse zu dem
Aufgaben einer derartigen grundsätzlichen Weigerung zu
bewegen.
*Die Delegierten und Geschäftsführer sämtlicher
Zweigorganisauonen des Hansabundes sind zu eine
rußerordentlichen Tagunng auf den 7. No
»ember nach Berlin in den Sälen der Handwerkskam
ner einberusen worden.
*Die „Lorraine Sportive“ wird am 30. Ok⸗
ober das Reich sgerischt beschäftigen. Es handelt
ich um das Urteil des Landgericht⸗ Metz vom 4. April
jegen die, Lorraine Sportive⸗. py
Serbien.
o Die seit längerer Zeit schwebende Frage des künf⸗
Agen Aufenthaltes des Prun zen Georg wurde
udzültig dahin geregelt, daß der Prinz noch im Ver—
auf des Herbftes zu zweijährigen militaͤrischen Studien
aach Paris entsandt wird Gleichzeitig werden
Schritte zur definitiven Ord nung seiner finanziellen Ver—
hältnisse unternommen. In den letzten Tagen hat auch
zie vollige Aussöhnung des Prinzen mit dem Kron—
rinzen Al exander stattgefunden.
* v *
— , Amerika.
EvDen Blattern ufolge beauftragte Präsident Tafi
aas Staarsdepartement, die Verhandlungen wieder auf⸗
unehmen, welche früher bereits zwischen der uͤnton
ind den Regierungen derm it wnel und südameri—
anischen Staaten behufs Herbeiführung eines
merilanischen GtaatenBünduni ss.e s8 gepflogen
vorden waren. Nachdem Präasident Diaz in Mexiko, der
ecee geg tezer pde
restürat ist. bofft die amerikanische Presse diesmal au
Anen vollen Erjolg. —
——
Deutscher Reichstag.
195. Sitzung. Berlin, 24. Okttober.
Mittag 1 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die Besprechung der
Interpellationen über die
Teuerung.
Am Bundesratstisch: Sigatsfetretär Del brüd
ind preußischer Landwirtschaftsminister v. S ch orle—
nerLiefser.
Als erster Redner spricht Abg. Fu hrmann
nl.), der betont, daß seine Partei die Teuerung nichi
ils Agitationsstoff für die Wahlen betrachte, sondern
ediglich von sachlichen Erwägungen ausgehe. (Wah⸗
end der Rede erscheint der Reichskanzler im Saale.)
stedner erklärt. dak die glänzenden Grfolo— unseret

un
fitßer war als ein ehrenwerter Mann weit und breit
bekannt, wie auch schon das Aushängeschild, ein gold⸗
ner Engel, recht einladend wirkte. Aber wie so vielfach
der Schein trügt, so auch hier. Die Posada Buen⸗So⸗
soro diente vielmehr lichtscheuen Gesindel zugleich als
Unterkunst und während in den sauberen, behaglichen
Vorderzimmern der freundliche Wirt die Einkehr haenden
Reisenden aller Stände bediente, verbargen sich in gehei⸗
men Schlup winkeln, deren das uralte Gebrude verschie⸗
dene hatte, und zu denen die Zugänge von Uneingeweih«
en nicht aufzufinden waren, Leute, die das Tagesliht
zu scheuen hatten und von hier aus unternahmen sie
neue Streifzüge.
Der Wirt, welchem diese Art Gäste wohl bekannt
wvar, und über deren Tun und Treiben er sich auch nicht
im Unklaren bhefand, verdiente gerade an diesen am mei⸗
sten, ja er teilte nicht selten den Raub mit ihnen, oder
diente ihnen als Hehler.
Da in der Posada Buen⸗Sücoro selbst oder in une
mittelbarer Nihe die Reisende unbelästigt blieben, so
hegte denn auch kein Mensch irgend welchen Verdacht
gegen den Wirt oder kam guf den Gedanken, daß sich
hier eine Spelunke der schlimmsten Art befand.
Hier sollten die Männer mit P quillo den Kapitän
Balsairo erwarten. Als sie wegen der vorgeschrittenen
Nachtstunde shon alles in tiesster Ruße. fanden, zogen
sie die Reittiere in ein Seitengebäude. Sie schienen hier
pollkommen vertraut mit der Oertlichkenn,
TDas weißt Du nichtz das Nt Idoch recht selham
u bist mit dem Kapitän gekommen und demnach in
ne Absicht eingeweiht, denn er wird doch nicht einen
m wildfremden Menschen sein Eigentum aupertrauen
ußerdem hat er mir aufge tragen, gaut für Dich zu sor
en, für einen ihm wild fremden Menschen würde er die:
uch nicht tun. Aber gib zunächst einmal den Kasten
er, wir wollen sehen, was er enthält.
Jetzt flammte es in Piquillo auf. Wohl war e
ch bewußt, gegen die se Uebermacht, wenn die Männe
irklich etwas Böses im Sinne hatten, nicht auskom
aen zu können, aber ohne Weiteres wollte er doch nich
rem Begehr willfahren. J
Ich selbst nicht. was der Kasten enthält unl
4* her Kapitän ein Recht an denselben hat, aber di

zollpolitik seine Freunde Vestimmen, an ihr festzuhal—
en. Unseren Beamten und staatlichen Arbeitern nmiüs
en Teuerungs-Zulagen gewährt werden. Das gefähr—
iche an unserer Schutzzollpolitik ist das Ueber⸗-Agrarier—
um. Redner schließt: Kommt es zu einem zollfeind—
ichem Reichsstage. dann müssen Sie (nach rechts ge
vandt), sich sagen: meine Schuld, meine größte Schuld
Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.)
Abg. Höffel (RXchsp.): Einer gewissen Presse
ann man die Schadenfreude ansehen, mit der sie die
dürre und Preissteigerung parteipolitisch ausnützt. In
em Freihandelsstaat Belgien ist es auch nicht billiger
die bei uns. Im Süden gibt es keine Großgrundbe—
tzer, aber die Bauern halten ebenso sest an dem
zchußzoll.
Preuß. Landwirtschaftsminister vSchorhemer—
zieser wendet sich gegen die Linke und geht dann
uf die Interpellation des Näheren ein. Außer bei
uttermitteln ist auch bei den Zuckerrüben eine Miß—
rnte zu verzeichnen; die Kartoffeln haben die Erwar—
uingen übertroffen. Der Handel hat sich des Teuerungs⸗
eschreies bemächtigt. Die Herren der Linken und ihre
zresse haben die Verhältnisse noch verschlechtert. (Große
inruhe links. Lebhafter Beisall rechts.) Nun zum Brot—
‚etreide. Beim Roggen hatten wir eine so gute Ernte,
pie selten, beim Weizen allerdings eine kleine Miß—
rnte. Das ist ein verhältnismäßig günstiges Ergebnis.
die Ernte an Gemüse ist in ganz Europa schlecht. Ueb—
igens hat sich in den letzten Monaten die ganze Lage
rheblich gebessert. Dem Mangel an Futtermitteln ha—
en wir durch erhebliche Frachlermäßigungen abzuhelfen
ersucht. Leider hat der Erfolg nicht überall den Tai—
achen entsprochen. Auch hier hat der Handel die den
andwirten zugedachten Vorteile in seine Taschen ge⸗
eckt. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Die Preife des
doggens und des Weizens sind hoch, aber nicht so hoch,
»ie 1903 und 1907, wo doch von einer Hungersnot
siicht die Rede war. Dann zur Sprache der Fleisch⸗
reise und Fleischversorgung. Ich bin nicht gesonnen,
ine Teuerung ganz in Abrede zu stellen. Auch der
andwirischaftlichen Verwaltung liegi eine Herabsetzung
»er Preise für Lebensmittel am Herzen. Die Mein
ingsverschiedenheit zwischen mir und einem großen Teil
des Hauses bezieht sich nur auf die Mitlel'und Wege
der Abtzilfe. Die geringeren Schweinepreise haben in
den Fleischpreisen nicht überall den entsprechenden Aus—
ruck gefunden, warauf ich die Oberpräsidenten auf⸗
nerksam gemacht habe. Ich bin auch mit den städti—
chen Verwaltungen in Verbindung getreten, ob au
ie Fleischermeister nicht entsprechend eingewirkt und
tötigenfalls auch unter Umstaͤnden der Verkauf vor
zchweinefleisch direkt an die ärmere Bevölkerung in die
)and genommen werden könne. Ich habe mich da ir
in Wespeunest gesetzt. In Berlin ist die Spannunc
wischen Engros⸗ und Detail-Handel bei Schweine au
7 Ma gestiegen. GGört, hört!) So ganz unschuldig sint
ie Fleischermeister an der Teuerung nicht. Wir müsser
den Versuch machen, auf ein gewiffes Maßhalten der
zleischermeister hinzuwirlen. Wir haben alle Veram
assung, mit Ruhe und ohne allzu große Sorge in die
zukunft zu blicken. (Lebhafter Veisall rechts.)
Abg. Vogt (W. Vgg.) ist bei der all gemeiner
Anruhe im Hause nur wenig verständlich. Er sprich
egen die Einführung argentinischen Fleisches.
Abg. Hilpert (Bayr. Bauernbund) spricht in
»em gleichen Sinne. An dem Steigen der Preise se
zur das Geschrei der Presse schuld.
Abg. Heim (Ztr.): Eineé der wichtigsten Fragen
st die Organisation des Absatzes, die die Schweinepro
uzenten zusammenführen muß. Die Viehhaltung ij
o intensiv geworden, daß jeder Ausfall an Futtermit
eln die schwersten Wirkungen nach sich ziehen muß. Wi
ordern die Suspendierung oder Rückvergütung der nod
estehenden Futtermittelzölle an die Verbraucher.
Staatsselretär Wermush sagt, daß eine Sus
endierung oder Rückvergütung der Futtermittelzöll
ine Unterminierung des Zolltarifes zur Folge hab
ind Unficherheiten in die Finanzen bringe.
Darauf, vertagt sich das Haus auf morgen 1 Uhr
Echluß nach 7 Uhr. *

Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*Köln, 24. Okt. (Er st o chen.) Auf dem Weid—
narkt gerieten einige Männer in Streit. Einer der
beteiligten wurde durch Stochiebe mißhandelt, worau
er Täter entfloh. In einiger Entfernung siand der 30
zahre alte Arbeiter Karl Rochkstroh, der teilnahmslos
er Prügelei zugesehen hatie. Plötzlich stürzte sich der
Nißhandelte auf Rockstroh und versetzte ihm einen ne
en Stich in die linke Halsseile. Der Gestochene tau
melte zurück und verstarb gleich darauf, ohne wieder zu
Besinnung gekommen zu sein. Der feige Mörder ent
loh. Der Erstochene ist verheiralet und Vater von drei
leinen Kindern. Wie Augenzeugen bestätigen, hatte der
xrmordete mit den Streitenden nichts zu tun und if
»as Opfer einer Verwechselung geworden. Bis je tzl
vwreh die Kriminalpolizei den Moörder noch nichter
nitteln.
* Düsseldorf, —4. 55 5 eraufgelösteSpiel
lub.) Ueber den am Donnerstag hier in Düsseldor
nigehobenen Snielklub werden noch folgendee
ir mir den elhen übergeben hat, werde ich ihn auch nu
den Kapitän Balsairo ausliefern, sobald er uns nach
kommt.“ ere
„Wir wollen es ihm ordentlich geben! Er ist ei
kpion!“ rief jezt Caralo wütend und sprangen auch di
Inderen Männer von ihren Sitzen auf, sich auf Piquill
türzend. ALL:
Pquillo leistete zunächst hef tigen Widerstand, abe
seine Kräfte erlahmten gar bald; drei Mãämer warfe
ihn zu Boden, rissen ihm die Kleider vom Oberkörn
und gleich darauf klatschte die schwere Reitpeitsche Ci
alos auf den entblößten Ri cken Piquillos.
Caralo zählte kaltblütig die Streiche, während di
Anderen den Mißhandelten iest hiel ten.
„Zwölf..dreizehn .. fünfzehn sechzehn.
siebzehn ... Ach, seht doch, was ist das hier?..
ein Zeichen auf dem linken Arme 7? ..
Der Peiniger Pbie einen Augenblick inne und Al
sahen nach dem Zeichen.
aen weiter, als einige arabische Zeichen, wie sold
die maurischen Mütter ihren Kindern nach der Gebu
inriten. Ein Beweis, daß dieser Bursche nicht einmal
Lhrist ist,“ belehrte Caralo seine Spießgesellen. Dafur
oll er einige Hiebe mehr bekommen.“
Weiter fielen die harten Schläge auf den Rücken
Piquillos, dessen ansängliches Aechzen und Gestöhn nach
ind nach schwächer wurde, je mehr sich der Rücken tð
ete, das Blut aus den Wunden, welche die furchtbaren
Schläge hinterließen, floß. Er stieß noch einen letzten
Berzweiflungsschrei aus dann fiel er in Ohnmacht.
„So ist es genug,“ sagte jeßt Caralo. Er hat seinen
Zohn für seine Versiocktheit. Wissen möchte ich aber,
vie er mit dem Kapitän zusammengekommen ist; wir
Jaben aber leider keine Zeit, uns noch lünger mit ihm
u befassen.“
„Was sollen wir mit ihm beginnen?“ fragte einer
der Männer Catalo. Wir können ihn nicht gut hie
iegen lassen.“ —
„Nein, das geht nicht“ entgegnete der Gefragte. „Auch
vir wollen nicht erst auf die Rückkehr des Kapitäns⸗
darten. Wir wollen ihm ein Schnipp hen schlagen, wie
res vielleicht mit uns beabsichtigt. Wenn er kommt
nd wir länast weit fort von hier mag er dann schimp,

eressante Einzelheiten berannt: Ver Reglerungsreferen
»ar a. D. Otto Schröder, die Seele des Unternehmens
nußte vor längeren Jahren seine Karriere aufgeben un
at seitdem fast nur noch vom Spielgewinn gelebt. E
»ar auf allen Rennplätzen eine bekannte Erscheinung
„at auch in Monte-Carlo häufig gespielt und war ein
ifriger Besucher des vor vier Jahren in Berlin aufge
sobenen „Anglo American Club“. Schröder hat aucd
n Eland und Belgien gespielt. Im April gründet
r in Düsseldors die sogenannte Kasino-Gesellschaft, de
en Staturen mit genauer Gesetzeskenntnis abgefaßt sind
o daß der Polizei ein Einschreiten zunächst nicht mög
lich war. Die Kriminalpolizei hat aber in Erfahrun
gebracht, daß es sich bei dem Mitgliedsbeitrag, der nu
19 Mark beirug, um nichts weiter als um eine Um
schreibung des Eintrittsgeldes handelte, da der Eintrit
nach Erleaung des Betrages ohne weiteres offen stand
Zaͤhlreiche Klubmitglieder haben durch die Manipulatio
ien Schröders zum Teil ungeheure Verluste erlitten
Nanche sollen dem Selbstmord nahe gewesen sein. Be
auerlich ist es, daß auch viele mittlere und kleiner
dandel- und Gewerbetreibende sich zu dem Spiel haber
verleiten lassen und sich und ihre Familie in Bedräng
iis gebracht haben. Kurz vor dem Erscheinen der Kri
ninalpolizei am Donnerstag hatte noch ein Bauunier
tehmer in wenigen Minuten 15 000 Mark verloren. Di
berluste sollen an manchen Tagen in die Hunderttau
ende gegangen sein. Schröder stammt aus einer ange
ehenen Berliner Familie.
*Essen, 24. Ott. Waggonmangel.) Der Wa
genmangel schwoll rapide an. Von 6145 fehlenden Wa
jen am Samstag stieg er auf 8344.
* Bochum, 24. Okt. (GEien Theaterprozeß.
Vegen der Veruntreuungen am hiesigen Neuen Stadr
chheater hatten sich vor der Straftammer der ehemalig
Theaterkassierer Borchardt und der Direktor Wols, ge
tannt Amalfi, zu verantworten. Die Anklage gege
den seinerzeit nach Holland geflüchteten Borchardt lan
tete auf Untreue und Unterschlagung; Amalfi war de
Beihilfe und der Anstiftung beschuldigt; außerdem sol
sen sich beide des gemeinschaftlichen Betruges schuldi
gemacht haben. Die zunächst ausgesetzte Verkündigun
des Urteils erfolgte jetzt durch den Vorsitzenden Land
gerichtsbirektor Mügel. Direktor Amalfi wurde kostenlo
reigesprochen. Borchardt wurde wegen fortgesetzter Un
reue in Zusammentreffen mit Unterschlagung unter Eir
rechnung einer noch zu verbüßenden Strafe von 6 Wi
hen zu iusgesamt neun Monaten Gefänanis verurteil
m Herboru, 24. Okt. (Unterschleife.) In der
detzgerei von Louis Schumann kam man großen Un
rschlagungen auf die Spur, die der Buchhalter und
in Geselle verübt haben sollen. Die Unterschlagungen
»llen 65— 70 000 M. betragen.
* Mainz, 24. Olt. (Sie ben Söhne beimMi—
it är.), Letzte Woche rückte der siebente Sohn des
andwirts Joh. M. Schütz 3 in Zotzenbach beim Mili—
är ein. Diese Vaterlandsverteidiger verteilen sich auf
olgende Wafssengattungen und Garnisonen: Inf.Ragt.
37 in Hagenau, Inf.Regt. 115 in Darmstadt, 118 in
vorms, Pionier⸗Bat. 16 in Metz, Husaren-Regt. 13 in
Rirdenhosen, Garde-Grenadier-Regt. 1 in Berlin. Bay—
isches Inf.“Regt. in Metz.
* Konstanz, 24. Okt. Ein Gymnasiast als
deichstagswähler.) In Konstanz ereignete sich
—V
ftall, daß ein Angehöriger des Gymnasiums, der be
eits das wahlfähige Alter erreicht hatte, sin Wahl
echt unter Begleituna eines großen Gefolges von Mit
hülern ausübte

—— — J
Aus aller Welt.
Palentverletzungen? Auf der Internationalen Au⸗
omobil-Ausstellung in Berlin, die am Sonntag ge—
hlossen worden ist, wurden etwa 15 Automobile der
yoner Automobilfabrik la Buire gerichtlich beschlag—
ahmt, und zwar auf Veranlassung der Daimler-Molo—
engesellschaft. Diese Firma glaubte festgestellt zu ha—
en, daß von der Lyoner Gesellschaft verschiedene Pa—
ente kopiert worden seien. Die Daimler-Gesellschaft er—
lärt, daß sie die Lyoner Fabrik veranlaßt habe, die
daimler-Patente von ihren Chassis zu entfernen. Die—
er Aufsorderung sei aber keine Folge geleistet worden,
benso einer zweiten. Es sei deshalb nichts weiter üb—
ig geblieben, als den Schutz des Gerichts in Anspruch
u nehmen und eine Beschlagnahme der Wagen zu be—
ntragen. Vros. Dr. Hartmann von der Technischen
„ochschule in Charlottenburg habe als Sachverständiger
estgestellt, daß in der Tat Patente der Daimler Moto—
en⸗Gesellschaäft an den französischen Wagen angebracht
eien, und deshalb seien die Motorwagen in Gegen—
dart eines Gerichtsvollziehers gepfändet und vorläufig
ei einer Berliner Speditionsfirma untergebracht wor—
en. Die Lyoner Gesellschaft hat die Angelegenheit der
ranzösischeit Botschaft übergeben und auch dem Kaiser—
ichen Autouobilklub davon Mitteilung gemacht. (Rach
iner anderen Meldung sollen auch die Wagen der fran—
ösischen Firmen Clement-Bayard und Mors beschlag-—
ahnit worden sein.“ D. Red.)
Todessturz eines Reiters. Aus Königsberg i.
ßr. wird berichtet: Beim Offiziers-Jagdreiten des Gre—
adier-Regiments Nr. 4 stürzte in Rastenburg der Leut—
tant Einkleben so unalücklich. daß er auf der Stelle

nen und toben. Wiir ist der Boden hier sowieso zu heij
unter den Füßen geworden.“
uUns auch,“ stimmten die anderen bei.
„Also was sollen wir uns durch den Kapitän hie
cesthalten lassen. Spanien ist groß und finden wir un
seren Weg auch. Wickelt den Burschen wieder in sein
Lumpen, wir nehmen ihn mit, Bapiiste braucht nicht zi
wissen, was hier vorgefallen ist. Wenn er uns morgen
rüh nicht mehr findet, wird er sich nicht sehr grämen; eir
chien es heute ohnehin nicht gerne zu hören, als ich
hm sagte, daß wir einige Tage in der Posada Buen
Socoro auf den Kaptiän wacten wollten. Es ist ihn
nicht zn trauen und er hälul es auch mear mit dem Ka—
ditän alz mit nas.“
1 Die Männer schritten ohne Weiteres durch eine
sene Hintertüre in das Haus und nachdem sie mehre
umpfe, seuchte Gängge, zuweilen in gebückter Stellung
assiert hatten, in denen sich ein Uneingeweihter wohl
aum zurechtgesunden haben würde, traten sie durch
e unverschlossene eichene Türe in einen stockdunklen
aum.
Einer der nächtlichen Besucher zündete ein Stückchen
derze an, welches er bei sich führte und run ließ sic,
tkennen, daß es ein wohnlich eingerichtetes Gemach
par. Es war unbewohnt, aber alles deutete darauf hin,
aß es öfters Mensschen zum Aufenthalt diente. Mit
rästiger Faust pochte einer der Männer an einer bestimm⸗
en Stelle der Wand auf ein daselbst befestigtes Brett,
dodurch ein seltiam dumpser Klang sich weiter pflanzte.
Wenige Minuten päter erschien ein ältlicher, behäbi⸗
——
soch die Augen rieb. Als er die vier Männer erkannt
atte, 88 sichsüfein Gesicht leicht auf.
„Geschäfte gut gegangen?“ fragte er, nachdem er
en teilnahmslos dastehenden Piquillo mit seinen ljsti⸗
zen Augen scharf gemustert ha tte. —1
„Wie man es nimmt,“ entgegnete Caralo. ‚Vringe
schnell zu essen und trinken, was Tu heute Abend noch
zustreiben kannst. VBaptiste. Wir haben einen scharfen
Ritt pon mehreren Stunden hinter uns und in den letz⸗
en vierundzwanzig Stunden überhaupt sehr wenig ge⸗
ossen.“ —
wDer Wirt zögerte einen Augenblick und fuhr mi

— Typhus. Die Gesamtzahl der Typhuserkrankun
n der Irrenanstalt Konradstein bei Danzig ist auf
gestiegen; gesterben sind bis jetzt 30 Personen. —
ẽlbing sind 28 Typhusfälle zu verzeichnen, davon
m Gerichtsgefängnis; zwei Gefangene sind bereits
torben.
Ranubaufall im Juwelierladen. Wegen einer
zernen Uhrleite entspann sich zwischen einem Juwel.
zändler in der Taborstraße in Wisen und einem
‚eblichen Käufer ein Gespräch, in dessen Verlauf
etztere den Juwelier mit einem harten Gegenstand
erschlug und dann den Laden ausraubte. Geraubt,
t. a. 35 Brillantringe, 35 sogenannte Phantasierin
benfalls mit Brillanten besetzi, und 45 goldene 9
enuhren. Der Attentäter ergriff mit einem Spießgei
en, der vor der Tür Posten stand, die Flucht. Der *
oelier ist schwer verletzt, befindet sich aber bei vop
besinnung.
Ungleiche Ehe. Es wird bestätigt, daß der om
eichische Erzherzog Ferdinand Karl, ein Bruder
hronfolgers Franz Ferdinand, demnächst nach vorh
jegangener Verzichtleistung auf alle Titel und Würdi
»ie Tochter des Professors an der Wiener Technik Ho
at Czoberheiraten wird.
Selbstunord eines Mörders. Aus Lembe.
vird berichtet: Der seinerzeit zum Tode verurieilte Moͤ⸗
er der Schauspielerin Oginska, der Student Lewigl
jat sich im Gefangnis vergiftet. An seinem Aufkomm
vird gezweifelt.
Abgestürzte Fliegerin. In Kladnow bei Prag
die Aviatikerin Frl. Leglor infolge eines starken Bu
»es aus einer Höhe von 1500 Metern abgestürzt.
vurde schwer verletzt ins Hospital gebracht.
Versenkung von B-Pulver. die Hafenbehörß
»on Toulon haben Befehl erteilt, große Mengen
Pulver 200 Meter tief ins Meer zu versenken. Es Hhau
»elt sich um Pulver, das bereits vor vier Jahren het
zestellt wurde und infolgedessen für gefährüch eracht
vird. Die Marinebehörden haben sich wegen Trau—
vorts des gesährlichen Materials an hiesige Unterneh
ner gewandt, diese haben es jedoch abgelehnt,
dransport zu besorgen.
Vermißte Touristen. In Meran werden drei
zlieder des Alpenvereins „Naturfreunde“, die eine To—
auf die Tschigat⸗Spitze unternahmen, vermißt. Ein
Hilfsexpedition isi bereits aufgebrochen.
Gescheitertes Schiff. Wie aus Bordeaur e,
meldet wird, ist der von Sulina (Rumaͤnien) kom
mende griechische Frachtdampfer „Georgios“ 300 Mel—
von der Küste an der Girondemündung —8*
tert. Von der 22 Mann zählenden Besatzung konnte
sich nur sieben retten. Das Schiff ist verloren.
Die Pest. In Odessa wurde der vierte Pefftiael
balteriologisch festgestellt.
VBergwerks-Erplosion. Aus Harrisbu.
Illinois) wird gemeldet: In dem Kohlenbergwerk Ot
jara fand eine Explosion statt. Dreißig Bergleute wun
den eingeschlossen. Zwei Leichen wurden durch den Luß
druck aus dem Schacht geschleudert.
Erdbeben In Saloniki und in Süd-Mazedonit
vurde nachts ein stärkeres Erdbeben verspürt. In Ko—
loer ist das Telegraphenamt eingestürzt. Die Bevölt
tung wurde von großem Schrecken ergriffen. Mensche
ind nicht umgelommen.

ια

* ————
2 — der Sieger·
.Mo——ιerthàasten wir genug. vern
—

⏑
der Hano uder das nur noch vor
— h von wenigen grauen Had
„Hast Du Bedenken wegen der Bezahlung, Bapfister
rug Caralo bei dieser Zögerung des Wirtes.
Durchaus nicht; Du und der Kapitän seid ja nobbk
deuie. Aber wo iit. der Kapitän, ist er nicht mit gekom
nen? *
Die Stirne Caralos verfin sterte sich etwas, aber
mtwortete unbefangerꝛẽ
„Er kommt noch. Du weißt, er lätßzt sich nicht gern
n seine eigenen Pläne hineinreden und aus'ragen, da
jer weiß ich auch nicht, was ihn noch einmal nach Pam
‚elona zurückgeführt hat. Er will in zwei bis drei Fa
ser nachkommen, wir sollen ihn hier erwarten.“
„Zwei bis drei Tage wollt Ihr hier bleiben ?“ frag
zer Wirt und sein Gesicht nahm einen süßsauren Aus
druck an.
Igch sehe schon, Bapliste, wir kommen Dir recht un
gelegen. Erwartest wohl andere Gäste, he, an dener
du mehr verdienst. Doch ich will Dir von vornhereir
zie Laune nicht verderben. Hier nimm dies als Abschla
ind verschreibe Dich beim Ankreiden nicht allzuseht
Nun aber spute Dich.“
Bei die sen Worten langte Caralo aus seiner Tasd
ine Anzahl Goldstücke, welche er dem Wirte reichte, des
en Benehmen sich bei dem verlocken den Anblick de—
Zoldes sofort änderte. Mit einer kaum für möglich g
altenen Behendigkeit enifernte er sich aus dem Gemach
imn bald mit einer mächtigen Korbflasche und einer Trag
Speisen wieder zurückzukommen.
Dies reicht fuͤr heuie Abend, Bapti ste,“ sagte Caral
chimunzelnd, als der Wirt das Milgebräachte auf die
eel gestellt hatte. Nun bedürfen wir vorläufig Deine
ucht mehr. Es ist doch vorne in der Stube Alles
Ordnung ?“
„Alles,“ verlicherte Baptiste. „Es sind nur
harmlose Reisende, die üdernahte t.“
As d3. batte, Len.
e püten Gate an der Hngen Tafel nieder und
5 35 sie bJ die reuen herfielen und
gen Flasche zufprachen keß a ß
A cureeneeß auf großen Hunge
Auch Piquillo, der siumm und teilnahmslo⸗
Aiaen Vorgana beobachtet hatte. erbelt

M
            
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