Full text : Dudweiler Zeitung

ich auf die Jehzige ponitische internatsonale LTage, so
esonders auf die Marokkopoliiit.
Mord. In Heinrichs zelt bei Posen wurde
er 7jährige Knabe Klimeck ermordet aufgefunden. Als
käter wurde ein elfjähriger Hütejunge verhaftet, bei
⸗em ein blutbespritztes Messer gefunden wurde.
Tragödie. Ueber eine Familientragödie wird aus
em russisch⸗polnischen Städichen Siemianow berichtet.
Lon dort wurde ein Beamier des Landratsamtes auf
inen schlechteren Posten versetzt. Als seine Frau davon
erfuhr, drohte sie ihn zu verlassen. Hierüber erzürnt,
rgriff der Mann ein Gewehr, erschoß seine Frau, seine
Achwiegermutter und dann sich selbst.
Vergiftung. In Oberleutensdorf ver⸗
uchte die 40jkhrige Schuhmachersfrau Prisoth sich und
hre fünf Kinder im Alter von 6-212 Jahren wegen
dot und häuslichen Zwistes mit Tollkirschensaft zu ver—
siften. Zwei Kinder sind bereits gestorben, die aͤnderen
uid die Mutter liegen hoffnungslos darnieder.
Aitentat. In Nowotscherskäsk drang der Student
kristi in den Privatwagen des miit ihm verwandten
Fürsten Trubetzkoi, eines Mitgliedes des Reichsrates,
ind gab auf den Fürsten mehrere Revolverschüsse ab.
rubetzkoi sant augenblicklich nieder und verschied nach
iniger Zeit.
Wie die Alten sungen .... Ueber ein Gymna⸗
iasten⸗Duell ohne Zeugen wird aus Rudolstadt
derichtet: Der 18jährige Unterprimaner Dietzen ging mit
der Tochter eines Buͤrgers, zu der ihn heimliche Liebe
inzog, spazieren und begegnete dem Obersekundaner v.
Necker. Zwischen beiden jungen Leuten bestand seit ei—
aiger Zeit wegen des hübschen Mädchens ein gespann—
les Verhälinis Als RNecker während der Fortfetzung
ꝛes Spazierganges eine Bemerkung gegen das Mädchen
machte, die Dieben kränkte und Necker es ablehnte, sie
urückzunehmen, wurde er von Dietzen auf Pisiolen ge—
ordert. Tieustag früh um 5 Uhr erschienen die beiden
ugendlichen Gegner auf dem eine Stunde von Rudol—
tadt entfernt liegenden Kampfplatze. Beide verabrede.
ken, das Duell, bei dem Zeugen nicht zugegen waren,
dis zum Tode eines Duellanten fortzusetzen. Beim
Nerten Kugelwechsel iraf die Kugel Dietzens die Herz⸗
Jegend Recers. dieser litt heftige Schmerzen und baͤt
einen Gegner, ihm einen Gnadenschuß ins Herz zu
deben. Hierauf lud Dietzen feine Pistole nochmals und
raf seinen ehemaligen Freund tödlich. Er felbst hatte
tine Kugel in den Sberkoͤrper erhalten, schleppte sich aber
fort und wurde von Waldarbeitern aufgefunden. Am
Abend erlag er ebenfalls seinen Verletzungen. Bei Necker
wurden Abschiedsbriefe und ein Buch von Nietzsche, bei
seinem Gegner Gedichte auf ein ijunges Mädchen ge⸗
runden.
Einsturz. In Budapesst stürzte das Stiegen—
haus eines dinfitidn Hauses ein und begrub 30 Ar—⸗
beiter. Bisher sind zwei Tote und 13 Schwerverletzte
geborgen. Eine Kompanie Pioniere ist eiscig damii de—
schäftigt, die Trummer fortzuschaffen, um die vVerun—
alüchten eu retten
kus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*Aachen, 18. Okt. (GGaisertag.) In wunder
ollem Festschmuckt prangt die Stadt Aachen anläßlid
des heutigen Kaiseriages. Die Stadt gleicht einem Tan
tenwald, der mit Fahnen und vielen Blumengewinder
xrächtig geschmückt ist. Die Häuserfronten verschwinden
örmlich hinter dem Tannengrün, vermischt mit Blumen.
Sroßartig geschmückt ift der Bahnhofsplatz und deir
staiserplatz. Eine Triumphstraße bildel die Feststraße,
die sich bis zum Muͤnster und Rathaus zieht.
* Jülich, 18. Okt. (Unglück.) Am Bahnübergang
n der Nähe des Ortes „Selgersdorf“ wurde die Witwe
duhn vom Zuge Julich Düren erfaßt und sofort getö⸗
ei. Es ist dies innerhalb kurzer Zeit bereits das zweite
Dal, daß der schrankenlose Uebergang ein Menschen
eben fordert. Um so gefährlicher ist diese Stelle noch,
als der Weg Schul⸗ und Kirchweg der Gemeinde Dau
deurath nach Selgerösdorf ist.
* Essen, 19. Okt. (Gin Familiendrama.)
der Tapctenhändler Woͤrdehoff, seine Frau und ei
dind wurde in ihrer Wohnung durch Gasvergiftung kol
aufgefunden. Zwei Kinder waren bewußtlos, konnten
aber wieder ins Leben Zurückgerusen werden. Worde
Joff scheint die Tat im Einverständnis mil seiner Frau
»egangen zu haben. Als Grund werden mißliche Ver
nögensverhältnisse angegeben.
* Efsen, 19. Okt. Sechs Opfer.) Von der Fa
nilie des Tapetenhändlers Wördehoff, der sich, seine
xrau und ein Kind durch Gas vergiftete, sind drei wen
ere Kinder der Vergiftung erlegen. Das durch die
chlechten Vermögensverhaͤliniffe Wördehoffs herbeige
ührte Familiendrama hat somit sechs Opfer gefordert
* Duisburg, 18. Ott. STsdlicher Sturz,
zeim Einsetzen von Fenstern am Neubau des Kabel
verks an der Monheimerstraße stürzte der Monteur Jo
eph Ecke aus Münfter etwani0 Meter hoch ab und zog
ich so schwere Verletzungen zu, daß er innerhalb wen
zer Stunden, ohne das Bewußtsein wiedererlanat
aben, starb.
*Verden, 19. Oktt. Totgefahre n.) Hier spreng
wischen Langwedel und Etelsen ein Reisender aus
unem Kuage, als ein GFilaüterzug vorbeifuhr. Der Rei
— i srr
„Va, Rob, horst dur Schneu, gey! Wenn du mich
tebst, so geh! Du hast genug, um dahin zu kommen.
And führe ein ehrliches Leben dort, Rob! Es ist lang⸗
veilig, aber sicherer. Geh, wenn du wilist, daß ich in
Frieden sterben soll!“
Sie drückten sich die Hände, trennten sich, und dann
in der Tür lief der Mann schluchzend noch einmal zu—⸗
ück
Harry, Harry, muß ich' wirklich gehen?“
Und als Grace schwach flüsterte: „Geh, wenn du
nich liebst, oder sorge für Light,“ ergriff der Mann
och einmal ihre beiden Haͤnde, küßte sie auf die
Vange, flüsterte Ruth zu:
„Madam, bleiben sie bei ihm. Er ist mir lieber
»ie mein eigenes Leben — der einzige, auf den ich
uch immer verlassen konnte.“ und stürzte schluchzend
n. u
un kurzes Ringen an der Tür, denn der treue
nenner war mit keiner Gewalt von der Stelle zu brin⸗
en. Auf Graces schwaches: „Geh sag ich!“ ließ er sich
edoch besteigen; ein leises schmerzliches Wiehern, dann
choll durch die Stille der Nacht das Geräusch seiner
lüchtig enteilenden Hufe. Schwach und schwächer kam
er Schall und erstarb endlich ganz. Ruth sah Grace
m; zwei Tränen rollten ihr über die Wangen.
„Ach“, stöhnte sie, „ich liebte dies Tier und es
tebte mich. Und nun soll ich diesen meinen treuen Ge—
ährten in Ewigkeit nicht wiedersehen!“
„Ewiglkeit! O Harriet,“ flehte Ruth, „bereite dich
arauf vor! Bereue deine Sünden!“
„Meine Sünden!“ Grace lachte schwach, stöhnte dann
»ieder und schwieg. Nach einer Pause schlug sie die
lugen wieder auf und sagte: „Nimm mich in deinen
lrm; ich will die Sünden bereuen, die ich bereuen
inn. Daß ich Straßenraub begangen, kann ich nicht
erenen, denn ich habe niemanden beraubt, der mir arm
u in schien. Es schien mir nur immer, als ob ich
lles besser verteilte und die Gegensätze ausgliche. Nein,
ch babe nur immer von den Reichen genommen und
en Armen gegeben. Ich habe nichts davon behalten.
dur jenes Pferd ist mein Eigentum. Ah, aber die Auf⸗
egung! Es war schön, Ruth, schön.“ Obwohl sie dem
»de nahe war. arhellte die Erinnerung daran ihr Ge—

ende, der sofort tot war, ist ein Italiener güus Ca
rellamare, der seine Gestellungsordre erhalten hatte.
*Frankfurt, 19. Oklt. Todesurteil) In
daubmordprozeß Bienerth beantragte der Staaisanwali
egen Poöllmann die Todesstrase, gegen Löffler leben⸗
ingliches Zuchtt aus. Der Gerichtshof hielt jedoch be
böffler wegen seiner Jugend, nd weil er der Verführf
var. eine Zuicht hausstrase von nizehn Jahren fur aus
eichhend. Außerdem wurde auf zehnjährigen Ehrverku
nd Zulässigkeit von Polizeiaufsicht gegen ihn erkanm
ßegen Pöllmann wurde das To des ur tei
ausgesprochen. Vor der Verkündung des Urteils for
derte der Vorsitzende sämtliche Anwesenden auf, nd
on ihren Sitzen zu erheben.
* Hanau, 19. Oklt. (Fum Fall Fetter.) Zur
lffäre des Oberleutnants von Fetter, gegen den be—
anntlich auf Anzeige der Frau Wertheim wegen Ver
etzung der Eidespflicht im Metternich⸗Prozeß vom
driegsgericht in Hanau ein Versahren eingeleitei wor⸗
en ist, wird mitgeteilt, daß die veraniwortliche Ver—
iehmung des Beschuldigten beendet ift. von Fetter be—
treitet entschieden, seine Eidespflicht verletzt zu haben
Infangs nächsten Monats soll die Hauptverhandlune
tattfinden, zu der als Zeugen nur Fraͤu Wertheim, Ge
eral von Feiter und der Rechtsbeistand der Fetterschen
ramilie geladen sind.
* Saarbrücken, 19. Oktt. Gerettetes Geld.!
zon den 145 000 Mark, die von dem in London ver—
aftelen Banklehrling bei der Bankfirma Roechling ir
Zaarbrücken veruntreut worden find, wurden bei der
durchsuchung der Wohnung des Verhafteten in der
LZondoner Vorstadt Hamstead noch 100 000 M. in deut—
chen Banknoten aufgefunden und beschlagnahmt.
* München, 19. Okt. (Pan zerschiff „Prinz
Ludwig.“ Außer der Mitteilung an den König vor
Sachsen, daß das Linienschiff „Erfatz Aegir“ den Na
men „König Albert“ tragen soll, richtete der Kaiser ei
delegramm an den Prinz-Regenten von Bayern, in dem
r seine Absicht kund gibt, den Namen „Prinz⸗Regen!
Luitpold“ dem Linienschiff „Ersatz Odin“ zu geben, das
m Laufe des Winters auf der Germaniawerft in Kiel
»om Stapel läuft. Auf das Telegramm ist folgende
lutwort eingelciufen: Aufrichtig erfreut über Dein güti⸗
ses Telegramm danke ich Dir' von Herzen für die be—
ondere Ehrung und den Neuen Beweis freundschaftli—
her Gesinnung, der Du mit der Bestimmung, daß das
inienschiff „Ersatz Odin“ nieinen Namen tragen soll,
lusdruck geaeben hast Luitpolp

Von der Sa ahrt. —
*Erster Aufstieg des Lenkballons
zchütte⸗Lanm z. Der Luftkreuzer Schütte⸗Lanz machte
n Mannheim seineun ersten Aufsueg, der als sehr gelun—
en bezeichnet werden kann. Zehn Minuien vor Uhr
zurde der Ballon aus der Halie gezogen und um 5
ihr 20 Min. siieg er bereits in die Höhe. Er flog in
iner Höhe von 150 Metern zuerst nach Westen, dann
ach Norden und beschrieb hierauf einige elegante Run—
en in der Naͤhe der Luftschiffhalle, die mit imponie—
ender Sicherheit ausgeführt wurden. üm Uhr 45
Kin. war der Ballon noch in der Luft in einer Höhe
on 150 Metern. In der Gondel befanden fich der Füh⸗
er Hauptmann von Müller, der Konstrukteur Prosessor
chütte, der Asironom Helferich, ein Ingenieur und ein
donteur. Das Schiff waundte sich schließlich über die
theinau und flog dann in die Gegend von Speyer zu.
dier mußte es bei Waldsee kurz nach 6 Uhr wegen ei—
ier Störung am Höhensteuer auf freiem Felde landen.
die Landung vollzog sich glatt. Von der Firma Lanz
iud Zimmerleute und Segelmacher nach der Landungs⸗
telle gesandt worden.
*]du ftschiff „Zeppelin9“ ist von Fried—
ichs hafen komnend vor der Luftschiffhalle in Oos ein⸗
getroffen und alatt gelandet. F
— ——
Vermischtes.
Auns Prof. von Bergmanns Tagebuch. Größtes
lufsehen erregt in politischen Kreisen die Veröffentlich—
ing von Professor Ernst von Bergmanns Tagebuchblät⸗
ern und Briefen an seine Frau, soweit sie die
rankheit Kaiser Friedriüchs betreffen. Ex—
ellenz von Bergmann schreibt un a. aAn seine Gattin:
Ich halte das Verbrechen der drei Aerzte, gemeint sind
Nackenzie, Krause und Hovell, für um so größer, als
je jetzt eingestanden haben, daß sie alle den Kehlkopf⸗
chnitt nicht kannten.“ Die Operation nahm dann be
unntlich ein deutscher Arzt, Ir. Bramann, vor. Berg—
laun schreibt darüber: „Wenn Gotles Wille es anders
efügt hätte, und beim Schnitt Luft in eine der Seh
en getreten und der hohe Patient gestorben wäre, Bra⸗
nann hätte man keinen Vorwurf machen dürfen,» denn
roperierte und chloroformierte alles in einer Person,
a Krause nicht einmal den Kopf zu halten vermochte,
»ndern ihn gleich beim ersten Hautschnitt fallen ließ,
ud Machen zi se gesteht, er sei während den
perationmehr tot all's lebendigge—
ssenn. Das Vergehen liegt darin, daß a bsicht
ch nichts geschehen ist, die schwere und gefährliche
Zveration a rioichiern durch mehr als eine —
sicht und rief ihr schwaches Lachen wach, mit dem auch
her Schmerz zurückkehrte.
Sie hatte diesmal länger und schwerer zu leiden,
enn der Schweiß brach ihr auf der Stirn und um den
Aund aus. Sanft wischte Ruth ihn weg; mit glühen—
er Inbrunst betete sie in der Tiefe ihres Herzens für
ie, die für sich selbst nicht beten wollte. Und nach und
ach, immer noch in ihrem Arme ruhend. fiel Grace
uSchlaf.
Die Nacht, die lange Nacht verging; der Morgen
raute; die Sonne schien in die Huͤtte und wegte die
zterbende. „Das Ende ist nahe“, flüsterte sie. O Ruthi
Nir ist Unrecht, viel Unrecht angetan worden. Ver—
weiflung wars, was mich dazu getrieben main νν
chkeit zu verspotten. Noch jetzt, wo ich sterve, suhle ich
ie Bitterkeit des mir zugefügten Unrechts. Aber ĩch
abe dem vergeben, der es mir angetan. Du batest
nich zu beten, mich auf die Ewigkeit vorzubereiten. Ich
vills! O Gott, ich bätte dich, vergieb mir meine Schuld,
vie auch ich alle von Herzen vergebe!“ Sie faltete die
Ȋnde; ihre Augen sahen hinaus auf den purpurn
ammenden Morgenhimmel, und allmählich legte sich
ie Starre des Todes über die brechenden Blicke. Was
uch immer ihr widerfahren, was sie gelitten und er«
ragen, sie nahm es mit sich hinüber in das Schweigen
mes letzten Schlummers.
Noch kniete Ruth in Tränen und Gebeten neben
Ir, als heftige Schritte draußen laut wurden und ihr
jatte an der Tür erschien.
„Ruth! Liebling!“ rief er leise, fuhr aber zurück,
AIs sie zur Seite rückte und er auf das blaffe starre
Antlitz des Knaben blickte, der ihm einst in seiner Nol
eholfen.
„Harry — tot!“ rief er erschüttert.
Dann, in Gegenwart der stillen Gestalt neben ihr,
zrzählte Ruth ihm alles, was sie wußte, und seine
Worte waren dieselben, die Grace gesprochen:
„Es ist besser so!“ — —
Sie begruben sie still; niemand außer ihnen ersuhr
vaß in dem Grabe mit der einfachen Inschrift: „Harrie
jestorben den 1. Dezember 1878“ ver wilde Harry ruhe,
essen Taten die Verwegensten in Erstaunen und Ver—
ounderung gesetzt hatten

— E———

en Chirurgen. Tas Handeln Dr. Bramanns gereich
is zur hoͤchsten Ehre, daß aber die mil der Behand
ung des Kronprinzen betrauten Aerzte es auf diese
dunstprobe anukommen ließen, das würden sie noch un—
er Friedrich dem Großenam Galgen 31
erenen gehabt haben.“ Ganz besonderes Interesse
eanspruchen die Milleilungen üͤber Bergmanns Unter
edung mit Bismara Bergmann schreibt dar
ber: „In seiner ersten Unterredung mit Bismarck ecr
lärte dieser, er wisse, wie lange er das (Kaiser Fried—
ich seine Krankheit) zu ertragen haben werde. Macken
ie hätte anderen gegenüber er spreche nicht mehr
nit ihm — gesagt, noch ein Jahr. Das sei für ihn
Brund, jetzt abzutreten, denn das übersteige die Kräfte
einer 73 Jahre. Wenn die Wahlen unter dem jetzigen
Regiment geschaͤhen, so erklärie Bismarck, so fürchle er
ehr viel, der Krieg ware dann noch das geringste.“
Bald danach begann die Krisis, die zum Tode des dai—
ers führte. von Bergmann berichtet über eine zweite
ünterredung mit Bismarck wegen der Sezierung
er Leiche. Mitten in dver Nacht sei er in
as Reichskauzler-Palais beschieden worden und traj
dort den Kanzler und Schweninger, jeden vor einer
Maß Bier sitzend. an. Bismarck erklärte schließlich: Her—
bert soll kommen! Herbert von Bismarck kam und num
wurde festgestellt, daß nach den Bestimmungen des Kö—
niglichen Hausgesetes die Todesursache des Monarchen
inter allen Umsianden authentisch festzustellen sei. Jetzi
erklärte sich Bismarck bereit, namens der Staatsregie⸗
und die Genehmigung des Kaisers zur Vornahme der
Zzezierung der Leiche Kaifer Friedrichs zu erbitlen
— —
Humoristische Ecke.
*Ländlich. Sommerfrischler: „Wird denn der
Briefkasten auch regelmäßig gelecrit Bauer: „Im—
ner wenn der Postbote vorbei kommt; da müssen Se
iber mit Kreide dranschreiben: Ist a Brief drin“
Grammatik. „Vater, wie is nu eegentlich der
Anterschied zwischen Mir und Mich?“ — „Aber Junge,
»et is doch janz eenfach: weunste bloß Dich alleene
neenst, dann sagste: „Mich“; und wenn De mehrere Per—
onen meenst, dann sagste „Mir“; zum Beijpiel: „Ick habe
mnich gewundert; mir haben uns gewundert!“
*Ein Don Juaͤn. „Gestern gut amüsiert —X
dem Ball, Herr Leutnant?“ „Brillant; soll heute mi
ierzehn Müttern reden!“
*Uniterbrochen. Frau A.: „Sie feiern erst in
ünf Jahren Ihre silberne Hochzeit? Ich denke, Si⸗
ind ebenso lange verheiratet wie ich“ — Frau B.
Ja, mein Mann hat doch fünf Jahre gesessen!“
— —
Neueste Meldungen.
Berlin, 19. Oktt. Aus S changhai meldet di
deutsche Kabelgromm-Gesellschaft: dankau ist ruhig.
In der Chinesenfstadt wuiei augenblicklich eine große
reuersbrünnst. Eine chinesische Reederei, ein Post⸗
imt und das Zollomt brennen. In Kantonn herrscht
dolllommene Ruhe. Die Telegraphenverbindung zwi⸗
chen Hankau und Kanton ist unterbrochen.
Paris, 19. Okt. Einzelne Blätter bringen alar
nierende Nachrichten über die Sache und wissen von
inem bevorstehenden Abbruch der Marokko.
zerzandlungen zu berichten. So meldet die
isweilen gut unterrichteie Preß⸗Zentrale: In hiesigen
bariser) Regierungslreisen man uͤber den Forne
er Fongoverhandiungen arg enttn der Ver—
eter der Preß-Zentrale erfährt, haben b anz ösischen
delegierten bei Beginn der Verhandlungen auf die
utkamerschen Vorschläge hingewiesen. Von deutsche
jeite ist ihnen darauf erklärt worden, daß diese Vor
hläge des ehemaligen Gouverneurs von Kamerun kei
eswegs die Basis des deutschen Standpunkles bilden
ie deutschen Forderungen feien derartig exorbitant ge
esen, so wird in franzöfischen Regierungskreisen ver—
hert, daß sie nienals die Grundlage zu einer Ver—
ändigung abgeben könnten. Um einen Druͤck au
eutschland auszuüben, will die französische Regierung
ahrscheinlich noch in später Nachtstunde eine offiziöst
dote veröffentlichen, in der sie auf die unerfreuliche
bendung hinweisen wird, die die Kongo⸗Verhandlung
isher ergeben habe. Man droht sogar in maßgeben⸗
en französischen Kolonialkreisen, die Verhandlunger
änzlich abzubrechen.
London, 19. Okt. Wie die „Times“ aus Mexikr
neldet, ist Radero einstimmig zum Präsidenten ge⸗
dählt worden. Er tritt wahrscheinlich sein Amt am 8.
tdovember an. J
— —
Denticher Reichstag.
y1. Sitzung. Berlin, 18. Oktt.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst die In t e r⸗
ellationen des Zentrums, der Volkspartei, der
tationalliberalen, der Konservativen und der Sozial—⸗
emgkraten über die Muswärtige Politik. Aus
ie Anfrage an den Reichskanzler, ob er bereit sei, die
terpellatienen zu beontworten, erklärt
Reichslanzler von BethmannßHollweg:
zür voll bercchtigt halte ich den Wunsch des Reichs.
ages, baldmöglichst von der Regierung Auskunft über
ÿναιιοι ανα an erhatten“ Fn einem gestern an
Aber sie vergaßen sie nicht; Ruth bestürmte den
dimmel mit Gebeten für ihre Seele; und Delaney grü—
velte und sann, welche Umstände wohl ein so hervor⸗
ragend begabtes und geistvolles Geschöpf zu einem
olchen Leben gebracht. Nein, sie vergaßen sie nicht,
auch im Drang der Geschäfte und Feste in Washingtor
nicht wo ihr Reichtum sie zu gern gesehenen Gästen
machte und ihnen die ersten Kreise erschloß, wo sogar
die „Tonangebenden“ jener Großstadt den Millionär
Jasper wohlwollend und freundschastlich als „ein wirk—
siches Original“ belächelten. Sein Reichtum hätte ihm
möglicherweise noch eine hübsche und junge Frau ver—⸗
schafft, denn Geld, und besonders viel Geld macht manche
villige Braut, aber Jasper hielt an dem jungen Geoff⸗
tey fest. „Er ist genug für mich,“ sagte er.
Es war ein wunderbarer Zauberer, der Reichtum.
Er brachte tatsächlich Charles M. Delaney nicht nur da⸗
hin, daß er nach Washington kam und der Gemahlin
seines Neffen in aller Form einen Besuch abstattete
sondern veranlaßte ihn auch, sie jetzt, wo sie nichtẽ
brauchten, zu sich nach New York einzuladen.
„Habe ich dir nicht vor Jahren schon gesagt, Ruth
zaß er lein Gefühl hätte? Daß Stolz und Verbohrt—
eit seine einzigen starken Seiten wären?“ sagte Dela;
niey zu seiner Gattin, als er — ihr zu Liebe, für das
zroße Diner, das sein Onkel ihnen zu Ehren gab
kdoilette machte.
„Selbst wenn dies wahr wäre, Liebster“, antwor
tete Ruth, „so laß uns doch mit alsen in Frieden le
ben, nicht?“
Und dann, als er ihr einen Kuß gab und sie „das
übscheste Mädchen in der ganzen Stadt“ nannte, schmei⸗
jelte sie:
„Und, Liebster, du bist nett mit deinem Onkel,
nicht wahr? Du ladest ihn ein, uns in Deadrood zu
esuchen! Wir müssen Fehler übersehen und lieb unt
zut mit allen sein. Ist es nicht besser so?“
— Ende.

*—

Ihrem Herrũ Präsidenten gerichteten Schreiben
dem ich annehmen darf, daß es zu Ihrer Kennta
onimen ist, habe ich dargelegt, aus welchen Gro
ch mir heute eine Erklärung versagen und die B
tiung des Zeiltpunktes noch vorbehalten muß, an
ch sie werde abgeben können. Ich werde nicht 1
assen, Ihrem Herrn Präsidenten den Termin an
jen, sobald es mir moglich ist. Nach meiner
vird der Reichsstagenmicht aAuseinanderg
hne daß zuvor hier über die a u s w ärtige
rikbperbandelt worden ist. (Beifall.)
Damit ist dieser Gegenstand zunächst erledige
Interpellanonen werden bis auf Weileres von de
zesordnung abgesetzt. Dann siehen auf der Tage
uung die JInterpellation des Zentt
und der Sozialdemokraten über die
rung.
Auf eine Anfrage des Präsidenten
Reichsslanzler vo n Bethm'anneHollwie g, .
hereit sei, diese Interpellationen am Monta“a
antworten.
Damit isi zunächst auch dieser Gegenstand erun
und die Interpellationen werden am Montag aun
Tagesordnung gesetzt werden.
Abg. Albrecht Goz.) erörtert eine Reihe
Fällen widriger Handhabung des Resi chsverei
geseetzees durch die Polizei in einer Reihe von«
ten des Reiches. Weiter beleuchtet Redner namen
ruoch das Ueberwechung-Syftem gegen Vereinspversa
ungen in Sachsen-Weimar-Eisenach, um sich dann
das politische Vorgehen der Gewerkschaften
reiten.
Staatssekretär Delbrück: Anlaß zu einem
chreiten wuͤrde die Reichsregierung nur dann
venn in der Handhabung des Vereinsrechtes durq
fxinzelstaaten grundfätzliche Meinungsunterschiede sid
jeben. Das ist aber nicht der Fall. Zwischen dem
zischen Minister des Innern uͤnd mir besteht U⸗be
timmung nicht nur über die Handhabung des Verel.
gesetzes im allgemeinen, sondern auch beispielsweise
uber, daß für, die Genehmigung oder Nichtgenehb
ing von Versammlungen unter freiem Himmel
deranziehung ungeeigneter Gesichtspunkte nicht zu
en ist. Das preußische Minifterium des Innern
Anordnung getroffen, daß von den Beamten nach d
Brundsatz zu verfahren ift. Den Beamften ist e
Pflicht gemacht, die Grundsätze der Judikatur zu
en. Uebereinstimmung besteht auch darüber, daß
Polizeistunde nicht angeordnei werden darf, beson
sür eine Versammlung. Der Minister erklärt, daß
es tun werde, die Handhabung des Vereinsgesetzes
Zinne der Gesetzgebung zu erzielen.
Abg. Gröber (Gir): Wir können hier überé
zelfälle nicht entscheiden; aber wir haben vdas Re
lebelstände zu besprechen. In der Polizeistunde fin
ich kein Mensch zurecht. Die erste Pflicht für dene
setzgeber ist, daß er wenigstens sagi, was er will.
Abg. J.unck (natl.): Der Gruͤndion der heuti
Beschwerde ist eben, daß beim Reichsvereinsgesetz n
zeschieht, worauf es vor allem ankommt. Auf die Fa
gie der oberen Behörden gegenüber den unteren.
darf nicht geduldet werden, daß in sovielen Fälle.
jen den Geist des Gesehzes verstoßen wird.
Abg. Graf Edler'zu Puttlitz (tons.)
der Handhabung des Gesetzes zufrieden. Die
Debatte hat ergeben, daß die Aufsichtsbehörden
zalster Weise alles tun, um dem Geiste des Gesen
zecht zu werden.
Abg. Korfanty Pole) trägt das pol
Anklagematerial vor und nimmt u. a. Bezug auf
Berbotspraxis im Kreife Rosenberg, wobei er dem Lau
at infame Rechtsbeugung vorwirft. Redner zieht
zei diesen Ausführungen zweimal einen ——*8
u. — Staatssekretär Debrüd legt nochmals sein
Ztandpunkt dar.
Abg. Höffel (Rchsp.) ist von den Erklaäͤrun⸗—
der Regierung befriedigt.
Eingegangen sind zwei Interpellationen des
rums und der Freisinnigen über die Schäden
Daul⸗ und Klauenseuche.
Darauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag
ihr. — Taͤgesordnung: Weiterbarauumg. Privatbeam⸗
iesetz. — Schluß 6 Uhr

Voranzeige!
— 2
4
„Ceelsior⸗Cinema
Hotel Nassauer Hof.
Wie ein D Blitz
aus heiterem Himmel
muß die nächsten Samstag an
dieser Stelle erscheinende Annonce
zünden.
Niemand verfehle dieselbe zu lesen!

7
35

*

Mur noch wenige Cremnpld
Alls. Hand⸗2itlasses
Für unsere Abonenten 4Mk
Für Nichtabonnenten 10 Mk
zlrah urger Gell. lollerit

A—
* danitaͤtzmolbrej Lajzerzlautern.
hat Herrn
Moserelproduktenhaãndler Langenbahn
den Alleinverkauf für die Bürgermeisterei Dudweiler
übertragen.
Empfehle trinkfertige Kindermilch,
sterilisiert nach System Dr. Backhaus. sowie
terilisierte Kurmilch und Rahm— Yoghurt⸗
Milch und Käse.
Um geneigten Zuspruch bittet
lakyh Nangenhabpa

A

*
            
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