Full text : Dudweiler Zeitung

ung verfügt über alle notwendigen Mittel für die Ver—
teidigung und Unierdrückung. In einigen großzen Städ
ten des Distrikts Castello Branco wollten einige ein
flußreiche Personen den Versuch zur Wiederherstellung
des alten Regimes machen. Der Versuch scheiterte
Die betreffenden Personen wurden unter guter Bedeck
ung nach Lissichbon aeischick“

Persien.
*»Salared Dauleh löste, nachden er nach sei—
ner letzten Niederlage Hamadan erreichte, den Res—
seiner Streitkräste auf und will über Bagdad nach En—
ropa gehen. Er erklärte, im Frühjahr wiederzukommen
Die Regierungstruppen zogen am 4. Oktober in Hama—
dan ein, zwölf Stunden später, nachdem Salar ed Dau
leh die Stadt verlassen hatte; sie erbeuteten dreizehn
Geschütze. Die Medschlis genehmigte die Anstellung dee
Engländers George New als Leiter des verfischen Tele
graphenwesens

Marokko.
*Eine amtliche Meldung aus Melilla besagt: Die
orläufigen Operationen wurden nach zehnstün—
oigem Kampfe glänzend durchgeführt und die Harko
chwer gezüchtigt. Sie ließ zahlreiche Tote, Waffen unt
Munition zurück. Die Verluste der Division sind be—
rächtlich. — Die spanischen Blätter bejubeln die Waf—
sentat der spanischen Rifftruppen um st
einstimmiger, als bekanntlich jede Kritik unterbunden ift
Die Gesamtzahl der spanischen Verluste beträgt 3 Offi
zjiere und 24 Soldaten tot. 16 Oifiziere und 46 Solda
en verwunde

Hof und Gesellschafi.
**s Verlobung im kaiserlichen Hauser
Wie die „Deutsche Montagszeitung“ von zuverlässiger
Stelle erfahren hat, soll die in intimen Kreisen bereits
diel erörterte Berlo bung der Prinzessin Vikto—
ria Luise, der einzigen Tochter des Kaiserpaares,
mit dem Erbgroßherzog Adolf Friedrich von
Mecklen burg-⸗Schwerin am 22. Oktober, dem
Veburtstage der Kaiserin wattfinde,

Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
* Köln, 10. Okt. Ein un würdiger Sohn.)
Fin 18jähriger Hilfsarbeiter aus Köln-Ehrenfeld ver—
iangte von seiner Mutter Geld, um seine Braut zu
heiraten. Da die Mutter ihrem Sohn wegen seines
iugendlichen Alters nicht die Einwilligung zum Heira—
ten geben wollte, ergriff der ungeratene Sohn ein Brot—
messer und brachte seiner Mutter mehrere Verletzungen
bei, woranf er flüchtete.
* Bonn, 9. Olt. GBesuch des Kaisers.) Der
Aufenthalt des Kaisers in Bonn ist auf zwei Tage be
technet. Er wird am 19. und 20. Oktover hier weilen
Dortmund,. 10. Okt. (Schweres Gruben—
tnglück. Ein verhängnisvolles Grubenunglück is
uuf der Zeche „Fürst Hardenberg“ erfolgt. Um 6 Uhr
ibends wollten die Arbeiter einsahren. Als sie sich auf
dem Förderkorb befanden, riß eiwa 20 Meter under der
Zeilscheibe das Förderseil; mit großer Geschwindigkeit
auste der Korb in den Sumpf des 450 Meter tiesen
Schachtes. Neun Bergleute fanden dabei einen schreck—
ichen Tod. Wie die Zechenverwaltung mitteilt, ist der
dorb selbst ganz zusammengeschlagen, so daß es schwe—
rer Arbeit bedürfen wird, um die Leichen zu bergen
Von den Verunglückten waren sieben Familienväter,
einer war Witwer, einer unverheiratet. Es ist eigen—
tümlich, daß bei diesem Unglück die Fangvorrichtun—
persagt hat. Das gebrochene Seil war erst vor etwe
inem holben Jahre in Benutzung genommen worden
Die Fördermaschine, die ebenfalls neu ist, funktionierte
zis jetzt tadellos. Darum ist die Ursache des Unglücks
nicht genau festzustellen. Vor 29 Jahren wurden au
derselben Zeche 25 Bergleute auf aleiche Art getötet.
* Mörs, 10 Okt (Selbstmord wegeneines
leinen Diebstahls.) In der Nähe wurde die
Leiche eines Mannes auf der Bahnstrecke Mörs-Duis—
burg gefunden, der der Kopf fehlte. Es handelt sick
um einen Mann aus Asberg, der Vater dreier Kinder
st. Vor einiger Zeit soll er wegen Entwendung von
Futterrüben angezeigt worden sein. Aus Furcht vor
Ztrafe faßte er den Gedanken des Selbstmordes, den
r dann auch ausführte. Als die Frau die schreckliche
Nachricht vom Tode ihres Mannes hoͤrle, sprang sie in
ihrer Erregung in eine Düngergrube, aus der sie vor
den Nachbarn noch lebend herausgezogen werden konnte.
* Offenbach, 9. Oktt. EEine Bluttat.) Die bei
den 17jährigen Arbeiter Stab und Simon gerieten an
Zamstag abend auf der Heimfahrt im Zug zwischen
»en Stationen Michelbach und Niedersteinbach wegen
eines Mädchens in Streit, in dessen Verlauf Simon
dem Stab mit seinem Taschenmesser einen Stich in den
Rücken beibrachte, der dessen sofortigen Tod herbei—
ührte. Simon wurde verhaftet.
* Maunheim, 9. Olt. (EEin Unikum.) Während
man am Hoftheater Otto Ernsts neues Stück „Die Liebe
höret nimmer auf“ spielt, lieferte ein 72 Jahre alter
Mann, wie der Pfälzer sich ausdrückt, „ein Exempel zum
Beispiel“. Er hatte sich gerüstet, seine vierteFrau
heimzuführen. Da gab es zwischen den Brautleuten
Streit; der cholerische alte Herr griff zum Revolver und
brachte sich 2wor Schüto ιν doannan qgine i —
sen zu erreichen, mußte er der Hütte den Rücken keh—
ren, und in der Hütte, wo alles dunkel gewesen, schlies
der eine der beiden Bergleute, der andere aber wachte.
„Auf, sage ich, Kerl! Auf!“ flüsterte der Wachende,
indem er sich bemühte, den andern aus seinem schweren
Schlummer wachzuschütteln. „Auf! Er ist raus! Werde
wach, du verdammter Narr, sonst erdrossel ich dich!“
sprach er dann etwas lauter.
Jasper hatte den Bach erreicht und einen Mund
voll von dem köstlich frischen Wasser geschlürft, als in
der Stille der Nacht die Stimme des Miners zu ihm
herüberdrang. Auf mit dir, Kerl, da, nimm dein—
Büchse. Also wir feuern beide zusammen, dann weiß
leiner, wer es getan hat! Voran, Narr!⸗
Vollständig deutlich schlugen die Worte an Jaspers
Ohr, und in einem Moment wurde er sich der hangen
Tragweite derselben bewußt, denn obwohl durch das
Fieber geschwächt und angegriffen, hatte sein Kopf in
der frischen Nachtluft doch seine vollständige Klarhei
wiedergewonnen.
„Also das habt Ihr vor!“ sagte er, lief noch ein
»aar Schritte, bis die Zündschnur abgerollt war und
zündete sie an. Aber da krachten auch schon die zwei
Büchsen, und der alte Mann fiel. — — —
Etr, lag auf dem GEesichte; das Blut floß ihm aus
iner Wunde über dem Herzen und einer im Beine.
der Mond übergoß die Szene fast mit Tageshelle, als
ie beiden dunklen Gestalten aus der Hütte herbeigeeilt
amen, ihn umdrehten und seine Wunden untersuchten.
—ertig!“ war ihr einstimmiges Urleil, und dvann
agte der Jüngere, der auch derjenige gewesen war, der
—B
noch einen Schluck Wasser getrunken hat. Wenigstens
hat er noch seinen letzten Wunsch, ehe er aus der Wen
mußte. Weißt du, Dick, ich konnte nicht eher schiehen,
als bis er sich vom Wasser wieder aufrichtete und Uef
„Schafskopf! Was du nun einmal kust, mußi du
nich ordentlich tun, das sage ich!“ verfetzte der andere
Erfreut darüber, daß Jasper dem Tode so nahe, um
ioch Bewußtsein zu haben, hatte er sofort die Gelegen—
benutzt, um seine Taschen sehr eingehend zu unter
en.
Die schwachen Atemzüge des alten Mannes wan

Mund, der andere in die linke Hand. Bei der Behand—
ung im Allgemeinen Krankenhaus verschwand die Le—
ensmüdigkeit des Alten überraschend schnell. Er wider—
etzte sich hestig dem Verbleiben in der Anstalt. Mit den
Worten: „Megen dem Bissel werd' ich mir
ewiß mein' Hochzeütverderwelafse,
tülpte er den Hut auf den Kopf und ging von dannen.
Dann machte er in der Tat Hochzeit
n ιαιαιUαααËν
Aus aller Welt.
„Die Arbeiterjugend“. Der preußische Kultusmi—
aister hat mit Hinweis auf die verhetzende Wirkung der
yon der Zentralleitung für Arbeiter-Jugendfürsorge her—
ausgegebenen Zeitschrift „Die Arbeiterjugend“ au die
rreisschulinspektoren eine Verfügung erlassen, daß die
hnen untersiellten Lehrer darauf zu achten haben, ot
dereits in den oberen Klassen diese Zeitschrift verbrei
et werde. Einer Verbreitung dieser Zeitschrift in den
Zchulen müsse mit dem größten Nachdruck entgegenge—
irbeitet werden.
Neuer Klatsch. Der durch die SchönebeckAffäre
ekannte Schriftsteller A. O. Weber wird demnaͤchs
ine sensationelle Broschüre unter dem Titel: „Lieber
ns Zuchthaus, als entmündigt, Nachktänge zum Schöne
ech⸗Prozeß“ veröffentlichen. Weber wird in seiner Bro—
chüre u. a. die Gründe enthüllen, weshalb er Frau
»on Schönebeck heiratete und warum es überhaupt zu
Zchwurgerichtsverhandlung in Allenstein gekommen fsei
Deutschlaud —Belgien. Die Schaffung einer diretk
en kürzeren Strecke für die internationalen Eilzüge zwi
hen Deutschland und Belgien ist nun zwi—
hen den beiden Staaten endgültig geregelt. Durch die
eugeschaffene Strecke wird Luͤttich nicht berührt. Au
ringenden Einspruch der Lütticher Interessenten ha.
edoch die belgische Regierung zugesagt, eine besonder
berbindung nach Lüttich auf dieser Strecke zu schaffen.
Hochwasser. Infolge Hochwassers sind im Sar—
sjanser Land weite Strecken überschwemmt. Der Rhei
st stark gestiegen.
Entgleijt. In Harmiegnis (Hennegau in Belgien)
st ein Personenzug entgleist. Sechs Wagen wurden um—
eworfen und zertrümmert, 21 Reisende wurden mehr
der weniger schwer verletzt.
Erxplosibon. Dem „Pelit Journal“ wird aus Tou—
on gemeldet: Hier explodierte eine Bombe, die unter
inem Tische eines Cafehauses am Boulevard de Stras
yourg versteckt gelegen hatte. Der Tisch flog in die Höht
ind di 88 boͤhrte in den Boden ein tiefes Loch
z8 wurden fünf Personen durch Verbrennen und durch
Zplitter verwundet. Der Boulevard de Strasbourg ifl
sieselbe Straße, in der kürzlich die große Panik wäh⸗
end der Beerdigung der Seeleute der „Liberte“ sich ab—
gespielt hat

— ü——
Von der Lustschiffahrt.
*Das GordonBennettKRKennen. Der seit
er vermißte deutsche Ballon „Berlin 2“ wird wahr—
heinlich Siege'r der Ballonsahrt sein. Der Ballor
andete Samstag srüh in den Wil dnissenNord—
visconsins. Die Regierung war schon wegen
dilfe augegangen worden, da man fürchtete, der Bal
on sei in einen der großen Seen gestürzt. Die Luft—
ahrer waren ständig in Lebensgefahr, da dauernd
Sturm herrschte. Sie hatten bereits ihren Proviant ge
»pfert, um den Korb zu erleichtern, als sie zur Land—
ing schritten. Nach 15stündigem Umherirren in der
Bisdnis erreichten fie endlich das Städtchen Holcombe,
son wo aus sie Nochricht von ihrer Landung gaben.
*Der Deutsche Luftschiffertag, der in
z reshbau tagte, nahm die von den Kommissionen
orgeschlagenen Aenderungen der Reglements für Flug—
besen, Luftschiffahrt und Freiballonfahrt unverändert
n. Das Ausgabebudget wurde von 27 000 Mark aui
8 000 Mark erhöht. Die Mehrkosten sollen durch Er
zöhung der Beiträge, Besteuerung der aviatischen Ver
instaltungen und der Freiballonfahrten, sowie durch
srhebung einer Gebühr von 20 M. für das Führer
eugnis gedeckt werden. Zum ersten Vorsitzenden wurde
sßeneral z. D. v. Nieber, zum Stellvertreter Ge—
heimrat Böise t h e-⸗Berlin gewählt. Die nächste Tagung
vird in Stuttgart abgehalten.
Lokales.
Brieftelegramme können von den Telephonteil—
iehmern bei ihren Nachrichtenstellen auch telephonisch
aufgegeben werden. Die telephonische Aufgabe von
Briestelegranmen kann innerhalb der Dienststunden der
Rachrichtenstelle und zwar an den zum Brieftelegramm
oerkehr zugelassenen Orten nur in der Zeit von 7Uh—
abends bis 12 Uhr nachts, an den übrigen Orten, so
weit erforderlich, auch schon vorher erfolgen. Letzterer
Falles wird das Brieftelegramm von der Nachrichten
telle als Brief an die nächste zum Brieftelegrammver
ehr zugelassene Telegraphenanstalt weiterbefördert. Es
st Sache des Absenders, für den rechtzeitigen Eingang
des Briestelegramms bei der Haupttelegraphenanstal
des Aufgabeortes, d. i. des zum Brieftelegrammver
ehr zugelassenen Ortes, nötigenfalls durch das Ver
angen der Eilbestellung des das Brieftelegramm ent
* ve —A treffou Fiie 22

och schwächer geworden, als Dick, wie sein Spießge
elle ihn nannte, sich wieder erhob und sangsam sagte
ẽs ist nix da. Kein Papier, keine Abschrift von den
ßlan. Ueberhaupt nirx an Papieren. Aber ich wollte
ch wäre sicher, daß er auch nirgends etwas versteck
hätte.“
„Was ist das, was du da gefunden ——XL
der Andere.
„Seinen Tabak!“
„Bist aber ein Kerl, Dick! Nimm es nicht, es
ringt Unglück. O!“ Der Jüngere der beiden, die ge—
hworen hatten, diesen Mord zu begehen, fuhr zurüc
ind schauderte; Jasper hatte plötzlich die Augen geöff⸗
tet, sie dann Aber mit einem Röcheln und leisen Zucken
»es ganzen Körpers wieder geschlossen. Der Jüngere
chlug dem Andern das Paket Tabak aus der Hand
„Du bist mir aber ein Kerl, Dick! Lieber schmachtete
ch tot für einen Vriem, ehe ich ihn ihm da abnehmen
äte.“
„Du bist doch der allergrößte Dummlopf, den ich
enne. Haben wir denn nicht geschworen, alles gut zu
urchsuchen. und alles, was wir finden, an das Kom
nitee abzuliefer ;̃;ẽ;ẽß. —7
*„Aber Tabaks Was brauchen die denn den Takab?
Jib ihn dem ollen Mann wieder, hörst du? Ich sagt
ir, Dick“, hier dämpfte er seine Stimme zu geheim
tisvollem Geflüster, „ich habe mal gehört, wer den
Toten das wegnimmt, was sie am liebsten leiden mö
gen, den verfolgen ste. Na, vor einem Lebendigen habe
—A
Der Sprecher schauderte, als jetzt eine kleine Wolke
or den Mond trat, und Dunkelheit sie plötzlich ein—
üllte. Im nächsten Augenblick trieb das Wöllchen wie—
er im blauen Aether dahin, und der bleiche Mondschein
ibergoß das starre Gesicht des alten Mannes zu ihren
züßen wieder mit gespenstischem Lichte. Der Jüngere
riff den Andern beim Arm:
„Komm, Dick, komm, es ist schrecklich hier!“
„Kommen! Hast du denn nun ganz den Kopf ver
dren? Müssen doch erst die Hütte durchsuchen. In
jall irgend ein Erbe für den ollen Knaben auftauchen
ollte, wäre es fein, wenn man den Originalplan hätte
as mit dem Gericht ließe sich schon machen“

Aufnayme von vBriesteilegrammen durch die Nachrichten
stellen wird dem Telephonteilnehmer in jedem Falle
ilso auch dann, wenn sich die Nachrichtenstelle bei der
Aufgabe-Telegraphenanstalt selbst befindet und eine
riefliche Uebersendung an letztere nicht notwendig ist
ine Grundgebühr von 10 Pig. ohne Rücksicht auf di«
Vortzahl und eine Wortgebühr von 1 Pig. für jedes
Vort aufgerechnet. Außerdem werden ihm die Gebühn
ür das Brieftelegramm (1 Pig. für jedes Wort min
„estens 50 Pfg. für jedes Brieftelegramm) und im
Falle der brieflichen Weiterbesörderung an die Aufgabe—
elegrapheucenstalt die treffenden Postgebühren (GPorte
ventuell Eilbestellgebühr) zur Last geschrieben

Vermischtes.
Tanzen verboten — die Hühner wollen schlafen!
Ein selnames Tanzverbot mit einer Begründung,. die
einer Einrahzmung würdig wäre, hat neulich der Bür
germeister einer kleinen Gemeinde des französischen De
partements Eochpyhrenäen erlassen. Der würdige Orts—
obere ließ namlich folgende Verordnung bekanntgeben:
„Im Himblick darauf, daß junge Leute der Gemeinde
die Gewohnheit haben, sich aͤllsonntaͤglich zum Tanze zu
vereinigen, und in Erwägung des Unistandes, daß der
Lärm, den sie machen, Hähne, Hühner und andere Tier
des Dorfes erschredt, daß sich daraus eine für die
Landwirtschaft schädliche Schwächung des Viehstandes
ergibt, verbieten wir den Tanz auf dem Gebiete der
Gemeinde in den Stunden, in denen die Haustiere der
Ruhe zu pflegen gewöhnt sind.“
Sygienischer Unterricht. In Wien hat man an
zinem Teil der gewerblichen Fortbildun g s ssch u⸗
hen auf Anzegung des Ministeriums für Oeffentliche
Arbeiten den durch Aerzte zu erteilenden hygieni—
schen Unterricht eingeführt. Die hohe erziehliche
Bedeutung und der soziale Wert des neuen Unterrichis
hat sich schon im ersien halben Jahre seiner Erteilung
zlänzend erwiesen, wie dies ein Bericht des Landes
Sanitätsinspektors Dr. Max Winter in Wien überzeu⸗
gend dartut. Es wird darin hingewiesen auf das her—
vorragende Interesse, das die Fortbildungsschüler dem
hygienischen Unterricht entgegenbrachten, auf die Er—
jolge, die er in der Haltung und Lebensführung der
Lehrlinge zeitigte. Naͤchhaltigen Eindruck erzielte die
Vorführung bestimmter Unfälle in den einzelnen Ge—
verbebetrieben durch Skioptikonbilder, an die dann die
Belehrungen über Hilfeleistung ꝛc. leicht und erfolgreich
angeschlossen werden konnte. —
Gerichts zeitung.
H, Eine kleine Köpenickiade. Der 21jährige Schreib⸗
Jehilfe Julius Dahmeen aus Aachen war zuletzt am
dreisamt Bingen tätig. Mit seinem Gehalt von mo—
iatlich 70 Mart kam er nicht aus. Er machie Schul—
en und sollte am 1. Okltober 200 Mark, die er als
darlehen erhalten hatte, zurückzahlen. Da er hierzu
nicht in der Lage war, geriet er auf den Einfall, einen
ihnlichen Streich wie der Schuhmacher Voigt in Köpe—
tick auszuführen. Mit der Schreibmaschine stellteer
wei Aufträge her, wonach er vom Kreisamt in Worms
—RDD Gundersheim die Ge—
neindekassen zu revidieren. Die Aufträge fälschte e
nit dem Namen des Regierungsrats Werner, der frühe:
im Kreisamt Worms tätig war. Die Unterfschriften de—
dreisamemanns machte er täuschend nach. Am 25. Au
zust erschien er bei dem Gemeindeeinnehmer in Rons
seim. Er zeigte das Schreiben vor, worauf der Ge
neindeeinnehmer die Kasse zur „Revision“ abgab. Nach
em Dahmen Kasse und Bücher „geprüst“ hatte, erklärie
x. die Kasse versiegeln zu müssen und schickte den Ge
vemeindeeinnehmer hinweg, um Zündhslzer zu holen.
diese Gelegenheit benützte Dahmen, um aus der Kasse
2080 Mark in Papier und Gold zu entnehmen. Am
nächsten Tage ersuhr der Einnehmer, daß er einem
Schwindler in die Hände gefallen war. Die sofort an
gestellten Eruittlungen führten zur Verhaftung Dah
mens. Die Revision in Gundersheim haͤtte er unter
iassen, da ihm die erste „Revision“ so gut gelungen war.
Bon dem Gelde wurden in seiner Woͤhnung noch 2000
Nark vorgefunden; außerdem führte er 78 Mart mit
ich, so daß nur zwei Mark an der ganzen Summe
ehlten. Ta den Aufträgen“ zur Revision kein amt—
icher Stempel aufgedrückt war, wurde keine öffentliche
Arkundenfälschung angenommen. Das Gericht in Mainz
erurieilte den Angeflaaten ꝛu einem Jaber 6Ge
dnani

— — —
Landwirtschaftliches.
**Der Sgatenstand im Reiche. Der „Reichsanzei⸗—
jer“ veröfsentlicht folgenden Stand der Kartoffeln, des
klees, der Luzerne und der Wiesen im Deutschen Reich
Anfang Oktober, wenn 3 mittel, 4 gering, 8 sehr ge—
ing bedeutet: Kartoffeln 3,5, Klee Lä, Luzerne 3,9.
Beroüsserungswiesen 3,2, andere Wiesen 3,8 Auch im
September dauerte vorerst die trockene warme Witterung
in. Um Mitte des Monats trat zuerst in Süddeutsch⸗
and ein Wetterumschlag ein, der dort kühlere Tempe⸗
atur und den langersehnten Regen brachte. In den
ibrigen Teilen des Reiches fielen erit im letzten Drilte.
22 r — — iest der
„Es ist gut, gut! Das können wir auch morgen
noch tun! bei Tageslicht. Des Nachts und wenn du das
da siehst, ist es schrecklich!“
Mit einem Schauder deutete der Jüngere auf den
örper des alten Jasper, der steif und ausgestreckt zu
hren Füßen lag, zwei Lachen Blut neben sich, und
zas starre Gesicht zum friedlichen Nachthimmel gewen—
»et. Es war ein schreckliches Schauspiel in dieser stillen
Schlucht, und der Friede, die Ruhe und Schönheit, die
illes ringsumher atmete, ließen das Abscheuliche der
Tat nur um so greller hervortreten; abscheuiich nament—
ich auch deshalb, weil der, der dort so still lag, alt
ind allein gewesen, und gerade deshalb getötet worden
oar, weil er sein Recht verteidigt hatte.
Aber „Tick“ dachte philosophischer, als sein Kame—
ad. Er vergeudete absolut keine Zeit damit einen Blick
ruf das gespenstische Anlitz und den starren Körper zu
verfen, der dort in seinem Blute lag.
„Es ist jetzt vorbei,“ sagte er. „Wir haben geschwo—
en, wir wollten zusammen feuern, also brauch jetzt
einer sich verantwortlich dafür zu fühlen. Du kannst
rjicht sagen, ich war es. Und ich kann nicht sagen, Du
varst es. Und jetzt haben wir noch was anders zu tun.
Wir haben noch seine Hütte da zu durchsuchen, sonst
saben wir unsern Eid nicht gehalten. Komm, sage ich,
oran!“ Er zog den andern ein paar Schritte mit sich
ort und sagte, als dieser widerstrebte: „Na, wenn Du
ticht gehst, kriegen wir am Ende noch nicht einmal das
geld. Das schlimmste hast Du ja doch jetzt hinter Dir.
58 wäre jetzt wahrhaftig kein Plan, die Pieke auch
toch zu verlieren.“
Dies Argument schlug schließlich durch, und sie be—
raten die kleine, Aur einen Raum enthaltende Hütte,
vo der alte Jasper so manche Stunden verbracht, so
nanchen Traum geträumt hatte.

—X

sefallene Regen auch meistens bei weitem nicht
—X gründlig 3qu
urchfeuchten, so ermöglicht er doch die krästige J t
riffnahme der erheblich verzögerten Herbstbestellungs *
eiten. Grüne Wintersaaten find bei Abgabe deg pme
ichts erst ganz vereinzelt sichtbar. Faft aligemein ẽ
nassenhaftes Auftreten der Feldmäuse berichtet. Pin,“
dartoffeln, deren Ernte bei dem günstigen Wetter Mir
on statten geht und in vielen Bezirken sogar bee
st, konnte der Regen wenig oder gar nichts nugs
ur die späteren Sorten mögen, soweit das Kraut
zrün war, einigen Nutzen aus den Niederschlägen,
en haben; dagegen wird vielfach befürchtet, daß
ereits verschiedentlich beobachtete Durchwachsen
nollen durch den Regen gefördert werden konnte.
eichtem Boden sollen sich hier und dort welke Kno
n Boden vorfinden. Ueber kranke Kartoffeln wird en
Algemeinen nicht geklagt. Die geernteten Erträge ꝙ Ler
nmanchen Gegenden höher als erwartet wurde, in!
eren blieben sie hinter den Schätzungen zurück. Nu J
inigen kleineren Gebieten fällt die Kartoffelernte vwem
ius. Im großen und ganzen bleibt ste erheblich uge
nittel. Fulterkräuter, Klee und Luzerne ergaben In
tellcuweise noch einen geringen zweiten Schritt. goan
ach sind die Kleefelder so vollständig ausgebrannt,du
ie umgepflügt werden müssen. Der sunge Klee und freli
unge Luzerne erholten sich, soweit sie nicht auch dupig⸗
ie Tryckenheit und Mäusefraß vernichtet wurden, udte
en Nicderschlägen der letzten Zeit etwas, stehen q4
iur dünn und lückig. Ein nennenswerter Ertrag —
derbstfutter findet sich selten. Die Wiesen erholten
jach den Niederschlägen noch etwas und werden in m
sen Gegenden wieder grün, sodaß wenigstens eine
iche, bei dem diesjährigen äußerst geringen Grumm—
rtrag besonders willkommene Nachweide zu u
en ifi

— —
Handel und Verkehr.
I Die wirischaftliche Bedeutung Tripolitanienht
Wie wir einem Artikel des „Hamburger Fremdenblag au
entnehmen, beruht die wirtschaftliche Bedeutung Triph jab
litaniens hauptsächlich auf seinem Ackerbau. Obwo cher
inter der türkischen Herrschaft für die Hebung der Lap—
wirtschaft in Tripolis nicht sonderlich viel getan wo
den ist, sind doch die Ernteergebnisse recht bechliensn
Die jährliche Produktion von Weizen beläuft sich
uingefähr eine Million Doppelzentner. Am meisten w—.
sedoch Gerste aufgebaut. Die Jahresernte beträgt
zeführ 1,5 Millionen Doppelzentner. Hierbei muß
rücksichtigt werden, daß das Land gegenwärtig rela
chwach bevölkert ist. Auf ein Gebiet von ca. 4000
nnglischen Quadratmeilen verteilen sich ungefähr
Nillionen Bewohner. Von dieser Bevölkerung entfä
toch ein großer Teil auf die Nomadenstaͤmme *.
ommt daher für eine rationelle Bewirtschaftung 5
Landes garnicht in Betracht. Für Italien gewinnt da
isherige Wilajet Tripolis insosern noch an Bedeutung
As man in Italien glaubt, einen großen Auswanderen
trom dahin lenken zu können. Wandern doch jey
illzährlich viele Zehntausende von Italienern nadh
deutschland, Frankreich und vor allem nach Nord- un
Züdamerikag aus, weil sich in ihrer Heimat keine aqaus
eichende Arbeitsgelegenheit bietet. Zurzeit sind in Tu
»olis nur 5000 bis 6000 Europäer, meist Jialiener um
Malteser, ansässig. Die Verbindung zwischen den da
enstädten und dem Hinterland vermitteln Karawcne
zie auf von Alters her benutzten Straßen —*—
kine Erschließung des Binnenlandes mit Hilfe von
enbahnen würde jedenfalls lohnend sein. Der Auß.
zandel ist gegenwärtig schon bemerkenswert. Im Jah
1909 belief sich die Ausfuhr auf 27,31 und die Ei
uhr auf 78,56 Millionen Piaster. Als Ausfuhrartilke
ommen außer den obengenannien Getreidearten no
auptsächlich Tatteln, Zitronen, Espartogras und au
Zchwämme in Betracht. Deutschlands Anteil am tripe
itanischen Handel ist ziemlich gering. Der Wert de
eutschen Ausfuhr nach Tripolis beziffert sich auf jähr
ich 0.2-0,3 Mill. Mark.
——
9 Haftypflichts⸗EntscheidungSEine wichtige gericht
iche Enischeidung ist über die Frage: Verpflich
eteine fehlerhaft abgedruckte Ze
ungsanzeige zu Schadenersatz? E
ommt infolge schlechter Schrift oder aus sonstigen Grün
en zuweilen vor, daß ein Inserat fehlerhaft gedruck
vird. Welche Folgen kann ein solches Versehen für det
zJeitungsverlag haben? In einem vor dem Oberlandes
ericht Colmar anhängigen Prozeßfall lag die Sach
o: Die Beklagte (ein Kaufhaus) hatte ein Inserat auf
egeben; in der Druckerei waren die kür Hableinen an
aegebenen Preise mit denjenigen für Reinleinen vei
vechselt worden. Auf Reklamation war das Inseraten
der nächten Zeitungsnummer berichtigt worden. Den
noch lehnte die Beklagte die Bezahlung der Insertions
osten ab und verlangte sogar Schadenersatz in Höh
don 600 M. In beiden Instanzen ist sie verurteilt un
hr Schadenersatzanspruch abgewiesen worden. Aus de
ßründen: „Das in der Anzeige vom 8. Januar unter
naufene Versehen berechtigt die Beklagte (Kaufhaus
zicht, die Bezahlung der Inseratkosten zu verweigern
die klagende Zeitungsfirma war zwar gemäß s 633,
erpflichtet, die Anzeige so herzustellen, daß sie nichk
vie hier mit Fehlern behaftet war. Die Beklagte hatt
alls ein selcher Fehler vorhanden war, nach 8 633,
nerster Linie das Recht, dessen Beseitigung zu ver
angen. Dieses Recht hat sie auch ausgeübt: die Klä—
zerin hat in der nächsten Zeitungsnummer im Einver—
kändnis mit der Beklagten die fehlerhafte Anzeige be
ichtigt. Hiermit war der Mangel beseitigt. Daß di
Anzeige trot; der Berichtigung nicht ihren Zweck erreich
zabe, hat Beklagte nicht behauptet. Sie ist demnachk
zur Entrichtung der Inseratkosten verpflichtet.. Nach 8
276 könnte Beklagte nur dann Ersatz verlangen, wenr
hr ein Schaden durch die zunächst mangelhafte Ausfüh—
rung der Anzeige aus Verschulden der Klägerin entstan—
den wäre. Sie macht nun einen Schaden von 600 M
geltend, weil sie durch das Versehen zur Vermeidu—
eiues weit höheren Schadens genötigt gewesen sei, da—
steinleinen zu Halbleinenpreisen zu verkaufen. Es mag
ahingestellt bleiben, ob grundsätzlich anerkannt werden
önute, daß die Klägerin überhaupt denjenigen Schaden
rietzen müßte, der durch das auf die Verhinderung des
kintritts eines größeren Schadens abzielende Verhalten
»er Beklagten selbst eingetreten ist. Jedenfalls würde
iese Verpflichtung nur dann bestehen, wenn der Be—
lagten bei ihrem Vorgehen kein Verschulden zur Laft
älit. Dies trifft jedoch hier nicht zu. Würde sie näm⸗
ich das Publikum, wenn es auf Ankauf zu den Inse
atpreisen bestand, in der durch die Sachlage gebotenen
ind den Ansorderungen des Verkehrs genügenden Weise
stichtmäßig, besonders durch Vorzeigung der in den
inderen Tageszeitungen mit richtiger Preisangabe ab—
jedruckten Anzeige, über die Entstehung des Irrtums
ufgeklärt haben, so hätte der Beklagte nicht den etwa
roßdem aufrechierhaltenen Anforderungen der Kunden
tachzugeben brauchen, um einen größeren Schaden ab—
zuwenden. Es lag für sie keine Veranlassung zu der
lnnahme vor, daß ihr Verhalten von abgewiesener
daufliebhabern entstellt Dritten gegenüber zum Gegen
tand einer abfälligen Kritik gemacht werden würde
kine wahrheitsgemäße Weiterverbreitung aber konnte
inmöglich den geschäftlichen Ruf der Beklagten schädi—
sen und ihr den Verdacht schwindelhaften Angebots zu—
siehen.“ Die Gründe sind recht lehrreich und ůüͤberzeu⸗
gen, so daß auch Geschäftsleute, die inserieren, daraus
hren Nutzen ziehen können. (Urteil des Oberlandes
erichtz Celmar 1 FJ.“S. vom Juni 1911) P.

*1
            
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