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—528 Amtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beil agen:
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Bürgermeisterei⸗Bezirk Dudweiler ssonntagsblatt und Heitere Blätter.
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Aonnent ist mit s0oo m. gegen Jod durch Unfall dei der Rarnberger Lebensversicherungsbank in Nürnber 3 3 4 — — — 7 —— ———————— — — —— — — — —— —
ben. älle mü z u g versichert. Icder Unfall ist binnen einer Woche na — igen, J —
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Ar. 242. ⸗Ausgabe ohne Abonnenten-Versicherung dienslag den 10. Oktober 1911 T Ichrgane
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weenge: „Es lebe der t F — —
en eedee Ronig! Es lebe Ftauen! Es wirklichung ste zunächst die Beseitigung aller schiefen
Buündnisse für notwendig hält. Auch Gabriele
Annunzio stößt in das gleiche nationalistische
Zorn. Er veröffentlicht im „Corriere“ ein langes Tri—
smphlied über den Erfolg von Tripolis.
Die Verteilung des Hinterlandes.
Die „Polit. Korr.“ erhält die sehr interessante Mit⸗
eilung, daß die italienische Regierung in Paris zu—
esichert habe, sie werde die Grenzlinie von Tripolis,
o wie sie im französischenglischen Ver—
trag von 1899 festgestellt worden ist, respektieren.
In diesent Vertrage hatten Frankreich und England,
ohne den Sultan und die Pforte zu sragen, das ganze
inter türkischer Oberhoheit stehende Hinterland von Tri⸗
»olis unter sich aufgeteilt.
Für die Franzosen handelt es sich dabei vor allem
im Tibesti und Vorku, die sie zeitweise militärisch be—
etzt und dann wieder aufgegeben hatten. In den letz⸗
en Monaten regte sich die französische Presse etwas auf,
veil die junge Türkei von dem guten Recht, das die
Alte solange vernachlässigt hatte, Gebrauch machte und
endlich ihrerseits Truppenkommandos in die genannten
gebiete legte. Wenn die Meldung der „Pol. NKorr.“
orrekt ist, bestätigt sie unsere frühere Vermutung, daß
ich Italien in Paris und London für die frühere Er—
nunterung, Tripolis zu nehmen, durch die Ueberlassung
es von Frankreich und England schon verteilten türki—
chen Hinterlandes erkenntlich zeigen werde.
Volitische Rundschau.
Deutsches Reich. —
m In Berlin trat unter dem Ehrenvorsitz von Proj.
Josef Kohler und dem Vorsitz von Justizrat Dr.
Edwin Ka tz⸗Berlin eine Kommission zwecks Beratung
des Weltmarkenrechts zusammen. Die Ver—
handlungen, an denen sich die bedeutendsten Patentrecht⸗
ler betelligien, führten zu einer Festsetzung des Arbeits⸗
plans. Außer der rein vergleichenden Arbeit, welche
Verschiedenheiten und Ausgleichungen darstellt, sollen
von den Mitarbeitern der Kommission positive Vor—⸗
schläge im Hinblick auf eine einheitliche Gesetzgebung
oder einen zukünftigen Sinalsvertrag gemacht werden.
Ausländische Juristen haben sich zur Korrespondenz be⸗
reit erklärt und es übernommen, ihrerseits die Arbeit
ihrer Länder in gleicher Weise zu oͤrganisieren. Die Re—
fuͤltate aller Vorarbeiten sollen einem internationaler
Kongresse vorgelegt werden.
* In Breslauer Beamtenkreisen verlautet, zum Nach⸗
folger des verstorbenen Breslauer Regierungspräsidenten
v. Baumbach werde der Berliner
Polizeipräsident von Jagow ernannt werden.
* Die Aeltestenderßberlinersaufmann—
ch aftt haben sich mit den neuen Hundertmark—
Ich e inen und Fünfundzwanzigpfennig—
tücken beschäftigt und haben beschlossen, für mög—
ichst baldige Wiedereinziehung der Hundertmarknoten
Anzutreten, die sich wegen ihres Formates und der
Slarke und Beschaffenheit des Papiers im geschäftlichen
wie im privaten Verlehr gleichmäßig als unzwechmäßig
erwiesen haben. Bezüglich der Fuͤnsfundzwanzigpfennig
fücke stellien sie fest, daß in Groß-⸗Berlin, besonders im
Detailgeschäft. au sich durchaus ein Bedürfnis nach dem
deuen Geldftück bestehe, daß aber die Form der einge—
uhrten Münze zu Verwechselungen Anlaß gebe und des
zalb als ungeeignet bezeichnet werden müsse.
Portugal.
*Aus Lissabom'telegraphiert der Ministerpräsi—
dent an den „Matin“: Es ist wahr, daß eine Bande
bon beinahe 2000 Mann in den portugiesischen Beziri
Braganza eingedrungen war. Beim Her
nahen der von uns gesandten Truppen hat diese
Zande sich aber über die Grenze zurückgezogen. Dit
arnison von Braganza wurde verstärkt. Die Regier
3 * 2 l
Zum Krieg um Tripolis.
Eine Rede Giolittis.
hei einent Festmahl im Königlichen Theater in
An hielt Ministerpräsident Giolittineine Rede,
er er auch die auswärtige Politik berührte. Er
u. a.: Wir betrachten den Frieden und ein voll—⸗
„iges Einvernehmen mit allen Mächten als die
FWohltat für Italien, ader wir können nicht aus
zu einem ruhigen Leben die Lebensinteressen des
zes und unsere nationale Würde opfern. Die Re—
ag ist gewiß, daß diese Absichten nicht nur den
sessen, sondern auch den Gefühlen des italienischen
entsprechen. Eine demokratische Politik ist nicht
Zedeuiend mit einer schwachen und ohnmächtigen
A. Die Geschichte aller Völker und die vor unse—
ugen sich abspielenden Ereignisse beweisen das Ge—
ul, daß Regierungen, die die Vertreter von allen
en Klassen sein können, die eifersüchtigsten Hüter
roßen Interessen ihres Landes sind und nicht nur
Fragen von unmittelbarem Interesse denken
auch die Zukunft des Landes zu sichern wis—
die auswärtige Politik kann nicht wie die innere
ich von dem Willen der Regierung und des Par—
nts abhängen, sondern muß infolge absoluter Notigteit
den Ereignissen und der jeweiligen Lage
mung tragen, die zu ändern nicht in unserer Macht
jo die wir bisweilen nicht einmal beschleunigen
„zögern können. Es gibt Ereignisse, die wie
„hees historisches Verhängnis sich einstellen, dem
ag Volt nicht entziehen kann, ohne seine Zukunft
alar in Frage zu stellen.
der Schluß der Rede lautete wörtlich: In einem
en Augeublick ist es Pflicht der Regierung, alle
antwortung auf sich zu nehmen, weil ein Zögern
ein Aufschub den Anfang des politischen Verfalls
eichnen könnte, der Folgen nach sich zieht, die das
twährend vieler Jahre, bisweilen auch Jahrhun—
e zu bedauern hat. Das Ministerium fühlte die
ze Verantwortung, die es in dem gegenwärtigen
pfe de. Lande gegenüber übernommen hat, aber
A ie mit ruhigem Geiste übernommen, weil es
enc in daß I!MiS der Hartnäckigkeit und
ke. die seit Jahren unsere wirtschaftliche Tä—
Arepolis hinderte und gegenüber den fort⸗
Provokationen der türkischen Regierung jedes
oder jeder Aufschub zu gleicher Zeit die Ehre
zandes, feine Politik und wirtschaftliche Lage ge—
Jet haben würde. Wir werden ruhig das Urteil
vartlamentes und des Landes abwarten; inzwi—
wollen wir unserem Heere und unserer Flotte
Gruß schicken, der das vollstuͤndige Vertrauen des
ischen Volkes zu ihnen zuni Ausdruck bringt. Die
wärtige Politik kann nicht Parteispaltungen hervor—
a. weil sie allein von dem Gedanken an das Va—
eherrscht wird, der uns alle eint.
»Gedanken der Italjsaer folgen gegenwärtig mit
her Sorge, aber vollem Vertrauen ihrem
ihrer Flotte, die die italienische Flagge au
ern Ufer des mittelländischen Meeres hissen
intgarde der italienischen Zivilisation, die ihrer
dert an dem Zivilisationswerke der Welt auf
mischem Festland, wird sie eines starken Volkes
dig fsein, wenn wir diesem Werke internationaler
ilisß. »n die große Reform zum Besten unserer Ar—
reentsprechen lassen. An Italien, das an der Küste
en Platz in der Welt einnimmt und im Namen der
alen Gerechtigkeit eine dritte Zivilisation beginnt,
unsere ruhmreiche Dynastie, die das Symbol und
Schut ist der Einheit und Unabhängigkeit des Va—
ndes, an unsern heißgeliebten Herrscher, der den
lienern ein bewundernswertes Beispiel der Bürger—
enden und des modernen Denkens gibt, mögen sick
Schluß unsere Gelübde, unsere Wünsche und unsere
ühle unbegrenzter Ergebenheit richten!
Die Rede des Ministerpräsidenten fand sortwährend
aftan Beifall. Beim Betreten und Verlassen des
ules war Giolitti der Gegenstand begeisterter
udgebunccen Als er aus dem Theater trat, riei die
— — — — — ——831
oem italienischen „Messaggero“ aus Augu st a
gemeldet wird, erzählen dort aus Tripolis eingetroffene
Flüchtlinge, die Türken hätten sich aus Mutlosigkeit
der aus Mangel an Lebensmitteln zurückgezogen. Die
Iraber lafsen sie vollständig im Süch; sie verkauften
em Koemmaudanten Cagni für wenige Franks vor—
ügliche Flinten.
Die italienische „Sera“ bringt aus Malta fol—
gende inlecessante Meldung: Die Türken haben im
Funernvon Tripolis etwa 10000 Mann kon—⸗
— Gewehren
zusgerüstet. Sie konnten so ein richtiges Heer bilden,
das zwar keine besonders gute Ausrüstung aufweisen
ann, aber mit reichlicher Munition versehen ist. Es ist
noch unentschieden, ob man das Verbleiben dieser Trup
hen am Gebelflusse oder deren Vorrücken auf Tripolis
zu erwarten hat.
NReschib Pascha, der bisherige Botschafter und
rachherige Minister des Auswärtigen, welcher ein gro
zer Freund der Deutschen ist, hat sich nun ent
chlossen, das Portefeuille des Aus,wärtigen wie
der anzunehmen. Die gesamte Presse erklärt sich ein—
mütig gegen jeden Vermittlungs-Vor—
schl'ag“ zwecks Beilegung des italienisch- türkischen
Konfliktes.
Wie man erfährt, hat der türkische Bot
schafter in Berlin dem Staatssekretär v. Kider—
ben⸗Wächter einen Besuch abgestattet und längere
Zeit mit ihm konferiert.
Die Pforte überreichte den Mächten eine
Note, worin sie gegen die griechische Mobil—
machung protestiert und Reprassalien
an der griechischen Grenze ankündigt.
Freiherr v. Marschall hatte eine fast zwei—
tündige Unterredung mit dem Großwesir
ruf der Pforte über die AUusweisungsfrage
Der Botschafter gab den Rat, man möge einen so
chwerwiegenden Schritt nur nach reiflicher Erwägune
un. Bisher habe die Türkei die öffentliche Meinung
fFuropas für sich gehabt, durch die Ausweisung der
Italiener könnte sie viele Sympathien verlieren. In der
dreisen der Pforte scheint der Beschluß des Minister
rats, der vorläufig nicht in einem Jrade sanktionier
sst, mehr als ein Versuchsballon bestimmt zu werden
Bezüglich der Vermittlung zwischen Jtalien
und der Türkei, welche von den Mächten aus ge—
croffen werden solle, schreibt der „Matin“, daß die Tür—
ei sich besonders an Deutschland wenden müsse.
Deutschland werde auf Ersuchen der Türkei bei Italien
vorstellig werden und die Anerkennung der Souveräni—
tät der Türkei in Tripolis und die Einstellun
der Feindseligkeiten befürworten. Nur
dieser Grundlage könne eine Vermittlung erfolgen.
Neapel ist in der Erwartung der Abfahrt deds
erssten Teils des Expeditionskorps für Tripolis
äußerst belebt. Die Hotels sind mit den Angehörige—
der Scheidenden überfüllt. In den Straßen sieht map
zahlreiche Truppenzüge mit Tropenhelmen und Feld
uniform. Der Kriegsminister, der Chef des General
stabs, die auslandischen Attachees, die am Feldzuge teil
nehmen, sind bereits dort. Der König kommt eben
falls an. Der Hafen bleibt streng abgesperrt. Das
Wetter ist wundervoll warm.
Aus Italien.
Wie vorauszusehen war, ist die Begehrlichkeit der
rationalistischen Kreise Italiens durch der
srfolg in Tripolis verstärkt. Darum ist es auch zu ver
liehen, wenn jetzt eines der Sprechorgane der italieni
chen Nationalisten, La Grande Italia unverblümt dii
veiteren Aspirationen der von ihm vertre
enen politischen Richtung ausspricht. Es bespricht zu—
nãchst die gioßen Disferxenzen, die sich zwischen der H
ung der Regierungen Deut sch ands und Osester—
erches und der öffentlichen Meinung dieser Länder
rgeben haben. Sie sagt, dabei habe sich wieder ge—
eigt, daß Oesterreich der unversöhnliche Feind Italiens
der immer aufs adriatische Meer allein Anspruch
rache. Die Zeitung vertritt ihre alten irredentistischen
piratienen zuf Trisef und e221 deren Mor
3
Goldene Herzen.
m amerikanischen Original nacherzählt von Karl v. Raesfeld.
14. Forisetzung
Als die Beiden bejahend herübernickten. suhr er
end fort:
„Na, braucht nicht bange zu sein, ich tue keinen
Aag daran. Das bleibt schon da, kann ich verderben
v nichts essen; und in ein paar Tagen kriege ich
ch mein Recht vom Gericht, dann kann ich immer
damit machen was ich will. — Ihr scheint mir
mopaar tüchtige Jungens! Vielleicht nehme ich Euch
uͤter mal in Akkord!“ sagte der alte Knabe und ki—
erte vergnügt in sich hinein.
„Ja, es ist gut, das nehmen wir an“, anworteten
andern und lachten laut über Jaspers Scherz.
Die Beiden hatten wirklich ein ganz angenehmes
ben, spielten Karten, würfelten, verloren und ge
annen, tranken Whisky, plauderten mit ihren Besu
rn, kurz, hatten alles, woran ein Goldgräber unte
nlichen Verhältnissen sich nur ergötzen kann.
Aber dem armen, in seinem Tunnel eingepsferchten
per wurden die dahinschleichenden Stunden sast zur
al. Die Untätigkeit machte ihn so nervös und um
zgig, daß er seinen Appeüt verlor, sogar der geliebte
bak ihn aͤnelelte und ein langsames Fieber im An—
war.
Dennoch wankte er keinen Augenblick in seinem
aschlusse, das Fort zu halten“. „Ich habe es Char—
versprochen und habe den Burschen nun mal gern.
8 verd ie Gold — da — nicht soviel gebe ich da⸗
uf. Scheint beinahe, daß das kostbare Zeug, wo
jünfzig Jahre hinierher gesucht habe, nicht halb so
jar ist, als ein Topf kalten Wassers. Bah! Aber
hier aus der Tonne hat einen areulichen Geschmack
spie den Schluck. Wasser, den er gerade genom⸗—
oieder aus, setzte sich auf ein Pulverfäßchen und
über seine Barrikade hinüber zu den beiden Berg—
die in der Tür ihrer Hütte saßen und ausam—
iten und vpvlauderten
Dann lehnte er den Kopf gegen die Felswand und
el in einen sieberhaften Schlaf. Ihm träumte, die
elegschast von der „Central“, verstärkt durch sämtliche
„oldgräber von ganz Deadrood, kämen angerückt und
»ollten ihn von seinem „claim“ vertreiben. Er sprang
uf, tasteie wild nach seiner Büchse und schrie: „Erst
nuß mirs ans Leben gehen!“ Er erwachte von seinen
yestilulatiüonen und fand, daß die beiden jungen Bur—
chen ihm gegenüber es aufgegeben hatten, sich selbst
uszulachen, und nun vereint über ihn lachten.
„Was ist los, oller Mann? Habt Ihr sie wieder
jekriegt? Waren es Schlangen oder Figer diesmal?“
ief der eine.
„IIhr könnt wohl lachen“, sagte Jasper mit leiser,
eiserer Stimme. „Könnt wohl lachen. Habt nir an—
eres zu beschicken. Aber hängen lasse ich mich, ehe
zhr meinem „elaim“ kriegt. Trotzdem ich mit Geld
ix mehr anzufangen weiß. Wenigstens nicht viel, und
muf der ganzen Welt ist kein Mensch, der sich um den
llen Jasper kümmert.“
Er ließ den schmerzenden Kopf auf seinen harten
zänden ruhen; zwei Tränen rannen ihm über die Wan—
en und verloren sich in den tiesen Furchen, die sich
nbeiden Seiten seiner langen Nase gebildet hatten.
„Tränen! Na, ich glaube bald, ich haben einen
Rums, oder sonst was! Habe noch nicht wieder ge—
eult, seit ich alt geworden bin! Und es ist auch nicht
»ahr, was ich da sage. Ich glaube, Charley wenig—
ens mag mich gerne leiden. Ich glaube, er hält große
ztücke auf mich, und dafür will ich ihn auch zu mei—
sem Erben machen! Am Ende“ — er licherte, als er
ttseinen Taschen nach einem Stück Papier umherstö
erte, „am Ende nennen sie ihr erstes Kind nach mir!
zeoffrey Jasper Delaney! Das ist besser, als wenn ich
ꝛAbst eins hätte.“
Einigermaßen aufgemuntert öffnete er sorgfältig ein
ltes, tabalduftendes Kuvert und schrieb mühsam auf
inem Knie:
„Ich, Geoffrey Jasper, schenke und vermache
alles, was ich habe, an Charles Delaney und seine
dinder für immer. — Die Abschrift vom Original
grundstücksplan ist zwischen meinen Bettpfosten ver
Geoffrey Jasper“
„Das wirds tun. Venn wenns Original auch ver⸗
zrannt wird, ist die Abschrift doch noch da“, sagte er
»ergnügt und überlas, was er geschrieben hatte.
Dann legte er das Kuvert sorgfältig zwischen zwei
rößere Stücke harten Tabaks, band diese mit einem
zindfaden fest zusammen und begann die Vorbreitun—
en zu seinem Abendessen. Zu essen vermochte er jedock
einen Bissen. Mund und Kehle waren ihm wie aus—
edörrt vor Durst. Wieder versuchte er einen Schluc
Vasser aus der Tonne und wieder spie er es aus
Zelbst der Tee schmeckte nach der „verd —ten Tonne“ da
„Ha, wenn ich jetzt meinen Mund da unter das
Vasser legen könnte, ich glaube, ich söffe ein ganzes
rzäßchen voll aus“, sagte er und reckte den Hals, bis
r fast die Sielle sehen konnte, wo, wie ein silberhelles
zand, der kleine Bach den Hang hinunter und in die
Lalschlucht sich ergoß.
Die Sonne ging unter, die Sterne kamen herauf
nd immer noch kämpfte der alte Mann seinen bren
ienden Durst nieder.
ZIcch darf nicht gehen, wenn es auch bloß fünfzehr
Fuß von hier weg ist. Ich darf es nicht tun. Es isi
im das verd—te Gold. Ne, das ist es nicht. Die nette
leine Frau glaubt an Seelen. So hell und klar blickte
ie aus den Augen, als lie das sagte. Nein, es is
icht bloß ums Geld, es ist um mein Recht. Zun
deufel, ein Kerl, der nicht für sein Recht sterben kann
»er ist nicht mehr wert wie ein Hund!“
Er richtete sich zu seiner vollen Höhe auf, schwankte
ber bei dem Versuch, zu gehen, so sehr, daß er sich
vohl oder übel wieder setzen mußte. Es hämmerte und
chmerzte ihn dermaßen im Kopfe, daß er kaum aus
en Augen sehen konnte.
„Es ist alles Dummerei, dieses Jappen nach einem
zchluck Wasser. Aber hängen lasse ich mich, wenn ich
licht alles und jedes, bloß nicht mein Recht, drum
Jzäbe, wenn ich bloß den Mund mal dort ans Wasser
egen und meinen alten Magen so recht voll kühlen
Lassers laufen lassen könnte.“
Bei diesen Worten sah er sorgfältig nach, ob di
zündschnur auch noch in Ordnung und richtig befestig
ei, um eintretenden Falles sofort den Sprengschuß ab
hen zu können. Dieg war iedesmal die letzte Obs
zenheit, und er hatte sie jeden Abend, er hatte verecit—
chon eine volle Woche im Tunnel zugebracht, getreu
ich erfüllt. Und heute, am achten Tage, sah er ebense
orgfältig nach; das eine Ende der Zündschnur und die
Zzündhölzer lagen beständig neben ihm. Tann legte
rsich auf seine Decken nieder und versuchte zu schlafen.
Was für Mühe er sich aber auch geben mochte, den
zchlaf herbeizulocken, er wollte nicht kommen.“ All
dnochen schmerzten und der Kopf dröhnte ihm; ern
välzte sich ruhelos von einer Seite auf die andere.
endlich sprang er seufzend auf:
„Verdammt will ich sein, wenn ich diesen Unsinn
loch länger aushalten kann“, nahm Zündschnur und
Streichhölzer, ging an die Mündung des Tunnels und
blickte nach der Hütte ihm gegenüber.
„Bloß Kompagnie halber,“ murmelie er vor sich
hin. Aber das Licht drüben war aus, alles war still,
nichts Lebendiges regte sich in der ganzen Schlucht, so
weit Jaspers Blick reichen konnte.
„Was die Luft einem gut tut!“ Er hob den Kopf
hoch, um sie besser einzuatmen, und als er dies tat,
ichlug das leise Gemurmel des Bächleins an sein Ohr,
wie es so lieblich zwischen Moos und Felsgeein nie⸗
derwärts rieselte.
„Herr Gott! Ich krediece bald vor Durst! Ob ichs
esklieren kann? Gerade fünfzehn Schritt hin und füns
ehn zurück. Die Jungens da schlafen wie die Ratten
Sind wackere Jungens sonst. Haben gegen mich sicher
nichts. Herr Gott, wenn ihre Hütte da brennen tät,
spränge ich gerade so gut hinüber um zu helfen? Ich
meine es wenigstens.“
Wieder lehnte er sich hinaus und lauschte dem Ge
riesel, bis er von Fieber und Durst schier von Sinnen
war. Trotz alledem vergaß er aber sein Recht nicht
rollte die Zündschnur ab, nahm die Streichhölzer zu
dand und murmelte: „Wenn sie sich mucksen, feure ich
3. Gott weiß, daß ich es nicht gern tue. Sind sons
paar ganz nette Bengels, alle beide.“
Leise kletterte er dann über die Barrikade und
fühlte, als er aufrecht in der frischen Nachtluft stand,
eues Leben und frischen Mut. Dann schlich er sich
ranicklos wie ein Indianer zu dem Bache. Um die—