Lawine. Aus Innsvpruaa wirvd berichtet: Auf
»ie Arlbergbahn ist infolge des heftigen degenwet
ers der leßzten Tage in der Nähe von Dalaas ein
große Erdlawine niedergegangen, als ein Personenzug
hzie Strecke passierte. Die Lokomotive und ein Wagen
wurden schwer beschädigt. Personen wurden nicht ver
etzt.
Wetterschäden. Vom Gardasee treffen Mel—.
zungen über außerordentlich heftige Unweiter ein,
e bedeutenden Schaden angerichiet haben. An einet
Ztelle wurde von den hohen Wällen die Kaimauer in
iner Länge von 50 Metern weg gerissen. Ein
Vtotorboot und mehrere andere Booie sind gesunken.
Milchnot in Paris. Seit einigen Tagen herrschi
in Paris schwere Milchnot. Ab 10 Uhr morgens sind
ille vorhandenen Vorräte ausverkauft. Erst in den jpä—
eren Tagesstunden kann man sich zur Not wieder ei—
ien Tropfen Milch verschaffen.“ Die Milchhändler ver—
ichern, daß es in den nächsten Tagen noc schlimmer
verden wird.
Zum Untergang der „Liberte“. Zu der Besprech⸗
ing einer Rede Deücasfees, die er bei dem Be—
zräbnis der Opfer die „Liberiee“ hielt, schreibt der
Figaro“: Der Minister spricht in so unerschrockenem
kbone davon daß er das furchtbare Geheimnis lüften
werde, welches die Katastrophe der „Liberte“ umgebe.
Ist es denn wahr, daß dieses Geheimnis so undurch—
dxinglich ist? Eine jener Enquetekommissionen, die Hr.
delcassee so energisch forderte, als er selber noch uͤm
die Eroberung des Marineportefeuilles kämpfte, würde
nit Leichtigkeit feststellen, daß der Mangel an Instruk—
ionen und die Vernachlässigung der Vorsichtsmaßregeln,
ie zu der Katastrophe der FJena“ führten, auch die
Arsache der Katastrophe der Liberte“ gewesen sind, die
hnegleichen in der Geschichte dasteht. — Wie der
Wetit Parisien“ mitteilt, wurden bei einer Panik in
Toulon anläßlich der Beerdigung der Opfer der Kata—
strophe der „Liberte“ an 230 Personen verletzt, darun—⸗
ter 80 so schwer, daß sie mehrere Tage das Bett hüten
nüssen.
Opfer des Sturmes. An der belgischen Küste wur—⸗
den mehrere Leichen angeschwemmt. Es laufen immer
neue Meldungen von Schiffbrüchen ein, bei denen zahl
reiche Fischer getötet und verletzt wurden.
Der Sturm. Aus Brüsfsel wird berichtet: Nach
Neldungen aus Vlissingen ift das belgische Pilotenbooi
Nr. 2 verloren und seine 17 Mann Besatzung ertrun—
len. Auch das belgische Pilotenboot 9 muß als ge—
sunken und etwa 183 Mann Besatzung als verloren gel—
en. Die Unglücksnachrichten von der Ostender Fischer⸗
lotte mehren sich. Zwei Ostender Schaluppen sind in
Domburg (Holland) gescheitert, wobei 83 Mann Besa tz⸗
ing ertranken. Zwischen Ostende und Mitielkerke schwemm⸗
en drei weitere Leichen an. Die Verluste an Men—
chenleben während des Slurmes sind nach den bishe
rigen Nachrichten in Belgien auf etwa 45, in Hollaud
ruf 69 anzunehmen, doch sieht zu befürchten, daß wei—
F Meldungen die Kahl der Verunglüdien noch er—⸗
põhen.
Dreifacher Mord. In Kidsgrobe bei London
wurde ein dreifacher Mord begangen. Es wurde eineé
Frau Weir, ihr Töchterchen und ihr Dienstmädchen er—
schlagen und Geld geraubt. Es scheint, daß ein Deut
schet der Mörder ift. Die Polizei erläßt einen Sied.
brief hinter dem Arbeiter KariKarme r, 31 Jahr«
alt, der anscheinend nach Antwerpen zu entkommen
at Karmer hat beim 131. Infanterie-Regiment ge.
dient.
17 Mädchen ertrunken. In Hiogo ist ein Boo!
nit 17 jungen Japanerinnen, die Wasserlilien suchten.
jelentert. Alle ünd ertrunken.
Zur Lebensmittel-Teuerung.
Berhin, 4. Pkt. Das Staatsministe—
i u B hat in seiner letzten Sitzung weiter Maßegelugegen
die Teuerung beschlossen, de—
en Veröffeutlichung rch die „Nordd. Allg. Zig.“ be—
orsteht.
Berlin, 4. Ott. In der morgigen ersten Voll—
itzung des BVund ates wird besonders als wich—
igsten Punkt der * ordnung der Notstand der
ßrennereien en werden, und zwar über
ie elben zu zrenden Vergünstigun—
gen. Es soll it tattet werden, Getreide zu
rennen, um die: el der Bevölkerung als Nah—
ungsmittel über“g kfönnen.
— — —
Von der Luftschissahrt.
szDie Johannisthaler Flugwoche. Die
Hewinne der einzelnen Flieger der Johannisthaler
Flugwoche beziffern sich wie folgt: Wettbewerb B Pietsch—
er 3716 M. (826 Min.), Suvelack 3258 M. (738 Min.),
Witte 28009 M. (632 Min.), Grulich 2711 M. (610
Nin.), Frl Beese 2498 M. (562 Min.), Kahnt 2009
MNark (452 Min.), Engelhardt 1818 M. (409 Min.),
Schirrmeister 1488 M. (335 Min.), Schwandt 1471 M.
331 Min.), Oelerich, 1404 M. (316 Min.), Caspar 1333
Mark (300 Min.). Schanenbura 1311 M. (295 Min
7*
ersten Worten, und Grace vrach avermals in laute Hei—
erleit aus. „Hahaha! Sie ahnen nicht, die ich mich
nuf den Zehen heranschlich, als ich so viele meines Ge—
chlechts beim fröhlichen Picknick zusommen sah. Dachte
ch mir, du hast keinen guten Schuß gehabt; nun, hier
st anderes Wild in Rudeln, und du willst wenigstens
hre Gedanken fangen. Ich empfand die größte Neu—
zier, zu wissen, worüber Sie plauderten. Zwar bin
a auch ich ein Weib, aber ich bin so wenig mit mei—
tesgleichen zusammengewesen, daß sie mir immer wie
Bögel vorgkommen, deren Schönheit in ihrem Gesieder
iegt. Ueber ihre Herzen erfährt man selten etwas Ge—
taues.“
Ihre Lippen kräuselten sich verächtlich bei den letz⸗
en Worten, dann sänftigte ihr Antlitz sich wieder, die
nerkwürdigen Augen blickten wieder auf Ruth, und sie
uhr fort:
„Gäbe es keine edlen, keine enthusiastischen Seelen,
iese Dame hier eingeschloessen, so könnten wir, die wir
ses Lebens Kampf und Sturm bestehen, bezweifeln, daß
'as Weib, die Perle der Schöpfung, überhaupt ein
derz habe.“ Sie lachte nochmals, sprang empor, war
hre Büchse in die Luft und fing sie wieder auf, wie
ibermütige Knaben wohl tun.
„Danke schön,“ sagte sie zu Ruth, und diese sucht
'as Frühstück nunmehr eilfertig vor einer etwaiger
iachträglichen Kritik zu verbergen. Weshalb diese Har
iet Grace auch immer gekommen sein mochte, wegen
des Essens war es nicht gewesen, das hatte sie deutlich
emerlt; das Essen war kaum berührt.
„Leben Sie wohl, ich verschwinde“ — Grace macht
ine abermalige schwebende Verbeugung, voll Anmu
ind Geist, wie alles, was sie tat. Sie ging ein oder
wei Schritte, wirbelte dann, als die Danen schnell ihre
körbchen aufssammelten, wieder herum, stützte sich wie—
zer auf ihre Büchse, blickte im Kreise umher und sagte:
„Es muß doch etwas Fesselndes um vornehme Da—
nen sein, denn selbst ich kann mich nicht losreißen.
kine von Ihnen kann noch etwas weiter mit mir spa—
ieren. Dies erzwinge ich nicht, ich erbitte es von
Ihnen.“
Sie sah prüfend von einer zur anderen und ließ
hre Augen zuletzt auf Ruth ruhen; und solche Machi
jatten diese sonderbaren Augen, daß, als niemand von
danuschke 1142 M. (257 Min.), Wertheim 862 M. (194
Nin.), Noelle 826 M. (186 Min.), Otto 578 M. (130
Pin, Roever 417 M. (94 Min.), Steinbeck 337 M.
763 Min.). Im Flugzeugwettbewerb A. erhielt Pietsch—
er den 1. Preis in Höhe von 5390 M., Suvelack den
2. Preis von 4609 Mi, Hellmuth Hirth wurde die Pla—
ette des Kaiserlichen Aero-Klubs für die größte er—
reichte Sehe zugesprochen.
*Prepellerlose Flugmaschinen. Dem
Lonboner „Observer“ wird aus New-York telegraphiert:
die Gebrüder Wright, die seit Monaten im flillen ex—
erimentiert haben, begannen mit Vorbereitungen zur
zrprobung ihrer neuen Aeroplane, die den gegenwärti—
en Typ der Flugmaschinen gänzlich umwandeln könn—
en. Ihre neuen Maschinen sind Meroplaneohne
Zropeller; die Wrights haben eine Vorrichtung
ervollkommnet, durch die, wie beim Vogelflug, dil
draft auf bewegliche Flügel wirkt, und die von einem
Lotor getriebene Schraube gänzlich wegfällt. Nach
zrer eigenen Ansicht erzielten sie einen Erfolg. Der
ilteste Bruder, Lorin Wright, traf in Kitty Hawk in
orth Carolina auf dem früheren Experimenherterrgin
er Brüder Wrieght ein und begann ein Lager zu er—
ichten. Mehrere Modelle des neuen Aeroplans werden
n den nächften Tagen dort anlangen, worauf die Pro—
en sofort beginnen sollen
— —
Vermischtes.
Von der Bierproduktion. Deutschland ist nicht
nehr das erste Bierland der Welt, als das es früher
ange gegolten hat. Noch im Jahre 1907 betrug vie
»eutsche Bierproduktion 73 707 000 Hektoliter und über
traf damit bei weitem die aller übrigen Länder. Für
das Jahr 1909 sind aber die Vereinigten Staaten mit
einer Bierpreduktion von 70 900 000 Hektoliter an die
erste Stelle gerückt, während von den deutschen Braue.
reien nur 68 700 000 Hettoliter hergestellt wurden. Ar
dritter Stelle steht die englische Brauindustrie mil
1000 000 Hektoliter. Die deutschen Brauereien expor⸗
ieren, dem „Prometheus“ zufolge, in der Hauptsache
ach Belgien, Holland, Frankreich, Oesterreich und der
S5chweiz, an fremden Bieren werden hauptsächlich öster⸗
eichische und geringe Mengen englische nach Demsch
and eingeführt.
Ein „glücklicher“ Ehemann. Das Staßfurter
'agblatt“ enthält folgendes Inserat:
„Endlich bin ich befreit von meiner Ehefrau Berta
Schröder in Leopoldshall, zweimal geschiedene Kruü—
zer und Franke, welche mich nun zum sechsten
Mal verlassen hat, um ihre heimlichen Neig⸗
ingen und ihre sündhaften Triebe besser ausführen
zu können. Fritz Schröder.“
Man muß Herrn Schröder zugestehen, daß er mit
einer ungetreuen Gattin lange genug Nachsicht geübt
jat, und man kann daher sein Glücksgefühl voll be—
rreifen.
Spanisches Gisenbahnidyll. In Spanien gibt der
Ztationsvorsteher das Zeichen zur Abfahrt des Zuges
ticht mit einer Pfeife, sondern er läutet eine Glocke,
vorauf sich der Zug langsam in Bewegung setzt. Mii
er größten Bereitwilligkeit wartet man auf Passagiere
ie sich verspätet haben, wenn man nur vom Bahnhoj
nus sieht, daß sie das Geläute der Bahnhofsglocke ge
zört haben und ihre Schritte munter zu fördern begin
nen. Eines Tages hielten wir, so erzählt ein Arbeiter
»es „Dimanche“, auf einer kleinen andalusischen Station
chon seit einer Viertelstunde, und es sah aus, als ob
er Zug überhaupt nicht mehr weiterfahren wollte. Der
Zztationsvorsteher lief ganz kopflos umher. Wir frag
en uns, was ihm wohl passiert sein könnte, und einer
on uns faßte sich ein Herz und richtete au ihn selbst
zie Frage. Und da erfuhren wir es denn: man hatte
em armen Mann die Glocke weggenommen, und ohne
zlocke konnte er den Zug nicht abfahren lassen! Und
vas war mit der Glocke geschehen? Ein Reijfender, der
m Städtchen noch etwas zu tun hatte, hatte, da ei
ürchtete, daß der Zug ohne ihn abfahren könnte, die
zahnhossglocke vorsichtshalber in die Tasche gesteckt!
Das gaze Los. In den „Fliegenden Blaͤttern
esen wir nachstehende Fabel: Im Lande der Kanel
ewann einer der Einwohner das große Los: tausen
hwerbeladene Heuwagen. Sehr vergnügt ging der Ge
oinner auf den ersten zu und schnupperte an ihm plötz
ich sehr ernst. Er ließ einen guten Rechner, natuͤrlic
uch ein Kamel, kommen, und dieser rechnete heraus
aß er, der Gewinner, samt seiner zahlreichen Fami
ie, fünfzig Jahre lang von dem Heu leben koͤnnte.
Fünfzig Jahre!“ rief der Gewinner erschrocken. „Wenn
vir nun aber nach diesen fünszig Jahren noch lange
eben sollten — Fas dann?“ — Und er, der seither
ozusagen stets von der Hand in den Mund gelebt
orglos und gut gelebt hatte, zehrte nun mit den Sei
ten, aus Angsi und Geiz, so sparsam von dem Reich
um, daß er und seine Familie — man sollte es gar
icht glauben — nach kurzer Zeit an Unterernährung zu
runde gingen. Das ganze Land, das in Ermangelung
nderer sein Erbe war, lebte, nach einem fröhlichei
eichenschmaus, einen Monat lang von dem Los-Heu
ind errichtete aus Dankbarkeit dem Erblasser ein praͤch
iges Denkmal mit der Inschrift: „Dem größten der
dA die Heinere“
en anderen sprach, Ruth schüchtern sagte:
„Ich — ich will ein Stücichen Weg mit Ihnen
ehen, wenn die Damen hier auf mich warten wollen.
Vollen Sie?“
Auf dies sanfte Ersuchen, unterstützt von Graces
inigermaßen befehlendem: „Meine Damen, Sie werden
varten, ganz sicher, nicht wahr?“ erfolgte ein einstim
niges: „Gewiß, wir warten.“
„Kommen Sie also, da Sie sich ja nicht vor je
nand fürchten, die Ihnen kein Haar krümmen würde.“
Mit diesen Worten entfernte sich Grace mit Ruth
us dem Fichtenwäldchen in der Richtung auf die kah—
en Berge und machte, als sie etwa fünfzig Schritt von
»en Damen entfernt waren, plötzlich Halt
„Ruth Telaney!“
Ruth juhr zusammen, als Hariet Grace ihren Na
men nannie und ihn sanft und leise noch mehrmal—
wiederholte, als ob die Laute ihr sehr angenehm seien.
Zärtlich blickte sie dabei in Ruths bestürztes Gesicht.
„Ruth Delaney, glauben Sie, ich sei hergekommen
uim die da zu sehen? Nein, von etwas Amüsememn
dielleicht abgesehen, welches Interesse können sie für
eine Vagubundin, wie Harriet Grace es ist, haben? Ich
zie ich mit wunden Füßen umherirre, verzweifelt ge
vorden bin, Verbrechen begehe — ich interessiere mich
sicht für Puppen. Aber — sieht mir ein Weib, ein
oldes, reines Weib, ins Gesicht, so schreit meine Seele
zo hättest du sein wenn — went —“ Di—
Amme erstickte ihr in der Kehle, iyr ganzer Körpe
‚ebte, aber nicht von Lachen; sie schob die Büchse zur
deite und wandte ihr Gesicht ab.
„Ach!“ Inniges Mitleid schwellte Ruths Brust und
indte seinen Tau in ihre Augen. Sie hatte gehört,
ies Weib sei schlecht; sie wußte, daß sie in aller
Munde war; aber jetzt, wo ihre innerste Natur in
oiesem Ausbruche laut aufschrie, sah Ruth nun, daß sie
ein Weib, ein unglücliches Weib war, wie sie selbst.
„Harriet“, sagte sie sanft, „eine der größten Heili—
en war einst die größte der Sünderinnen. Nicht, daß
h damit über sie richten will — ich meine nur, daß,
»enn Sie Böses getan, Gott Ihnen verzeihen, Sie
sieder lieben wird, wenn Sie nur bereuen.“
Gott! Ja,“ nie nickte die Achseln. Gott veraibl
Sonderbare Ueberwachung. Im Berliner Fern
sprechnetz ist eine Einrichtung ins Leben getreten, di
dazu bestimmt ist, den Betrieb der Aemter einer dauern
den geheimen Ueberwachung zu unterwerfen. Das Fern
prechkontrollamt ist nämlich mit sämtlichen Fernämtern
von Groß⸗-Berlin durch Doppelleitungen verbunden wor—
den. Die Beamten sind nun in der Lage, alles zu
hören, was die Beamtinnen und allerdings auch die
Teilnehmer (l, sprechen. Auszüge aus den Aufzeich—
uungen werden täglich den betzreffenden Fernsprechäm—
sern und der Oberpostdirektion übersandt. (s) — Die
Berliner haben also das seltsame Vergnügen, daß un
er „Wahrung des Amtsgeheimnisses“ unter Umständen
hre privatesten Dinge, die sie dem Draht anvertrauen,
n Umlauf gesetzt werden. Vielleicht entschließt sich die
Berliner Postvberwaltung noch zu einer weiteren, ebenso
zweckmäßigen Komplizierung, nämlich zur Schaffung ei—
ner Polizei zur Ueberwachung dieier Ueberwachungs—
postpolizei. D Red.
Engelhards Glaube an seinen Stern. Der vor
wenigen Tagen verunglückte Pilot Kapitän Engelhard
Jaubte nicht, daß ihm einmal ein tödlicher Unfall beim
Fliegen widerfahren könnte. Gelegentlich seiner Flüge
in St. Moritz, Ende Februar, hat er sich, wie die „V
3.“ mitteilt, einmal darüber ausgesprochen. Die Flüg
mißlangen zunächst in der dem Flieger ungewohnten
Atmosphäre des 1800 Meter hoch gelegenen Ortes. En
zgelhard wurde unwillig und wollte den Erfolg er—
zwingen. Santos-Dumont, der aus Partis zu den Ver—
uchen herübergekommen war, mahnte zur Vorsicht, wenr
hn auch die Fähigkeiten Engelhards als Flieger ir
krstaunen setzten. „Sie sind mir zu waghalsig!“ rief er
ein über das andere Mal aus. „Mehr Geduld! Mehr
Geduld!“ Auf die Frage, ob er nie das Gefühl habe
daß ihn bei seinen Flügen der Tod umschleiche, erwi
derte Kapitän Engelhard: „Nie überkommt mich ein der
artiges Enpfinden. Ich habe keinen anderen Glauber
ils den Glaube an meinen Stern. Es ist Verrücktheit
kitelleit, werden Sie sagen. Aber nennen Sie es, wi
zie wollen. Ich habe den festen Glauben, daß ich in
neinem Beruf den Tod nicht finden werde. Eine in
iere Stimme sagt es mir, und darum wage ich aud
nanchmal mehr, als ich eigentlich sollte.“ Santos⸗Du
nont warnte, man sollte der inneren Stimme doch nich
illzu sehr vertrauen. Engelhard aber lächelte um
neinte nach einigen Augenblicken des Nachdenkens: „Hö
en Sie, lieber Santos-Dumont, machen Sie mich nich
in meinem schönen Glauben irre! Wenn ich den ver
iere ... Nein! Ich weiß, dieser Glaube irügt nicht.
Ddas Bewußtsein, daß ich in der Luft nicht untergeher
ann, macht mich selig!“
Verbotener Eingang! Wir lesen in den „Münch
ier Neuesten Nachrichten“:: In dem schönen Wäldcher
wischen dem Haag und Scheveningen erhebt sich jehl
iahezu vollendet, der monumentale Friedenspalaft, de
sen großmütiger Stifter Carnegie ist. Das graziöst
Türmchen der Fassade hebt sich schon stolz in die Lüfte
und bald wird der Palast auch im Innern vollende
werden und die zahlreichen Kunstwerke aufnehmen kön
nen, die zu seiner Ausstattung aus Frankreich, Deuisch
land, England, Italien, Belgien und anderen Länder
versprochen worden sind. Vorläufig ist der Friedens
tempel noch geschlossen, und man uest in großen Buch
taben über seinem Eingang die Inschrift: Verboten
oegang!. Die Spannung der politischen Lage in Eu
ropa gibt dieser Inschrift jetzt eine ironische Bedeutung
oon ungeahnter Wahrheit: bis auf weiteres ist der Zu
zang zum Friedenstempel wirklich verschloffen.
Eine Heiratsschwindlerin treibt seit einiger Zei
in Berlin und Umgegend ihr Unwesen. In der Regel
verlegen sich Männer auf diese Spezialitaͤt, daß sich
iber auch Mädchen darauf verstehen, zeigt diese Gau⸗
ierin, eine 33 Jahre alte aus Lübbecke gebürtige Luise
lmalie Charlotte Strauß, die auf diesem Gebiele schon
iel Erfolg hatte, aber auch schon viele Jahre ihres
Lebens wegen Betruges, Diebsiahls, Unterschlagung ꝛc
n Gefängnissen und Zuchthäusern zugebracht haͤt. Ihr
ieuester Trick ist die „ehrbare Bekanntschaft“. Sie
nüpft nur mit anständigen jungen Leuten aus guten
Familien an, hält streng auf Formen und ist sehr zu—
ückhaltend. In ihren Unterhaltungen spricht sie viel
oon den reichen Besitzungen ihrer Eltern in der Nähe
on Lübbecke. Um ihren Verehrern gegenuͤber in einem
ioch besseren Lichte zu erscheinen, legt sie fich in den
neisten Fällen auch einen adeligen Namen bei. Zuletz
nannte sie sich Gerda von der Recke. Weil eine Fami⸗
ie dieses Namens in der Nähe von Lübbecke —XR
st, so kommt ihr das besonders zustatten, wenn ihre
Anbeter sich erlundigen. Zu ihren Hilfsmitteln gehören
—XI — von der Mutter“, die regelmäßig erschei
ien, sobald die Gaunerin ihre Opfer soweit gebraͤch
hat, daß sie sich mit ihr verloben. Handschrift und Sti
dieser Briefe müßten allerdings die jungen Leute stutzie
machen. In ihrer Verliebtheu aber sehen sie darübel
um so eher hinweg, als der Inhalt ihnen sehr gefällt
Denn die „Mutter“ billigt nicht nur die Wahl ihren
Tochter, sondern verspricht auch dem zukünftigen Schwie
rsohne gleich die Verwaltung ihret großen Besitz
ümer. Diese glänzenden Aussichten, die einen junge.
Mann sogar veraniaßten, seine sichere Lebenssielluͤn
A
nir vielseicht; aber wo wohnt er? Wo ist der —
en er für solche, wie ich nun einmal bin, vorsiehte
Venn ich bereue, wohin könnte ich gehen? Meine Ge
tossen würden mich verstoßen, und wo ist eine Zu
lucht, ein Heim, das sich sonst für Harriet Grace öff
ten würde?“
Sie wandte Ruth bei den letzten Worten wieder
hr Gesicht zu. Noch schwammen die Augen, noch hin—
zjen Tränen an den Wimpern und rannen langsam über
die Wangen, aber der Mund lächelte, als ob das Wort
steue etwas unwiderstehlich Komisches für sie in sich
derge, und diese Komik jedes andere Gefühl überwäl
igt habe.
Das Lächeln wurde lebhafter und lebhafter, bi
iuch die weißen Zähne lustig blinkten und die Auger
benfalls wieder von der Lustigkeit angesteckt wurden
das ganze Gesicht sah aus wie der Frühlingshimme.
ei einem Aprilschauer, unterdessen Ruth, ernst und mit
eidig, in Gedanken damit beschäsftigt war, einen We—
uusfindig zu machen, wie man sich der reuigen Grac«
nnehmen könne. Langsam und leise anfänglich, abe
uversichtlicher und ernster werdend, je länger sie sprach
ßerte sie ihre Gedanken:
„Ich — ich habe keine Freunde, als nur meinen
Nann, und er hat sich, weil er mich geheiratet hai
nit seiner reichen Familie überworfen. Stände id
illein in der Welt, so würde ich jetzt zu Ihnen sagen
ommen Sie heim zu mir, Harriet, Gott hat Ihnen
ine Heimat beschert. So aber muß ich die Zustim
nung meines Mannes erbitten. Er wird sie geben
»as weiß ich, das hoffe ich, wenn er sieht, wie erns
s mir mit dieser Bitte ist. Er liebt mich: er wird es
nir nicht abschlagen.“
Aber als jhre Gedanken zu Delaney zurückwander
en, als sie sich erinnerte, wie stolz er auf seine Her
unft und Familie war und wie sehr er alles verab
heute, woran sich nur irgendwie Klatsch und öffent
icher Skandal heranwagen konute, schwand die lieblich
döte von ihren Wangen, ihre Lippen zitterten und de
Ilick, den sie jetzt zum ersten Male zu Harriet Graces
lugen emporhob, forschte flehentlich und ängstlich in der
zügen ihres Gegenüber nach einer gewissen Zuversicht
Eüunsche — EAfullen, wenn fie fich einm
augenblicklicher Verlegenhen befinden das egnnn
nicht allzu selten vor. Mancher Bewerber ist so sa
iele hundert Mark losgewoxden.
Kümmel trinkt er keinen mehr. Im ZSel
brechtser Anzeiger“ steht folgendes Inserat: „Verbi—
jedermann, mich weiterhin Kümmeldrescher zu nenne
da ich Anzeige erstatte, weil ich keinen mehr trin
Fohann Drescher.“ — Was trinkt er jetzt für einen?
Zahubürstenklubs. Eigenartige Klubs besteh
seit einigen Wochen in mehreren Schulen der Vorstã
Zondons: Zahnbürstenklubs. Sie sollen dem 3w
dienen, das Interesse fur Zahnreinigung bei der Sch
nigend zu wecken. Sie wurden auf Auregung der 8.
ter gebildet uind geben diese den jungen Mitglied.
pnacht einige kurze Anweisungen uber Zahnreinegu
ie Lehrer daufen Zahnbürsten im ohen ein und
den sie an Schuttinder fuͤr 20 Pfig. pro Snich ob,
art, daß die Zahlung in NRaten zu 4 ꝛesp. 2 Pig
Woche erfolgen kann Ser alle afu sige Gewin:
berwendet, um den besonders armen Kindern die *
gratis zu liefern. Es hat sich gezeigt, daß sich
inder gerne den kleinen Klubs anschließen und sog
Beld zu sparen suchen, um ihren CEliern als Gebu—
aosgeschenlte Zahnbüriten andieten zu können.
** —8
Neueiste Meldungen
*KKöln, 5. Okt. Die „Kölnische Zeitung“ melder
Teheran: Ein Telegramm aus Täbris besagt, .
der Nachricht von der Niederlage Salar-ede da
heh's habe sich Schuaed-Dauleh den Täb
sern ergeben. Er habe auf Pardon gehofft, sei
gefangen genommen worden und solle nach dem E
treffen Ainced-Daulehs, des neuen Statthalters, al
urteilt werden. — Salar-ed-Dauleh ist in Hamadand
den Regierungstruppen eingeschlossen. In Jesd su
die Unruhen durch Emir Assam unterdrücktt worden.
Tod Schua Saltanehs, des Bruders des ehemalig
Schahs. insolge der Verwundung bei Sawadkuh w
erneut bestaätigt. Gefangene aus den letzten Geiecht
ind hier eingetroffen
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland
*Aachen, 4. Oklt. Im Wiederaufnahm
Verfahrenfreigesprochen.) Der Domschn.
zer Wierbeck, der wegen eines angeblichen Uebersall⸗
auf ein Mädchen eine Gefängnisstrafe von zwei Jal
ren drei Monaten verbüßt hatte, wurde vom Schwu
gericht im Wiederaufnahme⸗Verfahren freigesprochen
Das Mädchen legte, von Gewissensbissen gequaält,
GBeständnis ab, daß Wierbeck unschuldig sei. Ein un
bekannter Mann, mit dem sie vor die Stadt gegangen
war, sei der Schuldige. Aus Furcht vor ihrem siru—
gen Vater habe sie die Wahrheit nicht sagen wollen.
* Frankfurt, 4. Olt. Gerschwundener Bö
senmakler.) Der Börsenmakler Furchheimer ist ve
schwunden. Seine zurückgelassenen Verbindlichkeiien
döhe von etwa 300 000 Mark entfallen zum größt
Teil auf Berlin und London.
* Buchum. 4. Olt. GEi ne neue Lohnb
wegungeder Bergarbeiterr) Zu einer M
dung aus Wanne über eine neue Lohnbewegun—
der Bergarbeiterschaft erfährt ein Berichterstatter
„»Fr. Zig.“ von zuverlässiger Seite folgendes: In du
Reviertonserenzen des Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein⸗
die unlängft in Dortmund, Wanne und Oberhausen sta—
gefunden haben, bildete einen wesentlichen Gegenstan
der Beratungen die herrschende Lebensmittelteuerun
⸗on der die arbeitende Bevölkerung des rheinisch⸗-we
fälischen Industriebezirks besonders dat betroffen werd
Von den anwesenden Arbeitervertretern wurde «
Zrund der Erörterungen vorangegangener Ortsversam
lungen die Notwendigkeit betont, Schritte zu tun,
dem bestehenden und üch vorgussichtlich noch veisch,
enden Notstande entgegenzuwirken. Es wurde beton
aß die gegenwärtigen Löhne den gesteigerten Anspt
hen an die Lebenshaltung nicht genügen, und man be
eichnete es als zweckmäßig, an die Werkverwaltunge
vegen einer Erhöhung der Löhne heranzut
en. Die Verbandsleitung hat sich daraufhin im Sim
der empfangenen Anregungen mit den übrigen in Be
racht kommenden Bergarbeiterorganisationen in Ver
bindung gesetzt und eine gemeinsame Stellungnahm«
orgeschlagen. — Aus Könn wird berichtet: Der Alu
Bergarbeiterverband und der Christliche Bergarbeiten
zerband haben sich bis jetzt im Prinzip bereil erklär
ie Lohnbewegung gemeinschaftlich mit dem Hirsd
Dunckerschen Gewerkverein der Bergarbeiter aufzunel
men. Da es als sicher anzunehmen ist, daß auch de
anderen Organisationen zustimmen, dürfte eine Lohnb
wegung in Kürze eintreten.
*Von der Weser, 4. Okt. (Schiffahrt.) 8
Wasserstand der Weser hat sich so gehoben, daß die W
serschiffahrt wieder eröffnet wird. n
—çoAAW —
Grace moöoge glauven, was sie, Ruth, nur zu hosfit
wagte.
„Ach, sind Sie aber köstlichl!“ Lustiger als zuß
erscholl Graces Lachen. „Sie sind einsach köstlich!
Ihrer holden Unschuld glauben Sie ohne weiteres
die Belehrung der Sünderin und an die sofortige
reitwilligkeit eines Mannes im öffentlichen Leben,
von der sogenannten Gesellschaft Ausgestoßene in
Haus aufzunehmen? Ruth Delaney, ob es wohl
mals ein Weib gegeben hat wie Sie? Liebstes
schöpfchen, zehn Jahres meines Lebens gäbe ich,
um Sie jetzt küssen zu dürfen.“
„So küssen Sie mich, wenn Sie wollen,“ erwier
Ruth, immer noch von tiefstem Mitleid für diesenn
glückliche bewegt.
„Sie küssen!“ Harriets Lachen klang jetzt fast m
ein Aufschluchzen, „ach, liebes Seelchen, mil diesen We
bern da als Zenginnen, würde mein Kuß Sie schlin
mer treffen, wie ein sengender Blitz; ach, die Händ
brennen mir förmlich darnach, die Ihrigen zu nehm
und zu drücken, und doch täte ich es nicht, und wen
es niein Leben gälte, es sei denn, ein barmherzige
Zufall schlüge diese zwanzig gierigen Augenpaare d
drüben für einen Augenblick mit Blindheit. Nein, id
habe ein Leben der Gefsahr, ein Leben ohne menschl.
hes Recht und Gesetz gelebt, habe Gutes und Böse
gesehen, und zwar“, sie zuckte die Achseln und war
den Kopf zurück, „leider Böses in überwiegendem Maße
aber ein so liebes Geschöpf wie Sie, Ruth Delanet
habe ich nie gefunden. Sie erinnern sich meiner nicht
Nein? Aber ich kann kein Wort, keine Gebaͤrde vo
Ihnen vergessen. Selbit das Kind, was Sie trugen
ist mit teuer geworden. Ihretwegen habe ich in Raͤpi
Lity ein Geschenk dafür zurückgelassen. Ich möcht
Ihnen etwas von mir geben und etwas von Ihn
haben. Nehmen Sie dies, es ist ehrlich mein. J
habs im Sande gefunden, als ich zu diesem Pickn
Jerkam, lediglich in der Absicht, Sie zu sehen. Lass⸗
Sie etwas für mich zur Erde fallen; ich will's a
jeben und mich fortmachen, damit ich nicht, wenn
zier noch länger stehe und durch diese klaren Augen
Ihre liebe Seele schaue, schließlich noch etwas
vas Ihnen schaden könnte. Schnell!“