Rustmord. Im Walde in der Nähe von Dobrzau
vurde die geiesselte Leiche eines 18jährigen Dienstmäd
hens mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Wahr—⸗
cheinlich lieat Lustmord durch Zigeuner vor.
Ueberfall durch Räuber. Eine aus 135 Mann be—
tehende Räuberbande überfiel im Torek⸗Gebiet (Kauka—
us) eine Babhn⸗Kommission. In dem Gejecht, das sich
ntspann, wurden ein Räuber, 9 Reiter, 2 Beamte, ein
Afizier, ein Monteur und ein Fuhrmann getötet. 4
steiter, 2 Fuhrleute und ein Ingenieur wurden ver—
wundet. Der Ingenieur wurde gefangen genommen.
die Getöteten wurden von den Räubern ausgeplünderi.
Die Verfolgung der Raͤuber ist von einem Offizier und
14 Neitern aufgenommen worden.
Odessa pestfrei. Da die Pesterkrankungen in Odessa
aufgehört haben, beschloß die sanitäre Kommission, die
Vtaßregeln gegen die Pest aufzuheben und zu beantra—
gen, Odessa fuͤr pestfrei zu erklaͤren.
Großes Unwetter. Ein heftiger Gewittersturm
vütete in Bagnara. Der Bahnhof wurde über
schwemmt und das umliegende Land verwüsiet. Einige
Baracken sind eingestürzt. 25 Personen sollen umge.
lommen sein.
Die Cholera nimmt in Uesküb neuerlich zu
ẽs lamen 25 weitere Erkrankungen vor, größtenteils
inter den Bulgaren.
Vermischtes.
Mommende Damenhüte. Eine Ueberraschung aul
»em Gebiete der Damenhüte, die vielleicht den durch
ven Jagowschen Huterlaß zu schwer bedrohten Damen
die heiß ersehnte Rettung bringen könnte, wird durch
die Neuheiten einiger Pariser Firmen in die Mode ein
geführt. Es handelt sich dabel hauptsächlich um kokett
NKützen und weiche Toques, die, — nach Belieben ver—
leinert werden können. Man sieht da z. B. eine ent
zückende Mütze aus Wperteee Samt mit Pelzbesatz, die
die Form eines Schmetterlingsnetzes hal und eine rech
anständige Größe aufweist. Unter dem Kinn wird dies
okette Kopfbedeckung mit zwei Bändern, ebenfalls aus—
chwarzem Samt, befestigt. Und wenn nun die Dam
diese Bänder fester anzieht, dann verringert sich auf ein
mal die Größe der Mütze, sie wird immer niedlichen
und schmiegt sich immer enger der Kopfform zu. Dase
ist das Geimnis des neuen „zusammenziehbaren Hutes.“
RFeizende Gebilde gus Pelz, Sanit und Spitze, die maͤt
Muff und Handtasche eine ganze Garnitur darstellen
hbieten sich so dem Auge der Damen in der reichen Fülle
kostbaren Materials dar und lassen sich doch zu⸗
AUeich zu bequemer Kleinheit reduzieren, wenn es das
Auto oder vielleicht auch das Thealer erfordert. Bei den
modernen Kopfbedeckungen läßt sich im allgemeinen dit
Tendenz feststellen, daß fie so viel als möglich vor
der Frisur sehen lassen. Entweder werden die breiter
krempen hoch aufgeschlagen oder fie sind so angebracht
daß sie das Haar nicht verdecken. Die neuen Mützen
werden sich an Eleganz durchaus neben den großen Hü
en behaupten; ihr Schmuck, der aus dem herrlichsten
Pelz und den teuͤersten Spitzen besteht, verleiht ihnen
eine besondere Kostbarkeit, zu der als pikante Beigabe
noch die Ueberraschung“ des Zusammenziehens kommt
Zeppelin, Euler und das Kördelchen. Ein Mit
rbeiter des „Fr. G.A.“ erzählt folgenden niedlichen
Dialog zwischen Onkel und RNeffe. Was machst Di
denn, Kleiner?“ — Ich schreibe.“ — „Was denn?“ —
An meinem Onkel, er soll mir ein Luftschiff mitbrin
jen“ —-„So ein großes, mit einer Kordel dran
Mit einer Kordel— Für was denn? „Nun, daj
nan's halten kann.“ — „Halten? Ich denke, das flieg
doch von allein?“ — „Ach nein — man muß's doch
dalten.“ — Ja, wird denn der „Zeppelin“ auch gehal—
en?“ — „Ja, der Zeppelin hat auch 'ne Kordel. Ich
dab's gesehen,“ — „Ja, wer hält denn den „Zeppelin“,
venn er fliegt? (Pause.) Na, von wem wiurd dann
»er Zeppelin“ gehalten?“ —, Vom Euler.“ — (Wie kürz⸗
ich die ‚Schwaben“ nach Fraͤnkfurt fuhr, wurde sie au
hrer letzten Etappe von einem Euler⸗Piloten mit Pas—
agier begleitet, der infolge der optischen Täuschung
irekt über ihr zu fahren schien) „So, so — vom Eu—
er. Ja nun, wer hält denn den Euler? Hat der auch
ne Kordel?“ (Pause.) „Ja nun, der muß doch auch
jehalten werden, sonst fallt er doch runter?“ „Wer häli
hn denn?“ — „Sein Bruder.“ — „So — sein Bruder!
Fzo denn?“ — „Ach, der hält ihn va (Hinten am
eragen.) — „So so, da wird der von seinem Bruder
jehalten! Ja nun, wer hält denn jeht den Bruders
— „Sein Großpapa, sein .“ —ch nein, es haben
»och nur zwei Leute dringesessen, da kann ihn doch
ein „Großpapa“ nicht gehalten haͤben? Hat denn der
Euler“ keine Kordel?“ — „Nein.“ — „Nicht? Ja, da
ällt er doch runter? Wer hält ihn' denn? Pause!)
»m?“ — „Ach, niemand, der fliegt von allein.“ „Von
illein?? Ja wieso denn?“ — „Ach, der hat so ein
städchen. Da dreht er als dran. Und da geht's von
elbst. Ich schreib' jetzt weiter.“
Gazellenbraten in Paris. In Paris versucht man
zuf originelle Weise der auch dort herrschenden Fleisch⸗
ot entgegenzuwirken. Schon vor zwei Jahren kam ein
Wildbrethandler auf dem Montmacßtre auf die Idee
—
wouen wir nichis zu min yaben,“ sagte einer der Rei—
senden verächtlich, und so allgemein und aufrichtiq
timmten die Andern dieser Aeußerung zu, daß dei
winselnde Schmierfink sich in eine Ecke zurückziehen
mußte, wo er sich selbst etwas vorstöhnen konnte.
Er lamentierte fort bis man Rapid City erreichte
hier wurde das Frühstück eingenommen und eine Stund
dast gemacht, unterdes Ruth Gelegenheit hatte, die
aar armseligen Häuser zu betrachten, die sich dieses
solzen Namens erfreuben und so enge wie möglich auf—
inander und aneinander gepfercht waren, als ob sie
ich vor der mächtigen Wüste. an deren Rande sie er—
ichtet, fürchteten.
5. Kapitel.
Eine Goldgräberstadt.
Das erste rosige Morgenlicht zog am grauen däm—
nerigen Himmel auf, als Ruth wieder auf ihren frü—
jeren Sitz auf dem Kutscherbock kletterte und ausspähte,
vohin die Reise nun gehen sollte.
In weiter Ferne bezeichnete eine dunkle Linie am
dorizonte die Berge, denen ihr Reichtum an Cedern
ind Fichten ihren Namen gegeben: „Die Schwarzen
Berge.“
„Fast sind wir schon da, Liebster,“ sagte sie zu
delaney, und ihr Lächeln war so hell und sonnig, wie
der junge Tag. Ruth war froh gestimmt; die Frau
mit den Kindern hatte an der Wirtin dieser Station
eine Freundin gesunden. Als sie die Kleinen zum Ab⸗
cchied geküßt, hatte die Frau ihr zugeslüstert:
„Ich habe Glück, junge Frau. Hab' die Stelle als
Zöchin hier angeboten gekriegt. Fünzig Dollars per
Nonat, und die Kinder können immer bei mir sein.
Ja, und mein Mann arbeitet auch in demselbigen Camp;
der Stationswirt kennt ihn. Er hat uns im Stich ge⸗
assen, aber Frauen sind rar hier, und am Ende kommt
r doch noch wieder an. Tut ers nicht, so lasse ich mir
arüber auch keine grauen Haare wachsen; kann ja meine
dinder jetzt ernähren und sogar noch etwas auf die
dante legen.“
Für Ruth war das eine in wenig Worten zusam⸗
nengedrängte leidvolle Geschichte, die ihr Mitleid aufs
Liefste erregte. Doch Ruth war zu gefühlvoll und zart.
Rie Frau selbst sah nur die Sonnensfeite: nach einem
ameifleisch in den Handel zu bringen. Er fand aber
ei den Einwohnern der Seinestadt wenig Sympathie
ir sein Unternehmen. Jeßt bietet — so' melvet die
eutsche FleischerZeitung — ein Händler der Pariser
dackthalle Gazellenfleisch zum Verkauf an und verlangt
afür nur 1,20 bis 1,60 Franken für das Kilo. Seim
ieferant ist ein Schlächter zu Mettlaoui in Tunmis,
er Schlächter macht übrigens gar kein Hehl daraus,
aß er von eingeborenen Wilddieben versorgi wird, die
nier den Augen der zuständigen Behörden Jagd auf
ie schönen Tiere machen. Ein Pariser Blatt neint zu
er Reldung, daß dieser Versuch, der herrschenden
leischleuerung zu steuern, angesichis der hohen Preise
ir Ochsen- und Hammelfleisch mindestens dissktutabel sei,
orausgejetzt, daß das Gazellenfleisch dem verwöhnten
jeschmack der Pariser entgegenkommé
Eine ungeheure Wasserkatastrophe ist über Ser—
es, einer Station der Linie Saloniki⸗-Konstantinopel,
ereingebrochen. Der an der Stadit vorüberfließende
tassastfluß, welcher seit Jahren immer mehr verschlammi
ind dessen Niveau im letzten Jahre allein um drei Me—
er gestiegen ist, hat durch gewältige Regengüsse die
interen Stadtteile überflutet. Das Unheil brach über
sacht herein. Innerhalb einer Stunde standen in den
nteren Quartieren der Stadt die Gebäude bis zum
sten Stockwerk unter Wasser. Die Bevölkerung hatte
as VRenjahrsfest gefeiert und lag in liefem Schlaf, als
as Wasser heranbrauste. Alles stürzte unbekleidet in
ie oberen Stockwerke. Furchtbare Szenen spielten sich
b, grauenhafi verstärkt durch die undurchdringliche
zinsternis. Von allen Seiten drangen die Hilserufe
us den unteren Stockwerken hervor. Bei Tagesan—
ruch zeigte sich die Katastrophe in ihrer ganzen Furcht—
arkleit. Die Zahl der Toten muß bedemend sein.
dauptsächlich werden viele Kinder vermißt. Außer Men—
chen, welche sich auf die Dächer und die oberen Stock—⸗
verle retten konnien, sind alle Lebewesen in den un—
eren Stadtteilen ein Opfer der Fluten geworden.
Die wahre Höflichkeit. Die Tochter des Präsi—
enten Taft, so liest man im „Washington Star“, saf
ei einem diplonatischen Mahl in Waͤshinglon neben
nem geschätzten sranzösischen Reisenden. Der Franzose
nterhielt seine Tischdame damit, die Vorzüge seiner
'andsleute herauszustreichen und sagte schließlich: „Wir
tranzosen sind die höflichsten Leute der Welt. All
zöller geben das zu. Die Amerikaner sind ja ein
resffliches Voll, aber die Franzosen sind ihnen in der
öflichteit voraus, das muͤssen Sie selbst doch auch zu
eben, nicht wahr?“ Fräulein Taft erwiderte lächelnd:
Ja. Das ist un se re Höflichkeit.“
Eine Verbrecherjagd im Aeroplan. Der franzö
sche Flieger Simon, so berichtet man aus Amerika,
var dieser Tage geräde in Watseka, einer kleinen Stad
n Illinois, angelangt, als ein Polizeikommissar, der
uf der Verfolgung von drei flüchtigen Mördern war,
uf die Idee kam, die Flugmaschine seinen Zwecker
ienstbar zu machen. Simon ging bereitwillig auf die
zdee ein und nahm den Beamten an Bord. Bald ent
eckte der Polizist aus der Höhe einen der Raubmör
er in einem Maisfelde. In einer Minute war mar
n seiner Nähe. In der Freude, einen Aeroplan st
jahe zu sehen, kroch der Verbrecher heraus und winkl
ind grüßte mit den Armen zu den Fliegern herauf
ber sein Enthusiasmus verwandelte sich zum grimmer
entsetzen, als er den Polizeikommissar erkannte, bei des
en Anblick er schleunigft das Weite suchte. Äber der
rärm, den die Flieger schlugen, hatte die Gegend mo
il gemacht, und so gelang es nach kurzer Verfolgung
en Flüchtling dingfest zu machen. — Wahrheit oder
Humbug?“
Fraucenregiment in Kansas. Eine Zählung der
n Kansas tötigen Staats- und Gemeindebeamten, die
urch öffentliche Wahl zu ihrem Amte gelangt sind,
ringt das überraschende Ergebnis, daß der Siaat Kan
as in der Zulassung von Frauen zu den öffentlicher
lemtern wahrscheinlich an der Spitze aller Staatswesen
narschiert. Nach der amtlichen Staͤtistik liegen in den
dänden von Frauen folgende Amtsstellen: 45 Ober
chulinspektorsssellen, 5 Grafschaftssekretäre, 6 Landge
ichtssekretäre, 2 Amtsrichterstellen, 1 Bürgermeisterstelle
ind 5 Zahlmeisterstellen bei der Kreiskasse. Dazu tre
en noch 10 weitere Frauen, die durch öffentliche Wahl
m Gerichtsdienst als Beamte angestellt sind, so das
»as Volk von Kansas bisher durch Stimmenmehrheu
ticht weniger als 74 Frauen in den Staatsdienst oder
n. die Kommunalperwaltung erwählt het. Dazu trel⸗
och die Beamtenstellen, die nicht durch öffentliche Wahl
ergeben werden. Die einzigen amtlichen Berufe, in
enen heute in Kansas noch keine Frauen wirken, sind
ie des Staatsanwaltes, des Polizeichess und die des
ounty Commissioners.
Die Kraft der Meereswellen. Ueber die Höhe
er eigentlichen Meereswellen macht man sich gemeinhin
echt übertriebene Vorstellungen. Wird doch auf hoher
See die Höhe von 15 Meter kaum überschritten. Und
n diesem Falle handelt es sich um Wellen, die in der
Länge 300—400 Meter messen. Man kann demnach
chwerlich von „Wellenbergen“ sprechen. Und im i
antischen Ozean wird man die Wellenerhebungen im
Durchschnitt aui nicht meht als 8 Meter HSöhe schätße
Weilchen schlug Ruths Witleid also zu einem Greeck
vunsch um.
„Es sreut mich, daß Sie zufrieden sind,“ sagte sie.
„Ja, das bin ich jetzt“, antwortete die Frau, und
stuth fühlte sich also beim Anbruch ihrer Weiterreise,
vo sie wußte, daß der Kleine und seine Mutter ein
deim gesunden, um so fröhlicher gestimmt.
Je weiter sie kamen, desto schöner wurde die Ge—
zend. Zwischen saftgrünen Moofen und nickenden Far⸗
nen sprudelten kleine Quellen hervor. Bächlein und
Wasserläufe glitzerten und blinkten im Sonnenschein, da⸗
wischen wechselte Birken- und Weidengebüsch, und je
iäher sie den Bergen kamen, desto mehr belebte sich
»as ernste Dunkel der Nadelhölzer mit dem helleren
raub der verschiedenen anderen Bäumie.
Einmal in den wilden Bergen selbst, riß die wun—
»erbare Manigfaltigkett der wilden Blumen Ruth au
ellem Entzücken hin.
„Das reine Paradies!“ hatte Ruth entzückt gerufen.
doch bald verloren die hübfschen Bächlein und glitzern⸗
den Wasserläufe ihre holde Schönheit; schmutzig, rot und
räge sickerten sie dahin, dick mit dem Schlamm gefüllt,
»en menschliche Habsucht und Gier in kleinen Hügeln
in den Ufern aus der Erde gescharrt, Maulwurfshügel,
die die Blumen begruben, die Landschaft entstellten, die
aber — Gold in sich bargen.
Als sie in den Talkefsel einbogen, worin das Zie
hrer Reise lag, wurde auch der Kutscher lebendig und
deutete mit der Peitsche nach rechts und links, hier auf
ein Loch, aus dem bare Zehntausend gekommen, dorit
zuf einen Claim, wo drei Kompagnons genug gefun—
en, um fünftausend Joch Vieh zu kaufen. „Dal“ ries
r, „seht Euch die Hütte mal an“, und deutete auf ein
iedriges, rauchgeschwärztes Blockhaus, von dem Ruth
ermutet hatte, es könne als Ferlelstall benutzt worden
ein — „aus der Hütte da gingen Tim und Ned und
hleppten Hunderttausend aus der Gegend weg, und
ie hatten sie auf dem Fleck da gefunden.“ Er schwenkt
vie Hand über ein Stück schwarzer Erde, das so löche⸗
ig war wie eine Honigwabe; mit den vielen Erdhäuf
hen und der verlassenen Hütie inmitten sah das Fleck
hen eher wie ein sonderbarer Greuel der Verwüffung.
enn eine Goldmine aus.
uUnd doch. alaube ich. haben auch hier eint Bsu—
ürfen. Ganz anders prasenneren sich moessen die Wel
en an der Küste. Hier, wo sie sich an den Klipper
rechen, wird ihre Gewalt durch den Rückprall außer
rdenilich verstärkt. Sie stellen so eine Macht dar, de
ichts zu widerstehen vermag. Mit dieser Kraft de
vellen in der Brandung beschäftigt sich eine eben er
chienene Abhandlung über die ozeanographische Dyna
nik, in der ihr Verfasser, Professor Thoulei, die auf
ewandte Wellenkraft in der Brandung festzustellen und
iffernmäßig zu berechnen versucht. Er weist dabei un
er anderem auf das interessante Experiment von Th
ztevenson, der zur Zeit der Ebbe eine Art Dynamo
neter fest in den Klippen verankert hatte, und geger
as die Wellen in der Flut anprallten, hin. Der Vy
amonieter registrierte dabei je nach der Ebbenzeit un
Lindstärke einen Druck von 15 000 bis 34000 Kilogr
ro Quadratmeter. Das Resultat kann im übrigen
iicht weiter überraschen, wenn man sich gegenwärtig
äalt, daß eine Wassermasse in Betracht kommt, die in
döhe und Breite einen veritablen Hügel darsiellt, und
ie sich mit der Schnelligkeit von 50 Kilometern in de—
Ztunde bewegt. Wie Francais Poncetton dazu in
Figaro“ mitteilt, kann man die Arbeitsleistung eines
»er normalen Windstöße, wie sie die Westküste Frank
reichs treffen, mit einer andauernden Kraftäußerung vor
409 Millionen Pferdestärken in Rechnung stellen. Mal
braucht sich daher gar nicht zu wundern, daß die fran
zösischen Küsten unter der enormen Druckkraft der an
prallenden Brandung stetig abbröckeln, und daß Eng
land jedes Jahr dem Ozean seinen Tribut an Lan
zahlen muß Welch erstauͤnlicher Kraftleistung das Mee
fähig ist, geht unter anderem daraus hervor, daß nac
den Ausführungen Thoulets ein Gnetsfelfen von 750
Kilo Gewicht 22 Meler weit weggeschwemmt wurde
And auf der Nordseeinsel Wyk wurde ein 1350 Kil—
chwerer Steinblock von einer Klippe auf 10 Meier Ent
ernung fortgeschleudert. Die Höhe der Wellen, welch
olche gewaltige Verwüstungen anzurichten fähig sind
ürften auf über 50 Meter zu berechnen sein. In
Schottland wird beispielsweise der in 34 Meier Höhce
errichtete Leuchtturm vom Bell-Rock häufig von Weller
weggefegt, deren Volumen angesichts der geleisteten Ar—
beit 3000 Kubitnieter übersteigen mag.
Es hat alles seine Folgen. Die „Tägl. Rosch.
erzählt folgendes neite Geschichichen: Ein größeres Dor
im Kreise Worbis (Reg.-Bez. Erfurt) war bei den in
Fichsfeld abgehaltenen Manovern stark mit Truppen be
egt worden. 15 Offiziere nahmen in einer Gastwirt
ichaft des Ortes das Mittageffen ein: das Geded kostet
50 M. Nicht gering war nun das Erstaunen der Her
zen, als ihnen für diesen Preis vorgesetzt wurde: 1
Suppe, 2) Rinderbraten, 3) Gänsebraten, 4) Filetbeef
teak. 5) Kalbskeule und 6) Nachtisch. Die Offizier
nachten die Wirtsfrau darauf aufmerksam, daß sie be
inem solch opulenten Essen doch unmöglich auf ihr
dosten kommen könne, ja sogar nicht wenig Geld zule
jen müsse. Doch die freundliche Wirtin, eine Witwe
rwiderte gutnmütig: „Das schadet nichts. Mein Sohn
st vom Militär freigekommen und kann mir nun ir
der Wirtschaft mithelsen. Dafür will ich mich auch dank
bar erweisen, und die Herren Offiziere sollen sich bei
mir 'mal ordentlich fatt esfen«
Humorisftische Ecke.
Unangenehmer Zeitvertreib. Liebe:
Freund: „.. Deine Frau ist im Bad? Was treibst Di
denn jetzt den ganzen Tag?“ — Ehemann (seufzend)
Ich schreibe Postanweisungen!“
*Bei 26 Grad Reaumur. „Geh, Schurschi
erzähl' uns a' paar Rauberg'schichten, daße's uns 4
bisserl kalt überläuft!“
*Subjektive Anschauung. „Glauben Sie
an die erzieherische Wirkung der Ehe?“ — „Mir war's
jnua, i laß mir überhaupt nix g'fall'n!“
*Bedenken Verkäufer (zum Bauern): „Diese
batentpfeife nehmen Sie, das ist die Pfeife der Zu—
unft!“ · — „Der Zukunft? Na, da will ich nur für jetz
noch so eine nehmen, wie ich sie immer hatte!“
*Aufklärung. Söhnchen: „Vota, 6* mir nur,
was is denP 333 — „Ach, dös is so a
Seschicht — wie mit m man meint, er ij
utsch, und schon is er wieder dal⸗
LXokales.
O nies. Wie die deutschen Postverwaltunger
insere Geschäftswelt soeben mit den am 1. Oktober zu
insunr reangenden Brieftelegrammen gewisser
naßen cFrascht haben, so scheint die Durchführun
iner weiteren Neuerung nur noch eine Frage der Zei
u sein. Zurzeit sind im Reichspostgebiet Vorarbeiter
nit dem Endziel der Barfrankierung von Postsachen in
dange. Das ist eine Nachricht, die überall in Geschaäfts
reisen die größte Freude bereiten wird. Da die Bar
ankierung, die Bayern als einziger deutscher Bundes
aat am 1. Februar 1910 versuchsweise einführte, sid
ußerordentlich bewahrt hat, so wird der Ausdehnun,
ieser praktischen Einrichtung auf das Reichspostgebie
num mehr ein ernster Einwand im Wege üehen
nen gebluhte, sagte Nuth gepantenoou.
Doch niemand hörte sie, nicht einmal ihr Gatte
Das Goldfieber hatte auch ihn erfaßt, er war vollstän⸗
dig davon angesteckt. Der Ansteckungskeim lag überall
in der Luft; das magische Wort Gold schien alles wic
Fieberhitze zu durchglühen: die eifrigen Goldwäscher
ie sich in der Talsohle abquälten, die im Sonnen
drande weiß leuchtenden, an den Berg geklebten Zelte
die vielen, vielen Fuhrwerke mit den eifrig geftikulieren
den und peitschenknallenden Kutschern — ja, sogar die
Zugtiere schienen von der allgemeinen Erregung ange—
teckt und suchten sich bei dem fieberhaften Hasten und
Ddrängen zum Mittelpunkt des Goldherdes gegenseitig
en Rang abzulaufen.
Deadrood selbst war ein einziger, summender, ge⸗
chäftiger Bienenkorb. Die Chinesen, die überall hin
ommen, waren hier in hellen Haufen, alle emsig beim
vraben und Waschen. Sogar die Straßen der Stad⸗
varen von den eifrigen Goldsuchern aufgegraben und
urchwühlt worden. Und die Fuhrwerke häuften sick
derartig an, daß die Postkutsche mit der Ueberlandpof
und sämtlichen Passagieren geduldig warten mußte, bis
endlich nach bedeutenden und wiederholten Anstrengun
jen die schwerbeladenen Gespanne soweit vorgerück
varen, daß am Hotel vorgefahren werden konnie.
Musikbanden — wenigstens drei gleichzeitig — spiel
len, Reiter und auch Reiterinnen drängten durch die
überfüllte Straße; mit großen verdutzten Augen sal
Ruth, der ihr Mann herabgeholfen, einen Augenblic
um sich und auf das Gewühl. Es war eine Erlösung
s plötzlich ein Schwarzer in weißem Jäckchen au
auchte, ihr Reisegepäck unter den Füßen der stauenden
Nenge hinwegriß und mit einem höflichen
„Bitte, folgen Sie mir!“ auf die offene Tür eine—
dolzbaues deutete, welches hastig zusammengezimmert
Bauwerk das „erste Hotel am Platze“ vorstellte.
Es war entschieden das beste, dem ebenholzfarve
jen Gentlemen zu folgen, denn die Menge siaute sick
ereits derartig auf dem Trottoir, um Ruths hübsches
zesicht teils neugierig, teils unverschämt anzustarren
aß sie froh war, sich unter das schützende Obdach des
dotels flüchten zu können.
„Hast du je einen solchen Menschenstrom gesehen?
rate sie zu ihrem Manne. der zu dem kleinen Bimnæe
O Vom Arbeismarkt. Ungefähr 250 000 Ma
Deutschen Reich, verraufchen alljährlich im letzten
et des Monats September den bumen Rock m
bürgerlichen Kleid und verstärken plötzlich als
suchende das Angebot auf dem Arbeilsmarkt. —
neuen Rekruten in der Regel erst Ende Oktober
ten. so ergibt sich in der Zwischenzeit eine er
Mehrbelastuͤng des Arbeitsmarktes. Immerhin
die Verhaͤlmisse insofern nicht so ungünstig,
derbst erfahrungsgemaß eine Zunahme der gewe
Beschäftigten eintritt, sodaß ein ansehnlicher T.
teuen Arbeitskräfte untergebracht werden kann.
nicht allzu zahlreich haben sich Reservisten auf
eitsamt als Arbeitfuchende gemeldet. Ein Ta
hnen hat sich schon während der Dienstzeit um.
ingen in der Siadt umgesehen, der größere Te
privatisiert? nach der Entlaffumg ein paqrWDog
der Landwirtschaͤft und manchen kleinen Staͤdt
tarke Nachfrage nach Arbeitskräften, aber sehr 0
Angebotz in der großen Siadt ift es umgekehrt
bie Arbeitskonjuntiur mit dem Nahen des Wint
mer mehr zurückgeht. Da viele iunge Leute de
uung sind. daß sich in der großen Stadt das G
ber Straße finde und auch bei wenig Arbeit
eben lasse, wiederholt sich alljährlich bei ihnen
bittere Errsahrung, die meift von Not und El—
füllt ist. Es hat keinen Zweck für stadtfremde
sen, in der großen Stadi sitzen zu bleiben, we.
den einzelnen von vorndberein reine Aussicht au
beit besteht
Von der LSujtschiffahrt.
*Todessturz des Kapitäns 6
ard. Kapitän Engelhard ist während eines
n Johannisthal abgestürzt und bald darauf sein«
etungen erlegen. Der Abstieg von Engelhard, d
Passagier, ein Herr Sedlmayr aus München, beg
ꝛrfolgte aus einer Höhe von 30 Metern. Ob ei
agen des Motors oder die Windverhältnifse schul
ren, ist noch nicht festgestellt. Engelhard war
tot, der Passagier ist schwer verletzt. — Kapitän
Engelhard, der bis 1906 der Marine angehörte,
erste von Orville Wright ausgebildete Schuͤler in ⁊
and. Er beteiligte sich mit Erfolg an der dritt⸗
iner Flugwoche 1910, unternahm dann Flüge
oritz und Budapest, sowie einen Fernflug Trier
vobei er in der Naͤhe von Nanzy landete und
nanche Preise. Er war Fluglehrer der Wright
chaft in Berlin und galt als vorsichtiger Aviatike
etzt war ihm noch kein Unfall zugestoßen. Auch
tellerisch hat sich Kapitän Engelhard vielfach be
*Das neue ZeppelinLuftschif
für die preußische Heeresverwaltung bestimmt ist,
anfangs dieser Woche in Friedrichshafe
erste Probefahrt unternehmen.
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschlau—
* Köln, 30. Sept. ( Mord.) Eine 22jährige.
erin wurde auf dem Wege zur Fabrik don Linem 9
iltrigen Burschen, ihrem früheren Geliebten, anß—
en, welcher zwei Schüsse auf das Mädchen abgal
diesem in den Kopf gingen. Das Mädchen, sowir
Mordbube, der nach der Tat sich selbst durch eine
zel zu töten versuchte, wurden lebensgefährlich ve
* Dortmund. 30. Sept. GHinrichtun g.
nörder Franz Jakubowsky aus Weitmar wurde
rüh hingerichtet Jakubowsky hatte am 15 9
einen Landsmann Kesselheizer Hober ermorden m
taubt.
*Hörde, 30. Sept. (SVRiebesdram a.) De
lizeisergeant Natzli von hier besuchte seine Geliebte
ich aber weigerie, das Verhaͤltnis mi ihm fortzu
Natzli zog darauf seinen Dienftrevolver aus der
ind schoß nach dem Mädchen, das jedoch unv
blieb und entfliehen konnte. Hierauf totete sich
durch drei Schüsse in die Brusi.
*Kobleuz, 80. Sept. (Ehrung der Ke
zienn Augüst a.) Aus Anlaß des“ 100. Geburt
der Kaiserin Augusta hielten die Stadwerordneie
Festsitzung ab, in der beschloffen wurde, ein Kar
lugusta⸗-Haus zu errichten, in dem ein Wöchnerin
isyl, eine Kinderkrippe und eine Mutterberaiungs
ingerichtet werden soll. Einzeline Bürger haben
iesen Zweck ebenfalls Stistungen gemacht.
*Biugen, 30. Sept. (Das wieder ge
ene, Bilde), Das am 11. September im Pu—
schen Blindenheim gestohlene, wertvolle, in Elf—⸗
jeschnitzte Bild, die Darstellung Jefu im Tempel,
in der Anlage der Amisstraße gefunden. Ein
Pann ist der Finder. Die Polizei ist eifrig an
Arbeit, denzjenigen ausfindig zu machen, der da⸗s
»orthin gebracht haben.
* Trier, 30. Sept. (Fum Brudermoe
aufmann, von Chamier-⸗Glisczinsky, der kürzlich
gemeldet, seinen in Trier als Leutnant dienende:
der im Lazarett erschoß, wurde vom Gefängnisar
zeisteskrank erklärt. Er wird sich wahrscheinlich
jerichtlich zu verantworten haben.
E
im ersten Stoa — stoiz Empfangszimmer genann
begleitet hatte. „Es scheint mir, als ob die ganze
'n dieses Tal zusammengeströmt wäre. Und höre
nal die Musik! Es muß ein Zirkus in der“
ein, wie, Charles?“
„Kein Zirkus, Kleine, sondern Spielhöllen!
iese Musikkapellen dienen dazu, um Wüßiggäng
ind hinein zu locken, wo sie dann ihr bißchen
tand und Geld verlieren. Sie sind der Fluch der
räberstädtel Sieh! Wir haben gerade eine gegenü
Damit verließ er sie, um sich nach Zimmern um
jen. Ruth trat hinaus auf den kleinen Balkon
ah mehrere dieser mit Spiegeln geschmückten Sal
lustig spielten die Kapellen davor, und hinein strö—
Männer, alte und junge, gut und schlecht gekleidete
sogar Knaben.
Der grellen Blechmusik überdrüssig, sah sie
traurig hinab auf die wimmelnden Straßen. Sie
derte, als mit im Winde flatternden Haaren, die
gen Gesichter dick mit Schminke besudelt, einige Mo
vorbeiritten; als Weib errötete sie, schämte sich
rauerte über ihre gefallenen Schwestern.
„Und erst Kinder!“ sagte sie leise vor sich hin.
Tränen im Herzen trat sie in das kleine Zimmer
rück. Gerade war ihr Gatte zurückgekehrt; wollt
eben abholen; bei ihm war der höfliche Schwarze,
von einem Ohr zum andern lächelte und ihr mitte
„Das Damenzimmier sein schon fertig, und Diner
den gleich serviert.“
Das Zimmer bestand aus einem einzigen *
so klein und schmal, daß nach Unterbringung ihre⸗
scheidenen Gepäcks darin nicht mehr so viel Plastz
dem Flur blieb, daß Delaney und Ruth zusam
zwischen Bett und Waschtoilette stehen konnten.
Sie gewöhnten sich jedoch sehr bald an dief⸗
schränktheit, denn wer ist dem geliebten Wesen
gerne möglichst nahe? Die scheinbare Unbequem
ihres winzigen Zimmerchens war diesen beiden,
einander so lieb hatten, eine stete Ursache zu
neuer Fröhlichkeit