denter und sagte miit lauter, dveutlich vernehmbarer
ziimme: Ich siebere!“ Während der Henker vie letz⸗
en Vorbereitungen traf, wandie sich Bagrow an die
linwesenden mit der Bitte, seinen alten Eliern seinen
eßten Gruß zu übermitieln. Er woll!e weitersprechen,
och die Aufregung überwältigte ihn. Der Henker zog
ym darauf den schwarzen Sack über den Kopf und
ahrte ihn unter den Galgen. Unmittellar darauf isi
as Urteil vollstreckt worden.
. x. Stellenausschreibungen. Die in Wien er—
heinende „Mustete“ schileßt folgende Anekdote ab: In
inem VWeinisterium ist eine Sekretärstelle ausgeschrieben
vorden. Der dem Personalbureau neu zugeteilte Ad—⸗
unkt ordnet seit drei Tagen die eingelaufenen Gesuche,
eren Zahl sehr stattlich ist, nach den Vorstudien der
zewerber und ihrer Qualifitation. Der eben eintretende
derr Hofrat, von dem Adjunkten auf das devoteste be—
rüßt, befragt denselben, womit er sich so angelegent—
ich beschaftige. Nachdem er darüber informiert' worden
st, entspinnt sich folgendes Geschpräch: Sind Sie in
er Tat ein solcher Neuling, daß Sie nicht wissen, wi
berflüssig eine solche Arbeit istz⸗ „Ich dachte, Herr
wfrat, daß der würdigste Bewerber nur dadurch er⸗
ttelt werden könne, indem man die Gesuche einzeln
ruft. Ausschlaggebend ist doch die entsprechende Von
ildung und die Verwendbarkeit des Bewerbers, wei—
vc — Schon gut; Sie sind tatsächlich der Neu.
na, für den ich Sie nicht halten wollte. Erfahren Si
so. daß mir der künftige Sekretär schon vorg
eibung der Stelle bekannt war; es ij der Neffe Sr.
krzellenz. Sle sehen also, wie überflüssig Ihre Arbeit
var Sie wollten noch etwas wissen, Herr Ad—
unkt?“ — ZIch gestatte mir die Frage, Herr Hofrat,
sarum diese Stelle überhaupt ausgeschrieben worden
t, da doch . „Ja, Mensch, sehen Sie den Kro—
enstempel nicht, der auf jedem Gesuche steht.
Stare und Ameisen. Eine merkwürdige Beobach—
ang an Staren teilt Karl Floͤricke (Breslau) in den
itteilungen über die Vogelwelt (Verlag E. Kapaun,
ürnberg) mit: Es ist jedem Jäger bekaunnt, daß unset
Vild, namentlich Hirsche, eine große Vorliebe für der
tfrischenden Dust der Ameisensaäure haben und deshalb
esonders im Hochsommer die Ameisenhaufen zerwühlen,
im mit gierigen Nüstern den erquickenden Duft einzu—
gugen. Neu aber war mir, daß ähnliches auch in ver
zogelwelt vorkommt. Auf meiner Jagd in Karlsmack
ei Brieg saß ich im Juni öfters auf einen Rehbocö
n; in unmittelbarer Nähe meines Standortes, nut
twa zehn Schritte von mir entfernt, befand sich ein
lmeisenhaufen. Da bemerkte ich denn öfters, daß gegen
Wbend ein Pärchen Stare herbeigeflogen kam, sich auf
en Ameisenhaufen setzte, fich mit Schnabel, Füßen
md Flügeln möglichft tief hineinwühlte und die Aniei.
en sich übers Gefieder warf, wobei die Vögel alle
zeichen ersichtlichen Wohlbehagens von sich gaben. Da
ch, wie gesagt, nur zehn Schritte davon entfernt wa
nd einen sehr guten Feldstecher bei mir führte, konnte
h diese Veobachtung, die auch mehrere Zeugen nach
eprüft haben. auf das allergenaueste machen und so⸗
ar deutlich sehen, daß die Stare sich mit dem Schna—
el Ameisen absichtlich unter die Flügel steckten, damit
uch dort die Wirkung der Ameisensaͤure zur Geltung
ommen sollte. Wenn die Vögel dieses Spiel etwa i
tinnten lang getrieben hatten, flogen sie schließlich ver
nügt davon.
Verweigertes Obdach. Wir lesen in der „Landes—
eitung für beide Mecklenburgs“: Prinz SOstar vor
ßreußen, ein Sohn des Kaisers, war an einem Tage
es Kaisermanövers von einem Patrouillenritte mi
inem anderen deutschen Prinzen (wahrscheinlich Prin;
libert von Sachsen⸗Weimard von seiner Truppe abge,
ommen. Sie kehrten spät abends auf einem zu Milde.
nitz gehörigen Ausbau ein, in der Annahme, hier über.
achten zu können. Doch ein Quartier wurde ihnen
icht gewährt, obwohl sie in bescheidener Weise nur um
in Strohlager gebeten hatien Darauf hielten sie um
was Futter für ihre Pferde und einen kleinen Imbiß
ir sich selbst an. Aber auch soweit reichte die Gast⸗
reundschaft und die Soldatentiebe des Besitzers nicht.
ur einen Trunk Kaffee hielt er ihnen in einer Blech—
inne vor. Nun sollite es weitergehen. Aber wohin
uder Dunkelheit; zumal der Weg durch einen Wald
hrte. Um nur die Soldaten los zu werden, gab der
esitzer ihnen seinen Sohn als Führer mit. Mit die—
an knüpften die beiden Prinzen ein Gespräch an. Sie
aben ihm schließlich auf, seinem Valer zu sagen, er
ätte den Prinzen Oskar und noch einen andern deut
hen Prinzen vor sich gehabt. Als dies der Sohn zu
zause erzählte, sagte der Alte: „Wenn ick dat wüß!
ar, denn har'ns jo ok minetwegen hier blieben künnt.
sls die Prinzen durch den Wald kamen, sahen sie ein
nderes Gehöft, wo sie dann Aufnahme sanden. — Man
oll Soldaten in allen solchen Fällen Unterkunft geben,
iögen es nun Prinzen sein oder nicht. Das mag sich
ener Gutsbesitzer, der so vorsichtig unterscheidet, bei die
er Gelegenheit gesagt sein laffen
Eine heitere Geschichte hat sich in Saarbrücken
bgespielt. Saßen da zwei junge Ehepaare in einer
Virtschaft am Neumarkt in bester Laune. Als die bei—
ꝛen Männer einmal ausgetreten waren, beschlossen sie,
ich einmal zu verstecken, um zu sehen, was die Frauen
un würden. Gedaächt, getan.“ Sie gingen also in das
debenhaus und verfteckten sich dort im Hausflur. Die
zrauen durchschauten aber den Scherz. Sie blieben
uhig sitzen und dachten, die kommen von selber wie—
er. Juzwischen hatte man aber im Nebenhause die
eiden fremden Männer bemerkt und sogleich nach der
zolizei um sofortige Hilse telegraphiert, da Einbrecher
m Hause wären. In kurzer Zeit erschienen zwei
zchußleute im Laufschritt und anstatt von ihren Ehe—
iebsten wurden die immer noch Wartenden von den
eiden Schutzleuten überrascht, festgenommen und nach
er Wache gehracht. Anstatt nun bei dem sofortigen
zerhör den wahren Sachverhalt zu erzählen, glaubiten
ie ihre Lage dadurch zu verbessern, daß sie der Polizei
rzählten, sie hätten in dem Hause schießen hören und
inmal nachsehen wollen. Von den Hausbewohnern
atte aber keiner einen Schuß gehört. Sie hatten sich
lso nur noch mehr verdächtigt und wurden schleunigfi
n die bekannte Dunkeltamme; eingesperrt. Inzwischen
var die Zeit den Frauen doch etwas lang geworden.
die begaben sich auf die Suche und erfuhren nun die
zeschichte. Entrüstet eilten sie nun im Sturmschritt auf
ie Polizeiwache und reklamierien dort ihre Männer.
Iber alles Plaidieren half nichts. Die Verdächtigen
lieben in der Zelle eingesperrt und wurden am Mon
ag früh dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der sie
unn nach Anhörung des Sachverhalts entließ.
Caruso ist in München angekommen. Er ist, wie
m vorigen Jahre, im Hotel Continenial abgestiegen,
»o sich auch schon ein Schwarm seiner Verehrer einge—
nietet hat. Er ist aber den größten Teil des Tages
nsichtbar, denn es ist bekannt, daß er vor jedem Auf⸗
reten eine ungeheure Angsfi hat, weil er sich eben vei—
flichtet, immer sein Bestes zu geben. „Wissen Sie“,
agte sein Impresario einem Journalisten, „daß er an
en Tagen, an denen er auftriit, von'3 Uhr ab unge—
tießbar ist? Die Aufregung padt ihn dermaßen, daß
r zittert. Man muß dann mit ihm umgehen wie mil
inem kleinen Kinde, Ich bringe ihm die illustrierten
Zeitungen zum Anschauen. Ich fuche ihm, was er nur
rgend wünschen mag, von den Augen abzulesen. Er
zill Klavier spielen. Gut, spielen wir Klavier. Nach
rei Takten springt er auf und rennt in sein Schlaf⸗
immer, spritzt sich den Hals ein, läuft hin und her,
pritt sich wieder mit seinem Miltel ein — es sieht so
ihnlich aus wie Cocain — setzt sich, steht auf, legt sich
tieder — und zum Schluß wird ihm übel. umßug
eht er dann in die Garderobe, wenn die Vorstellune
m 8 Uhr anfängt. Aber zehnmal will er in diese
eit wieder nach Hause, aus dem Theater heraus. Di
zeinkrämpfe sind gar nichts seltenes bei ihm. In
rankfurt a. M. hat er mir einmal nach der Vor
ellung einen Weinkrampf bekommen. Sie können sich
orstellen, welche Aufregung in ihm getobt haben muß
aß sie sich in dieser eruptiven Weise Luft machte —
achdem alles vorüber war. Aber so ist er, wenn er
en Rhadames im dritten Akt nicht so herausschmetterr
ann, daß den Zuhörern auf der vierten Galerie die
Tommelsfelle wehtun, dann ist er nicht zufrieden. Der
Rann ist eben Künstler, nur Künstler, geht in seinen
herufe auf. Natürlich habe ich es nicht leicht, denn ir
tzter Linie habe ich für ihn die Veraäntwortung, nich
ahr? Er ist ein Kind, hat sogar nichts vom Vir
rosentum an sich. Er wird zum Beispiel nie über
inen Kollegen oder eine Kollegen sprechen; Künstlerneit
mnt er nicht. — Caruso verdient heute enorme Sum
ien. Wie er erzählt, tritt er achtzig Male in jedem
dahre auf. Jedes Gastspiel durchfschnittlich mit nur
9 000 Franks berechnet, ergibt eine Jahreseinnahm
on 1609 000 Franks. Dazu bekommt die bedeutend
Nevenne von den Grammophon-Gesellschaften. Der Te
rorist, betont nicht ohne Stolz, er sei einer der gewis—⸗
Rnhaftesten Steuerzahler Italiens, und dann fuͤgt er
achend hinzu: „Und ein Sänger mit ewigem Lampen—
ieber!
— —
Humoriftische Ecke
*Auf der Setundärbahn. Schaffner (der
zur einen einzigen Reisenden im Zuge hat, vertrau
ich zum Stationsvorsteher): „Unser heutiger Passagien
st eingeschlafen; soll ich 'n wecken?“ „Wenn er hien
ussteigen will, selbstverständlich; warum denn nicht?⸗
AIch hab' gedacht, wir könnlen n ja noch 'n paar
ztationen mitsahren lassen ... da bringt er uns noc
as ein!“
Wochenrundschau.
Die Marokkofrage waurde in den letzten Ta—⸗
en schon gleichgültiger behandelt. Sie stand nach der
Insicht der Eingeweihten und nach Verlautbarung der
Rsiziösen kurz vor dem Abschluß. Jetzt ist nun wie⸗
erum eine unangenehme Wendung eingetreten, die dey
efinitiven Abschluß um weitere Wochen verzögern
ann. Herr von Kiderlen-Wächter hat es für nötig ge—
alten, kurz vor Toresschluß neue Abänderungsvor—
chläge zu machen, die nach einer amtlichen Erklärung
es französischen Auswärtigen Amtes eine ernste
zrüfung ersorderlich machen. Diese Note macht in der
olitischen Welt selbstverständlich keinen angenehmen
kindruck, aber ein Grund zu irgendeiner Beunruhigung
iegt keinesfalls vor. Es wäre auch ein Wunder ge—
oesen, wenn die noch ausstehenden Verhandlungen über
ie Kompensationen am Kongo so glatt erledigt wor—
»en wären. Man feilscht eben um jeden Fetzen Land
o lange es geht und wenn es nicht gehen will, wird
nan nachgeben müssen. An einer friedlichen Erledigung
»er heiklen Frage braucht man deswegen nicht zu zwei⸗
eln. Hoffentlich wird die Gleichgültigkeit, die das
Publikum in den letzten Wochen erfreulicherweise an
»en Tag gelegt hat, durch diesen gefahrlosen Zwischen⸗
all nicht gestoͤrt. Zudem gehen ja auch noch wichügere
Dinge in der Welt vor. Die
Tr,ippolisfrage, die so unerwartet von Ita—
lien auf die Spitze getrieben wurde, ist dazu angelan,
insere ganze Aufmerksamkeit zu erregen. Italien hal
»er Türkei ein Ultimatum gestellt, das nur zwei Wege
ffen läßt: entweder greist die Türkei den Fehdehand—
chuh auf oder sie gibi nach. Vorläufig weiß man noch
icht, welchen Weg das Osmanenreich gehen wird. Abet
as eine steht fest, daß beide für den Bestand der jum
en Türkei gleich gefahrvoll sind. Gibt sie Tripolis
uf, dann follen ihr die Gegner im Innern in den
dücken und verteidigt sie ihr afrikanisches Besitztum,
ann hat sie es mit einem militärisch überlegenen Feind
untun, mit dem nicht gut Kirschen essen sein wird Das
ndert aber nichts an der Tatsache, daß der italienisch
troberungszug nach Tripolis eine überaus gewalttätige,
echtswidrige und friedensstörende Provokation beden.
let. Dank der Raubstaatmanier, in der sich gewiss⸗
zuropäische Großstaaten in ihrer Abenteurerlust gefal
en, kann Italien, weil es die anderen Mächte über
genug im marokkanischen Wespennest beschäftigt weiß
migethzindert den ebenso kühnen wie gewaltlätigen Streic
Asführen. Und jetzt weiß man auf einmal auch, wes
alb der sonst als unsicherer Kantonist verschrieene Drei
undgenosse in letzter Zeit bei jeder passenden Gelegen
seit so eisrig auf die FJahne des Dreibundes schwor.
kon dieser Seite allein könnte der Plan vereitelt wer—
en. Sitzt Italien erst einmal in Tripolis fest im
zattel, dann wird es sich nicht genieren, seinen Ver—
ündeten gelegentlich in den Rücken zu fallen, wie bel
zuer denkwürdigen Konferenz von Algeeciras. Das
ollte auch in Berlin reiflich überlegt werden, wenn e⸗—
icht schon zu spät ist.
Fraukreich ist in der verflossenen Woche von einem
olgenschweren Marineunglück betroffen worden, bei dem
»er 40 Millionen-Panzerkreuzer , Liberte⸗ und gegen
x00 Wienschenleben vernichtet wurde. Dieser Unfall haf
nder ganzen kultivierten Welt herzliches Mitleid aus—
gelöst. Aber andererseits mag es, so bedauernsweri
zer Verlust an Menschenleben ist, Herrn Delcassee und
en übrigen chauvinistischen Schreiern, eine heilsame
dehre sein. Wenn der französische Marineminister zum
wecke der Einschüchterung Deuischlands im Brustton
er Ueberzeugung von der Erzbereitschaft der französi
hen Flotte sprach, so hat jetzt selbst das alliierte Eng
and dafür nur noch ein mitleidiges Lächeln. Went
nan „erzbereit“ sein will, so kommt es nicht nur au
ine große Zahl der schwimmenden Kolosse an, sonderr
n der Hauptsache auf Disziplin unnd daran hapert⸗
u Frankreich.
Die Rivalität zwischen England und Deutschlan
ceibt wieder einmal seltsame Blüten.. Das erhellt au⸗
er Nede des Admiralitätsrates Me Kenna, die als
ntwort auf die Flottenrede des Großadmirals Köste
u gelten hat. Mac Kenna sagte u. g.: „Es gibt fü
zIingland leinen anderen daueruden Frieden als der
rieden mit Ehren. Es hat sicherlich sich einiges i
er politischen Gestaltung der Welt geändert, seit es
eutschland gelungen ist, siegreich über die Russen in
zersien, siegreich über die englischen Interessen im Orien
u sein und seine Einschüchterungsverfuche nunmehr
uch auf Marokko zu übertragen. (), Wir haben frei
nd offen erklärt, daß wir den deutscheu Forderungen
erechtigleit scitens Frankreich zugestehen wollen, aber
ian darf kein Zeichen von Schwäche in dieser gemäßig⸗
en Aktion sehen, die wir eingeschlagen haben. Es ij
ediglich die ruhige Taktik der englischen Diplomatie
»ie wesentlich verschieden von den Methoden der Wil
elmstraße ist.“ Die Rede Mac Kennas schließt damit
zaß der Friede nur aufrecht erhalten werden könne
venn England über alle Marinen der Welt dominiert
3 spezisisch engup. man hat sie ofp
gehört. eu und überraschend wirken da
ie Nachrichten aus dem alten sch gegen
Balkan, die erkennen lassen, daß man dort nich
enig Lust hat, die augenblickliche Verlegenheit deir
ürkei weidlich auszunutzen. Uebereinstimmend heiß
3, daß. an der gruͤech i sscchen Grenze eine lebhaft
zewegung herrsche. Auch die türklischen Ser ben mel.
en sich. Viel schlimmer aber ist es, daß die ALba
ese n sich wieder räuspern. Wan sieht also, daß der
aternationale Horizont alles mehr als rosig aussieht
*
Lokales und Vermischtes.
Neuer Gasofen. Die hiesige Gaswerks-Gesellschaft
zeabsichtigt an Stelle eines defekt gewordenen Ofens einen
ieuen zu bauen.
Angesteigert hat der Unternehner Herr Heinr. Micka
die Dillhöfersche Wirtschaft zum Preise von 39 000 Mark.
Mit 145 000 Mark durchgebrannt ist gestern der
9 Jahre alte Kaufmannslehruung Heinrich Renner bei
»er Röchlingsche Vank in Sulzbach. Renner wurde
von der Filiale Sulzbach mit no h einem andere Ange—
tellten zusammen nach Saarbrücken ge chickt um die
Summe von 145000 Mark abzuheben. Plötzlich be—
nerkte R. zu seinem Begleiter, er wolle sich noch
asieren lassen Von diesem Gange kehrte er nicht
nehr zurück. R. ist der Sohn eines abgesetzten Lehrers
—R
chwunden sein.
Soeben erhalten wir den Sachverhalt folgendermaßen
geschildert: Der bei der Röchling'schen Bank⸗Filiale Sulz—
»ach angestellte 20jährige Renner aus Sulzbach wurde
Jestern vormittag damit beauftragt, von dem Hauptgeschäft
in Saarbrücken den Betrag von 146 000 Marf abzuheben.
Von dem Hauptgeschäft wurde Renner an die Reichsbank
»erwiesen. Hier hob Renner das Geld ab, welches ihm
auf sein Verlangen in Tausendmarkscheinen ausgezahlt
vurde. Sodann begab sich Renner als er das Gelsecr—
halten hatte, mit einem ihm von der Filiale in Sulzbach
zugewiesenen Begleiter auf den Heimweg dem Bahnhofe zu
Auf dem Wege dorthin sagte Renner zu seinem Begleiter
er wolle sich noch rasieren und die Haare schneiden lassen.
Der so irregeführte Begleiter ging dann auch ahnungslos
ꝛum Bahnhofe, während Renner sich in ein Friseurgeschäft
»egab. Von hier aus ist Renner mit dem Betrage von
45 000 Mark flüchtig gegangen. In seiner Begleitung
efand sich ein Verwandter von ihm, denn beide wurden
eobachtet, wie sie in ein in der Reichsstraße stehendes
luto einstiegen, den Weg nach St. Arnual einschlugen und
on hier aus jedenfalls die Flucht fortsetzten. Wie ver—
autet, soll diese Person der Vater des Renner sein.
Club Olhympia. Morgen Sonntag abend findet in
Lokale Lorenz seitens genannten Klubs ein Ball statt.
Saarbrücker Flugtage am 14. und 15. Oktober
Den Saarbrücker Flugtagen sieht man im gesamten Saar
revier mit steigendem Interesse entgeaen. Bekannlich sin.
drei unserer bedeutendflen deutschen Flieger für die Schau⸗
lüge am 14. und 15. Oktober auf den Si. Arnualer Stifts⸗
wiesen verpflichtet. Es dürfte sicherlich allgemein enteressieren
twas näheres über die Persönlichkeiten zu erfahren, die der
»eutschen Flugtechnik Achtung und Anerkennung in aller
Welt verschasten und die an den Soarbrücker Flugtager
eilnehmen werden. Wir nennen zuerst Benno König, den
Zieger im Norddeutschen Rundflug. In Untermenzig be
München stand feine Wiege. Als Mechaniker zeigte er scho⸗
rüh ein aroßes Interesse für die Aviatik. Im Septembe
1910 wandte er sich, als Flugschüler Brunnhubers, endgülti
»er Flugtechnik zu; eine Woche später legte er sein Piloten
Xamen ab. Er war zunächst Albatros-Fluglehrer, im Mo—
rat er zur Luftverkehrsgesellschaft Johannisshal über. Als
pilot diefer Gesellschaft machte er durch seine großartiger
reistungen bald von sich reden. Eine allgemeine Berühmt
eit erlangte er durch seinen Sieg im Norddeutschen Rund
lug, bei dem er in 11 Tagesstrecken 1609 Flugkilomete
urücklegte und dasür den Siegerpreis in Höhe von 40000
Mk., ferner den 1. Ehrenpreis des Kronprinzen, den 1. u
2. Ehrenpreis der Siadt Berlin erhielt. Sehr beachtlich
ꝛeistungen vollbrachte König ferner bei den Stuttgarten
Schauflügen und bei den Berliner Flugwochen. Bennc
dönig ist ein sehr gesuchter Fluglehrer bei der L.⸗V.-G
Vegen seiner tadellosen Landungen wurde er bei Passagier⸗
lügen von „Mitflügern“ stets gern bevorzugt. Hellmut
dZirth: Was bedarfs noch vieler Worte! Sein Ueberland—
lug München⸗ Nürnbera⸗Leipzig⸗Verlin (660 Kilometer) um
»en 50000 Mark-Preis hat ihn und seine „Taube“ po⸗
ulär gemacht; man liebt ihn beim Publikum, man achtel
hn hoch in Kollegenkreisen. Hirth ist Heilbronner Kind u.
ein Sohn des bekannten Groͤßinduftrieslen Albert Hirth.
Von Beruf Ingenieur beschäftigte er sich selbst mit den
Bau eines Flugzeuges. Bei der bekannten Firma E. Rumpler
Luftfahrzeugbau, Berlin, lernte er auf einem Etrich⸗Rumpler⸗
Fahrzeug das Fliegen. Am 27. März d. Is. legte er aul
der Rumpler⸗Taube in großem Stil als Erster nach den
erschärften Bedingungen seine Pilotenprüfung ab. Am 31.
März ernannte ihn die Firma Rumpler zum Oberingenieun
hrer Johannisthaler Werke. Am 7. Mai stellte Hirth am
Tannstatter-Wasen einen Passagier-⸗Höhenrekord auf, er er
ceichte dabei eine Höhe von 800 Meter. Veim Oberrhei⸗
nischen Zuverlässigkeitsflug ging er als Sieger hervor. Die
Uufmerksamkeit aller erregte Hirth durch seine großartigen
ürfolge in Kiel und besonders durch seinen See⸗Erkundungs⸗
lug über der Kieler Hafen am 22. Juni do. Is. In Kiel
chlug er auch seinen eigenen Höhenrekord, indem er mil
ꝛinem Passagiere 2200 Meter hoch stieg. Auch Hirth ist ein
ehr beliebter Fluglehrer. — Der dritte für die Saarbrücker
Flugwoche gesicherte Flieger sieht dem Namen nach noch
nicht fest, doch ist auch hier noch mit einem bedeuenden
Piloten zu rechnen, so daß wir in Saarbrücken auf jeder
Fall etwas Hervorragendes zu sehen bekommen werden
Eingesandt. Der „Exelsior“ Kinematograph im ,Nas—⸗
auer Hof“ hier bemüht sich immer mehr, dem hiesigen
Lublikum schöne Programme zu bringen. Für morgen
Sonntag hat die Direktion für hier einen ganz besonderen
auf dem ganzeu Kontinent mit kolosalem Erfolge aufge⸗
nommenen Riesenschlager in ihrem Programm und zwar
Das Leben, die Glanzzeit, und der Sturz des großen
Napoleon. Die ganzen Seenen dieses wunderbaren Schau
spieles sind von hervorragender Naturgetreue, und dürft
dieser Film das Interesse von ganz Dudweiler und Um—
aebung fesseln. Dieser Film ift nicht nur als solcher
öchst interessant, sondern auch in jeder Beziehung lehrreich.
Die genaue Beschreibung findet man auf deu reichhaltiger
Programm, welche heute unserer Zeitung als Beilage bei.
gelegt ist. Außer dem Riesenschlager „Napoleon“ werder
uns noch andere ganz hervorragende Dramen, komische und
Naturbilder vorgeführt. Siehe das Programm in de
beilage. Es ist zu hoffen, daß der „Grelsior Kinemato—
raph im „Nassauer Hof“ dieses schöne Theater, morger
Sonntag den ganzen Tag volle Häuser zu verzeichnen hat
Auf dem Wege der Besserung. Wie von glaub⸗—
würdiger Seite erfahren, soll der am 14. d. Mts. beim
dirchenneubau in Fischbach verunglückte Maurerpolien
Arschell sih aus dem Wege der Besserung befinden
Lebensgefahr besteht nicht mehr.
Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch trüb
ühl und regnerisch jedoch langsam Aufheiterung in Aussicht
Unserer heutigen Ausgabe sind 5 Beilagen eingefalzt
Central⸗Cinema. Die Auswahl und Zusammenstellung
des heutigen Programms ist nur dazu angetan, das Theate
in seiner Entwicklung und Förderung zu heben und beacht
man daher das in dieser Nummer sich befindliche Programm
Achtung! Falsch Geld! In letzter Zeit sind wiederhol
alsche Zehnmarkstuͤcke in den Verkehr gebracht worden, di
anscheinend aus einer vergoldeten Silberlegietung bestehen
Der Ausstand der Straßenbahner de
zleicher Ausdehnung an; wie uns mitgeteill
)eute 3 Wagen der FeLinie und 2 Arbeitswag,
rieb. Auf der Strecke Friedrichssthal sind Kb.
Betrieb. In der Stadt ruht der Verkehr „Fte
Eine geftern abend im Luisengarten abgehalten.
bahnerversammlung beschäftigte sich wieder mit
des Ausstandes. Es wurde hervorgehoben, de
weite Tag gut verlaufen sei. Der größte Tei
tändigen Straßenbahner, die gestern noch in—
zätten im Laufe des Tages ebenfalls die Arbeit
In der Versammlung wurde bedauert, daß vo
einige Ausschreitungen vorgekommen sein, dadu
Wagen beworfen und einem Wagenführer ein
an den Kopf geworfen wurde. Ülle ausständ.
vurden aufgefordert, sich in jeder Weise zu
»amit den ausständigen Straßenbahner ke
ätigkeiten gegen Arbeitswillige nachgesagt w
Die Lage sei heute besser als gestern. Anzu
daß die Polizei sich neutnal und objektiv verl
dem dann noch von allen Kollegen Einmütigt
Zusammenhalten gelobt, wurde die Versammuͤu
Von der Gesellschaft für Straßenbahnen im
uns folgende Zuschrift zu: Der Streik unserer
dauert heute noch in unveränderter Weise for
Personal zum größten Teile die Arbeit ohn
der vereinbarten Kündigungsfrist niederlegte,
zu dessen sofortiger Entlassung berechtigt gewe
dem haben wir Veranlassung genommen, unse
Personal mittelst eingeschriebenen Briefes
»innen 24 Stunden die Arbeit wieder aufzunel
dei wurde von uns darauf hingewiesen, daß sie
Angestellten als fosort entlafsen zu betrachten
sie dieser unserer Aufforderung nicht nachkom
In der Versammlung der Streikenden hy
teileitung der Organisation unserer Angestellte
ser Schreiben als einen Schreckschuß bezeich
Personal hat daher einmütig beschlossen, nod
Streik auszuharren. Daß aber die Absendung di—
bens und dessen Inhalt von uns sehr ernst geu
dayon wird sich das Personal sehr bald überzeu—
Trier, 30. Sept. Die Mordiat des Kam
Lhamine⸗-Glisczinsky, der Ende August seinen*
iant des 29. Regiments, im hiesigen Lazarett
ommt jedenfalls nicht vor das Schwurgerich.
ängnisarzt erklärte den Mörder, der nochmals
instalt zur Beobachtung überwiesen werden so
innig.
Neueste Nachrichten und Teleqgra
Dortmund, 30. Sept. Der Arbeiter Franzo
der am 185. Januar seinen Arbeitskollegen Aegu
wuf einer Wiese in Dorstfeld ermordete und vom
gericht zum Tode verurteilt wurde, wird heute
Hofe des hiesigen Gerichtsgefängnißes enthaupi
Kiel, 30. Sept. Das Linienschiff Elsaß ert
nachmittag Befehl, sich sofort auszurüsten, um mög
Seeklar zu sein. Das Schiff hat noch gester
Uhr den Kieler Hafen verlassen. Der Weg get
staiser Wilhelm Kanal nach der Nordsee.
Jeheime Ordres hat, die erft auf hoher See geb,
dürfen, ist sein Bestimmungsort noch nicht bekan
autet aber, daß das Schiff zum Schutz der Deu
eressen auf schnellstem Wege nach Tripolis geh
Gießen, 30. Sept. Das Schwurgericht verr
Njährigen Schlosser und Schleifer Wiihelm Erbe
1. M. wegen Raubmordes, begangen an der Zie
tersfrau Walter in Niedermörlen zum Tode u.
Einbruch zu 3 Jahren Zuchthaus. Ferner den
Schmied Heinrich Walter aus Niedermörlen zu
Befängnis, seine Schwesier Katharine wegen B
dehlerei zu 2 Jahren Gefängnis.
Rom, 29. Sept. Auf dem Piazza Colonna fo
Abend eine große patriotische Kundgebung statt.—
von Menschen zogen unter Gesang der Konigshy
Hochrufen auf die Armee und auf das italienische
vor das Kommando des Armee⸗Korps, wo stürmi
tionen für das Heer ausgebracht wurden. Alsd
man nach dem neuen Viktorio Emanuele⸗Den
patriotische Ansprachen gehalten wurden.
Rom, 29. Sept. Folgende offiziöse Commun
heute ausgegeben: Da die ottomanische Regieru
dem italienischen Ultimotum enthaltenen Forderun—
angenommen hat, befinden sich Italien und die 2
heute Mittag Zeinhalb Uhr im Kriegszustande.
nische Regierung wird mit allen ihr zur Verfügn
den Mitteln für die Sicherung der Italiener
Ausländer jeder Nationalität in Tripolis und
Vorsorge treffen. Die Blokade der ganzen tripo
und ceyrenaikanische Küste wird den neutralen Mä—
erzüglich notifizirt werden.
Rom, 30. Sept. Offiziell wurde heute bekan
da die türkische Regierung das italienische Altin
gelehnt hat, befindet sich seit heute Mittag 2ein
Italien und die Türkei im Kriegszustand. Italie:
allen Mitteln dafür eintreten, daß den Ausländerr
ders den Italienern in Tripolis nichts geschieht.
politanische Küste wird blockiert, was den Mächt⸗
teilt worden ist.
Rom, 30. Sept. Gestern wurde aus Tripol
det, das Schiffsleutnant Graf Lovatelli als Pe
in Tripolis gelandet sei und den türkischen Beh
Aufforderung zur Uebergabe des Platzes überre
Ueber die Annahme dieser Forderung seitens der
ist bis zur Stunde noch nichts bekannt.
Rom, 30. Sept. Gesiern nachmittag 2.60
der Minister Cioliano den Vertretern der Presse
mit: Die Antwortnote der Türkei anf das Uu
Italiens war keine bindende, sondern eine ausn
und hinausschiebende Antwort. Deshalb hat die
ung des Königs der Türkei den Krieg erklärt.
Rom, 39. Sept. Der Giornal d' Italia beri
Derutschland den Schutz der in der Türkei w
Italiener übernommen habe und meint, die alliieri
habe so Italien einen neuen Beweis der Freundso
der Sympathie gegeben, den man lief empfind
Italiener in der Türkei seien unter dem deutscher
sicherer als unter dem einer anderen Macht.
Rom, 30. Sept. Dos Geschwader unter
Aubry ist bereils dicht an die Küste von Tripoli⸗
zekommen und wird noch heute von Rom Weisung
chnell die Occupation zu vollziehen. Falls die
Behörden gutwillig den Halbmond herabziehen, g
talienischen Truppen heute noch nicht an Lani
ie auf Widerstaud stoßen, wird sofort mit der Be
kripolis und Ausschiffung von Truppen begonner
Konstantinopel, 29. Sept. Der Kapitän ei
delsdampfers, der hier eingetroffen ist, berichte!
russisches Geschwader von auffallender Stärke
unt gesichtet wurde. In Verbindunsg miü 5
4