Full text : Dudweiler Zeitung

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gate Umtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beil agen:
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* vᷣet Bürgermeisterei⸗Bezirk Dudweilen Sonntaqsblatt und Heitere Blätter.
inspr.⸗ Anschn vaarbenccon Nr. 69, 259, 269, 1261. Drucku. Verlag: J. Unterkeller, Dudweiler Verantwortlich für die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenieil Karl Unterleller
IA⸗cmen⸗ nmni gegen Tod durqh unfai bei der Rurnderger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Stunde anach dem Unfall in ärztliche
ndlung begeben. Tobesfaͤlle mũssen sofort spätestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebrach twerden. Über die Voraussetzung der Versicherung geben die Versicherungsbedingungen Aufschluß, die vom Verlage od. von der Nürnberger Lebensven sicherungsbank zu beziehen sind.
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sr. 233. Freitag, den 29. September 1911. 24. Jahrgan(

deleassee ins Stammbuch,.
ie Ursachen der Explosionskatastrophe an Bort
Liberte“ sind noch immer nicht festgestellt. Zweifel
daren aber grobe Fahrlässigkeiten und ein völliges
igen des Lösch⸗ und Rettungsdienstes mit im
aAn Bord des Schiffes befand sich, wie der
in“ meldet, kein Kommandant! Kapitän
3 war beurlaubt, der siellvertretende Komman—⸗
hejand sich nicht an Bord“, das Kommando hatte
rangaͤlteste Leutnant inne! Die „Liberte“ und
mmandant Jaures haben übrigens kurz vor der
Katastrophe, am 5. September, von sich reden
als sie die große Flottenschau in Toulon „ver⸗
Tie von dem Kapitän Jaures befehligte „Li—
nachte eine falsche Bewegung und stieß dadurch
nut der ihr folgenden, jetzt ebenfalls beschädig—
depubliquer“ zusammen. Die „Republique“ mußte
Alenbewegung machen, wodurch die Aufstellungs—
estört wurde.
Fatalite, das Verhängnis, wird natür⸗
uch diesmal wieder für die Katastrophe verant—
b geniacht.
Diese Fatalite“, fragt bitter die „Republique
neaise,“ „hat also eine Intelligenz und einen
ne Sie verfolgt uns mit besonderer Hartnäckig—
Warum ereignen sich solche Katastrophen nicht
, bei den andern Marinen? Gewiß, es gab
ajeine Unfälle, in England, in Deutschland, in
apan; aber alle diese fremden Schiffskataftrophen
relehten Jahre zusammen sind geringer an Zahl
die bei der französischen Flotte allein!“
der Tat sind die Unfälle gerade in der franzö⸗
Maͤrine besonders häufig und charalteristisch, so
aun die französischen Schiffsunfälle nach den da—
deckten Fehlern und Versäumnissen geradezu in
en ordnen kann. Die „Zeit“ gilt darüber eine
ante Zusammenstellung.
sind zunächst Unglücksfälle, die der Schiffs—
üerie zur Last fallen:
20. April 1906 ereignete sich auf der „Co u⸗
vbeim Schießen aus 16⸗Zentimeter⸗Kanonen in⸗
Jorzeitiger Entzündung der Zündschnur beim
zen des Verschlusses eine Explosion, bei der es 5
ind 16 Verwundete gab. — Am 2. August 1907
aus gleicher Ursache auf demselben Schiffe eine
on, die 3 Tote und 6 Verwundete ergab. — Am
RNaärz 1907 wurde das Linienschiff „Jen a“ in⸗
einer Pulverexplosion schwer havariert. Die Un—
uchung ergab eine Lagerunbeständigleit des fran—
jchen Pulvers. — Am 12. August 1908 wurde aber⸗
die Couronne“ heimgesucht; wieder forderte
ꝛaden viele Opfer: 9 Tote, 19 Verwundete. —
atouche⸗Treville“ gäb es am 22. Sep—
r 1908 infolge eines Bedienungsfehlers beim Oeff—⸗
»es Verschlusses eines geladenen Geschützes 14 Tote.
Oltober 1910 flog beim Schießen eines neuen 24-timeter⸗Schiffsgeschützes
 auf dem Schießplatz der Ver⸗
uß heraus. Unermeßlich ist die Zahl der nicht öf—
tlich bekannt gewordenen, ernsten Schäden an Höhen⸗
tmaschinen, Visieren, Verschlüssen, Bewegungsmecha⸗
nen und selbst an Türmen.
Aber auch aus dem Regime Delcassee ist be—
s ein solches schiffsartilleristisches Unglück zu ver—
daen. Vor wenigen Tagen — am 21. d. Mts. —
nodierte auf der „Gloir e beim Schließen eines
rschlusses ein Geschoß; ein Mann wurde auf der
lle getötet, 15 Mann wurden verletzt, davon sind 4
er ihren Verletzungen erlegen.
ronstrultions⸗ und Navigationsfehler verschuldeten
räßlichen Unterseebootskatastrophen, die noch in al—
Friunerung sein dürften: Im Juli 1905 sank die
arfadel“ in der Bucht von Bizerta. Beim Un
rtauchen hatten die luftdichten Klappen nicht ordentlich
nktioniert, Wasser war ins Bootsinnere gedrungen.
i dem Unfsall wurden drei Mann, darunter der Kom—
andant, durch die Wucht der eindringenden Fluten
erausgeschteudert und agerettet. Die übrigen 13 Mann

R

Goldene Herzen.
em amerikanischen Original nacherzählt von Karl v. Raesfeld.
5. Fortsetzung
Ae waren eine Strecke gesahren, agrunen Wei—
»er letzten Station waren hinter den Sandbügeln
en Augen entschwunden, und der Mond schien bereits
u sie nieder, mit einem Glanze, wie er bei minder
mer Atmosphäre nie wahrzunehmen, da erst sprach
ake wieder.
„Diese Lust ist wunderbar!“ sagte er; in seiner
immung lag etwas wie Begeisterung und seine
ugen hatten den Trübsinn verloren. „Für Sie, Herr
elaney, der Sie in einer Großstadt aufzewachsen, ist
vielleicht unmöglich zu verstehen, was diese großen
benen für uns sind. Dies, was anderen als eine
üste erscheinen mag — für uns ist es nur etmender
aum. gSier sind wir wie die ungezählten Adler. Frei!
erren über alles, soweit wir sehen! Wogegen in der
adt — was wäre ich da? Nichts! Ein Kerl, kei—
n Schuß Pulver wert, kaum für 'n Hausknecht gut
nug! Nein! Sehe jeder, wie ers treibe. Für Sie
Ihrer Frau, und später vielleicht Kindern, lieg
Leben vielleicht anders. Aber dennoch danke ich
ien, und Ihnen, Madame. Wenn Sie mich schon
ge, lange vergessen haben, werde ich auf meinew
d hier oben sitzen und von Ihnen beiden träumen.“
Wir werden Sie nicht vergessen, Jale“, sagte De—
eh, und dann schwiegen sie wieder, jeder mit seinen
danken beschäftigt, bis Ruth allmählich einnickte.
Wie lange sie geschlasen, wußte sie nicht. Sie fuhr
oͤlich aus dem Schlummer auf, als sie Männerstim
hörte, blickte hinunter auf die Straße und sal
i Reiter mit quer über den Sattel gelegter Büchse
eẽr war sehr erregt, erhob sich in den Bügeln und
e rückwärts, als er sagte:
Ungefähr zwanzig von der Sorte. Von der Agen
twischt. Auch 'n paar Squaws, alle besoffen und
eufeleien aus.“
abt Ihr sie gesehen?“ fragte Jake.
esehen? Nein! Hatte verdammt Angst, nachk
fommen“ womit er auch schon „Adieu“ rief

— — ——, M
chossen mit dem Boote in die LTiese und sarben eines
ntsetzlichen Erstickungstodes. Durch drei Tage konnten
ich die Taucher mit den unglücklichen Versenkten ver—
tändigen, es gelang aber nicht so bald, das Boot zu
heben. Fünfzehn Monate darauf ereignete sich fast ge—
aau an derselben Stelle die Katastrophe der „Lutie.“
Auch dieses Unterseeboot kam nach einem Untertaucher
richt mehr zum Vorschein. Einem Maschinendefekt, der
»as Boot zum Sinken brachte, folgte eine Gasexplo
ion, die die Besatzung von 16 Mann sofort tötete.
Die Katastrophe der „Plu vi o se“ am 27. Ma
910 zählt nicht hierher. Sie belastet einen anderer
zweig der Marineverwaltung. Das Unterseeboot „Plu
iose“ wurde von dem Paketboot „Pas de Calais“ an
erannt und sank 17 Meter tief. Die Rettungs⸗ undß—
zergungsmittel versagten in schmählicher Weise. Sit
anden die am Meeresgrunde durch viele Tage in
zootskörper eingeschlossenen 27 Mann den Tod.
Auch der Mangel an moralischen Qualitäten de'
IRffiziere und Mannschaften hat schon manches Unglüc
u der französischen Kriegsmarine verschuldet. Im Jahr.
908 ging das Truppentransportschiff „Nive“ mit zahl
eichen Soldaten unter, weil die Befehle des Komman
anten nicht befelgt worden waren.
Und nun der Untergang der „Liberte!“ Eine Ma
ine, die auf eine solche Unglückschronik zurückblickt, i
licht „erzbereit‘. Unter den betäubenden und lähmen
zen Einflüssen einer modernen Seeschlacht müßten sie
Il die eben erwähnten Mängel unendlich vervielfachen
ind eine unabsehbare Katastrophe herbeiführen. Nicht
iegt da näher als die Frage, die in einem englit
chen Blatte gestellt worden ist, ob die gleichen täg
ichen Versicherungen von der Erzbereitschaft der fran
öfischen Armee nicht vielleicht ebenso unbegründet seien

— — —
Politische Rundschau.
—A
* 351 ein Beschwerdeführer das Ré—
on der Bchörde den Ramen eines Beamten,
ber den er sich beschwert, zu erfahren? Diese Frage
rürzlich bei Durchsührung einer Beschwerde bejahend
atschieden worden. Ein radelnder Postbote hatte
nen Passanten durch übermäßig schnelles Fahren ge—
ihrdet und, als der Bedrohte ihn zur Rede siellte, sich
berdies ungebührlich benommen und Nennung seines
amens verweigert. Der Passant beschwerte sich beim
ostamt über das Verhalten des Postboten, erhielt in⸗
efsen den Bescheid, die Behauptungen des Postboten,
fei nicht zu schnell gefahren, seien nicht zu wider⸗
gen. Der Beschwerdeführer, der sich über die Per—
zulichkeit des unvorsichtigen Postboten erkundigen wollte,
rsuchte nun, ihm den Namen desselben mitzuteilen. Der
jorsteher des Postamtes antwortete jedoch, daß er sich
eder für berechtigt noch für verpflichtet erachte, den
amen des Postboten dem Beschwerdeführer mitz utei⸗
n. Hiermit war aber der Beschwerdeführer nicht zu—⸗
ieden, sondern rief die Entscheidung der Oberpostdirek⸗
on an und ersuchte, den Postvorsteher zu einer Aeu—
erung zu veranlafsen auf Grund welcher Dienstvorschrift
rosich weigerte, den Namen des Postboten zu nennen,
der welche dienstlichen Interessen gefährdet erschienen,
venn dem Beschwerdeführer der Name genannt werde.
Veiter bat der Beschwerdeführer den Vorsteher des
hoftamtes zu befragen, ob er sich denn auch für ver—⸗
Fflichtet und berechügt gehalten habe, dem Postboten
cn Namen des Beschwerdeführers vorzuenthalten, und
venn dies nicht geschehen wäre, aus welchem Grunde
zier ein Unterschied gemacht werde zwischen dem Be⸗
chwerdesührer und dem mit der Beschwerde Angegriffe—
nen. Die Oberpostdirektigon erteilte darau
dem Postboten eine Rüge und entschied, daß sie die
NRichtnennung des Namens des Postboten durch
en Vorsteher des Postamtes mißbillige.
* Auf Veranlassung der Handwerlskammer in Kö In
»urde einstimmig der Beschluß gefaßt, der Abgeordnete
ẽnler möchte im Reichstage den Antrag
lellen, daß eine gesetzmäßige Bestimmung erlassen
werde, wonach es Personen unter 21 Jahren verbo—

ilte, den ste gelommen.
Ruth blidte auf ihren Gatten; das Herz schlug ihr
or banger Furcht, dies Gefühl wich aber mitleidigen
liebe, als sie die düstere Sorge in seinen Zügen ge—
vahrte.
Auch er dachte an sie, denn er ergriff ihre Hand
nd hielt sie mit feuriger Zärtlichkeit fest, während sein
zlick den Horizont sondierte. Er spähte aus nach
inem Feinde, dem das Weib als solches und in seiner
„ilflosigkeit ein Anreiz zu Serdrechen ist, vor denen
loßer Mord zu nichts herablinkt
Auch Jale spähte nach allen Richtungen aus. Aut
inem Gesicht lag ruhiges Selbstvertrauen, ja, fast ein
ächeln, als er murmelte:
„Zwanzig! Mit der Hälfte kann ich allein ferng
zerden. Zwanzig! Ein schöner Fraß für den Teufel“
Ruth schauderte bei seinen Worten.
„O Herr“, betete sie von tiesstem Herzen, mit sol
jer Inbrunst, daß sie es nicht merkte, daß ihre Worte
örbar wurden, „o Herr, beschütze uns vor den Wilden
ind beschütze sie vor uns. Bewahre uns vor Mord,
Herr!“
„Mord?“ sagte Jake bitter. „Würden Sie es für
Nord halten, Madame, eine giftige Cobra zu tköten?
ẽine Cobra, kein Tier ist nur halb so viehisch grau—
am, wie diese Indianer! Leben Sie nur erst Jahre
ang unter ihnen, wie ich, und Sie werden Ihre sen—⸗
imentalen Gefühle nicht verschwenden, werden nich
nehr dafür beten! Wie ich, werden Sie dann Ihre
züchse hervorlangen, zielen und — wenn Sie einen zur
ztrecke bringen — die ruhige und feste Ueberzeugung
zaben, daß für solche Teufel eine Kugel das einzige
ind beste Gebet ist.“
Er langte bei diesen Worten nach seiner Flinte
»och plötzlich verschwand der zufriedene Zug aus sei
tiem Gesicht, seine Augen öffneten sich weit, und Ver—
weiflung sprech aus seinen Blicken.
„Nicht da!“ flüsterte er heiser. „Nicht da! Ver—
essen!“
Er sprang auf, ließ jedoch die Zügel der feuri—e
ahinrasenden Pferde nicht los, stand und starrte zurüc
die dunkle, mächtige Ferne. So mag ein S“chiffbru
naer aussehen. der dem fern entschwindenden rettender

—ä —
ten wurde, ein Gewerbe selbstandig auszuuben.
Frankreich.
*Die sozialistische Kammergruppe hat an der
dammerpräfidenten einen Brief gerichtet, worin sie di
ofortige Einberufung der Kammer verlangt unter Hin
veis darauf, daß es unzulässig sei, daß die Verhand—
ungen, welche mit Berlin über die Frage der Un—
ubhängigkeit Marokkos geführt werden, un—
er Ausschluß des Hauses der Abgeordneten itatt
inden.
England.
* Der englische Arbeiterführe Macdonald ham
as Amt der Führerschaft niedergelegt.
— th— —
Zur Marokkorage.
Nach einen Telegramm aus Berlin hat Staats—
ekretär won Kiderlen-⸗Wächter dem Botschaf—
er Cambon gesagt, daß die letzten französi
chen Vorschläͤge angenommen seien. Ir
ffiziellen franzoösischen Kreisen ist eine Bestätigung die—
er Meldung noch nicht eingetroffen, doch wird mit dem
Abschluß der auf Marokko bezüglichen Verhandlungen
ür Ende der Woche gerechnet.
Das französische Ministerium des
lLeußern gibt folgende offizielle Note heraus: „Die
on der deutschen Reichsregierung auf die letz—
n französischen Vorschläge vorzulegenden Abändeungsvorschläge
 in der Marokko⸗Angelegenheit
nd in Paris angelangt. Sie umfassen neue For—
erungen und enthalten Vorbehalte, die eine
ehr eingehende Prüfunag notwendig ma—
—X

—MMäü—c—c— —
Tripolis.
Oie türkische Provinz Tripolis in Nord-Afrika hal
ine Fläche von 1033 400 Quadratkilometer, sie is'
Iso fast doppelt so groß wie etwa Deutschland oder
rrankreich. Die Zahl der Bewohner wird auf eine Mil—
ion geschätzt; es sind hauptsächlich Mauren in der
Ztädten, arabische Beduinen und berberische Ureinwoh—
ner (Ademser) auf dem Lande, alle mehr oder wenigern
nit Sudan-Negern gemischt. Der größte Teil des Lan—
es ist Sand oder vegetationsloses Hügelland; die Wüste
ringt tief in das Land und stellenweise bis an das
Neer. Es gibt indes zahlreiche fruchtbare Oasen, die
urch Karawanenstraßen verbunden sind. Die Stadt
Dripolis, die ihren Namen mit dem ganzen Wila—
et gemein hat, bietet schon von der Seeseite aus das
zild unversälschten Orients. Ueber die flachen Dächer
er weißen Häuser, die von glühender afrikanische!
zonne bestrahlt werden, ragen die Kuppeln der Mo
heen und die schlanken, spitzzulaufenden Minarets. Aud
‚wei Kreuze ragen gegen den blauen Himmel; beher
ergt die Stadt doch auch eine griechische und eine katho
ische Kirche, mit der ein Franziskaner-Kloster verbun
»en ist. Der Handel aus dem Sudan gibt Tripolis
ind seinen Hinserländern wachsende Bedeutung. Der
dafen zeigt stets ein lebhaftes Treiben; Barken und
tuderboote schaukeln zwischen den Seeschiffen, die meif
ztaliens Flagge tragen. Ganz nahe dem Hafen, hock
gelegen und über Mauern und Lagerhäuser hinaus
agend, blickt das Regierungsgebäude nach der Seeseite.
ẽs ist ein reichgegliederter Bau, der aber mit seiner
ahlreichen schmucklosen Fenstern noch etwas Kasernen
saftes an sich hat. Der Lärm und das bunte Gewirmi
es Orients umfangen den Fremden; der mit der
andesüblichen zweirädrigen Droschke durch die zwan
olprigen, aber ziemlich reinlichen Straßen der Stad
n sein Hotel fährt. Wo er auch hinblickt, hat er der
indruck eines regen geschäftlichen Lebens. Unter der
olonnaden der Bazare sitzen die Händler und Kauf
eute, hauptsächlich Juden; auf den Hauptstraßen ein
zewirr von Ausrusern und Maultiextreibern.
Den östlichen Teil behielt England als ägyptischer
zudan, der Westen fiel an Frankreich, das dadurch seine
dongo Besitzungen mit dem Hinterland von Algerien
erknüpfte uͤnd so ein zusammenhängendes Kolonialge
iet vpon Golf von Guinea bis zum Mittelmeer schuf.
Zie Türkei hat dielen Vertrag n merkannt: sie ho

Fayrzeuge verzweglungsvoll nachsieht, den Tod vor
Augen.
— BDD0
zummkopf! Das einzige, was mich nie betrogen, 31
ergessen!“
Mit geballter Faust schlug er sich vor die Stiru
ind nahm unter düsterem Gemurmel seinen Sitz wie
er ein.
Nach einer Weile fragte Delaney:
„Jate“, sagte er ruhig, obwohl sein Gesicht nod
instere Spannung kündete und er Ruths Hand so fes
reßte, als ob nur der Tod sie scheiden könne. „Jake
Zie verstehen sich auf die Indiener. Was ist am bester
ür uns? Ist's sicherer, weiter zu fahren. oder um—
ukehren?“
„Weder das eine noch das andere bietet Sicherheit
zerr. Unbewaffnet sind wir immer und in jedem Fall
hnen dann preisgegeben. Was das Umkehren angeht, da⸗
st unmöglich. Ich habe die Post und muß fahren.
zr schien die Verzweiflrag, die ihn befallen, etwa⸗
bzuschütteln und fuhr lebyafter sfort: „Wenn Sie nich
esser bewaffnet sind wie ich, so haben wir miserable
lussichten. Doch habe ich schon viel mit entschlossenem
Widerftand ausrichten sehen. Da es sich nun um die
Vahl zwischen Leben und Tod handelt, so werde ich
nich jedenfalls wehren. Kann ich schon keinen Teufel
nehr erschießen, so will ich wenigstens noch einen er—
würgen, ehe ich selbst mein Leben lasse.“ Er lachte
grimmig vor sich hin und drückte die Hand, die ihm
delaney hinüberstreckte, krampfhaft.
Auch ich werde Widerstand leisten, Jale; habe ich
doch bei mir, was mir teuer wie das eigene Leben
dommen Sie, lassen Sie uns einen Plan fassen. Sie
befehlen. Ich werde mich allem fügen, nur darf mein
iebes Weib dabei keinerlei Gefahr ausgesetzt werden“;
nit diesen Worten küßte Delaney Ruth zärtlich die
»and und flüsterte ihr ein ermutigendes Wort zu.
Sie bedurfte des Trostes; in diesen wenigen Augen
licken atemloser Erregung war sie so blaß geworden
zaß sie im Mondschein wie ein Marmorbild aussah
zie sprach kein Wort, regte sich auch nicht; es war ih—
mmöglich; stumm und bewegungslos horchte sie den
plane, den Jake und ihr Mann ietzt entwarfsen, den
* —— 22. 52 3R M yx I

viederholt militartsche Vorstoße in vas Hinterland von
kripolis bis nach Ain Galakka in der Landschaft Tibesti
nernommen und ist dabei mehrfach in Konflikt mit
zrankreich gekonmen. Dieses hat ohnehin schwere
dämpfe mit den Stämmen seines Einflußgebietes zu
estehen, und sieht es nur ungern, wenn seine Herr—⸗
chaft auch von türkischer Seite bestritten und einge⸗
chräͤnkt wird. In Tripolis und in dem Hinterlande
is Tibesti soll die Türkei im ganzen jetzt 40 000 Mann
tehen haben; sie dienen zum Teil den militärischen Ex⸗
ebilionen ins Innere, zum Teil als Schutztruppe ge—
zen einen etwaigen Handstreich Italiens. Selbst wenn
die Türkei keine weiteren Truppen nach Tripolis wer—.
en kann, ist sie dort doch stark genug, um den Italie⸗
iern, wenn sie die Landung wagen sollten, genügend
Zzindernisse zu bereiten

It
Der „Daily Chronicle“ meldet aus Tripolis:
der fürkische Vampfer „Derna“ landete 100 Soldaten
ind mehrere Kisten Munition und Gewehre. Viele tür—
küsche Familien haben sich schon zur Flucht vorbereitet.
Das Komitee für Einheit und Fortschritt in Tripolieé
besahl jedoch den Türken, die Stadt unter keinen Um—
ständen zu verlassen; nötigenfalls würden sie mit Ge—⸗
walt zurückgehalien. Die Versicherung gegen Kriegsge—
fahr ist aus 40 Prozent gestiegen.
Zu dem kürkischitalienischen Konflikt äußert sich der
„Figaro“: Frankreichs frühere Abmachungen miit
Jialien und seine Freundschaften mit beiden Gegnern
hinderten es, sich an den Verhandlungen der letzten
Tage aktiv zu beteiligen. Dieselben Gründe schreiben
ine absolbute Neutralität vor, der wir un—⸗
erschütterlich treu bleiben werden. Unter dieser Vor—
wussetzung wird jedoch unsere Regierung im Einklang
mit den anderen Mächten alle Kräfte dafür einsetzen,
im den Konflikt zu lokalisieren. Keine Balkanmacht darl
m Versuchung geraten, aus der augenblicklichen Unord—
ung und Verlegenheit Nutzen ziehen zu wollen und
ich etwa in den Kampf zu mengen. Das ist für die
eäihe Binsomatfie eine Pisicht der Moräl und de—

—3
waren. Was avber sollte ihr Schutz sein, wenn er um—
Leben kam? Er, der Inbegriff ihres Lebens! Das Her
brach ihr schon bei dem entserntesten Gedanlen an ein
solche Möglichkeit, unterdes die beiden Männer kaltblü
lig die Lage erörterten und ihre Entschlüsse faßten.
Dann fragte Jale zur Kutsche hinein, welche Waffen
die Passagiere besäßen, und begründete diese unerwar
lete Frage mit der gleichzeitigen Mitteilung, daß man
möglicherweise auf einen Trupp entwichener Indianer
stoßen könne. Diese Ankündigung rief ein unbeschreib—
iches Durcheinander hervor: Die Männer stöhnten
furchtsam, die Weiber kreischten, und die Kinder, kaum
als genug, um zu verstehen, was vorging, heulten und
tkreischten mit den Alten in die Wette.
„Stille, sofort! Ruhig!“ befahl Jake, „oder Euer
Zkandal und Geheule bringt Euch die Wilden sofor
zuf den Hals! Können wir sie aber zu dem guten
Glauben bringen, daß bloß Männer an Bord sind und
keine feigen Heulmeier und Weiber, so ist vielleicht noch
ein Entwischen möglich.“
Bei diesen Worten sank der Lärm zu einem leise⸗
ren Durcheinander von Schluchzen, Stöhnen und Angit
geseufze herab, das schließsch auf den nochmaligen
energischen Besehl: „Ruhe!“ vollständig verstummte.
Jake erfuhr dann, daß die sämtlichen Waffen im—
nerhalb der Kutsche auf seiten der Männer in einer
alten Büchse und einem Einschlagmesser bestanden; das
chwache Geschlecht hatte nur eine Schere aufzuweisen;
ind die Besitzerin dieser furchtbaren Waffe rief schluch—
jzend: „Die behalte ich selber! Sie ist scharf genug,
im meine Kinder und mich tot zu machen, wenn die
zudianer kommen.“ Worauf die Kinder ein Geheul an—
timmten, und Ruth in ihrem bang erschauernden Her
xen inständiger denn zuvor betete.
„Und Sie haben eine Pistole und ein Weesser,“
agte Jake und warf einen Blick darauf, als Delaney
zeides aus dem Gürtel zog. Zwar nicht viel gegen
ie guten Gewehre, mit denen die Regierung die ver—
AAten Rothäute versieht. Immer aber noch besser, als
zjar nichts. Sind Sie ein guter Schütze?“
Mein,“ erwiderte Delaney, „es geht leidlich.“
Dann“, sagte Jake, „will ich, wenn Sie dami—
inrverstanden sind, die Pistole nehmen und Ihnen mein
Nactfe⸗ Je — xsrachte oin LAnoes fchari⸗e Mos
            
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