Full text : Dudweiler Zeitung

on tadellosem, dem Boden entspringenden Trinkwasffer
a der ersorderlichen Menge sind nur wenige Großstädte.
So trilt an die städüschen Körperschasten die Noiwen—
g!eit herau, ein nicht taugliches Wasser als brauch
»ares Triulwasser zu liefern. Drei Verfahren werden
eute angewandt, um über die Güte eines Wassers sich
in Urteil bilden zu können: die chemische, die bakterio—
ogische und die milroskopische Prüfung. Ein Wasser
st absolut zu verwersen, in dem sich auf chemischem
Wege nachweisen läßt, daß größere Zersehungen von
»rganischem Material stattgefünden haben müssen. Es
»arf sich also keine Salpetersäure, salpetrige Säure, Am—
noniak und Chloride nachweisen lafsen. Die Menge der
orhandenen organischen Substanz wird geprüft durch
»as Verhalsen des Wassers gegen Kaliunpermanganat,
orausgesetzt, daß andere orydbare Substanzen, die das
Inulysenergebnis beeinträchtügen können, nicht anwe.
end sind. Verbraucht ein Liler Wasser zur Zerstörung
»er organischen Substanz mehr wie acht Milligramm
ibermangansaures Kali, so ist es nicht geeignet.
Die balteriologische Untersuchung hat die Zahl der
orhandenen lebenden Keime festzustellen unde au—
drankheitsorganismen (3. B. auf Cholerabazitlen) zu
ahnden. Beide Untersuchungsmethoden müssen ergänz
verden durch die Resultate des mikroskopischen Befun
des. Der einmaligen chemischen Untersuchung hafte:
der Mangel an, daß sie den augenblicklichen Stand une
undgibt, aber kein Durchschuettsresultat. Findet d
zufluß von verunreinigenden Substanzen zum Brunuen
ur zu bestimmten Tageszeiten statt, so wird danmt auch
»er Befund wechseln. Tie mitroftopische Untersuchung
tellt die Art der in dem Wasser vorko uimeuden niede⸗
en Pflanzen und Tiere fest. Dem Biologen ist die Le—
ensweise der Organismen bekannt; er weiß, diele Form
ennzeichnet einen Abwässerungsorganismus, jene kommi
ur in reinem Wasser vor. Ift das Wasser eisenhaltig,
o wird der Bilokoge eine Reihe von Eisenbakterien
reffen, deren Gestalt so charatteristisch ist, daß er sie
mmittelbar ohne Reinzucht erkennen kann.
Wird also ein derartiger Organismus gefunden, so
st bestimmt auch Eisen in dem fraglichen Wasser vor—
anden. Haben wir ein schwefelwasferstoffhaltiges Was—
er, so werden wir Beggiatoa, ein fadenbiidendes Bat
erium trefsen, das freien Schwefel in seinem Innern
blagert. In Wässern, die stark durch fäulnisfähiges
Naterial verunreinigt sind, finden wir einen sehr cha
alteristischen Pilz, Sphaerotilus natans. In den Ab—
vpässern von Stärke⸗ und Zuckerfabriken, von Brenne.
eien und Mälzereien werden wir dieser Form häufit
egegnen. Wir haben hier Leitorganismen für die che
nische Zusammensetzung, ebenso wie wir die Zeit der
entstehung einer Erdschicht aus den gefundenen Leit
ossilien erkeunen. — Die mikroskopische Analyse wurde
/egründet im Jahre 1875 durch Ferdinand Cohn, der
ils Botaniker an der Univerfität“Breslau die mikro⸗
kopische Untersuchung von zahlreichen Brunnen waͤh—
end der Cholerajahre 1852 und 1866 vorgenommen
atte. Seine Resultate wurden dann aufgenommen von
ez, der das erste Handbuch der mikrostopischen Was
eranalyse schrieb und unsere Kenntnis vor allem we—
entlich weiterförderte durch die im Jahre 1901 von der
Ztaatsregierung ins Leben gerufene Versuchs- und
brüfungsanstall für Wasserversorgung und Abwäffer.
eseitigung hat sie eine rege, nutzbringende Tätigkeil
mtfaltet. — In der Abteilung „Städtereinigung“ kann
er Besucher der Internationalen Hygiene⸗Ausstellung
n Dresden die in weiten Kreisen noch wenig bekann
en Tatsachen, die aber von der größten Bedeutung
ind, in bequemer Weise kennen leruen. Die betreffem
en Organismen sind in Präparaten und in Abbildun;
en zu sehen.

—— — ——— —
Vermischtes
Die entführte Millionärstochter. Aus Budapefl
vird der „B. 3. a. M.“ berichtet: Die Budapester Po—
zei erhielt vor einigen Tagen folgende Depesche von
er Berliner Polizei: „Wir ersuchen, Josef Ortner, Pri—⸗
atdeteltiv aus Munchen, nicht aus dem Auge Au laffen.
ortner trifft Sonntag bat dbenn Oderberger Zug in Bu—
»apest ein. Bitten zu eriagren, mit wem er verkehrt
vo er sich ständig aushält.“ Ortner wurde denn aud
ier bei seiner Ankunst sofort erkannt und ständig be—
bachtet. Er wurde am Bahnhof von einem Nanne
rwartet, mit dem er ins Kaffeehaus ging. In diesem
Nanne erkennte die Budapester Polizei cinen stemrei—
sen Preßburger Kaufmann, einen Junggesellen, der al⸗—
son Juan schon häufig der Polizel zu schaffen machte.
zwei Tage nach Ortner kam in Budapest der Berliner
)etekti Ludwig Stache an und gab zur Ecklärung der
ingangs erwähnten Depesche an, daß der Preßburger
aufmann ein 16jähriges Mädchen, Tochter eines Ber—
ner Millibnärs. au sich gelockt habe und mit ihr flüch—
g geworden sei. Oriner leistete dabei den Don Juan
egen Bezahlung Hilse. Mit Stache kam aus Berlin
uch der Vater des entführten jungen Mädchens. Der
ichsuß war aber keine Klage, sondern eine Versöhnung.
er Berliner Millionär mächte gute Miene zum bösen
Pprel und stimmte, um die Ehre seiner Tochter zu ret
nn, einer Heirat zu. Natürlich bekommt der Münchener
zrivatdetektiv sein Honorar jetzt ohne Anstand ausge.
ahl und aulles Iön b ια -
—2
n dieses unterirdisches Loch?“ fragte der Greis, inden
t seinen Blick durchdringend auf' den jungen Man
ichtete und sich schwer auf den in der Mitte stehendel
fichentisch stützte. „Bist Du in der Tat ein Unglückli
her, den man auf die elbe hinterlistige Art hierher ge
racht hat, wie mich, so reiche mir die Hand. Seil
hhr aber gekommen, um eine Komödie zu pielen, derel
weck der ist, mich auszuforschen, so wird dies vergeben
ein.
„Ich wüßte nicht, was ich auszuforschen hätte,“ ent
egnete Steinbach. „Weiß ich doch nicht einmal we
Ihr seid und habe erst durch unseren gemeinsame!
Herrn Kerkermeister Kenntnis von Eurer Anwesemhei
⸗rhalten.“
„Gut, gut! Wenn Eure Augen, Euer Blick nich
rügen, so scheint Ihr ein ehrlicher Mann zu sein. Seh
kuch dort nieder auf den Holzblock, wenn Ihr vielleich
oisher gepolsterte Sitze gewöhnt seid, wird es Euch hie
etwas anders vorkommen. Für welches Vergehen büß
Ihr denn eigentlich an diesem Ort der Trauer?“
„Ich wollte mich einer unverdienten Srafe entziehen
uchte Schutz auf dieser Festung und ward hiehergeführ
entgegnete Steinbach.
„Was heißt unverdiente Strafe, Ihr mußt Euch di
chon etwas bestimmter ausdrücken. Auch ich bin unver
dientermaßen hier. Doch ist meine Erlösung nicht meh
erne ich sühle es.“
Steinbach teilte dem Alten in Kürze seine Lebensge
schichte mit. Als er auf seine erste Begegnung mit Au
ora und auf den Spuk am Jagdhause zu sprechen kan
Zda sprang der Greis erregt auf und packte mit seinen
gznochigen Faust den Sprecher an der Brust und schüt
telte ihn.
„Mensch! precht Ihr die Wahrheit?“ rief er mĩ
heiserer Stimme, um ader gleichzeitig von einem heftige
Husten befallen zu werden, dem ein Blutstrom aus un
und Rase folgte.
B sprang Steinbach dem alten Mann zu
Hilfe.
„Es geht vorüber wenn auch vielleicht nur für kurz
Zeit — ich sagte doh schon, das es mit mir bald z1
Ende geht. Der Himmel hät mein Flehen erhört und
mir im letzten Augenblick Hilse gesand. Aukota. mein
Kind, mein einziges Kleinßo.“

Wellenspiel am Strande. In der'Ok obernummer
er „Süudeutschen Monatshefte“, mit der der neunte
ahrgang dieser Zeitschrift beginnt, verösfentlicht Prof.
Ir. M. Flesch (Frankfurt) ein Gedicht, das Josef Ma—
ejti, Orgelbauer in Franksurt a. M., zum Verfasser
at. Ter 53 Jahre alte Mann hat früher Wanderun—
en in Norddeutichsand gemacht, deren Eindräcke er in
zedichten zum Ausdruck brachte. Die kleine Dichtung,
ie bei aller Einfachheit durch ihren gedantiichen Ernst
esselt, lautet

Wellenspielam Strande.
Ich sitze einsam an dem Strand
Und schau hinaus ins Meer,
Figuren zeichne ich im Sand
Vor mir, — gedankenschwer!
Ich zeichne mir ein schönes Haus! —
Da kommt die Flut und löscht es aus —
Der Sand bleibt alatt und leer.

NMit tiesen Rinnen grab ich's ein,
Was mich eallzeit bedrückt,
Auch was im Leben Sonnenschein
Mir gab und mich entzäckt,.
Ich machte ctiten Vers daraus,
Die Welle kommt und löscht es aus
8if anderon «teet

So lemmt die Woge mit der Zeit,
Der Menschengeist, er schreibt ünd schreibt
Dft seine Freuden und fein Leid
Im Sand! Die Zeit, sie treibt
sin Wellenspiel mit uns, o Graus!
Ddie Woge fommt und löscht es aus
ir Sand und Wosser 6si01

Leuchtendes Fleisch.*)
Betritt man nachts einen Raum, in dem mehrere
kdage hindurch Seefische oder Schlachtfleisch aufsbewahr
vourden, so wird man aufs Höchste überrascht sein von
em prachtvollen Anblick, den die einzelnen Fleischstücke
ieten. Sie erglänzen fast durchwegs in einem ziemlick
ellen, weißlich grünen Licht, so daß ihre Umriffe gam;
eutlich wahrzunehmen sind.
Dieses, durch die Anwesenheit gewisser Arten vpon
euchtbakterien (z. B. Bacterium phosphoreum (Codn)
olisch/ bedingte Phänomen stellt sich nicht sofort ein;
rst wenn das Fleisch, bezw. die Fische sich den erfle
ztadien der Fäulnis nähern, gelangen die Bakterier
u üppiger Entwicklung und das Leuchten beginnt. Das
zleisch ist aber dabei noch vollkommen genießbar, je
pir können mit ziemlicher Sicherheit annehmen, doß wir
ehr oft leuchtendes Fleisch zu essen bekommen Das
hänomen wird nur nicht bemerkt.
Bringt man eine Kleinigkeit der leuchtenden Sub—
tanz, die sich ohne weiteres abwischen läßt, in Glaser
nit geeigneter Nährgelatine, so gelingt es, sog. Rein—
ulturen der betreffenden Bakterien zu züchlen, an dener
nan dann ihre Eigenschaften genauer erforschen kann.
Das von solchen Kulturen ausstrahlende Licht ist
inreichend stark genug, um bei Pflanzenkeimlingen he⸗
iotropische Krümmungen auszulösen. Auf die pholo
raphische Platte wirkt es nalurgemäß kräftig ein, ja
ei Anwendung mehrerer von ihm konstruierter „Bat
erienlampen“ konnte Molisch sogar u. a. eine Vust
im Batterienlicht photographieren. Von einer prakiu
chen Verwertung dieser eigenartigen lebenden Laͤmpen
ann aber trotzdem vorläufig keine Rede sein, da das
richt doch zu schwach und unbeständig ist. Molisch be
aßt sich aber allen Ernstes mit dem Versuche, zu be
onderen praktischen Zwecken verwendbare Bakterienlam—
en zu konstruieren, ein Beginnen, dem durchaus nich
srfolgsmöglichkeit abgesprochen werden darf.
Die Leuchtbakterien, die in unseren Gegenden das
Zeuchten des Fleisches, sowie der Seefische hervorrufen
inden sich regelmäßig im Meerwasser. Daraus erklär
s sich, daß sie nicht nur den toten Seefischen, sonderr
uch Muschelschalen und anderem anhaften. Und nod
ine bei Züchtungsversuchen bemerkte Tatsache finde—
sierdurch ihre Erklärung, daß nämlich diese Baklerier
n hohem Grade halophil sind, d. h. das Salz zu ihren
ippigen Entiwicklung bedürfen. Läßt man Fleischsftücke
n Glasschalen, die zur Hälfte mit dreiprozentiger Salz
ösung gefüllt sind, in einem kühlen Zimmer (shattig
ehen, so wird sich bald das erwartete Leuchten einstel⸗
en. Auf diese Weise kann sich jeder leicht den Anblis
es eigenartigen Phänomens verschaffen

*) Aus „Natur“, Zeitschrift der Deutschen Naturwiss
gesellschaft, herausgegeben von R. 5. France, Leipzi
Theob. Thomas Verlagh, Bd. 2, Heft 44.

αααäαWOüA—
Aus aller Welt.
Schurefölle. Seit Mittwoch sind in verschiedenen
zegenden Thüringens Schneefälle vorgekommen. In
en nördlichen Regionen ist aber nach wie vor warme
emberatur

—

3 „Wer seid Ihr?“ stammelte der junge Mann faf
richrocken.
„Auroras Vater!“ sagte der Greis mit leiser Stimme
Komme dicht zu mir heran, damit ich Dir ein Geheim
is mitteilen kann, welches Dich glücklich machen kann
8 und mein Kind, während es mir zum Unglück ge
ichte.
Is wurde dem jungen Manne ganz seltsam zi
Mute. Was sollte er noch alles erleben und ersahrei
aüssen.
Komm' näher, immer näher, damit Dir keines mer
ser Worte entgeht.“
Steinbach rückte ganz nahe an den Alten, der sid
von seinem Hustenanfall wie der etwas erholt und sic
uf einem kleinen rohgezimmerten Schemel niedergelasset
atte.
„Reich mir einen frischen Trunßk Wasser,“ bat de
zreis, indem er auf einen mächtigen irdenen Krug hin
ies, welcher in einer Felsennische stand. Steinbach wil
ihrte diesem Verlangen, indem er einen neben der
druge stehenden Becher füllte und denselben dem Du—
igen reichte, welcher ihn ja st leerte.
VDer wWreis machte eine Pause und fuhr mit de
hand über die kahle, hohe Stirn, als wollte er sein
zedanken sammeln. Erst als Steinbach durch ein Zei
hen der Ungeduld zu verstehen gab, daß er danach ver
ange, zu ersahren, was er ihm mitzuteilen habe richtet
ich der Alte auf.
—13. Kapitel.
Nachdem er den leßten Rest Wasser aus dem Beche
jetrunken und ein tiefer Seufzer seine Brust erleichter
Jatte, begann der Greis mit leiser Stimme seine Erzäh
ung:
Ich war in meiner Jugend ein Schofzkind des Glü
zes. Meine Eltern waren reich, mein Vater einflußreich
m Hofe zu Dresden und so stand mir eine glänzend
ukunft bevor, nachdem ich meine Studien beendet hatte
voch wie es das Schicksal will, ich hatte kaum das
vanzigste Jahr erreicht, da starben meine Eltern und
h erbte mit meinem Biuder ein bedeutendes Vermögen
ei, welch? ein lustiges Leben begann, als erst die Trau
zeit vorüher und ich nun Herr über mich selbst wa

Spionage? In der Gaststube des Hotels Jesche im
Zwinemünde wurde nachts von zwei Soldaten
er Hanptunache mit aufgepflanztem Bajonett ein jun—
er Maun verhaftet, der seit langer Zeit in obigem
rokale verlchet und sich als Offizier ausgibt. Die Ver⸗
— Kommandantur. Es
oll sich um binien augeblichen Leutnant Busse vom Stet—
iner Ribnicrbatgillen handeln. Es wird ihm der Ver—
ehr mit einen Franzosen, der in Konstantinopel Re—
dalteur ist, zur Last gelegt. Ob Spionage und Verra
»orliegt, muß die Untersuchung ergeben.
Spiunitis. Wie berichtigend gemeldet wird, ist die
Zacht der unter Spionageverdacht verhafteten beiden
Englünder nicht unter holländischer, sondern unter n o r—
vegischer Flagge gefahren.
Der Zar und die Juden. Infolge der Kund—
machung, daß der Zar der Bepölkerung jede eigenmäch—
ige Veratustaltung von Pogromen verboten hat, ist un—
er der jüdischen Bevöllerung von Kiew Beruhigung
einzetresen. Viele Juden, die aus Furcht vor Pogro
men Kiew verlassen hatten, siind zurückgekehrt. Wie es
heißt, ist der abgesebte Polizeichef Kutlsabko nach Pe
tersburg berufen worden.
Neue Attentatepläne. Am Bebnhofse in Wilna
wurde während der Durchreise mehrerer Großfürsten
ein elegant gekleideter junger Mann, der große Erreg⸗
ing zeigte, verhaftet. Der Unbekannte wurde durchsucht
Man fand bei ihm einen gelavenen Browning und i—
zen Dolch. Der Mann verweigerte die Nennung seines
NRamens. Man glaubt, einem neuen Anschlage auf de—
Zpur zu sein.
Der Pariser Gelbmarkt. Eine Note des „Matin“
erklärt: Die im Auslande verbreiteten Behauptungen
iber eine beunruhigende Lage des Pariser Geldmarkttes
utsprechen nicht der Wahrheit. Wenn kürzlich auch eine
ewisse Geldtklemme herrschte, welche man der durch der
vang der deutsch-franzöfischen Verhaudlungen geschaffe
ien Ungewißheit zuschreiben muß, fo ist es doch wieden
tormal geworden. Der Ministerpräsident und ehema
ige Finanzminister Caillaux und der jetzige Finanz
minister Klotz haben sich durch eine rasche Untersuchunc
davon überzeugt, daß die Reportsätze für die nächst
Altimoliquidation niedriger sein werden als bei ver
orangegongenen Medioliquidation und daß der Parisen
Platz au Ende dieses Monais alle nötigen Kapitalien
zu seiner Verfügung haben wird.
Greschützerplosion. Während des Preisschießens
des dritten französischen Liniengeschwaders bei Tou
on zersprang das Verschlußstück eines Geschützes auf
em Kreuzer „Gloire“. Ein Mann wurde gelstet. fünf⸗
ehn verwundet.
Massenvergistung. In der Ortschasft Camine
Belgien) sind 90 Versonen insolge des enusses von
deber-Pastete unter Vergistungs-Erscheinungen erkranki.
kine Persen ist bereits gestoen, zwei liegen auf den
Dod darnicher. Der Nerkäufer der Leher-Pustete wurde
erhaftet.
Diskonterhöhung. Die Bank von England ham
ihren Tiskont von 38 auf 4 Prozent' erhöht.
Vom Aetna. Aus Catania wird berichtet:
Wie bekannt, hatte eine wisenschaftliche Kommission her
yorragender Gelehrter eine Erpedition nach dem Aetne
internommen, über deren Verbleib man mangels jeg
icher Nachrich!en in großer Besorgnis schwebte. Dies
„at sich nun glücklicherweise als unbegründet herausge
tellt und sämtliche Teilnehmer der Erkursion befinder
ich in Sicherheit. Ueber ihre Besteigung des Aein
nachten sie folgende Angaben: Wir hatten mit große
Schwierigkeiten zu kämpfen und schwebten eine Zeitlang
in höchster Gesahr, denn als wir in die Rihe
haupikraters gelengt waren, strömten aus diesem plötz
lich giftige Gase aus. Wir halten bereils jede Hoffnunç
zuf Rettung aufgegeben, als fich ein heftiger Sturm er
hob und die Gase fortwehle.“ Wir gelangten schließlick
num Observatorium, wo wir den Professor Zusfara vᷣhn
nächtig vorfanden. Zu den Teilnehmern an der ge
ahrvollen Expedition gehörten u. a. der Berliner Pro—
essor Fiedler und der bekannte römische Gelehrte Ricco,
ie annahmen, daß die letzten Erdstöße nur die Aus
äufer der vulkanischen Tätigkeit sein würden, was si
ils trügerisch herausstellte.
Festgejsahreuer Kreuzer. Aus Melitla wir!
zerichtet: Der Panzerkreuzer „Cataluna“ ist in der Buch
on Yazanem in der Nähe vom Kap Tres⸗Forcas an
gelaufen.
„ZDie Unruhen in China. Die Regierung veröf
feutlicht ein Telegramm des Vizekönigs aus Tschengtu
nach dem 10 000 Aufständifche Tschengtu ange
griffen hätten. Sie selen überall geschlagen wor
den. Die Regierung erließ ein Edikt, in dem sie de
daltung des Vizekönigs Anerkennung zollt und Orde
rteilt, zur Unterdrückung des Aufftandes Truppen nach
den Proͤrinzen Hupe, Yunnan und Szechuan zu ent
enden. — Berichte aus Tschung-king laͤuten nicht so
—— sie weisen auf die Möaglichkeit weiterer Un
uhen hin,

— — ——⏑· —
nd ich keinem Menschen mehr Rechenschaft über meil
run abzulegen hatte. Ich will darüber hinweggehen
enn was ich hier zu erzählen habe ereignet sich in an
eren Fällen nur zu oft, denn es ist nichts seltenes, das
ie Kinder das ererbte Bermögen der Eltern durchbrin
en. Das Ende dieses lust igen Lebens war, daß ice
ines Tages als vollständig derarmter Mann dafstam
nd nur von der Erinnerung leben konnte. Den Be
ner der Freude hatte ich allerdings bis zur Neige gelehrt
ber dies reicht doch immerhin nicht big ans b
us.
Durch mein Leben hatte ich mir natürlich auch mein
Ztellung verscherzt, ich war alfo in einer wirklich schlim
nen Lage und die Ernüchterung wirkie daher doppel
inangenehm. Zudem hatte durch das ausschweifende Le
en auch meine Gesundheit gelitten, ich verfiel in eim
chwere Kranheit. Es begann nun eine recht traurig
Zeit für mich, deren Schilderung ich mir ersparen win
Das Glück war mir indes günstig, eines Tages sah ic
nich als wohlbestallter Sekrelär eines rei chen Grafen, ie
onnte mich im Grunde genommen über die glücklich
Wendung meines Schick sals zufrieden geben. Doch da
amen die polnischen Wirren dazwischen, mein Herr, des
en volljtes Vertrauen ich genoß, wurde mit hmeingezo
en. Wu mußten aus Polen fliehen, o, ich denke heuͤt
och mit Schreken an die Drainsate welot wir dac
ben maußten F
r FEseVas mn ele are
Kleinode anvertraut war, wurde Tag und Nacht gehetzt.
im ihm die kostbare Beute abzuijagen, denn wir waren
ortwährend von Spionen umgeben. Mein Herr aber
zämpfte einen verzweifelten Kampf und ich mit, denn
n dem großen Schatz, welchen er bei sich führte, steckte
er größte Teil seines eigenen Vermögens, da er kurz
yor unsere Abreise nach Polen einen Teil seiner Güter
herkauft hatte, weil er vom König von Polen zum Ver—⸗
weser des Königreichs Polen bestellt worden war, und
»aher die Ansiedlung in der neuen Heimat eine dauernde
ein sollte. Aber dies war nicht von Bestand, ent⸗
nutigt verbittert und krank an Leib und Seele kehrte
der Graf wieder nach Sashsen zurück.
Ich jand manches verändert, nach unserer Rückkehr;
neine Frau war gestorden und mein einziges Kind. ein

Der versöhrende Abschluß. Die deutsche „Por
Zeitung“ erzählt folgendes nette atielle Geschichte,
Auf der Eisenbahnsahrt von VParis nach Versailes
and sich dieser Tage der Dramatiker Paul Herr
Mitglied der Academie Francaise, einem gleichfalle
Rosette tragenden älteren Herrn gegenüber. Her.
wußte ganz genau, daß sein visa⸗vis Mitglied des
tituts von Frankreich fei, aber der Name, der Na
Man sprach von der schönen Literatur. Der ältere
bekundete das lebhafteste Interesse an dem von
vieu für die nöchste Spielzeit des Theatre Francais
dereiteten Schauspiel , Le Masculin“ „Ich bin be
sertig“, sagte der Dichter, „es fehlen am Manus—
nielleicht nur noch fünf Seilen, aber dieses Ende
air viel zu schaffen, ich habe große Schwierigkeit.
'on allen Seiten verlangten versöhnenden Abschl
inden.“ „Ganz mein Fall“, erwiderte lächeind
doslege. Nun war Paul Hervieun erst recht in
dlemme und wante kein Wort woiter. Der ältere
veidete sich einen Augenblick an der Verlegenheit
inderen und bedeuerte dann: „Es ist wirklich so
befinde mit genan in Ihrer Lage, lieber Hervieu,
mir fehlen die allerteßien Bläuer zu dem von
Seiten gewünschten versöhnenden Abschluß.“ „Und w
soll Ihr Wert herauskommen, Herr Koliege?“
Herbst, ich hosse es wenigstens“ „Und der Titel?“ „
Velbbuch über die Marotko⸗Angelegeuheiten Jetzt
dannte Hervieu sein Gegenüber: Herrn de Sel!ves,
glied der Atademie für die politischen und moralis—
Wissenschaften, derzeit Minifter des Auswärtigen
Hübsch (erfunden nichte

Landwirtschaftliches.
Zur Bekämpfung des agrarischen Notstande
zur Milderung des Noistandes, der in einem groß
leile des Staates durch den beirächtlichen Mangel .
zutter und Streu hervorgerufen ist, hät, wie die amt
iche „Verliner Korrespondenz“ erfährt, das Ministeriun
ür Landwirtschaft angeordnet, daß im laufenden Etat⸗
ahr Waldsireun aller Art aus den Staatsforsten, fern
sorf zu Streuzwecken, sowie Gras und Futierlaube
Wibapersonen zu einem Preise abgegeben werden so—
en, der bis auf ein Drittel der Tarsätze zuzüglich d
twa aufgewendeten Werbungskosten ermäßingt werd
ann. Die Gewährung der Waldstreu uswe hatts.
sauptsächlich auf die kleineren, unbemittelten Grundb
tzer und Pächter zu erstrecken. Größere Besitzer u
Zächter werden wegen der beschränkten Leistungsfäh
eit des Waldes nur ausnahmsweise berücksichtigt we
en können. Ferner wird auf die bereits früher allg
nein erteilte Ermächtigung verwiesen, „in Notjahrend
Waldweide mit einem über die festgesetzte Höchstzar
inausgehenden Eintrieb von Rindvieh und Schweiné
u gestatten,“ das Vieh der Waldanwohner, soweit d
ttücksicht auf die Forstwirtschaft die Ausübung d
Valdweide überhaupt angängig erscheinen läßt, na
Bedarf zu dieser Nutzung zuzulassen, auch das na
Monaten zu berechnende Weidegeld nach eigenem 6
messen bis auf ein Drittel der tarmäßigen Sätze
ermäßigen. Endlich soll im Bedarfsfalle auch den Oben
örstern und Forstschutzbeamten im laufenden Jahre di
Entnahme von Gras und Streu gegen Zahlung eine—
Drittels der Taxpreise und der vollen Werbungskosten
falls solche aus der Forstkasse gezahlt worden sind, ir
den für Notjahre festgelegten Grenzen gestattet werden
Desgleichen kann diesen Beamten unter denselben Vor
aussetzungen die Waldweide, sofern sie forstwirtschaftlid
überhaupt zulässig erscheint, gegen Zahlung von einen
Drittel der tarmäßigen Sätze auch für einzelne Monat
aeitattet werden.
werichtszeitung.
.Mordßrozeß. Aus Berlin wird berichtet: D.
Zimmermanus frau Joseph aus Schwerie, die am 2
Zuli ihre Schwiegermutlet erschlagen hatt wrde von
chwurgericht zu fünf Jahren Gefängnis perueteit
òo Rernrieilter Ofsigier. — —— .
otski wurde vom Kieler Kriegsgericht wegen Al
tattung wissentlich falscher Meldungen, Urkundenfälse
ing und Betruges zu 114 Jahren Gefängnis um
Dienstentlassung perurtei

Von der Lustschiffahrt.
*Fliegerunfall. Aus München wird «—
richtet: Auf dem Flugseld Oberwiesenfeld ereignete *
ein Unfall dadurch, daß der Ingenieur Otto, als
mit einem Passagier aufgestiegen war, in etwa 20 M
ter Höhe die Mütze verlor und diese in die Steuerun
flog, wodurch letztere unbrauchbar wurde. Der Appara
ging rasch zu Boden, sodaß ein Teil des Apparates zer
irümmert wurde. Otto und der Naisaagier blieben un
verletzt.
*Flug um die Welt. Zwei Franzosen habe,
ben kühnen Plan gefaßt, um die Welt zu fliegen. Da
elbenteuerliche und Unwahrscheinliche ihres Entschlusse
wird aber dadurch gemindert, daß sie fich durchausi
den Grenzen des Möglichen halten werden, und wo si—
nicht fliegen können, sich anderer Beförderungsmittel be
dienen wollen. Die beiden „Weltumflieger“ find der be
kannte Bleriot-Nilot Mamet und Rene Milion

—
Mädchen, hatte einstweilen Aufnahme bet meinem Bru
er gefunden. Mein Herr war ebenfalls seit unserer
tückkehr aus Polen ein vollständig anderer Men sch ge⸗
porden, indem durch die vporausgegangenen schweren
dämpfe sein Geist gelitten haben mochte — er wurde
in Sonderling, der außer mir niemanden um sich duldett
ader steten Furcht lebend, man könnte ihm sein Geld
nd seine sonst gen Schätze rauben, die in in einem klei—
en eisernen Kasten aufbewahrte, den er Tag und Racht
ewachte. Niemand kümmerte sich auch weiter um ihn,
a seine Verwanden allgemach annahmen, er habe ein
bermögen in Polen verloren.
So vergingen Jahre bis Sachsen in den Krieg mit
zreußen hineinzogen wurde und letztere in unser Land
narüchten. Schon dei dem ersten Bekanntwerden von dem
nrücken· der Preußen überrafchte mich der Graf eines
ages mit der Mitteilung, er werde flůchten, da er fürch⸗
e, die Preußen würden ihm seinen Schatz rauben.
4Der Greis fuhr fort „Vergebens suchte ich ihm die!
errückte Idee auszureden, aber er war nicht davon ab
ibringen; Er bat mich so lange, bis ich endlich einwil
gte, ihn auf der Flucht zu begleiten. Es war ein
irchtbar stürmi sche Nacht, die zu Flucht gewählt wor
en war, vorher aber hatte ich zum ersten Male einen
zlich in den eisernen Kaften wersen können, denn ei
atte denselben eben so sorg jältig vor mir wie vor ande
ꝛn gehütet und ich war förmlich geblendet von den Sckä
n an ungemünztem Gold, Edelsteinen und sondligen
chmucksachen.
Trotz dieses Reichtums konnte der Graf aber dob
e Veise nicht so schnell unternehmen, denn es fehlt—
in an barem Gelde, da er in den letzten Jahren reir
rauf ver sessen gewesen war, alles in Edelsteinen und
chmucksachen anzulegen. Ich mußte Rat schaffen und
ach einigen Schwierigkeiten gelang es mir, meinen Bru—
er, der im Ruhestand lebte, zu bewegen, daß dieser den
ößten Teil seines Vermögens hergab, indem uns der
raf seine gesamten Schätze, die nach oberflächlichen
cqätzung mindestens das zehnfache wert waren, verschrieb
hir verließen kurz vor dem Einrücken der Preußen di
tadt in einem mit zwei Peerden bespannten Wagen
er eiserne Kasten war sorg ältig unter Stroh und De
en verwahrt nund der GSraf saß oben gquf
            
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