Full text : Dudweiler Zeitung

Bgerechter Weise zu vertetlen und in den einzelnen
ändern paraliel zu gestalten. So würde der Wettbe—
ocrb gleichmäßiger werden. Wirtschastliche Kämpfe
yöcen nicht auf, so lange das Leben eines Volkes
ncht erstarrt, daher kann sich auch die Soziaspolitik me
nals erschöpfen. Wir hossen von der Fortführung einen
esonnenen Sozialpolitik, daß einigermaßen die Gegen
ätze ausgeglichen und Zustuünde herbeigeführt werden.
inter denen wirctschastliche Kaämpfe nicht stets zu neuen
zchädigungen führen

Hunst und Wißenschaft.
2 Um die schöne Helena. Das Wiener Extrablat!
neldet: Die Voltsoper wurde mit dem „Fliegenden Hol
änder“ wieder eröffnet, wobei Fräüulein Jeritza die
Senta sang. Es siel dabei auf, daß die Nünstlerin sehr
tiervös war. Nun erfaäͤhrt man den Grund dieser Auf
egung: Am Nachmittag vor der Aufführung war näm
ich eine dringende Depesche von Prof. Reinhardt ein
getroffen, in der Fraͤulein Jeritza aufgesordert wurde,
n Muünchen einzutressen und doͤrt im „Orpheus“ voi
Afenbach zu singen. Fräulein Jeritza war so unvor
ichtig gewesen, mit Reinhardt eien Vertrag zu schlie
zen, der sie zu einer Helena-Tournee in England um
»en Vereinigten Staaten verpflichtet. Die Kuͤnstlerin er
zält ein Honorar von 45 000 Kronen und Direktor Rai
ter Simons wird als Enischädigung ein Honorar vor
20 000 Kronen angeboten, was Fraͤulein Jeritza 31
lauben veranlaßte, daß die Volksoper sie freigeber
vürde. Herr Runer Simons erhob aber Protest un
erklärte, er würde Fräulein Jeritza, wenn sie etwe
iach München abreisen sollte, verhaften lassen, um si—
ur Erfüllung ihrer Vertragsverpflichtungen an den
zolksoper zu verpflichten. Rum gab es einen richtigen
cojanischen Depeschen⸗ und Telephonkrieg um die schöne
elena. Sowohl Prosessor Reinhardt als auch Rainer
Simons bestehen auf ihrem Vertrag. —

Ministerpräsident Stolypin PF.
Der russische Ministerpräsi—
»ent Stolypinistin derNacht
um Dienstag gestorben.
Nun hat er doch dem Tod den Tribut zahlen müs
en, Stolypin, von dem man geglaubt hatte, daß er
er schon früher einmal dem Tor tief in den Rachen
geschaut hatte, ihm auch diesmal entrinnen werbe.
Anscheinend ist der russische Ministerpräsident durch di
dand dessen gefallen, der in erster Linie mit seine
Bewachung betraut war. Es ist die alt-russische Wirt
chaft; ein Mann, der der politischen Polizei Spionen
rienste —A00 den Revolutionä
en. Stolypin galt id als ein rechtschaffene
Tharatter und als ein AIer der strengen Gesetz
naß gleit in der Verw. 3 gleichzeitig aber auch a⸗
in in den Anschauungen ver alten Bureaukratie erzo
lener Beamter.
Peter Arkadjewitsch Stolypin, geboren 18639
ls Sohn des Generaladjutanten Arkabi Stolypin, ei—
ies Verteidigers von Sebastopol, besuchte die Univer
ität Petersburg, beendigte seine Sludien 1885 und
rat dann in den Dienst des Landwirtschaftsministe.
iums, später in das Ministerium des Junern. 1890
vurde er zum Adelsmarschall des Gouvernements Kown—
rnannt; 1902 erfüllte Stolypin die Obliegenheiten des
sSouverneurs von Grodno, 1903 wurde er zum Gouver—
teur von Saratow ernaunt. Als 1906 das Kabinet!
»es Grafen Witte demisstonierte und die Neubildung
des Kabinetts Goremykin übertragen wurde, erhiel
ztolypin das Porteseunille des Innern, und bald dar—
uf, gleichzeitig mit der Entlassung der ersten Reichs—
uma den Posten eines Ministerpraͤsidenten.
Seit der Uebernahme der Leitung des Ministeriums
»es Innern im Kabinett Goremykin hatte Stolypin es
erstanden, die Achtung der Duma zu erringen. Die
ntworten, die er auf verschiedene Interpellationen der
duma erteilt hat, wurden ruhig angehört. Besonderen
xindruck machie seine Rede in Beantwortung der In—
erpellation in der Angelegenheit des Bialystocker Mas⸗
akers. Wiewohl er den Versuch machte, die Behörden
n Schutz zu nehmen, erklärte er sich dennoch rückhalt—
o8 als Gegner jedweder Beamtenwilltkür und gab
die feierliche Versicherung ab, daß er alles tun werde,
un die Gesetzlichkeit in der Verwaltung einzubürgern.
Denjenigen, die große gesetzliche Reformen von
Ztolypin erwarieten, die da meinten, er werde versu—
hen, durch fonstitutionelle Regierung der Revolution
derr zu werden, hat er eine Enttäuschung bereitet. Ob
»er Tod dieses höchsten Beamten des russtschen Rei—
hes einen Markstein in dessen Geschichte bedeutet, muf
gewartet werden. Vielleicht beginnen die Schrecken
»er Revolutien jetzt von neuem. Es ist kaum abzu—
ehen, wann der Terror“ in viefem geguälten Lande
in Ende nehmen wird

r Beu war er schon im Walde allen Blicken verschwu
en.
Der Leutnant schäumte vor Wut, als er einsah, daß
em kühnen Ausrteißer nicht mehr beizuko mmen wa
nd schalt nun zuerst auf die unverichteter Sache zurüch
ehrenden Soldaten, denen er eine gepfefferte Strafe i
lussicht stellte und wande sich dann zornig an den Re—
nden im Schlitten, der eben falls auf das Höchste e
aunt war über den ganzen Vorgang.
„Sie werden sich zu verant worten haben,“ wetterte di
eutnant. „Wenden Sie sosort um und sahren Sie wi
⸗ar dahin zu rück, woher Sie gekommen sind.“
Vergebens protestierte der Reisende und auch di
dutscher, indem sie ihre Un schuld beteuerten und erklä
en, wie sie aus reiner Menschenf reund lichkeit die beidt
hnen Unbekannten erst vor wenigen Minuten auf d
otraße aufgenommen. Vergebens bestätigte Auror
iese Angaben, der erzürnte Leutnant blieb bei seine
ẽnt schluß und so mußte der Rosselenker denn den Schli
n wieder wenden und unter starker Bedeckung vo
vegten ging die Reise wieder in das kleine Städtche
trück.

«“L
—

9 Kapiteltl. J—
Der Deserteur war im Walde glüklich seinen Bel
»lgern entkommen, aber troßdem lief er un unterbroche
zeiter, um niht zum zweiten Male in Gefang enscha
u geraten. Nach und nah allerdings verlangsamte
eine Schritte, die Beine drohten bald den Dienst3
ersagen, da er nun schon stundenlang ununterbroche
ewandert war und die ersten Strahlen der Morgensor
e schon die Syitzen der wie im festlihhen Schmuchk
lißzernden, mit Reif bedechten Bäume streiften. O
Vald ging zu Ende, am Waldes saume erhob sich ein
ze sellschaft von Krähen, vor Hunger und Kälte schre
id, und floz mit dem Sausen des Sturmes Ter den i
r Gebiet eingedrungenen, cinsamen Wanderer for
dann ward es wieder still.
Nach kurzer Zeit zeigte ich ein Dzrichen, dessen Hü
en Steinbach mit einen aus nefster Brust kommende,
reudigen Ausruf begrüßte.
In dem Dörschen schien no 5 glles in tiesster Ruh

Beter?burg, 19. Sept. Wie jetzt nach den Blät—
»ineldungen festgestellt wird, trat der Tod Stolypins
nfolge innerer BSlutungen ein. Das Bluit ergoß sich
wiirren Leber und Zwerchsell. Das Herz war von
tatur aus schwach. Die Aerzte beschlossen die Ope⸗
acion Stolypin sagte: „Macht, was Ihr wollt!“ Fer
ẽingriff wurde schließlich als zwecklos aufgegeben. Kurz
or seinem Tode bat Stolypin, das Zimmer hell zu
rleuchten. Alle elektrischen Lampen wurden sofort ein
eschalꝛet. Mit der letzien Krastanstrengung richtele sich
er Sterbende auf und lächelte die Umgebung an.

Aach Stolypins Tod.
Petersburg, 19. Sept. Hier herrscht Bestürzung.
der achsolger des Ministerpräsidenten ist noch
anzlich un best im mit. RMan meint, Finanzministet
boowezow werde auch nach dem Tod Stolypins
eiiweilig die Obliegenheizen des Ministerpräsidenten
rfüllen, doch nicht endgältig auf dessen Posten bleiben
Das Atteniat droht unabsehbare Folgen zu
aben. Der nattonale Verband und die monacrchischen
ganisotivuen arbeiten eine Perition an den Zarcu
us, wortun sie um Besreiung Rußlands von Fremdvsöl
ern, in erster Linie von den Jubden bitten.
In Risew danern die Verhaftungen an.
ẽs werden hanpisächlich Rechtsanwälte verhaästet, im
zanzen bisher 150 Personen.
ι

3
wurz und bnndig. Im Lause der vergangener
vVoche fand in Rußland eine Revision der Straßer
att, welche zu dem großen Automobilrennen von Pe
ersburg nach Sevastopot benntzt werden sollen. Man if
imRußlaud nicht gewöhnt, hohe Anforderungen an der
zustand der Landssraßen zu stellen, doch die Straßer
es Gonbernements Chartow machten einen derartie
ocsintflutlichen Eindruc, daß auch das milde Herz den
evisionstonimissare ergiimmte. RNicht nur, daß der Ta
intaß, in weichem die hohen Herren fuhren, fortgesetz
ach rechts, links, vor⸗ und rückwärts schwankendn
öcher fiel, wie ein auf hoher See vom Sturni ge
hleudertes Schiff, nein, von Zeit zu Zeit sperrie en
eser, im Lause der Zeit von selbft entstandener Gra
en die Chaussee rechwinklig zur Fahrtrichtung und nu
er langjährigen Routine des gouvernementseingebore
eu Rosselenkers war es zu danken, daß die hohen Her
u nicht unversehens in einer Regenpfütze sich wieder
hen. Noch im Gefühl der angenehmen Püffe unm
töße ihrer Schreckensfahrt lebend, setzten sich diese
igs nieder und richteten an die Semstwo des Gon
eruements Charsow ein würdevolles Schreiben mit de—
nfforderung, die Wege, besonders mit Rücksicht auf die
eteiligung vieler hoher Wuͤrdenträger an den vbebor—
ehenden Rennen, in einen zeitgemaͤßeren Zustand 30
erseßzen. Doch man denke sich, wie wenig Respekt die
bgeordneten des Provinziallandtages von Charkow
or Benzin, Erzellenzen und Schreiben mit Amtssiegeln
ind zweiköpfigen Adlern haben. Ihre flugs und deut
ich gegebene Antwort lautet: „Wir sehen nicht ein, war—
im die Automobilisten auf besseren Wegen fahren sol—
en als wir. Mogen sie sich daran gewöhnen.
Der „gottbegnadete Dichter“. Einen verwegenen
Trick hatte sich der 17 Jahre alte Ernst Riebert in Ber—
in erdacht, der von der Kriminalpolizei wegen versuch—
en Betrugs festgenommen wurde. Riebert, der bei sei—
ien Eltern am Nordhafen wohnt, fühlte, wie er voller
Pathos ertlarte, eine gewaltige poetische Aden
n sich, die sich in einem Trauerspiel „Robespierre“ Luft
nachte. Der jugendliche Schwärmer behauptet, das Ma—
uskript sei nunmehr vollendet und harre der Druck—
egung, die unmittelbar bevorstehe. Nach dieser dich—
erischen Kraftleistung kam ihm die Erkenntnis, daß ein
gotthegnadeter Dichter“ auch den materiellen Genüssen
ieser schnöden Welt nicht abhold zu sein braucht, und
ruging einen Berliner Darlehensvermitiler um 30 000
dark an. In der richtigen Annahme, daß man ihm
iesen hohen Kredit wohl nicht so ohne weiteres ein
äumen werde, bediente sich Riebert bei der Unterzeich⸗
ung der Antragsformulare des Namens eines als recht
vohlhabend bekonnten Herrn. Riebert fiel nun aus al—⸗
en Wolten zukünstigen Dichterruhms auf dieses irdische
zammertal herab, als ihn die Kriminalpolizei ganz
rosaisch wegen versuchten Beiru gs beim RKra
ien nahm und dem Polizeipräsidium zuführte.
„Trost für Zecher“ lautete die Ueberschrift eines
blakates, das ein Gastwirt M. zu Rixdorf bei Berlin
n sein Fenster stellte. Auf dem Plakat waren die Ent—
altsamen als „Wassersimpel“ verspottet, und es waͤr
ine Statistik augeführt, nach der selbst die Lebensdauer
ines Gewohnheitstrinkers durchschnittlich höher sei, als
ie eines streng Enthalisamen. Ver Zechertrost“ schloß
nit den Versen:
„Lauges Leben bringt das Trinken.
Früher Tod wird dem nur winken,
Der niemals einen Becher leeri“
derr M. erhielt darauf, wie in der „Tägl. Rdsch.“ zu
esen ist, ein Schreiben des Leiters der städtischen „Al⸗
oholiter⸗-Fürsorge“ in Rirdorf, in dem es heißt: „Ich
alte mich für verpflichtet, Sie darauf aufmerksam zů
nachen. daß die auf dem Bram⸗ervsgrat in ihren —

liegen. Vergebens klopfte Steinbach an eine un
e andere der Haustüren * Von Ia ——— — ——
er Hunde begleitet, richtete Sieinbah seinen Weg nai
8 —5 — n Wre rpeden sta ttlichen Hause, au
chornstein der Rauh kerzenger i i i
Noenn emporstie g. d kerhengetade in die peit
Fast war der Wanderer an diesem Gehöft an
nen, als er Hufschlag zu vernehmen 33— ern
ehen. Während er noh un hlufsi
i 43 hluünsig war, ob er weiter
en gdꝑ de Straße vertassen sollte, erschienen am
gn ommend, un bet Ecke jenes stattlichen Hau
7 Den FEmaren voran ritt im gemächlich?m Schrikte)
e zu sammengeknoteten Zügel dem wohlbekannten Rot—
zimmel auf den Hals gelegt, der Rittmeister von der
aube, dichte Rauchwolken aus einer kurzen Meer schaum⸗
eife blasend. Hinter ihm folgten paarweise reitend,
hs frühere Kameraden Steinbachs, die Pfeife im Mun—
und, unbekümmert um ihren ernsten, sinnen den Ritt⸗
eister, lachend und plaudernd. F
Steinbach war so überrascht, daß er im ersten Augen⸗
ick nicht daran dachte zu entfliehen; inzwischen kamen
e Reiter ganz nahe an ihn heran, da hatte ihn der
ittmeister auch schon erblickt.
„Unglücksmensch! Steinbachl“ rief der Rittmeister
staunt.
Die Husaren waren nicht wenig verdußt, sprengten
»er auf Befehl des Rittmeisters rechts und links auf
en Deserteur zu und griffen nach ihren Säbeln und
darabinern.
„Schießt nicht!“ befahl der Rittmeister, als zweiĩ der
zusaren im Ru absaßen und die Karabiner auf Stein⸗
ach anlegten, der sich von dem ersten Schrecken wieder
rholt hatte und sich nun zur Flucht anschickte. Ich
vill den Deserteur lebendig haben.“
Steinbach lief so schnell er konnte, nach einer ande⸗
en Richtung, als er vor einem zugefrorenen Bach stand.
Feine zehn Schritt hinter ihm donnerten die Hufe der
Kosse — schneil überschritt er das Eis des Baches, die
zusaren folgten dem Fliehenden auch auf das Eis.
Rer aber glitten die Pferde aus, traten durch und die
Zerfolgung hatte ein Ende.
Eraien Dich Steinbachl“ schrie einer der Husaren

enster enthaltenen Angaben über die Sterblichkett der
bsftinenten und Nichtäbstinenlen falsch sind, daß Sie
urch den Aushang dieses gefälschten Plakates dazu bei⸗
ragen, daß unser Volk irregeführt und dem Alkoholis⸗
ius ausgeliesert wird, daß Sie also indirekt der“ Völ.
erei Vorschub leisten. Ich ersuche Sie deshalb, inner⸗
yalb 24 Stunden das Plakat zu entfernen, da ich mick
onst genötigt sehe, die Vermittlung der Behörde in Am
pruch zu nehmen.“ Der Gastwirt erwiderte darauf, daß
er sich alle Vorschriften über sein Geschäft verbitte“,
ind drohte mit einer Beleidigungsklage. — Der Fali
ürfte noch die Gerichte beschäftigen. Der „Trost für
zecher“ ift nicht von seinem Platze entfernt und hängi
eute in verschiedenen Gastwirtschaften aus.
Eine köstliche Erinneruug an den Vater des
euen Magdeburgischen Generalsuperintendenten Händ⸗
er, den verstorbenen Nonsistorialrat Max Haoͤmdler il
orndorf, teilt der „Magdeb. Zig“ ein Leser mit. Mas
zändler selbst war ein älter Schüler und Alumnus de
klosters zu Magdeburg, war von 1851 bis 1853 aud
Zehrer an dieser Anstalt. Als Primaner lieferte Händ
er deutsche Aufsätze, die in der Regel mit „recht gut
ensiert wurden; kein Wunder, daß er zu den Lieblings
schülern des bekannten Professors Immermann gehörte
Als dieser zu Ostern 1814 deu Abiturienten das Them
zum deutschen Probeaufsatze diktieri hatte, bemerkte e
zu seiner Verwunderung, daß Händler mit verzweifel
er Miene an seinem Siehpulie die Hände rang unl
eine Anstalt machte, zu schreiben. Auf seine Frage
veshalb er die Arbeit nicht beginne, erwiderte Hand
er: „Herr Professor, ich kann es nicht.“ — „Weshaͤll
önnen Sie es nichtz“ — dDas vermag ich Ihnen nich
u sagen!“ — „Aber Sie werden doch so viel Vertraue
u Ihrem alten Lehrer haben, daß Sie ihm den Gruni
nitteilen!“ — „Dann will ich es Ihnen sagen: ich kam
ien deutschen Aufsatz nur dann anfertigen, wenn ic
zeine Pfeise dabei rauchel“ „Sofort holen Sie aus
ihrem Zimmer die Pfeife, setzen sie in Brand unms
hreiben Sie!“ — Händler tal es, gab seinen Aufsat
ereits nach zwei Stunden ab, und dieser exhielt da⸗
Zädikat ‚vorzüglich“. —

* * ——
Landwirtichaftlches.
—Die russische Ernte. Der „Handels⸗ und Indu
riezeitung“ zusolge ist nach der Schlußschätzung del
rniecrrages von Rußland am Ende August Winter—
»ggen unbefriedigend; schlecht in Orenburg, Ufa, Ssa—
ara, Ssimbirsk und Ssaratow; unbefriedigend in Ka—
n, Perm, Nischni⸗-Nowgorod, Pensa, im Dongebiet,
ztawropol, und Teilen des Kubangebietes, gut in Po—
zu und in den an Moskau angrenzenden Bezirken, teil—
neise in den nordwestlichen Gouvernements; Winter
eizen gut in Kiew, Polen und einem Teil Tscherni
owe. Kursk, Orels; Sommerweizen unbefriedigend
hlecht in Ssimbirst, Ssamara, einem Teil Orenburgẽ
und Saratews; unbefriedigend in Perm, Usa, Kasen
ensa, Worouesch, Dongebiet und Stawropol; Gerst
nd Haser mittelmäßig; schlecht in Ssamara, Orenburg
saratow, Ssimbirsk, einem Teil Kafans und des Don
ebiets; unbefriedigend in Perm, einem Teil Wjatkas
Zoconeschs und Pensas; aut in Polen, den baltischer
zrovinzen, einem Teil Stawropols und in den an Mos
an angrenzenden Bezirken. Außerdem ist Hafer gut in
en südwestlichen kleinrussischen Gouvernements. In der
brigen Gouvernements ist die Ernte bei sämtliche;
zetreidearien befriedigend und mittel—

Lokales.
O Postkarten mit Reklameaufdruck. Das Reichs
ostamt hat vor kurzer Zeit zu der Herstellung von Poit
arten mit Reklameaufdruck in einer Entscheidung Stelb
Aug genommen, in der gesast wird, daß gegen den Re—
lameaufdruck auf der Vorder⸗ oder Rückseite der Posoe
arten postieitig nichts einzuwenden sei, wenn der In
jalt der Reklame sonst nicht gegen gesetzliche Bestimm
ingen verstößt. Ferner darf auch durch die Reklonme—
auf der Adressenseite nicht der für die Aufschrift vorge
ehene Raum verkleinert werden. Zugleich hat die Kai
erliche Oberpostdirektion eine Entscheidung über die
vröße dieser Karten, die bekanntlich von einer Berline
Firma seit kurzer Zeit hergefiellt werden uud wegen de⸗
deklameaufdruckes für zwei Pfennige anstatt für
zRennige zu kaufen sind, folgendes entschieden: Es wiri
1s unwesentlich angesehen, wenn derartige von der
zrivatindustrie hergestellte Postkarten bis zu einem hal
en Zentimeter größer sind, als die amtlichen Formu
are, oder wenn sie das Doppelte des Gewichtes diese
ormulare nicht überschreiten. Diese Bestimmungen gel
n aber nur für das Inland. Im Verkehr mit den
luslande sind derartige Abweichungen in der Größ
in dem Gewicht der Postkariemormutare nicht zu
niitae

——
—

— ——— —
Die Krinoline kommt:!:
Ein Schreckensruf macht die gesamte, von der lau
ischen Modegöttin tyrannisierte Welt erbeben d
krinoline könimt. Ja, liebe Leserin, es wird zur Tat
das schon seit geraumer Zeit vermutet wurde, die Kri
oline, dieses entstellende Modeungeheuer, triit mit de
seinẽ Schußwaffe anlegend. „Steh, oder Du sturzest,
—Ou weißt daß ich trefheeeee
Steinbach sah sich unwillkürlich um. Er blick te gi
de in die auf ihn gerichtete Mündung des Karabine
üt ihrem hervorschießenden Feuerstrahl. Ein kurz⸗
chmerz am linken Bein durchzuckte ihn und die En
sindung, als drücke man ihm ein schmales glühende
isen quer durch das Bein, gab ihm die Gewißheit de
er Kamerad gut gezielt habe. Aber zunächst besaß
och die Kraft, seine Flucht fortzusetzen, wenn auch de
hmerz im ner größer warde und die Kraft nach un
ih zu erlahmen begann. Er bekämpfte gewaltsam d
nwandlung von Sh vähe, bis er endlich den schützer
Wald erreicht hatte.
Er warf einen Blikk zurük, es folgte kein Husa
sa allen seine Shnelligkeit im Laufen bekannt war,
atte man aus diesen Brunde die Verfolgung auf geg
en, zumal da im Walde eine Berfolgung noch vi
wieriger war und der Husar, welcher den Schuß a
nabgegeben hatte mochte glauben. daß er danebt
schossen.
Langsam schleppte sih der Ver wund ete noch etwe
s Dickicht hinein, dann sank er todmüde auf da
neebede kien Boden.
Steinbah suchte sih durch eine kräftige Anstrengur
sammeln. Er ver scheu hte die energischen Entschluͤssi
indliche Stim nang und suchte sich wieder zu erhebe
zer es ging nicht, mit einem Schmerz enslaut sank er z
k. Da klang ein tempomäßiges schrilles Pfeifen
in Ohr.
„Das sind Jäger,“ sagte Steinbach für sich. .,3J
nigen Augendliskken können ihre Hunde hier sein.“
Es gab jetzt keine Hoffnung für ihn, den Jäger
ꝛer wer es sonst sein mochte, zu entgehen. Er schlo
e Augen — er wollle gar nicht, sehen was nun weit
schah. 9J
Oa raschelte es im Gebüsch und drei gewaltige R
.Aliicen deroor. blieben gaer vor dem schwer verwur
e chne her Ane dre vurr
ebell. —
⸗Hierher. Tyras, Nero, Hektor !“ erkönken Lockrufi
er die Tiere wichen nicht von der Stelle, son dern ve

ommenden Satson, auf den Plan, und in
Paris, die Städte des guten Geschmacks, wo
»ie Mode diktiert wird, spricht man von nicht
zem mehr, als der Krinoline. Seit dem Auftr
er scheußlichsten aller Kleidermoden, in den
Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind
ermutlich alle Variationen auf dem Gebiete der
leidermode erschöpft, sodaß man wieder zu

— 7

agewesenen greifen muß. Der Humpelrock hat sich
ebt, der Hosenrock konnie trotz aller Bemühungen
uteressierten Firmen keinen festen Fuß fassen —
Iso nur noch die Krinoline!? Wie wir hören, sol
teifrock aber nicht in seiner ursprünglichen Geftalt,
ern in Verbindung mit der Reformkleidung Mode
en. In unserer beistehenden Zeichnung ist eine Kr
me der Saison 19115 19132 dargestellt. Also har
vir der Kriuoline, dieses Stolzes unserer Großmü
mnd des Zielpunkies von Hohn und Spoit, uns
aänmlichen Ahnen. Die altée nnd doch wieder al
eueste Mode wurde zuerft in London kreiert, wo
die in Paris rasch Beifall fand und sich leicht einbi
7 onnee d dae ee wie
brigen Damen des Kontinents ich der grin ine ge⸗
ber verhalten m nninents si

Aus aller Welt.
Eulenburg. Der Wohnsitz des Fürsten 4
ipp von Eulenburg, das Schloß Liebenberg, ist
neut unter diskreter Observation der Kriminalschu
mannschaft gestellt worden, da von nicht weniger a
acht privaten Berichterftattern gemoldet wurde, der Fuͤ
sabe in letzter Zeit stundenlange Spazierritie in se
nem Schloßgebiei unternommen und sei auch mel
mals auf die Jagd gegangen. Seit fünf Tagen lie.
der Fürst jedoch wieder sehr ernst erkrankt darniede
Nicht schuldig. Die amtliche Untersuchung des Au
omobilunfalles, bei dem das Automobil Thomas Edi
ons bei dem Städtchen Lauf einen 12jährigen Junge
iberfahren hatte, hat ergeben, daß der Chauffeur schuld
los ist. Der Junge hatte unmittelbar vor dem Aulo
nobil über die Straße laufen wollen und ist dabei ge
fallen. Das Automobil wuͤrde nach dem Unfall
schlagnahmt, ist aber bereus von der Gendarmerie wir
der freigegeben worden. Edison weilt zur Zeit
Nürnberg.
Feuer. In der Vogtländischen Maschinenfabrik
Plauen brach Großfeuer aus. Der Schaden wird ar
nahezu 100 600 Mark geschätzt. Das Feuer wurde dur«
—— und die freiwillige Feuerwehr ge
öscht.
„Raubinord. Im Dorfe Misburg in der Pr.
inz Hannover wurde die Leiche des 22jährigen Ha—
ꝛelsschülers Becher aus Hannover mit einer Wunde ir
dopf aufgefunden. Anscheinend liegt Raubmord vor.
Sabotage. Ein schwerer Fall von Sabotage
uuf der Linie von Paris nach der Bretagne in de
dähe der Station St. Eyr veruͤbi vore Der Sta
onsvorsteher bemerktte, daß eine Lokomotive auf da⸗
sleis fuhr, dessen Signaldraht er soeben probiert hatte
die Untersuchung ergab, daß 14 Telegraphendrahie dar
nter auch die, die die Signale zu übermittein haben
urchschnitien waren.
Ervpresser. In ein Damengeschäft in Paris tra
in Deutscher names Beck. Er legte dem Buchhalter ei—
ßaket vor und überreichte einen Bries Delee
ie Androhung, daß das auf dem Tisch liegende Pake
dynamit enthalte und die Bombe sofort in die Luf
iegen werde, wenn man dem Ueberbringer nicht 700
yranks auszahle. Der Erpresser wurde verhaftet E
dill im Auftrage eines gewissen Henze gehandelt haben
Vom Aetna. In Castiglione sind 4000 Personen
om Lavpastrom eingeschlossen. Trotzdem weigern sit
ich zu enifliehen. Die zerstörten Mandel⸗, Zitrone
Niven⸗, Haselnuß⸗ und Weinanpflanzungen repräsen..
en einen Wert von 50 Mill. Lire. die Lavasten
aben bereits das fruchtbare Gebiet von Alcantariͤnc
ört, welches als sehr ergiebig und für einen gquic
Vein bekannt ist. Seit drei Jahrhunderten ist die
vegend nicht von Lavaströmen heimgesucht worder
Feuersbrunst. In St. Allegonde zerstörte ein
Feuersbhrunst sechs Wohnhäuser mit Nebengebäude
der Schaden ist sehr bedeutend.
Ueberrannt. Ein Schlepper überrante eine Gaso
inpinasse des deutschen Kreuzers „Bremen“ in Phila
»elphia, wobei der Matrose Eichhorn ertrank.
— —
Gerichtszeitung.
F. Verurteilte Matrosen. Das Kieler Narine
gericht verurteilte die Matrosen Tschann und
Zzaupe vom Kreuzer „Von der Tann“ wegen mili—
ärischen Aufruhrs zu je fünf Jahrer
zucht ha us und Ausstoßung aus der Marine. Beide
atten gemeinsam mit einem unermittelt gebliebenen Ka
neraden aus nichtiger Ursache in einem öffentliche;
Tanzlokal einen Unterofiizier erheblich miß
—umdelt

—»XWe—ereolTÄ U ,», 88
Lokales.
O Postprotest. Bekanntlich werden neuerdings Pro
este von Wechseln, die früher durch Notare oder Ge—
ichtsvollzieher aufgenommen wurden, auch von den
bostboten vorgenommen. Wenn ein Wechselbezogene,
jach der Protesterhebung durch die Post den Wechse
ioch einlösen will, so wird diesem Wunsche stattgege
»en. Es sind aber trotzdem sowohl die Vrotesikoster
vie die Stempelgebühren zu erheben.
            
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