Full text : Dudweiler Zeitung

dadezimmer ganz reizend. Ver Kaiser schien über diese
naive Antwort sehr amüsiert. Bei Tisch wurde sie neben
ihn plaziert. Sie plauderten viel und sehr ungezwun—
zen mit einander. Offenbar schätzte der Kaiser die Frei⸗
mütigkeit der Prinzefsin sehr. Da wir jebht gute Freunde
ind, Luise, so sagte er, so hoffe ich, daß wir später
zuch ute politifsche Freunde werden. Im
Banzen erschien Kaiser Wilhelm der Prinzessin als ein
sehr bemerleuswerier und bezaubernder Mann, der aber
auch einen eisernen Willen besaß. Dieser gute Eindrud
zindert sie freilich nicht, auch andere Charaktereigen
chaften des Kaisers zu besprechen. Die Kaii— serin
machte ihr den Eindruck, vor aͤllem eine ausgezeichnete
Mutter zu sein, die fasi nur von Religion uͤnd von
hren Kindern sprach.
Der glücklichste Augenblick meines Lebens“ war
er, als ich ersuhr, daß ich Mutter werden sollte. Ick
ng in alle Geschäfte der Sladt und suchte selbst di⸗
Sachen für das Kind aus. Mein Mann teilie mein
Freude und war in dieser schweren Zeit die Güte selbsi
zegen mich. Mein äaltefler Sohn wurde am 15. Ja—
inar 1893 geboren. Die Königin Karola, die selbsi
ziemals Kinder gehabt hatte, war sehr gütig gegen
nich und verließ mich in den schweren Stunden keine
RNinute. Gleich nach meiner Genesung hatte ich schon
ene Schwierigkelten mit meinem Schwiegervater, der
xir nicht gestalten wollte, mein Kind selbsi zu nähren.
dies ist mir denn auch weder bei dem erfien, noch bei
inem der anderen Kinder gelungen.“ Frau Toselli
tzählt dann. daß ihre liebste Beschäftigung darin be—
anden habe, mit ihren Kindern spazieren zu Fehen,
e sei stolz gewesen, wenn die Leute⸗ ihre Kinder be—
»undert hätten. Sie habe sig auf der Straße aud
jerne ansprechen un ALeAeln lassen. Die⸗
Abe ihr wiederum d uen ihrecs Schwiegerva
ers eingetragen. der inr SDSertalten als Popularitäts
ascherei bezeichnese. Um zu beweisen, wie unglücklig
ze sich gefühlt habe, erzaähuü die Verfasserin dann, wi
e einmal ihre Kaͤnimerfrau zu überreden wußte, heim
ich mit ihr die Oper zu besuchen und dort auf den ⸗
iang zu gehen. Sie hätte, sich bei dem Besuͤche durg
e rote Perücke unkenntlich gemacht, und es habe sie
nüsiert, wie sich die Leute neben hr unterhielten,
auptsächlich über die königliche Familie, als diese in
ie Hofloge trat. Mit Genugtuung habe es sie erfüllt
ils sie von den Umstehenden, die sie ja nicht kannten
sorte, daß sie das einzige vernünstige Wirglied de⸗
dönigshauses sei

Haben Sie RNauch zu vertreiben?
„Der dumme Ofen raucht, meine schöne Gardinen
ich, mein schönes Zimmer!“ So oder ähnlich ruft wohl
nanche junge Ehefrau im Winter verzweifelt aus. Ja,
a, der dumme Ofen! Anstatt sich an den Schornsiein
ju erinnern, der zur Rauchführung doch einmal da ist,
äßt er den dicken Qualm ins Zimmer entweichen. Baby
qustet, der Hund heult. Und Mama? Schon eilen die
getreuen Nachbarn und Freunde herbei und mit ihrer
Hilfe wird der Schaden bald wieder geheilt.
Nur selten muß der Fachmann eingreifen, da eben
nur selten der Ofen selbst der Schuldige isi. stur selten
iiest man, daß die menschliche ßie durch Rauch
uind Gasenwicklung der Oefen ernstlich bedroht wird.
Anders in früheren Zeiten. Die Rauchplage war eine
tändige Folgeerscheinung der schlecht konstruierten Ka—
nine, Oefen und Herde. Sie war ein treuer wenn
ruch nicht gein gesehener Gast bei Arm und Reich. So
ann es uns nicht wundern, daß im 16. und 17. Jahrsundert
 die Rauchvertreibung vor allem in Frankreich
um Gewerbe wurde. „Wie bey uns die herumreisenden
 Canmmerjäger zur Vertilgung der Ratten und Maäuse
ihre Dienste anbieten“, so zogen die Rauchverireiber
von Schloß zu Schloß.
Der Arme konnte sich den Luxus der Rauchvertrei—
»ung nicht leisten, da die Rauchvertreiber auf gute
reise hielten.
Und worin bestand die Kunst des Rauchvertrei—
jers? Es heißt an einer Stelle: „Dafür hätten sie durch
ine Mauer in kurzer Zeit ein Loch gemacht; der Ca—
nin hätte alsdann gezogen und die Leute ihre 5 Rthlr.
rhalten. Vermutlich war das Zimmer zu gut vor dem
kindringen der nötigen Luft, die das iede er⸗
orderte, verwahret.“ Ein einsaches Mittel, nur schade,
»aß es nicht gegen alle Tücken des Kamins half. Ruch
ei dem Ofen, der von außen geheizt wurde, versagte
ie Kunst des Rauchvertreibers. So kam es, daß man
nen Rauchvertreiber nur nach getaner Arbeit bezahlte
ind vor allem, wenn er den Rauch wirklich vertrieb.
Interessant ist es nun, an Hand der anschaulichen
Nodelle und Bilder in der „Histoͤrischen Ahteilung“ der
znternationalenHygieneAussteldung
un Drezsden zu versolgen, in welcher Weise man
ie Rauchplage überhaupt zu beseitigen suchte.
Das Modell einer vorgeschichtlichen Wohnfiube mit
eitlicher Feuerstätte und Rauchabzug läßt uns erken—
ten, wie früh man bereits dem Uebel zu steuern suchte.
Lor allem sind in der neuzeitlichen Gruppe der „Histo⸗
ischen Abteilung“ charakteristische Typen von Oefen
ind Herden aufgestellt.
Man sieht, auf welch verschiedenfachen Wegen man
»is zur Mitte dee 10 Siujrnumderts erstrebt hat, eine
— —
Aopten an vothars Xur und nun Schritte und Stimmen.
Deutlich drang der Schall einer Wechselrede zu ihr.
Gegen Mitternacht kamen beide herunter.
Mamsell hatte inzwischen die Haustür verschlossen.
Charlotte gewahrte, wie Georg den Schlüssel vom
ewohnten Platz nahm, um zu öffnen.
Währenddessen hörte sie Lothar sagen: „Es, ist
dirklich besser, du bleibst zu Hause, Georg. Bu sagst
elbst, du müßtest um 4 Uhr mit den Kornfuhren unter⸗
oegs sein: also Schlaf gibt's dann nicht mehr. Sei ver—⸗
tändig leg dich aufs Ohr, mein Junge.“
„Ich ginge für mein Leben gern mal wieder mit auf
die Jagd, Herr Leutnant, aber wenn Sie lieber allein
ein wollen“, antwortete Georg mit leiser Empfindlichkeit.
„Ach, das wohl nicht, Georg, doch du mußt schlafen.
Wir können ja ein anderes Mal —“ Die Tür fiel leise
vieder zu.
Charlotte sah im Mondlicht die beiden Männer nach
dem Hoftor gehen. UÜber Lothars Schulter hing eine
urze Jagdflinte. Jetzt trat er hinaus, Georg blieb
uurück und schloß die eisernen Türflügel hinter seinem
derrn.
Quer üher die Landstraße, dem Walde zu, schrat
dessen schlanke Gestalt — ein blasser Mondstreifen lieb
ven Flintenlauf metallisch aufblitzen — jetzt war er im
aumdunkel verschwunden.
Charlotte durchwachte die wenigen Stunden bis zur
Morgendämmerung. Es schlug hald, es schlug voll, sie
aß und lauschte.
Warum mußte auch Georg mit diesem Vorschlag
ommen, warum ihn veranlassen, heute nacht auf den
Unstand zu gehen. Oder war es Lothars eigener Plan?
ritt es ihn doch nicht mit ihr unter einem Dach? War
as Ganze nur ein Vorwand, ging er vielleicht durch den
Vald zu Fuß fort? Oder — Sie stürzte hinaus auf
ein Zimmer. — Nein! Gott sei Dank, beide Waffen
agen im Kasten! —
Auf dem Hof erwachte allmaählich das Leben. Stall⸗
üren öffneten sich. Die große Pumpe, die durch Röhren
as Wasser in die Ställe leitete, knarrte. Georg kam
chon reisefertig aus der Verwalterwohnung, um das Be—
pannen der Kornwagen zu überwachen.
In der Küche war Mamsell mit den Mägden daran,
ie Morgensuppe für das Gesinde zu kochen.
Alles geschah in der geschäftigen, ruhigen Weise, die
blich war auf Niederloh.
Charlotte beobachtete es mit so fremden Augen, als
ahe das alles nichts mehr mit ihr zu tun.
Vrinnen im Zimmer GlIo die MonkGle van Smin

nwandfreie Heizung in gesuͤndheitlicher und technischer
zeziehung zu erreichen. Gelungen ist das nur sehr un—
ollkonimen, ebenso wie die Kunst der Rauchvertreiber
ꝛine Lorbeeren errang.
Immerhin bieten die ausgestellten Gegenstände sehr
vertvolle Beiträge zur Heizungstechnik und zur Ge—
chichte der Hygiene. Dipl.“Ing. K.
—XDZZüü— —
Lokales.
D. Geflügeleinfuhr. Neue Bestimmungen über die
Jeflügeleinfuhr sind zwischen sämtlichen deutschen Bun
esregierungen vereinbart worden, die am 15 Oktober
n Kraft treten sollen. Die Maßregel wird damit be—
jründet, daß in den für die Geflügelausfuhr nach
deutschland in Betracht kommenden Läündern übertrag—
are Geflügelseuchen herrschen. Lebendes Geflügel dar
ius dem Auslande nur an den von den Regierungs
räsidenten der Grenzbezirke bestimmten Uebergangs⸗
ellen eingelassen werden. Diese Einfuhr darf auf be—
immte Tage und Tagesstunden beschränkt werden. Alle
zeflügelsendungen sind an den Einlaßstellen einer amts
ierärztlichen Untersuchung zu unterwerfen. Die mit
er Eisenbahn in ganzen Wagenladungen eingehenden
seflügelsendungen müssen auf der Grenzstation eisen⸗
ahnamtlich unter Bleiverschluß genommen werden, der
mm Entladeort nur unter polizeilicher Ueberwachung ge⸗
öst werden darf. Bei der Entladung oder, wenn“ v⸗
ich um Schiffs gutsendungen handelt, vor der Ausliefe.
ung ist das Geflügel einer abermaligen amtstierärzt
ichen Untersuchung zu unterwersen. Wird dabei Ge
lügelcholera oder Huͤhnerpest festgestellt, so ist nach der
ür die Bekampfung dieser Seuche im Inland maßge
enden Vorschriften zu verfahren. Auf Transporte vor
veniger als 100 Stück und auf Geflügel, das im Posi
— — fg über See aus dem Aus,
euingeht, sowie auf den Durchgangsvert i
iese Bestimmungen keine Dde — A
. Warnung vor der Herbstzeitlose. Mit d
Nahen des Hetbstes erscheint wieder, ——
euchten Wiesen, die Herbftzeitlose, eine für Menschen
und Ziere äußerst gefaͤhrliche Gistpflanze, bor d nach⸗
rüchlich zu warnen ist. Jeber Teu ver Pflanze enthäl
in sehr starkes Gift, das besonders auf die Verdam.
ugs organe und Nieren einwirkt und Magen- und
darmentzundungen, oft mit loduchem Außganne, dur
Cuft. — I ασ αAA
— EEE——— — *
Vermischtes.
Bismarck prophezeit ... Ein eigentümlicher Vor—
all wird aus Artern (GProvinz Sachsen) berich et.
ort fiel am Sedantage vom Bismarckdenkmal am Rat—
aus ohne jegliche sichtbare Veranlassung, auch nicht
urch Erschütterung. plötzlich das große Schwert zur
rde nieder, und unmittelbar dangch stürzte von —R
igur auch der Arm, der sich auf das Schwert gestünr
atte, herab. Der seltsame Vorgang wurde natürlich
ufs lebhafteste kommentiert und namentlich auch mit
nserer Marckkopolitik symbolisch in Verbindung ge
racht. Ein Beweis dafür, daß die abergläubische
kpielerei mit Vorzeichen und Prophezeiungen, die in
Altertum und Mittelalter eine so große Rolle gespiel!
zat, auch noch in unseren Tagen getrieben wird.
Der beneidete Richter. Der jetzt mehr glückliche
Is unglückliche Held des türkischen Räuber-Abenteuers
utlockt einem „i. tr.“ zeichnenden Mitarbeiter des „Klad—
eradatsch“ folgendes Poem:
„O glücklicher Richter!“ —
SZo seufzte ein Dichter —
„Wär' du ich gewesen, 2
Dann könnt' ich wus schreiben,
Was ganz ungelesen
Wohl kaum würde bleiben;
Vomit sicherlich doch
Wär' Geld zu erlangen.
Nnähmen auch mich doch
Mal Räuber gefangen!“
Weiße Kanarienvögel. Aus Paris wird be
ichtet: Nach langen vergeblichen Bemühungen ist es
nun einem französischen Kanarienvogelzüchter gelungen.
iin nicht alltägliches Kuriosum der Vogelwelt ins Le—
en zu rusen: er hat eine Varietät schneeweißer Kana—
ienvögel gezüchtet. Das Erperiment gelang, als der
züchter nach langem Suchen ein Paar Kanarienvögel
usammenbrachte, deren Gefieder die bleichste Farbe
eigte, die zu erlangen war. Die beiden ohnehin kaum
toch gelblichen Vögel pflanzten sich fort und der Nach—
vuchs zeigt, wie der „Fiagaro“ berichtet., ein fleckensoses
eines Woein

Zur Lage in der Metallinduftrie. mn
Die Verhandlungen zur Schlichtung des Konflikt
ind in Leipzig nach fünfstündiger Dauer mit gegensel
iger Uebereinftimmuͤng und auf Wunsch der Uniernel
ier vorläusig abgebrochen worden. Diese wollen fie
or weiteren Verhandlungen mit den Miigliedern —
nternehmerverbandes namentlich über die Lohnfrag
exaten, in denen sie sich selbst gegen solche Zugeständ
isse sträuben, die den Lohnausfall durch die verkürzi
lrbeitszeit ausgleichen würden. Wann die Verhand
angen wieder aufgenommen werden, ist noch nicht be
ti mαν * —

fünfmal, die große Stehuhr der Vorhalle folgte mit tiefem
Blockenton, und vom Kirchturm dröhnte es fünf!
d Fharlolte zersprang fast das Herz vor betäubender
Ingst.
Eben fuhr der erste Wagen vom Hof. Georg setzte
en Fuß in den Bügel, um zu Pferde die Leute zur
õ;tation zu begleiten.
Da riß sie das Fenster auf. Unerträglich erschien es
yr plötzlich, den treuen Menschen fortzulassen. Georg!“
Er schlang den Zügel durch den Arm und war mit
denigen Schritten unter dem Fenster. Fragend und er—
hrocken blickte er in ihr verstörtes, überwachtes Gesicht.
d „Bleib'! Der Hofmeister kann mit den KVeuten
ihren.“
Abermals schlichen zwei Stunden dahin. Mit Char
ottes Fassung war es zu Ende. Vom Kleiderständer des
jlures nahm sie ein Tuch, legte es flüchtig um Haupt
nnd Schultern und ging nach der Verwalterwohnung.
Georg saß in seinem Zimmer über die Wirtschafts
ücher gebeugt.
„Komm'“, sprach sie kurz, „führe mich zu der Stelle,
vo mein Sohn auf den Anstand ging. Nein, geh' voran!“
ügte sie hinzu, als der junge Mann respektposl aur
zeite trat.
So gingen sie hintereinander her. Über die Wiese,
eren feuchter Grund eine leichte Frostschicht überspannte,
m Moorteich vorbei, und jetzt hatte der Wald sie auf⸗
enommen. Ein schmaler, unebner Pfad führte zu einer
Lichtung, an deren jenseitigem Rand eine schlankstämmige.,
on Quellen durchrieselte Buchenholzung begann.
In Ziemlich weitem Umkreis hatte Charlotte für
ängere Jahre die Jagd gepachtet, um nicht durch fremde
zäger auf ihrem Gebiet belästigt zu werden.
Nur Georg in Gemeinschaft mit dem benachbarten
rörster durften jagen und lieferten überreichlich Wild für
ie Gutsküche. Den Bock aber, der hier wechselte, hatte
ßeorg seit Wochen für Lothars Urlaub aufgespart: keine
zagdleidenschaft konnte ihn hinreißen, seinem jungen Herrn
iesen Schuß vorwegzunehmen.
Es war natürlich, daß er sofort nach seinem Kommen
nit Lothar davon gesprochen hatte. —
Die volle Stille des winterlichen Frühmorgens lag
och über dem Walde.
Rur einmal fuhr Charlotte erschrocken zusammen, als
exade über ihrem Haupt ein Raubvogel seinen schrillen
r ausstieß — es klana wi⸗ ein Ver⸗ameiffunas
reil —
Georg schritt noch immer voran. Sorgsam hielt er,
ler n Q —— K!

Von der Lustschiffahrt.
Fernfahrt der „Schwaben“. Mittwoch morgen ge—
en 6 Uhr hat der Zeppelinkreuzer eeee vde
aden-Osos aus mit sieben Passagieren die große Fern⸗
hrt nach Gotha angetreten. 645 Uhr wurde Karls—
ihe überflogen, um 8 Uhr Mannheim und 8.445 Uhr
armstadt. Von hier war Leutnant von Hiddessen auf
nler⸗Zweidecker mit Leutnant Schröder als Passagier
ufgeslspgen und bealeitete das Luftschiff bis nach
ranksurt, das es 9.05 Uhr passierte. Dem Maintai
ufwärts folgend erreichte die Schwaben dann 9.25 Ha
au, 10.35 Fulda und nahm die Richtung über Bebra
ach Hünfeld, folgte also der Bahnlinie. uüm 11.13 Uhr
erührte es Hersfeld und landete um 41 Uhr mittags
latt vor der Halle in Gotha. Am Freitag soll di
Leiterfahrt nach Berlin angetreten werden.
Der Rundflug durch Schlesien. Der vom Schle—
schen Acroklub in den nächsten Wochen geplante Rund—
ug durch Schlesien wird über folgende Strecken jühren:
zreslau, Ohlau, Brieg, Oppeln, Groß-Strehlitz, Glei.
»ikß. Kattowitz. Ratihör. Leobichütz, Neiße, Franken—

tein, Reichenbach, Charlonlenbrunn, Waldenburg, Lan—
eshut, Hirschberg, Warmbrunn, Bunzlau, Haynau
iegnitz, Neumarkt, Breslau. Die Gesamtstrecke ist 620
dilometer lang und fübrt vorwiegend über ebenes
erroin

klus West- und Süd⸗Deutschland.
*Köln, 6. Sept. Getrüger.) Der Lederhänd—
r Gottfried Averdunk ist seit einigen Tagen spurlos
erschwunden. Wie festgestellt ist, hat er unter Mit
ahme von 100 000 Mark das Weite gesucht. Das Ge—
cht hat die Verfolgung des Flüchtigen wegen betrüge
ischen Bankrotts bereits aufgenommen.
*Köln, 6. Sept. (Raubüberfall.) Mehrere
RNirschen überfielen einen Frem den, der reiche Geld
nittel bei sich trug, in der Nähe der Südbrücke und
eraubten ihn. Dann warfen sie ihn in den Rhein
)em Mann gelang es sich an einer Schiffskette so lang
u halten, bis er gerettet werden konnte.
* Rüͤsselsheim, 6. Sept. Fabrikbrand.) Heute
züttag geriet die Kokosteppichfabrik Stöckicht in Brand.
das Feuer nahm rasch eine große Ausdehnung an undt
rgriff sämtliche Gebäulichkeiten, die alle niedergebrann
nd. Mehrere Personen mußien durch Einschlagen der
jenster aus den brennenden Gebäude gereitet werden.
ußer der Feuerwehr von Rüsselsheim und derjenigen
er Opelwerke sind auch auswärtige Wehren zur Be—
iuupsung des Feuers herangezogen worden. Ueber die
intstehungsursache des Brandes ist nichts bekannt. Ein—
elheiten fehlen noch.
*
Erdbeben.
Ebingen, 6. Sept. Heute Nacht wurden hier meh—
ere Er dstö ße von mäßiger Stärke verspüri. Scha—
en haben sie nicht angerichtet, sie waren aber doch
räftig genug, zahlreiche Einwohner aus dem Schlaf⸗
u wecken.

ür die ihm Folgende zuruck, und verstohlen reute dabet
ein Blick der Herrin steinernes Änilib.
Ihn selbst erfaßte bei jedem Schriit eine größere Un⸗
uhe. Er wußte sich nicht die Veraͤnderung zu erklären,
die mit den beiden, die ex am meiften liebte, vorgegangen
par. Die fast unglaubliche Veranderung im Wesen der
dertin. Lothars bleiches, starres Russehen, seine
wungene Freundlichkeit, die nur mühsam einige herzliche
Vorte fand! Was mochte geschehen sein?
Unwilltürlich beschleumgte er den Schritt. Dort an
enem Wiesenedchen, das wie eine Spitze in den goe
ineinschnitt. war die Stese. Hier wechselte der Bod,
ind dort unter der riesigen FJoͤhre muhle Lothar sanch
daneehe egge sch
galt noch einen schmalen Graben zu durchschreiten.
as flache Wassergeriesel darin war gefroren Gnee
nit leichtem Sprung hinüber, rückwärts gewandt wollt«
x Charlotte zur Stütze die Hand reichen, aber sie war
hm schon gefolgt.
Ihre Blicke suchten unter den silberglänzenden Asten
er Föhre, am schuppigen, braunen Siamm und nun
runten auf dem Grunde. — J
Es wird ihr finster vor den Augen. Sie beugt sich
inter die Zweige: der Reif rieselt herab auf ihr schwarzes
sewand, das Gras ist glatt von Eis, hier und da nieder—
etreten — und dort, ein wenig zur Seite, auf knorrigem,
hwãrzlichem Wurzelgeaͤst liegt ihr Sohn.
Sein Antlitz ist emporgerichtet. Um Stirn und
lugen ruht ein Zug tiefen Friedens. Ernst und stumm,
Dij Bitterkeit, ohne Anklage hat sich der Mund ge—
ossen.
„Ebarlotte starrt und starrt. Dann wankt sie, wie die
iche wankt, bevor sie stürzt; ein Schrei ringt sich aus
Irer Brust — und eundlich gibt Gott ihr eine Stunde des
zeraessens.
15.
Frühlingssonne strahlt über Niederloh.
Auf der Veranda des Herrenhauses steht ein Fahr—
tuhl, und in ihm ruht Charlotte Hartinann. Denn seit
nan sie von der Leiche ihres Sohnes fortgetragen, sind
hre Füße gelähni.
Sie, die in ihrem Veben keine Krankheit gekannt,
eren Willenskraft auch seelische Leiden unter ihre Hand
vang, die nicht zu Ermüdende muß nun ruhen.
Ihr zur Rechten ist ein größerer Tisch mit Tassen.
nd Geschirr hergerichtet, ein Zeichen, daß hier mehrer⸗
»roruen ihren Nachmittagstee nehmen soden.
uirpe — — ain 2A.

Lokalc- und Vermischtes.
Schlafender Knecht. Gestern abend gegen 11 pa
Fuhrwerk: Sc irbrückerstraße, dessen Lenker si
efstem Schlux au! wiegte, sodaß er nicht merkte, Edaß
iin Hut vornüber unter den Wagen fill. Auf Anrufte
„olizeisergeanten e vachte der Knecht. Anstatt nun
flichtvecgessenheit einzusehen, erging er sich uin u,
ebrachten Redensarten, sodaß ihm ein gehöriger D.
ettel nicht ausbleiben wird. — Wie leicht kann durch se
Iflichtvergessenheit. wo sich die Pferde in der Demke⸗
llein überlassen sind, ein größeres Unglück passieren.
Die Hauptübung unserer Feuerwehr findet am So
ag nachmittag um 2.30 Uhr auf dem Marktplatze stat
Thalia⸗-Theater. Für die kommende Spielzeit,“ die
zonntag, den 24. September beginnt, hat die Direk
nit besonderer Sorgfalt den Spielplan zusammengest
der auf dem Gebiet des Schauspiels dund? der Operette
servorragenden Novitäten bringt. Von diesen sind zunä
zur Aufführung bestimmt „Polnische Wirtschaft“ Operen
»on Gilbert. „Vielliebchen“ Operette von Engländer v
„O Eva!“ Operette von Lehar. Werke ernsteren Inha
ind auch in großen Anzahl vorgesehen, sodaß“ in bun
Abwechselung sich die Spielabende folgen werden.
Roman. In einer der nächsten Nummern beginr
vir mit der spannenden kulturhistorischen Erzählung
—„chatzgräber“.
Die Ziehung der Frankfurter Geld⸗Lotterie wi
auf den 8. und 9. Dezember verlegt.
Preisgekrönt. Bei dem am Sonntag, den 3. S
ember in Elversberg staltgefundenen nationalen Wettst
des Athletenklubs Germania errangen 2 Bewerber
Athletenklubs „Siegfried“ Dudweiler 4 Preise und zw
herr Karl Bickelmann den 3. Preis im Stemmen und de
7. im Ringen. Herr August Brückner den 3. im Ringt
und den 6. im Stemmen. Ferner erhielt der Verein unt
starker Konkurenz den 1. Vereinspreis im Tauziehen.
Die Gründung des Polizeihunde⸗Vereins findet ⸗
ommenden Samstag abend im Gasthaus Dröschel statt
Flugwoche in Sagarbrüchen. Die Luftverkehrsgese
schaft, kurz Luftverkehr genannt. veranstaltet am 14. u.
15. Oktober Schauflüge bei Saarbrücken mit Flieger
möglichst auf verschiedenen Flugzeugen. Erster Veransto
tungstag ist Samstag der 14., zweiter ist Sonntag der .
Oktober. Wenn diese Tage einzeln oder beide nicht geei
net sind, verschiebt sich die Veranstaltung spätestens auf
18. Oktober. Falls bis zum 18. Oktober nicht geflog⸗
verden kann, findet eine besondere Vereinbarung über“?
Fortsetzuna des Fliegens statt. Als Flieger sind bestim
»erpflichtet König (Sieger im Norddeutschen Rundfluc
delmut Hirth mit seiner „Taube“ von den Etrich⸗Rumple
Werken, der weit über“ Deutschlands Grenze hinaus B
vunderung erregte durch seinen alänzend gelungenen Fh
im den Kathreiners-Preis von 50 000 Mark für die Stre
München⸗Berlin. ferner wird noch Laitsch und Wienczie
sier fliegen. Es eraibt sich hieraus,“ daß für die Saarbrüch
Flugtage tatsächlich die tüchtigsten und erfolareichsten Flieg
sewonnen wurden. Als Flugplatz sind die St Arnual—
Wiesen in Aussicht genommen. Die Stadt ist bereits w
en am meisten interessierten Vereinen wegen Gewährur
ines Zuschusses in Verbindung getreten. Es haben
lussicht gestellt 200 Mk. die Sektion Saar⸗Mosel des Niede
heinischen Vereins für Luftschiffahrt, 200 Mk. der Der
we Luftflottenverein, Abteilung Saarbrücken. 400 Mk.
aarbrücker Straßenbahngesellschafl. Man hofft, daß au
ie Wirte Innung einen namhaften Betrag' zur Verfügqu
tellen wird und hoffentlich auch 'andere Vereine
Irivate.
Der Untergang der deutschen Schreibschrift rn
mmer näher. Dem Reichstag sind auch jetzt wieder —
rüher eine ganze reihe von Cingaben zugegangen, in dene
ie Einführunga der lateinischen an der Stelle der denische
Schrift gefordert wird. In allen Eingoben wird auf di
ulturelen Fortschritte hingewiesen. Deutschland sei ruch
tändig, denn kein andere Nation könne die deutsche Schri
lesen. Man will zwar die deutsche Schrift nicht gänzli
»eseitigt wissen, fordert aber daß sie den Kindern in d
Schulen erst vom vierten Jahre ab gelehrt werde, wen
ie die lateinische Schrift beherrschen, die von allen Kultur
»ölkern angewandt wird. Die Eingaben wurden ve
Regierung zur Berücksichtigung überwiesen.
Voraussichtliche Witterung: Im Allgemeinen Fon
dauer des bestehenden Witterungs-Eharakters, im Oli⸗
eichtere Störungen.
Strafkammer Sqarbrücke z. Einen recht Dumme
ungenstreich brachte den Handelsschüler Joh. Sch. an
differten auf die Anklagebenk. Der Jüngling' schrieb ni
iur Liebesbriefe, eine für sein Alter sehr unnötige Beschö'
igunga, sondern or hostesste auf die Namen anderer leu⸗
n — — —
hüchern und Zeitungen bedeckt.
Aber Charlotte liest nicht.
Ihre Augen wandern hinaus in den lachenden
S„onneuschein, und ihre Gedanken wandern mit — man
n die Frühlingspracht, sondern zurück zu einem Winter
deese y stillen Antlitz unter der silbernglitzernde
70 jre.
Wiedek zum tausendsten Male kreisen sie um die
Frage: Ging er schon mit dieser Absicht fort? Muß!
e:halb Georg zurückbleiben? Oder überwältigte ihntr
ẽinsamkeit des Waldes, die Erkenutnis, daß die Len
eines Unglücks zu schwer für ihn sei? Erschien ihm
er hehren Stille der Winternacht der Tod so locken
)»aß er nicht widerstehen konnte, obaleich er es zu
ewollt?
War ihm an der Schwelle der Ewigleit Verstehe
ind Vergeben für seine Mutter gekommen?
Ja! Ja! Sie hat es gefühlt: im letzten Augenbli—
eines Lebens gehörte der Sohn wieder ihr — der Fre
n ishmemn Totenangesicht war sein Gruß, ein Vermächt
är sie.
Durch die Glastür, die von Charlottes Zimmer a*
ie Veranda führt, tritt mit leisem Schritt eine schlauf⸗
rau.
Hinter dem erhöhten Kopfende des Fahrstuhls bleib
je stehen. Schneebleich leuchtet das schmale, weiße Gefich
ius dem schwarzen Krepp ihres Trauerkleides. Di
— Augen sind in demütiger Liebe auf die Gelähmite
erichtet.
Charlotte hat das leise Geräusch ihres Trittes ver⸗
tommen. — ‚Bist du's Etelka?“
„Ja, Mama.“ — Die junge Frau tritt an die Seite
des Stuhls. Zärtlich streichen ihre Finger über die
zleichen Hände der Kranken.
„Hat dich das Buch etwas zerstreut, Mama? Lor⸗
laubte, daß es dich interessieren würde.“
„Das tut es auch, mein Kind. Wer aber viel in der
PBergangenheit zu lesen hat, der vermißt nicht das erdachte
reschriebene Wort.“
Etelka küßt schüchtern Charlottes Hand.
„Es soll dich ablenken von diesen Gedanken, Mama.
Charlotte sieht sie an mit Augen, die den Ausdruc
ines Uberwinders haben, Augen, in denen die Qual er
oschen ist, die die Dinge dieser Welt nicht mehr wmi
dischem Maßstab messen.
Glaubst du, daß es ein Veraessen aibt?“
dartfoöhen fae
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.