Full text : Dudweiler Zeitung

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Amtliches Publikationsorgan für den Mit zweri Beil agen:
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Bürgermeisterei-⸗Bezirk Dudweile Sonntaasblatt und Heitere Blätter.
Fernspr.⸗Nntchsus Saarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Drucku. Verlag: J. Unterkeller, Dudweil⸗er Verantwortlich für die Schriftleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenieil Karl Unterkeller
Jeder Monnent ist mit 500 M. gegen Tod durch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nũrnberg ver Kart. Irder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Stundea nach dem Unfall in ärztliche
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r. 215 Donnerstag, den 7. September 1911 24. Jahrgang
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nem sehr herzlichen Telegramm nach Hohenschwangar
Biitteilung gemacht. Das Flaggschiff „Deutschland“ mi
dem Kaiser und seinen Gäsien an Bord, ist wieder in
rieler Hafen eingetroffen
— ————— —— A.
Politische Rundschau.
Deuttsches Reich.
*Wie bei seinem Eintreffen in Kiel, hielt der
Keichskanzler auch am Mittwoch nach der Ab
teise des Erzherzogs Franz Ferdinand dem Kausse
inen längeren Vortrag.
* Insolge Bersagens auf einem großen Tei
er Wasserstraßen sind in den letzten Wochen derart er
ebliche Gütermengen vom Wasserweg auf die Eisen
ahn übergegangen, daß der im letzlen Jahr um saf
Prozent seines bisheriget Standes erweiterte Güter
vagenpark der Eisenbahnen vem ungestümen Verkehrs
ang nur schwer gerecht werden kann. Die „Nordd
Ulg. Zig.“ weist darauf hin, daß alle Maßnahmen zu
zeschleunigung des Wagenumlaufs, Einlegung von Be
arfsgüterzügen und beschleunigte Reparaluren in Kraf
esetzt und daß die vorhandenen Bestände gleichmäßi
erteilt, sowie vom 1. Juli bis 30. Septeniber run'
600 neue bedeckte Güterwagen angeliefert werden. Di
zerlehrstreibenden selbst können durch die Ausnutzun—
es Ladegewichts und durch schleunige Be- und Enit
adung zur Behebung der vorübergehenden Schwieria«
eiten beitragen.
* Nach den bisherigen Verlautbarungen aus Regie
ungskreisen legt die Regierung zunächst großen Wer
uf die Verabschiedung des Privatbeamienversicherungs
esetzes, des Schiffahrlsabgabengesetzes, des Hilfskassen
esetzes, des deutsch-japanischen Handelsvertrages unf
es deutsch⸗englischen Handelsprovisoriums für 191
ind 1913. Diese Vorlagen sollen sofort nach dem Wie
erzusammeuntritt zur Beratung gestellt werden. In
weiter Linie wird die Verabschiedung der Strafpro
eß Reform und der Stauvprehnovbeile gewünscht, ob
ohl hier verschiedene schwerwiegende differenzen noch
mbeseitigen sind, die bei gutem Willen aber nicht um
berbrückbar sind. Ob es gelingen wird, die Novellen
ur Gewerbeordnung zu erledigen, erscheint recht zwei⸗
elhaft. Zu den Vorlagen, deren Verabschiedung kaum
och in Frage kommt, zählen das Arbeitskammergesetz,
as Kurpfuschergesetz und die Fernsprechgebührenreform,
uch der neu eingebrachte Entwurf über die Ausgab«
einerer Kolonialgkten kann nicht bestimmt auf Annahm
»chnen. Die Regierung wird, wie verlautet, ihre Wün
he dem Seniorenkonvent zu Beginn der Beratunger
litteilen. Man nimmt an, daß die Tagung des Reichs
igs nur, bis Ende November währen wird, ist aber
tter Hofsnung in bezug auf die Fruchtbarkeit der Nach
ssion, nachdem die Verabschiedung der Reichsversicher
ngsordnung sich so glatt vollzogen hat. Die Marokko
age dürste auch allerdings einige Zeit den Reichs—
ag beschäftigen. Man muß auch beruͤcksichti—
en, daß außer der Beamtenversicherung und den han—
elspolitischen Vorlagen fast alle anderen Gniwürf
lenarreif sind.
* Das oldenburgische Ministerium hat in Anbetracht
er großen Teuerungsverhältnisse beschlossen, die Frach⸗
en auf Futter- und Streumitstel für die
deit der Dauer der Teuerung zu ermäßigen.
Oesterreich-Ungarn.
* Der Kaiser ernannte den Linienschiffsleutnant Graj
dieronymus ColleredoMannsfeld zum Ma—
ineattachee bei der österreichischungarischen Boischaft in
derlinu

Die Flottenparade.
Die Flottenparade in Kiel hatte unzählige Sch
ustige angelockt. Die im Handelshafen liegende Flott
jon über 50 Begleitdampfern war alsbald mit fest
ich gestimmten Menschen überfüllt. Noch lag die Kail
erjacht Hohenzollern“‘“ an der gewohnien Liegestell
m Kriegshafen, als die lange Reihe der im Flaggen
chmuck prangenden Begleitdampfer sich in Bewegunt
ebte. Vorbei ging es an den neuen Linienschiffen de
»erbesserten Nassaudivision „Thüringen“, „Oftfriesland
ind „Helgoland“, die, an ihren Bojen nahe der „Ho
jenzollern“ vertaut, in diesen Tagen die Ehrenbezeig
ingen im Hafen erwiesen hatten. Mit ihrer Aruilleri
rweckten sie das Interesse und die Bewunderung aller.
Im 10 Uhr kam das Kaiserschiff und hinter ihm das
depeschenboot „Sleipner“, in Sicht. Gleichzeitig setzte
ich die bei Gabelsflach liegende Hochseefloste mit den
turs auf die „Hohenzollern“ in Bewegung. Inzwischen
var das Weiter aufgeklärt; die Sonne durchbrach plötz
ich das Gewölk und nun bot sich dem Auge ein inte
essantes Schauspiel, wie es die Ostsee in dieser Prach
noch nicht gesehen hat. Den Begleitdampfern vorau?
raf die „Hohenzollern“ gegen 104 Uhr auf die Spitze
»er Flotte, die sogleich mit einem Kaisersalut von 3
zchüssen einsetzte. Die Schiffe führten im Vortopp di
eutsche, im Großmast die österreichisch-ungarische Kriegs
lagge. Das Linienschiff „Preußen“ führie die Flage
nit dem preußischen Adler.
Die „Brandenburg“ hatte die Flagge mit dem bran
enburgischen Adler gesetzt. Die Mannschaften paradier
en und brachten beim Passieren der Kaiserjacht dre
zurras aus. Der Kaiser befand sich mit dem Erzher—
og Franz Ferdinand auf der oberen Kommandobrücke
riner Jacht. Sämtliche Schiffe passierten in einreihiger
dormation unter genauester Innehaltung der vorge—
hriebenen Abstände. Die Vorbeifahrt der Schifse, deren
zinie sich über nahezu 14 Kilomeier erstreckte, währte
twa eine halbe Stunde. Voraus fuhren Torpedoboote
ivisionen, insgesamt 66 Boote, dann folgte das Flot
enflaggichiff, das jedoch sogleich aus der Linie schor,
m der „Hohenzollern“ zu folgen, darnach weitere 20
linienschifsfe, 4 Panzerkreuzer, 8 kleine Kreuzer, 2 Mi—
ensuchdivisionen. Den Schluß bildete eine Unlersee—
ootsflottille von 8 Booten. Die Tonnage aller an der
zarade beteiligten Kriegsfahrzeuge belies sich auf rund
20 000 Tonnen mit über 25 000 Mann Besatzung.
dach Beendigung der Flottenschau folgten Vorführun—
en der Hochseeflotte nach besonderem Programm.
Rachinittags 4 Uhr ankerien die „Hohenzollern“ und
»Wanöverflotte bei der Insel Feh marn. Der
narser ging auf die „Hohenzollern“ Um 7 Uhr—
and auf, der „Deutschland“ Abendtafel bei dem Che
der Hochseeflotie für die Fürstlichkeiten, Gäste und die
Vertreter der deutschen Presse statt, denen Vormit
ags Gelegenheit gegeben worden war, der Flotten⸗
arade vor dem Kaiser, sowie einem Teil der Mans
er in der Ostsee aus nächster Nahe beizuwohnen. Für
den Nachmittag waren sie zu einem Besuche auf den.
m Hafen liegenden neuen Linienschiff „Ostfriesland
geladen. In etwa einstündiger Besichtigung fanden all—
Einrichtungen dieses zu den neuesten Schlachtschiffen der
deutschen Flotte zählenden Schiffes eingehende Erklär
ung. Sodann lud der Kommandant Kapitän zur Se
Angelhardi die Herren zu einem Imbiß im Kom
nandantensalon ein, wobei er seine Freude ausdrückte
ie Vertreter der Presse auf dem Linienschiff „Ostfries
and“ willkommen heißen zu können. Der Komman
»ant schloß mit einem dreimaligen Hurra auf den Kai
er. Verlagsbuchhändler Boll⸗Berlin dankte namen⸗
der Gäste für die liebenswürdige Einladung und toa
jete auf das schöne Schiff, den Kommandanten, die Of—
ziere und die Mannschaften.
*
Ter Kaisser hat den Prinzen Georgvon
zavern, der sich zurzeit auf Eiuladung des Kaisers
seiner Eigenschaft als⸗ Präsident der bayrischen Lan
esabteilung des deuischen Flottenvereins in Kiel be—
indet, a la suite des 2. See Bataillons gestellt. Der
daifor hat hiervon dem Rrina ege eg'in 8

* Und also sprach Herr Delcassee!
Die Pariser Morgenblätter beschäftigten sich in be
eisterten Artiseln mit der großen Flottenschau in Tom
»n und preisen insbesondere den Marineminister Del
assee und den Admiral Lageyrere als die Neuschöpfe
ecr französischen Flotse. Der Marineminister Delcassfe
at sich von einem Redalteur des „Excelsior“ intervie
ven lassen und die ganze Unterredung bedeute!e nicht
inderes als eine Anrempelung Deutschlands. Delcaffe
agte nämlich wörtlich: Was Sie da gesehen haben, wa
eine Parade. sondern eine Manifestation. Ich wolli
ine starke und aufrichtige Manifestation, um zu zeigen
aß unsere Schiffe bereit sind, in Aktion zu treten. All
Tchiffe können sofort nach der Revue in die hohe Se
ꝛhen. Sie brauchen eine Viertelstunde, um kampfberei
azustehen. Auch die Mannschaften sind vollständig. Vo
9 Tagen fehlten für jeden Dreaduought 300 Man
estern nur noch 59 Mann und diese werden 88
inrücken. Ich hätte die Flotte der Dreadnoughts nock
ollständiger machen können, wenn ich den „Vergniaud
atte noch bereit machen lassen, was mir ein Leichte;
ewesen wäre. Ich wollte aber, wie gesagt, der Na—
ion nur kriegsbereite Schiffe zeigen, ich wollte nicht
aß man von Toulon dasselbe sagen könne wie vor
iel, wo die Reihe der deutschen Flotte durch Dread
oughts verstärtt wird, welche noch nicht kriegsferti—
nd, ja noch nicht einmal ihre Probefahrten gemach
u haben. (Herr Delcassee scheint mit seiner erster
ründlichen Blamage, die ihm der Artikel Deutschen
etze eingebracht hat, noch nicht genug zu haben
das Säbelrasseln macht ihm anscheinend seh
iel Spaß. Wir meinen aber, daß er sich fü—
eine Anrempelungen einen recht ungünstigen Zeii
unkt gewählt hat. Schließlich könnte doch einma
cotz der Friedensliebe unseres Zeitalters ein allzuflei
iges Spielen mit der Kriegsfackel zu einem verheeren
en Brand führen. Ob er den Franzosen sonderlic
vohl bekommen würde, wird von vielen Leuten be
weifelt. Ter tatenlustige Herr Delcassee würde seinem
zaterlande entschieden einen größeren Gefallen tun,
venn er seine allzubewegliche Zunge ein wenig im
zaume halten würde. D. Red)
— — —
Zur Marokkofrage.
Die Verhandlungen erfahren wiederum eine Pause
on einigen Tagen. Das ist so natürlich wie nur was
ind es ist verwunderlich, wie gewisse Leute schon wie
er anfangen, nervös zu werden. Es ist doch selbst
erständlich, daß die deutsche Regierung' die franzöfi
hen Vorschlage einer eingehenden Prüfung unterziehl
Je sie zu einem Entschlusse kommt. Im schlimmste!
zalle geht das französische Angebot noch nicht weit'ge
ug und wer wird es dann unserer Regierung verweh
en können, Gegenvorschläge zu machen? Muß es des
alb gleich Krieg geben? Uebrigens liegt doch ein
ffiziöse Verlautbarung über die jetzige Situation vor
die „Kordd. Allg. Zig.“ bringt naͤmlich eine Mittei
ung über den Stand der Verhandlungen. Die Be
ierkung, daß nach den Umständen mit einem glat
eren Fortgang der Unterhandlungen gerechne
perden lann als vor der Pause, läßt erkennen, daß de
este Eindenad der französischen Vorschläge betriedigt hat
iese Mitteiluna wird botfenttich die nervöse Unrub
uhigung der ngnenenn cer in Deutschland bei
ragen, die sich von den unsinnigsten Gerüchten, dere
Auelle und Tendenz nicht immer klar zu Tage liegen
weinflussen lafsfen

Frau Tosellis Memoiren.
Frau Tosellt erzählt weiter im „Matin“ ihre Er
ebnisse am Dresdener Hose. Zu dem König Alber
ind der Königin Carola hatte sie rasch ein gute,
berhältnis gewonnen. Der alte König nannte su
Kleine“ und sprach es häufig offen aus, daß er an ih
hre absolute Freimütigkeit liebte. Die Königin Carola
ie kinderlos geblieben, widmete sich fast ganz de
Vohltätigkeit. Es gab am Hofe Leute, die allen Ern
tes glaubten, daß ein regierender König in Sachsen nie
nals cinen Sohn haben werde, was in der Tat sei
rzugust dem Starken nicht vorgekommen ist. Von ihren
chwiegervater, dem späteren König Georg von Sachsen
itwirft Frau Toselli ein sehr satirisches Bild. Er wa
icht damit zufrieden, Schwiegervater zu sein, er er
üllte auch gleichzeitig die Funktionen einer Schwieger
autter. Seine Kinder fürchteten ihn sehr, und er macht
us ihnen, was er wollte. Frau Toselli kam mit ihn
iicht gut aus. Der Schwiegervater sagte ihr direkt: E⸗
st ein Unglück, daß Du in unsere Familie kamst. Fra
selli schildert dann ihren ersten Besuch bei Kaisen
Bilhelmein Berlin. In Dresden hatte man ih—
or der Abreise die engherzigsten Vorschriften für diesen
Besuch gegeben, denen sie allerdings entgegen handelte
Als der Extrazug in Berlin im Bahnhof anhielt, spran
ie sofort aus dem Wagen, ohne die Bereitftellung de⸗
Trittbrettes abzuwarten. Der Kaiser küßte ihr beid
Wangen und die Hand. Das machte ihr soviei Freude
aß sie trotz des Verbotes ihn ebenfalls küßte. Dei
daiser war während des Besuches von außerordenti
her Liebenswürdigkeit. Im Schloß angekommen, ließ
res sich nicht nehmen, dem jungen Paare selbst du
Vohnräume zu zeigen. Er machte dabei besonders au
as Badezimmer aufmerksam. Unwillkürlich ant
vortete die Prinzessin: Sie haben einen großen Ein
ruck auf mißh acmacht und ich finde Sie und 6

Belgien.
* Der Brüsseler „Soir“ meldet, daß die Regierung
em Kriegsminister für alle Ausgabeß
reie Hand gegeben habe und umfangreiche drin—
ende Bestellungen gemacht worden wären. Am Diens⸗
ag erhielt die Festung Namur eine neue Sendung vor
O Kanonen. Nach Arlon gingen sechs Eisenbahnwagen
ruit Haubitzen ab. Es sollen jetzt noch 40 beriltene
zatterien aus dem Antwerpener Arsenale auf die ein
elnen Festungen verteilt werden

Ihre letzte Sühne
Roman aus dem Leben von Erika Riedberg.
Nachdruck verboten.
, RNicht mehr als die Büßerin, die zu —8 kommt.
ondern als die Mutter, die gebietet, trat sie vor ihn hin.
Schwer und nachdrücklich Jegte sie die Harld auf die
dassette. Mein Sohm um das zu verhindern, ließ ich
vor 35 Jahren Rudoif Lüders sterben.“
Lothar sah zu seiner Mutter auf. Seine verstörten
Blicke suchten in ihrem Angesicht.
VWar es möglich, das hatte sie getan, so lange Jahre
olche Schuld verhehlt, und doch, wo fand man großere
doheit auf einem Menschenantlißz?
Was mußte sie gerade jetzt gelitten haben, und doch,
jebeugt wohl, aber ungebrochen hand sie da.
In sein Staunen mischte sich Grauen, Das Entsetzen
und die Qual war zu groß in ihm seine frühere Sohnes⸗
iebe konnte diese Schreden nicht durchbrechen.
Er war zu jung, um, wie der Justigrat, gleichsam
bon ũberschauender Hohe auf das Tun umd die Geschicke
der Menschen zu binten. JIhm fehlte das Begreifen und
hessehen und damit auch das Verzeiben eines gereiften
deistes.
r Für ihn hatte die Frau, die ihm bisher das Höchste,
Heiligsite gewesen gemordet, und fraß sagte er si 13
Wort vor und erschauerte immer aufs neue.
S. Er litt, lut so sehr daß aus der Tiefe seines
Schmerzes kein Verständnis, taum ein Milleid einpor—
zusteigen vermochie.
,gWas wolltest du tun?“ fragte ihre tiefe Stimme,
ihre Hand noch immer auf dem Pistolenkasten
kin bitteres Lächeln zog um seine Lippen.
Nichts Komodienhaftes Mutter. Ventft du, ich wäre
eommen, um hier vor deinen Augen zu enden? Das
atte auch in v. geschehen tönnen
Lharlolle erzitterte., Das hätte auch in L. geschehen
önmen wiederholte sie murmelnd. Und nun, was
villst du nun mit — milt deines Vaters Waffen?
Ich ordne meine Sachen, Dazu kam ich her. Ich
ehe forl. Vein Abschiedsgesuch n eingereicht“, sogte er
nit fremder Stimme. In dem Egoismus eigenen Leides
n — Roure Fefftes

der Welt giht's ja immer Krieg. Dorthin also.“
„Lothar!“ Der Klang dieser Stimme mußte einen
Stein erbarmen. Lothar, wenn einer von uns zu viel
ist auf dieser Welt — gönne mir das Recht, zu sterben.“
„Du, Mutter?“ Er sah sie mit Augen an, deren
Zlau funkelte wie geschliffener Saphir. Du, Mutter, hast
. sühnen!“ Einen Augenblick wankte sie und drohte um⸗
zusinken — dann aber richtete sie sich in ihrer stolzen Höhe
empor und sagte ernst: „Mein Sohn, du meinst also,
cch habe noch nicht genug gesühnt? Rede!“
Er brachte keinen Laut hervor. Was war es, das
hm das Antlitz in die verbergenden Hände niederzwaug?
Nar es die wieder heroorbrechende Liebes Und mit
er eidlich cus Erbarmen?
6Gib Antwort!“ wiederholte sie und legte ihm die
dand auf die Schulter.
Ich weiß es nicht, Mutter!“ stöhnte er. „Ich finde
nich nicht mehr zurecht in deinem und meinem Leben.
dur das weiß ich — ich muß fort. Meines Amtes ist es
uücht, Vergeltung und Gerechtigkeit zu üben, aber ich kann
Zühne fordern.“
Sie wich von ihm zurück. Mit Eiseskälte durchdrang
ie die Härte seiner Worte.
„Welche Sühne?“ stieß sie hervor. „Sprich, welche?
ehe denn meinst, daß ich nicht den Anfang damit
iachte.“
In sich zusammengesunken saß er im Sessel. Sehn⸗
ichtig irrte sein Blick zu der Kassette hinüber.
Wozu diese Pein? Die nutzlose Quälerei? Er fano
den Weg niemals zurück nach der Stätte, die ihm geheiligt
vie ein Tempel gewesen. An ihrer Statt hatte sich ein
Abgrund aufgetan, und schaudernd maß sein Blick die Tiefe
die ihm alles verschlungen.
„Meinst du, mir sei die Bürde meines Lebens leicht
neworden, weil ich nicht daran starb?“
„Laß, Mutter! Ich klage dich nicht an.“
Er klagte sie nicht anl Nein, aber er stieß sie aus
inem Herzen — ihm graute vor ihr — er wollte fort!
Was wußte er davon, wie sie gesühnt! Das Jahr
och in G. — immer die Stätte des ünglücks vor Augen
en Balkon, den Hof, von dem sie ihn aufaehoben — was
ußte er davon!
Dort saß er düster, abgewandt. Kein gutes, mildes
dort, kein Trost, keine Vergebung und kein Zorn —
älte und Grauen vor ihr und vor dem Leben. das sie
im zerstört.
wie mürde ihr nolingon sich miodor 2u seinem Herzet

Anuzurasten. Oas Band, weiches sie für unzerreipbar ge—
alten, hatte sich als zu schwach erwiesen. War es allein
hre Schuld, die es so ganz, so vollkommen sprengte —
bar es nicht vor allem das verloreue Liebesglück?
Du wirst Vater und Mutter verlassen! sagt das
Vort — Charlotte spürte es, ihr Sohn hatte sie verlassen,
beil die Tat ihrer Vergangenbeit ihn unerbittlich von der
elieblen Frau schied.
Sie legte ihr Gesicht in die gefalteten Hände, wie
eine Belende. Schauor iim Schauerx hebten durch ihren
dörper.
So nerharrte sie lange in totenhaftem Schweigen.
Hoffte sie noch, ein tausendfältig geliebtes Haupt
verde sich an ihre Brust schmiegen? Eine Stimme werde
nit dem alten, lieben Klang voll tiefer, reiner Innigkeit
Mutter“ sprechen? Hoffte sie noch? Mit glühenden
Iten. mit zitternder Anast. wie nur eine Mutter hoffen
ann?
Nichts! Alles blieb still. Kein Laut, kein Tasten der
Ind nach einer anderen z2um Trost, zum Halt, zum Ver—⸗
eben!
Draußen ging der helle, klare, kalte Tag zur Rüste.
tin Geräusch nach dem anderen verstummte auf dem Hof.
eise hauchte die Eisluft phantastische Blumen an die
rzensterscheiben, und der letzte Sonnenstrahl färbte sie mit
osiger Glut.
Ein schmaler Streifen spielte über Lothars Hand, die
hhlaff auf der Tischplatte ruhte, hüpfte weiter und flimmerte
nden Metallbescklägen der Kassette.
Da setzte sich Charlotte gerade empor. Fest sabh sie
hrem Sohn in die Augen.
„Was meinst du mit dem Sühnen? Was soll ich
un?“ fragte sie. Es war ein harter, fremder Ton in
hrer Stimme.
x Ihr Blick begegnete der gleichen Festigkeit in Lothars
ugen.
„Du sollst Rudolf Lüders' Tochter und ihre Kinder
zu dir nehmen in dein Haus. Eielta Peternoff ist arm
ind auf die Almosen ihrer Verwandten angewiesen. Sie
oll hier das sein, wozu ich sie machen wollte, die Herrin
yon Niederloh, jetzt und für immer. Denn ich. Mutter,
gehe fort.“
„Um den Tod zu suchen.“
„Zu suchen? Das weiß ich nicht. Ich werde ihm
—
„Wann gehst du fort?“
ute“, sagte er kurz und schloß hart die Lippen.
mm fkoinoe Moacbte nmiekte Unfor Mioso Doch—e

Keine Nacht mehr! Das Wort wühlte etwas in ihm
auf; die Kindheit, all das ungemessene Gute, Edle, das
er von dieser edlen Frau empfangen, Erinnerung an das
rückhaltlose Vertrauen, die unzerstorbare Harmonie zwischen
hnen — und urplötzlich das bitterste Weh der Fremde,
deimweh, bevor er noch gegangen. Er wurde weich.
Zein Herz erbebte.
Moraen. Mutter“ sprach er tonlos.

14.
„Unten saß fsie im Dunkeln und lauschte. Aber es
lieb alles still. Kein Schritt, der unruhig auf und ab
rrte, kein Ton, kein Laut — als sei er, der sich zum
etztenmal dort oben in dem Zimmer zur Ruhe legen
vollte, schon gegangen.
Morgen! — Charlotte hörte und empfand nichts als
zas eine Wort.
Idhre Lippen sprachen es. Leise, laut sogar, ganz
deutlich sagte sie es vor sich hin.
Morgen! — Sie legte die Hand auf ihr Herz, an
hre Stirn. War sie denn tot? Abgestorben ganz und
jar? Sie hörte das Wort, sie begriff seine Bedeutung
ind sie fühlte nichts dabei? Nichts als eine fürchterliche
Erstarrung, eine eiskalte Leere dort, wo das Herz in so
vahnfinniger Angst und Pein geklopft.
Morgen ging er fort!
Sie stellte sich vor, wie das sein würde. Wie er ihr
ie Hand reichen würde — ja gewiß, das würde er tun,
ögernd vielleicht, ohne Druck — wie er vom Hof fahren
puͤrde — und dann — —
Sie stellte sich auch vor, wie dann Etelka Peternoff
nit ihren Kindern hier einziehen müsse, und danach griff
ie wieder mit beiden Händen an ihren Kopf und fragte:
„Lebe ich denn noch? Das alles wird sein, und ich
ebe noch?“
Ach, heute weniger als je durfte sie dem brennenden
Bunsch, ein Ende zu machen, nachgeben — sie sollte
ühnen und nur deshalb noch leben — ihr Sohn verurteilti
ie daau.
—** Ien gee — F Iren Nachthimme
Zterne funkelten, der Uuc te still auf die schei
2 ge ie ich inba
Und in Charlottes Seele brannte die Frage: —
vissender, tat ich denn noch nichts zur Any Wihb
einem Auge nicht?“
Nach einigen Stunden hörte sie Georg in das Hau—
»oton. Er aqainag die Trenne hinane äe ,!! e

mer

An m

ihre Kraft stand. F
            
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