uderpreise eine erhebliche Steigerung erfahren. —X
reise sind bereits in den letzten Tagen um 21 Pro
ent gestiegen. Der Kaufpreis ves Zuckers stelit sid
eute schon auf 85 gegen 60270 Centimes vor einige;
agen. In Handelstreisen erklaͤrt man, daß die Preis
ahrscheinlich noch höher steigen werden.
Das Grwissen. In Belgien gibt es einen eher
ichen Dieb. Einem Badegast wurde voriger Woch
uf der Reise von Ostende nach Brüssel sein Porte
uille mit 62 000 Franks gestohlen. Am Sonntag ha
er Dieb einem Geistlichen das Portefeuille wiedet ge
racht und dieser hat dasselbe der Polizei übermittelt
eigert sich aber, den Namen des diebes zu nennen
eil er durch das Beichtgeheimnis gebunden sei.
Die akute Kinderlähmung scheint sich besonderi
n Mittel⸗ und Nordschweden auszubreiten. Seit An
ang des Jahres sind bis jetzt 500 Menschen daran
estorben. Mehrere Fälle kamen in Schulen und Ka
ernen vor, was große Unruhe verursacht hat. Vor
lerzten, Lehrern und in der Presse wird eifrig darube
istutiert, ob einige Schulen geschlossen werden sollen
Epionitis. Vie Konstantinopeler Polizei hat in
em am Marmarameer gelegenen Kurort Jalowa dre
soe Arbeiter wegen Verdachtes der Spionage ver
aftet.
plai * l ite
Brände.
Duisburg. Auf der Niederrheinischen Hütte ij
broßfeuer ausgebrochen. Die Schreinerei“ und das Ma
azin wurden vernichtet. Der Betrieb erleidet kein
interbrechung
Homburg. Ein größerer Brand brach in Kesß p
ern im Taunus aus. Trotz der vereinten Bemül
igen der Feuerwehren von Köppern, Friedrichsdor
ʒeulberg, Holzhausen und Rodheim brannten mehrer
inwesen nieder
Mainz. Im Restaurant und der ehemalige.
brauerei Zum schwarzen Bären“ brach Großfeuer aus
der Brandherd würde ni fünf Schlauchlinien ange
riffen. Der Dachstock nebst den oberen Stockwerken ij
otal ausgebrannt. Nach einer kurzen angestrengten Ar
eit konnie die Feuerwehr des Feuers Herr werden.
Bern. Nachdem ein Waldbrand an der Simmen
uth gelöoscht schien, brach er von neuem aus. De
zrand nmimmt gewaltige Dimensionen an. Es wurden
eniesoldaten zuͤm Löschen aufgeboten.
St. Gallen. In Hoerbranz Bez. Bregenz) ij
le Wolldeclenfabrit Sannwald abgebrannt. Der Scha
en ist groß. — —
————— — —
Arrbeiterbewegung.
gur Lage in der Metallindustrie.
2 In einer großen Abendversammlung des Deut
ch en MNefallarbeiterverbanges ir
amburng haben die Elektriker in geheimer Abstim
iung beschlossen, am Dienstag die Arbeit niederzule
en. Der Arbeiigeberverband des Metallgewerbes ij
icht gewillt. zwecks Abschlusses eines sesien Tarifver.
ages mit den Melallarbenern in Unterhandlungen zu
eten.
Passive Refistenz oder Generalstreik.
Eine Versammlung von Delegierten aller Fachsel
lonen der organisierten Eisenbahnen
desterreichs erhebt Forderungen nach Besserstell
ng. Im Weigerungsfalle wird passive Resistenz odei
er Generalstreit angedroht. — die Erregung untel
en österreichischen Eisenbahnern läßt nicht nach unt
immt immermehr an Ausdehnung zu. Die Bahnan
estellten stellen Antrag auf Lohnerhöhung und Er
Immer hübsch dentlich! Ein artiges Stückcher
dat wieder einmal die russische Zensur geleistet. Di⸗
Vossische Zettung“ erzählt darüber foigendes Vor kur
em reichte der russische Dramaliker M. Jakennikoff
efsen Stücke „Wirbelsturm“ und „Der Abgeordnete“ mi
krsolg auf der Petersburger Bühne aufgeführt wur.
»en, sein neues Stück „Der Kaiser“ der russischen Thea
erzensur ein. Das Siück schildert die Beziehungen Na
oleons zu der geistreichen und klugen Vorleserin Jo—
ephines, Frau de Vandey, und hat mit den politischen
Cechältnissen Rußlands durchaus nichts zu lun. Nicht
gering war daher die Verwunderung des Verfassers,
ils er jeßt die Benachrichtigung erhielt, daß die Zen
ur seln Stück nur unter der Bedingung zulasse, daß
8 nicht „Der Kaiser“, sondern „Der Kaiser der Fram
osen“ betelt werde.
Die allgemeine Teuerung. Wir lesen im „Wie
er Extrablatt“. Vor dem Bezirksgerichte in Hietzin
atte sich gestern der Bierabträger Franz Heger wegei
rhrenbeleidigung zu verantworten, weil er einer Greis
in, der Frau Marie Ischa, eine Ohrfeige gegeber
atte.
Richter (zum Angellagten): Haben Sie der Frau
ie Ohrseige gegeben?
Angeklagter (lachend): Ja, aber i hab' Grün
azu g'habt.
Richter: Für eine Ohrfeige gibt's keine Gründe
Augetlagter: cEo.—RRzöę Das hab' ini
'wußt.“. Aber i hab' doch Gründ' g'habt. Dii
dlägerin bat mi' an Schnorret a'haßen, weil i ibr kei
J — . σααXX”ä O XXu
ark durch die Schwäche meines Mannes. Ich habe ge
ꝛbt und gelitten. —
Die Gutsherrin schwieg. Das Feuer im Kamin war
loschen, — dw See pfiff durch den Schornstein, und
aförmig tickte die Uhr.
Justizrat Bentin saß still und unbeweglich im Sessel.
——— geschah es in der
ficht. einer schuldbeladenen Fraus ein Geständnis zu
itreißen, und was er fand, war eine Märtyrerin. Er
ihlte sich wie zerschlagen von dem Gehoͤrlen, faft unfähig,
u denlen, und doch von dem Gefühl getrieben, daß a
un noch das Schwerste vor ihm liege, die arme Mutter
u der Erkenntnis zu bringen, daß auch ihr Sohn aües
zissen müsse.
Frau Charlotte hatte sich mit geschlossenen Augen
urückgelehnt. ihre Hände hingen schlaff über die Seiten⸗
ehnen des Stuhls.
Bentin faßte eine dieser Hände; warm, voll Mitleid
imschloß er sie
Gnädige Frau! Liebe Frau Hartmann!“
Sie oͤffnete die Augen. Groß und ruhig, mit er⸗
reifendem Ausdruck sah fie ihn an.
⸗sSie wollen den Brief fuͤr Kotbar? Ja, Sie sollen
in haben.“
Sie stand mühsam auf, schwankend hielt sie sich am
kamin, aber dann rete sich ihre Gestalt, fie schritt zum
Schreibtisch. Die Rechte fand die Feder, ein Briefblatt
TAnd mit ihren eiskalten, zitternden Fingern in steilen,
remden Buchstaben schrieb sie: „Mein Sohn! Justigzrai
entin hat Dir in meinem Kuflrage eine wichtige Er⸗
ffnung zu machen. Begib Dich zu ihme vu wirst gut
un, einige Tage Urlaub'zu nehmen.“
Bentin vergaß nie, den sierbenden Blick in ihrem
luage, als sie ihm den Brief übernab
—2
Mit fieberhafter Spannung wartete Charlotte Hart⸗
nann auf das Kommen ihres Sohnes Lothar. Und gegen
die Hölle dieser Tage erschien ihr die Vergangenheit, als
atte sie nichts an VLeid geborgen. Wenn “er nun über⸗
zupt nicht kam? Wenn seine Sohnesliebe verstoͤrt und
ntsetzt sich von ihr wandte? Wenn er den Weg zu ihr
licht zurückfand, weil er sie nicht begriff? Und — zas
Fürchterlichste von allem — wenn er den Zusammenbruch
eines Liebesglüds nicht ertrug, den verlorenen Glauben
mn seine Mutter, die Erkenntnis, das Wiffen nicht ertrug
T, wenn er heimlich, ohne ein Wort, ohne einen ver
tebenden. persöbnenden Blick aus dem KNohen dinee
Liter Wein zahlt hab' und g'stößen hat's mich auch. 8
ann mir das doch nit g'fall'n lassen, i bin a verhei⸗
ater Mann und sie is nur a Witwe!
Klägerin: Deswegen kann i mich nicht vor der
anzen Oeffentlichkeit so heruntermachen lassen.
Richter (zum Angeklagtend: Gleichen Sie sich
ius!l (Zur Klägerin gewendet): Haben Sie den Ange⸗
lagten einen Schnorrer genannt und ihm einen Stoß
legeben?
Klägerin: Ja, aber nur im Scherz.
Angeklagter: die Ohrfeige war a nur a
g'spaß! Da zwischen den beiden Parteien ein Aus gleich
ticht möglich war, verurteilte der Richter den Ange⸗
lagten schließlich zu einer Geldstrafe von 20 Kronen.
Anseklagter (erstaunt): Was 7 3wanzig
rronen? So viel? J hab' glaubt, a Ohrfeigen koft
ur fünf. Gulden?
Richter: Da sind Sie im Irrtum.
Angeklagter: Ja richtig, es is alles teurer
»orden! (Lebhafte Heiterkeit.)
— — — ——
Frau Tosellis Memoiren.
Frau Toselli erzählt im „Matin“ die Geschichte
hrer Heirat mit dem Prinzen Friedrich Au—
ust von Sachsen. Das „bulgarische Fiasko“ hatte
inige unangenehme Familienszenen zur Folge gehabt.
Bald darauf machte der sächsische Prinz feinen formel⸗
en Antrag. Nach einigen Tagen Ueberlegung gab die
unge Prinzessin ihr Jaͤwort Sie freute sich, Salzbueg
erlassen zu dürsen, einen Mann zu heiraten, der ihr
zefiel und eines Tages Königin werden zu können. Sie
tahm sich besonders vor, die Zuneigung ihrer künftigen
Untertanen zu gewinnen. Von ihrem Bräutigam spricht
die Verfasserin in Ausdrücken des Wohlwollens und
oher Achtung. Sie ichildert ihn als einen ritterlichen
Mann, dessen eigene Herzensgüte ihn hindert, au die
Bosheit anderer Menschen zu glauben. Daraus sei das
zanze spätere Unglück entstanden. Niemand hätte vor—
aussagen können, daß sie infolge von Intrigen und
Nachinationen eines Tages in die peinliche Lage gera
en würde, dem Besten der Männer dieses Zeid zuzu—
ügen. Dann werden etwas eingehender die Aeußerlich—
eiten der Verlobung und der Hochzeit geschildert. Di
Zrinzessin mußte vorher noch den „Verzicht“ leisten, der
·llen fich mit fremden Dynastien verheiratenden öster
eichischen Erzherzoginnen auferlegt wird. Bei der Trau
ug ereignete sich ein Zwischenfall. Um nach Schluf
er Zeremonie schneller zum Ausgang der Kirche zu
elangen, schritten drei der beiwohnenden Erzherzöge
ber die Schleppe der Braut hinweg. Nach einem alte
jamilienabergiauben der Habs burger muffe jeder, der
as tue, noch im laufenden Jahre sterben. In der Ta
eten bald darauf die drei Erzherzöge Sigismund, Kari
eudwig und Ernst gestorben. Das junge Paar begab
ich nach der Feier im Salonzug des Kaisers nach Prag
am im Hradschin die Flitterrwochen zu verbringen.
*
Der sächsische Hoff hat von einer Sperr
tugder Apanage der Frau Toselfii an
ßlich des Erscheinens ihrer Memoiren Abb st auduge.
to m men und angeordnet, daß die Apanage der frů
eren Kronprinzessin“ weiter ausgezahlt wird
Richter über seine Gefangenschaft.
Ingenieur EduardK ich ter, der während sei
ier dreimonatigen Gefangenschaft das Mitleid und In
eresse der ganzen Kulturwel erregte, ist jetzt bekannt
ich aus den Sänden der Räuber befreit und hat sid
nzwischen in Saloniki von den aus gestandenen Strapa
en einigermaßen erholt. Er hat nun sofort dem Ver
reter der „Frankf. Ztg.“ in anschaulicher Weise sein
deidenszeit geschilderi Wir lassen im folgenden Rich
er selbst sprechen
Her Ueberfall.
Weil ich mich im Olympgebirge des gefallene;
deuschnees halber zwei Tage in Kokinople aufhalien
außte, benutzte ich den 5. Mai zu einer Rekognoszie
ung in die Umgebung, wobei mich vier Gendarmer
egleiten sollten. Zwei derselben spielten indessen Kar
en. Schließlich verlor ich die Geduld und unternahn
en Aufftieg ösilich von Kokinople mit zwei Gendarmen,
xn andern überließ ich, nachzukommen. Während des
dũckwegs, 300 Meier oberhalb des Dorfes, erfolgte der
leberfall der Raͤuberbande, wobei die beiden 8dlio
— * ——— — — —
etroffenen Gendakm̃en doch noch jeder vier bis fün
zchüfse abgeben konnten, leider erfolglos. Die Räubel
ahmen sodann den Leichen und mit die Waffen um
as Geld ab. Einer derselben, den ich später als Strat
ennen lernte, beendete einen scheinbar schon vorbereite
en Brief, der meine Gefangennahme anzeigt. Die Räu
er glaubten, ich sei ein Oesterreicher. Als sie hörte⸗
aß ich ein Reichsdeutscher sei, meinten sie, es sei u.
»besser, sie könnten deshalb ein höheres Löfegeld er
angen. Sodann rastete man fünf Minuten an eine
iahen Quelle. Die Raͤuber reinigten die blutigen Waß
sen, stärtten sich und boten mir Essen und Trinken an
Sie hielt sich alles vor, was sie Tüchtiges und
Starkes in ihres Sohnes Netur kannte, fie rief ihr ganses,
nzerstörbares harmonisches Zusammenleben, die zahllosen
ereise seiner tiefen Verehrung für sie ins Gedächtnis
urück und zwang sich zu dem Glauben. daß er sie und
das sie getan, begreifen müsse.
Hatte ihre verängstigte Seele sich endlich zu dieser
doffnung hinaufgearbeitel, so streckte sich die Unglückliche
on lähmender Müdigkeit niedergeworfen, auf ihr Lager
ber dann träumte sie und hoffte und verzweifelte auch
m Schlaf.
Das Morgengrauen fand sie schon wieder ruhelos
urch das Haus irren. Sltundenlaug stand sie an dem
reuster, von dem sie ein Stück Landstraße übersah, un⸗
erwandt die Wegbiegung im Auge, um die er kommen
nußte.
Dort stand sie ohne Regung. Kinder haschten sich auf
»em Weg zur Schule, Bauern und Arbeiter gingen
vorüber, ein paar Lastwagen qualten sich muühsam durch
den Schmutz — vom Kirchturm schlug die Glocke dröhnend
zwötsmal. —
Wieder der Morgen vorüber! Lothar kam nicht! —
Aber er bekam vielleicht nicht so schnell Urlaub — er
onnte sich beim Justizrat verspaͤtet haben, er konnte den
zug verpaßt haben, er konnte ach, Charlotte wußte
nur zu gut, welch eitle Vorspiegelungen ane dieie Gründe
varen.
Mit ihren müden Füßen schritt sie durch das Haus,
reppauf und ab. Sie muflerte jeden Raum, die Vorrats⸗
ind Wirtschaftskammern, die sie so lange nicht betreten
jatte, Keller, Boden, ihres Sohnes Zimmer — wie je—
nand, der, vor einem Lebensabschnilt, einer wichtigen Eul—
cheidung stehend, seine Habe in Ord ung bringt.
Als die Dienstleute zum Vespern hereinkamen, ging
ie in den Garten. Sie schritt von Beetzu Beet, von
zaum zu Baum, liebkofend glitt ihre⸗ Hand über die
curngeräte auf dem freien Grasplatz, heiß schluchzend
ehnte sie den Kopf an den Pfoften don Vothars Kinder⸗
chaulel — und plötzsich hielt sie es meht mehr aus.
Sie eilte zurück, durch das Haus, über den Sof. Mit
venigen Schritten stand sie im Pferdestall.
„Georg!“
dre Aus, der Futterkammer trat er heraus, Staunen und
Freude, die Herrin endlich wieder hier ang seben
rg 34
arlotte öffnete die Lippen. Was hatte ste sagen
bollen? Mechanisch sprach ihr Mund, was vor WMinulen
Is nlötzlicher Entichluß durch ihr Hirn neauft vwr 65
RBrueFlucht der Räuber.
Bann wurde die Flucht angetreten. Die Räuber
echs an der Zahl, erreichten mi mir nachts die Um
zebung des Dorfes Selos, wo einer derselben den Brie
hinabtrug, damit er an seinen Bestimmungsort gelange
die Flucht wurde stets zur Nachtzeit unternommen, wo
pei Strati außerordentliche strategische Kenntnisse ent
wickelte. Als wir in der Nähe des Klosters Ha
gias Trias vorbei kamen, waären dor schon Mililä'
und Gendarmen anwesend. Am zweiten Tage meine
Hefangenschaft war schon die Ebene von Elassona durch
schritten. Bei Tage wuͤrde gerastet. Ich mußte di
zanze Zeit still liegen, was mir schrecklich wurde. Ji
der dritten Nacht umgingen wir in weitem Bogen de
Milunapaß, überschritten an der nach Ternavos führen
den Straße die griechische Grenze und rasteten dam
auf einer Höhe anderthalb Tage. Am nächsten Aben
amen fünf griechische Gendarmen talauf und riefen be
tändig „Germanos“ Ich durfte aber nicht antworten
Dann wurde die Flucht nach dem Flachlande fortgesetzt
vobei mir, unten angekommen, die Augen verbunder
wurden. Wir durchstreiften das Dorf Ziler, wo wi—
zwölf Tage blieben und zweimal das als Aufenthalis
ort dienende Haus wechselten.
Das Höhlenquartiecr.
Dalnnu wurde nachts weiter marschiert gegen di
Berge, wo auf fselsiger Höhe eine Höhle bezogen wurde
die ich bis zu meiner Freilassung nicht mehr verließ
Ich verdanke es meinen geographischen Erfahrungen, daf
ch in der Vage bin, den eingeschlagenen Weg festzu
tellen. Während der Flucht empfand ich kein Furcht
iur das untätige Liegen zur Tageszeit fand ich schred
ich. Dabei stellte sich das furchtbare Gefühl des Ge—
angenseins ein.
3wei Selbstmordversuche.
Mein Aufenthalt in der wilden Höhle gestaltete sich
ntsetzlich. Ich mußte den ganzen Tag liegen. Als die
zefangenschaft immer länger währte, wurde ich immer
aghaster; schließlich zur Verzweiflung getrieben, unter⸗
nahm ich zwei Selbstmordversuche, die mißlangen. Dar—
auf folgte dumpfe Resignation. Das Ungeziefer schien
mich zu verzehren und die schreckliche Langeweile er
drückte mich schier. Ein Bote brachte nachts die Nah
rung. Als er erschoffen worden war, mußten die Räu—
ber selbst Speise und Trank besorgen. Trat man aus
der Höhle heraus, so sah man die nach dem Milunga—
peß führende Straͤße und vas Dorf Ligaridia, süͤdli—
die thessalische Ebene.
Verhandlungen wegen Freilaffsung
Vier Kilometer entfernt von der Höhle stand einc
uralte einsame Platane, wo wegen meiner Befreiung
nmit den Raubern unterhandelt wurde. Daß die Räuu
ber inzwischen verfolgt wurden, konnte ich nur vermu
ten, da ich viele Schuͤsse hörte. Zuerst war griechisches
ann türkisches Militär in die Gegend gekommen. dDi.
Räuber reklamierten bei den Unterhändlern wegen ihre
Zerfolgung durch die Türken, worauf diese größtenteil⸗
urückgezogen wurden. dDie Räuber vertrieben sich in
wischen die Zeit mit Kartenspiel und Kartenlegen.
Richter sollte getötet werden.
Nach fünf⸗ bis sechswöchentlicher Gefangenschaft ent
iahm ich den Reden vder Räuber, daß diese beschlossen
hatten, mich zu töten, selbst wenn ein Lösegeld be
zahlt worden sei. Manchmal waren sie im Begriff, sich
uuf mich zu stürzen, mich zu ermorden, selbst wenn ich
—— Jedoch hielt sie stets im letzten Moment⸗
eine geheimnisvolle Macht zurück. Ich stand dabei en
setzliche Seelenqualen aus. Die Räuber hatten unter
dessen große Summen erhalten. In der Frühe des 28
AIugust kamen Strati und Flolios, brachten die restlichen
1500 Pfund und verteilten da— Geld untereinander
Dann sollte die Höhle verlassen werden. Man kam über
ein, mich zu töten, sobald die Flucht angetreien sei
Strati schlug vor, mich zu betaͤuben und liegen zu las
jen. Er würde aber überstimmt. Zwei Raäuber, dar
unter ein Junge, wurden ausersehen, mich umzubrin
jen. Nach ersolgiem Abstieg setzten wir uns nachts am
Wege hin. Es war ein wunderschöner Abend. Mir
var ganz feierlich zu Mute. Auch die Räuber ware
in ähnlicher Stimmung. Man sprach wenig, niemam
vagte mich anzurühren Plötzlich tauchte in der Fern
ine Patrouille mit Laternen auf. Wir mußten wieden
liehen, verließen den griechischen Boden und über
schritten die iürkische Grenze. Ein Kilometer jenseii⸗
eepen rasteten wir in der Nach vom 22. zum 28
uaust.
Zu Tode erschöpft.
Infolge der Anstrengung und des Mangels an Was
ser, sowie der großen Hitze, Aufregung und dreimon
iger Bewegungslosigkeit war ich zu Tode erschöpft
Strati stützie und trug mich mehr als ich ging. Eu
unger Räuber, der mich mit umbringen sollte. wa
nawischen entsiohen.
Der Abschied der Räuber. — Freit
Eudblich aeiate man mir in aroßer Entiernunug di
mappen vor dein Wagen! Ich will zur Bahn'
Sie horchte ihren Worken wie etwas Fremdem nach.
Und waͤhrend der Klaͤng ihr noch im Ohr lag, wußte sie,
daß sie Unmpgliches gewollt.
Sie winkie Georg, der sich diensteifrig zu den Pferden
wenden wollie, noch zu warten.
Du kannst nicht zu ihm, sagte sie sich. Du Mmuß!
warten, bis er konnnt. Warten, bis er sich durchgerungen
hat, zu welchem Eutschluß es auch sei. D tannst ihm
nicht helfen, du darfftes nicht einmal.
So sprach ihr Verfltand Ihr Herz aber jehnite sick
legen diesen Enischluß auf. Ich ertrage die Qual nich
mehr! Es ist mein Kind, anh für ihn dot ich es. auch
ür ihn litt chr VEs ist meln heiliges Recht am ihn
uu kampfen, ch will, ich muß ihn fur mich retten!
Sie sah Georg an Sie begegnete dem offenen, er⸗
ebenen Blick der ebrlichen Augen. Und auf einmal fel
hraein, daß sie ibn ja schicken könne, den Kindheits⸗
efährten, den Getreuen, Wenn sie dem sagte: Fahre zu
hm! Siet. wie er ein ihn widerfahrenes Ungiuc ec
rägt. Bleibe vei hm! Sage mir, wie t lebt ob er
och lebt!
Heiß stiegen diese Wuͤnsche in ihr auf, aber die Ver⸗
hlossenheit ihrer herben Neer hemmte die Worte noch
if den Lippen. Sie sprach fie auch nich aus Sie be⸗
Me auch diese
an k3, ins giich. ußte allein sein. Sie durft
ihm keinen Beobachler, teinen Zeugen seiner Kãmpft
schicken. die Achtung vor seinem Schmerze verbot es ihr
Sie konnte nichts tun, als warten — warten.
Unwillkürlich haflete ihr Auge auf der leeren Bor, ir
welcher sonst Wodan gestanden hatte. Ein Weh, brendent
wie ein Feuerstrom, schwoll in ihrer Brust. War e
moͤglich, daß ein Menschenherz solche Bergeslast von Leit
ertrug. ohne zu brechen?
„Gnädige Frau, kann ich etwas besorgen? Soll ich
atteln, eene fragte Georg.
Sie schüttelte den Kopf
„Nichts, Georg.“
Müden Schritles ging sie hinaus. — Von nun an
am eine Art Ruhe über sie Sie le nicht mehr um⸗
ex, sie stand auch nicht mehr stundenlang am Fenster
53till mit geschloffenen Augen lehnte sie in ihrem Stuhl.
Nan hätte sie für schlafend halten können. Daß aber
lle Sinne wach waren. zeigte ihr Zusammenzucken, sobal
ch Pferdeaetrappel oder Raderoien n de n
er große: Offschaft; dort würde ich Wafsse
Man gab mur acht Goldftücke und ein Si
e Räuber drückten mir die Hand und sagte
war frei, und meine letzten Kräfte einsetzendt
h in beklagenswertem Zustande nach Elasson
— .Eduard Richteͤr.
West⸗ und Süd⸗Deutschland.
a, 5. Sept. GGonner Studenten.) Hi—
zwischen Studenten und Poliziste
Schlägerei, bei der zwei Studenten ve
den. Drei Studierende der Landwirtschaft b
sich in einem Tanzlokal übermäßig laut. Al
sie aufforderte, das Lokal zu verlassen, ze
en sie Flaschen, Gläser und Stühle. Einig
te, die bald erschienen, wurden von den Stu
ugegriffen. Die Polizisten zogen schließlich blar
en auf die Angreifer ein.
hen, 5. Sept. Wasserwerkzentrale
wölf Gemeinden des Kreises Jülich links de
hlossen die Errichtung einer Wasserwerkzentrale
hlich durch die langanhaltende Trockenheit ver
mit Wassernot sind die Gemeinden zu diesen
se gedrängt worden. Man will möglichst balt
Norbeiten beginnen; 1912 soll das Werk fer
eydt. 5. Sept. Einbruch.) Diebe brachen i
hnung des auf einer Urlaubsreise befindliche
germeisters Lehwald ein und stahlen die ge
zarderobe und wertolles Silberzeug.
chem, 5. Sept. (Niedriger Wasser
) Das Wasser der Mosel ist jetzt so niedrig, das
sie durchschreitenden Badenden nur bis an der
per reicht. Die Schiffahrt ruht.
s der Eifel, 5. Sept. (Sier seuchen.) J
feldorfe Dahlem ist die Maul⸗ und Klauenseuch
zösartiger Weise aufgetreten, daß die von di
besallenen Tiere selten durchkommen und nat
Zeit verenden. Auch ist eine große Anzahl Kin
ech den Genuß ungekochter Milch unter den E
ngen der Maul⸗ und Klauenseuche erkrankt.
urlsruhe, 5. Sept. (Auf der Mörder
Eine aufregende Jagd spielt sich zur Zeite
irdt- und Rheinwaldungen ab. Man sucht no
nach dem Mörder der Frau Lina Zwecker, de
er Hager. Nachdem es die letzte Woche gelunge
ius einem Weiher bei Rußheim die Leiche d
eten Frau herauszufischen, hatte die Staatsau
aft eine umfassende Streife angeordnet, an de
Mann Kavalerie und 50 Grenadiere, sämtlich
rmeriemannschaften des Bezirks mit mehrere
ihunden und die Hofforstbeamten beteiligten. Ei
at wurde aber nicht erzielt. Hager blieb ver
den. Dagegen wollten ihn verschiedentlich Leut
t haben. An einem Bahnwärterhaus bei Karls
oll er um Brot gebettelt, in einem Neubau über
haben. Verhaftungen wurden gleichfalls vorge
en, man hatte aber nur Landstreicher oder Benu
vischt und nicht den gesuchten Mörder. Die Staats
tschaft hat nun die Belohnung auf die Ergreis
es Hager auf 400 Mark erhöht. —
er September, der neunte Vonat, war nach de
mrömischen Zeitrechnung ursprünglich der sieben
ahres. Karl der Große gab ihm den Namen „De
monat“. Der Landmann wünscht Regen im Se
r, wie die alte Bauernregel sagt: „Am Septen
zen ist dem Bauer viel gelegen.“ Ein Tag i—
mber ist nach altem Volksglauben für das Wet
besonders maßgebend: „Wie sich's Wetter am Ma
zeburt tut verhalten, soll sich's weiter vier Wo
noch gestalten.“ Der Volksmund hat auf den Se
r noch manch Sprüchlein geprägt. So heißt e⸗«
Eicheln im September, viel Schnee im Dezen
Ein anderer Spruch lautet: „Sind am Michge
zögel noch da, ist der Winter noch nicht sehr nah
Tageslänge nimmt um beinahe 2 Stunden ar
zu Anfang des Monats geht die Sonne 5 Uhr⸗
„zu Ende des Monats erst 6 Uhr 10 Min. a
end sie au 1. September 6 Uhr 57 Min., am 30
ember aber schon 5 Uhr 52 Min. von uns schei
Die Lampe kommt wieder zu Ehren; der Herbj
it seinen Anfang. Vom 24. September morgen—
zr tritt die Sonne in das Zeichen der Wage; ar
m Tage sind sich Tag und Nacht in ihrer Läng
). Von den Planeten ist der Merkur in der
le dieses Monats sichtbar; die Venus wird am 15
ember Morgenstern und ist Ende September 14
ide lang sichtbar. Der Mars ist Ende des Monai—
tunden lang zu sehen, während der Jupiter End
Monats nur wenige Minuten zu erblicken ist. De
irn nimmt in der Sichtbarkeitsdauer bis zu 94
iden am Ende des Monats zu, der Uranus geb—
Pitlernacht unter.
— —
——
Es war am vierten Tage nach der Unterredung mit
Justizrat. UÜber Nacht hatte es gefroren. Jetzt schen
Sonne und taute den Reif von den Bäumen. Dit
war klar. Aus ziemlich weiter Entfernung vernahn
schon die Wagen, auf der Chaussee.
Charlotte saß auf ihrem Platz, von wo aus sie den
überblickte — vergeblich, vergeblich!
„Ich will zu schlafen versuchen.“
Mit einer Mattigkeit, die es schwer machte, den
—33— bis aum Schlafzimmer zurückzulegen, ging sie
ür.
Ehe sie aber noch die Klinke erfaßte, ward es draufßen
. Ein Wagen rollte durch die Einfahrt, Hunde kläten,
rgs Stimme sprach freudig dazwischen, und nun eine
ere —
Charlottes Knie wankten. Mühselig schleppte sie firk
hedem Stuhl zurück.
Jetzt ging die Haustür, nun Schritte, langsam, schwer,
r das der leichte, rasche Schritt, mit dem ihr Sohn souf
sihre Arme eilte? Nein, der da eben vor ihrer Tür
ilt machte, der mußte ein gebrochener Mann sein. — Und
n? —hörte sie recht? — nun entifernte sich, die e
hritt — jeßt hallte er dumpf auf den Steinfliesen de—
urs, jetzt auf der Treppe —
LKofber war nicht zu seiner Mutter gekommen.
13.
Sie hatte sich wieder aufgerichtet. Zwar wankte sie
och und ihre Fuße waren schwer wie Blei, aber sie rafite
uit gller Energie ihre letzte Kraft zusammen.
Mit der Rechten hielt sie sich am Treppengeländer.
? Ie preßte das Hers, damit es aushalte noch diese
5tunde.
Vor seiner Tür atmete sie tief auf, Kraft sammelnd.
Ruhe erzwingend. Fest legte sich ihre Hand sodann um
die Klinke.
Vothar Harlmann saß vor dem Schreibtisch. Der
Kopf in die gufgestützten Hände gelegt, wandte er den
Eingang den Rücken. Neben ihm stand eine Kassette.
Eharlottes erster Blick fiel auf ihres Sohnes gebeugtes
Haupi, der zweite haftete auf dieser Kassette — den
Pistolentasten ihres Mannes. In Setundenschnelle vollao
iich eine Wandlung in ihr
Artseberna falatf