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Amtli ikati uñ Mit zwei Beil agen:
Umtliches Publikationsorgan für den it zwer Beil agen:
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Bürgermeisterei-Bezirk Dudweile— onntagsblatt und Heitere Blätter.
* J 5 ftir di zffsei i ino“ii
ernspr.⸗Anschlur *oarbrũcken Nr. 69, 259, 269, 1261. Druck u. Verlag: J. Unterkeller, Dudwe⸗ dorantwartlich für die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anze Karl Unterkeller
* — —— — —2———————— —çc2——⏑— —,,, — — — üü A ιιιÂᷣιαιιιαιαιναιααιια — ——— —
— —c5 58c...... 4 Eintritt der Nũrnb Debensversicherungsbant anzuzeigen, auch muß sich der Verle“ te innerhalh 24 Stunven nach dem nsa in argnche
flmi. A M. gegen Tod durch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der ürnberger Lebe — zeig u—
——— —
211.* Samstaq, den 2. September 1911. 24. Jahrgang
Nr. 244. J ——— — — —
v teich in Spanten undo xiandern, erhielt, zum General
marschail ernannt, im Revolutionskrieg 1807, des Kö—
nigs Oberbesehl über die in die Niederlaube cinrücken
den Truppen. 1668 zum Katholtzizmus übergetreten
besehligte er im Kriege gegen Hollaud 1672 die Arme
am Niederrhein gegen die Kaiserlichen und Branden
burger, zwang den Großen Kurfürst 1673 zum Frieden
von Vossem, ward aber dann von Montecuccolle zu
rückgedrüngt. 1674 schlug er den Herzog von Lothrin
gen bei Singheim und eroberte die ganze Pfalz, d
xX auf das entsetzlichste verwüstete. Er besiegte dara.
Lournonville bei Enzheim und traf im Juli 1675 be
Sasbach auf die Kaiserlichen unter Mantecuccolie; hie
vurde Turenne von einer Kanonenkugel getötet. Sei
Leichnam ruht in dent Dom der Invaliden in Paris
Turenne war ein methodisch gebildeter und vorsichtige
Jeldherr, ein ausgezeichneter Taktiker, für seine Trup
pen väterlich besorgt. Gewinnende Liebenswürdiotind
Bescheidenheit zeichneten ihn aus
Politische Rundschau.
Deutfsches Reich.
Es peht wermehr fest, daß der Kaiser mi.
roupr am 15. September na Danzu
angfuhr koemmt behuss Uebergabe des n danz
es 1. Leibhusaren-Regiments an den Kronprinzen
aut Dauziger Zeitung“ wird entgegen der ursprung
chen Bestimmung die Kronprinzessfin zungch
qt hier Aufenthalt nehmen, weil sie einem freudiger
w enedeguns entgegensieht.
*Donnerslag abend fand bei den Majestäten i
bethensaal des Königlichen eneeaten im A
ut, an der die bereits zur Parade in Berrin
agetroffenen Fürstlichteiten mit Gefolgen teilnahmen.
er König von Sachsen führte die Kaiserin, der Kar
Vringzessin Eitel Friedrich, der türtische Theeniee
zrinzessin Viktor'a Luise. Rechts neben dem Kaise
aß der König von Sachsen, linls Prinz YUufsuf Izze
n, gegenüber dem Kaiser die Kaiserin, zur Rechten
zer Kaiferin die Prinzessin Eitel Friedrich, zur Linken
det Großherzoa von Baden. Weiter nahmen an der
dasel teil der Kronprinz, Prinz fFitel Friedrich, Prinz
lugust Wilhelm, Prinz Oskar. Reichskanzler v. Beth—
nann⸗Hollweg und Staatssekrerar v. Kiderlen-Wächter.
* Der Fauisser ernannteven König vonSach
en zum Shef der zuedten Garde-Ulanen.
»* Dem Vernehmen nach ist die preußisch-hessische
ziaatsbahnverwaltung geneigt, Versuche mit tehbe,
shonischen Einrichtungen in den Eisewn
ahnzügen auzustellen. Die Neuerung ist bereits üben
as gesanite englische Bahnnetz verbreitet.
* Der frühere amerikanische Botschafter in Berlin, Dr.
zill, wird in den nächsten Tagen vom Kaiser in
iner Abschiedssaudienz empfangen werden. Sein Nach
olger Leishmann wird in der nächsten Woche in
jerlin eintreffen, um sein Beglaubigungsschreiben zu
chalten. Hierauf wird er wieder nach Amerila sich ve—
eben, um erst im Laufe des Winters den Botschafterosten
in Berlin zu übernehmen.
Kreta.
* Die Nationalvereinigung von Kreta hat die Ab—
cht ausgesprochen, Kreta zur Republik zu machen,
ills sih die Sch utz mächte der Einverleibung Kre—
3 mit Griechenland widersetzen.
Türkei.
* Der türkische Thronfolge Jussuf Izzedin
»elcher sich gegenwärtig in Berlin befindet und au
riner Reise dem rumänischen Königshofe einen Besuck
bstattete, meldete dem Sultan telegraphisch, daß
lönig Kearol von Rumänien den Wunsch ausgespro,
jen habe, im nächsten Frühjahr den Sultan in Kon—
antinopel zu besuchen. Im Auftrage des Sultans ver—
cherte der Thronfolger den König des herzlichiten embp
inges.
* Die Regierung hat sich entschlossen, für die im Apri
909 an der Revolution gegen Abdul Hamid beteiligen
Personen Ammestie zu erteilen
— —
Zur Marokkofrage.
Wien, 1. Septbr. Wie die „Wiener Allgemein
zeitung“ nochmals betont, hält man die neuen franzö
schen Vorschläge, die Herr Cambon der deutscher
tlegierung unterbreiten wird, nicht für unannehmbar
in erster Linie sollen diese Vorschläge die Regelun—
er Marolkofrage, hauptsächlich das Protektorat Frank—
eichs über Marokko betreffen. Frankreich wünsche, daẽ
deutschland keine Ansprüche erhebe, die einem solchen
oͤrotektorate hinderlich sein könnten. Deutschland ver—
ange dagegen, daß seine wirtschaftlichen Interessen in
harokko mehr als bisher gesichert werden. Deutschlaud
sei auch der Ansicht, daß das Abkommen vom Jahr«
* welches die wirtschaftlichen Interessen Deutsch
nds in Wiarokko sicher stellen sollte, nicht recht gecig
et sei, um diesem Zwecke voll zu entsprechen. Eine
eits solle also die politische Vormachtstellung Fran?
ceichs in Marokko anerkannt werden, andererfeits ver
ange Deutichland eine bindende Form der Anerkenntn
—TX
enhanbentg zu purmen, voch wurden sie oarun vurct
die Truppen verhindert. In Donai schlossen die Fleisch
hauer und die Kaufleute ihre Läden aus Furcht vo
Plünderung und verkauften nur an bekannte Kunden
In Aniche wurden die Fleischhauer beim Verlassen des
Zchlachthoses von einer großen Volksmenge angegrifser
und veschinpft. Mehrere der Ruhestörer hielten mit
Petrolenm gefüllle Spritzen bereit, um jedes Stüc
Fleisch, welches fortgeführt werden sollte, zu bespritze
und dadurch unbrauchbar zu machen. Von den Arbe—
tern wurde in verschiedenen Städten die Drohung aus
gestoßen: Entweder billige Lebensmittel oder Revo—
lution!
Frankreich inbelt! Bei den Manövern in Verdun
konnte das Geschutzfeuer dank den schrifilichen Angaben
welche die über dem Schlachtfelde kreuzenden Fliege
der Bedienungsmannschaft zuwarfen, rasch und so ge
nau gerichtet werden, daß der Kommandeur des ersten
Armeekorps zu den Artillerieoffizieren sagte: Mein
Herren! Denken Sie an diesen Tag! Er kennzeichne
den größien Fortschritt, der seit langem in der Ariillt
rieschijeßmethode vorgekommen ist.
Die Cholera. Die Cholera tritt neuerdings il
Vologna und dem apnulischen Tafelland auf. Neue Kra
walle werden aus Roccamena (Sizilien) gemeldet. Dor
wurden auf Gesundheitsbeamte Schüsse abgegeben un
ein Schuppen mit Desinfektionsmaterial zerstört. D'
Frauen veranstalteten am Stadthaus eine Kundgebrn
und riefen: „Wir wollen die Seuche nicht!“ Nach de
„‚VPerseveranza“ traf der Vatikan energische Maßregel—
gegen eine Einschleppung in die apostolischen Palaäͤste
— Während der letzten 24 Stunden wurden in Ueskü
eine Neuerkrankung und fünfzehn Todesfälle an Cho
lera gemeldern
Aus aller Welt.
Verhaftung. Der Schriftsteller Weber, bekann
rus der Affäre der Frau von Schönebeck in llenstein
oucde aus seiner Wohnung in Berlin heraus verhafte
ind ins Untersuchungsgefängnis abgesührt. Weber wirl
»es Diebstahls, der Unterschlagung und der Urkunden
älschung beschuldigt.
Hoiclbrand. Auf bisher unaufgeklärte Weise brad
dem bekannten Palasthotel „gZum Rathaus“ in Ober
hiesenthal (Sachsen) ein Brand aus, der das Hote
ollständig einäscherte. Die Gäste, unter denen sich auch
wei Berliner Ehepaare befanden, konnten sich recht
eitig in Sicherheit bringen. Der Hotelbesitzer Geor—
deller kam in den Flammen um. Sein verkoͤhlter Leich
lam wurde nach eineinhalbstündigem Suchen geborgen
Sechs Personen — ein Blitzschlag. Währeni
ines heftigen Gewitters, das über Radowitz nileder
ling, stand die ganze aus sechs Personen besteheude Ja
ne eines Gutsbesitzers unter dem Vorhau des Hau—
»3und sah dem schrecklich-schönen Schauspiete der un
nuterbrochen niedergehenden Blitze zu. Plötzlich „ihr
in Doppelblitz in die Gruppe und tötete alle 6 Perso
en. Die 12jaͤhrige Tochter wurde dabei ganz verlohlt
ährend die übrigen 5 Leichen kaum eine Spur von
erletzung zeigten.
Von Rirditer. Richter befindet sich noch in einen
ustande der Erregung. Er ist von Angstgefühlen be
errscht und blieb aus eigenem Antrieb zwei Tage ir
laffona, nun sich auszuruhen. Die Behörden übten
inerlei Druck auf ihn aus. In Salonili stieg Richter
ei der Famtlte Jenny ab. Die türkischen Behörder
aren wahrend der gäanzen Reise von Elassona nach
zaloniki übecaus zuvorkommend gegen Richter. Leut,
ant Wahid Bey begleitete ihn bis Saloniti, wo er
n dern Militärkommando meldete. Die Räuber be—
andelten ihn ziemlich sest. Sie waren fest entschlossen
n zu töten, falls kein Lösegeld käme. Richter staud
ualvolle Stunden der Angst und Ungewißheit aus. Er
zar wie trunken, als die sechs Räuber verkündeten, er
i frei. Richter behält sich vor, seine Erlebnisse selbsl
u schildern. Er verweigert vocläufig jedes Interview,
ellt aber in Abrede, die Begleitung durch eine Eskorte
bgelehnt zu haben, als er nach Kokinople aufbrach.
eber die Gegend, in welcher das Versteck lag, will
ichter orientiert sein. — Richter, der nun in Saloniki
ingetroffen ist. hatte 24 Stunden in der Quarantäné
a Ostrovu verbracht. Er trug bei seiner Ankunft in
zaloniki das gleiche Touristengewand, das er beim Be—
inn seines Ausflags nach deim Olymp getragen hatte
owie dieselben Bergschuhe. Den zuerst eingeschlagener
veg nach Karaferia hatte er aufgeben müssen, weil die—
er nicht fahrbar war. Richter war sehr erfreut, als
ruvon dem Schuldirektor Sigmund begrüßt wurde, der
hm mit seinen Korrespondenzen bis Ostrova entgegen—
efahren war. Richter hat noch ein Angstgefühl, da
hn die Räuber zuletzt recht ernstlich bedrohten; er bit—
»t deshalb, daß auch vor dem Hause des Kaufmanns
jenny, wo er abstieg, ein Posten aufgestellt werde
tichter war auf allen Bahnstationen Gegenstand größ
er Neugierde. In Saloniki kam er bei Dunkelheit an
»daß er nicht weiter beobachtet wurde, zumal da de.—
zug verspätet eintraf. Betreffs seiner Freilassung sagte
ichter, er wisse keine Details; die Räuber hätten ihm
ie Hand gegeben, sich verahschiedet und ihn zieher
afsen.
Gegen die Teuerung. Die Ausschreitungen ir
5t. Quentin wegen der hohen Lebensmittelpreise nah—
ien ein Ende, als Reiterei und Fußtruppen aufgebo
en wurden, um die Straßen zu säubern. In einen
Stadtteil versuchten die Webergehilsken eine Kolonialwa
Bon der VLuftschiffahrt.
*Parade und Flieger. An der Parade de—
Gardekorps in Berlin, der auch der türkische Thronfol
ger beiwohnte, haben zum erstenmal zwei Flieger teil
genommen. VolIlImöller verließ in 500 Mete
Höhe Johannisthal mit einem Eindecker und erreicht
in wenigen Minuten das Tempelhofer Feld. Vom ösi—
lichen Rand des Feldes herkommend, steuerte der Flie
ger auf die Kaisereiche zu, unter welcher der Kaise
und seine Umgebung Aufstellung genommen hatten. Voll
nöller umlreiste den Baum mehrmals in engen Schr⸗
jen, flog daun die Truppenreihen entlang und kehrte
350 Meter Höhe zu dem Baum zurück. Plötzlich hört
nan den Motor aussetzen und in glänzendem Gieiiflu—
choß Vollmöller hernieder. 50 Meter über dem Boder
ichtete er den Eindecker wieder auf und mit voillée
Tourenzahl stieg das Flugzeug in wenigen Minute
vieder bis zu 500 Meter empor. Der Fuͤeger traf i
dohannisthal wohlbehalten an. Auch der Flieger Ev
inneg stattete deni Paradeseld einen Besuch ab. Nad
inigen Rundflügen landete Eyring wieder vor seinen
zchuppen. Beide Flieger konnien, nach ihrer Auslaoe
je Truppentoörper deiulich unerichi
o Hinesische Soidaten, Aus Hankou wird berick
tet: Zwölf Soldaten der Garnison Wutschang drange
in das Haus eines Obersten ein, um ihn wegen Nich
auszahlung des Soldes und grausamer Behandlung 3
töten. Die Soldaten trasen den Obersten nicht an un
ermordeten dessen Familie
— —
Turenne, der erlolnreidze Fesdgerr.
Zum 300 ährigen Gedenktage der Ge
burt Turennes.)
Am 11. September sind 30 Jahre verflossen, selt
dFrau?reichs größter Feldherr nach Napoleon, das Lich
er Well erblickte. In Sedan als zweiter Sohn des
Zerzogs Heinrich von Bouillon und der Prinzessin Eli—
h von Nassau-Oranien geboren. trat er 1825 in
Naͤundische Kriegsdienste. 1630 als Oberst in die fray
stiche Armee eingetreten, machte er Feldzüge nao
rhlingen und an den Rhein, stieß als Generalleut
anl 1638 mit einem Hilfskorps zum Herzog Bernhard
In Wiemar, diente 1639 —42 in Piemoni, siegte 1040
ei Casale und Turin und wurde dann zum —XB
efördert. 1644 überschritt er als Oberbefehlshaber der
ranzöfischen Truppen den Rhein, entsetzte Freiburg
nd vefreite das ganze Rheingebiet von den Kaiser⸗
chen. Bei Mergentheim geschlagen, siegte er wieder
ördüngen und ie1680-89 socht er erfolg
Vermischtes.
Oramen am Telephon. In eiuner englischen Zeü
chrift wird ven Dramen des Lebens erzählt, in denen
das Telephon eine Rolle gespielt hat. Vor ungefäh
»rei Jahren erhielt die Polizeistation von New-Brightor
neiner Winternacht die telephonische Botschaft: Un
vJotteswillen, schickken Sie jemand! Ich habe mich er
chossen.“ — „Wer sind Sie, wo sind Sie?“ fragt
der entsetzte Polizeibeamte zurück. Aber keine Antwor
»rfolgte. Schnell entschlossen, klingelte der Beamte da—
verbindende Amt an und erfuhr dort den Namen eine
ntlegenen dörflichen Eisenbahnstation, die sich soeber
gemeldet habe. Unverzüglich wurde ein Polizist mi
einen Arzt im Automobil dorthin gesandt, und au
dem Bahnsteig angelangt, fanden sie auf einer Bau
einen jungen Mann bewußtlos mit einer Schußwund
im Kopf. Man schaffte ihn in das Krankenhaus, w.
es gelang, sein Leben zu erhalten. Schwer verwund“
wie er war, hatte er sich noch an das Telephon schlo
nen und seine Botschaft abschicken können. Diesem Um
tand verdankte er seine Rettung. In einem anderen
Falle konnte eine Telephonistin in New-Jersey dazi
deitragen, daß ein Leben vor einem schrecklichen End
»ewahrt blieb. Von der Pumpstation der Wasserwerk
am ein Anrus. „Nummer, bitte?“ fragte die Beamtin
deine Antwort; nur ein schwacher Laut, der wie „Hil
e!“ tönte, ließ sich hören. Die Beamtin hatte den Kop
‚auf dem rechten Fleck.“ Unverzüglich rief sie den Direl
or der Wassekwerke in seinem Bureau an. „Eilen Si
tach der Pumpftation, es ist dort etwas vorgefallen!
ief sie ihm zu. Der Angerufene bestieg sofort seit
stad und eilte zur Stelle. Dort fand er den dienst
abenden Jugenieur, entsetzlich verwundet und sich ver
»lutend, bewußtlos am Boden liegen. Iniolae eine;
Co
arfe de Turer
Ihre letzte Sühne
Roman aus dem Leben von Erika Riedberg.
Nachdruck verboten.
Bas Weit!leid mit der Unglücklichen wuchs in ihm. Er
Nnerte, dis er langsam fortfuhr: „Aber ich sah noch mehr,
15 diese alte Wabrbeit — ich sah, daß ich nicht schweigen
nisie. Nur in dem einen Falle war es moͤglich — wenn
F Ehe nicht gelöst wurde — sonst mußte ihr Sohn alles
disset.“
Lharlotte hob den Kopf. Nein!“ schrie sie auf
Nein!“
Es war ein erstickter, zerrissener Laut, wie jemand
hu ausstößt, der noch einmal perfuchte, den Schlag auf
uhalten der herabsausend ihn vernichten soli.
Die Ebe ist gelöst, gnädige Frau. Nicht durch
zcheronng, der Tod hat es getan.“
Beuntin jprach jetzt rascher, um mit dem Unerträg
ichen bald zu Ende zu kommen. „Und nun, da
Ehe er vollenden konnte. war (Eßarlotte auf
esprungen.
⸗Sie werden nicht sprechen! Mit mir tun Sie, wer
Sie wollen, aber mein Sohn soll, darf nichts wissen! Sie
id nur der Bruder, der Stiefbruder, aber er ist meir
Sohn. Können Sie ermessen, mit welchen Leiden ich an
einem Glücke gebaut? Und nun kommen Sie und reißer
nir die Arbeit meines Lebens nieder und glauben, ich
verde dulden, datß Sie meinen Sohn unter die Trümme;
derfen? Hier“ — ke reichte ihm ihre Hände hin — „mich
onnen Sie daben, sofort, und je eher alles vorüber ist.
Smehr werde ich Ibnen danken! Von ihm aber soller
Sie Ihre Hand lassen: Frudarf nicht ahnen was sein
Nutter tat!“
Bentin Hatte üich ebenfalls erhoben. Mit sestem
)ruck Won r thre Ocnde, zwingend ert vern rigt
ren Blick fe
.Auch nicht, wenn ich Ihnen sage, daß Etelka
zeternoff, die Frau, die Ihren Sohn liebt und ewig
eben wird, meine Richte ist, das Kind meines Bruders,
3 Galizien einen plötzlichen und unaufgeklärten Tod
m
Charlotte stieß einen Schrei aus, langanhaltend, in
immern ersterbend, wie ein zu Tode getroffenes Wild.
in paar Augenblicke stand sie, die Arme emporgestredt,
inn brach sie vor dem Sefsel in die Knie, schwer siel ihr
nft quf 308 Volsster odoer
Ver Justizrat verharrte neben ihr, selbst aufs tiefste
rschüttert durch diesen Anblick.
Wenn ihr bis zur aͤußersten Grenze des Erträalichen
epeinigtes Hirn diesem Schlag nicht widerstand — es
haͤre das Barmhersigste für sie gewesen.
Aber Charlottens Leidenskraft war großß. Nach
iniger Zeit, deren Dauer keiner der beiden maß, machte
ie mit dern Handen mühselig⸗tastende Versuche, um sich
ufzurichten.
Er beugte sich herab, die schwere, kraftlose Gestalt zu
interstützen.
Kaum aber fühlte sie die Berührung seines Armes
hob sie den Oberkörper. Sie warf sich gegen ihn, sie
mschlang seine Knie, und ihr angstverzerrtes Angesicht zu
ym erhoben, flehte sie; „Barmherzigkeit! Schweigen!“
Er atmete kurz. Er fühlte, diese unerhörte Marter
uißte beendigt werden. Sanft löste er ihre Arme.
„Liebe, gnädige Frau, hören Sie noch ein paar
Vorte. Eine Reise hatte mich mehrere Tage von, Hause
rngehalten. Meine Tochter befindet sich schon längere
„eit im Süden. Heute mittag kehrte ich zurück. Kaum
abe ich die Reisekleider abgeworfen, so tritt Etelka
eternoff in mein Zimmer. Strahlend erzählt sie ihr
lück. Lothar, Hartmann war während meiner Abwesen⸗
eit dort gewesen, sie hatten sich ihre Liebe gestanden, sie
atten sich verlobt. Und übermorgen, gnädige Frau, wird
hr Sohn kommen, um mich um die Hand Eielka
‚eternoffs zu bitten.“
„Verlobt! Und er kam nicht, um es seiner Mutter
u sagen! Er ahnt doch nicht —“
„Nein, er ahnt nichts. Ubermorgen will er Ihnen
ẽtelka bringen, und deshalb komme ich, damit Sie, die
Mutter, mit ihm sprechen.“
Von Charlottens Lippen kam es wie das Stöhnen
iner Sterbenden. — „Ich kann nicht! Verlangen Sie
as nicht.“
„Sie werden einsehen, daß Sie allein den Einfluß
auf Ihren Sohn haben, der in dieser grausamen Situation
neriäßlich ist. Glauben Sie denn, ich, ich würde diese
he zugeben? Und selbst, wenn ich es täte, von Barm⸗
erzigkeit und Mitleid für die beiden Unglüdlichen
rfüht — wenn nun Lothar ohne mein Zutun hinter das
nelige Geheimnis käme, später, als Etelkas Gatte? Sie
edeit, gnädige Frau, ob Sie leben oder sierben, Wahrheit
uß hier jetzt geschaften werden. Längst hätte es gescheben
rüssen, aber ich verschob es von Tag zu Tag.“
Er, schwieg. Fur Augenblicke hörte man nichts als
as stöhnende Atmen der gequälten Frau, das Knaätterr
ear Halzischeite im Samin und die herlondon Mindstöfe—
— ⸗ —2
ole udorh unmer um das Haus tobten.
„Schreihen Sie Ihrem Sohn, bevor er zu mir
ommt.“
Sie schüttelte den Kopf, wild, fieberhaft. Die ge—
falteten Hände hielt sie vor die Stirn gepreßt.
„So screiben Sie ihm nichts, als daß er sich von
mir eine wichtige Auskunft holen solle. So schwer es mir
wird, ich will die Mission auf mich nehmen. Dazu iss
aAber notwendig, daß Sie mich zuvor über die Katastrophe
und ihre Ursachen auftlären.“
Er strich beruhigend und zugleich, um sie aus ihrern
Starrheit zu erwecken, über ihre gerungenen Hände.
„Vertrauen Sie mir; ich muß nun alles wissen. Frar
artmann, warum taten Sie das einst?“
X hatte er das Wort gesprochen, so wrallte e
urück.
Charlotte war aufgesprungen. Mit einem Ruck, fre
ind ungebeugt stand sie vor ihm. — „Warum ich es tat!
Veil ich meinen Gatten liebte und weil er, Lüders, ein
rlender war, der ihn verderben wollte.“
Ihr Auge flammte. Sie padte Bentins Arm, eisery
imklammerte sie ihn.
„Sie sind gekommen, um Rechenschaft für meine Tat
zu fordern. Tun Sie's, ich verweigere sie nicht. Aber
as sollen Sie wissen, stände ich noch einmal vor der
VBahl: Die Ehre — und sie bedeutete das Leben meines
»atten oder das seine — ich tät's noch einmal! Ich habe
elitten ohne Maß — jeder Atemzug seitdem ist Qual ge—
vesen — aber bereut habe ich meine Tat nicht. Miein
reben ist darüber zerbrochen, daß die unselige Tat ge—
chehen mußte, nicht aber darüber, daß sie geschah.“
Beutin schaute sie an wie gebannt.
War das dieselbe Frau, die noch eben auf den Knien
zelegen, niedergeschmettert von des Jammers Last?
Bu voller Größe aufgereckt, sprach sie mit fester
nachspoller Stimme, und die Hoheit heiliger UÜberzengung
euchtete von ihrer Stirn. — Was sie zu jener Tat ge—
rieben. war Liebe gewesen, reinste, höchste Gattenliebe.
ind noch jetzt, wo sie zermalmt war unter den fürchter—
ichen Folgen der Schuld, stand diese Liebe da, stolz,
öniglich, und sprach: Ich tät's noch einmal, ich bereue
ucht.
Er legte wie geblendet die Hand über die Stirn.
D Srauenherz! O Frauenliebe! Hoch wie der
Dimmel, unendlich wie das Meer. wer kennt. wer schöpff
rich ausa!
Toslen Sie mir nicht sagen, wie es geschah?“ hub
er Justizrat auu. „Mein Bruder, nicht wahr — er stürzt
uur vmJ aorschon Rroftoroinoe Ralfone 24
verectte, daß ein Schauder ne durchriefelte.
‚Fa. Ich tat nichts dazu, seinen Sturz zu verhindern
ch les ihn nur gehen. Aber ich wußte, daß der Boder
es Baltons aufgedeckt war. Ich sah ihn den verkehrter
Veg einschlagen, ich warnte nicht. Ich wollte ihn nich
Htein. — Auf dem Hof lag hochgeschüttet Sand —“
Sie stofte. Ihre Augen nahmen einen abwesenden,
tarren Blick an, der sich in den Teppich zu ihren Jüßer
u bohren schien, alß sehe er dort Entsetzliches.
Plötzlich trat sie näher an den Justizrat heran.
„Den dumpfen Ton, mit dem der Koͤrper dann unten
ufschlug, den Schrei der dem Sturz vorauging — es ind
weir uver zwanzig Jahre her, aber ich schwöre d.
höre ihn noch fast jede Nacht.“
Es durchschauerte ihn. Er mußte fich abwenden.
„Aber warum? Was tat mein Stiefbruder Ihnen!
Sie nannten ihn einen Elenden —?“ fragte er zögernd.
Sie richtete die großen, durchdringenden Augsen, bi⸗
wunderbar schnell ihre ganze Schärfe und Ruhe wieder
gewonnen hatten, auf ihn.
„Kannten Sie ihn als einen anderen?“
Bentin konnte nichts erwidern. Nein, soweit er
uurückdachte, war Rudolf Lüders kein edler Mensch ge
vesen. Manche Sorgenfalte hatte sich seinetwegen in des
VBaters Stirn gegraben, manche Träne hatte die Mutten
uim diesen verlorenen Sohn geweint. Alle Kindheits
rinnerungen fand er getrüht, verdorben durch ihn. Mi
velchen Opfern, welchen Vertuschungen hatte man mühsan
ie militärische Karriere für ihn aufrecht erhalten
Atmeten sie nicht alle erleichtert auf, als ihn der Zu—
ammenbruch des angestammten Köniashauses fort nack
Balizien führte?
„Bentin mußte als ehrlicher Mann Charlottens Fraae
mit „Nein“ beantworten.
Wohl erschütterte ihn damals das plötzliche Ende
dieses Sohnes seiner Mutter aus erster Ehe, aber wiederum
als ehrlicher Mann mußte er zugestehen, daß sich di—⸗
Familie dadurch von einem Alp befreit fuͤhlte.
Nur ihn selbst überkam noch manchmal die Er
innerung daran, wie an etwas Schweres, an etwas, das
irgendwo ganz heimlich einen Schatten in sein reines
stolzes Gewissen warf. In solchen Stunden sagte er fich
daß ihn die begreifliche Erleichterung über den Abschluf
dieser beständigen Familiensorge zu weit geführt. Er
tte Verdacht geschöpft, aber er unterdrückte ihn um
1140e0.