Full text : Dudweiler Zeitung

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Ie Amtliches Publikationsorgan für den it zwei Beil agen:
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*wan Bürgermeisterei⸗Bezirk Dudweiler. sSonntagsblatt und Heitere Blätter.
r.Anch! aarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Drucku. Verlag: J. Unterkeller. Dudweiler Verantwortlich für die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenrin sGarl Unterleller
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—F y M.gege dd durc Vnfall bei der Rürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Stunde anach dem Unfall in ärztliche
ung begeben. Todesfälle mũssen sofort spätestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebrach twerden. Über die Voraussetzung der Versicherung geben die Versicherungsbedingungen Aufschluß, die vom Verlage od. von der Nürnberger Lebensven sicherungsbank zu bezteh⸗n sind.
r. 210. Freitag, den 1. September 1911. 24. Jahrgang
— e⸗ Es Iss n — D — — — αα
eiduugen gege eregshetzer und Geschastspatrioren turzenden Baumstannui am Ropse gerrossen und getö⸗
getrieben wird. Vor der Hand wäre zu wünschen, daß, et. Seine Begleiter erliiten schwere Verletzungen. —
venn sich in den nächsten Tagen zeigen sollte, daß die Aus Frutigen wird ein weiterer Unfall gemeldet
eutsche und die französische Regierung über die Grund. fin elsjähriger Gaisbub ist, als er eine Ziege, die sie
agen der Verständigung über Marokko vollkommen »erlaufen hätte, zurückholen wollte, von der Schwand
inig sind, eine entsprechende offizielle Mitteilung ge elsspitze aus 2000 Meter Höhe abgestürzt.
nacht werde. Was im Namen beider Regierungen ein Sabotage. Die Liller Polizei verhaftete drei schor
nal laut und deutlich vor der Oeffentlichkeit festgeleg nehrfach vorbestraste Leute, die im dringenden Verdach
st, das läßt sich so leicht nicht wieder umstoßen und tehen, die Urheber der in der letzten Woche verübter
vird auch eine Vereinbarung über die Einzelheiten er zahlreichet Sabotagefälle an Telephon⸗ und Telegra—
⸗aichtern hendrähten zu sein. Bei einer durchgesägten Telegra
phenstange war ein Kinderspielzeug zurückgelassen wor
den und durch Nachforschungen wurde sestgestellt, da
dieses kürzlich von einem der Verhafteten gekauft wor
den war.
Blutiger Streit. Ein Reservist geriet in einem
Irt bei Nanecy mit Zivilisten in Streit. Er zog sein
Zeitengewehr und verletzte einen Zivilisten tödlich. Di
Zivilisten bemächtigten sich hierauf des Soldaten und
achteten ihn so zu, daß er im Spital an seinen Ver—
etztungen starb.
Verspatete Hundstagsphantafsten. Das Paris
Journal“ tischt seinen geduldigen Lesern abermals die
Ate Mär auf, daß Deutsschland unbemerkt von
Frankreich diesem durch belgissches Gebiet, be
deutende Truppenmassen in die Flanken werfen könne
das Blatt glaubt diese alberne Geschichte dadurch glaub
vürdiger zu machen, daß es sie sich von seinem Lon
doner Korrespondenten drahten läßt. Dieser „Sachver
ständige“ hat sich anscheinend die Mühe gegeben, die
zus deutschland nach Belgien führenden Bahnltnien
estzustellen, ebenso wie die deutschen Städte unweit
der belgischen Grenze, welche Garnisonen haben, denn
er meldet seinem Blatte, daß es Deutschland keinet
Schwierigkeiten machen werde, Truppen aus Aachen
Köln, Koblenz und Bonn in Belgien eindringen zu
sassen; nur hat der Herr dabei Trier mit seiner starken
garnison vergessen.
Gegen die Teuerung. Die in verschiedenen Städ
ien Nordfrankreichs wegen der teuren Le
sensmittelpreise vorgekommenen Ruhe
st run gen nehmen immer mehr einen gewalit,
dätigen Charakter an. In Douay trafen meb—
rere hundert Weiber und Männer aus dem benachbac⸗
ten Dorignies ein und zogen, die Internationale sm⸗
gend, vor das Stadthaus; vom Gemeinderat verlang⸗
en fie, daß es wirksame Maßnahmen gegen die Preis—
teigerung der Lebensmittel ergreife. Der Gemeinderai
iahm einen Beschlußantrag an auf Abschaffung der
zölle auf Fleisch und andere Nahrungsmittel. Die
ßstenge gab sich damit aber nicht zufrieden und mar—
chierte unter dem Rufse: „Es lebe die Sabotage'!“ durch
die Stadt. Das Zuchtpolizeigericht bestrafte wehrere
Frauen, die auf dem Markte von Houtmont Ruhestör—
ungen verübten, mit Gefängpigitrafen von 3wei bis
piert pro urteil rief unter der Bevpota
Aufregung hervor. Der Allgemeine Mbeiterverband
forderie die Arbeiter in einem maßlos hestigen Aufrus
auf, zum Zeichen des Protestes zu streiken. Im Be—
zirk Valenciennes wurden viele Kaufleute von den Ar—
deitern gezwungen, sich schriftlich zu verpflichten, nur zu
den von diesen festgesetzten Preisen zu verkarfen. Die
Geschäftsleute, die unter diesen Umständen kiur mil
Schaden arbeiten würden, haben ihre Läden geschlossen.
Die Metzger beschlossen, infolge der hohen Viehpreise
bis auf weiteres nicht mehr zu schlachten. In Valen
ciennes wurden die Fleischhauer von der Menge be—
schimpft, sodaß fie in ein Case flüchteten. In Fresnes
drang man in die Geschäfte und vernichtee die Waren,
weil die Geschäftsleute sich geweigert haten, die Waren
zu einem billigeren Preise zu verkaufer. Ein alten
Pächter wurde vor Aufregung vom Schage getroffen
kin Schwadron Reiter siellte die Ordꝛung ber.

sry und Genossin Luxemburg.
eiienden Kreise der so zialdemokrati
Ppartei haben seit einiger Zeit mehr mit de
len als mit den Revisionisten zu tun. Der Grun
in, daß die Ultraradikalen mit der parteioffsi
Bebhandlung der Marokkofrage nicht einverstan
Die Parteileitung ist an diese Sache nu
Fungern herangegangen, in der richtiger
die Partei, wenn sie diese auswärtige
rwbisher üblichen Weise behandelte, bei der
enden Wahlen keine guten Ersahrungen machen
ese Stimmung hat auch das Marokkoflug,
aflußt, das die Parteileitung schließlich her—
das hat der Genossin Rosa Luxemburg
en, dem Flugblatt Kannegießerei und ent
ðLeit vorzuwerfen. Jetzt meldet sich als
ser Karl —“ Er sagt der Genossin
n einem langen Artikel im „Vorwärts“ et—
eiten und legt seine Auffassung nochmals
„chlusse kommt die Hauptsache, nämlich, daß
— vor den Wahlen — übel für die Kritik
Kautsky schreibt:
3 bedurfte unsere Partei mehr des allge—
jens, mit der allgemeinen Zuversicht in ihre
d Geschlossenheit, wie jetzt, und nie ver—
ne mehr. In keiner Frage seit dem Fall des
gesetzes ist unsere Partei so einmütig gewe—
jetzt in der Frage des Kriegs und der Kolo—
Nirgends treten wirkliche prinzipielle oder
ifferenzen zutage, sondern höchstens Mein—
edenheiten in einzelnen Details. Man wünscht
Vorstand mehr Energie und größere Rasch—
Anregung der Protestbewegung. Man mas
Flugblatt kritisieren, finden, es soll mehr
sein, weniger lehrhaft, oder es solle der
anderen Punkt noch enthalen: Solche Kriti
Platze und fördert nur die Sache. Aber wenn
einen ganzen Scharfsinn dazu aufwendet, um
ebungen der Partei in einer Weise zu entstellen
tundlos zu verdächtigen, daß die Welt den Ein—
erhält, jetzt, in dieser entscheidenden Krise versage
artei vollständig, zeige sie sich völlig hilflos und
g und verleugne sie ihre Grundsätze — wenn
jhne jede Veranlassung solche unwahre Kritik übi
chem Moment, dann versündigt man sich auf das
hafteste gegen das Wohl der Partei.“
igeutlich tut aber Kautsky der Genossin Luxem—
unrecht. Er hat sich Jahre lang bemüht, aus den
nuder Gesinnungsgenossen alles herauszubringen,
irgendwie nach Politik aussieht, und bei der Ge—
Luxenmiburg ist ihm das gelungen. Wenn nun
ky auf seine alten Tage selber ein bißchen Poli—
vird und die Schülerin ihm darin nicht mehr zu
vermag, so kann sie nichts dafür. Sie kann nicht
urück und sieht in Kautsky schon einen Reaktionär.
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
ꝛx draiser, die Kaiserin und die Prinzes⸗
ikbroria Luise werden am 15. September
adinen erwartet. Der Aufenthalt daselbst is
al nur auf einige Tage berechnet. Am 20. Sep—
csoll die Abreise nach dem ostpreußischen Forst—
Rominten erfolgen, wo das Kaiserpaar unge—
4 Tage zuzubringen gedenkt. Auf der Rückreise
tominten soll der übliche Besuch in Marienburq
rangfuhr erfolgen.
)en Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin is
hre au den Staatssekretär des Reichspostamtes ge—
te Anfrage, ob in absehbarer Zeit auf die Her—
ig einer direkten Fernsprechverbin—
g zwischen Deutschland und England
net werden könne, folgender Bescheid zugegangen:
derstellung einer mittelbaren Fernsprechverbindung
en Deutschland und England durch Ausleguncç
deutschenglischen Fernsprechkabels stehen z. 31
aroße Schwieriofeitfen entgegen. die hauvptsächlick

arin vegründet sind, daß- die Moöglichten der' vBer—
endung längerer Fernsprechkabel technisch noch nich
oöllig geklärt ist, und daß solche Kabel unterseeisch nicht
iit der gleichen Sicherheit ausgelegt werden können
hie Telegraphenkabel. Während die Fernsprechlabet
wischen England und Frankreich bzw. Belgien nur 38
ezw. 88 Kilometer lang sind, würde für die direkte
jernsprechverbindung Deutschlands mit England eir
dabel von etwa 450 Kilometer Länge nötig sein. Di
zinrichtung des deutsch-englischen Sprechverkehrs au
irektem Wege kann ich für jetzt leider nicht in Aussich.
ellen. Es wird indes geprüft werden, ob die Eröff—
ung des Fernsprechverkehrs zwischen Deutschland und
ugland sich im Durchgang durch Belgien über das
eu auszulegende belgisch-englische Fernsprechkabel er—
öglichen lassen wird.
* Eine Vorlage über die Einwirkung der Armen
ntersstütz un ög auf öffentliche Rechte wird gegen—
ärtig in den zuständigen preußischen Ressorts ausge—
rbeitet. Es handelt sich um eine sinngemäße Ueber—
ragung der reichsgesetzlichen Grundsätze auf die Lan
esgesetzgebung.
Mexiko.
* Die Progressiven in Mexiko stellten einstimmig
Nadero als Präsidentschaftskandidaten auf. Ueber
ie Kandidatur von Gomez als Vizepräsident ist man
och uneinig.
Japan.
* Das ne ue Kabinett hat sich konstituiert und
tzt sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident: Mar—
uis Sainmoji: Minister des Aeußern: der bisherige
otschafter in Washington, Vicomte Uch i d a; Mini
er des Innern: Hara; Finanzminister: Yone
10 t o; Unterrichtsminister: Mat su d a; Handelsmi
ister Makinoz Verkehrsminister: der frühere Mi
ister des Aeußern Hayashi; Justizminister: der
isherige Prälident des Abeornetentau aehra
driegsminister: der bisherige ster Generalleut
iant Jshiimoto; Marineminister: Baron Saito
der auf seinen Posten bleibt.
— Oα ä.OB IAO äMäôXO
Zur Marokkofrage.
Nachdem die Pariser Blätter einige Tage erwart
ngsvolles Schweigen beobachtet haben, beginnen einige
on ihnen in dem Augenblick, wo die Verhandlungen
vischen Frankreich und Deutschland über Marokko wie—
er nervöse Unruhe zu zeigen und durch Hinweise au'
e deutsche Begehrlichkeit und die französische Großher
igkeit eine Verständigung zu erschweren: Es wird auch
hon wieder von der Wuürde des Landes gesprochen
ie den französischen Zugeständnissen eine Grenze ziehe
8 läßt sich nicht beurteilen, inwieweit diese Summ—
ugsmache auf der genauen Kenntnis der Vorschläge be—
uht, die die französische Regierung zu machen gedenk
ind auf der Kenntnis der Ansprüche, welche die deut—
he Regierung zu stellen sich verpflichtet fühlt; immer
in ist es nüßlich, darauf hinzuweisen, daß, wenn ir
zen letzten Taͤgen konstatiert werden konnte, daß die
ranzösischen Vorschläge im allgemeinen
n Berlin eine günstige Aufnahme gefunden haben, da
tnit doch nur die Uebereinstimmung über die Grund—
agen der Verständigung ausgesprochen war, was nicht
russchließt, daß es noch geraume Zeit dauert, bis über
zie Einzelheiten eine Einigung erzielt ist. Eben aus
ziesem Grunde ist bemerkt worden, daß es nicht gu
ei, von einem Ultimatum und dergleichen zu reden
ondern daß es die Verständigung erleichtere, wenr
errn Cambon für die neuen Verhandlungen eini
er Spielraum gelassen werde. Es ist der Sache nich
örderlich, wenn derartige Verhandlungen, die ganz«
zölker in einiger Spannung halten, zu lange hingezo—
en werden. Je länger sie dauern, desto mehr störende
wischenfälle sind möglich, desto mehr Treibereien in—
ressierter Leute in der Presse ist, Raum gegeben und
icht zuguterletzt wird eine Verständigung auch die Agi
tion zur Ruhe bringen, die in öffentlichen Versamm
ingen auf der einen Seite zugunsten einer aggressiver
arokkopolitik. auf der anderen Seite mit starken Uön

Aus aller Welt.
Bergog Adolf Friedrichs Heimkehr. Nach zwei
ãährigem, Ausenthalt in Afrika ist Herzog Adolf Fried
ich zu Mecklenburg von seiner zweiten großen Forsch—
ingsreise in Hamburg eingetroffen. Der Großherzoe
jon Mecklenburg, die Großherzogin Marie Antoinette
bie Großherzogin-Witwe Marie und Herzog Paul Frie—
»rich zu Mecklenburg fuhren dem Reichspostdampfer
König“, mit dem der Herzog in Hamburg ankani, eine
Strecke entgegen. In Hamburg wurde der Herzog von
bPeitkltedern des Senats und Des ιιuα αιι
ommen geheißen. Die wissenschaftliche Ausbeute der
xxpedition ist nur zum kleinen Teil mit dem Dampfe:
König“ eingetroffen. Der Rest wird mit verschiedener
in der nächsten Zeit hier ankommenden Wörmanndamp
fern einirefsen. Der größte Teil der lebend mitgebrach
ten Tiere wird den Zoologischen Gürten in Hamburg
Berlin und Franksurt a. M. überwiesen werden.
Keine Spisne. Die wegen Spionage verhafteten
FEngländer wurden wieder entlassen, weil alles in al
sem genommen, die Verdachtsmomente nicht ausreich
ten, um sie ebenfalls wegen beabsichtigter Spionag
estzuhalten. Sie haben den Kieler Hasen wieder ver
laffen, und das Mißgeschick, das sie betroffen hat, in
em sie sür Spione gehalten wurden. baben sie selb
erschuldet.
Hingerichtet. Der Lehrer Czwalina aus Enduh
nen im Kreis Stallupönen, der am 23. September v
J. seine Geliebte, ein Dienstmädchen, erschossen hat. il
n Insterburg hingerichtet worden.
Opfer der Berge. Aus Grenoble wird be
ichtet: Ein junger Deutscher namens Arthur Fick au
zremen, der mit einem jungen Franzosen und de
lochter seines Hauswirts einen Ausflug in die Berg
nternonimen hatte, wurde beim Ueberschreiten eine
sunse, welche die Holzfäller zur Beförderung der g«
aAfllien Baumstamme talwärts benutzten, von einem ah

Von der Luftschiffahrt.
—Nationale Flugwoche. Vom 24. Sep⸗
ember bis 1. Oktober wird in Berlin eine natio
iale Flugwoche abgehalten, derer Veranstalter der
Zerliner Verein für Luftschiffahrt, der Kaiserliche Aero
ver Gaterliche utom abtsflub sind. Aun Breci
—„VT
Sie wurde es crotzocur run, daron war er überzeugt,
aber immerhin blieb es bitter ür Etelka, gäuzlich auf
osen agewiesen zu seim, sebst wenn er ihr testa—
eischene Sinme verhiachee. Sie mußzte mit Be⸗
andung empfinden, daß sie Lonore beraubte. Wohin
an satz Kummer und unlösbawn Verwirrung.
Das war nun die Ruhe um die friedensvolle Stille
die er vom Ende seiner Tage ecwartet hatte! —
Er Feclte fich an eins der Fenster, den schweren
dunklen Vorhang etwas zur Seite hebend.
Finsier und blaß schaute er hinaus. — Immer noch
fah adie Frauengefalt am ege stehen. ohne schützende
Zulle, darhäuptig, umwebht und durchschüttelt von
eienden Herbstrvind. Immer noch sah er dies An⸗
zesicht, wie er es in der kurzen Minute des Vorüber
fahreus erblickt, verzerrt von Schrecken. durchfurch
von Leid.
uͤnd nach dielem unbe)eckten Haupt, in dessen Silber
haar der Regen niederirorite. sfollte er den vernichtenden
—
Was würde das Ende sein?
Wou Tharlotte Herlmann fähig war, das ahnte, daß
wußle von allen Menschen nur er allein.
Ihm war, als müsse dann auch aus seinem Dasei
aller Frieden weichen, als könne er dann nie mehr mit
diesem heiteren Tehagen, dieser tiefgründigen, innerer
Freiheit durchs Leben gehen.
Eharlotte wurde nichts leugnen. Sie war groß, das
fühlteer Aber konnte sie diesen Zusammenbruch über
leben? Würde sie es wollen?
Das Fenster, an dem er stand, ging nach den Wirt⸗
schaflsgebãuden hinaus. Unsicherer Lichtschein schwankte
hier und da über den Hof. Die Knechte gingen wohl
nit Laternen zu den Ställen. Vor einem ——
Seitengehaude, offenbar die Meierei, stand ein blau⸗
veißgestrichener Milchwagen. 8Zwei Mäagde waren be⸗
— — Anñzahl glitzernder Blechkannen zu
beladen. Bentin konnte im Zwielicht deutlich sehen, wie
fauber die Madchen aussahen, und wie sich der Kutscher
zum Schutz seines hellen Leinenanzuges, unter dem er
sedoch, dem Umfang nach zu schließen, eine warme Jopp—
lragen mochte. einen Gummimanfel umbaänate. bevor er
den Bock bestieg.
Alles geschah mit solcher Ruhe, mit der besonnenen
geschaͤftigen Sicherheit, die nur ein verständig und klug
geleitetes Personal haben kann. Durch jedes, was die
Fraͤu tat und was fie umgab, ging ein Zug bon Größke
und imnonierender Orduuna.

Ihre letzte Sühne
Roman aus dem Leben von Erika Riedberg.
Nachdruck verboten.
zZaghafie Ansorug wieh noch nicht von ihrem
It. Sie wurde blaß — de Ersnnerung trat as
F Schatten in das strahlende Sonnengold die e
Lothar“, sagte sie leise und schob ihn etwas von sich
st du mich auch nicht verachten?“
er perschlotßz die bange fragenden Lippen mit einen
n Kuß, jedoch in neuem, angstvollem Zweifel sebtte sit
ZeUnd die Kinder, Vothar —“
Ich werde deine Kinder sehr lieb haben, Etelfa.“
Sie sind sehr wild, Lothar, sehr unbandig —“
ir werden sie schon erziehen, mein Lieb“, beruhigt
Zankhar, mit unendlicher Hingabe sah sie ihn an, dock
daß der Schatten ganz gewichen wäre.
Was bedruat dich noch, mein Herz?* fragte er und
¶ doch so genau, was liun kommen werde.
Sie schmiegte sich an ihn. Weich drückte sich dit
Frauenwange an sein gebräuntes Gesicht. „Dein
fr — dein Beruf —“
zr umschloß sie fest in einem neuen, süßen Gefühl de⸗
tzgewãhrens.
zNeine Wiuiter wire dich lieben — wer taͤte es nicht
nzige du — und .. Beruf? Ich habe ihn geliebi
es nicht leugnen. Die Mutter und mein Degen
igr ie das Sochste in der Welt. — war, denn nun
dich, mein Gluckt Einen andern Beruß, gibt et
i Dhhen Höre, welchen: diese meine holde Blum
8 herausnehmen aus dürrem, armem Boden; ir
ues raftiges Erdreich will jch sie verpflanzen, we
e zarten Würzelchen sich festsaugen zu fröhlich
rdeiben. Und dies gesunde, segenbringende Erd
—9— Heimat. Eine Heimat dir zu geben, das ist jeß
hrh Du kommst dort in kein unbebautes Land, men
ie Intelligenz einer edlen, hochsinnigen Frau hat sen
—— und großes geschaffen, trotzdem aber bleibt
drsfte weites Wanm um sich zu betätigen. Wir
aut Niederioh remne Sumpfe guszurenen temn
er urbar, zu machen, keine wilden ee
nnen haben, aber wir werden auf nne 3
nd weilerzubauen haben, und unsere — Baea
io nne daß wir seibit wäbrend de

Voll gläubigem, unbegrenzkem Serirsnen lauscht fie
einen Worten. Sie fragt nichts mehr, sie nimmt leist
eine Hand und weiß, daß sie sich lieben werden — bis in
sen Tod.

Wer eigentlich das Gerücht in der Gesellschaft ver—
vreitet, wußte er so wenig wie auch Frau von Torben
Zenug, die Vermutung bestand; und die Bekannten gleick
uͤber den Irrtum aufzuklären, unterblieb anfangs un
elkas willen. Außerdem bestand zuerst ja auch die
Zoffnung, daß die arme Frau frei werden könne. Wi
te er wohl sonst Lothars Annäherung geduldet, sah
och er, wie auch Leonore, daß diese beiden, die von allen
Renschen auf der Welt sich nie hätten finden dürfen, milt
lckientarer Gewalt zueinander gezogen wurden.
Elementar! Das war es. Denn wäre es weniger
nachlvoll gewesen, weniger zwingend, so konnte es nur
des Hößuches, Verächtliches sein. Wenn auch kein er⸗
lerendes Wort zwischen ihnen gesprochen ward — Etelka
var die verheiralete Frau, die Mutter zweier Kinder. die
hon ein verschwiegener Wunsch entweihte.
Der Grundsatz ist so alt und, liegt so tief begründel
nm jedes Menschen Empfinden, daß selbst die modernste
Inschauuug, die leichteste Moral ihn wohl vorübergehend
richültern, nie aber austilgen kann. Und daß ein solches
Febol auch von Ausnahmemenschen nicht ungestraft über⸗
vr en wird, daß es auch von den reinsten, edelsten
eselde Gefolaschaft verlangt, das sollte Bentin nun noch
wissermohen am eigenen Leibe erfahren. Er hatte sich
nodeigend zum Beschuͤtzer der beiden gemacht, weil er
ine Freude an ihnen hatte, weil es dem Herzen des
Ideattsen so wohl tat, einmal eine Liebe zu sehen,
In Els fördern zu können, wie es nur azu selten ist in
Reser Welt.
Lohar Hartmann war ihm lieb wie ein Sohn
Mas würde er nicht darum geben, könnte er dies grau—
Ane Geschick, dessen Vollstrechker er sein mukte. von ihm
2renden!
Was aus Etelka ward, daran wagte er gar nicht zu
denten. Ihr verstorbener Mann besaß keig Vermögen.
Zane allerdings beträchtliche Einnahme, bestand in dem
debolt, das er als Direktor eines bedeutenden Industrie⸗
verkes besog. Arm, ohne Schutz, unfähig, die Knaben zu
erziehen aus Unselbständigkeit und nicht zum mindesten
qus ölrmut, stand sie in der Welt nerlasien. sohald or die
Augen schloß.
Unmsöglich konnte doch Leonore diese Frau, die ihr
doch mit den wilden Buben im Grunde nicht sympathisch
var, trotz aller Opfer, die sie ihr brachte, beständig bei
ich behalten. Denn wollte sie die gewohnte Lebensweisc
ortsetzen, so standen ihr keineswegs die Mittel zu Gebote
ücht allein für Etelka, sondern vor aliem für die Ginder
lanne Nobre sorgen zu können

10.
Der Justizrat Bentin war von Ling, dem Stuben
nädchen, du Charlottens Zimmer geführt worden. Mil
er Gewandtheit woblgeschulter Dienstboten bat fie, Platz
u nehmen, sie werde die gnädige Frau, welche in den
zarten gesangen, sogleich benachrichtigen. —
Benin wehrte freundlich ihrem Eifer. „Die gnädige
zrau hat mich bereits gesehen.“
Nim zZundete sie die Lampen an. Die große am
Zlafond, die beiden hohen vor dem Kamin. Nach einem
erslohlenen Blick in, das so merkwürdig ernste Gesicht des
decrn schlüpfte sie hinaus.
Bentin blieb allein. Er sah in dem Gemach umher.
Hoch und hell bis in jeden Winkel. Nichts Dunkles,
achts Verstektes, groß und vornehm, eben durch diese
Zelle und Größe, wie es so gut, so einzig für die stolae.
ponierende Herrin dieser Räume paßte.
Und so friedvoll war's! Dort die Sessel am Kamin,
hienen sie nicht geschaffen, ein Paar Glückliche auf—⸗
unehmen? Die zuckenden Flammen im Kamin, sollten
ie nicht ihr spielendes Licht in traulicher Dämmerung
iber frohe Gesichter gleiten lassen? Träumte es sich nich!
punderbar gut bei dem Rauschen der, Eichen und Tannen,
—
Zaͤtte die Herrin von Niederloh jemals geträumt?
Gewiß nicht. Zu welchen Gedanken der Sturm audh
eine Melodie gesungen haben mochte, Träume waren es
cher nicht gewesen.
Vom Gedanken bis zur Tat, vom Entschluß bis zu
lusführung konnie bei Charlotte Hartmann immer nur
in kurzer Weg sein. Und doch, trotz aller Energie, aller
uhe und außersten Selbstbeherrschung, Bentin ahnte in
or einen verborgenen Quell tiefster Leidenschaft. Wie
nußte diese Frau hinreißend gewesen sein als iundes
lückliches Weib!
Er sprang, auf. Was wollte er hier? Was sollte sich
ier abspielen? Wie würde es hier aussehen, wenn er
egangen? Er seufzte tief, Zu allem, was die Ver⸗
angenheit auch für ihn schweres barg, gesellte sich jetzt
och der Vorwurf, daß er der Annahme. Etelka Peternofi
»i Witwe, erst dann mit aller Entschiedenheit entgegen—
etreten war, als ihm Lothars Liebe für sie klar ge—
            
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