vd y 3 — — 2.
Die Abnahme der Tage tritt jetzt schon recht
nerklich ia die Erscheinung. Vom 1. Juli, der mit 16
ztunden 41 Minuten nur um 4 Minuten kürzer ist als
er längste Tag des Jahres, betrug die Abnahme der
dageslänge bereits 1 Stunde 8 Minuten; diese verrin—
sert sich im Lausfe des August wieder um 1 Stunde 50
Rinuten. Die verkürzte Lichtdauer macht sich demzu—
»ͤlge besonders am Abend bemerkbar.
Daunkbare Stammgäste. Einer dankbaren Ge—
tieinde ersreut sich offenbar in Mannheim eine al'⸗
Lartestau, die in diesen Tagen ihren 70. Geburtstag
estlich beging und auf den angenehmen Namen Elise
schmalz hört. Ihr zu Ehren hatte sogar ein städtisches
zebäude Festschmuck angelegt, und zwar die städtische
— Bedürfnisanstalt auf dem Marktplatz. Hoch oben
uf der Zinne der Rotunde war ein mächtiger Blu—
nenstrauß mit langen Bändern in den Farben der
Ztadt angebracht, und die Eingangstür zu den Klo—
etts war mit einem von frischem Grün umgebener
krausparent geschmückt, dessen Inschrift die Stamm
shr des beliebten Lokals an den 70. Geburtstag der
artefrau des Häuschens erinnerte. Wie die Mann
jeimer Blätter melden, wurde das mit einem gesunden
Nannheimer Humor ausgestattete Geburtstagskind aud
nit verschiedenen humorvollen Angebinden bedacht. Eir
reuer Stanmmgast, ein Mannheimer Bäckermeister, hatt
hr, da die „Lies'l“, wie sie im Volksmunde heißt, un
erheiratet ist, zur Feier des Tages eigens einen
espektablen Mann aus Mehl gebacken.
Fenermelder oder Vergnügungsautomat. Ein
inglaubliches Maß von geistiger Beschränktheit hat einen
ns rheinisch⸗westfälische Industriegebiet zugewanderten
ßolen in einer Klage wegen Sachbeschädigung im Wie
»eraufnahmeverfahren zu einem Freispruch verholfen
der Bergmann Wladislaus Ostrowski hatte vor etw
wei Jahren seine ländliche Heimat in Westpreußen ver
assen und die Zahl seiner Volksgenossen im Industrie
zeblet vermehrt. Am 10. September 1910 betrat
um ersten Male in seinem Leben eine Großstadt
ltuf der Straße kam er an einem Feuermelder vorbei
zo ein Ding hatte Ostrowski noch nie gesehen. Er ur
eilte, daß dies ein Schokoladenautomat oder ein Elel
risierapparat sein müsse und zog fest an dem Griff. All
eine Glocke ertönte, wartete der Pole staunend die wei
eren Dinge ab. Bald kam die Feuerwehr angerasselt
ls der Oberfeuerwehrmann den vor dem Melder Ste
jenden zur Rede stellte, gab dieser rundweg zu, der
Feuermelder in Bewegung gesetzt zu haben. Er schien
ich keiner Schuld bewußt zu sein. Ostrowsli wurd
degen Sachbeschädigung unter Anklage gestellt, und di
dortmunder Strafkammer nahm auch an, daß er sich
er Sachbeschädigung schuldig gemacht habe, und verur
eilte ihn mit Rücksicht auf die Strafwürdigkeit der Ta
u einem Monat Gefängnis. Ostrowski, der sich all
Ipfer seiner ländlichen Einfalt fühlte, setzte alle Hebe
n Bewcgung,. um der Verbüßung der Strafe zu ent
zehen. Er richtete zwei Gnadengesuche an den Kaise
ind setzte schließlich ein Wiederaufnahmeverfahren durch
die Dortmunder Strafkammer sprach ihn jetzt wegen
oes Mangels eines Beweises frei. Das Gericht nahn
an, daß er tatsächlich einen Feuermelder bei Begehun—
der Tat nicht gekannt habe. Wegen groben Unfugi
onnte der Pole nicht mehr belangt werden, weil fül
iesen Fall die Verjährung eingetreten war.
Vom Bruder verurteilt. Der eigenartige Fall
»aß ein Bruder von dem andern verurteilt wird, ereig
ete sich vor dem Schöffengericht Hohensalza. Daselbß
and eine Sitzung des Schoͤffengerichts stati, bei der ei
Beisitzer als Schöffe fungierte. In einer der Straf—
achen war ein Bruder des Schöffen als Zeuge geladen,
ils er aber aufgerufen wurde, war er nicht zu finden
der Vorsitzende sah sich daher veranlaßt, gegen der
äumigen Zeugen eine Geldstrafe von zehn Mark 31
zeantragen und der Schöffe mußte der Gerechtigkeit hal—
zer zustimmen.
Strafporto nach 16 Jahren. Ueber 16 Jahr«
sat, wie die „Ostdeutsche Presse“ zu berichten weiß, ein«
bostlarte, die im April des Jahres 1895 in Elbing
aufgegeben wurde, gebraucht, x sie in die Hände des
kmpfängers, eines Braunsberger Geschäftsmannes, ge—
angte. Da in der Zeit die Karte wertlos geworder
var, sollte der Empfänger Strafporto zahlen; schließ
ich wurde ihm jedoch die Karte, da er sich weigerte,
Ztrafporto zu zahlen, ohne weiteres zugesteilt.
Der Verein der Elefantenfreunde. Durch einern
tührenden Aufruf, der gegenwärtig in Paris verbreitel
wvird, erfährt die Welt zum ersten Male von dem Da
sein einer bisher so gui wie unbekannten Gesellschaft!
n Paris besieht ein regelrechter „Verein der Elefanten
sreunde“, der es sich zum Ziel gesetzt hat, der immer
rößer werdenden Gefahr der voͤlligen Ausrottung der
Elefanten entgegenzutreten. In dem jüngsten Aufrufe
oer auf die interessante Tatsache hinweist, daß jährlid
auf Erden gegen 50 000 Elefanten getötet werden, wir'
arauf hingewiesen, welchen Nutzen die klugen und gut
nütigen Dickhäuter nach Erfolg der Zähmung in der
ifrikanischen Kolonien stiften könnten, wenn man be
Zeiten die Massenschlächtereien verhindere, durch die al
lein infolge der Gier nach Elfenbein die nützlichen Dic.
häuter der Gefahr völliger Ausrottunaga nahegebrach
vorden sind.
a komischen Zorn geraten.
Mit dem epen ihn körperlich so zweifelsohne in
en Schatten stellenden Lothar Hartmann verband ihr
ührende Freundichaft, obgleich sie auch in ihrem Charakter
zegensaͤtze waren.
Dörflern, bei allem Phlegma ziemlich leichtlebig, in
ortwãhrender Geldverlegenheit und von einer geradezu
erblüffenden Unordnung in allem, nahm sich täglich zehn⸗
azal, leider stets vergebens, den besonnenen, ernsten, bei⸗
ahe etwas melancholischen Lothar zum Vorbild, dessen
nusterhafte Ordnung in Finanzen und Umgebung ihm
mfrichtig imponierte, wenn sie ihm auch zu zahllosen
Slossen die erwünschte Veranlassung gab. Er pflegte diese
Scherze auszusprechen, während er in einem Schaukel⸗
cuhl lag, die Beine auf dem Faulenzer, den Waffenrock
ufgeknoöpft, links an seiner Seite ein Rauchtischchen und
echts die beruͤhmte Etagere mit allerlei Eß⸗ und Trink⸗
arem.
Heute aber geschah nichts Derartiges. Der kleine
dicke setzte sich weder, noch schenkte er, vorläufig dem
ikör irgendwelche Beachtung. Wie eine Kugel, nur un⸗
leich geräuschvoller, rollte er im Zimmer umher.
Lothar sah ihm eine Weile zu. So spaßhaft auch das
zebaren des sonst so unerhört faulen „Pussels“ war, und
o sehr es ihn zu anderer Zeit amüsiert haben würde, in
einer heutigen Stimmung machte ihn dies Umherrennen,
egleitet von beständigem Rasseln und Klirren, nervös.
„Kannst du mir nicht bald sagen, Heinz, was es mit
einem Raptus auf sich hat?“ fragte er endlich.
Er hatte sich wieder in halbliegender Stellung auf
vie Chaiselongue gesetzt; den Kopf lehnte er in die seit⸗
värts aufgestützte Hand. So schaute er unter den geraden,
unklen Brauen hervor, halb ärgerlich und halb lächelnd
u dem Kameraden hin.
Dörflern blieb mit einem Ruck vor ihm stehen. Den
Nund, der bisher als begleitende Musik zu seinem Lärm
llerlei kurze Laute und Pfiffe von sich gegeben, vergaß
r zu schließen. Voll der ehrlichsten Freude schaute er
en Freund an.
Mensch, was bist du doch unverschämt hübsch“
Das kam im Ton impulsiver Bewunderung. Und in
er Tat, Lothar Hartmann bot ein Bild zum Rahmen,
der vielmehr, er sah aus, wie ein aus dem Rahmen ge⸗
iegenes Porträt Lenbachs. Der zurückgeschlagene breite
dragen der Seidenjoppe, die auf der Brust das feine
einenhemd sehen lietz, darüber der wunderbar fein
iodellierte dunkle Kopf, das schmale, bräunlich-blasse Ge⸗
Nit ài⸗ 1550 G do J——nodinon Gostalt daof
Etwas vom Obst. Zu Veutschland läßt vei
Ibstverbrauch immer noch zu wünschen übrig. Es kom
ien auf den Kopf per Jahr nur 7. 95 Kilogramm Sbi
egen 128 Kilogramm alkoholischer Getränke. Dem durd
ärkere Reizmitiel verwöhnten Gaumen erscheint da—
bst zu mild und die Zunge vermag die Vorzůge de.
Ibstes nicht mehr ; würdigen. Bei vernünftiger Dio
ommt auch die Freude am Obstgenuß wieder. dvi
jireude am Obstgenuß ist ein Thermometer für den Ge
und heitszustand des Magens und des ganzen Kör—
ers. In diesem obstreichen (k) Sommer müßte mar
virklich wieder ordentlich für den Winter auffpeichern
an nimmt gewöhnliche Bierflaschen, spült sie gut aus
benso den Gummiring, und füllt sie bis zum Ram
nuit Beeren oder klein geschnittenen Früchten. vam
nacht man sie mit dem Gummiring fsest zu, stellt die
nit Lumpen umwickelten Flaschen neben einander —
ie dürfen sich nicht stoßen — mit kaltem Wasser au
en Herd, läßt das Wasser zum Kochen kommen und
twa 20 Minuten kochen und zieht den Topf vom
zeuer. Die Flaschen bleiben bis zum völligen Erkal—
en des Wossers im Topf. So hat man den ganzen
Vinter hindurch billiges und gesundes Obst.
Das Gespensterschiff. Seit mehreren Tagen zer—
richt ganz England sich den Kopf, um das Geheimn's
u entschleiern, daß einen mysteriösen, auf der Themse
erankerten fremden Dampfer umgibt. Das Geheimnis
er „Schaumkönigin“, dies ist der Name des Sj“chiffes
it noch immer nicht gelöst. Viele bringen das Schiff
nit einer portugiesischen Royalistenverschwörung in Ver—
indung, zumal in der letzten Zeit von portugiesischen
doyalisten aus Brasilien größere Geldsummen nach
ugland geschickt worden sind. Das Schiff könnte ver—
nöge seiner Bauart vequem auf dem Fluße Minho an
er Grenze zwischen Spanien und Portugal verwendel
verden, wo vor kurzem erst ein mit Waffen beladenes
zchiff von den portugiesischen Behörden beschlagnahmt
vorden sei. Die Ladung soll, nach einer andern Les—
zrt aus Kriegsmaterial für eine südamerikanische Re—
sierung bestanden haben. In Barrow überraschte die
ugebliche Beschlagnahme nicht besonders, denn dasselbe
var schon längere Zeit hindurch von den Zollbehörder
ewacht worden. Sensation erregte die Nachricht, daß
sor einigen Tagen in Barrow ein Schiff Schießpulver
ius einer Londoner Fabrik eingeladen haben soll.
Ein Zwischentyp zwischen „Zeppelin“ und „Par—
eval“. Die e nei in Ham—
surg hat für ihre Passagierzwecke ein neues Lufftschiff—
ystem erwerben, das besonders eigenartige Vorteile
ind neue Konstruktionsarten aufweist. Das Vuftftschiff
ystem kann weder als ein starres, noch als ein un
tarres bezeichnet werden, sondern es ist ein Zwischen—
yp zwischen „Zeppelin“ und „Parseval“. Die äußere
Form hat es mit dem Zeppelin-Luftschiff gemeinsam
)abei sind aber noch einige bedeutsame Unterschiede zr—
rwähnen. Das LVuftschiff ist nämlich zerlegbar und
äßt sich dengemäß sehr leicht transportieren. Der Er—
inder dieses Luftschiffsystems, Ingenieur Gustav Unger,
Jat das Luftschiff noch mit einigen weiteren Vorteilen
rusgestattet, die sich aus der langaiährigen Erfahrungç
ues an ver eigentumtichen wereuchtung einer marren
derbstijonne und des flackernden Feuers im Ofen, ver⸗
wign sich zu einem Anblick voller Reiz und jugendlicher
nmu
Ohne eine Spur eitel und eingebildet zu sein, pflegte
othar sein Außeres sorgfältig und hatte eine natürliche
reude an der Gesundheit und Wohlbildung seines
dörpers. Jetzt lachte er herzlich über den Stoßseufzer
es kleinen Dicken.
Teufel, nun lacht ex auch noch und moliert sich im
zolldewuß sein seiner Tadellosigkeit', schalt der in
rolligem Zorn und ließ sich in einen Sessel fallen. „Ich
nöchte nur wissen, wie die Mädel, die dummen, dazu
ommen, sich neben dir überhaupt in einen anderen zu
erlieben! Aber sie tun's! Sie tun's! Bei meiner Seele!“
ief er, schon wieder wie ein Gummiball in die Höhe
hnellend. „Und weißt du, in wen?“
Er packle Lothar bei den Schultern und schüttelte ihn
in und her.
„In diesen hier! Ja, staune nur, in diesen hier!“
inter hellem, knabenhaftem Lachen schlug er sich auf die
zrust. „Und zwar ernstlich, mein alter Junge. Alles
janz ernst und feierlich mit Segen und Amen und Küssen
ind Rührung und allem sonstigen Zubehör.“
Nun fuhr Lothar interessiert auf.
„Wahrhaäftig, Dicker? Bist du verlobt? Die Mieze
zrucksdorf —? — „Was?“
Dorflern, der zuerst glückselig genickt hatte, wurde
lötzlich abweisend, steif.
„Was? die Freiin Maria von Brucksdorf? Wer
pricht von der? Nee, nee, mein guter Junge, ich will
lichts für meinen Stammbaum, ich will was fürs Herz.
Ind das hab' ich gefunden, Lothar. Ich sag' dir, Lothar,
o was Süßes von Möädel, so eine holde, kindliche Anmut
ieben reizendem Ernst. Hier —“ er zog aufgeregt eine
zrieftasche aus der Uniform und entnahm ihr ein Bild
7.hier hast du sie, freilich nicht halb so lieb, wie in
Virklichkeit. Aber du mußt sie doch kennen — Käthe
5teinmetz, die Tochter —“
„Deiner Wirtin“, fiel Lothar ein.
Er blickte auf die Photographie in seiner Hand. Sie
eigte ein sehr junges Mädchen. Offene, heitere Züge,
roße, blaue Augen, lockiges, leicht und lose aufgestecktes
daar, einen frischen, Jächelnden Mund — alles in allem
in Knöpfle“, ein „Gesichtleꝛ, wie man in Süddeutsch⸗
ddeer Bezeichnung von etwas Niedlichem gesgat baben
rürde.
QAusßoar fuchte in Mosfom ITanon nachnonfsichen Umnmo
Beovachtung ver disherigen Systeme ergaven. Se
jat er es ermöglicht, daß sein System auch die Reiß—
varkeit aufweist. Das Lufftschiff ist in erster Reihe als
Bassagier⸗Luftschiff bestimmt. Ueber seine Größe und
zie weiteren Konstruktionseinzelheiten verlautet nock
nichts. Sobald es fertiggestellt ist, wird es in dei
Dienst des Hansa⸗Luftwerkehrs gestellt werden. Es ver—
lautet, daß der bekannte Luftschiffer Hauptmann Aber—
rron das Luftschiff führen wird. Durch die Schaffungç
dieses eigenartigen Zwischentyps sind zum erstenmal die
Vorteile des starren mit denen des unstarren Systems—
in einem einzigen Typ vereinigt. Aus diesem Grund
ist dieses Luftschiff eine Fortführung des bisherigen
Luftschiffkonstruktionsarten und als eine Bereicheruncç
unserer Luftflotte zu begrüßen. Allerdings wird mar
ein endgültiges Urteil erst nach den ersten Leistungel
fällen können. In Luftschifferkreisen hat man schol
mehrfach bedauert, daß die großen Vorteile des starre
Systems nicht mit den Vorteilen des unstarren System
nereinigt werden konnten. Besonders ist bei den Kata
trophen der „Zeppelin“Luftschiffe stets die Unmöglich
reit, das Luftschiff aufzureißen und es dadurch zun
Niedergehen zu zwingen, die Ursache der völligen Zer
dörung des Luftischiffrumpfes geworden. Der „Parst
hal“ läßt sich dagegen im Falle der äußersten Gefahl
vie ein gewöhnlicher Gasballon aufreißen und zur
krde niederbringen. Das neue Luftschiff vereinigt mil
einem starren Aeußeren zum erstenmal die Möglichkeit,
zie Hülle aufzureißen. Bei Eintritt von Katastrophen
väre dieses neue System nicht so sehr der Gewalt der
clemente ausgesetzt, wie bisher die „Zeppeline“. Der
dame des Luftichiffes Haumia-Luitichi
Arbeiterbewegung.
Zur Lage in der Metallindustrie.
Oie Einigungsverhandlungen in der sächsischen Me
tallindustrie haben bisher ein wenig befriedigendes Er
gebnis gehabt. Bis jetzt haben die Unternehmer ledig
liich hinsichtlich der Arbeitszeit ein geringes Entgegen
lommen gezeigt, in der Lohnfrage verhielten sie sic
jedoch ablehnend und haben von den Arbeitervertreter
andere Vorschläge verlangt
— —ú —
Von der Lustschiffahrt.
—Das Zeppelincvbuftschiff „Schwaben
hat seit seiner Fertigstellung am 26. Juni bis jetzt 6
Fahrten ohne jeglichen Unfall ausgeführt. Von diesen
61 Fahrten waren zunächst 11 Probe- oder Werkstatt
fahrten, denen sich dann, vom 16. Juli ab, zunächst i
Friedrichshafen 17 Passagiersahrten der Delag anschloj
sen, die nach Ueberführung des Schiffes nach Baden
Baden vom 285. Juli ab dort fortgesetzt wurden, unj
zwar von da aus in bisher 33 wohlgelungenen Flü
gen. Im Ganzen wurden mit diesem Schiff währen'
der 50 Passagierfahrten in über 100 Stunden 6500
stilometer zurückgelegt und, ausschließlich der Bedien
uingsmannschaften, gegen 1000 Personen befördert. Nad
Schluß der Badener Hauptsaison will man Sonntag,
den 3. September der Rheinpfalz einen Besuch abstatß
en und in Landau landen. Am 5. September in der
Frühe plant man eine Fernfahrt über Mannheim,
Nainz, Fraͤnkfurt a. M., Fulda, Eisenach nach Gotha.
wo eine Halle. gleicher Konstruktion wie die in Düs
seldorf, gastliche Aufnahme gewähren wird. Bei genü
gender Beteiligung sollen von Gotha aus etwa wäh—
rend dreier Tage in Thüringen Rundfahrten untern
nommen werden. Spätestens am 9. September wird
die Fahrt bis Berlin fortgesetzt, wo man auf dem n
ine Zeppelin⸗Halle in Aussicht genommenen Plat ö
Potsdam⸗Wildpark vor Anker gehen wird. Ueber di
stückfahrt von da ist noch nichts bestimmt; es wird sehn
von der Wetterlage abhängen, ob man die Fahrt noch
ausdehnt und eiwa, über Hamburg und Hannoveil
Düsseldorf zu erreichen strebt o—der ob man den gleichen
Weg über Gotha und Frankfurt zurück einschlaͤgt.
—
Lokales.
Neue Briefmarken. Eine neue Briefmarke wird
von der Reichspost demnächst ausgegeben werden, auch
Bauern wird eine entsprechende neue Marke zur Aus
zabe bringen. Die neue Marke erhält den Wert von
30 Pfg. Das Markenbild entspricht dem der übrigen
»eutschen Briefmarken bis zu 80 Pig. Während aber
sonst ein farbiges Papier verwandt wird, kommt für
die neue 60⸗Pfennig-Briefmarke weißes Papier zur An
wendung. Die Farbe des Aufdrucks der neuen“ Mart
ist violelt. Das neue Wertzeichen wird von ven Reichs
postanstalten und in Bauern vom 1. Oflober an
gegeben.
Strafporto. Staatssekretär v. Krätke hat ir
einent Erlaß darauf hingewiesen, daß er bei der näch
ten Weltpostvereins-Konserenz im Jahre 1913 zu Mad
zid auf eine einheitliche Gestaltung der Tax⸗ und Ge—
vichtsstufen im ganzen Wellpostverein hinwirken wolle.
Naßgebend für diesen Entschluß ist der Umstand, daf
ie Gewichtsgrenzen für einfaches Briefporto nicht über
Al gleich sind, und daß ein Brief, der in einem Lande
enügend frankiert sei, im anderen Lande troßzdem mit
Ztrafporto belegt werde, weil nach den Bestimmungen
des anderen Landes zu Wenin Noario bezabl ei
schauen sein tiefes Ernaunen Uber des Fame ahl
zu verbergen.
Wie in aller Welt war Dörflern, den man allgemein
für einen Bewerber um die Hand der Baroneß Brusdorf
hielt, zu dieser Verlobung gekommen? Und wie
dachte er sich die Sache nun weiter?
Dörflerns lustiges Gesicht war ernst geworden. Er
lief wieder auf und ab, beobachtete dabei aber unausgeseszt
den jungen Offizier. Er war viel zu klug, um dessen
Staunen und die sich daran schließenden Erwägungen
aicht zu bemerken und begreiflich zu finden.
„Ob du wohl eine Ahnung davon hast, mein Junge.
welch einen glücklichen Kerl du hier vor dir hast?“
Sachte zog er Lothar das KRild awischen den
Fingern fort.
„Was da hinter deiner verteufelt aristokratischen Stirn
vor sich geht, weiß ich ganz genau“, fuhr er immer ernster
ort. „Was du aber nicht weißt, mein alter Freund, das
st die große Erkenntnis, die mir schon aufgegangen ist,
ämlich daß alles, Abkunft, Gesellschaft, Vorurteile und —
nuich der Rock hier — Gott soll mich bewahren, ihn nicht
tets als höchstes Ehrenkleid zu achten — daß alles nichts
st, wenn unser Herz einmal anfängt, in rechter Weise
ebendig zu werden, und unsere einfach menschliche Nati
ardert: das will ich, das muß ich! Ich kann mir im
araus denfon mas dir sgoen winstt Ja gewik. nich
der darf solchen Forderungen nachgeben, aber an fümfzig
on hundert treten sie auch, nicht heran, und von denen
mlerdrüdt sie noch mehr als die Hälfte. Der Rest jedoch,
er diese Courage nicht aufbringt, wohl aber die andere:
ich selbst sein Haus zu bauen, nach eigener Fasson selig
u werden, der bereut's nicht, das glaub mir, trotz aller
Jetlern und Basen, die da schreien; Steinige ihn! Ich
in gewiß, daß dies liebe, junge Geschöpf mein Glüd
edeutel. Ich kann nur sagen: seht. lernt und iolat mir
—X
Er trat an die Etagere, goß sich ein Glas voll Likör
ein und streckte sich, pustend Luft holend, in einen Stuhl
„So lange hab' ich in meinem Leben noch nicht ge⸗
sprochen. Nun aber komm, Kerlchen, sei ein bißchen ge⸗
mütlich! Setz dich zu mir. Du machst ja ein Gesicht
wie der krumme Rittmeister vom zehnten, wenn er seinen
Baul für nervös und somit die Welt für einen Norren⸗
kasten erklärt.“
Lothar war noch in Gedanken verloren. „Es wird
ir sehr leicht, deinen Beruf aufzugeben?“ meinte er
ließälich norsonnon
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
s Düsselderfi, 29. Aug. ( Waldbrand.) Ein
zer Waldbrand an der holländischen Grenze, wer
auch auf deutsches Gebiet übergriff, hat mehrere Häu
in Asche gelegt und sechs Personen, welche verbra
ten, zum Opfer gefordert. 6000 Morgen Wald so
vernichtet sein.
* Düsseldorf, 29. Aug. (In den Flamm
u megekonmmen.) Auf dem Bahnhof Holzheim
riet ein Magazin in Brand. Dabei kam der Weich
steller Michael Niessen in den Flammen um.
*Arns Westfalen, 29. Aug. Mie Schullafte
Int rheinisch⸗westfälischen Industriegebiet ist eine
frage an saͤmtliche Gemeinden im Gange, die von
Magistrat in Herne angeregt worden ist. Die Gem
den des Industriegebieis empfinden das starke Stei
her Schullasten, das infolge der großen Geburtshäu
iein bei der Axbeiterbevollerung axoßex ist als⸗
reigen der Steuerkraft, als eine Belastung, der sie
zie Dauer nicht gewachsen seien. Die Umfrage bezw
entsprechendes Material zu erhalten, das im Herbst
Landtage als gemeinsame Eingabe aller rheinischälischen
Industriegemeinden zwecks Erhöhung
Ztaatsheiträge zu den Schulbaulasten übergeben
den soll.
* M.⸗Gladbach, 29. Aug. GBräande.) Bur
sind in hiesiger Gegend die Waldbrände an der W
ordnung. An einem Tage entstanden im M.Gladba
Bezirke an fünf Stellen Waldbrände. Besonders
war ein Brand bei Rönneter, mit dessen Unterdrüd
die hiesige zur Hilfe herbeigerufene Berufsfeuerweh
Stunden beschäftigt war. Dort brannte eine Waldf'i—
von 80 Ar nieder.
* Trier, 29. Aug. a habean?
junge Burschen in Bitburg spielten mit einer 9
Einer von ihnen wurde in den Kopf geschossen, w.
die anderen die Flucht ergriffen. Der Getroffene
um Straßenagraben
Die Obsternte in der Rheinprovinz.
Die Obsternte in diesem Jahre hat manche
nungen und Erwartungen getäuscht, die in
Frühjahr bei dem so reichen Blütenansatz auf die
sten Obstarten gesetzt worden sind. Während Süß—
Sauerkirschen überaus reichliche Ernten brachten,
andere Steinobstarten mit Ausnahme von Aprikr
einen reichlichen Ertrag versprachen, ließ bei den K
bstsorten infolge der ungünstigen Witterung und
Zpätfröste während der Blüte der Fruchtansatz vier
vünschen übrig. Durch die während des ganzen S.
ners herrschende Trockenheit fielen namentlich im
iat August Aepfel, Birnen, Pflaumen und Zwetn
nassenhaft notreif ab, so daß namentlich die zwei
eren Obstarten nur eine Mittelernte ergaben. Die —
elernte muß in diesem Jahre als gering bezeichnet w
»en, wenn auch in manchen Lagen und im tiefgrünt
jen feuchten Boden immerhin einige wenige Apfelsor
zute Erträge bringen. Bei Birnen kann jedoch auf
zute Mittelernte gerechnet werden. Von Schädlin
ind Krankheiten an unseren Obstbäumen traten in
em Frühjahr ungemein zahlreich die Blattläuse
enen sich alsbald Legionen von Blutläusen zugeselle
der Obstzüchter war anfangs ganz machtlos gegend
mwillkommenen Gäste, jedoch behagte die anhalte
krockenheit und Hitze dieser Läusebrut in keiner We—
o daß man gegen Ende des Sommers die Wahrne
ing machen konnte, daß dieselben fast ganzu 1
chwunden waren. Auffallend stark wurden Reinekla
den in diesem Jahre von Maden befallen und ersche
es dringend noswendig, daß die Objtzüchter gegen die
sen Schädling mit allen Mitteln vorgehen. Von Kran
heiten trat der Meltau an manchen Apfelsorten si
ruf, während die Schorfkrankheit nur in gewissen 6
zieten die Früchte befallen hat. Die anhaltende Trod
jeit während dieses Sommers war für die Ausbildu
»es Fruchtholzes für das kommende Jahr von groß⸗
Wert. Auf solche trockene Sommer folgen in der R
sehr reiche Erntejahre, und so kann man hoffen,
die Obstzüchter im nächsten FJahre für den Ausfall
diesem Herbste doppelt entschädigt werden.
Tarten, die ihn nicht erreichten. Bei der ler
zahrt des Zeppelin-Luftschiffes „Schwaben“ nach Fra
urt ist, wie erst jetzt bekannt wird, auf sehr merkw⸗
zige Weise eine aus dem Luftschiff ausgeworfene Po,
endung verloren gegangen. Die Mitreisenden hatten i
er Kabine eifrig Luftpostkarten geschrieben. Diese wi
en mit dem Stempel versehen und aufgerollt in ei—
bapphülse gesteckt, die 530 Pfennig Finderlohn enthie
ind den Finder ersuchte, die Karten in den nachste
Fostkasten zu stecken. Kurz vor Heidelberg wurde da
ßaketchen, das zur besseren Kenntlichmachung mit but
en, leicht flatternden Bändern versehen war, zur Ke
ine hinausgeworfen. Schnell sank es und verschwan—
— mitten in die schwarzberußte Oeffnung eines Schort
teins. Dieser Vorfall erregte natürlich große Heite
eit. Dann wurden neue Karten geschrieben.
Xeicht? Nem. Aber leichter ihn, als meine Käthe
„Und wirst du es nicht bereuen?“ — Nein, me
Lieber! Ich geh' jetzt auf mein Gut, mach' dort albe
nett und sein, und dann hol ich mir mein Weibchen. Un
daß wir wie die Turteltauben gelebt bis an unser n
Ende, davon werden noch Kind und Kindeskinder reden
Damit erhob er sich und griff nach seiner Mütze.
„Na, leb wohl, mein Junge. Ich sehe, du mußt di
Beschichte erst verdauen. Wenn dieser heilsame Proza
dann vollzogen ist, bekomme ich auch wohl mal dein⸗
Glückwunsch.“
Rasch trat nun Lothar auf ihn zu. Mit ein
Lächeln, das ihn in geradezu idealer Weise verschönn
legte er ihm den Arm um die Schultern. „Verzeib' mi
Heinz! Werde glücklich, recht glücklich!“
Sie schüttelten sich die Hände. F
Machen wir, machen wir, schon ganz von selbst“, be
mühte sich Dörflern, eine aufsteigende Rührung hinwe
zuscherzen.
„Und deine kleine Braut — morgen, nein übermor
werde ich sie aufsuchen.“
„Schön! Schön! Leb' wohl also — und noch
np Rer Ohren hat zu hören, der höre und folae
nach —l“
Die Tür fiel hinter ihm zu. Auf dem Korridor w
seine frische Stimme noch eine Weile laut, wahrscheinlu
wechselte er mit dem Burschen einige leutselige Wort
und gab dem anstelligen Menschen in der Freude sein
Herzens ein splendides Trinkgeld.
Lothar blieb in einer seltsamen Gemütsstimmm
zurück. So recht begriff er den Freund nicht. Wohl,d
ex alles hintansetzte, um das Mädchen, das er liebte,
rringen, aber — dies Mädchen —! Egoistisch wie
Liebenden glaubte er nur den Gegenstand seiner eige
Leidenschaft aller Opfer, aller Anbetung wert. A
Dörflerns Worte klangen in ihm nach und schufen e
dlufregung, eine Sehnsucht in ihm, die mit jeder Seku
wuchs. Er fühlte es, diesmal würde es ihm nicht
lingen, sein wundes, verlangendes Herz mit Vernr
gründen zur Ruhe zu sprechen. Er konnte nicht war
bis die Sitte ihm erlaubte, sich ihr zu nähern; alles
ihm drängte zu ihr. — Sehen mußte er sie.
Seit Alexi Peternoff vor Monaten den plötz
grausen Tod defunden. wußkte LKothar um Eitelkas
3411545
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