Kolonioles.
Der „Entenschnabel“, ein Teil unseres Schutz.
jebietes Kamerun, so genannt wegen der Form, in der
reauf der Karte erscheint, hat angeblich die Begehrlich
eit der Franzosen gereizt, die ihn als akzeptables
dompensationsobjekt betrachten, das ihnen Deuischland
in den Schoß werfen soll. Dieser „Entenschnabel“ bil
det den äußersten Nordosten unseres Schutzgebiets, er
tößt mit seiner nördlichsten Spihe an den Tschadsee und
vird im Osten begrenzt vom Schariflusse. Das Gebiel
vurde unter deutschen Schutz gestellt, nachdem die Ver
indung zwischen Kamerun und Adamaua durch wieder⸗
zolte Reisen angebahnt worden war. Es galt, auch
ieses nördlichste Gebiet zu sichern, zumal die Franm
osen schon große Fortschritte gemacht hatten und vom
dongo aus in die Sudanlaͤnder eingedrungen waren.
die deutsche Kolonialleitung blieb untätig, und se
iußte wieder eine Privaigesellschaft sich der bedrohten
zuteressfen annehmen. Es war vdas vom Konful Voh—
n ins Leben gerufene Kamerun⸗Komitee, welches ein
Tpedition nach dem Norden ausrüstete. Man wählt
en Wasserweg, die englische Nigerkompanie stellte ein
ahrzeug zur Verfügung, wodurch es der deutschen sSx⸗
edition unter Leitung des Freiherrn von Uechtritz um
es Dr. Passarge moͤglich wurde, eine im Anmarsch
efindliche franzoͤsische Erpedition um mehrere Monat
u überholen. Auf dem Benueflusse ging es bis Ga—
uag, von dort wurden auf drei Vorstößen nach Bu—
andiidda, Marrua und Naaumdere die einlius eid fie,
auptlinge gewonnen. Tas Geviet ist ziemlich dich
»evöllert, und es stellt eine Verbindung mit dem IAschad
ee het, so daß Teutschlaud wohl kanm darauf einge
sen wird, es an Frankreich abzutreten
— — —
Der Kaiser in Hamburg.
Sonntag Vormittag 114 Uhr fand Feldgot
es dijenst auf dem Heiligen Geistfeld statt, an den
»as Kaiserpaar, der Kroͤn rinz und sämtliche anwesen
en Fürstlichteiien, die drei Bürgermeister der Freien
Städte und die Damen und Herren der Umgebungen
eilnahmen. Der Kaiser nahm dann den Vorbeimarsch
der beteiligien Truppenteilen in Zügen ab und kehrte
nit der Kaiserin an Bord der „Hohenzollern“ zurück.
Das Festmahl.
Abends begaben sich der Kaiser und die Kaiserin
m Automobil von der „Hohenzollern“ nach Hamburg,
im einer Einladung des Hamburger Senats zu einem
Fesimahl im Rathaus zu fsolgen. An dem Festmahl
iahmen ferner die sämtlichen anwesenden Fürstlichkeiten,
ie Bürgermeister von Bremen und Lübeck, die Gene—
talfeldmarschälle und die Spitzen der Behörden beil.
Zei dem Fesimahl brachte der Präsident des Senats,
Bürgermeister Dr. Predöhl, einen Trinkspruch auf das
daiserpaar aus, auf den der Kaisser mit einem Toast
iuf Hamburg erwiderte. Nach der Tafel trug der Ham⸗
urger Lehrergesangverein einige Lieder vor“ und das
daiserpaar hielt Cercle abe In seinem Trinc.
pruch dankte der Präsident des Senats, Bürgermeister
dr. Predöhl, dem gKaiserpaar für den Besuch und
ab seiner Freude darüber Ausdrück, das Kaiserpaar
ait Söhnen und Tochter im Kranze reichen Familien⸗
lücks in Haniburg vereint zu seben. Anknüpfend an
ie Heerschau, an der auch Haniburgs Söhne teilnah—
nen, führte der Bürgermeister weiter aus, der Kaiser
Jabe in 25jähriger gesegneter Regierung die Armee
die Pflicht erfüllen lassen, durch die Höhe ihrer Aus—
oildung den Frieden zu sichern, und er möge sich mit
der Gewißheit, daß die Armee ihrer Aufgabe wie im—
ner gewachsen sei, davon überzeugen, daß Hamburgs
Bürgertum bereit und imstande sei, in sorgsaͤmer iaut—
räftiger Arbeit zum Wohle des gesamten Valeriandes
ie Güter des Handels und der Schiffahrt zu pflegen.
sedner erinnerte dann an die wiederholien Besuche
es Kaiserpaares im Hamburger Rachaus, namentlid
in den Besuch im Jahre 1994, wo der Kaiser den ham
eatischen Regimentern die Namen der Hansastädte ver—
iehen habe, und bezeichnete es als besondere Freude
es Senats, dem Negiment Hamburg bei diesem fest⸗
ichen Anlaß Fahnenbänder zuͤ verleihen. Der Büͤrger⸗
neister begrüßte schließlich die ührigen anwesenden
eutschen Fürsten und schloß mit einem Hoch auf den
daiser und die GKaiserin
Das Kaiserpaar in Stetlin.
Die Fürstlichkeiten, welche an den Festlichkeiten in
Utona und Hamburg teilgenommen haben, trasfen Mon—
ag früh um s8 Uhr in Siettin ein, darunter der Kron—
rinz, das Prinzenpaar Eitel Fricdrich, die Prinzen
Iskar und August Wilhelm, Friedrich Leopoid von
breußen und der Großherzog von Mecklenburg⸗-Strelitz.
das Kaiserpaar und die Prinzessin Vitioria Luise
rafen mit Gefolge im Sonderzuge um 10 Uhr 30 Min.
in. Auf dem Bahnsteig waren der Kronprinz, die an⸗
— Spitzen
er Behörden erschienen. Der Kaiser hielt großen mi—
itärischen Enpfang ab. Geleitet von einer Eskadron
basewalker Kürassiere ritt der Kaiser dann in die Siadi
ein, gefolgt von den Prinzen, die ebenfalls zu Pferde
waren. Die Kaiserin und die Vrinzessin Viktorio
— I
dewunderung und wereyrung auf Jeneit, ver mit etnem
minenten Geist auch eine seltene Herzens und Gemüls—
iefe verband.
EEs fallt mir nicht ein, Ihnen einen Vortrag über
die Dauer der Liebe zu halten, und was ihr alles nötig
st, um lebensfähig zu bleiben — aber das glauben Sie
nir, junger Freund, glauben Sie's mir zu Ihrem Trost
— 10, ja, wenn Sie den jetzt auch eipört von sich weisen
— Sie werden überwinden, denn Sie sind jung. Herz
ind Sinne werden sich mit der Zeit gegen das beständige
Trauern und Entsagen naturgemaͤß auflehnen die Sehu—
ucht wird einschlafen, die Liebe müde werden. Dann
leibt Ihnen als eigenstes, edesstes Gut der Schmerz, bis
zie sich eines Tages gestehen können, daß Sie auch den
uu besiegen vermochten. Keiner, der noch darin siecktt im
dampf, will das glauben. Fanatisch hegt und pflegt man
Is heiligsten Besit alle Oualen und hält sie wach — aber
8 kommt doch so, lieber Lothar, und das ist ein Glück.
Was sollte wohl aus der Welt werden, wenn jeder, der
eine unausbleibliche Enttäuschung erlebt hat, als Toggen—
purger herumschmachtete. Nein, die Natur fordert ihr Recht,
auch der Treueste vergißt, und keiner braucht sich deffen zu
schämen.“
Das leise Geräusch einer sich öffnenden Tür ließ beide
Männer sich umwenden.
Da stand Leonore leichenblaß, in der bebenden Sand
in Zeitungsblatt.
Frau von Torben hatte, die Treppe herunterkommend,
serade vor der inneren Glastür die Austrägerin des
Tageblattes bemerkt. Rein mechanisch sifnete fie und nahm
m Vorübergehen die Zeitung in Empfang. Zerstreut
lickte sie zu den Worten der Fran: „ESchon wieder ein
kisenbahnunglück! Da in der Extradepe che steht's. Ach
u lieber Gott, und so 'ne Menge Tote.“
Leonore war der Kopf voll von anderen Dingen,
her wie man im wichtigsten Nachdenken oft etwos ganß
ebensächliches tun kann, senkte sie weitergesend den Blid
uf die in Fettdruck sofnrt in die Augen fallende Deyesche.
Zie las.
„Der gestrige Abenderpretzzug Wien —Budapest ent—⸗
leiste beim Uberfahren einer Hrücke.“ — Nun kamen die
Namen der Verwundeten — eine erschreklich große Zahl
- dann die der Toten, und zwischen diesen erblickte die
ntsetzte Frau einen Namen, der sie erbeben machte — Sie
zußte kaum, wie ihre bleischweren Füße den Weg zu
yres Vaters Zimmer fanden, sie stand plötzlich darin und
rekte wortlos die Hand mit dem verbhänanuisvollen
I
ruise fuhren vor dem Kaiser in einem a za Vauman
efahrenen offenen Vierspänner. Truppen, Vereine mit
'ahnen, Innungen mit Emblemen, Post- und Eisen⸗
ahnbeamte, Schulen usw. bildeten Spalier. Beim Emp⸗
inge des Kaiserpaares im Rathause begleitete Ober—
ürgermeister Dr. Acker mann die Darreichung des
ẽhrentrunkes mit einer Ansprache, auf die der Kai
er erwiderte.
Aus aller Welt.
Jagow gegen die Damenhüte. Polizeipräsident
»on Jagow wendet sich in einem neuen Polizeierlaß
egen das Tragen von Damenhüten in den Theater.
»gen. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung, das heiß
ir jeden Fall der Duldung des Aufhaltens vop
düten an gewissen Plätzen, setzt der Polizeipräsiden
ine Geldstrafe von 100 Mork gegen die Direklion an
Unvorstchtig. Nach Schluß der Radsahrer-Fern
sahrt rund um Berlin ereignete sich auf dem Bahnho
— — Aufregung verur—
achte. Ein Motorradfahrer, der die Eisenbahn zur
dückfahrt nach Berlin benutzen wollte, entleerte seiner
zenzinkasten an der Müllgrube des Bahnhofes. Ein
dadfahrer warf bald darauf an derselben Sltetlle eint
rennende Zigarette weg, wodurch das Benzin explo—
ierte. Zwei Personen wurden nicht unerheblich ver—
etzt
Zuge Zusammenstösse. Aus Lübeck wird berich—
et: Als der kaiserliche Hofzug die Lübecker Bahnhofs
zalle verließ, fuhr der faͤllige Eutiner Zug auf die letz—
en Waggons des Travemünder Zuges.Jer Hofzug
atte von 11.34 bis 12.07 Nachts Aufenthalt und siant
uf dem zweiten Bahnsteig. Auf dem vierten —A
dar der Travemünder Zug eingelaufen. Staut sämt
che Wagen dieses Zuges aus der Bahnhofshalle zru
ringen, ließ der Stationsbeamte drei Wagen auf dem
geleife stehen. Um 12 Uühr fand ein Wechsel der Assi—
tenten statt. Der den Dienst übernehmende Beamite
ragte den fortgehenden Assistenten, ob das Gleis für
en Eutiner Zug frei sei. Auf dessen beijahende Ant—
vort gab er das Einfahrtssignal. Der Euiner Zug
ief beim Einfahren auf diese drei Wagen auf und zer.
rümmerte sie teilweise. Der vorletzte Wagen des Eu—
iner Zuges sprang aus dem Gleise. 30 Personen find
eicht verletzt worden. — Unweit der Station Sosno—
pisce hat sich ein schwerer Eisenbahnzusammenstoß er—
ignet, dem mehrere Menschenleben zum Opfer gefallen
ind. Infolge falscher Weichenstellung fuhr ein Schnell—
ug gegen einen Personenzug. Der Zusammenstoß war
o schwer, daß die beiden Lokomotiven und drei Wa—
jen vollständig zertrümmert wurden. Mehrere Bahmn
seamte wurden getsötet.
Mord. Ein mysteriöses Verbrechen wurde in Span⸗
zau aufgedeckt. Zwei Berliner Radfahrer fanden an
der Chaussee nach Valkenhagen eine Frauenleiche mil
einer Schußwunde auf. Nach angestellter Untersuchung
durch die Polizei stellte es sich heraus, daß es sich
im eine geschiedene Ehefraun namens Winna Wolter han—⸗
83 Der Mörder konnte bis jebt noch nicht ermittell
verden.
Die Cholera. In einer Neupester Leimfabrik, die
aus Italien eingeführie Knochen verarbeitet, ift ein
Urbeiter unter choleraverdächtigen Erscheinungen ge—
torben, ein anderer schwer erkraͤnkt. Nach Ansicht der
ee handelt es sich in beiden Fällen um asiatische
cholera.
Maubmord. Der Inspektor der Aussig⸗Teplitzer Ei—
enbahn Karl Tucha, der zum Besuche fseiner in der
zommerfrische weilenden Gattin nach Reizenhain reisen
oollte, ist in der sogenannten Hölle bei Sebastiansberg
on unbekannten Tätern ermordet worden.
Auteunfall. Bei einer Automobilfahrt von St
gallen nach Bregenz ftürzte das Automobil eines St
vallers bei Staad uͤber den Straßenbord. Der Ange—
lellte Eberli und der Buchhalter Mafli, beide St. Gal
er, sind tot. Der Chauffeur ist verletzti.
Sabotage. Aus Paris wird gemeldet: In der
tzten Zeit sind abermals zahlreiche Sabotagefälle vor—
elommen. So wurden Nachts bei Wasquehal im Nord—
departement acht Drähte des Staatstelephons und die
ieisten Telegraphen- und Telephondrähte der Nordbahn
erschnitten. In der Nähe von Le Mane wurden 21
elegraphendraͤbte 2er—, ——
Bum Raub der „Mouag Lisa.“ Die Pariser Si
serheitsbehörde erhielt aus Cherbourg die Mitteilung.
aß sich am Mittwoch an Bord des Dampfers „Kaisei
zilhelm“ zwei Leute eingeschifft hätten, die zwei ein
erahmte Bilder trugen, zwischen denen sich eine Holz
latte in der Größe der geraubten „Gioconda“ befun
en habe. Die Polizei hat verfügt, daß die beider
ach ihrem Gintreifen in New-Nort angehalten werder
„llen.
Finanzieller Krach. Aus Roubair wird dbe
ichtet: Die Mühlenhesitzer und Rohlenhändler Gebrü—
er Jonville sind mit einer Schuldenlast von übrer 1
idillionen Franks slüchtig geworden. Die am 25. Au
ust fällig gewesenen Wechsel in Höhe von einer Mil
ion Franks sind zum Protest gegangen. Man vermute
n Roubairer Handelskreisen, daß die Gebrüder Jon
ülle durch falsche Syetnrinen rnern oren ä8
—— nahm es ihr bhestürzt ab. „Was ist? Wie siehst
du aus?“
„Da lies!“ stammelte sie nur halb verständlich.
Peternoff, Alexi Peternoff — Etelkas Rann —*
Auch der Justizrat hatte gelesen. Stumm gab er das
Zlatt an Lothar Hartmann. Das Kinn auf die Brust
‚edrückt, stand er in tiefen Gedanken. Wohl ohne es
u wissen, machte er mit der Rechten eine schlichtende
Bewegung, so, als ob er jemand oder eine Sache fort—
viese von sich aus Raum und Zeit — und Leben.
Als sich einige Zeit später die Tür hinter dem jungen
IAffizier geschlossen hatte, sprach der Justizrat laut
md entschlossen zu sich selbst: Nun muß er allses
vissen?“
Wochen waren vergangen. Auf dem Niederloher
hutshofe zog die Ruhe des Herbstes ein. Tagelang hatte
ie Dreschmaschine auf der Scheuer geklappert, lange
Reihen kornbeladener Wagen fuhren zur Bahn — die
Guts frau sah und hörte nichts davon. Das Vieh wurde
don den Weiden in die Ställe gebracht. Mamsell plagte
sich Tag für Tag bis in die Nacht haͤnein mit dem
Einbringen von Obst und Gemüse — doch die sonst
o unermüdlich tätige Gutsherrin iah nd hörto nichts
avon.
Kurz nach der Abreise des jungen Fn war eines
Morgens Georg in das Zimmer, er exrin gerufen
Pen. Mehrere Stunden lang hört? mian ihre ruhige
me erklärend und anordnend, deanmmkam Georg wieder
Fus, den Arm voller Bücher, dum'e m Gesicht, die
Augen glänzend vor Stolz — Charlat itte ihm für
inbestimmte Zeit die Verwaltung des 3übertragen,
zamit war die Begqufsichtigung der id die Buch⸗
uhrung verbunden. Ob das ein Mißgrif der sonst n
lugen Frau war, blieb vorläufig eine offene Frage.
Das gesamte Personal siand unter dem Bann einet
uingeheueren Erstaunens. Sie alle waren derartig an
die nie erlahmende Arbeitskraft ihrer Herrin gewöhnt,
aß ihnen in der Verwunderung über das vlötzliche Er
ahmen ihrer Kräfte Georgs Aufrücken in eine so
Wrorenete Vertrauensstelluna weniger zum Bewußt⸗
ein kam.
Und wie Charlotte ihrem Schützling die Leitung de
zutes übertrug so lag jetzt die Führung des großer
daushalts ausschließlich in den Händen der Maämsell.
zs mar, als oh die Gufsherrin, Soron Arheit nie eir
die Gerichtsbehörden haben unverzuglich bedeutende Wa
envorräte, welche für die Firma bestimmt waren, be
hlagnahmt, sowohl in den Waren⸗Depots in Roubai,
As auch an Bord verschiedener unterwegs befinvliche
dampfer.
Kleiukrieg. In Villeneuf-La⸗-Maquelonne Dep
derault;, brach zwischen spanischen und französische
zalzarbeitern eine arge Schlägerei aus. Die Spanier
ie in der überwiegenden Mehrheit waren, vertriebe
ie Franzosen und verwundeten einen von ihnen seh
Vwer. Ein Spanier wurde verhaftet.
Englische Kriegsschiffe, Am Samstag bei Son
ienuntergang erschienen vor Ostende acht englische Tor
edoboote und zwei Torpedobooitszerstörer. Sie tausch
en eine Reihe Salute aus mit einer Anzahl anderen
englischer Schiffe, die sich weiter nördlich befanden.
Zur Affäre Schultz. Am Montag begann ir
BPlymonth vor dem Gerichte das Einleitungsver
ahren gegen den angeblichen deutschen Spion Schul
ius Frankfurt a. M. Dem Angeklagten wird bekauns—
ich zur Last gelegt, an verschiedenen Tagen zwischer
em 1. Juni und 17. August mit einem gewisfen Sa
omon Schugh-Duff in Verbindung gestanden zu haber
und ihn zur Preisgabe verschiedener Landesgeheimniss
perleitet zu haben. Duff ist Anwalt.
Riesenfener. Nach einer Depesche des Walis vor
Zmyrmna sind bei dem furchtbaren Brande, der di
Ztadt Aidin verheert hat, 1500 Häuser, 250 Kanfläden
wei Moscheen, drei israelitische Tempel und zwei Schu
en ein Raub der Flammen geworden.
Bandenkämpfe. Bei Kolschana hat ein Kamp,
wischen türkischen Truppen und einer bulgarischen
zZande stattgefunden, der mit der Umzingelung und vollb
tändigen Aufreibuung der aus acht Maͤnn bestehender
bande endete. Ein Offizier und ein Soldat wurdes
erwundet.
Panik im Theater. Blinder Feuerlärm entstand
'n einem Wandelbildertheater in Canonsber g ir
bennsylvania. 800 Zuschauer flohen, von Panitk ergrif
en, über eine schmale Ausgangstreppe. Dabei wurder
Männer, Frouen und Kinder niedergetreten und er
drückt. 25 Personen sind tot, 60 verletzt.
Arbeiterbewegung. —
Zur Lage in der Metallindustrie.
Zn der Aussperrung der Metallarbeiter wird ge
neldet, daß die Verhandlemgen zwischen den Arbeitge
»ern und Arbeitnehmern in einigen Tagen wieder auf
genommen werden dürften, da der Arbeitgeberverband
den Forderungen der Arbeiter etwas aünstiger als zu
hyor gegenühbersteht
— — — —— —
Von der Luftschiffahrt.
*Flugzeugabwehrgeschütz. Aus Wa
hington wird berichtet: Eine Reihe von Versuchen, di—
»ei Indian Head mit einem einpfündigen, zur Zer
törung von Flugzengen bestimmien Geschütz gemaäch
wurden, führte zu befriedigenden Ergebnissen. Bei 50
Versuchen, die sich bis zu einer Höhe von 18 000 Fu
und einem Winkel von 85 Grad erstreckten, ergab sid
eine Zielsicherheit bis zu 10 000 Fuß Höhe. Das Ge
schützlager arbeitete gut, doch muß die Vorrichtung zur
Richtung des Zieles noch vervollkommnet werden
*Stundenflug. Aus Chalons-sfur Marne wird
gemeldet: Der Flieger Helles durchflog 1200 Kilo
meter in 15 Stunden und gewann damit den M isch e
lin⸗Vreis endgültia
Vermischtes.
Nene Hitze in Sicht. Die Wetterlage hat sid
vieder derart gestaltet, daß wiederum recht warme Tage
u erwarien sind. Von Südwesten her hat sich hohe
druck über das Festland ausgebreitet und hat warmes
Vetter im Gefolge. Der Hochdruck scheint von ziemli
her Stärke und Beharrlichkeit zu sein, da die im Nor
en vorbeiziehenden Depressionen keinen nennenswerier
Einfluß auf unsere Wiiterung erlangen. In Englant
ist bereits wieder Hitze eingetreten, die nach einer Mel
dung im ganzen Infelreich herrscht und in Südwales
die letzte Hitzeperiode noch um zwei Grad übertrifft.
Die Begehrten. Aus Schlesien wird der „Fr. 3.“
folgendes Geschichtchen erzählt Der Landrat Freiherrn
». R. besuchte kürzlich in aintlichen Angelegenheiten ein
vebirgsdorf. Unter den Ortsbeamten, welche sich zun
kmpfang des Landrats verfammelit hatten, befand sid
auch der Gemeindediener, der zugleich Totengraͤber ist
Auf diesen Mann machte der Ortsvorsteher den Land
rat aufmerksam mit dem Bemerken, daß dieser bereil
70 Jahre alt und zum dritten Male Witwer sei, daf
x aber in kurzem zum vierten Male heiraten werde
der Landrat gratulierte dem mutigen Alten. Als der
eglückte Bräutigam für die schmeichelhafte Auszeichnuncç
danken wollte. fiel ihm ein, daß der Landrat selbf
eit ein paar Wochen verlobt sei. Da klopfte er ihm
utraulich auf die Schulter und sagte in kordialem Ton;
Na gellock, Herr Landrat, wir Be am te giehn weg
ie Zucker!“ S Whe ee —.· — —
Suve gesunden, wie im Fiever alle Pflichien von sich
schüttle. Fast die ganzen Tage verbrachte sie in ihren
aeren Die Tür ihres Zimmers verschloß sie bis zum
ittag.
In diesem späten Herbst dämmerte es schon stark. Der
Himmel war von Wolken bedeckt, in großen, dunklen Fetzen
jagten sie vor dem Winde dahin.—
Charlotte durchschritt den Vorgarten. Modergeruch
stieg pon den regennassen, sturmgeknickten Georginen
auf. Hier und da mühte sich noch eine Reseda, die der
letzte Nachtfrost verschont hatte, an süßem Duft zu geben,
was ssie besaß, aber der zarte Hauch war schnell verweht.
Seitwärts des langgestreckten Gartens führte die
dandstraße dahin, schmutzig vom vielen Regen, die Wagen⸗
puren glänzend wie lange Wasserrinnen; dahinter debnten
ich graugelblich die Stoppelfelder.
Charlotte blieb unter einer Gruppe hoher Tannen am
Ende des Gartens stehen. Müde ließ sie den Kopf gegen
den regennassen Stamm sinken. Mit leeren Augen starrte
ie ins Weite. Uber ihr durch die Wipfel rauschte der
Bind, wie er nur durch Tannen rauscht, bald langgezogen
oll klagender Melodie, bald pfeifend, kurz und spoͤttisch
vie peitschende Schläge — immer aber ein Lied für einsam
Weinende.
Ob die regungslose Frau etwas von diesen Tönen
ernahm?
Ihre Stirn glühte. Es klopfte und brannte in ihrer
Adern, und die Gedanken gingen beständia denselben ent
etzlichen Kreislauf.
Gab es deunn nichts, keinen Wall, keine Mauer, die
diesen Gedanken das Eindringen verwehrte? War kein
Bille stark genug, Gespenster zu verscheuchen? War alle
ZSicherheit, in der man am Morgen sestzustehen geglaubt
ihends Täuschung? Gab es denn nichts, was das Leber
emporwachsen ließ über alte Schuld, nichts, was das Ge—
vissen freisprechen konnte vor sich selbers Darauf kam
s an, denn wer sich, nicht selbst die Läuterung bezeugen
lann, soll micht auf den Freispruch auderer warten. Innere
Ruhe, den Frieden der Seele, findet er nicht.
Charlotte empfand es zum hundertsten Male: allein
inußle man kämpfen, allein sühnen! Nur keinem anderen
Menschen die Last mitaufhürden, wenn wir nach der
Wobltat lechzen. die persiegelten Lippen hünen zu duürfen
Tdartseheunds folet
Lokales und Vermischtes.
Der nationalliberale Jugendverein Dudweile
im vergangenen Sonntag im Kuhn'schen Garten
Fischbachstraße sein Sommerfest, das der Erinnerung
Schlachten bei Spichern und Sedan gewidmet war,
Fest kann in allen seinen Teilen als äußerst gelung
zeichnet werden; war es doch von echt patriotischem
durchweht und bot des Unterhaltenden und Erhebend
große Menge. Als Gäste waren zu dem Feste eine
barteifreunde aus Saarbrücken und der vaterlä
Jugendverein Völklingen mit seiner Fahne erschiene,
zeleitet wurde das Fest durch Konzertstücke und ein
Fräulein Bößmann vorgetragenen Prolog. „Mit 6
daiser und Reich!“ unter dieser Devise begrüßte de
ihzende des nationalliberalen Jugendvereins Dud
derr Schlafhausmeister Bößmann, die Erschienene
gedachte dann der glorreichen Waffentaten der de
Armee in den Schlachten bei Spichern und Sedan, m
»ie Grundlage zum deutschen Kaisertum geschaffen
Diese Heldentaten empfehle er unferer jüngeren Gen
uur Nacheiferung. Er ließ seine Rede ausklingen i,
hoch auf den deutschen Kaiser, in das die Erschiene.
Begeisterung einstimmten und stehend die National'
sangen. .— Herr Parteisekretär Strack — Saarbrücker.
brachte dann die Grüße des nationalliberalen P.
vorstandes für den Wahlkreis Saarbrücken und gab
Freude darüber Ausdruck, daß sich die Varteifreun
zahlreich zu einer so erhebenden Feier hier eingefunden h⸗
Ferner erwähnte er, daß das Fest in eine schwere
falle, in den Niedergang der geschäftlichen Konjunktur
von auch der Berabau betroffen würde. Wenn unsere?
bergleute trotz dieser schweren Zeit, wo auch die Ueberso
des Bergbaues zurückgegangen seien, dennoch mit so
erfrischenden Dankbarkeit der Kämpfer von Spichern
Sedan gedächten, so sei das um so anerkennenswe
Unsere Saarbergleute seien eben so gute Patrioten, dafß
sich auch durch widrige Umstände nicht abhalten ließen,
derartigen vaterländischen Veranstaltungen teilzunehn
Auch auf dem Gebiet der auswärtigen Politik könne
auf ernste Dinge gefaßt sein. Die Marokkofrage habe
Aufmerksamkeit weiter Kreise in außerordentlichemn M.
in Anspruch genommen. Ueber die Maßnahmen der Re
rungen sei man noch unklar, infolgedessen sei man gezwung
eine abwortende Haltung einzunehmen. Auf unser deutse
Volk in Waffen könne man aber die Zuversicht setzen,
es im gegebenen Moment seinem Kaiser treu zur S
tehen werde. Dem deutschen Vaterlande galt sein He
— Herr Redakteur Schroeter Saarbrücken wies dann
beredten Worten auf die hohen und idealen Ziele hin,
sich der nationalliberale Jugendverein Dudweiler geste
habe und wie der Vorstand, an der Spitze Herr Bößman
an der Verwirklichung dieser Ziele arbeite. Sein He
galt dem Vorständen des Dudweiler Vereins. Im Nam
des vaterländischen Jugendvereins Völklingen sprach dess
Vorsitzender, Herr Funk, dem Verein Dudweiler seinen Da—
für die Einladung aus. Er hob die Bedeutung des Sedar
tages noch besonders hervor und betonte, daß sich se
VBerein in der Verehrung deuischer Helden und der Pflec
vaterländischer Gesinnung mit denm nationalliberalen Jugen
verein Dudweiler eins wisse. — Eine hochwillkommene un
angenehme Abwechselung war es, als der Männergesan«
verein Dudweiler auf den Plan trat und die Festteilnehm
mit mehreren exokt und sicher vorgetragenen Lieder erfrer
Der Sedantag wird auch in diesem Jahre in d—
Schulen gefeiert werden. Der Unterichtsminister
ämtliche Königlichen Provinzialschulkollegium und fämtli—
röniglichen Regierungen veranlaßt, dafür zu sorgen, d
in allen unterstellten Schulen der Brauch beibehalten wir
Er bezeichnet ihn als einen guten Vrauch. Ueberall se
zie Schule ausfallen und eine entsprechende Schulfei—
eranstaltet werden.
Saarbrücken, 28. Aug. In der verflofsenen Woc
tarb in St. Johann eine alleinstehende hochbetagte Ww
der Sohn der Toten, welcher der Mutter bei Lebzeite
eden Monat aus weiter Ferne eine Unterstützung sandt
chickte das nötige Geld zun Begräbnis an seine in S
Arnual wohnende Schwester. Toch diese setzte das(
schickte Geld in Alkohol um und kümmerte sich um d
Begräbnis nicht im geringsten. So kam es, daß niemo
fich der ioten Witwe aunahm. Inzwischen ging
Leiche in Verwesung über und erst auf die Beschwer⸗
einer unter dem Totenzimmer wohnenden Familie beine
Polizei veranlaßte die letztere das Begräbnis. — Ein 23
jähriges Dienstmädchen aus Gersweiler, das in Saarbrück⸗
in Diensten stand, wurde am Sonntag vormittag an d
Kaiser Wilhekm-Brücke als Leiche aus der Saor gezoge
Dasselbe hatte om Freitag früh seinen Dienst verlass⸗
und dem zweiten Mädchen bemerkt wenn ich bis 11 U—
nicht zurück bin, komme ich überhaupt nicht mehr. Ve—
mutlich ging das Mädchen infolge unalückliche Kiebe fre
will'g in den Tod
*
DV
2*
UVerglühen.
Ein Funle, sehnsuchtsvoll, voll Schmerz,
Süß und geheim mein Herz durchgküht,
Glüht sehnsuchtsvoll auch durch den Herz.
Sowie ein Schifflein wellenwarts F
Im sanften Hauch der ebe zieht, 0
Pocht ruͤhig, suill des Veenschen Ferz. W
Doch kommt für jegliches Gemut
Ein Augenblick, wo stumm vor Schmerz, *
Vor einem sel'gen, Leid das Her
Dem Weihrauchdufte gleich vergluͤht. —
— Fredri Mistral.
Wie, bleibtman jungk? Daruber platde die
herühmte Kůünstlerin Adelina Patti, die sich bis in ihr 64
Jahr eine körperliche und geistige Frische erhalten hat,
die geradezu staunenswert ist. eber ihre Lebensweise,
die infolge ihrer umfassenden Weltreisen vielfach eine
sehr strapaziöse war, schreibt die Diva in ihren Gedenk—
blättern: „Man hat mich oft gefragt, wie ich mich se
gut konservierte. Eigentlich tat ich dazu nichts beson
deres. Ich lebe wie alle anderen auch; bis zu meinem
40. Lebensjahre versagte ich mir absolut nichts, sondern
aß und trank, was und soviel mir schmedte. Von die⸗
ser Zeit aber machte ich mir eine streng hygienische
Lebensweise zum Prinzip. Ich esse keine blutigen Beef
steals mehr und trinke für gewoöhnlich nur Weißwen
mit Sodawasser gemischt. Nur wenn ich mich schwach
fühle, greife ich zu einem Glas Champagner, der mich
erftischt und meine Lebensgeister hebt. Liköre und son—
stige Alkohole berühre ich“ nicht. Mit Vortiebe genieße
ich Kalbfleisch, Hühner, überhaupi jede Art weißes Fleisch
und Gemüse. In meiner Jugend schlief ich im Sommei
tets bei ganz, im Winter dei halb geöffneten Fen—
stern, wobet ich allerdings dafür Sorge trage, daß keir
Zug entsteht. Ich gehe ziemlich spät schlafen, felten vor
Meitternach oder 1 Uhr. Eine strenge Nahrungshygiene
ine bequeme Kleiduͤng, das sind die notwendigsten Le
bensbedingungen für Jede Frau, besonders aber un
eine Sängerin, die nicht start werden will. Eine ein⸗
ache Speise, eine einfache, der Körperentwickelung kei—
rzen Zwang antuende Tollette das ist das ganze Ge—
eimnis metnes „Wohlerhaltens“, das ich gernmo⸗
naon DODalseninnoen G—ene —
3æ3