Full text : Dudweiler Zeitung

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Amtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beil agen:
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Bürgermeisterei-Bezirk Dudweile SsSonntagsblatt und Heitere Blätter.
3 2 — * 3545. 2 —— — 11
Fernspr.⸗Arschhes Saarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Drucku. Verlag: J. Unterkeller, Dudweiler Verantwortlich für die Schriftleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenieil Kars Unterkeller
— 7 75 “ü ũ i i ich der Verletzte innerhalb 24 Stunde n nach dem Unfall in ärztliche
ift m soo V. Jod durch Unfall bei der Nurnberger Oebensversicherungsbant in Nurnberg versichern Ioder ũunfen in binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversicherungsbank anzugeigen, auch muß sich t J rꝑ
— n i e ende aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebrach twerden. Über die Voraussetzung der Versicherung geben die Verfiherungsbedingungen Aufschluß die vom Lerlageod pon der Nũrnberger Lebenspeniche icherungsbant zu beneh ubegeh⸗ lind.
IIxr. 204 Montaq. den 28. August 1917. 4. Jhrgang
— —en Biure, ofe werden ansung
ODttober in Freising zu einer Konferen z zusammen
reten, um über die Aufhebung der Wochen
eiertage und den hierzu ergangenen Erlaß de—
bapstes zu sprechen. Unter den bayerischen Bischöfen
estehen in bezug auf Aufhebung der Wochenfeiertag⸗
Neinungsverschiedenheiten. Nach der Konferenz wirr
ine Eingabe an den Papst gerichtet werden, welch
ich wahrscheinlich den Beschlüssen der Bischofskonferen
Fulda anypassen.
Fraukreich.
* Der letzte abgehaltene Mini sterrat beschloß,
ber die Marineforderung Delcassees hinausgehend der
ßau von 1ß neuen Dreadnoughts, 76 Um
berssees und Torpedobooten uuüdes Kreu
ern.
Poriugal.
* Der portugiesische Geschäftsträger in Berlin erhtel!
»om Ministerium des Auswärtigen Amtes in Lissabon
zie offizielle Mitteilung, daß Frantrei ch die por⸗
ugiesische Republikt anerkannt hat. Da die Ver—
inigten Staaten. die Schweir und die südamerikanischen

Wochenrundschau.
Die Lösung der Marokkofrage scheint noch imme.
in Preisrätsel zu sein, an dessen Lösung die beider
Unterhändler, von Kiderlen und Cambon, eifrig gear
zeitet haben. Wenn sie ihnen noch nicht gelungen ist,
o muß man ihnen allerdings die schwierige Maieri
u gute halten. Es handelt sich hier nicht um ciner
spfel und ein Ei, sondern um große Länderstriche, de—
en Voden unschätzbare Reichtümer bergen sollen. Und
o braucht es absolut keinen ungünstigen Cindruck zu
nachen, daß die Verhandlungen auf kurze Zeit vertagt
vurden, um den Unterhändlern Gelegenheit zu geben
nit ihren Regierungen die Gesamtlage noch einmal
eingehend zu besprechen. Das ist ein ganz natürlicher
Vorgang und wir verstehen nicht, wie ein Teil der
französischet und englischen Presse deshalb von einem
Scheitern der Verhandlungen sprechen konnte. Dadurch
vurde Europa natürlich wieder unnötigerweise beun—
uhigt. Erfrculicherweise können wir aber demgegen—
zer konstatieren, daß die Aussichten für eine baldige
oͤsung der breazligen Situation bessere denn je sind.
Nan beginnt an der Seine endlich einzusehen, daß ein
ängeres Spielen mit der Kriegsfackel auch einmal zün—
—* könnte und bequemt sich, den berechtigten deutschen
nsprüchen näher zu kommen. Wenn die englische Re—
zierung durch die ministerielle Presse neuerdings an
zrankreichs Adresse Mahnungen richtet, nicht zu sehr zu
mickern“, so sühnt sie damit lediglich ihre Schuld. Denu
ir durch die drohende Sprache der englischen Minister
nunte dem gallischen Hahn der Kamm so steigen. Hütte
gland die Rolle des unbeteiligten Zuschauers nicht
fgegeben, dann waren wir heute weiler. Deshalb ifi
nicht mehr als billig, wenn es heute für eine ge—
hte Erledigung des Geschäftes eintritt. In Paris
vwird der Wink hoffentlich verstanden werden. Daß er
jerade jetzt kam, wo Herr Cambon noch in Pariés
veilt, paßt ganz gut. Die französischen Verantwortli—
hen können danach gleich ihre Vollmachten für Cambon
urichten, damit nicht noch eine Unterbrechung zur In—
cmierung notwendig wird.
Nach langer Zeit ist es endlich gelungen, den im
lymp von Räubern gefangen gehaältenen Ingenieur
hier aus Jena aus seiner wenig beneidenswerten
ge zu befreien. nachdem man sich nachgerade mit dem
»edanken vertraut gemacht hatte, daß er nicht mehr am
reben sei. Die günstige Wendung seines Schicksals
vird wohl überall, auch im Interesse der Türkei, be—
üßt werden. Herr Richter, der nun schnellstens zu
nen Lieben zurückkehrt, wird wohl manche interessante
gebenheit über seine Gefangenschaft und das Wesen
türkischen Räuber, die es so meisterhaft verstehen,
»türkische Reaierung 2um Narren au halten. erzählen
—
England hat eine schwere innere Krise überstan—
die in ihren Folgen für das Inselreich verhäng—
voll werden konnte. Die Eisenbahner und viele Ar
ter anderer Berufe haben ihren erstaunten Lands—
sen einmal regelrecht gezeigt, daß es mit dem Satz:
2 Räder stehen still, wenn mein starker Arm es
i!“ doch noch etwas auf sich hat. Zwar haben nicht
Räder stillgestanden, aber die Lage war so ge—
rlich, daß es nicht langer Zeit bedurft hätte und die
bner Albions wären Hungers gestorben. Das halt
e Regierung eingesehen. Ihrem geschickten Ein—
ist es denn auch allein zu verdanken, daß nach
—i.Uen Tagen der Friede wieder hergestellt wurde.
»enn auch noch keine Garantie dafür vorhanden ist.
ß er lange dauern wird, so herrscht doch wenigstens
tläufig Ruhe. Der Streik war insofern nicht ubel.
Rer den englischen Regierungsmännern deutlich voi
igen geführt hat, daß es im eigenen Hause noch recht
l, Arbeit gibt. Wenn sie daraus lernen, für die Fol—
lediglich vor der eigenen Tuͤr zu kehren, so hätte
Katastrophe auch wieder ihr Gutes.
In Persien ist eine Wendung eingetreten. Die an—
zs so guten Aussichten des Erschahs haben fich über
ht erheblich verschlechtert. Die Regierungstruppen
nen in der letzten Woche manchen Steg uͤ vei ñn

—A ETĩC —
nen, und wenn teine Zwischenjalute eintreten, so ist es
vahrscheinlich, daß die „Jungperser“ ihren Platz be—
zaupten werden, Ist dem so dann steht zu erwarten,
»aß man nach orientalischer Sitte Mohammed Ali einen
dopf kürzer machen wird Um diesen grausamen De—
voten würden wahrscheinlich wenig Traͤnen vergossen
verden.
Der „Friedensgedanke“ hat Unglück. Endlich hatten
ich die Vereinigten Staaten und zwei europäische
Hächte zu dem Entschlusse durchgerungen, allgemeine,
venn auch nicht unbedingte Schiedsverträge abzuschlie—
zen, die Fragen nationgler Ehre und Lebensinteressen
n den Kreis der schiedsfähigen Gegenftände einzube.
iehen, und nun wird durch die Vertragsformulare e
icker Strich gemacht! Die Kommission des amerikani
chen Senates hat am 22. August die Ablehnung de
europäischen Verträge in der vorliegenden Fassung be
chlossen und die Einführung einer Anerkennun —
per WonroeDoktrin durch die Vertragsmächte
gefordert. Diese Doktrin ist nichts anderes als die be
tühmte Botschaft des Präsidenten Monroe vom 2. De—
zember 1823: „daß die Vereinigten Staalen neue Fest—
etzungen europäischer Staaten auf dem amerikanischen
Festlande nicht dulden dürften.“ England wird durck
‚iese Forderung am schwersten getroffen, denn wenn es
ich, wie früher den Wünschen der Yankees fügen woll—
e. müßte es Kanada aufgeben. Dieses Stuͤck Erd⸗
ann aber ohne die schwersie Erschütterung des groß
ritannischen Weltreiches nicht aus dem Gefüge des
Jünf⸗Erdteile-Imperiums herausgebrochen werden. An
ererseits kann man in England vohne die amerikanische
Liebe nicht gut leben, hat man doch selbst dem alten
zerbündeten Japan um der Amerikaner willen den
Ip wenn auch nicht vor die Tür, so doch in die
scheubrödelecke gestelli. Wir Deutschen aber, die wir
iber einen Vertrag ähnlichen Inhaltes bereits mit den
lmerikanern unterhandelten, befinden uns jebt in der
iicht ganz unangenehmen Lage eines verspätelen
Schisispessagiers. der vom sicheren Ufer das verpaßt
Zchiff an der Hafenausfahrt stranden sieht. Wir haber
Zeit gewonnen. uns die Notwendigkeit der geplanter
Reise doppelt und dreifach zu überlegen. Daß unser
etwaiger Rücktritt die üblichen Verdächtigungen verstär—
ken würde müßten wir freilich in den Kauf nehmen

m — ——
olie. wn zu enge Srenzen gezogen nind. Wie e—
WVanderlehrer der landwirtschaftlichen Schulen gibt, siu
ind auch Wanderlehrer der menichlichen Ernaͤhrungs
vissenschaft notwendig. Hier ist der Nahrun a s
iüttelChemiker der Berufene. Man darf nich
die Hersteller und Verkäuser von Lebensmitteln erj
chuldig werden lassen und sie dann der Pein über
iefern“. Es muß vorbeu gend dafür gesorgt wer
en, daß nicht verfälschte, nachgemachte und verdor
ene Lebensmittel in den Verkehr kommen. Dazu dien
ie Belehrung. nicht die Strafe. Es gibt zwei Weg
ur Erreichung dieses Zieles: „die Schaffung von be
onderen Piereblättern für jedes Nahrungsmittelgewerb—
nd das Abhalten von gemeinverständlichen Vorträgen
ber die Technologie der Nahrungsmittel, über del
oltswirtschafilichen und physiologischen Wert derselb
nd die Gesetzesbestimmungen.
Zum Schlusse berührt der Verfasser noch die Aus
nd Fortbildung der Nahrungsmittel-Chemiker
die Notwendigkeit von Fortbildungskursen sei bereit
ielfach auerkanut. Wünschenswert ist eine praktisch
ätigkeit oder zeitweise Verwendung des Nahrungs
rittel⸗Chemikers in Nahrungsmittelbetrieben, beispiels
veise in den staatlichen oder städtischen, ferner sei sein
zerwendung im Bereiche der Fabrik⸗ und Gewerbein
pektion, soweit es sich um Nabrunagasmittelfahriken han
elt, zu erwägen.
Ueber den jungen Nahrungsmittel-Chemiker wir
esagt: „Ebenso wie der junge Rechtspraktikant im Be
atungszimmer des Richters Ürteile fällen und begrün
en lernt, ebenso muß der Nahrungsmittel-Chemiker in
zeratungszimmer der Anfstaltsdirekton Gutachten anfj
sauen und abfassen lernen und bei jeder sich bietende
sgelegenheit aus dem verengenden Kreise bloßer Ana
vsenarbeit tunlichst gehoben werden. Ein in seiner Wir
uing so verantwortungsvoller Organismus, wie ein
Antersuchungsamt es ist, muß dem Werke einer Präzi
sonsuhr gleichen, deren Räder trotz verschiedener Zäh
ung ineinander laufen und nicht durcheinander vde
ebeneinander surren. Es ist eine den Tatsachen wider
prechende Anschauung, zu glauben, daß im alleinigen
Wissen des Anstaltsleiters das Fundament und der er
chütterunassichere Bau der Autoritäl des Amtes liegt.
Es wird also hier, wie dies bereits von anderé
Zeite verlangt wurde, die möglichste selbständige Tätig
eit der nicht leitenden Vahrungsmittel⸗Chemiter, die
olle Ausnützung ihrer Fähigkeiten und ihres Wissen
efordert. Eine Forderung, deren Verwirklichung ge
ade heute, sehr zum Nachteil einer ersprießlichen Nah
ungsmittelkontrolle, vielfach Hinderniffe in den We.
elegt werden 9
T —— — — ——
Volitische Nundschau.
Deutsches Reich. J
*Die „Nordd. Allg. Ztg.“ spricht sich zu der in dei
zresse aufgeworfenen Frage, ob im Hinblick auf der
evorstehenden Ablauf der Legislaturperiode des jetzi
zeu Reichstages nicht zweckmäßig sei, von Ersatz
vahlen abzufehen, dahin aus, daß die Reichs
»erwaltung diese Frage nicht unter dem Gesichtspunk
er Zweckmäßigkeit, sondern lediglich nach den reichs
esetzlichen Vorschriften zu prüsen habe. Danach be
chränke sich die Mitwirkung des Reichskanzlers darauf
aß er die Anzeige des Reichstagspräsidenten über di
Srledigung eines Mandatis der Landesregierung mit
eile, deren Behörden dann ihrerfeils eine neue Wahl—
ind zwar nach den gesetzlichen Vorschritsen sofort ⁊
veranlassen häiten.
* Zu dem deutschrussischen Geheimab—
ommen verlautet, daß das Geheimabkommen zwi⸗
schen beiden Mächten viel weitgehender sei, als bishe
ingenommen wurde. Es betrifft die diplomatische Hal
ung der deutschen bezw. russischen Regierung im Falle
aß eine von beiden Mächten von einer dritten Mach
gegriffen werde. Es bestätigt sich, daß das Geheim
bkommen nicht schriftlich, sondern nur münd lisch ge
eben wurde. In Wirklichkeit ist mit dem deutsch⸗ruß
ischen Geheimabkommen der Anfang zu einer neueil
Nächtegruppierung gemacht. Wie verlautet, wird aus
on Berlin und Peiersburg aus eine Verständiaung mi
—— 4

Manuel asrr iaqa.
flaàsidem wun fortugee
stepubliken den gleichen Schritt schon früher getan ha—
en, ist das neue Regime in Portugal nunmehr durch
Ale Republiken anerkannt. Die monarchischen Staaten
erden in einer gemeinsamen Erklärung den gleicher
ichritt in nicht allzuferner Zeit tun—
Türkei.
*Der türkische Thronfolger wird heun
n Bord des Kreuzers „Medschidie“ über Konstanza ab
eisen und sich zunächst nach Sinaja begeben, wo en
empfang durch den König von Ruͤmaͤnten und ein Ga
adiner stattfinden mird Ne orntntte in Berlin wirt

Zur Rahreugsmittelkontrolle.
In dein letzten Heft der Zeitschrift für die Unter
uchung von Nahrungs⸗ und Genußmitteln ist ein ba
ierkenswerter Vortrag, den der Oberinspektor der Nah
ungsmitteluntersuchungs-Anstalt in München, Dr. Ha
er Lik, auf der Hauptversammlung der Freien Ver
inigung deutscher Nahrungsmittel⸗Ghemüuern Drosde
ielt, veröffentlicht.
Hasterlik bespricht die Hindernisse, die einer erfolg
eichen Lebensmittetüberwachung entge
enstehen, und das Mittel zur Abstellung dieser: di
uftlärungsarbeif. Heute fehlt noch: „di
desnnanz in jenen Kreisen, für die er (der Nahrungs
nittel⸗-Chemiker), die Arbeit ausführt.“ Diese Resonan
ver ist die Grundbedingung der erfolgreichen Arbeil
In weiten Kreisen ist die Kontrolle eine unbekannte In
titution. In vielen wird sie mißverstanden. Um die
em Uebel abzuhelfen, muß die Aufklärung, die bishe
tur in unzulänglicher Weise ausgeübt wurde, einsetzen
Ihre Mittel sind: belehrende Aufsätze in der Presse
Korträge in wissenschaftlichen Vereinen und in Volks
ereinen. Von größter Bedeutung ist die Aufklaͤrun
auf dem Gebiete der rationellen Ernährung. Die nen
Arbeit hat sich in drei Richtungen zu bewegen: „di
dehung des Reinlichkeitssinnes“ „die Belehrung de
broduzenten. die gemeinverständliche Wiedergabe desfen
vas die Nahrungsmittelhygiene will, fordert und lei
tet“; und „die Aufklärung des Konsumenten;.
Ein Teil der Aufklärungsarbeit wäre in die Hand
es Volksschul⸗ und Gewerbefachlehrers, der Wander
ochlehrerin, der Haushaltungsschule, des Elternbaufes
u legen. Dem Nahrungsmittel Chemiter bleibt vo
illem die Aufgabe, den Produzenten aufzuklären, um
mar nicht nur bei Gelegenbeit e 88

prinz Zia eddin-fllendi
im 31. August erfolgen. Von hier aus erfolgt die Wei⸗
erfahrt nach Wien und Berlin, wo der Prinz von be
en NMaönarchen empfangen werden wird. Der Thror.
olger wird u. a. auch der Herbstparade der Garde bei
— — F — α]
muob rever Jagie, er, indem er auf die Klingel
rückte: „Armes Weib!“ Nur, daß es diesmal Charlotte
zartmann galt.
„Ich lasse Frau Peternoff bitten, in mein Zimmer zu
ommen“, befahl er dem eintretenden Diener.
Nach kurzer Zeit saß Etelka ihm gegenüber, und ihre
3 Augen lasen, was ihres Gatten Anwalt
rieb.
„Ja, Kind, so steht die Sache. Nun heißt es ver⸗
unftig überlegen.“
Bentin legte leicht den Arm um ihre Schulter. Voll
eilnahme sah er auf das gefenkte Haupt, auf die blaffen,
u Schoße gefalteten Hände nieder.
„Hast du alles richtig verftanden, Etelka?“ fragte er
eich. — Sie nickte.
⸗Foll ich's dir noch einmal deutlich auseinander⸗
⸗n?“
Wieder das Nicken, abwesend, zerbrochen.
Bentin räusperte sich. Wunderlich beklommen war
in sumute. Er, der abgehärlete Anwalt, der ungezählte
licke in menschliches Elend getan, der so manches leid
füllte Auge in wortlosein Flehen auf sich gerichtet ge⸗
hen, vor dem nichts an stummen Kämpfen, an ver⸗
wiegener Nnast verhborgen aehliohen. ⸗r añgerte hier

Ihre letzte Sühne
Roman aus dem Leben von Erika Riedberg.
Nachdruck verboten.
Vie Sonne war langn unrergegaugen. Lang)am ver⸗
send stand noch ein roͤsiges Volet uber dem Tannen⸗
ald, der wie eine duntle Mauer jenseits der hinter dem
arten sich erstredenden Wiese aufraule.
Vom Dorf herauf tonte feserlich Abendläuten. Auß
Chaussee rasselte der Postwagen vorüber — ein Echo
we Klanage des Vosthorns Ton im Fon träumerisch
ick.
Die Lust wahr kühl, aber völlis windstill.
Lothar und Eielta standen vor der Umfriedigung, die
Vark gegen die Wiese udichiuz —
Ein Pfoͤrichen führte ius Freie, und unwillkürlich
te Eteltas Hand die Klinte niedegedruüctt, um hinaus⸗
reten, bis sie exrrötend, ihres Beginnens sich bewußt
vorden. Haflig trat fie auf den d8eg zurück.
Lothar sah wie sie in der leichten Gejsellschaftstoilette
mmenschauerte. Über, seinem Urm hing ihr Schal
Jutsam legteer das leichte Genebe aus japamscher
de ihr um Haupt und Schutecn
Und wie mun das deneble Autlitz in seiner ganzen
dseligreit ihm aug der facbeeabigen uhine
egensieht, packt ihn unbewegliche Sehnsucht, jest. fed
rme um das sühe Weid zu nden
Vergessen ist, was sie trennt — über alles hinflutet,
»Wellen eines freigemordenen Strores. arenzenlose,
iennbare Liebe. —
Reben aller Glut hatten Lothars Gefühle für Etelka
8 o diel. Schonendes, Zartes Der peinigende
weifel, ob sie je frei werde, machte sie ihm selbst in Ge⸗
nuten so heilig, wie das Ung!lück macht. Sie war ihm
sein Wunschen noch sonncrecheaenie ürdebr ge⸗
t haben ihr durch Worte der Gebärde seine Empfin
— ——
Ehren sich gehören konnten.
Heute aber in der traumhaften Stille des Abends, auf
em Grund und Boden, dieser Stätte, dessen Herrin die
icte Frau werden sollte. ühermannte ihn Schmerz und
omn.
»a schoß alles Blut zum Herzen, eiskalt um—
en ihre zinger die Holzftaͤbe des Gitters.
dar es, das Glück! Ein Himmen éenk, süf
— und heilig wie ein sosches. . rch dat
vnfan res Gerreus 8541 312

se von betörenden Wünschen, von beseligendem Geben
nd Nehmen sprachen, hörte sie es warnend, mabnend:
intweihe es nicht!
Sie hoh die Augen zu ihm empor — er verstand sie.
tumm trat er von ihr zurück. Nur aganzs leise küßte er
re Hand. 9ðV
Gerade diese Zartheit war es, die sie mit ganzer
zeele, mit allen Sinnen, zu ihm hinzog. s
Sie hatte in ihrer siebeniährigen Ehe nichts kennen
elernt, als die Schroffheit und Brutalität einer unedlen
atur. Nun empfand sie schon in der Vorahnung als ein
lück ohnegleichen, wie hoch eine Liebe wie die Lothars
ann und Weib über sich selbst hinauszuheben vermag.
Schweigend gingen sie den Weg hinauf zur Gesell⸗
haft zurück. —
Nach kurzer Zeit war das Niederloher Herrenhaus
bieder von seinen Gästen verlassen.
Mamsell räumte Silber und Kristall zusammen, kopf⸗
hüttelnd, denn es war noch nie vorgekommen, daß sich
ie gnädige Frau um diese Zeit in ibhr Schlafzimmer
urückzog und sogar die Tür abschloß

eder fsehlgeschlagenen Hoffnung, jedem tleinen Weroruß
uus dem Gleichgewicht der Seele geworfen wurden.
Das waren ihm die rechten, gleichwertigen Gefähr—
innen, berufen und befähigt, Schulter an Schulter mit
em Manne zu stehen. Mit ihnen betrat man nicht das
ropenland glühender Leidenschaft, man lag nicht in An—⸗
etung vor ihnen auf den Knien, aber man schob sie auch
icht, müde des Taumels, wie ein Spielzeug beiseite.
zie blieben in warmer, gemäßigter Zone ständig die
arknervigen, getreuen Mitstreiterinnen durch alle Lebens—
öte. — —
Oben rollten die Rouleaus vor die Fenster; es ward
till. Etelka mochte endlich ihre wilden Buben zur Ruhe
ebracht haben.
Bentin horchte noch eine Weile, dann trat er in das
zimmer zurück.
„Armes Weib!“ murmelte er, während sein Blick
ochmals einige Zeilen des Briefes guf seinem Schreib⸗
isch überflog. „Daran wird alles scheitern, was du in
einem heißen, jungen Herzen dein einziges Glück nennst.
Venn nicht — nun, wir werden ia soben“ Er seufzate
orgenvoll.
„Und deshalb mußte meine arme, tapfere Lore diese
ẽnttäuschung erfahren. Denn wenn sie nicht gekommen
päre, die Etelka, dieser verführerische Schwarzkopf mit
en Glutaugen und dem stillen, rührenden Munde, wer
eiß, ob dann nicht der Lothar — —“ Der Jüstirat
interbrach hier die Kette seiner Gedanken. Ein Weib
hie meine Lore stirbt nicht an gebrochenem Herzen.“
Nun gingen seine Gedanken von diesen beiden Frauen
u jener hinüber, die ihn von der Stunde an, wo er ihr
hast gewesen, beständig beschäftigte. Der ganze Scharf—
inn des einst so gesuchten Anwalts wurde lebendig in
hm. Häßliche, schmerzliche Erinnerungen erwachten, er
ynnte sich eines aufregenden Gefühls von Bestürzumg mit
ner, sonderbaren Beimischung von Bewunderung nicht
wehren, seit er Charlotie Hartmaun gesehen. Auch jetzt
ß er sich nur mit Mühe aus dem Grübeln über sie los,
as ihm das zwar noch unausgesprochene Verhäͤltnis
othar Hartmanns zu Etelka in ganz neuem. schrekens
ollem Lichte erscheinen ließ.
Wenn seine Ahnung, die fast schon Gewißheit war,
* bestätigte, so mußte ja diese eben erfolgte Ent—
hdeidung über Etelkas Geschick, welche die Hoffnungen
ider vernichtete, als eine Gjnade ein Glück uanee,

Justizrat Bentin ging nachdenklich, die Hände in den
aschen seiner, bequemen, Hausjoppe, in seinem Zimmer
in und her. Auf der Platte seines Schreibtischs lag ein
-chreiben amtlichen Formats. Bentin sah verstimmt aus.
Zuweilen unterbrach er seine Wanderung, um einen Blick
n das Schriftstück zu tun, aber kopfschuüttelnd legte er es
»ald wieder hin. Schlieslich trat er auf die Terrasse von
einem Arbeitszimmer hinaus. Der Garten lag in tiefer
ämmerung. Ganz am Ende, in einem versteckten Laub—
ang, tauchte manchmal eine helle Gestalt auf. Es mußte
Leonore sein, denn Etelkas Stimme hörte Bentin ge—
dämpft, aus dem ossenen Fenster über ihm. Er lauschte
‚inige Augenblike. Die weiche, tiefe Färbung der Stimme
berührte das Ohr voll Wohllaut; sie machte einen Haupt⸗
eis der jungen Frau aus. Der Justizrat hatte Etelka
ern, wie man einen Menschen, den man aus jammervoller
Verlassenheit in den Schutz und Schirm seined Hauses ge—
iommen, gern hat. So rechte Sympathie empfand er
reilich nie sür das schöne, scheue Geschoͤpf. Sie blieb ihm
uuerlich sremd mit ihrer halb, grieutalischen Charakterildung,
 in welcher sich Unselbständigkeit und Weichheit
t unvermutet hervorbrechender Leidenschaftlichkeit mischte.
entin lielze Frauen, wie seine Gattin gewesen, wie seine
re war; Frauen mit heiterer Stirn, mit offenem
armem Blick und gutem, klugem Wort auf den frischen
nnon rgmore vhnnefraßo Natfturen 2a 45*

mitleiderfülit, das vernichtende Wort zu sprechen.
WXAWGanft sirich er uͤber ihren Scheitei. Dein Mam
⸗erzeiht dir, Etelka, er verzichtet also auf die Klage weger
swilligen Verlassens. 84 weißt, daß damit 3
Brund zur Scheidung, wenigstens vorläufig, fortfaͤ
Bon diesem Rechte des Verzeihens macht der Ehegatte
er aus diesem oder jenem Grunde ein Fortbestehen der
Ehe will zuweilen Gebrauch Bie Mann stellt dich mi
or. die Entscheidung: Entweder ut b Kindern zu ihm
urückzukehren oder, verweigerst du für deine Person die
Rückkehr, ihm die Knaben u kürzester Frist ausuefern
Dich persoͤnlich kann selbstverständlich kein Gefeb zur
kückehr zwingen: dir stehte frei, getremt von deinem
Batten zu leben, wie und wo du wilist — naturlich ohne
ie Kinder — die mußt du aufgeben.⸗
Er fühlte, wie sie unter seinen Worten zusammensant
zhr Kopf lag fast auf ihren Knien.
Aber der Justizrat war noch nicht zu Ende. Es
ußte alles ausgesprochen werden, die Sachlage voll⸗
nmen klar sein, denn Naturen wie die Etelkas, aus⸗
hließlich geleitet von augenblicklichen Gefühlseingebungen,
ollen geschoben sein, müssen von nũchternem Verstanß
iro taorniesen uUnd voar liehenossor Sand vt 3

enn, wenn! Nirgends war Klarheit. „Erst dies
gen“, dachte er seufzend. Das andere tofat icher
icher mie iodo Morgoltn*
            
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