Full text : Dudweiler Zeitung

igeucrorrunst. Aus Frankenberg i. H. wird ge—
neldet: Das Dorf Fischelbach ist bis auf drei Häuser
aͤnzlich niedergebrannt. Wegen großen Wassermangel⸗
nuten die anwesenden Feuerwehren nicht eingreifen.
Nachtfröste. In Mecklenburg sind infolge Nacht
öste die Gartenfrüchte erfroren. e
In den Flammen umgekommen. Bei einem in
zreienwalde in Pommern ausgebrochenen Brande, dem
wei Häuser, die armen Tagelöhnern gehörten, zum
pfer fielen, wollte ein junges Mädchen eine alte Frau
etten, die sich in einem der brennenden Häuser befand.
die Absicht mißlang und beide kamen in den Flamten
 um.
Duellforderung. Der Touloner Platzoffizier, der
Najor Mourre, übersandte dem Chefredakteur der „Au—⸗
oritee“, Jean Paul de Cassagnac, eine Duellforderung,
veil ihn dieser in einem Artikel über die jüngst er⸗
8 Hinrichtung zweier Matrosen heftig angegriffen
atte.
Zwei nachgelassene Dramen. Aus Paris wird
erichtet: Im Nachlasse des Schrifistellers Parfart, der
nit Dumas dem Aelteren befreundet war, wurden zwei
Nannskripte von bisher vollständig unbekannten Dra—
nen Dumas des Aelieren vorgefunden. Die Dramen
nd fünfaktig. Das eine behandelt den Roman Dumas
„Der Sohn des Sträflings“, das andere einen höchft
tomantisch ausgemalten Justizmord aus der Zeit der
ehn Raͤte in Venedig.
Landwirischastliches.
O, Futierknappheit. Im Hinblick auf die der Land—
virtschaft und der Allgemeinheit aus der anhaltenden
krockenheit drohenden Schäden warnt eine halbamt
iche Bekanntmachung in der „Karlsruher Zeitung“ die
randwirte vor übereilter Verminderung ihres Viehbe.
tandes. Es heißt da: Für unsere Landwirte ist es von
zöchster Bedeutung, nicht unter dem ersten Eindruck der
ehlenden Oehmdernte und der voraussichtlich geringen
Rüben- und Kartoffelernte die Durchfütterung der Vieh—
estände für unmöglich zu halten. Die Ernte von Her
ind Stroh ist im ganzen Lande gleich vorzüglich
rusgefallen; an beidem ist kein Mangel. Bei der fiän
igen Verwendung dieser Futtermittel, d. h. wenn al
es zur Verfütterung gelangende Rauhfutter geschnitten
vird, und wenn für das zur Streu bestimmie Strof
Ersatzmittel beschafft werden, ferner wenn mit Hilse de
Bezugsvereinigungen preiswerte Kraftfuttermittel ange
chafft werden, wird es sicher gelingen, den Viehbestam'
urch den Winter hindurch zu halten. Nur solche Tiere
ie als schlechte Futterverwerter bekannt sind und di
nur die Fütterung der wertvolleren Tiere beeinträchti
gen, ohne selbst das aufgewendete Futier zu lohnen
ollen verkauft werden. Das Finanzministerium (Do
nänenverwaltung) ist um Abgabe von Waldgras unl
Valdstreu und um Gestattung der Waldweide ersuch
vorden. Ferner sollen Frachtermäßigungen für Siren
naterial und Futtermittel eintreten. Der Landwirt
chaftliche Verein wird demnächst ein Flugblatt heraus
jeben, in dem weitere ins Einzeln gehende Raischläg
nthalten sind. Zur Beratung weiterer Maßnahmei
vird das Ministerium des Innern demnächft eine Be
prechung mit Vertretern der landwirtschaftlichen Orga
isationen abhalten.
Arbeiterbewegung. 8
Zum Streik in England.
Köln, 19. Aug. Wie hiesigen Exportfirmen aus
London gemelder wird, sind die Dockarbeiter in
London neuerdings in den Ausstand getreten, sodaß die
Schiffe zum Teil nicht entladen werden können. Der
Schiffsverkeyr vom Rhein nach London wird einst⸗
veilen aufrecht erhalten, soweit es möglich ist. Der
handelsverkehr zwischen Westdeutschland und England
st im allgemeinen durch den Ausstand itark beein—
rächtigt.
London, 19. Aug. Liverpool ist ohne
ßBrot. Auch alle Fleischvorräte sind erschöpft. Aus
»em Bahnhofe von Rugby ist eine Eisenbahnkatastrophe
iur mit knapper Not verhindert worden. Der Lohlo—⸗
notivführer und der Heizer eines Eilzuges verließen
den Zug gleichzeitig mit zwei Weichenstellern. Ein
Zahnbediensteter, der treu geblieben war, lief mit ei—
ter Laterne einem entgegenkommenden Eilzuge entge—
zen, der glücklicherweise kurz vor dem stehenden Zuge
zum Halten gebracht werden konnte.
London, 19. Aug. Die Proklamierung des Ge⸗—
teralftreiks hat eine ganze Anzahl Amerikaner
überrascht, welche gewissermaßen nun in England fest⸗
itzen. Sie geben sich die größte Mühe, an Bord deut—
scher Schiffe, welche in englischen Häfen anlegen, zu
zelangen. So sind beispielsweise auf dem Dampser
Kaiserin Augusta Viktora“ eine ganze Anzahl Ameri-—
aner abgesahren. Die Schiffahrtsgesellschaften sichern
en Verkehr zwischen London und Southampton mittels
lutomobilen.
Birkenhead, 19. Aug. Die Menge, die sich
in gestohlener Branntwein betrunken, griff das Haus
ines Polizeivommissars an und beschädigte dasselbe.
Zchließlich mußte das Militär gerufen werden, das mil
vem Bajonett eingriff.
London. 19. Aug. In Fishguard versuchte
ine Menge Ausständiger die Abfahrt eines Lon—
doner Zuges zu verhindern. indem sie sich auf da⸗
5—

serven, doch wer wäre in unjserem yhastenden ZBeitalter,
nicht nervös? Und jo mochte sie es tragen. Also —*
n die kühle, aber hell erleuchtete Unterwelt! irchhose
tille lagert über dem kristallnen Gestein, das, von elet⸗
rischen Birnen bestrahlt, weithin gigantische Schatten
virft. Mit der eisernen Pforte hat sich hinter uns, — 30
Personen wurden jedesmal geführt — die Welt oberirdi⸗
chen Gemeinlebens abgeschlossen, und eine Zauberwelt
zrotesker Feenhaftigkeit umringt uns. Wer's Gruseln ge⸗
ernt hat, der kriegt es hier, bis er sich an die traumhafte
Umgebung allmählich gewöhnt hat, und die ängstliche
Beklemmung Schauern heiligster Andacht vor solchem
Naturwerke weicht. Die Wucht des Anblickes ist überwäl—
igend! Jahrtausende müssen daran gearbeitet haben, diese
Märchenwelt aus 1001 Nacht zu schaffen. Erst nach und
niach gewöhnt sich das Auge an all die gleißende Pracht
uind entdeckt, daß sorgsam gefligte Brüden, ins tiese In—
iere der Höhle führend, die Klüfte überdecken, über die
ins der erklirende Führer voranschreitet. Uns will dün—
een, als sei seine Ertlärung zur Feststellung der Aehn—
iichleiten der einzelnen Partien mit von Künstlerhand ge—
chaffenen oberirdischen Kunstwerken überflüssig. Die Na—
ur ist hier ein so treff icher Bildhauer gewesen, daß von
inem Erraten des, was die einzelnen Stalakiten und
Stalagmiten vorstellen, kaum die Rede sein kann. Dem
Laien sei hier erläuternd mitgeteilt, daß ˖ der Tropfstein
in aus Kallspat oder Aragonit bestehendes Mineral ist.
Er setzt sich in durch Erdspaltungen entstandenen unter⸗
irdischen Kalksteinhöhlen aus here chufelnden Wässern ab
und überzieht Decken, Wände und Boden der se sigen
Grotten mit marmornen Gletschern, oder bildet frei her⸗
abhängende Zapfen oder stehende Säulen in denselben.!
Die Zapfen, die grohen Eiszapien geichen, nennt man
Stalaktiten, die kegelförmigen Säulen dagegen, die vom
Boden emporwachsen, Stalagmiten. Das kalkhaltige Was—⸗
er träuselt unaufhörlich, und so konunt es, daß Zapfen
ind Säulen oft in der Mitte der Höhlen zusammenwach—
en. So schafft die Natur die zauberischsten Gebilde. Cin—
elne aus der Attendorner Höhle seien nun im weiteren
enau gezeichnet unter vorheriger ausdrücklicher Betonung,
ß irgend welche Nachhilfe mit Hamnier oder Meißel ab—
olut ausgeschlossen ist. Das Cinzige, was Menschenhand
der Höhle schuf, sind die zum Massfsieren ioon

ahngleis stellte 5wutde nach Berlesung
er Anufrubrakte ducch iitliar mit aufgepflanztem Sei
engewehr zerstreut. — Nach Schätzung der Streikführen
nnd bis jetzt 250 000 Mann ausständig. Die Verwal
ungen haben bisher einen unter den obwaltenden Um
änden besriedigenden Güter- und Personenverkehr auf
echtzuerhalten vermocht.
Die englischen Arbeiterführer.
Nachdem die Vertreter der Bahnen den vernünfti—
ꝛen Vorschlag der Regierung, „die Klagen der Ange
ellten durch ein durchaus unabhängiges Tribunal“ un
ersuchen zu lassen, glatt abgelehnt haben, so handel
s sich bei diesem Streik für die Arbeitervertreter nich
llein um die Klagen ihrer Arbeitsgenossen, sonderr
ruch darrim, die Eisenbahnverwaltungen zu zwingen
nit ihnen, den Gewerkschaftsvertretern, und nicht blof
nit den Vertrauensmännern ihres Personals zu ver
jandeln, wie dies das Gesetz über die Versöhnungs
mier vorsieht. Es ist eine Machtfrage, die hier gestell
st, und die die Bahnverwaltung konsequent vernein—
saben. Unter diesen Umständen ist trotz der Mahnun
en der Regierung an die Vertreter der Eisenbahner
nd an die Gewere Kaften von lökteren au der ultim

Hoslirio h 722
atio, zur Protiamierung des Generalsireits gegriffe
vorden. Wie lange die revolutionäre Bewegung an
auern wird, ist natürlich nicht vorauszusehen. Jeden
ills aber wird sie dem britischen Reiche tiefe Wunder
hlagen. Unser Tableau zeigt die Hauptführer der Strei
enden, unter denen Keir Hardie, dem auch in Deutsch
and bekannten Sozialistenführer besonders Tom Mann,
as Oberhaupt der englischen Transportarbeiter die
»auptrolle spielt. Mann, der im 55. Lebensjahre steht,
atte sich in seiner Jugend vom Bergmann zum ange—
ehenen Ingenieur emporgearbeitet, ehe er zum Arbei—
rführer gewählt wurde. Auch Smith hat eine aus—
ezeichnete, sogar akademische Laufbahn hinter sich, be—
tzt einen guten Ruf als Statistiker und als Sachver—
äündiger in handelsgerichtlichen Angelegenheiten

— Ueberfallene Arbeitswillige. Aus Calais wird
emeldet; Die seit einem Monat streikenden Docker dran—
jen in den Hafen ein und überfielen die Ar
eitswilligen mit Steinwürfen und Stockhieben
lcht der letzteren wurden schwer verwundet, die übri
en entgingen den Mißhandlungen nur dadurch, daß si⸗
ich an Bord eines Nampfers füüchteten

Ime α
Von der Luftschiffahrt.
Ein neuer „Zeppelin“. Die Kölner Militärluft
hiffhalle wird demnächst einen neuen „Zeppelin“ erhal
en, welcher Ende September eintreffen wird. Das Luft
hhiff befindet sich zurzeit noch im Bau und wird irn
Ingefähr 14 Tagen fertiggestellt sein. Die Probefahrit
wn es während der Rennen in Baden-Baden aus—
ühren
Zeitungsversandt mittels Flugapparat. Sams⸗
ag früh wurde zum erstenmal mittels Flugapparates
on der Reichshauptstadt in die Provinz die Zeitung
ersandt. Der Flieger Hoffmann trat nämlich mü
eutnant Steffen als Passagier auf einem Harlan—
kindecker eine Fahrt von Berlin nach Frankfurt a. O.
an. wobei er Berliner Mordenbläfter ervedierte

Brucken und die electrische ichtaniage, die allerdings
nicht nur dieselbe erhellen, sondern in wunderbarer Har—⸗
nonie von urwüchsiger Natur und modernster Technik die
Lichteffekte magischster Beleuchtung erzielen soll. Ueber
ie Partie der „Felsenbrücke“ gelangen wir zum
Wasserfall', dessen erstarrte Wogen in brandende
zischt auslaufen; die zitternden Lichtstrahlen bewirken die
ergsame Täuschung, als ständen wir vor wild abstürzen—
en Wassern. Eines der schönsten Gebilde ist das ‚„Was—
erbassin“, das uns wie qaus zahlreichen Moyscheln
usammengesetzt erscheint. Ein anderes Gebilde des feuchen
 Elementes ist das Marmorbad', dessen kristall⸗
lares Wasser aus einer mächt'gen Badezelle in eine
rächtige Muschel abfließt. Zellenboden und wände sind
ait unzähligen Perlen reich übersät. Ein lustiger Spring—
runnen vor dem Bade ist ein Gebilde glitzernder Trop—
en, die freischwebend in der Luft erstarrt scheinen. Ein
inderes Becken ist vollständig mit leuchtenden Kristallen
ingefüllt. Herrlicher noch wirken die getreu nachgebilde—
en Innenräume auf das staunende Auge. Steigen wir
unächst hinab in die Gruft“! Alabasterweiß heben sich
on dem unheimlichen Diister des Grabgewölbes die auf—
trebenden Kerzen und Säulen ab, welch letzteren einen
Zaldachin zu tragen scheinen, von dessen Decke dicke Qua—
ten herabhängen. In der ebenso düstern Einsiedergrotte“
 erblicken wir einen Klausner mit hochge—
chlagner Kapuze, und andächtig wie er, werden wir ge—
timmt beim Anblick der weihevollen „Rapelle“, deren
unstvoller Altar jeden Meister der aniken Kunst ver—
zerrlichen würde. Säulen reihen sich an Säulen himmel—⸗
instrebend, weiß wie kararischer Marmor. Zwischen den
rechts und links an den Stufen knieenden Meßdienern
teht vor der Mitte des Altars der Priester, Bühne,
Thorstühle, Thronsessel und Kerzen sind
ratürlichster Art. Sogar die „Sak riste i“ vermissen wir
aicht. Zwei wunderbare Portieren geben dem Al—
ar in reichen Falten einen wirkungsvollen Abschluß nach
»em Hintergrunde zu. An Grotten mit mächtigen Säu—
en, die gleichsam die Felsendecke stützen, sehen wir die
„Centralhalle“, die ‚„Alhambragrotte“ und den
Kristallpalast“, leßterer in einem Reichtume fun—
esnder Edelgesteine die das Nide blenden Unoßleßbar

Lokales und Vermischtes.
Schlägerei. Gestern abend gegen 10 Uhr entstand auf
zer Flitsch unter mehreren Sangesbrüdern, die an einem
Lereinsausfluge teilgenommen hatten, kurz vor Beendigung
er Festlichkeit eine regelrechte Keilerei, wobei wieder ein⸗
nal das Messer eine Hauptrolle spielte. Nach schon den
zanzen Tag bestehenden Differenzen, die sich immer mehr
uspitzten, gerieten 3 Bereinsmitglieder vor der Wirtschaf;
Veber gründlich aneinander und bearbeiteten sich gegen—
eitig schwer mit eisernen Wgenstsrren, bis ein gewisser
B. bewustlos am Platze liegen blieb. Auch die Gegen—
partei, die Gebr. J., hatten schwere Mißhandlungen da—
vongetragen. Ein gerichtliches Nachspiel wird folgen.
Feuer. Auf unerklärliche Weise broch gestern Abend
zegen 3dreiviertel Uhr in einem verschlossenen Dachgeschoß⸗
raum im Hinterhause der Firma W. Bengsch Feuer aus,
welches nach sofortigem Eingreifen seitens der Bewohner
und der Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt werden
konnte. Der Schaden ist nicht bedeutend. Man nimmt an.
daß durch das Einwirken der Sonnerstrahlen Selbstent—
zündung vorliege
Athletenklub siegfried. Das seitens des Clubs arran—
gierte Fest, welches in allen seinen Punkten ein als durch—
aus gelungenes betrachtet werden kann, nahm einen schönen
Verlauf. Begünstigt von einem herrlichen Wetter konnte
der Athletik voll und ganz gehuldigt werden. Durch einen
Umzug, an dem man zum ersten Male unseren Radfahrer—
Verein in vollem Wichs bewundern konnte und an dem
sich auch der Allgemeine Turverein beteiligte, erhielt das
Fest ein feierliches Gepräge. Die kraftvollen Darstellungen,
die ein bewunderndes und dankbares Publikunm fesselten,
seugten von äußerster Kraft und Gewandtheit. Auswärtige
Sportsleute waren zahlreich vertreten, sodaß der Kampf
ein recht heißer wurde und der äußersten Anspannung be—
durfte, um sich der Kraft erforderlichen Arbeit zu messen.
Die Resultate werden wir in morgiger Nummer bringen
Ein gemütliches Tänzchen bildete den Schluß des gut ge—
lungenen Festes.!
Straßenbahn. Wie verlautet, erwartet man bis heute
abend 6 Uhr definitive Antwort auf die gestellten Forder—
ungen. Wird die Straßenbahnverwaltung der Forderungen
nicht gerecht, so soll der Betrieb auf allen Strecken einge—
stellt werden.
Vereinssache. Die Mitglieder des Bergmanns-⸗Unter⸗
tützungs⸗Vereins Dudweiler⸗Herrensohr-Fischbach-Neuweiler,
welche außerhalb des Vereinsbezirks verziehen, machen wir
auf die Vereinssatzungen 8 165, Absatz c aufmerksam. Wenn
ein Mitglied seinen Wohnsitz nach einem außerhalb des
Kassenbezirks belegenen Orte verlegt, so ruhl die Mitglied—
schaft. Jedoch kann der Verziehende seinen Anspruch au
Hewährung von Sterbegelder dadurch aufrecht erhalten, daß
er einen monatlichen Beitrag von 25 Pfennig an die Kasse
weiter fortentrichtet. So lange die Mitgliedschaft ruht, ruhen
auch alle mit derselben verbundenen Rechte und Psflichten
Insbesondere werden keine Kranken-Unterstützungen gezahlt
Maßnahmen gegen die Wiederanlegung von ans—
sewanderten Bergleuten. In letzter Zeit mehren sich,
vie schon öfter erwähnt, die Auswanderung unserer Berg⸗
eute nach Westfalen, Lothringen usw. in ganz erschrecken—
zer Weise. Die Berginspektion Heinitz macht desalb ihre
zelegschaft darauf aufmerksam. das Wiederanlegung von
Irbeitern, die auf auswärtigen Gruben (GWestfalen, Loth—
ingen usw.) beschäftigt gewesen sind, nur in den seltensten
zällen die Genehmigung finden werden, und auch dann nur
inter der ausdrücklichen Bedingung, daß der Arbeiter ein
yolles Jahr lang nicht auf fremden Gruben gearbeitet hat.
diese leßtere Bestimmung ist von der Königlichen Berg—⸗
verksdirektion zu Saarbrücken erlassen, sie gilt für alle
taatlichen Gruben und wird überall in aleicher Weise ge—
Jjandhabt.
Die Königliche Berginspektion IV hat für ihre Ar—⸗
»eiter der Maschinenabteilung, Bauabteilung, Materialien⸗
»erwaltung und Oekonomieverwaltung einen heizbarer
Speisetransportwagen für zweispännigen Betrieb beschafft
velcher in den nächsten Tagen in Betrieb genommen wird
Der Wagen ist zur Aufnahm von 160 Stück Ektöpfen
gebaut.
Jägersfreude, 18. Aug. Die Arbeiten an der Neu—
anlage der hiesigen Grube schreiten rüstig fort. Die Rätter—
sjalle ist in der Eisenkonstruktion bald fertiggestellt und be—
reits überdacht. Die Planierungsarbeiten zum Gruben—
dahnhof nähern sich ebenfalls ihrem Ende. Eine neue
Straße wurde längs des Zechensaales nach der Herren⸗
sohrer Seite zu angelegt, an welcher eine Anzahl Doppel
vohnungen für Arbeiter im Bau begriffern sind.
ssscheidt, 18. Aug. Leichsinnigerweise steckten gestern
nittag einige junge Burschen die Böschung in der Nähe des
bahnhofs in Brand, wobei zwei Kolliwagen Feuer fingen
ind total verbrannten.
Brebach, 18. Aug. Eine schwere Verletzung erlit!
ostern ahend der Hüttenarberter B. von Saargemünd ir

hACcut stah in das Innere der Khronsaal', der die
respeltable Höhe von 20 Meier aufweist. Er ist der Prunk⸗
saal der Göttin „Atta“, nach welcher man auch die Höhl⸗
Ylttahöhle“ genannt hat. Sein Thron ist in seine.
Anstreichen Modellierung einer Göttin wohl wert. Auch
unsere Kleinen kommen auf ihre Rechnung, die Nift—
fFausagrcitte“ überwölbt einen leibhafiigen Nit—
„Aausmann mit langem, wallendem Barke und tiel
iber die Ohren gezogener Pelzmüte. Den vor ihm sie⸗
henden beiden Kündern tkeilt er seine Gaben aus. Alle
iese angeführten Hallen und Grotten aber übertrifft die
‚Blaue Grotte“ durch Schönheit ihrer Gebilde als
uuch durch ihr umbeschreiblich seenhaftes Dämmerlicht.
diesen magischen Zauber dürfte kaum Künstlerhand schaf⸗
en können. Als hätte der raffinierteste Architelt die hier
virkende optische Täuschung ersjonnen, so bildet eine blau⸗
chimmernde glatte Wasserfläche den Boden der luftig
zjohen Grotte, in der sich das in Azurblau erzitternde
sewwölbe scheinbar auf unabsehbaren Meeresgrunde wider«
spiegelt. Von diesen Bauwerken naturwunderbarster Ar⸗
Hitektur wenden wir unjere erstaunende Betrachtung zu den
Abbildern überwältigender Alpenschönheiten. Glet—
scher blod heißt der größte aller mit füeßendem Trops—
yJm überzogene Felsblock, weil seine mit tausenden vo
Lichte funkelnden und glitzernden Diamanten besäte
Fläche dem Auge den Anblid eines weiten Gletscherfeldes
darbietet, Das „Schneefel de dünkt uns eben frisch
gefallener Schnee, auf dessen zarte Hülle die Schneeball
werfenden Buben hunderte ihrer Wurfgeschosse geschleuder“
haben. Auf allen unseren Wanderungen begegneten wir
unterdessen natürlich einer Menge von Einzelgebilden, de—
en schönste wir nun auch noch erwähnen wollen. Die
„Elefantenohren“ heißen zwei solchem Kopfbe—
hange vorsintflutlicher Riesenmammuts nicht unähnliche Ge—
bilde. Ein formgerechtes Hertz, von allerdings so riesi—
gen Dimensionen, daß selkst das des verliebtesten Adonis
sich dagegen kläglich ausnehinen müßte, lenkt in seine
schneeweißen Tugendfarbe unsere besondere Aufmerkem
eit auf sich. Ihimn ist sicher so großer Schmerz wiber.
ahren, der selbst Stein erweichen kann; denn ein Blut
trom entquillt ihm ohn Unterlaß. Daß dieser Blutstron
rstarrtes Wasser ist, das blutrot beleuchtet wird, erken
sen wir erst in der Näbe Das Gebilde heißkt Riure

dem Arbeiterzug der 7,63 Udr hier eintrifft. Nachde.
Arbeiter eingestiegen waren, stellte sich B. direkt neben
Türe, die rechte Hand zwischen Tür und Verschluß lassen
der letzte einsteigende Passagier schlug die Türe zu un
quetschte demselben drei Finger breit. Das Zugperson
trifft keine Schuld.
Auersmacher, 19. Aug. Einer hiesigen Bauerssr
die mehrere jungen Schweine verkaust hatte, wurde gest
auf dem Wochenmarke in Saargemünd das Portomann
mit über 100 Markgestohlen. Von dem Dieb fehlt
Spur.
Louisenthal, 16. Aug. Die Verwaltung der verg.
talischen Kraft- und Wasserwerke ist zur Zeit hier
zrößeren Kabellegungen von der hiesigen elektrischen
rale nach Püttlingen und Dudweiler beschäftigt.

Humoristische Ecke.
Oumor aus der Gelehrtenwelt. Hübsche Gei—
ten⸗-Anekdoten finden sich in einem Buche, das Du
Ahrens (Verlaa von Hermann Sack, Berlin-Schönel
Zweiter Teil) soeben herausgibt. Wir verzeichnen
eintge Proben: Der Senior der Gießener medizinite
Fakultät und der Universität überhaupt, der „alte
bel“, war berühmt wegen seines Abscheus gegen
Gebrauch von Wasser und Seife. Einst sollte ein
kenball gegeben werden, und Nebel hatte es sich in.
Kopf gesetzt, ebenfalls dort zu erscheinen. Aber wer
Maske wählen. Er konnte zu keinem Entschluß ko
men, und befragte daher die Herren, die sich allabe.
lich im sogenannten „Feststübchen“ des Kasinos zusa
menfanden .. „Wasche Dich“, sagte Hoferichtsrat
zjer, „kein Mensch wird Dich erkennen.“ — Den Be
ter Dermatologen Lassar (gest. 1907) befragte
Patient seines Haarschwundes wegen. Lassar gab
ein Rezept mit und sagte, der Patient sollte sich
Zeit zu Zeit wieder vorstellen. JJa! aber ich wor
nicht in Berlin und kann doch nicht gut eigens mei
haare wegen so oft nach Berlin kommen!“ „Nun—
ann schicken Sie mir Ihre Haare; ich werde sie mu
kopisch untersuchen und Ihnen dann das Nötige ve
ordnen.“ Gesagt, getan: Der Patient schickte die Haar—
vandte die vorgeschriebenen Salben und Mixturen
ind schickte wieder Haare usw. Schließlich kam aber e
Brief folgenden Inhalts: „Einliegend erlaube ich mi
vieder einige Haare zu senden; leider kann ich di
aber jetzt nicht mehr fortsetzen — es sind meine letzter
— Ernst Heim, ein früher weithin bekannter Berlin
Arzt (4 47 -1834) verfügte neben seinen für die dan
lige Zeit bedeutenden medizinischen Kenntnissen ⸗
iber einen guten Teil von Witz und Humor. Eine
häufigen Kopfschmerzen leidene Dame wandte gegen
Uebel ein Mittel an, das man ihr als unfehlbar
ȟhmt hatte. Unter vielen Entschuldigungen und
angen Umschweifen machte sie Heim nun davon
leilung und rückte endlich damit heraus, worin
MNittel besteht; sie bedeckte, wenn das Uebel eintrat,
sopf mit — Sauerkohl. „Vorzüglich!“ antwortete Hein
vorzüglich! aber vergessen Sie ja nicht, auch eine Bra
wurst oben drauf zu legen!“ — Der Bonner Medizin.
Chr. Friedr. Harleß (1773 -51853) war als sehr z30
streut bekannt. Alle aus Lustspielen und ähnlichen Qu
len stammenden Proben von Gelehrtenzerstreuiheit wu
den ihm angedichtet. Als wahre Begebenheit wird
doch folgendes erzählt: Harleß fuhr einst mit der P
von Vonn nach Köln; unterwegs sah er, ein fruchib
rer Schriftsteller, besonders auf dem Gebiete der
ichichte der Medizin, Korrekturen durch und, da
glaubte, zu Hause in seinem Arbeitszimmer zu sig
und neben sich einen kleinen Ablegetisch zu haben,
ließ er die durchgelesenen und korrigierten Blätter jede
nal aus dem Fenster des Postwagens auf die Lan
traße fallen

Neueste Nachrichten und Telegramme
Berlin, 19. Aug. Der erste Zeitungs-Transp
nittelst Aeroplan ist heute Nacht durchgeführt word
Morgens 4 Uhr 28 stieg der Flieger Hoffmann auf eint
Harlam⸗-Eindecker mit Leutnant Steffen als Begleiter
FIlugplatz Johannesthal auf. Das Flugzeug nahm e
Paket mit Exemplaren der Morgenausgabe erner Berlin
Zeitung mit und traf um 5 Uhr 8 Min. auf dem Exerzi
olatz in Frankfurt a. O. ein Die Zeitungen waren
dem Luftwege eine Stunde früher an ihren Bestimmun
ort gelangt, als dies mit dem Schnellzuge der Fall ist
Berlin, 21. Aug. Der französische Botschafter Jul—
Lambon hat gestern abend 8,50 Uhr Berlin verlassen. Se
Rückkehr nach Berlin dürfte bereits am 27- oder 28. *
ersolgen. Der Zwischenakt dürfte also kürzer sein als
fangs angenommen wurde.
Frankfurt a. M., 19. Aug. Der Kaiser ließ he
rüh um 10 Uhr auf der Terasse vor dem Wilhelmshö
Schloß 30 Schüler der Unter- und Oberprima des Fri
richs⸗Gymnasiums zu sich kommen. Als sie in ihren Klass
mützen unter Führung der Lehrer der Anstalt, der der Ka
sowie Prinz Heinrich als Schüler angebört hatten, angetre

4

rendes Herz.“ Kein Besucher der Höhle wird n
rühmen dürfen, daß er von gewissen Gebilden nicht blin
lings genarrt worden sei, und auch ich gestehe gerne ei—
daß ich beim Anblick der ersien ,Gardine“ sehr
Versuchung war, sie in die Höhe zu heben. Diese „G
dinen“, deren viele vorhanden sind, erscheinen näm'
so unbegreiflich echt in ihren prächtigen Farben, ih
tadeilosen Gewebe, ihren gefälligen Mustern, ihrem⸗
tenwurf, ihren langen verknüpften Frangen, ihren far
gestidten Borden, daß nur Anfassen der kalten, festen M
überzeugt, daß auch sie durch stetes, gleichmäßiges
setzen des Tropfsteins entstanden sind. Ich möchte
das Rätselhafteste all der unterirdischen Herrlichkeiten w
nen. Nun sind wir zirka eine Stunde in dem Wunde
lande gewandert und stehen, auf Wandelgängen zum Au
gangspunkte zurüdgekommen, wieder vor der Eisenpfo
die uns dem Sonnenlichte wiedergeben soll. Gerne b
ich mir irgend ein kleines Gebilde zum Mitnehmen
Andenken aus dem Gestein gebrochen; doch selbst we
nicht mit Einhalt gebietenden Lettern angeschrieben wẽ
Du darfsst nicht!“, se müßte es auch wohl nur beim?ꝰ
fuch bleiben: Die Massen sind derart mit ihrem Unte
stein verwachsen, daß sie mehr als niet- und nage
sind. Der Fruchtbranntwein hat sich übrigens recht
bewährt, denn so überraschend frisch und gesund die
dort unten ist, zeigt das Thermometer in der Höhle
nur 6—28 Grad Reaumur, und da war so ein Pulen
mer schon angebracht. Im „Himmelreich“ bin ich
trotz seiner Güte nicht noch einmal eingekehrt, son
setzte meine Wanderung nach Süden zu fort, wo noch
nanch' Städichen und mancher Ort geschen worden wosi
—65 *8—

Elfenbeinstücke lassen sich auf folgende
zusammenkitten: Man mischt starles Leimwasser mi'
weiß. — Oder man vermischt 1 Teil Eiweiß mit 3
len Wasser und rührt so viel geörannten Gips zu
3 oin diinner Brei wird
            
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