der Nüchterne ihm nach, beide kamen kast zugleich auf den
Kähnen am lfer an und jagten sich nun von Kahn zu
Kahn, der Schlanke zwar immer veraus, aber der Nüch—
terne wacker hintennach. Ohne Schrelen, Lachen und Kra⸗
chen ist das natürlich nicht abgegangen, und so tkam
schließlich der Nachtwächter herbei und machte der Sache
ein Ende. Der Schlaute wußte durch dasselbe Fener
wieder zurüdwandern, zu dem er herausgesprungen war.
Die Hatz mag die Stelle des gewünschten Bades ersetzt
haben, alles streͤte die Glieder und Rüdesheim war
ruhig.
Am anderen Morgen fuhr die Gesellschaft von Rüdes⸗
heim nach Bingen, und da verriet der Herr Reserendar
ncch einen so grimmigen inneren Brand, daß er auf der
ganzen Fahrt fortwährend mit der hohlen Hand Rhein—⸗
wasser schöpfite und zur Kühlung trank.
So erzählte der alte Wirt die Geschichte Und was
ift denn besenderes daran? Dasselbe kann ja schon Tau—
senden an dem weinseligen Rhein widerfahren sein. Ja,
der Unterschied liegt in der Person selbst. Von Hinz
und Kunz wird's leicht vergessen; ganz anders sehen wir's
an, wenn wir erfahren, daß der Reserendar später noch
einigermaßen von sich reden gemacht, denn es ist kein an⸗
derer gewesen, als Fürst Bismaxrckk. —
Der Barnin aufer Zert. Es war eine arre
Vewohnheit, zur Verstärkung des Ansehens öffentlicher Ur—⸗
kunden, die man abschloß, einige Haare des Bartes an das
Siegel zu befestigen, welches an alten Urkunden hängt.
Man liest von einer Urkunde aus dem Jahre 1121, wo
dieser Gebrauch ausdrücklich bezeichnet ist. „Damit Gegen⸗
wärtiges mehr Gewißheit und Festigkeit erhalte, habe ich
ihm die Bekräftigung meines Siegels nebst drei Haaren
meines Bartes erteilt.“ Dasselbe liest man in einer Schen⸗
kung, die 1181 vom heiligen Florentode Sauneur zustande
gebracht wurde: „Und damit dieses Almesen den Mönchen
unangetastet bleibt, habe ich es durch Aufdrückung meines
Siegels nebst dreien von nieinen Haaren, wie der Augen⸗
schein ergibt, bekräftigen lassen“ Man liest in einem alten
eri von einer Geschichte Frankreichs, es sei in dem
ertrage, welcher zwischen Alarich, dem König der Gothen,
und Clodwig, dem König der Franken, abgeschlossen wor⸗
den, ausdrüchlich bedungen, daß Alarich den Bart non
Clodwig berühren sollte, um dadurch sein Verwandter! zu
werden. Herzog Friedrich von Oesterreich überschickte seinen
abgeschorenen Bart dem König Karl von Ungarn als ein
Unterpfand der Verbindung und Freundsehafi, die er mit
ihm errichten wolle. Die Mohamedaner ichwöten beim
Bart“ des Propheten.
Gegen den Feiertagserlaß des Papstes.
Trotz päpftlichen Erlasses hat der Bischof
von Passau die ihm nachgeordneten Geistlichen
in Kenninis gesetzt, daß er bezüglich der kirch—
lichen Feiertage bei der bisherigen Uebung zu
verbleiben gedenke, daß eine Aenderung nicht ein⸗
tritt und in seiner Diözese auch nie eintreten
werde. Den gleichen Erlaß wird auch, wie
man aus München meldet, das Ordinariat Bam—
berg verkünden.
Ein Wechsel im Reichskolonialamt.
wird infolge einer schweren Erkrankung des erst
ovor Jahresfrist zum Unterstaatssekretär ernann⸗
ten früheren Bürgermeisters von Metz, Dr. Böh—
mer, voraussichtlich schon in nächster Zeit ein—
lreten. Die „Straßb. Post“ läßt sich aus Ber—
lin melden: Der Unterstaatssekretär Dr. Böhmer
im Reichskolonialamt befindet sich zurzeit auf
Urlaub, wird aber auf seinen Posten nicht mehr
zurückkehren. Er mußte sich im Winter einer
schweren Darmoperation unterziehen und mo—
ratelang den Dienstgeschäften fernbleiben, die er
* nn )y m vi— a44 konr
— —
— M
Der Transportarbeiterstreik in England.
London, 14. Aug.' Nach heute abend aus
zerschiedenen Teilen des Landes hier eingelaufe—
ien Meldungen hält die Unruhe unter den Ei—
enbahnarbeitern an. In Warrington sind hun—
dert Mann in den Ausstand getreten, der Bahn⸗
ienst wird aber dadurch nicht in Mitleiden⸗
schast gezogen. Der Ausstand der Schienenla—
ger im Bezirk Glasgow hat schnell an Aus—
dehnung gewonnen; heute Abend streilten be—
eits hundert Mann. Die ausständischen Stra—
zenbahner in Glasgow haben sich bereit erklärt,
den Streik dem Schtedsamt zur Entscheidung zu
unterbreiten. In Bristol sind 600 Eisenbahner
ausständig.
London, 14. Aug. Die Lage in London⸗
Züdost ist andauernd ernst. Im Stadtteil Ber—
mondsey befinden sich 14 000 Arbeiter im Aus—
tande. — Die Eisenbahner von Lancashire und
Swansea sprachen sich in einer Resolution für
den nationalen Streik aus. In Sheffield sind
500 Angestellte der Midland Railway in den
Ausstand getreten. Auch in Schottland schlossen
sich die Eisenbahner verschiedener Bezirke der
Ausstandsbewegung an.
Liverpool, 14. Aug. Der Bürgermei—
ter, Sir Thomas Hughes, wurde durch einen
Steinwurf am Kopfe verletzt. Die Ausständigen
zriffen heute Nachmittag einen Brotwagen an
und plünderten und verwüsteten das Rathaus
und das Polizeipräsidium. Soldaten zerstreuten
die Aufrührer. In der Stadt treffen Truppen—
derstärkungen ein; in Aldershot stehen 3000 Mann
'n Bereitschaft, um nach Liverpool abzugehen.
Der Magistrat hat auch beschlossen, die männ—
ichen Einwohner im Alter zwischen 20 und
10 Jahren aufzufordern, einen besonderen Po—
izeidienst zu versehen. — In Birkenhead haben
ich siebentausend Hafenarbeiter dem Streik an—
Jgeschlossen. Es kam zu einem Zusammenstoße
wischen den Ausständigen und der Polizei. —
In Grimsby streiken die Arbeiter auf den Koh—
enleichtern. Infolgedessen können keine Schlepp⸗
dampfer in See gehen. Wenn nicht eine schleuni—
ge Beilegung des Ausstandes erreicht wird,
hder Fischhandel im Hafen vollständig lahm—
gelegt.
Einsturz eines Neubaues.
Mülheim GRuhr), 14. Aug. Heute nach—⸗
mittag gegen 4 Uhr stürzte der dreistöckige Neu—
bau der Firma Bürstenfabrik Wilhelm Hoffmann
vollständig ein. Nur die Dachsparren blieben
verschont. Bis 4 Uhr wurden vier Arbeiter
ichwerverletzt unter den Trümmern hervorgezo—
jen. Feuerwehr, die Samaritermannschaften sind
mermuͤdlich tätig, den Schutt fortzuschaffen. Auch
Militär erschien mit mehreren Offizieren, um
äch an den Aufräumungs- und Rettungsarbei—
lsen zu beteiligen. Wieviele Arbeiter noch un—
er den Trümmern liegen, ist noch nicht fest—
gestellt.
Mülheim (Ruhr) 14. Aug. Im Laufe
der sich sehr schwierig gestaltenden Aufräum—
ingsarbeiten, die durch Mannschaften des 159.
Inf.-Regts. vorgenommen wurden, wurde noch
in fünfter Arbeiter aus den Trümmern hervor—
gezogen. Einer der Schwerverletzten dürfte mit
em Leben kaum davonkommen. Vier von den
Herletzten sind im katholischen, einer im evan—
elischen Krankenhause untergebracht. Ein Aus—
chuß weilte an der Unglücksstelle um den Tat—
or,, rfeal
1444
ene Personen die Aufforderung der Beamten,
hnen zu folgen, mit tätlichem Widerstande be—
intworten, und schließlich, wenn die Beamten
hren Posten auf andere Weise nicht behaupten
können. Ein Zusatz besagt ausdrücklich, daß die
Beamten möglichst schonend für Leib und Le—
zen der Angegriffenen von der Schußwaffe Ge—
»rauch machen sollen. Nach wie vor werde je—
der Fall eingehend daraufhin geprüft werden,
ob der Waffengebrauch berechtigt war oder nicht.
Daher werde sich ein Schutzmann ohne zwin—
genden Grund zum Abfeuern der Waffe nicht
sinreißen lassen. Die Bewaffnung der Nacht—
patrouillen mit der Dienstpistole — es handelt
iich um Browningpistolen, nicht um Revolver
— wird von nun an allerdings allgemein sein.
leber die wichtigsten Frage der Ausrüstung mit
Blendlaternen wird noch verhandelt, und zur—
zeit werden Proben mit verschiedenen Systemen
vorgenommen.
Allgemeiner Evangelisch-Protestantischer
Missionsverein.
Vom 20. bis 22. August findet, wie schon
zerichtet, in Hern das Jahresfest des Allg.
Fv.⸗Prot. Missisons-Vereins statt, des einzigen
deutschen Missionsvereins, der auf dem Grund—
Jedanken des religiösen Liberalismus aufbauend,
ein Werk unter den Kulturvölkern Japans und
Thinas treibt. Bei diesem Fest wird nicht, wie
geplant, der jetzt nach Marburg berufene Ber—
iner Prof. Simons seinen Vortrag über „Mis—
ion und Kultur“ halten, sondern der frühere
Missionar des Vereins, Herr Missionar D. theol
daas in Heidelberg wird sprechen über „Christ—
liche Klänge im japanischen Buddhismus“. Der
Protestantische Missionsverein wird von den Li—
hzeralen der Schweiz sehr eifrig unterstützt? Man
nöchte wünschen, daß die vielen Liberalen des
Deutschen Reiches ihm eine ebenso große Opfer—
willigkeit bezeugten.
Die Teilung des Bärenvpelzes.
Ueber die Verwendung der etwaigen Erträgnisse
einer bayerischen Staatslotterie ist bereits
ein kleiner Wettbewerb entstanden. Der Zen—
rumsabg. Jäger, genannt der Jäger aus der
Pfalz. will den Bauernbündlern der Kammer
den Bissen aus dem Munde ziehen durch seine
Forderung der Verwendung des Reinertrages
zur Tilgung der Bodenzinse. „Oho“ — sagt der
Staatspensionistenverband — „warum sollen die
Bodenzinse, die vielfach bei Güterkauf und Erb—
ceiluna schon einmal vom Preis abgezogen wor—⸗
»en sind, den jetzigen Besitzern, darunter grund⸗
eiche Leute wie z. B. der Rittergutsbesitzer und
Landtaasabg. Prieger. noch einmal geschenkt wer⸗
den! Wir älteren Staatspensionisten sind beim
neuen Beamtengesetz leer ausgegangen. Für uns
haben sich aber die Preise aller Lebensbedürf—
aisse ebenso erhöht wie für die Aufaebesserten.
Das Lotterieerträgnis muß also uns zugute
kommen!“ Wir fürchten, es werden weder die
Bodenzinsler noch die Pensionisten älterer Ord—
nung was bekommen. Der Finanzminister braucht
das Geld. um andere Löcher im Staatshaus—
jalt zu stopfen und wenn er auch in der Lot—
terlefrage überhaupt eine seltene Anpassungs—
fähigkelt gezeigt hat, so wird er doch, wie wir
hn kennen, in der Verwendungsfrage bei sei⸗
nen alten Ansichten bleiben, die er in der Sitzina
der Abgeordnetenkammer vom 6 März
1906 wie folat e*estlegte Solslte eg
hatten, Nunmehr läßt sich die Bewegu.
Zpareinlagen im vergangenen Halbiahr uͤd
Dden deutschen Sparkassen ist wieder ein
Strom neuer Kapitalien zugeflossen. Noa
Schätzungen der „Sparkasse“, des Verb
gans des deutschen Sparkassenverbandes,
300 Millionen Mark. Gegenüber den beide
jahren bedeutet das allerdings einen R—
denn im ersten Halbjahr 1910 hatte
vachs 323 und 1909 sogar 414 Millior
detragen. Das zweite Halbjahr pflegt
Singänge als das erste aufzuweisen.
hin wird man noch auf 150-200 M
Hark rechnen können. Dazu treten da
Jahresschluß noch die Zinsengutschriften,
diesmal über 450 Millionen Mark au
werden. Damit käme man auf eine
sichtliche Zunahme der Spareinlagen ve
bis 950 Millionen Mark. Im vergange,
re war vielleicht der Betrag von eine
iarde Mark erreicht worden, während daf
1909, das Rekordjahr, eine Zunahme vo
Millionen Mark gebracht hatte.
Bei den Sparkassen, welche ihre Geschä—
nisse monatlich an die Zeitschrift „Spartka,
senden — es sind dies etwa 225 Kasser
Milliarden Einlagen, vorzugsweise also
leren und großen Sparkassen — hat im
senen Halbjahr der Durchschsiittsbetrag eb
zahlung monatlich zwischen 131 Mark v
Mark geschwankt. Fast durchweg ist er
gewesen als im Vorjahre. Dagegen hat
Postenzahl der Einzahlungen gesteigert, un
kamen im vergangenen Halbjahr auf
Zparkassenbücher je 88 Einzahlungsposten
32 in der gleichen Zeit des Vorjahres.
Hälfte der Einzahlungsposten waren kler
träge bis höchstens 20 Mark. Vorherrso
also doch der Kleinverkehr.
Eine Revision der Rechtsverhältnifs⸗
preußischen Juden
strebt die preußische Regierung an. Bei
deutsamen Neuerung handelt es sich in
ichen um eine Revision des Gesetzes d
hetreffend die Rechtsverhältnisse der Ju
Synagogengemeinden. Es sind schon sei—
reren Jahren Bestrebungen im Gange,
rauf abzielen, eine korporative Vertretun
deutschen beziehungsweise der preußischen
auf gesetzlicher Grundlage zu schaffen, ein
jentatives, offizielles Organ, das die Jud
außen, zumal der Staatsregierung ge—
vertritt.
Frauenarbeit im Gemeindedient
Unter dieser Ueberschrift behandelt e
kel der „Frkft. Ztg.“ jene Gebiete des
nalen Lebens, denen sich die Frauen
bisher widmen könnten. Vorläufig ist
das Amt der Armenpflegerin, das die
erwählt haben. Bedauerlicherweise aber
die Frauen von ihrem Recht. auch *
schaften zu übernehmen, noch nicht
Umfang Gebrauch, wie es im Interesse
len armen Kinder nötig wäre. Auch
Gebieten der Trinker⸗ und Tuberkulose
der Schulgesundheitspflege, der Polize
Wohnungspflege müßte die Mitarbeit der
diel mehr herangezogen werden als bis
ne solche Betätigung der Frau im komm
itischen Leben muß auch demjenigen
hifch sein, der der Ansicht »t dak
r n g n