Full text : Dudweiler Zeitung

Vermuͤschtes.
Ein Heldenmädchen. Juliette Dodu, die helden
safte Telcaraphistin, die im Kriege von 1870 mit Le—
zensgefahr aus Pithivters ihren Landsleuten nach Or—
eans Rachrichten über die Bewegungen der deutschen
ruppen übermittelle, ist durch eine Erinnerungstasel an
hrem Hause in Bievres geehrt worden. „Seit dem Be—
zjinn des Krieges‘, eczählt Julieite Dodu selbst, „war
ein außergewöhnlicher Telegraphendienst in Pithlviers
Tag und Nacht eingerichtet, und der Generaldirektor der
Telegraphen hatte mich mit der militärischen Beobach—
lung betraut. Als am 21. September die ersten Ulaner
die Stadt besetzten, nahm sie ihren Morseapparat un—
er einen weiten Mantel und telegravhierte mitten un—
ter den Feinden, die das Telegraphenbureau zerstör
Jatten. Am 27. September nahm Prinz Albert, der
dommandant eines Armeekorps aus Bayern und To—
enhusaren (7) in der Stadt Quartier. „Ich wollt
Orleans davon in Renntnis seten, aber die weniger
Minuten. die ich dazu brauchte, waren mir gefährlich
der Eingang des Bureaus war von einem Retitererupf
'esetzt, und ich mußte mich mit meinen Apparaten durch
ine Brunnenleitung reiten, die ins Freie führte. Kaum
var ich in dem Brunnen verschwunden, da drangen
reußische Offiziere ein, zerschnitten alle Telegraphen—
»rähte nach der Serte des Bahnhofs, aber vergaßden die
uuf der Seite nach Orleans, so daß ich nach ihren
Weggange in der Nacht mit Orleans mich in Verbind
ing setzen konnte.“ Wahrend der Schlacht von Beaune
e⸗Rtolande war die Telegraphistin in dem Telegraphen⸗
ureau, von dem Vrinz Friedrich Karl aus die
Schlacht leitete. „Eine der Depeschen rief Aufregung
hervor, der Prinz gab sogleich Befehle und schickte meh—
ere tausend Preußen seiner Armee zur Hilse. Als id
»ie Kanonen zur Unterstützung des Feindes fortroller
ah, vergaß ich alle Klugheit und schrie: „Und dabei
du großer Gott, hat nicht ein Franzose den Gedanker
sehabt, die Telegraphendrähte zu zerschneiden!“ Der
Prinz hörte meine Worte und antworiete in sehr gu
em Französisch: „Nicht jeder hat, mein Fräulein, Ih—
en Wiut und Ihre Geistesgegenwart, zum Glück fuͤr
ins.“ ...,„Voll Trauer über die bestaͤndigen Nieder—
agen unserer Armee kam mir darauf der Gedanke, wie—
er meinen Morseapparat vorzunehmen und mich bei
Racht seiner zu bedienen. Ich stelite eine Abzweigung
von dem Draht, der bei meinem Fenster vorbeilief,
»urch zwei Leitungsdrähte her. Der Erfolg war voll—
ommen. Es war mir 17 Naächte hindurch moͤglich, ganze
»eutsche Depeschen oder Teile von Depescheu abzufan⸗
ten. Der Unierpräfekt ließ sie übersetzen. Eine von
hnen, die einen Angriffsplan enthielt, wurde durch Eil⸗
oten zur französischen Armee gesandi, die sich in Gien
»efand. Um diese Zeit verließ Prinz Friedrich Karl
zithiviers und ließ nur eine Division zurück, während
resein Hauptquartier in Orleans aufschlug. Am 5.
dannar 1871 kam es zu einem Streit zwischen meiner
Rutter und unserem Hausmädchen, das sich mit den
breußen eingelassen haͤtte. Im Verlaufe des Streites
ief diese: „Das ist noch lange nicht so schlimm, wie
lle Nächte ihre Depeschen stehlen, wie Sie es tun.“ Ein
Preuße, der dabei war, hörte das und schleppte mict
zum Platzkommandanten, der mich sofort erschießen las⸗
en wollte. Aber Prinz Friedrich Karl, der davon tele—
zraphisch benachrichtigt wurde, besahl nur meine Ver⸗
zaftung. Der Waffenstitlstand war dann die Ursache
»aß ich in Freiheit gesetzt wurde.
Der Wert der Jnserate ist sowohl bei den Zei⸗
tungslesern wie in der Geschäftswelt zeitweilig Gegen
stand des Zweifels. Nun hat der Berliner Zeitungs.
treik, der einige Zeitungen ausfallen ließ, die Probe
aufs Exempel gemacht aind die Notwendigkeit ständiger
Anzeigens in den Tagesblättern zur Erhaltung deẽ
Umsatzes unwiderleglich nachgewiesen. Eine Rundfrage,
die der „Zeiiungsverlag“ in großen Berliner Geschäfter
»orgenommen hatte, hat tatsächlich ergeben, daß durck
den Wegfall der großen Anzeigen in den Tageszeitun
gen eine wesentliche Besuchs- und Umsatzverringerung ir
den Geschäften hervorgerufen worden ist. Ueber die
Höhe des Ausfalles waren leider genaue Angaben nich
zu erhalten. Es genügt aber, daß der Ausfall an Ge
schäftsgewinn von allen befragten Firmen unumwun
den zugegeben wurde. Durch diesen bestimmten Fal
anläßlich des Berliner Zeitungsstreiks ist nicht nur die
Rützlichleit, sondern die unbedingte RNotwendigkeit des
Inserierens für den täglichen Warenverkehr wieder ein—
nal glatt bewiesen worden.
Junggesellen-Statistik. Im neuesten Hefte der
Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“ ver
ffentlicht Dr. Heinrich Haacke-Barmen eine vevölker
ings⸗ und sozialstatistische Betrachtung über die „Ehe
osen“. Der Versasser versteht daruter die ledigen
nännlichen und weiblichen Personen im Alter von mehr
ils 40 Jahren. Der gehaltvollen Untersuchung Haackes
ie sich auf das einschlägige Quellenmaterial der Lan
es⸗ und der Reichsstatistik stützt, entnehmen wir in
Lachstehenden die wichtigsten Angaben uͤber die Jung

7

chon an vielen segensreich erwiesen, sreute sie sich doch
jeute zum erslenmal ihres —u im Krankenhause.
4.
Du bist ja recht lange geblieben, Gerhard? Nah—
nen deine kleinen Besorgungen im Städtchen soviel Zeit
n Ansptuch?“ sragte Frau von Ellingen den eben Heim⸗—
gelehrten, während er an ihrer Seit Platz nahm.
„Es wäre schmeichelhaft zu denken, du vermißt mich,
Agathe,“ entgegnete er heiter, sich behaglich im Sessel
urücklehnend. Nun aber ist die Hitze groß und der Weg
veit, deshalb, nachdem ich mich der mir gewordenen Auf—
träge entledigt, ⸗begab ich mich in den Kurgarten zur kur—
zen Erholung. Erinnerst du dich des auffallend schönen
Menschenpaares, das neulich im Walde — Fräulein Tech—
mar war nicht dabei — deine Bewunderung erregte? Zu—
jällig hörte ich Näheres über dasselbe, es scheint alle
müßigen Zungen unter den Kurgästen zu beschäftigen. An
meinem Nebentische wurde eine äußerst lebhafte Unterhaltung
 über das betreffende Paar geführt. Der MRann — ein
Baron von Rubinski aus Osipreußen — soll ein Othello
ein an Eifersucht; die schöne Frau darf ohne Erlaub—
aus ihres Gatten keinen Schritt vor die Tür ihres Hau—
es setzen. Sie bewohnen hier die „Unter-Willa“, sind mit—
zin unsere Nachbarn. Die Dame — dies dürfte Sie be—
onders interessieren, Fräulein Techmar 8 ist eine gebo—
rene von Techmar. Ein merkwürdiger Zufall, nicht? Am
xade entdecken Sie in der Baronin Rubinski eine Ver—
vandte?“
„Unsinn,“ kam die Freifrau der verzögerten Antwort
der Gesellschafterin zuvor. „Du nanntest die Dame eine
jeborene von Techmar. Die adelige Herkunft schließt doch
eden Gedanken an eine Verwandischaft aus.“
„Schließzt jeden Gedanken aus,“ wiederholte, nur um
etwas zu sagen, Maria mechanisch, mit blutlosen Lippen.
Betrofsen von dem fremden Klang in der weichen
Stimme erhob Gerhard den Blick. Sah er auch nicht die
eichenhafte Blasse des lieblichen Gesichts, so gewahrte er
»och, wie die zitternden Finger die Nadel kaum zu hal—
en vermochten. Was ging in ihr vor? Hatte sie, die ihm
als die Wahrhaftigkett selbst erschienen, die Unwahrheit
gesagt? Bestanden vielleicht zwischen ihr und der Bakonin
stubinski verwandtschaftliche Beziehungen, die sie aus ir—
iend einem Grunde zu verbeimlichen wünschte? Ihre sichtjeselien.

 Im VPeunchen dteich waren unter 1000 oel
esamten Berölkerung an Junggesellen vorhanden: 12,
m Jahre 1871, 10,9 im Jahre 1880, 10,2 im Jahr«
890, 10,1 in den Jahren 1900 und 1907. die oft ge—
örte Behauptung, daß unsere Zeit im Zeichen wach
ender Ehelosigkeit stehe, trifft aifo für die Gesanitheit
es deutschen Volles keineswegs zu. Vielmehr hat der
rortfall der bis 1871 bestehenden Erschwerungen der
theschließung in dem Sinken der Junggesellenzahl ge
enüber 1871 sich bemerkbar gemacht. Auch läßt weder
ie Ehefrequenz eine ausgesprochen sinkende Tendenz er—
nnen, noch weist das durchschnittliche Heiralsalter der
Lanner eine Verschiebung nach oben auf. Es kamen
imlich im Deutschen Resch anf 1000 der mineren Be⸗
Akerung im Durchschnitt der Jaore 1881 1800 78
heichließzungen, im Vurch schnitt der Jahre 1891 - 1900
3,2 Eheschließungen, in den Jahren 1901 -1908 3wi
chen 8,2 und 7,9 Eheschließzungen. Das Durchschnitts.
ilter der eheschließenden Männer aber betrug in Preu—
zen im Durchschnitt der Jahre 1881 -85 20,5 Jahre,
m Durchschniti der Jahre 1901 -08 28,9 Jahre. Wel
rößer als die Verschicbungen, die sich zeitlich in den
zahlenverhältnissen der Junggesellen zeigen, sind die
erschiedenheilen der einzelnen Landesteile untereinan
»er. Im Jahre 1900 entfielen nämlich auf 1000 der
ßesamtbevölkerung in Preußen 9,6 Junggesellen, ir
zayern 14,0, in Sachsen 5,5, in Württemberg 10,9, ir
haden 12,6, in Hessen 9,8, in Mecklenburge-Schwerin
2.3, in Sachsen-Weimar 8,6, in Mecklenburg-Strelitz
3,5, in Oldenburg 11,6, in Braunschweig 7,6, in Mei—
ingen 7,3. in Altenburg 7,5, in Koburg-Gotha 6,3, in
nhalt 5,2, in Schwarzburg-Sondershausen 7,0, in
zchwarzburg-Rudolstadt 8,5, in Waldeck 8,8, in Reuf
. 8. 6,9, in Reuß j. L. 6,1, in Schaumburg⸗ Lippt
„5. in Lippe 9,0, in Lübeck 10,8, in Bremen 9,7, ir
damburg 13,1, in Elsaß-Lothringen 15,0. Eine rest
ose Ertlärung dieser verschiedenen Verhöltnifse erschein
daacke an der Hand des verfügbaren Materials nich
nöglich. Daß die wirtschaftlichen und beruflichen Ver
ältnisse nicht die ausschlaggebende Rolle spielen kön
en, lehre schon ein flüchtiger Blick, denn sowohl unen
»en Landern mit sehr starker, wie unter jenen mit sehr
ywacher Junggesellenquote fänden sich vorwiegend in
nistrielle und vorwiegend landwirtschaftliche Gebiete
doch weniger lasse sich ein Zusammenhang mit der kon
essionellen Zusammensetzung der Bevölkerung konstruie.
en. Wie schon von Mayr über die Ehelosigkei
n Bayern nach der Zählung von 1871 folgerte, dürfter
ztammessitten und Gewohnheiten für den Umfang der
rhelosigkeit auch heute noch eine größere Rolle spielen
Is berusliche und selbst soziale Verhältnisfe. Hinichtlichk
»er Sierblich“eit der Junggesellen weist auch Haacke nach
'aß sie ungönstiger ist, als die der gleichaltrigen Man—
ier, die in der Ehe stehen oder durch die Ehe geganger
ind. Vom Tausend des Bestandes starben innerha'b ei—
ies Jahres im Durchschniti der Jahre 190506 37,46
Junggesellen im Alter von mehr als 40 Jahren, ge—
jenüber 31,66 vecheirateten oder geschiedenen Maͤnneen
esselben Alters. Wirkt die infolge Fehlens des Fa—
nilienlebens ungeregeltere Lebensweise un ünstig au
ie Lebensdauer der Junggesellen ein, so will Haacke
iußerdem die Tatsache beruͤcksichtigt wissen, daß unte
»en Junggesellen ein geößeres Kontingent sozial min—
erwertiger Elemente ist, deren naturgemäße kürzerc
rebensdauer den Gesamidurchschnitt für die Junggesel—
en herabdrückt. Diese minderwertigen Elemente spielen
uch für die Frage der Erwerbstätigkeit der Junggesel
en eine erhebliche Rolle. Denn der Umstand, daß vo
en verwirweten, verheirateten und geschiedenen Män—
sern über 40 Jahre ein weit größerer Prozentsatz er
verbstätig ist, als von den Junggesellen, darf nicht zu
er Annahme führen: es seien umer den Junggesellen
esonders viel Rentner und Pensionäre, weil die Jung⸗
esellen sich früher vom Erwerbsleben zurückziehen könn—
en. Die wirtschaftlich minderwertigen Elemente unter
en Junggesellen nehmen einen unverhältnismäßig brei—
en Raum ein und rufen salsche Vorstellungen über die
rwerbstätigkeit der Junggesellen hervor. In ähnlicher
geise wird die Kriminalität der Junggesellen von den
ꝛdig gebliebenen Gewohnheitsverbrechetn belastet. Nur
tfolge dieser Belastung ist, wie Haacke hervorhebt, die
illgemeine Kriminalitäl der Junggesellen höher als die
er gleichaltrigen übrigen Maͤnner.
Löwenplage. Aus dem Norden des Schutzgebiets
eröffentlicht die „Deutsch⸗Südwestafrikanische Zeitung“
on Ende Juni folgende Schilderung über die Zustände
n Okaukwejo: Seit einigen Wochen beunruhigen die
Löwen wieder die Grenzfialion des Ambolandes Okauk⸗
deso und haben unter dem dortigen Viehbestande des
zerrn Leußen bedeutenden Schaden angerichtet. Am
Auarantänebrunnen, zwei Kilometer von der Station,
iß ein Löwe zuersi einen Ochsen und holte sich acht
kage später aus dem Viehkrgal drei Ziegen. Obgleich
der Vertreter der Firma mit seinem Ovbanbo ganz in
der Nähe auf Anstand war, gelang es ihm bei der
dunkelheit nicht, dem Löwen einen Schuß beizubringen.
Auch die Polizei und zwei ansässige Auwerber Conrad
ind Hölzer waren fast jede Nacht auf Anstand am Vley
ind bei den Viehkraalen. Es gelang den Löwen jedoch
munier wieder, unbehelligt zu entkommen. Am Freitag
aAbend saß Herr C. mit seinem Opambe im Bann

che Besturzunig mubte doch etne Ursache haben! 2
icherweise konnten auch besondere zwingende Verhältnisse
inen Zweig der Familie, welchem die Gesellschafterin sei—
er Schwester angehörte, bestimmt haben, sich des Adels—
rädikates zu entäußern — dies kam ja zuweilen vor. Im
u durchkreuzten derartige Vermutungen Gerhards Hirn.
Re letzte schien ihm die größte Wahrscheinlichkeit zu be—
tzen. Maria Techmar scheute peinliche Erörlerungen. Er
ielt sich verpflichtet, ihr zu Hilfe zu kommen, ihr Em—
finden zu schonen, und lenkte gewandt das Gespräch auf
inen anderen Gegenstand.
Maria mühte sich mit aller Kraft, ihre Fassung zu be⸗
aupten. Es durfte ja niemand ahnen, welchen Aufruhr
herrn von Burghausens Mitteiluna in ihrer Seele eni—
achte.
Helene in ihrer Nähe, in beinahe so greifbarer Nähe,
aß der Schall ihrer Stimme sie hätte erreichen könneu
ind doch zu wissen, daß sie himmelweit ven ihr geschie—
en. Wie ausgelöscht war die stille Lebensfreudigkeil, die
u ihrer eigenen Verwunderung während der letzten Tage
ber sie gelommen. Ohne nach ihrem Ursprung zu for—
chen, hatte sie willenlos den neuen beglückenden Em—
findungen sich hingegeben — nun entsloh der süße Frie—
nen, drohend stiegen die kaum beschworenen Schaͤtten ih—
cer Schuld wieder vor ihr empor.
Eine quälende Ruhelosigkeit bemächtigte sich Marias.
5o oft es, ohne aufzufallen, geschehen konnte, weilte sie
im liebsten in der vom wilden Wein überschatteten Laube
»uf einemm Bergvorsprunge, wo fensterartige Ausschnitte im
ichten Blättergerank eine köstliche Rundsicht auf das
‚lühende Land eröffneten. Der Freifrau war das schöne
plätzchen zu zugig, sie blieb ihm fern, wogegen Gerhard
uind Waria dort zumeist ihre Feierstunden am früher Mor—
en verbrachten.
Zu keiner Tageszeit bot S. ein entzückenderes Land—
chaftsbild, als wenn heller Morgensonnenglanz das an—
nutige Tal, in welchem das Städichen wie in einer grü⸗
ꝛen Muschel gebettet lag, übergoß. Es war für Burghau⸗
en und seine junge Gefährtin ein immer neuer Genuß,
ꝛon ihrem hohen Standpuntt gemeinsam hinabzublicken
ind dabei in sinniger Rede und Gegenrede einander ihre
Empfindungen zu offenbaren.
Blötzlich hegann Maria einem Alleinsein mit dem

anstano, wayrend Herr H. mit seinem XFungen darun—
er im Schafstall als Ablösung lagen. Gegen 11 Uhr
prangen plötzlich zwei Löwen auf den, den Schafstall
gebenden Dornkraal, um an die Schafe zu gelangen.
Zurch das beim Aufspringen der beiden in Stall be
indlichen Wenschen entstehende Geräusch wurden die
kiere sofort wieder verscheucht. Bwei Stunden später
erxissen die Löwen in einem hohen Dornkraal, der mit
zchubfeuern umgeben war, einen Ochsen. Sämtlichen
zallen ging der Löwe vorsichtig aus dem Wege, drang
edoch eines Abends in den Fangkraal ein, verzehrte
as dort als Köder angebundene“ Kalb uns entkam,
hne in die am Ein- und Ausgang aufgestellten Fallen
u treten. Sonntag nacht, als zufällig niemand auf
Anstand war, drangen die Löwen in den Schafstall ein
ind richteten unter den Schafen großen Schaden an.
ls der Schaswächter am solgenden Morgen seine He
ustreiben wollte, bemerkte er zu seinem Entsetzen, daß
on 79 Schafen 58 von den Löwen zerrissen waren.
die ützerlebenden 21 Schafe lagen zusammengedrängt
wischen den toten Tieren, denen die Gurgel durchge⸗
issen oder der Leib aufgerissen war. Die Löwen hat—
en sich unter Kraal und Wand hindurchgezwängt und
»aren so an ihre wehrlosen Opfer gelangt. Am Mon—
ag Abend geriet ein großer männlicher Löwe in die
om Polizeisergeanten Becker aufgestellte Falle. Das
usgewachsene prächtige Tier hatte eine schöne Möhne
nd maß von der Na'e bis zum Schwanzende 305 Zim.
ud weg zirtg 38 Beniuet.
Schi dfale haben nicht nur Vucher, sondern auch
Edelsteine und fast möchte man es als einen Vandalis⸗
nus bezeichnen, wenn nicht der gesunde Menschenverstand
aie Tat, die sich dieser Tage in Vondoner Fachkreisen voll—
ziehen wird, als geboten bezeichnen würde. Es soll
aämlich, wie im „Neuen Wienes Tageblatt“ zu lesen ist,
der Aee aller Diamanten, der „Premier“, das
Zchicksal teilen, das vor wenigen Jahren seinem durch
vröße und Schönheit berühmten Vorgänger, dem „Excel⸗
ior“⸗Diamanten, zuteil wurde. Der „Premier“ soll, eben—
o wie der „Excelsior“, zerirummert werden. In seiner
egenwärtigen Größe repräsfentiert er allerdings, laut
Taverniers Regel — sie hat freilich bei so großen Stei—
nen keinerlei praktische Bedeutung — den kolossalen Wert
bon 9 Meillionen Pfund Sterling, 216 Millionen Kronen!,
muß aber gleichzeitig als kolcs Kapital bezeichnet wer—
den, da heutzutage gewiß niemand, weder“ Privdatleute
noch Regierungen,“ so unvernünftig wären, einen solchen
Faufschilling für einen einzigen Edelstein zu bezahlen.
Der „Premsier“ wurde vor mehreren Jahren in der
Premier“Mine in Transvan'l gesunden und wicgi
etwas über 1 Pfd. 3 Unzen (eiwas uͤber ein halbes Ri⸗
ogramm), hat eine Länge, von 44 Zoll, einen Durch⸗
nesser von 24 und eine Breite bön 10 Zoll. Die Rei
e von Südafrika nach England legte er als einfache,
mit 250.000 Pfund Sierling versichette Wertsendung pei
bost zurück. Vorläufig ist der „Premier“ noch im Besin
einer ursprünglichen Eigentümer,“ die lange Zeit hindurch
inschlüssig waren, was sie mit diesem größten aller Dia—
nanten beginnen sollten. Der jeht von ihnen gefaßte
entschluß äber steht fest, und das mineralogische Kuͤrio⸗
um wird demnächst zertrümmert werden. Der „Excelsior“
xrgab seinerzeit zehn geschlifsene Steine von 14 bis zu
8 Harat; vom „Premier“ erwartet man mehr, und ?
„eißt, daß einzelne seiner Bruchteile als die groͤßten
m Handel stehenden Brillanten im Gesamtwerte von
00,000 Pfund Sterling (12 Millionen Kronen) auf den
Nartt kommen werden. Man sieht, durch die ,Parzellie—
rung“ verliert der „Premier“ eine ungeheure Summe von
seinem theoretischen Werte, um einen sehr beträchtlichen
oraktischen Wert zu erlangen.

Arus aluler Welt.
Tragisches Ereignis. Ein tragisches Ereignis
pielte sich in Berlin in der Wohnung der verwirweten
zustizrätin Rosa Möller ab. Frau Möller erkrankt
Alötzlich infolge eines Hitzschlages und auf dem Trans
hort zum Kraänkenhause erlitt sie auch einen Herzschlag
an dem sie verstarb. Ihre 13jährige Tochter Ruty ha
tich aus Verzweiflung über den Tod der Mutter durd
das Fenster neben der Bahre, auf dem die Tote lag
auf den Hof gestürzt. Sie wurde bis zur Unkenntlich
keit verstummelt.
Schwer verunglückt. Auf dem Stettiner Bahnho
in Berlin sprang das Dienstmädchen Vertha Stolzen
berg, als sich der Zug schon in Bewegung befand, au
das Trittbrett des Kupees, glitt dabei aus, und stürzt
wischen das Trittbrett und den Bord des Bahnsteigs
Obgleich der Zug sofort zum Stehen gebracht wurde
zatte die Verunglückte bereits so schwere Verletzunger
erlitten, daß sie nach wenigen Stunden starb.
Beim Baden ertrunken. Aus Thorn wird be
richtet: Nachdem erst am Freitag drei Personen in der
Weichsel beim Baden an der Sandbank ertrauken, sind
im Sonntag drei weitere Personen ertrunken. Die Po
izei hat nunmehr das Betreten der Sandbank verbo
en. — Im Laufe des Sonntags sind in der Elbe be
Develgoenne beim Baden 5 Personen ertrunken.
Grosßzseuner. Sonntag vormittag brannten vie
Zpeicher des Leipziger Zentralbahnhoses aus. Der Scha
en ist sehr groß. Der Brand ist durch Selbitentzünd
aug infolge der aroßen Hitze entstanden

»elehrten auszuweichen, besonders mied sie die Berglaube,
venn jener dort anwesend, aber verstohlen, oder wenn
ie Burghausen der Villa fern wußte, suchte sie ihr
veblingsplätzchen um so häufiger auf. Wie gleichgültig
atten bis vor kurzem ihre Augen die Unter-Villa ge⸗
reift! Kein lauterer Herzschlag ließ sie ahnen, wie
ahe ihr die dert ein- und ausgehenden Personen stan—
en, deren Gesichtsziige die weite Entfernung nicht erken—
en ließ — fremde Kurgäste, was kümmerten die Maria?
— Wie anders jetzt!
T Mit brennenden Bliden verfolgle sie jede Bewegung
der schlauken, weiblichen Gestalt, so lange sie derselben
msichtig werden konnte. Meist befand sie sich in Gefsell—
chaft ihres Gatten. Entweder schritten beide lustwandelnd
uuf und ab, oder sie ruhten in bequemen Schautelstüh—
en und schienen dann abwechselnd einander vorzulesen.
Zwei kleine Mädchen spielten in der Nähe auf einem klei—
nen Rasenplatze unter Aufsicht einer Kinderwärterin. Die
Eltern schienen sich wenig mit den lieblichen kleinen Mäd—
hen zu beschäftigen, nur wenn der Baron nicht zugegen,
ief die junge Mutter die holden Geschöpfchen zu fich und
iberschüttete sie mit Liebkosungen.
Maria fing an, die Gewohnheiten der unteren Villa—
nieter förmlich zu studieren. Bald kannte sie genau die
Stunde, wann Rubinsti des Morgens das Haus verließ
und wann er heimkehrte. Seine Gattin begleitete ihn
tets bis zur Gartentür, bis dahin ging sie ihm auch
bei seiner Rüdkehr entgegen, inzwischen verweilten sie fast
oie ganze Zeit auf einer von dichtem Gebüsch umgebenen
Bank, unsichtbir für alle, die außerhalb'des Gartens
vorübergingen, nur den spähenden Mädchenaugen in der
Berglaube blieb das verstedte Plätzchen tiet unten nicht
verborgen. 4
Eines Morgens erblickte Maria in der Laube Herrn
von Burghausens kleines Fernglas, das er vermutlich am
Abend zuvor hatte liegen lassen. Sie ergriff es hastig,
richtete es ihrem Verlangen entsprechend und führte es
nit bebender Hand au ihre Augen. Aber beinahe wäre
hr das Glas im selben Moment wieder entglitten, kaum
ermochte sie einen Ausschrei zurückzuhalten, als sie die
herrliche Frauengestalt, umhüllt von einem weißen Mor—
enkleide, greifbar dicht vor sich sitzen sah, jeder Zug des
hönen. slolzen Gesichts deutlich erkennbar, Maria wagte

„eppeline. Die Lvnstschiffvaugeseiishhaft,
st entschlossen, am Schluß dieses Sommers od
derbst einen Zeppelinkteuzer nach Potsdam zu
er dort einige Auistiege unternehmen wird. Die
schifffalle bei Potsdam, welche eine Doppelhall—
onnte noch nicht fertiggestellt werden, da Schwie
en im Terrain und in der Planierung eingetret
Savgrie. Das neue Linienschiff „Thüringen
uuf der Fahrt von Wilhelmshaven nach Danzig
Skagen an einem Kesselspeiserohr Havarie. Das
ief daher in Kiel an und ging in die Kai
werft. Die Reparatur wird nuͤr einige Tage
Abgebranntes Dorf. Das im russischen 6
nement Lublin gelegene Städtchen Konskawola
gebraunt. 300 Häuser sind eingeäschert worden
venschen sollen den Tod gefunden haben.
Explosion. In Belley (Dep. Ain) wurde
daus durch eine Erplosion zerstört, wobei zwei
ten getötet, und zwei lebeusgefährlich verleßten.
Die Untersuchung ergab, daß die Verunglückten
ulver eingeschmuggelt barten, welches, als sie
Art des strat iben Pulves ve paften wollten, erplo
Moörd. In Basel wurde der Gastwirt 7
dobel durch zwei Gäste mit Wesserstichen erm
Die beiden Verbrecher wurden in Hüningen verr
Rirjenfener. Das Dorf Jamen, Kreis Ka—
vurde durch eine vecheerende Feuecsbrunst fast vo
ig eingeäschert, auch viel Vieh ist verbrannt. Steh
lieben sind die beiden Schulen, ein Gasthaus un
Sebäude von zwei kleineren Besißern. Das Feue
auf das Spielen kleiner Kinder mit Schwefelhölzer
rückzusühren. Die Gebände sind teils nur mäßig,
Mobiliar fast durchweg garnicht versichert.
Von Richter. Ein ausgesandter Spion soll
Ingenieur Richter gesehen haben und derselbe häi,
wohl befunden. Es sei ihm auch bis jetzt kein Lei
gefügt worden. Um Richter zu befreien, werde jet
deutsche Regierung die energischsten Schritte in
unternehmen.
Politische Hitzköpfe. Zwischen Karlisten, die
dem Gefängnis zogen, um für ihre verhafteten Pa—
reunde zu demonsirieren und Republikanern kam
ßzarcelona zu einem blutigen Zusammenstoß,
—„chüsse fielen und eine ganze Anzahl Personen ve
vurden. Die Polizei sellte schließlich die Ordn
vieder her.

Arbeiterbewegung.
Aussperrung. Die Daimler sche Mo
renfabritk in Stuttgart hat wegen Diff—
en mit ihren Arbeitern den ganzen Belrieb stillge
ẽs lommen etwa 3000 Arbeiter in Frage. Den G
»er Aussperrung bildete die Forderung der Arb—
haft, zwei aus der Fräserei-Abteilung entlassene
eiter wieder einzustellen. Die Direktion weigerte
ieser Forderung der Arbeiler nachzukommen und
hloß die Aussperrung. — Auch in einigen andern
hinenfabrilen ist ein Lohnkampf ausgebrochen, bei
wa 500 Arbeiter in Betracht kommen. VTer Ober!
ermeister hat seine Vermittlung angeboten und
er beider Teile zu einer Besprechund eingelsad⸗
*

7 F
Ddin kleinod.
Ich trag' ein Kleinod in der Brust, F
Gar wunderbarer Art, 3
Das hat mich oft im Leben schon
Vor bösem Tun bewahrt.
Das Kleinod ist ein füßer Klang
Aus meiner Jugendzeit,
Wenn in der See die Sonne sank
Und 's still ward weit und breit.
Da trat die Mutter sacht zu mir—
Es war so ihre Art,
Und legte auf mein Lockenhaupt
Die Hände weich und zart.
Das Betzeitglöcklein drüben klang,
Der Ton war halb verweht,
Und flüsternd sprach der liebe Mund!
Nun, Kind, sprich dein Gebet.
Und ob ich auch den ganzen Tag
Getobt in Spiel und Scherz,
Wenn mich die Mutter beten hieß,
Zog Reue mir durchs Herz.
Seitdem beschützt mein Leben lang
Ihr Aug' mich treu und mild,
Und vor so manchem bösen Tqun
Bewahrte mich ihr Bild

— —
— — — — ——
—— — —
— — 7 — —— 2 — — —

taum zu atmen. Die Linle fest auf das heftig klopfen
Herz pressend, stand sie regungslos wie ein Steinbild, wa
rend ihre Augen wie festgewurzelt an der Schwester bir
gen. — — —
„Helene — Helene!“
Wie schön sie war und sicher auch glücklich, so gli
licht! Begrüßten und verabschiedeten sich dech die Gatte
so oft Rubinski kam oder ging, immer aufs zärtlich
vas über eifersüchtige Launen erzählt wurde, war gew
örichtes Geschwätz. In anmutiger Stellung, den Oberkt
per leicht zurückgelehnt, ruhte sie auf der Bank. Er
Buch lag aufgeschlagen auf ihrem Schoße, doch schien«
ihr zum Lesen an Lust zu fehlen, ihr Blick schweifte no
sedankenvoll ins Weite. Dabei lagerten sich tiefe Schatt.
um die dunklen Augen, ein schmerzlicher Zug grub ü
ief um den kleinen roten Mund.
Sie war augenscheinlich in tiefes Schweigen versu.
ken. Woran mochte sie denken? An ihren Mann? inn
Kinder? oder an die Vergangenheit? an das sorglos glüe
iche Leben im teuren Elternheim — bis — bis —. B
m Kampfe schnürte sich Marias Brust zusammen, her
juoll es empor in ihre Augen — sie mußte das Glas si
sen lassen; als sie es nach notdürftig erlangter Fassun
vieder erhob, war der Platz. auf welchem Helene gesessert
vieder leer.
Seit dieser Stunde rang die arme Maria mit eint
vachsenden Sehnsucht nach einem verzeihenden Wort au
ꝛem Munde Helenens. Was sie durch deren grausan
Härte gelitten, trat in den Hintergrund ihrer Seele. S
»ergaß die kalte, verletzende Art, in der Helene sich vo.
hr losgesagt, und erinnerte sich nur der Beweise innig⸗
Liebe, welche ihr vor der Schwester zuteil geworden.
Sie allein — Maria — hatte das stolze Schwesterher
— D
zung zu flehen, nicht schriftlich, Aug' in Auge wollte si
hr gegenüber treten. Helene konnte nicht hart bleibes
ie würde, mußte ihr verzeihen, dann mochten beider We
immerhin sich wieder trennen!

Fortsetzung folgt,
            
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