Die rückwirte de Kraft auf den 12. April 1907, dem
dag, an dem der Entwurf im Reichstage eingebracht wur—
e, sowie die Rückbeziehung auf den 1. Januar 1885 im
z11 wird urückgesiellt. Angenommen wird schon jetzt
zie Bestimmung, wonach auf, 40 Jahre zurückgegriffen
verden soll, wenn der Erwerb der Grundstücke auf Erb—
älle ꝛc. beruht, und der letzte steuerpflichtige Rechtsvorgang
icht in die Zwischenzeit fällt.
8 12, der bestimmt, daß die Gemeinden Erwerbs⸗
orgünge berücksichtigen können, die vor dem 1. Januar
888 liegen, ist von der Kommtfsion gestrichen worden.
diese Streichnng wird aufrechterhalten.
Nach 8 14 kann bei Parze lierungen der Verkäufer
ninerhalb zweier Jahre Verluste, die er bei einem Teil
erleidet, auf den Wertzuwachs anderer Teile anrechnen.
durch Hammelsprung wird mit 126 gegen 118 Stimmen
zuf Antrag Cuno (F. Vp.) die Frist auf drei Jahre aus⸗
ledehnt.
* 15 handeit von dem Abzug von Veräußerungsreise.
Hierzu liegen wieder eine Reihe von Abände ungsan⸗
rögen vor. In der Debatse lehnt Schatzsekretir Wer,
nuth die vorgebrachten Anirege ab. Schledlich wird 8
5 mit einem Zenttumsantrag angenommen, wonach bei
5 10, 123, Schuldenabrechnungen auch hier in Abzu⸗
jebracht werden können.
Die Paragraphen 16—19 b'eiben unverändert.
* 20 bringt die Steuers'ala.
Zur Verhandlung sieht hler auch der bei 8 11 zu ück⸗
estellte Absat 4, der die Zurückbezieh: ngbis zum Jahre
1885 vorsieht. Ein Antrag Weber (nl.) will diese Zurück
»eziehurng nur bis zum Jahre 1895 gelten lassen Abg.
Darzx (Ztr.) will elnmen Abzug von 2 Prozent für die
Zeit vom 1. Januar 1911.
Schatzselretzir Wermuth bemerkt, daß durch diesen
Antrag der finan,ielle Efen des Gesebes nun 50 Proszent
nermindert werde und er demselben aus diesem Grunbe
i nöglich zustimmen könne.
Die Abgg. Rösicke (Bdud. Lw.), Arendt (R.)
ind Na ab GW. Vg.) sprechen gegen den Antrag Marrx.
Abg. Südeku'm (Soz) stellt für die drite Lesung
— Antrag in Aussicht, der 1871 als Stichjahr vor
ägt.
Abg. Cuno (F Vp.): Die Rei Isfinanzreformmehr⸗
deit habe sich verpflichtet, die Wertzuwachssteuer zu ma—
hen, die 20 Millionen bringt. Daran halten wir fest.
Angenonimen wird der Antrag, der statt 1 Proz. 14
Prozent fesisetzt. Der Absatz 4 bei 8 11 bleibt unverän⸗
ert, ebenso der Rest des 820, ferner 8 21.
8 22 enthaͤl:t die Besreiung von der Steuerpflicht Da—⸗
iach bleiben sieuerfrei: das Reich, die Bundesstaaten; die
vemeinden und gewisse gemeinnützige Verein'gungen, die
ich mit innerer Kolonisation, Arbeiteransiedlungen, Woh
ungsfürsorge ꝛc befassen, und nicht mehr als 4 Wrozent
seingewinn verteisen.
Abg Korfanty (Pole) beantragt, die Steuerfrei⸗
jeit der Bundesstaaten zu streichen, und nur solche Ver—
—A ihre Tät'g'eit obhne Rück—
icht auf d'e Bestimmungen derer, denen sie zugqute kom—
nen sollen, ausüben.
Sierauf erfolgt Vertagung.
Morgenel Uhr Fortseßu“ng. — Schluß gegen 7 Uhr.
— —
VPreußischer Landtag.
Berlin, 19. Januar.
Im Aubgeort netenhaus ftand heute die freisinnige In—
erpellation betr. Uebergriffe von Landräten
auf der Tagesordnung, die von dem Abg. Lippmann
F. Bp.) in längeren Ausführu: gen begründet wurde.
Ju seiner Antwort erklärte der Min fier des Innern
on Dallwilttz, der Vorwurj, daß die Regierung bei
sesekung der höheren Verwalrung-fiellen gewisse Katego—
sien von Staats bürgern Vorrechte gewähre, sei absolut
mhaltbar. Bei Besetzung vaten er Stellen gelten lediglich
ie Gesichspun'te der Befahigenzg, der Tücht'gkeit und der
esonderen Eignung für die Stelle. Der Min ster ging
ann auf die einzelnen Fälle ein, die vom Vorrerñer er
rtert wurden und ertlärt zum Schluß, daß ihm irgend—
velche Tatsachen nicht be'annt geworden seicn, die es
vün chenswert oder notwendig eischeinen lassen, beson—
ere Maßnahmen zu treffen, um einseitigen parteipoliti⸗
hen Uebergriffen der Landraͤte entgegenzutreten
Dann wurde in die Besprech g der Inteorpellat' on
ngetreten
— —
Der Moabiter Aufruhr⸗Prozeß.
Im Moabiter Au ruhrprozeß kamen die Vorgänge im
—E Abgeordnetenhause zur Sprache. Rechtsanwalt
beine erklärte. die Verteidigung beabsichtige, sich bei
er Beweisaufnahme möglichste Beschränung aufzuerlegen
ind o nur an das zu halten, was hier im Saale fest⸗
e t wird. Aber die Vorgänge im Abgeordnetenhause
ranlassen uns, noch einige Beweisanträge zu stellen. —
Bräfident: Hert Vereidiger, für Sie existiert nur
as, was sich hier im Gerichtssaal abspielt. Wolen Si
erartige Erkrterungen vermeiden. — R.A. Heine: Hr.
zorsitzonder. die Verteidigung in in unaeseuericban Moöie-Der
Ritter der blauen Rose.
„Wie Sie wünschen, Robert, ich liebe das Heimlich—
hun auch nicht. Aber“, sie errötete und lächelte, „es ist
Jedenfalls besser, wenn wir erst nach dem Essen mit
On'el Jamie reden. Heute gibt es seine Lieblingsge⸗
richte, Hammelkeule mit jungen Erbsen, eine Stachel⸗
beertorte mit Schlagsehne, Käse und Früchte. Wenn er
dann seinen Likör und seinen Kasfee genommen hat, ist
er sicher in sener besten LCaune und wird er uns so anä—
dig als möglich anhören.“
Robert lächelte über ihren Mutwillen, allein das
Läweln war etwas çe⸗nngen. Sein Herz war noch zu
oou von Lisste und dem holden Traum seiner ersten,
süßen Liebe. Eines Tages vrelleicht würde die Erinner—
ung an dlesen Traum verblaßt, das heiße Verlangen nach
der Verlorenen überwunden sein, und er, mit diesem edlen
Weibe hier verbunden, ein ruhiges, bequemes, friedliches
Alltagsdasein leben. Jetzt abet hieß es noch kämpfen mit
dem Zauber, der ihn einst bezwungen und der noch jezt
jein ganzes Sein gefangen hielt.
Nach Tisch teilte Robert dem Doktor in kurzen Wor⸗
en mit, daß Isabe. und er in einigen Jahren zu heita⸗
den gedächten, wenn sein Einkommen neben dem ihrigen
bestehen koͤnne.
.. Dr. Jamie hob die Augenbrauen mit unverhülltem
Erstaunen. Jedoch war er zu klug, um viele Einwendun—
gen zu machen; auch wußte er, daß Isabel ihre eigenen
Wege zu gehen pflegte. Zudem hatten es die jungen
Leue gar nicht so eilig und sahen auf ihre Heirat wie
auf etwas, was noch in sehr weiter Ferne lag. Inner⸗
dich wunderte er sich dabei, wie ein Mann, der mit der
schẽmen „Rose von Ärdinlaw vermählt gewesen, sich in
Isabel verlieben konnte. Ein Blid jedoch auf Roberts
uhiges, gelassenes Gesicht überzeugte ihn von der Tat⸗
ache, daß er überhaupt nicht in Isabel verliebt sei.
Nun, ich hätte wirklich nicht gedacht, daß Ihr beide
zusammenpassen würdet“, meinte er schließlich. „Indes,
das man am wenigsten erwartet, triffi oft am häufig⸗
—RX *
„Ich bin sehr glücklich, lieber Onlel“, bemerkte ruhiq
tine Nichte.
Kobert erwiberte nur, hoffentlich werde es hm qge⸗
»erunglimpft und beschuld'gt worden. Es äällt mir nicht
in, mich min einem Herrn ven Zedlißs bier d's Nheren
u veschüf ißen, aber wenn wir als frivol begcihnet wer.
en . .. PBPräsident (unterbrechend: Herr Verteidiger,
ie Geschworenen sind dach gere'fe Männer, die m pratk—
schen Leben Ersahrung haben. Ich g'aube versichern zu
önnen, daß weder das Gericht, noch die Herren Geschwo—
enen sich durch Ereignisse außerhalb des“ Gerichtssaales
eeinslussen lassen. — R.A. Heine: Gleichwohl muß ich
egen die Versenmdung e'nes beschrin'ten Fanatifers pro—
estieren. — Vors.: Zch b'tte jetzt, derartge Ausdrücke
u unterlassen und zur Sache zu kommen. — R.⸗A.
deine: Wern de vernommenen Zeugen als unglaub—
vürdig hingeste st werden, dann muß ich beantragen, sie
ioch einmal zu laden und noch einmal zu vernehmen, und
e dabei auf ihre Glaubwürdigleit zu pruͤsen. — Das
jericht behält sich den Beschluß über den Antrag vor. —
wurde dann in der Vewesausnabme forigefahren. —
¶im Schluß der Sttzung wurde die Bewe sauinahme ge—
hosen, nachdem Staasanwalt und Verteidiger auf die
arnehmung woiterer Zeugen verzichtet batten
———&
Aus aller Welt
Ein Streit in der Stadtverwaltung. Zwischen
em Magistrat von Wilmersdorf und dem dorüägen Stadt
ecordnetenvorsteher Prosessor Dr. Le'dig ist ein Konflikt
usgebrochen, wie er in der lkommuna polmischen Geschichte
*o ⸗Berlins einzig dasteht. Der Magistrat hat gegen Dr.
Leidig bei der Staatsanwalt'schast Strafantrag wegen Be—
eidtgung des Magistrats gestellt. In der Mittwach Sitz
ing der Stadwerordne en-Versammkung kam es deshalb
u ener lebbaften Debatte. Prosessor Dr. Leidig über—
ieß schließlich den Voisitz der Verfammlung seinem Siell—
ertreter. Die Beleidigung bestard darin, daß Tr. Lei—
ig die Aeußerung getan haben soll, die Erltärung der
Magistratskommission in der Stadtverordnetenversammlung
ei wie ein Geschnatter von Gänsen gewesen.
Ein Aviatiker-Prozeß. Vor dem Berliner Kam—
nergericht wurde ein Prozeß zwischen der Flugtechnischen
Sesellschafskt und dem bekannten Bleriot-Pilolen Eugen
Vincziers verhandelt, der mit der Verurteilung des Avia—
ikers endeee. Darnach hat Winczieres allein für seine
rlüge während der Oktoberwoche in Johannisthal rund
95 000 Mark zu zahlen.
Ballon „Hildebrand“. Die Leiche des mit dem
Ballon „Hildebrand“ verunglückten Prokuristen Keidel ist
etzt ebenfalls geborgen worden. Die Bergung gestaltete
ich ziemlich schwieria. Die Leiche lag etwa 30 Meter füd—
ich von dem Fundorte des Ballons „Hildebrand“. Außer—
em fand man noch den Pelz des Rechtsanwalss Dr
tohre's, eine Karte und mehrere Apparate. Die Leiche
deidels wird eingesargt und nach Ofterode überführt.
Ein Schwindelbankier Auf der Euche nach einem
schwindelbankier besindet sich augenblicklich die Berline
riminalpolizei. Es handelt sich um den 24 Jahre alter
aufmann Erich Schulze, der seit einem Jahre in der
deuen Ansbacherstraße 8 in Berlin eine große Wohnung
interhielt. Die Wirtschaft führte ihm eine 28 Jahre alte,
rühere Buchhalterin, die er für seine Frau ausgab. Erich
zchulze lebte mit seiner Geliebten auf großem Fufe und
var ein stoandiger Gast in den Theater-⸗ und Konzertsälen
Er hatte in seinem „Bankgeschäft“ zwei Buchhalter und
ine Buchhalterin angestellt. Auf seinem Türschild prangte
ie Aufschrift: „Bantgeschäft Erich Schulze. Vertretung in
Zerlin und London.“ Vor einigen Monaten erklärte die?er
Bankier“, daß er in geschaftlichen Angelegenheiten nach
London reisen müsse. Er nahm sene Geliebse mit uns
at sich seit dieser Zeit nicht wieder sehen lassen
Bestialische Mutter. In Vraunfeld bei Hamburdo
ebte eine Frau ihr 2 Jahre alies Söhnchen auf den glü
enden Kochherd. sodaß das Kind entsetzliche Brandwun
n erlitt. Die Frau warf dam den vor Schrnerzen laut
sschreienden Knabden auf das Bett, schloß das Zimnier
ind fuhr nach Hamburg, um sich dort zu amüsieren. Auf
as aus der Wohnung deingende rchtbare Kindergeschrei
rorachen Nachtarn die Tür und fanden das verbranne
dind, außerdem aber noch drei weitere Kinder, die volig
usgehungert waren. Die Kinder wurden einem Asy
ibergeben und die entmenschte Mutter nach ihrer Rüdg
ehr verhastet.
Gesunken. Der Dampfer der Hamburg-Amerika⸗Lin'e
Patagonia“, der seit einigen Tagen auf der Werft von
zlohnt u. Voß in Reparatur liegt, hatte sich Dienstag
dacht auf Vackbordseite gelegt, sodaß durch offene Niet
cher und durch die Kohlenpforten Wasser eindrang. Ob—
yohl gleich mit den Nuspumparbeiten begonnen wurd
⏑——
ngen, zu Jsu. ⸗Gluc inmer mehr beizutragen. w
— ließ Dr. Jamie alten Portwein bringen
ind trank auf das Wohl des jungen Paares.
„Wir müssen Charles Mitteilung davon machen',
agte er, „Charles Mackenzie muß umbedingt davron
vissen, Isabel.“ . ” —
5. Bewißß, Onlel“, entgegnete sie kühl. Aber seine Ein
villigung brauchen wir nicht.“ *
Der darauffolgende Tag war der letzte, den Rober!
n dem gastlichen Hause verbrachte, wo aile so gütig
jegen ihn gewesen waren. Er trat nun in die Wel?
urück, um den Faden seiner Laufbahn da wieder aurfzu⸗
jehmen, wo er ihm zwölf Monate vorher aus der Hand
gerissen worden war. Wenn ihm der Erfolg blüht, wird
r einst etn wohlhabender Maͤnn sein, Gemälde ausstel—
en, die Pforten der königlichen Akademie werden stch
ielleicht ihm öffnen, er wird Gatte einer berühmten
xrau, und zwar einer der besten Frauen sein. Nur wird
resie niemals anders lieben können — so sagte er stch —
ls seine beste Freundin und Gefährtin. Dies haite er
hr ja auch ehrlich gestanden, ihr edles Herz sollte sich
einer Täuschung hingeben. Indessen wollteer stets so
rut gegen sie sein, als set er wirklich in sie verliebt. —
g * * ιιιιιιαναν ν—
* * d — 4
„Wie gefällt Ihnen dieses Modell, Robert? rief
Isabel, die mit einem Kindchen auf den Armen ins
Zimmer getreten wapr.
Das Kind war äußerst geschmackvoll in welßen Kasch⸗
mnir, mit Schwanenpelz verbrämt, gekleidet, und unted
dem zierlichen, weißen Spitzenhäubchen quollen weiche,
dunkle Löckchen hervor.
„Wie schön!“ rief Robert. „Dies ist doch sicherlich
ein kleiner Patient von Ihnen?“
„Nein, nein, es ist ein kerngesundes Vaby. Aber
eine Mutter war in meiner Pflege, das heißt, ich be—
uchte sie öfters in „The Maples“, wo der Kleine zuw
Velt kam. Die Aermste sucht jetzt nach Erwerb und ve—
chäftigung und hat ihr Baby so lange in meiner Ob—
ut gelassen.“
„Wie? Das Kind sieht aber doch aus, als sei es aus
feiner, wohlhabender Familie — so schön ist es und so
zübsch gekleidet!“ “
„So ist es auch, oder vielmehd. so war es. Mies
sank das Schiff immer tiefer und liegt gegenwärt'g in ei—
iem Winkel von annähernd 45 Grad. dDie Hebung des
Zchifses ist in Angriff genommen und wird zweitellos ge
ingen.
Verschwunden. Rechtsanwalt Ludwig Reinstädler
nn München der unlängit in einer phantastischen Erb—
chaftsaffäre wegen Betrugs zu 4 Monaten Gefüngnis ver—
irteilt wurde, sollte sich am Dienstag wegen Verrats von
harteiinteressen an die Gegenpartei vor der Münchene
Ztrasfkammer verantworten. Reinstädler erschien jedoch nich
zur Verhandlung. Es stellte sich heraus, daß er von Mün
hen verschwunden ist. Gegen der Flücht'gen war noch ein
weiteres Strasperfahren wegen Betrugs anhängig.
Schadenfeuer. Die Buntpapierfabrik von Gebrüder
Mäller Söhne in Neumünster 1nnte nieder. Der Scha
den wird auf Million Mark geschätzt.
Vier Kinder erstickt. Bei einem in Saalfeld a. S
im Schulplatz entstandenen Zimmerbrand erstickten in Ab
vesenheit der Eltern vier Kinder des Fabrikarheiters Sel
rich.
Grubeubrand. Auf der Grube Casimir bei Sos
towice entstand ein großer Grubenbrand, dessen Enisteh—
ingsursache unbekannt ist. Vier Bergleute fanden den Tot
zurch Ersticken, da sie sich aus dem Bereich der giftiger
hase nicht mehr retien konnten. Die gleiche Gefaht ve
tard für 400 Bergleute, die sich beim Ausbruch des Bran
»es in der Grube befanden. Es gelang ihnen jedoch, sich
echtzeitig in Sicherheit zu bringen.
Vortragsreise Jaures nach Südamerika. Jean
Faures ist von einem Impresario für eine Anzahl vor
Bortragen verpflichtet worden, die er im August und Sep—
ember d J. in Rio de Janeiro halten wird. Nach Cle
menceau Jaures. Die Tournees der polit shhen Primadon—
ien werden Mode Der „Figaro“ bemerkt zu der Nachricht
boshaft, er finde es begreiflich, daß Südamerika den gro⸗
zen Redner kennen lernen wolle. Es sei nur bedaueruich,
daß Jaures gerade während der Ferien des Parlamen?s
eine Reise unternehmen werde. Bliebe er in der Sitz⸗
ungsperiode zwei Monate auf Reisen, so würde die par—
amentarische Arbeit schneller gehen.
Saboiage. „Echo de Paris“ berichtet aus Toulon:
Sine Sabotage ist an Bord des Leichterschiffes Nr.n
estgestellt worden. Die Telegraphendrähte wurden abge—
schnitten, der Dynamo und sonstige elektrische Apparate
zertrüntmert und der Kessel durchbohrt. Es ist bisher nicht
gjelungen, die Urheber dieser verbrecherischen Taten aus
indig zu machen.
Vornehme Apachen. In der Nacht von Diens tag
uf Mittwoch verhaftete ein Polizeikommissar auf Anzeige
ines Schneiders in Dünkirchen zwei elegant gekleidete
deute, die den Schneider in der Straße überfallen, ge
vürgt und seiner Barschaft und der Uhr beraubt hatten
der Polizeikommissar und mehrere Polizisten machten sich
leich zur Verfolgung der Verbrecher auf und es gelanq
hnen schließlich, sie einzuholen und sestzunehmen. Wie fest
jestellt wurde, handelt es sich um zwei Apachen, die de
eften Gesellschaftskreisen eutstammen. Der Eine ist der
Zohn des bekannten Generals Sauret, des Generalstabs
hefs und Militär-Gonverneurs von Paris. Er war erfl
ürzlich in Rochefort zu 10 Monaten Gefängnis verurteill
vorden. Sein Komplize ist der Sohn des vensionierten
Najors Lachapelle.
Anarchistenprozesßz. In dem Axarchiftenprozeß ge⸗
jen 26 Personen, die beschuldigt waren, dem Kaiser von
Fapan und anderen Mitgliedern der kaiserlichen Familit
tach dem Leben getrachtet zu haben, wurden 24Ange
lagte zum Tode verurteilt, zwei zu acht bezw. elf Jah
en Gefängnis. — Während die Verhandlung im Anagt
hiftenprozeß geheim war, wohnten die Mitglieder des dip
omatischen Korps und angesehene Japaner der Urteils
erkündung bei Einer der Veruprteilten rief: Bansail,
vorauf alle Verurteilten aufsprangen. Ein anderer rief
doch lebe die Anarchie! Dann ließen alle sich ruhig ab
ühren. Man hält es für möalich, daß die Todesstrafe in
lebenslänali—— na umaewaoandel'
vird.
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*öoln, 19. Jan. (FJusammenstöße mit Wil d—
ȧieben.) In den lebten Tagen tam es mehrfach zu
Zusammenstößen zwischen Wilddieben und Förstern. In
inem Falle wurde in den Waldungen bei Heumar von
nehreren Wilddieben Schüsse auf einen Förster abgefeuert⸗
vorauf dieser sich zur Wehr setzte und einen Vilddiel
chwer verwundete, sodaß seine Uebersührung ins Hospita
iotwendig wurde. In einem anderen Falle wurde be
Altena ein berüchtigter Wilderer von Förstern erschossen
Auch in diesem Falle hatten vorher die Wilderer mehrer
Schüsse auf den Förster abgegeben.
KRoln, 19. Jan. Gerhafteter Verbreqer.
Im Schwurgerichtssaal wurde der lang gesuchte Verbro
her Wilhelm Schröder verhaftet, der ais Mitglied eine
Falschmünzerbande falsche Hundert- und Tausendmarkschein
meiner Reihe weste und süddeutscher Stadie abdetzer
eß. Er wurde von den Behörden verschiedener Städt
esucht und wurde als er hier als Zeuge aufirat, im Ge
ichtsgebäude verhaftet. In feinem Besitz wurden ein
Renge falscher Hundert- Und Taufendmarkscheine gesunden
*Dortmund, 19. Jan. (Zu m Bankkrach.) De
)üsseldorser Psychiater Dr. Voß hat den Geisteszustan
* verhafteton — —
dane ist Witwe, und ihre Geschichte klingt traurig genug.
Sie hat augenscheinlich keine Ahnung davon, was esg
seißt, sich einzuschränken, der Kleine ist immer in die
einsten Stoffe gekleidet. Nun steht sie so ziemlich mittel⸗
los da und ist darauf angewiesen, sich und das Kind
mit ihrer Hände Arbeit durchzubringen.“
„Die Arme“, sagte Robert, „Mir tut jeder leid, der
ich in solcher Lage befindet. — Da klingelt man nach
Ihnen, wollen sie mir den Kleinen solange anvertrauen?
Ich möchte ihn noch etwas länger mit den Augen des
Aünstlers betrachten!“
„Ob Sie aber auch verstehen, mit einem Kinde um⸗
zugehen?“ meinte Isabel zweifelnd.
Robert nahm statt aller Antwort die kleine Last von
velßen Kaschmir und Seide in seine Arme und zeigte
abei so viel natür iches Geschick, daß Isabel beruhigt das
zimmer verlassen konnte.
Der Kleine schien ein glückliches Temperament zu be—
itzen, er schaute mit seinen wet geöffneten Blauaugen in
Langdons Antlitz, während seine runden Händchen ver⸗
znügt auf dessen Rock herumpatschten. Augenscheinlich
fühlte er sich ganz behaglich in Langdons Armen.
„Du bist ein munterer kleiner Bursche“, meinte Ro—
hert. „Eines Tages wirst Du wohl ein kräftiger Junge
verden, der seine Kameraden im Eton⸗Kollege weidlich
hurchprügeln wird. Wie aber sollst Du nach Eton kom—
nen, wenn Du der Sohn einer armen Witwe bist? Und
dabei siehst Du aus, als wärst Du für den Purpur he—⸗
timmt!“
Noberts ganzes Herz fuühlte sich merkwürdig zu dem
Kinde hingezogen. Wenn Lisste am SLeben geblieben
vöre, dachte er, so hätte er nun auch wohl ein solches
letnes Büblein in seinen Armen wiegen können. So un⸗
zefäͤhr wie dieser Kleine, höchstens vielleicht noch schöner,
nochte wohl auch Lissies Sohn ausgesehen haben: blau⸗
tugeg und zart von Hautfarbe.
Roberts Herz war voll Mitleid für die junge Mutter,
bdie arme Witwe, dis allein und schutzlos die« Wuülle der
Weltstadt durchwanderte, um für das geliebte Kind den
debensunterhalt zu verdienen.
Plötzlich kam ihm eine Idee. Er legte den Kleinen
orgfältig in eine Ecke des Sofas, stützte ihn mit Kisser
ind entwarf dann in der EFile oine Sesaze non hemfoskee
untersucht. Er kam zu dem Urteil, daß bei —
Minderwertig'eit in so hohem Maße vorhande
zurch sie seine Strasbarleit ausgeschlossen werr
dem leze der körperliche Zuständ Ohms die de
ürchtung nahe. duß er bei Fortsesung der Un—
jaft geisteskran? werde. In dem Gautachten w
hingewleejen daß eint Schwester Ohms seiteJ
ren als unheilbar geisteskrank im Irren;zausfe ir
*Andernach, 19. Jan. (SZum Mord)2
ten Sonnteg ermordete geisteskrane Sohn des
Rein war von Berus Gärtner. Der Tat dringe
'g ist ein ungefähr 30)ähriger Maschinenschlosi
etzt auf einem Fracht'ichiff gewesen sein soll
n der Nähe des Getöteten gesehen worden ist
zat er die Richmug nach Koblenz genommen
iach ihm gesfahndet wird.
* Offen bach, 1v. Fan. (8L09i3s5ch w
kin Logisschwindler, der sich angeblich Schi
Lhemniss nennt, treibt hier und in der Umge
Anwesen. So logierte er sich vor einigen Tag
HNoltkestraße ein, war aber bald mit einer Ne
zungsstücle und anderen Gegenständen verschwu
zchwindler, der seine Gaunereien auch an ande
»ersuchen dürfte. hatte ein iseines Auftreten v
ächsischen Dialekt.
*Nürnberg. 19. Jan. (Die Rektor
uls Totschlägerind) Unter großem An
Publikums, das sich aus den ersten Kreisen
usammensetzte, begann vor dem hiesigen Sckt
die Verhandlung in dem Aufsehen erregenden
prozeß gegen die Rektorswiswe Frau Prof. 2
ich, die im April d. J. ihren Mann, den
giesigen höheren Medchenschule, Prof. Dr. Hert
sünf Revolverschüsse getötet hat. Die schreckliche
seinerzeit weit über Bayerns Grenzen hinaus d
erschüttert, da man sich das Vorgehen der Fr
nicht zu erllären vermochte. Auch bis zum heu
ind die Ursachen des grausigen Dramas noch
Dunle! gehüllt, da die zuerst aufgetauchte Anr
8 sich dabei um ein Familienzerwürfnis hant
zutraf. Frau Herberich, die nach einer faft sie
gen Untersuchungshaft vor den chworenen st
WGiährige Frau, während ihr Ehemann acht Je
var. Sie war in erster Ehe mit dem Landtic.
teten Dillinger verheiratet und schloß den Bun
essor Herberich aus reiner Zuneigung. Im
khe sollen sich dann abe mancherlei Differenz
gebildet haben
Neueste Relduangen.
Berlin 19. Jan. Der Kaiser empiingç
nitiag das Präsidium des preudischen Herrenhe
reten durch den zwelten Vizeprüsisßenten, Wirtl.
dRtat Dr. Frhr. von Landsberg-Steinfurt unde
diunt des Abgeordnetenhau'es.
* Köln, 20. Jan. Ter Verein zur Wahrur
meinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rhe
Westfalen und die nordwestliche Gruppe des Ver
cher Eisen- und Stahlindustriellen beruft auf d
ruar eine Versammlung nach Düslsseldorf ein
ung über das Pensionsgeses der we
imten.
Darmstadt, 20. Jan. Für die Reichstage
n Gießen-Nidda, die durch das Ableben des W
e r⸗Langsdorf erforderlich geworden ist, sind er
jandsungen zwischen den Nationalliberalen und
sinnigen im Gange. Man will, wenn es geli
beiden Parteien genehmen Kandidaten zu finden
der Ersatzwahl einen Erfolg erringt, unter Umst
die Kand datur Gisevins verzichten, den die ne
tale Partei für die Hauptwahlen im Herbst auft
Unter den Kandidaten, die für die nationallib
innige Wahlvereinigung in Betracht kämen, we
Zrünwald, Klingspor und Prof. HÖr. Biermer
Doch handelt es sich hier nur um Kombinatione
Konstautinopel, 20. Jan. Die Regierung
Stärtkung ihrer Position im Senate in den näch
urch die Krone zehn neue Senatoren
nen lassen. Hierunter befinden sich der jetzige!
der Generalissimus Mahmud Schefset, der
Scheik Ul Islam, welcher die Fetwa über die
ung Ahdul Hamids erließ, ferner je ein Otton
chischer und armenischer Notionalifat. ĩnwie
robhhin
44
Lokales und Vermischtes.
Von der Eisenbahn. Die erste Wagen?
vom 1. Mai an weiter verringert. So soll sie
veise aus den meisten Personenzügen der rechts
cheinischen Strecken verschwinden, und 4zwar
des Sommerfahrplans.
Uebungen des Beurlaubtenstandes im 30
m Bereiche des 8. Armeekorps. Auch
Jahre werden im Bereiche des 8. Armeekorps zw
Infanterie-Regimenter auf dem Truppenü
Elsenborn formiert. Das erste Reserve⸗9Rtegie
noch vor den Osterfeiertagen und zwar vom 28
21 April, das 2weite Resorne-Mogiment dageder
Sein Pincel, von Meisterhand geführt, vollend
Bild in krbensvoller Treue. So sand ihn Is.
sie nach kurzer Zeit wieder in das Zimmer tral
„Ausgezetchnet!“ rief ze lachend, „ein Künft
doch jede Gelegenheit zu benützen! Nun, Gott
haben sie dem Kinde kein Glied gebrochen und
sonst kein Leid zugefügt.“
„Sie glauben wohl, ein Mann könne kein B*
fassen, ohne es zu zerdrücken? Doch hören Sie!
mir fagten, ist die Mutter des Kleinen eine arm
Wirwe von vornehmer Herkunft. Ich habe ohn
Erlaubnis den Kleinen als Modell benützt, und
nöchte ich Sie bitten, ihr diese Kleinigkeit zun
—VD—
ch wünschte, ich könnte ihr mehr geben.“
—A
Boldstücke und legte sie auf den Tisch. Damit
zem Kleinen Kleider kaufen, wenn er aus diesen
wus gewachsen ist.“
„Aber“, rief Isabel, „Sie brauchen das Ge
selbsts“ Und doch fühlte fie, daß sie ihn ob seir
muc nur noch lieber hatte.
„Ich werde jetzt beld wieder Verdienst habe
ledenfalls vermag ein Mann gegen die Widceiaken
ses Lebens leichter zu tampsfen, ats eine zarte,
Frau, die noch dazu ein Kind zu ernähren hat
„Ja, zart und vornehm ist Mrs. Lane. Si—
mir eine jener Frauen zu sein, die alle ritterlid
fühle der Männer notwendig wachrufen müssen.
jedenfalls legen diese Goldstücke von Ihrem agold
zen Zeugnis ab —A
Funf Minuten später war Robert weggegang
jet hatte er aber Isabel noch versprechen müss
Sonntag zum Diner zu kommen. Sowohl ärztlie
eresse als auch das Herz der um den Geliebten
Frau hatten Isabel zu der Bitte veranlaßt, e
eden Sonntag mit ihnen speisen. d e *
r lange Krankheit angegriffen un
I Iene Kost, wie sie
samer Junggeselle, und zumal ein unbemittelter
äch beschaffen kann, so sagte sich Isabel. Und s
ie ihn wenigstens am Sonntag nach Herzenslust
t20 fiittern mas ihrö— Qtosa treffsiche Qud.