Full text : Dudweiler Zeitung

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Umtliches Publikationsorgan für den Mit zwer Beilagen:
20 2 2 2 5 2 v*
Bürgermeisterei-Bezirk Dudweiler. Sonntagsblatt und Heitere Blätter.
Fernspr.⸗AnfvnmZaarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Druck u. Verlag: J. Unterkeller, Dudweiler Verantwortlich für die Schriftleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenieil Karl Unterkeller
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seder Abonnent ist mit 500 M. gegen Tod durch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversichervr aunt aneaaAean guch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Stundea nach dem Unfall in ärztiche
zehandlung begeben Todesfälle sofort spatestens aber innerhalb Sunden nab dem Eintritt zur Anmeldung gebracht werden. Uber die Voraussetzung der Versicherung geben die Versicherungsbedinguno⸗n n J Amer od von der N'enberger Lebensvensicherungsbank zu bezieh⸗sind.
Nr. 180. Samstag, den 29. Juli 1911. 24. Jahrgang
— ——— — — — —— — * — ABVETMWRC

Politische Rundschau⸗
Deutsches Reich
*An Stelle des von seinem Posten zurückgetre“enen
sischen Gesandten in Darmstadt, Baron v. Knor«
nig ist soeben der erste Botschastssekretär der russi
en Botschaft in Berlin van der Vlit, zum rus⸗
chen Gesandten in Darmstadt ernannt worden. Dies⸗
nennung hat bereits die Zustimmung des Großher
gs8 gesfunden und wird bald publiziert werden.
*Zu den vom Reichstag in einem letzten Tagungs
ichnitt zu beratenden Vorlagen wird auch der Ge
szentwurf über die Handelsbeziehungen z1
naglaunud gehören. Das Gesetz vom Dezember 1909
18 unsere Handelsbeziehungen zu Großbritannien re
lt, erreicht mit dem 31. Dezener d. J. die Grenze
mer Wirlksamkeit, es muß daher noch vor Ablauf des
ahres eine Neuregelung erfolgen, die aller Wahr—
heinlichkeit nicht darin bestehen wird, daß der Bundes
at wiederum aus zwei Jahre ermächtigt wird, den An—
ehörigen und Erzeugnissen von Großbritannien und
erjenigen seiner Kolonien die Vorteile einzuräumen,
ie seitens des deutschen Reiches den Erzeugnissen der
teist begüterten Länder gewährt werden. Unser Wa—
maustausch mit England hat im letzten Jahre einen
eiteren Aufschwung zu verzeichnen. Die Einfuhr von
ort stieg von 723 Millionen im Jahre 1909 auf 766
illionen im letzten Jahre. Unsere Aussuhr erfuhr eine
teigerung von fast 100 Millionen Mark. Sie erreichte
Nletzten Jahre 1,1 Milliarden Mark.
Frankreich.
Das „Journal“ bringt folgende aufsehenerregende
teldung: Voͤgleich die auswärtige Lage zu keinerlei
seunruhigung Veranlassung gibt, hat die Regierung
och umfangreiche Maßregeln von der Art getroffen, wie
esie in schwierigen Augenblicken immer trifft. So
iben die Kavallerie-Regimenter, die als Deckung der
rmee dienen, Befehl erhalten, bereit zu sein, beim
sten Signal ins Feld zu rücken. Die Forts an der
stgrenze sind mit neuem Material versehen worden,
48 nachts in diskreter Weise dorthin geschafft worden
1. Die Truppenteile der Provinzkorps, die während
er Winzerunruhen nach der Champagne entsandt wor—⸗
on waren, sind eiligst in ihre Garnisonen zurückgekehrt
und drei WMäilitärzüge haben den Pariser Ost-5
 — in der Nacht von Mittwoch zum Donnerslag
erlassen.

Vom Baͤlkan.
»Die „Jeni Gazette“ erfährt, daß bezüglich des Ver—
ingens der Malissoren nach einer Garanftie
er Großmaächte der Ausweg gefunden sei, daß
ber die einzelnen Punkte der Bedingungen der Unler
erfung zwischen dem türkifschen Gesandten
Cetinje und den Malissorenchefs ein schrift
hYes Uebereinkommen ausgefertigt werde, das den
alischen Gesandten ju Cetinje übergeben werden soll
Portugal.
eDie konstituierende Versammlungç
Ate den Paragraphen des Gesetzenlwurfes ab, der
esagt, die Republit werde für eine Er ziehung
er Frau Sorge tragen, die es ihr gestatte, ihre
Mischen und persönlichen Rechte und Pflichten auszu
en

Zur Marokkofrage.
in engischen Unterhaus hat. Premier
ner As quith am Donnerstag bei dichtbesetzten
uuje Gelegenheit genommen, über die Marotftoet
itil eine kurze Erklärung abgegeben. Nach ein
itenden Worten sagte Asquith: Augenscheinlich ist di
aroklanische Frage auf einem Punkie angelangt, we
ein wachsendem Maße Schwierigkeiten, Beunruhigunc
ad Besorgnis hervorrufen wird, wenn nicht eine Löf
ng gefunden wird. Im gegenwärtigen Augenblick zr
enau auf die Ursachen und Vorgänge einzugehen
nöchte in mehr als einem Kreise Beanstandung und
Liderspruch herausfordern, was unter allen Umständer
ermieden werden sollte (Beifall.) Ich beabsichtige
aber. einjach dem Saufe darzusegen. was heute tat
E—

Ausgestoßen.
Koman von A. Marb y.
Nachdruck verboten

Braulein Techmar: Sie — Sie sind esre
ADen Ton seiner Stimme durchwehte ein so kalier,
ast verächtlicher Klang, daß der schmerzlich betroffenen
Naria der mühsam hervorgestammelte Dant auf den Lip⸗
ꝛen erstarb. Was ging in ihrem Retter vor? Er würde
och nicht glauben, daß sie? — Großer Gott, ihre
inwesendeit an diesem entlegenen Ort zu so ungewöhn⸗
cher Stunde mußte ja ein zweideutiges Licht auf fie
erfen. Die Röte der Scham überflog ihr bleiches Ge—
ht, Schmerz, Empörung über die schwere Beleidigung
res jungfräulichen Stolzes halfen ihr die Anwandiu
n von Schwäche besiegen, sich aufraffend sagte sie mit
set, bebender Stimme:
„Sie erscheinen mir als ein Gottgesandter, wie kann
Ihnen jemals danken, Herr von Vurghaufen?“ —A
Schüchtern stredte die zitternde kleine Mädchenhand
ihm entgegen. J—[7T —00
Herr von Burghaissen ergriff die kleine Hand zögernd
nd entgegnete ernst, mit besonderer Betonung:
Durch Aufrichtigkeit. Doch, ich sehe, Sie können sich
ium aufrecht erhalten — erlauben Sie —; er geleiete
ie willenlos seiner Führung sich Ueberlassende zut näch—
en Bantk, drüdte sie sanst darauf nieder und fuͤhr fort
ach einer kleinen Paufe: —ανÜ—
.Meine Bitte mag Sie befremden, Fräulein Techmar,
ber zugleich werden Eie begreisen — kurz und gut —“
nterbrach er sich in gepreßtem Tone, sein Blid bohrte
ch durchdringend in das hell vom Nonde beschienene Ge⸗
ᷣt — „ell ich nicht der Befürchtung Raum geben, daß
h zu voreilig dem Hilferufe folgte und zu früh ein gern
ewilligtes Stelldichein störte, so —
„Herr von Burghausen — ein schmerzlicher Vorwurf
ig in Marias tränenverschleierten Augen, sprach aus dem
oↄne ihret Stimme — „ühlen Sie nicht das Schmachvolle
hres Verdachts? Freilich, Sie sind ja in Ihrem Recht
der Schein spricht gegen mich — aber ich will nicht,
Ste schlecht von mir venten?⸗ Iααιια
rit fliegendem Atem erzählte Maria die Ursache ihrer
Wanderung durch den einamnen Pa

3

achlich oie Xage ijt. BZwijchen runtreich uno Veutsch
and sind Besprechungen im Gange. Wir nehmen tel
sen Teil an diesen Besprechungen Der Verhandlungs⸗
jegenstand mag die englischen Interessen nich
erühren. Solange wir nicht das Endresuliat kennen
önnen wir über diesen Puntt keine abschließende Mei—
ung ausdrücken. Aber es ist unser Wunsch, daß dieste
interredungen zu einer für beide Parteien ehrenvollen
ind befriedigenden Vereinbarung fuͤhren möchten, vor
er die britische Regierung aufrichtig sagen kann, daf
e die britischen Interessen in keiner Weise präjudiziere.
Zir glauben. daß dies vollständig möglich ist und wir
egen den ernsten und ehrlichen Wunsch, daß dies er
eicht werden möge.
Die Marolkofrage selbst starrt von Schwierigkeiten.
ber außerhalb Marotkos, und in anderen Teilen von
Vestafrika denken wir nicht daran, eine Einmischung ir
erritoriale Abmachungen zu versuchen, die von näher
interessierten für zweckmäßig erachtet werden. Die Be
auptung, daß wir uns in dieser Weise eingemischt und
ie Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutsch
and präjudiziert hätten, ist satfächlich eine böswillige
ẽErfindung ohne eine Spur von Begründung. Wir ha—
en es von Anfang an für richtig gehalten, klarzule
en, daß, wenn eine Vereinbarung der erwähnten Ar
icht zustande käme, wir akliven Anteil an der Erörte⸗
ung der Lage nehmen müßten. Das wäre unser Recht
18 Signaturmacht des Algeciras-Vertcags und könnle
nsere Verpflichtung sein. Die Erklärung, die vor mehr
is drei Wochen hier abgegeben wurde, und die kürz—
che Rede des Schatzkanzlers haben es, wie ich hoffe
nd glaube, vollständig klargestellt, daß wir keine be—
errschende oder überragende Stellung beanspruchen,
ondern nur die Stellung einer Partei, die an jeder
nöglichen Entwicklung und auch daran interessiert ist,
aß die Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten ge—
inden wird. Ich wiederhole, daß wir einen erfolg⸗
eichen Ausgang de— jetzt staitfindenden Besprechungen
tnstlich wünschen, und möchte im allgemeinen Juteresse
men energischen Appell an das Haus richten, bei dem
egenwärtigen Anlaß nicht auf weitere Einzelheiten ein—
ugehen oder grundsätzliche Kontroverse zu eröffnen.
Lauter allgemeiner Beifall. F

Preßzstimmen auswärtiger Blätter.
HOer „Berliner Lokal-Anzeiger“ melden
us London: In parlamentarischen Kreisen wird die
rklärung des Premierminister Asquith da—
sin gedeutet, daß England seinen ganzen Einfluß auf—
uwenden gedenke, um eine Schadloshaltung Deutsch
inds innerhalb Marokkos zu verhindern. Im übrigen
at die Erklärung trotz der darauffolgenden Fanfaäre
es Oppositiensführers beruhigend und abkühlend ge—
»irkt. Selbst die intrigue Jingopresse beginnt ihre
eraussordernde und überhebende Tonart bedeutend zu
täßigen.

Die Rede des englischen Premierministers wird sei—
ens der Wiener Presse recht, günstig beurteilt. So
hreibt z. B. die „Reich 8post“: Die Erklärung des
derrn Asquithist geeignet, die öffentliche Meinung
Deutschland, die durch den Kampf um die Rede
loyd Georges und die Demonstrationsansammlung
es Atlautischen Geschwaders gereizt war, zu beruhigen.
»offentlich wird sie auch auf den Gang der deutsch
tanz ösischen Besprechungen beruhigend einwirken.
Die Pariser Morgenblätter besprechen die Rede
es englischen Premierministers durchweg günstig und
eurteilen die dadurch geschaffene Lage optimistischer.

A
Berlin, 28. Juli. LRandungen deutschen
Aruppenin Agadir sind wiederholt von der
usländischen Presse gemeldet worden. Diesen unzu
reffenden Gerüchten tritt jetzt die „Nordd. Allg. Zug.“
neiner halbamtlichen Notiz entgegen und siellt fest,
aß lediglich eine Reihe von Tagen hindurch ingesamt
O Offiziere und Mannschaften unbewaffnet zum Spa—
ierengehen an Land geschickt sind.

Auiu von dem jriedlichen Ende Weutter Ursels, ser ihr
er Gedanke an eine sie bedrohende Gesahr im geschülzten
zchloßpart vollständig fern geblieben. Als aber der Ehr—
ose — Maria nannte keinen Namen — vor ihr auftauchte,
emächtigte sich ihrer eine unbeschreibliche Angst — wie
r ihr den Weg vertrat, sie dann mit Gewalt an sich
iß, da — da — J
Zorn und Scham raubten ihr den Atem; verssummend
chlug sie beide Hände über das Gesicht.
Burghausen hatte mit keinem Laut Marias Bericht
inkerbrochen. Sein Gesicht ruhte wie gebannt auf dem
ieblichen Antlitz, auf welchem die Farbe kam und ging.
illmählich fiel es wie Berglast von seiner Seele — und
elch ein ganz anderer Ausdrud lag nun in seinen Au—
en, als er, da Maria schwieg, in ebonfalls verändertem
eichen Tone sagte: ν
„Dank dem guten Geiste, der mich noch einmal ins
rreie führte. Sie befanden sich tatsächlich in großer Ge—
ahr, Fräulein Techmar. Ich schaudere bei dem Gedanken
n Ihr Geschick, wenn ich zu spät gekeminen wäre! Las⸗
en Sie mich noch einmal bekennen: ich schäme mich niei—
es unwürdigen Verdachtes gegen Ihre lautere Seele. —
zind Sie mit diesem Geständnis zufrieden, mein Fräu—
ein? Wollen Sie mir verzeihen?“ ——
Bei den letzten Worten zog ihr Burghausen sanft die
zände vom Gesicht und berührte sie leise mit seinen Lip—
en. Maria schaute durch Tränen lächelnd zu ihm empor.
„Niemals,“ flüsterte sie bewegt, ‚wird meine Danßenr⸗
eit gegen Sie erlöschen.“ — —— —
Nun blieb es still zwischen Beidẽn/ bis nach einer
Veile Maria sich erhob. ιν —2*
Wollen Sie schon ins Schloße Sie sollten noch dahen,
rräulein Techmar — Sie fühlen sich noch angegrifsen —
iein? Nun, dann stützen Sie sich fest auf meinen Arm.“
WVario bewegte ablehnend den blonden Kopf. 4
Dantel Lassen Sie mich bitte allein gehen, das Schloß
t ja so nahe. Ich habe ja jetzt nichts mehr zu fürchen.“
 — “77
* Nein! Bis zu dem PWartal bleiben Sie im Bereich
neiner Blide, diesen Schutz, Fräulein Teqhmar, munsen
Sie sich wenigstens gesallen lafsen. Gott behüte Siel“
Er neigte grüßend sein Haupt, stellte sich mitten in
vWea und iclate mit macamen iluchtia da

Hof und Gesellschaft.
*** Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, wird die
Zarin ihren heurige Sommeraufenthalt
in Süden Rußlands in der Krim nehmen.

Aus aller Weit.
Eine Kaiserspende. Der deutsche Kaiser hat der
türtischen Suslan telegaphisch gebeten, eine Spence vor
20 000 Mart für die Abgebrannten in Kom
tantinovpel entgegenzunehmen.
Der ungalante Jagow. Der Berliner Poli,eiprä—
ident hat eine Bekanntmachung erlassen, worin er euec
zischer einzuschreiten droht, wenn die Damen nicht au
eine Verordnung bezüglich der langvorstehen;
den Hutnadeln achten werden.
Mord. In einem Haserfeld vor der Stadt Halle
vurde der Klempnermeister Paul Engling mit schwerer
dopfwunden tot aufgefunden. Die Staatsanwaltschaf—
tellte Mord fest. Nach dem Leichenbefund zu schließer
iegt das Verbrechen mehr als eine Woche zurück. Von
deni Mörder fehlt jede Spur.
Tat einer Wahnsiunigen. Aus Neutra (Ungarn
wird berichtet: In einem Anfalle von Geistesstorung ha—
ie Privaliere Pokoly ihre beiden Kinder in den Neu—
ra-Fluß gestürzt, sie wurden jedoch gerettet. Darau
chnitt die Frau mit einem Küchenmesser den Kinderr
en Hals durch. Eins war sosort tot, das andre lieg
u Sterben. Die Frau wurde ins Irrenhaus gebracht
Sabotage. In der Nähe des Bahnhofs von Mar—
aur bei Bordeaur wurden von bisher unbekannt ge
liebenen Uebeltätern mehrere Telegraphenstangen qaeb
as Geleis gelegt. Das Hindernis wurde rechtzeitig
uitfernt. — Der im Auftrag der Staatsanwaltschaft ir
touen verhaftete Weichensteller Legoas gestand, daß ey
ie rote Scheibe eines Signals des Bahnhofs von Ba—
entin entfernt habe; es sei aber keineswegs seine Ab—
icht gewesen, einen Zug zum Entgleisen zu bringen,
denn er selbst habe den Stationsvorsteher von Ba
rtentin auf das Fehlen der Signalscheibe aufmerksam
zmacht. Er habe gehofft, sich hierdurch das Wohlwol—
en seiner Vorgesetzten erwerben und befördert werden
u können.
Schiffsunfall. Aus Cuxhaven wird berichtet: Das
Lorpedoboot „T. 45“ fuhr beim Einfahren in den neuen
dafen das Minenschulschiff „Albatros“ steuerbords an
ind rannte sich so fest, daß es durch drei Schleppschiffe
ibgeschlepyt werden mußte.
Zahlungs-Einstellung. Das alte erbeingesessene
deutsche Bankhaus Schmitt u. Co., die beliebtefte Banl
der Deutschen in Roͤm und die angesehenste Privatbam
Roms hat ihre Zahlungen eingestellt, angeblich, weil
die Banca Italia ihr plötzlich den Diskont sperrie. Die
Bancag di Roma hat für die Liquidation von Schmit
ind Co. eine 50prozentige Garanlie geboten. Die deu—
chen Gewerbetreibenden in Rom werden durch die Zah
ungs-Einstellung von Schmitt u. Co. in schwere Vet
egenheiten gebracht. Die Bank hat'e fast durchweg deut
che Kundschaft, deren Kontokorrente sicher einige Mil—
ionen betragen.
Grausiger Fund. In dem Gebände der englischen
Post in Konstantinopel fand man bei einem Großreine—
nachen eine Kiste, die die volle Adresse des entthron⸗
en Sultans Abdul Hamid trug und 1909, tkurz nach
»er Entihronung des Sultans, aus Tripolis eingetrof—⸗
en war. Die englische Post übergab diese Kiste der kö—
iiglichen Kabinettskanzlei. Bei ihrer Oeffnung machte
nan einen grausigen Fund. Sie enthieli nämlich
en abgeschnittenen Kopf des ehemaligen Ministerpräsi⸗
enten Midhat Pascha, der bei Abdul Hamid in Un—
made gefallen und nach Tripolis verbannt worden war,
st dort später durch einen Artillerie -Offizier ermordei
vorden. Da der Sultan den Kopf Midhat Paschas zu
ehen verlangte, wurde er ihm nach Konstantinopel ge⸗
chickt, aber die Sendung erreichte Abdul Hamid' nich
nehr als Monarchen.
Die Cholera. Am Freitag sind in Konstantinope!
Cholerasalle festgestelll worden, darunter jechs mil
dlichem Ausgana.

—
hinehywebenden schlanten Madchengestalt, vis sie un zInnern
des Schlosses verschwand.
Auf derselben Stelle, wo sie kurz zuvor geruht, ließ
iun Gerhard sich nieder. Minutenlang überließ er sich
illenlos dem fremden Gefühl, welches sein Sinnen —
denken mit sfühem Zauber umspann, sein Herz mit
iner nie empfundenen Glut durchströmte und es schwellen
nachte in sehnsüchtigem Verlangen nach einem ungreifaren
 Phantom, das aber mehr und mehr eine reizum—
ossene Gestalt annahm, eine Gestalt — nahe über seinem
zaupte ließ ein Käuzchen seinen krächzenden Ruf ver—
sehmen. Damit wich der traumhafte Bann, Burghausen
tmete tief auf.
„Was war denn das, alter Knabe?“ murmelte er in
ich hinein. „Dein Warnungsruf —“ sein Blick folgte nach—
enklich dem lautlosen Fluge des Nachtvogels — „mahnt
ur rechten Zeit, nicht über törichte Mondscheinphantasien
u verträumen, was zu tun mir obliegt.“
Er erhob sich und schritt rasch dem Schlosse zu; ein
lusdruck von Ernst und Strenge hatte den flüchtigen Glück—
chimmer in seinen Augen und Mienen verdrängt. Am
zchlesse angelo I ließ er einen forschenden Blick über
ie Fenster e welche zu den Zimmern seines Nefien
jehörten. Sie waren dunkel. Herr von Burghausen nictte
defriedigt.
„Ich dachtches wohl; er ist noch nicht oben — hätte
hn ja auch sehen müssen — nun soll jer mir nicht ent⸗
ehen. — Sie scheint nicht zu ahnen, dgß ich ihn erkannte,
nag sie in diesem Glauben bleibenz * ist für alle Betei—
igten angenehmer. Mit ihm ist —35 er soll nicht
och einmal wagen, dem holden Geschöpyf zu nahe zu kom⸗
nen.“

Während des kurzen Selbstgesprächs ging Gerhard bis
inter den breiten, fast an der ganzen Front sich hinziehen⸗
»en Balkon, um hier mit möglichst geräuschlosen Schrit;
en langsam auf und ab zu wandeln. Ungefähr eine Vier—
elstunde mochte verflossen sein, als der geduldig Harrende
ie hohe Gestalt des Erwarteten Mischen den Blumenan—
agen, die von vielen schmalen Wegen durchschnitten wur
ꝛen, erspähte. Eine Operettenmelodie vor sich hin pfei—
end, kdam Reinhold daher geschlendert, in lässiger Hal—
ung, wie einer, der mit wirklichem Behagen die Schön
ꝛeit der von würzigen Düften durchatmeten Sommernach'
»ießt. Seiner wabren Gemütsgitimmancg »nroch 85—

Folterung. Die türlische Polizei verhaftete einen
Angestellten des griechischen Konsulats, der angeblich
ose für die griechische Flotte verkauft hatte und fol—
erte ihn in barbarischer Weise. Wie der ärzliche Be—
und ergab, waren deG Unglücklichen spitze Rohrfedern
nter die Fingernägel getrieben worden, uim von ihm
ie Namen der Loseverkäufer zu erfahren. Die griechi—
che Regiexung ladet die Botschafter der übrigen Mächte
u eine:nn gemeinsamen Protest gegen die Gewalttätig⸗
eiten der Türkei ein.
Ueberschwemmungen in China. Aus dem ganzen
Yangtsetal werden ungeheure Ueberschwemmungen ge—
neldet. In Hankow erreichte das Wasser den höchsien
Ztand seit Menschengedenken. Der Distrikt von Itschan
st in einen Binnensee von mehreren Quadrameilen
lusdehnung verwandelte Der Teisigtingsee, der über—
etreten ist und das gauze Land überflutet, hat die
krute weggeschwemmt. Zahlreiche Dörser sind zerstört.
Luf dem Yangise spielten sich die erschütterndsten Sze
ien ab. In den Fluten treiben Häuser, auf deren Dä—
yer sich ganze Familien geflüchtet haben.

Feuer im Wiener Nordbahnhof.
Am Donnerstag, um 734 Uhr abends, brach ein
brand im Wiener Nordbahnhof aus, in der Nähe der
betroleumreservoirs von Siemens und Schuckert und
ingeheurer Holzlager, die gefährdet sind. Die große
ditze macht die Löschaktion fast unmöglich. Das Feuer
iahm in kurzer Zeit einen riesigen Umfang an. Die
zeuerwehren von ganz Wien stehen dem Brande ganz
nachtlos gegenüber und beschränken sich darauf, die um—
iegenden Kohlen- und Petroleumlager zu schützen. Das
reuer wurde von einem entlassenen Schreiber angelegt.
er sich selbst der Behörde gestellt hat.
Ter, Brand auf dem Nordbahnhose ist Freitag
nach 1 Uhr nachts okalisiert worden. Die Pe⸗
troleum⸗ und die Kohlenkager sind von den Flammen
verschont geblieben

—11446

die Hitze.
Berlin, 28. Juli. Aus wolkenlosem, heiterem
dimmel brennt die Sonne auch heute hernieder uͤnd ver—
enktt Bäume und Sträucher. Die große Hitze hat auch
heute eine Reihe von Hitzschlägen und anderen Unfäl⸗
len zur Folge gehabt.
Düsseldorf, 28. Juli. Auch am Niederrhein
eidet man unter der Hitze sehr stark. Alle Wiesen sind
von der Sonne verbrannt. Die Bauern verfüttern das
für den Winter bestimmte Hen. Während die Getrei—
deernte mit Ausnahme von Hafer sehr gut geraten ist,
derbrennt das Gemüse auf den Felde.
Bingen, 28. Juli. Während der Nacht gingen
im Rheinland, dem Hunsrück uͤnd unleren Rheingau
heftige Gewitter nieder. Auch Bingen und di
iächste Umgebung bekamen einen kräftigen Regenguß.
Lamndau, 28. Juli. Von Hischlag' getrof⸗
sen wurde die Bezirksarztwitwe Eüse Trapp und ir
RNenstadte a. H. der 60jährige Maurer Gauweiler. Die
beiden sind tot.
Kassel, 28. Juli. Von den in einem Schreber⸗
garter untergebrahten Ferienkobonisten“ aus
hiesigen Vollsschulen wurden neun Mädchen und
ein Knabe, vom Hitzschlag betroffen.
GEisenach, 28. Juli. Infolge der Hitze nimmit
der Wassermangel zu. Die Flüffse Thüringens
haben einen nie dagewesenen Tiefstand erreicht. Allent⸗
zalben sierben die Fische. Der Schaden an Feldfrüch—
—A—
Wien, 28. Juli. Die große Hitze hält noch
unvermindert an. Der Himmel ist vollständig wolken
los. Die Temperatur betrug bereits heute morgen um
7 Uhr 30 Grad Celsius. die Fälle von Hitzschlägen
mit tödlichem Ausgang mehren sich. Aus Salzburg isi
tarker Wassermangel gemeldet worden, verursacht durch
die große Hitze.
Inusbruck, 28. Juli. Die Hietze wird immer
irger; manche Industriebetriebe haben eine andere Ar—
beitseinteilunag getroffen. In Trient ist der Vriefbefiell.
— —
woyl taum. Jedenfalls hatte er wahrend seines ziellosen
Umherstreifens in den dunklen Parkpartien Zeit gehabt,
seines Liebesrausches und seines Aergers über den miß—
ungenen Plan Herr zu werden und darüber nachzudenken,
wie er sich zu benehmen hätte, wenn er noch heute mit
dem verhaßten Störenfried, der ihn hofsentlich nicht er—
tannt, zusammentreffen sollte. 23,
Da Herr von Burghausen sich im Schatten befand,
konnte seiner der Freiherr nicht früher ansichtig werden,
als bis er plötzlich unmittelbar vor ihn hintrat. In leich—
tem Schreck pralite Reinhold unwillkürlich zurück, doch faßte
er sich schnell und rief hell auflachend: e
„'n Abend, Onkel Gerhard! Du tauchst ja aus dem
Dunlel auf, wie ein Gespenst aus der Theaterversenkung!
Willst du noch einen Spaziergang machen??
Ja, in deiner Begleitung.“ lautete die kurze Ant—
yort.
„Bedauere aufrichtig, Onkel. So erquidend es ist,
ach dem schwülen Tage in der abgekühlten Abendluft zu
ustwandeln und nebenbei ein wenig den Mond anzu—
chwärmen, muß ich auf das Vergnügen, dies in deiner
vesellschaft zu tun, verzichten. Ich habe noch zu arbei—
en.“ — —
Leicht grüßend wollte der Freiherr seinen Weg fort—
etzen, aber da legte sich Gerhards Hand auf seinen Arm,
naleich klang in sorglich gedämpftem, doch schneidendem
Lone die Frage an sein Ohr:
„Hast du so große Eile, einen neuen Anschlag auf die
khre einer wehr- und schuhlosen Dame zu ersinnen?“
EinenAugenblick blieb Baron Ellingen die Antwort
huldig.
„Zum Kucducdck — er weiß also,“ durchfuhr es ihn.
Fine glühende Röte züngelte über sein Antlitz. Oder —
a, sie hat mich verraten.“ Dieser Gedanke erweckte den
Wunsch, sich an der hinterlistigen Schlange zu rächen. Ein
zohnvoller Ausdruck trat entstellend in sein schönes Ge—
sicht, während er in wegwerfendem Tone enlgegnete:
„Ah — ich verstehel Man hat für gut Kesunden, dir
ein artig Märlein aufzubinden, aus Anat, der Scheinhei—
ligen möchte die Tugendlarve entrissen werder
„Elender Verleumder —“
HOho, mein Herr Onkfell“
            
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