en deutschen Flottenbesuch in Dram⸗—
u en geübt hat. „Ein Jeder kann ja“, soll der Kaiser
gesagt haben, „in der ersien beften Buchhandlung vie
aus führlichllen und besten Karten über die norwegische
stüste kaufen; wie kann dann der Sommerbefuch einiger
deutschen LTorvedybooie Bedenklichkeit erwedenße
England.
eIn den naͤchften Tagen werden in beiden Par⸗
be ien Verhandilungen über die innere
S,ituation staitfinden.“ Ein außerordentlicher Kea.
binettsrat wurde am Freitag abgehalten und es
wird erwartet, daß der Premierminister in den näch⸗
stten Tagen dem König Vortrag halten wird. Ans
Seite der Opposition berfammelt Herrv alfour die
umnionistischen früheren Minister und einige andere Her⸗
den. die im nächsten lonservativen Kabinett Platz fin⸗
den dürften. Außerdem sind alle Oppositionspeers zu
einer großen Beralung in Lansdowne House, dem Pa—
laft des Jihters der Oberhaus⸗Konsfervativen einbe.
rufen worben
Vom Balkan.
7 * Wie die ‚Neue Freie Presse“ erfährt, ist man in
Wiener agut unterrichteten Kreisen der Ansicht, daß di
a 5e,auf das Verlangen des a es⸗ von
P onmtenegro, ihm ein Mandat zur Vermittelunq
wischen der Türtet und den Manseren au exteilen.
a ibt eingeben werden.
wersten.
* Samsiag Morger 16 Uhr ist Mo hammedal
unter Geschützd un?er uid dem Jubel des Volkes in
Asterabad eirgezogen.
* Mohammed Ali, der frühere Schah, ift anschei
nend mit Unterßüßung der Russen nach Asterabad ge
angt, Diese geben an, daß sie da nicht regelmäßit
das Gehalt bezahlt wurde, die Abreise nicht verhindern
konnten. Anscheinend will man ihn ausspielen gegen
olgende Forderungen: Abberufung des Gouverneurs von
Aserbeidschan und die Konzesfion einer Eisenbahn. Ruß
land ist unzufrieden mit der finanziellen Organisaͤtion
»urch die Amerikaner. Die Bevölkerung der Stdte X
auf. Seite der Regieruna. die Landbebölterune in n
entichieden
Mexiko.
*Die Ermordungder Deutschen in Mee—
rirbo und die dortigen Unruhen geben dem „Verliner
Tageblatt“ Veranlassung, das Augenmerk auf die jetzi
hereits seit Jahren bestehende un zureichendeBe—
ebßung der amerikanischen Slalsonen
zu lenken. Während nenerdings täglich keineswegs be—
ruhigende Meldungen im Inieresse der Reichsangehöri⸗
gen aus Mesilo, Haiti oder Venezuela einlaufen, führte
das einzige deutsche Kriegsfahrzeug auf den beiden gro⸗
zen amexilanischen Stationen dorte im Norden ve Sta
sionsgebiets eine Reise auf dem St. Lorenzstrom aus,
indem unter dem 18. d. M. die „Bremen« 14 Montreai
ingetroffen sei. Dann heißt es: In der Heimat be—⸗
reitet man sich jetzt vor, fur die Abhaltung der großen
Flottenmanöver verstärkte Verbände an Panzerschiffen
und auch Kreuzer zusammenzuziehen, um im Augusi
und September Uebungen abzuhalten, die gewiß im
Interesse der Landesverieidigung zur See erforderlich
ind; aber ebenso erforderlich muß es erscheinen, wenn
nan jetzt einen oder zwei Kreuzer nach den amerikani—
chen Küflen zur Entsendung bringt. Wird doch gerade
nurch die Ersüllung einer derarügen Aufgabe den wei—
esten Kreisen vor Augen geführt, daß das Vorhanden—
ein einer Seestreitmacht auch in Friedenszeiten von
raktischem Wert inm⸗
vof und Gesellschaft.
* Doer Kaiser kommt am 11. August anläßlich der
druppenschau nach Maim;.
»s Die in Nünchen vielfach verbreiteien Gerüchte, daß
ßrinz⸗Regent Luitpold in Hohenschwangau einen
3chlaganfallerlitten habe, bigen sich nicht.
)ie Gerüchte sinnd wahrscheinlich auf ommerfrischler
atrückzuführen, welche an dem greisen Regenten einen
Zchwächeaustand bemerkt haben wollen.
— —
Heer und Flotte.
— * Bewegungen der Kriegsmarine. An gekom—
nen: „Ptö wes am 17. Juli in Lome (Togo); „Em⸗
den“ am 20. Juli Yokohama; „ß an sa“ am 179. Juli
n Merock; „Berlin am 20. Zuli in Agadir; Zii e⸗
en“ am 20. Juli in Aberdeen; Grilfle⸗“ am 18.
zuli in Tönning. Abfahrt 19. Juli nach Husum. Der
eichspoftdampfer » Admiral mit der vom „See
dler“ abgelösten Besatzung am 19. Jull in Hamburg
In See gegangen: „Vuhlkan⸗ am 18. Jul
on Kiel und am aleichen Taae in Eckernförde einge.
offen
Aus aller Welt.
Eisenbahnunglück. Durch falsche Weichenstellung
entstand auf der Bahnstrecke bei Hörsingen ein schweres
kisenbahnunglüch, bei dem acht Personen schwere Ver—
etzungen davontrugen. Der Materialschaden ist sehr
edeutend. Der Personenzug fuhr mit ziemlicher Ge—
chwindickeit in die Station ein und entaleiste. —X
ã
Squid, versichette der NMann, die Frau sei ——
zaß die ganze damilte zu Landftreichern herabgesunken.“
‚Nach meiner Ueberzeugung,“ schloß der Baton, „intz
Vater, Mutter und Kinder eine ausgefeimte Spitzbubenande,
wenigstens die Frau ist eine notorische Diebin, die
chon vielfach mit verschiedenen Gefängnissen Bekanntschaft
jemacht und gegenwärtig eine längere Freibeitsstrafe im
Juchthause verbüßt.“
Selbstoerständlich wirst auch du die gefährlichen Men—
schen ausweisen lassen,“ bemerlte Frau von Ellingen in
befehlendem Tone. „Schon die angebliche Verwandtschaft
nit der alten Etehlen — — Aber was machen Sie denn?“
unterbrach sich leicht zusammenschredend die Dame (der
vand Marias war ein Garnknäuel entglitten und zu Bo—
den gefallen), ‚wie lann man so ungeschidt sein?“ setzte
ie verdrießlich scheltend hinzu, als es den heftig zitiern—
en Fingern det jungen Gesellschafterin nicht gelang, den
näuel zu erfassen. Er rollte weiter bis dicht an Ger—
hards Fuß. Burghausen hob den Flüchtling auf und wollte
ihn mit freundlihem Scherz der Eigentümerin übergeben,
als das Wort ihm momentan auf der Zunge stocktte und
er betroffen in das verstört blidende Maͤdchengesicht sah,
das plötzlich gang weiß geworden. 57,
„Fräulein Techmar —“ α,—
Der Klang der freundlichen Stimme brachte sie zur
Hesinnung. —D
Es ist nichtz — id danke Ihnen!“ etet
Ein Lächeln erzwingend, nahm Maria die Garnrolle
aus Gerhards Hand, sie wagte nicht, ihn anztsehen, nichtsdestoweniger
fühlte sie seine klaren, durchdringenden
Augen auf sich ruhen, das Blut wogte ihr zum Herzen
und schoß dann in dunkler Welle in ihr blasses Antlitz.
Der ganze Vorgang dauerte nur einen Augenblick; be⸗
bpor die andern aufsmertsam wurden, zog plötzlich ein Ge—
räusch an der großen Mitteltiir, die vom Flur in den
Bartensaal führte, die Achtung auf sich.
„Ach, mein Gumal bittet um Einlaß,“ sagte Burg⸗
ausen als Erklärung. „Du gestattest doch, Schwester?“
Er trat von der Veranda ein paar Schritle in den
Saal hinein und schlug dann seine beiden Handflächen
eicht zusammen. Auf dieses dem Diener bekannte Zei—
hen trat der iunee AInder dgeräuschlos über die Schmonokomollve
uno samtuche Wagen sturzten um. Ver
ugführer wurde zwischen zwei Wagen eingeklemmt und
zgelang mit großer Mühe, ihm aus seiner gefaͤhrli—
en Lage zu befreien. Anu seinem Aufkommen wird
ezweifelt. Lokomotive und drei Wagen sind völlig
emoliert. An dem Unglück tragt der Stationswärter
ie Schuld.
Daummrutsch. Bei Rendsbur g in der Nähe
er Drebbrücke ist ein erheblicher Dammrutsch ersfolgt.
ẽs stürzten elf Arbeitswagen in den Kaiser- Wilhelm⸗
danal. Ein Bremser reltele sich durch Abspringen. Das
Vasser draug in das neue Kanalnetz ein, sodaß große
lrbeitsstotkungen eintraien.
Feuer. Aus Oedenbur g wird berichtet: Die
us hundert Köpfen beftehende Zigeunerniederlassung
ßyorvar wurde von einer Brandkatastrophe heimge
ucht. Zehn Kinder sind in den Flammen umgekommen.
Waldbrand. Zwischen Freienhagen und Landau
n Fürstentum Waldeck ist ein großer Waldbrand aus—
elonimen, der bei der großen Sürre einen bedeutenden
Imfang anzunehmen drohi. Bis jetzt sind 60 Hektar
ichtenhechwald vernichtet. Aus den umliegenden Ort—
chaften, besonders aus der Kreisstadt Wolfshagen, sind
lle verfügbaren Mannschaften zur Hilfeleistung abbeor—
ert worden. Der Brand dehnt sich immer mehr aus.
Unterschlagungen. Aus Budape st wird be—
ichtet: Der Kafsierer Fekete, der bei der Sparkasse in
zzamesujvar angestellt war, ist nach Unterschlagung von
00 000 Kronen flüchtig geworden.
Blitzschlag. Während eines heftigen Unwetters
chlug der Blitz in St. Urban bei Klagenfurt in das
jehöft eines Bauern und tötete zwei Kinder. Ein Mäd—
hen wurde schwer verletzt.
Eingestürzter Kirchturm. In dem Dorfe Sz en—
andras bei Temesvar cuirzie infolge eines Erd—
ebens der Turm der Kirche ein. Es herrscht eine
roße Panit.
Sabotage. In der Nähe von Joinville bei Paris
purden 15 Telephon⸗ und 6 Signaldrähte durchschnii—
en. Bei Toulouse wurde auf der Eisenbahnstrecke ein
Rann verhaftet, der verschiedene Werkzeuge zum Sabo—
jeren der Drähte und Schienen, sowie einen Dolch bei
ch trug. Nach Mitteilungen der Polizeibehoͤrde sind
eit Oktober vorigen Jahres 90 Leute wegen Eisenbahn—
abotage festgenommen worden.
Die Cholera. In Triest ist ein Mann an Cho—
era gestorben. In — wurden awei Cholerafäalle
estgestellt.
Räuberischer Ueberfall. Auf der Station Achpai
er Karlsbahn beschossen zehn Räuber, nachdem sie die
elephondrähte zerschnitten hatten, einen Waggon des
bendzuges, in dem sich ein Bahnkassenbote in Beglei—
ung von vier Landpolizisten befand. Als diese das
euer erwiderten, warfen die Raͤuber drei Bomben un—
r den Wagen, die mit großer Gewalt erplodierten.
ie Räuber waren schon in den Waggon eindegrun—
en, als ein vorüberfahrender Polizeioffizier mit eini—
en Landpolizisten, durch die Schüsse herbeigelockt, er—
hien, und die Beraubung des Kassenboten verhinderte.
die Räuber entflohen in die Berge. Bei dem Schie—
en, das fast eine Stunde dauerte, wurden der Kassen⸗
ote. der Maschinist und der Schaffner verwundet
Die Hitze.
Berlin, 22. Juli. Die Hitzze am heutigen
kage ist sehr gest ie gen. Das Thermometer ver—
eichnete heute Miitag 27 Grad Celsius im Schatten.
Karlsruhe, 22. Juli. Infolge der
oochenlang anhaltenden Hitze und Trockenheit macht sich
berall große Dürre bemertbar. Das Laub fällt mas⸗
enhaft welk von den Bäumen. Die Felder sind gänz—
ich ausgetrocknet. Auch treten in den letzten Tagen die
Ichnaken wieder in verstaärktem Maße auf, sodaß ihre
dekämpfung mit größter Energie weiterhin durchgeführi
verden muß. Auch hat die Hitze ein Menschenleben ge—
ordert: Ein 16jähriges Mädchen wurde vom Hitzschlag
etroffen und siarb kurze Zeit darauf.
London, 22. Juli. Sier ist die Hitz e auf 42
vrad Celsius gestiegen, welche Höhe seit September 1906
nicht mehr erreicht wurde. In vielen Teilen des Lan
es sind ganze Gründe von Torfboden infolge der gro
en Hitze in Brand geraten. Jvie Flammen bedrohen
iele der berühmtesten Landaüter und kleine Dörfer zu
ernichten
——— ——— —
Gerichtszeitung.
O Grauenhafte Mißhandlungen des ei genen
dindes führten das Ehepaar Lilimann aus
deppens vor die Strafkammer des Landgerichtes in
Adenburg. Das noch nicht vier Jahre alte Kind wurde
nit Stöcken und Lederriemen blutig geschlagen, mit dem
zesicht in den eigenen Kot gedrüdt und dergleichen
nehr. Auch wurde nachgewiesen. daß das ginde ein—
gjanzen Tan lang nichts zu essen betam, als ein Stuñd
nit Schmierseife, Pfeffer und Salz belegties Brot. Nach
er von den Nachbarn erstatteten Anzeige wurden noch
veitere Grausamkeiten bekannt. Auch wurde das Bei—
es Kindes in jammerwürdigem Zustand vorgefunden;
as Bettsiroh war nichts weiter als verschimmeltet
ist. Das Gericht ging in Anbetracht der unerhörten
PRutalitäten der unnatürlichen Eltern über den Antrag
22 6Gi04—lte— der 3wei Rahre efü26448
und reßle ausf einen vezeichnenden Wink seines Herrn ncr
diesen den Koffer von Seehundsfell nieder.
Fanny stieß beim Erblichen des Koffers einen Freu—
enichrei aus und besund sich im Nu an des Ontels Seite.
Zorerst aber zog noch der exotische Jüngling ihre nawe
zewunderung auf sich. Die Hitze des Tag's und wobhl
nehr noch seiner Gewohnheit entsprechend trrig Bumal ei⸗
en Anzug von fein gestreiftem hellem Stose, zwar der
uropäischen Mode angepaßt doch von so gefälligem be—
suemem Schnitt, daß die schlanke Gestalt in ihren ge—
hmeidigen Bewegungen nicht gehemnit wurde. Der edelge—
ormte Kopf mit seinem schwarzen Haar und dem hellen
zronzeton des schmalen Gesichts, in welchem die dunklen,
lühenden Augen und ein üppiges rotes Lippenpaar beson
ers hervortraten, stach von der fast weißen Kleidung ei—
entümlich, aber nicht unharmonisch ab. Ein sremdartiger
leiz lag auch in Gumals demütig abwartender Haltung,
einem leicht geneigten Haupt und den über die Brust
zelreuzten Händen.
‚Du kannst gehen, mein Freund! Wenn ich deiner be—
zarf, wird man dich rufen.“
Nach diesen Worten verschwand der Jüngling so laut⸗
os, wie er gekommen. Burghausen schrut nun zum Oeff⸗
ien des Koffers. Welch' wunderbare Gewebe von Seide
ind Wolle, Teppiche, Waffen und Schmudsachen, zierliche
ʒlechtarbeiten, Kunsisticereien kamen hier zum Vorschein.
Für das schönste von allen erklärte aber Fanny ihren
vunderbaren Fächer von echten Marabuts.
„Was wird Mama, was werden meine Freundinnen
azu fagen?“ rief sie, das kostbare Geschent graziös hin
ind her bewegend. Sie konnte sich vor Jubel nicht fassen,
unarmte wiederholt den großartigen Geber, bis er lachend
vehrte, es genug sein zu lassen des grausamen Spiels,
ei dem er Gefahr laufe, im Freudensturm erdrosselt zu
werden — er möchte aber doch noch gern eine Weile at—
men in rosigem Licht.
Der Freiherr erhielt prächtige Waffen zum Geschenk.
ẽr danlte lebhaft, prüfte mit besonderer Aufmerlsamkeit
ie Schärfe einer herrlichen Damascener Klinge, Gerhards
hand schüttelnd, sagte er sichtlich erfreut:
„Du überraschst uns durch eine wahrhaft großartige
reigebigleit, Onkel. Solchen reichen Inhalt häute ich gar
bt in diesem Kofier vermutet — es ist ein vollisns?“
*
44
tragt yatte, hinaus und verurteute de
drei Jahren Gefängnis.
O Ein Nachspiel. Der Silvesterball der Berli
rer Anarchisten hatte ein gerichtliches Nachspiel.
Wegen Vergehens gegen die Paragraphen 110 und 1460
Str.⸗G.⸗«B. war der 2ljährige Schneider Erich Rose
angeklagt. In der Silvesiernacht sand in einem Lotal
in der Brunnenstraße ein von der anarchistischen Fö—
deration veranstalteter Silye ster ball statt, an
»em der Angeklagte teilnahm. Während der Kaffeepause
vurden von dem Angeklagten Gedichte (Silvesterglossen)
in die Teilnehmer verteilt. Ein Exemplar dieser dich
erischen Ergüsse gelangte in die Hände der Polizei, die
»araufhin das jetzige Strafverfahren wegen Aufforde
ung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und Aufreiz
ing zum NKlassenhaß einleitete. Der Vertreier der An—
lage beantragte mit Rüclsicht darauf, daß es leicht
tnabsehbare Folgen hätte haben können, wenn die in
»ieser Weise aufgehetzten Teilnehmer in der Silvester—
iacht auf der Straße ihre Ideen in die Tat umgesetzt
zätten, eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Das
vericht nahm an, daß der Angeklagte in einer gewissen
sroßmannssucht und jugendlichen Eitelkeit gehandelt
Jabe und sah die Sache milder an. Das Urteil lau—
ete auf zwei Wochen Gefängnis.
Arbeiterbewegung.
Der Seemannsstreik.
Paris, 22. Zuli. Der Ausschuß der Touloner
dafen⸗— und ArsenalArbeifer wandte sich an
»en Pariser Allgemeinen Arbeitsverband nut dem Er—
uchen, ansiatt LRamarques für den Gewerkschafts—
ongreß in Berlin einen anderen Vertreter der Ar—
enal⸗Arbeiter zu entsenden.
London, 22. Juli. In den Docks von Barry
iegen 64 Dampfer mit einem Gesamttonnengehalt von
25000; 38009 Arbeiter befinden sich im Ausstand. Po—
izeiverstärkungen sind von Swansea eingetrossen. Die
barry Railway Company, die um militärische Hilfe
msuchte, bereitet Truppenquartiere in den Dockschuppen
»vr. Die Schwierigkeiten werden vermehrt durch die
Veigerung der Kohlenlader, die Arbeit aufzunehmen,
bevor ihre Forderung eines halben freien Sonntage
»ewilligt sei
Cardiff, 22. Zuli. Nach einer von Ausständi—
gen abgehaltenen Massenversammlung durchzogen unge⸗
yrdnete Haufen die Straßen und versuchten die Poli—
eipferdestelle zu ftürmen Die Polizei schlug die An—
riffe wiederholt mit Stöcken zurück, wobei eine Anzahl
hersonen verletzt wurde. Die Kesselschmiede schlossen sich
)em Ausstand an und erklaͤren, daß sie solange nich
arbeiten wollen, bis Volizei und Militär zurückgezogen
worden sind
Vermischtes.
Bliude werden sehend... In der Versammlung
der Französischen Gesellschaft für Augenheilkunde ha
der amerikanische Gelehrte und Augenspezialarzt DVr.
Borsch eine bemerkenswerte Mitteilung gemacht, die ei
ien neuen Triumph moderner Augenchirurgie in sich
chließt. Dem amerikanischen Arzt ist es gelungen, durdch
cransplantation eines Teiles von einem Hundeauge au
inen Menschen Blindheit zu heilen, und zwar bei ei
em Patienten, der von Geburt an vollkommen blim
ewesen ist. Die durch Augenentzündung hervorgerufen
Blindheit hat in der Regel ihre Ursache in der Horn
aut, die ihre Durchsichtigkeit verliert. In solchen Fäl
en gibt es nur eine Möglichkeit, dem Kranken das Au
jenlicht wieder zu schenken: man muß die krank
hornhaut durch eine gesunde ersetzen. Dr. Borsch ha
ein Experiment mit Hunden begonnen. Nachdem er di
zindehaut zurückgeschkagen hat, nimmt er einen Tei
er Hornhaut aus dem Auge und legt ihn in Blut
erum. Dann wird mit dem menschlichen Patienten di
leiche Operation vorgenommen, auch hier wird an de
dorderseite des Auges eine der Größe der dem Hunde
zuge entnemmenen Hornhaut entsprechende Schicht ent
ernt, die Hundehornhaut aufgesetzt und mit ganz fei
ier Seide besestigt. Die zurüuͤckgeklappten Hautteile wer
»en wieder vorgeschoben und ebenfalls vernäht. Di
zerwachsung daueri dann nur wenige Tage, währen
oelcher Zeit das Auge durch eine Glasumhüllung in
zer richtigen Lage gehalten wird. Um den Heilungs
rozeß zu fördern, pflegt Dr. Borsch stimulierende Se
umeinspritzungen vorzunehmen.
Der Tod in der Statistik. In den deutscher
zroßstädten mit mehr als70 000 Einwohnern betrucç
»ie Sterblichkeit auf das Jahr und auf 1000 Einwoh
ier berechnet in der Woche vom 2. bis 8. Juli in Al—
ona 16,0, Aachen 13,7, Augsburg 12,3, Barmen 9,2
Berlin 12,8, Bielefeld 6,6, Bochum 15,6, Bonn 21,9
Borbeck 17,5, Braunschweig 16,0. Bremen 13,4, Bres
au 18,0, Charlottenburg 8,1, Chemnitz 14,6, Danzie
6,9. Darmstadt 13,7, Dortinund 20,0, Dresden 10,6
Deutsch-Wilmersdorf 6,2, Duisburg 18,4, Düsseldorf 10
ẽWberfeld 15,9, Erfurt 17,3, Essen 13,1, Frankfurt a. M
10,2, Freiburg i. B. 13,1, Gelsenkirchen 14,7, Görlit
9,5, Hagen 9,4, Halle a. d. S. 22,5, Hamborn 17,4,
»amburg 13,3, Hannover 13,1, Kassei 8,5, Karlsruhe
„1, Kiel 12,1, Köln 17,4, Königsberg in Pr. 12,9,
*niashütte 4028 Krefesd 13,7. Leipzig14415. 94675
uzat — und wenn etwa noch Veine ubrigen zRtolser und
disten mit ähnlichen Dingen gefüllt sind, dann möchte ich
virklich wissen, was Du“ damit zu beginnen gedenkst?
Willst Du ein Museum einrichten?
„Wenn auch das nicht, so gedenle ich doch verschie—
jenes dem Landesmuseum zu überweisen; die übrigen Er—
nnerungstrophaen sollen mir dienen, mein künftiges stil⸗
es Gelehrtenheim zu einem behagsichen buen rean aus⸗
uschmüden.“
„Ich hoffe“, warf die Baronin ein, „Du findest bei—
»es zunächst und für lange Zeit auf Schloß Ellingen.“
„Und Schloß Burghausen eröffnet dir nicht minder
gern seine gastliche Pfortel“ rief Fanny voller Eifer.
gSelbstverständlich, tleine Dame“ mate Gerhard flüch⸗
ig ihr zu.
Er trat jetzt zu seiner Schwester, breitete leicht ein
roßes, wunderbar schön gezeichneles Tigerfell über die
elähmten Füße und sagte mit der ihm eigenen Herzlich⸗
eit: D—
Eine wartme Schutzdede, Agathe, die dir im Wimer
rute Dienste leisten soll.“
⸗Sehr schön! Es ist zum Bewundern. an was du
les gedacht hast!“ Die Hand der Baronin ftrich fanff
reichelnd über das seidene Fell, in ihren Augen jchim⸗
nerte es wie Rührung. „Aber eigentlich scellte ich dich nicht
oben, sondern schelten — ja, mein Junge, schelten, denn
in all die Dinge mußt du ein Vermöden verschwendei
aben.“
„Keineswegs, meine liebe Schwester,“ lächelte Burg⸗
ausen. „Die vergeudete Summe ist nicht so bedeutend,
pie es den Anschein gewinnt. Vieles habe ich erhalten
»der durch bislige Umtauschartikel erworben, aber vieles
rhielt ich e geschenkt, und zwar nicht die geringfügig—
ten Sachen, gerade unter den Geschenken befinden sich
Kostbarleiten von unermeßlichem Werte. Zum Beispiel
ies“*
Toartsobirue f
10, Ludwigsbasen 20, Wiagdevurg 17,6, Mainz 1
Nannheim 13,3, Mülhausen i. E. 14,9, Mülheim a,
duhr 9,7, München 14,1, Münster 10,4, Nürnberg
Iberhausen 16,2, Offenbach 14,4, Plauen i. V. 8
Posen 26,9, Rixdorf 10,7, Saarbrücken 11,4, Schön
»erg 7,2, Spandau 12,9, Stettin 17,0, Straßburg i.
i9, Stuttgart 12,2, Wiesbaden 12.14. Würzburg 1.
und 3.2. den uunnee rcrnn Hauptstab
tarben in denettet: Zeitraum und nach den glei
vesichtsynnkien berejgnet in London 11.0. in Waris
ind in Ween 14.4.
Briefmarken-Stempelmaschinen. Mit ner
Briefmarlen-⸗Stempelmaschinen werden in Berlin Wa
suche augestellt. Schon seit längerer Zeit ist es re
unangenehnm enpsunden worden, daß die Lesbarkeity
Mitteilungen auf der Vorderseite der Postkarten du
den langen Siempel der Stempelmaschinen stark bee.
trächtigt wird. Der Ausschuß des Deutschen Handel
ages hat sich mit der Angelegenheit befaßt und in
ier Eingabe an den Staailssekretär des Reichspostam
vem Wunsche Ausdruck gegeben, daß auf Postkarten?
u schristlichen Mitteilungen benutzbare linke Teil d
VLorderseite nicht vom Entwertungsstempel gette
en werde. Nunmmehr hat der Staatssekretär des Reich
ostamtes dem Denutschen Handelstag folgendes Schri—
en zußgehen lassen: Die Unzuträglichkeiten bein nd.
Ztempelung der Postkarten mit Briefstempelmaschinm—
ind auch hier schon erkannt worden. Die Technik ist in
oAgedessen angeregt worden, eine brauchbare und l—
tungssöhige Stempelmaschine herzustellen, die nur d
echten Teil der Vorderseite der Postkarte und Brie
nit dem Stempelabdruck versieht. In letzter Zeit sis
inzelne soscher Stempelmaschinen versuchsweise in d
zetrieb eingestellt worden und haben schon annehmba
eẽrgebnisse in der Halbstempelung geliefert. Es ist d
ser zu erwarten, daß der bei der Beratung des Ha—
elstages hinsichtslich der Stempelung der Postkarten g
iußerte Wunsch in absehbarer Zeit erfüllt werden wi
Die französische Erinnerungsmedaille. In d
ranz ösischen Kammer ist nach längerer Beratung ⸗
zesetzentwwourf über die vielbesprochene Erinnerungsm
ailie für 1670-71 angenommen worden. Obwohl
onst nicht üblich ist, für unglückliche Kriege Erinne
ingsmedaillen auszugeben, hat man sich in Frankrei
iun doch dazu entschlossen. Die für das Band g
vählten eigenartigen Farben deuten darauf hin, do
man jenseits der Vogesen die Erinnerung an den Kri
wieder reger werden und die Hoffnung auf Revan
neu beleben will. Die Haitptiarbe dee Bandes il
5
*
2—⸗
—
A
2
*
*
F
2
die franosgese nt⸗ 3
eungs Medoille für 870/71..
ürlich die französische Nationalfarbe rot; diese wi—
aber von 9 grünen und schwarzen Streifen durchzogen
und so soll wohl in dem Schwarz die Trauer und i—
Brün die Hoffnung ausgedrückt werden. In keiner fran
zösischen Erinnerungsmedaille finden sie sich sonst bis
hser. Die Medaille selbst besteht aus Bronze und zeig
»orne das Bild der Republik, auf der Rüclseite militaͤ
ische Enibleme des Landheeres, über deren Anordb
tung man sich nicht einig ist, sowie die Zahl 1870 - 71
die freiwillig Eingetretenen, d. h. die damals unter
FJahren befindlichen erhalten noch eine Agraffe mit ei
ier darauf deutenden Inschrift. Ein Recht auf die Me
aille haben alle, die vom Juli 1870 bis Ende Fo
ruar 1871 in Frankreich oder Algier unter den fran
ösischen Fahnen standen mit Ausnakme der im Feld
uge Bestraften. Den heute in Elsaß⸗Lothringen woh
ienden ehemals französischen Soldalen hat bekanntlio
der deutsche Reichskanzler die Annahme und das Tr—
gen der neuen Erinnerungsmedaille gestattet.
Aphorismen über die Frauen. Einer ungari
chen Zeitschrift eninimmt die „Bohemia“ folgend
Aphoriénmen über die Frauen:
Unter Offenherzigkeit verstehen die Frauen
die Fehler ihrer Freu'n dinne n ohne Umschweif
zu gestehen.
Die Frauen verstehen es vortrefflich, selbst in de
etzten Liebe noch die Anfängerinnen zu spielen.
Ein häßlicher Mann kann sein Glück bei dea Fraue—
nachen, ein phlegmatischer nie.
Durch Gifer gefälft man den Frauen, abe
nan er hällt sie sich durch Vernachlaässigung
Sagt eine Frau „geh'“, so geh' geschwind; bitt⸗
e dich, zu gehen, so bleibe.“?
In dem Manne, den sie liebt, sucht die Frau einen
Nann, der zu alleüu össentlichen Heldentaten und
llen heimlichen Feigheiten fähig ist.
Wenn eine Frau dem Manne ein kleines Gehenn
is anvertraut, hat sie sicherlich ein großes zu verbergen
Um von den Frauen geliebt zu werden, muß ma—
e glauben lassen, man kenne sie nicht. Sie koönnei
nicht glauben, daß ein Mann sie kennen und zu
eich liaben könne.
„Abscheulicher!“ — Das höchste Wort der Symp⸗
ie einer Frau.
Das Schlechte, das wir den Frauen nachsagen, a
ich nichts gegen das, was sie von uns denten.
ESinig. Onlel: „Ich werde dir einen monatlichen
Zuschuß geben, aber verstehe mich recht! ich werde keine
Schulden bezahlen!“ — Neffe:? Gut Ontel SIch ann
richt.“
*Die Köchin als Auskunftsbureau.
A.: „Wie vorzüglich informiert doch unsere Wirtin ist.“
— B.: Das soll sie wohl sein. Ihre Köchin ist fast bei
jeder Familie in der Nachbarschaft in Stellung gewesen.“
*Auf der Soiree. Sie: „Warum hörte Pro⸗
essor Schincker auf Frau Lehmanns musikalischer Soiree
nuuf zu spielen?“ — Er: „Er sagte, es wäre ihm nich s
inderes übrig geblieben, da die Unterhaltung nicht
icselbe Tonart gestemmt war wie sein Spiel.“
*Unter Freundinnen. Ella: „Woher hat
Lucia ihr goldenes Haar?“ — Hedda: „Von ihrem Va—⸗
ter.“ — Ella: „Ist der blondr«“ — SGHedda: Nein. Ck-—
mifer*