Full text : Dudweiler Zeitung

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Umtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beilagen:
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Bürgermeisterei-Bezirk Dudweile Zonntagsblatt und Heitere Blätter.
ernter erbx Fen Nr. 69, 259, 269, 1261. Druck u. Verlag: J. Unterkeller. Dudweiler Perantwortlich für die Schriftleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenie? zar, Unterkeller
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Nr. 175. Montag, den 24. Juli 1911. 24. Jahrgang

Moßenrundsckbau.
die Verhaundlungen, die Herr von Kiderlen⸗Waͤchter
cit dem französischen Botschaster Cambon in der Ma—⸗
bttoußgelegenheit führt, finden selbstver⸗
ändlich hinter vecschlossener Türe statt. Trotzdem sickert
bund zu das eine oder andere durch und die begie—
gen Berichterstatter sind schuell bei der Hand, es
den Blättern mitzuteilen. In der letzten Woche wim⸗
elt es im deutschen und ausländischen Blätterwald von
ompensationen“. Herr von Kiderlen⸗Wäch—⸗
soll seinen französischen Kollegen mit einem ge⸗
icilen Schachzug überrascht haben. Er will ein Tausch⸗
chäft machen, dergestalt, daß der deutsche Kolonial⸗
itz durch Abtretung frauzösischen Gebietes erweitert
rd, während Deutschland als Gegenleistung Frankreich
maurischen Wespennest nach Belieben schalten und
alten lassen will. Es wag schweifende Phantasie sein,
n einer Anusfüllung der Lücke zu träumen, die zwi⸗
en Kamerun und Deutsch-Südwestafrika klafft. Aber
sche phantastischen Projekte sind wenigstens einigen
geisterien Kolonialpolitisern nicht fremd, und auch Hr.
»n Kiderlen-Wächter scheint, von Herrn von Linde—
aist beraten, bei der Suche nach „Kompensationen“ fün
darokko die Ausfüllung dieser Lücke in Erwägung ge—
‚gen zu haben. In Paris hat diese Wendung der
inge wie ein Blitz aus heiterem Himmel gewirkt. Der
—RVVV
id bezeichnet die Forderung der deutschen Regierung
nach dieser Quelle die Abtretung der gesamten
inzösifchen Kongoküste als Kompensation verlangt ha
n soll, für Frankreich als unannehmbar. Wer den
nsationellen und deutschfeindlichen Charakter des „Ma—
1“ kennt, der wird dieser „Kompensation“ ohne wei—
es ein großes Fragezeichen hinzufügen, zumal es
eiter heißt, daß Frankreich nur das Hinterland des
ongo bleiben soll, zu dem es lediglich durch eine deut
e Eisenbahn Zutritt hätte. Wir können nicht glau—
n, daß Deutschland eine derartige Forderung wirklich
stellt hat. Da beide Regierungen aus sehr ver
indigen Gründen über den Verlauf der Verhandlun—
n Stillschweigen bewahren, sind alle Pressemeldun—
a nichts weiter als müßige Kombinationen, die im
sten Falle auf unvollkommener Indiskretion beruhen.
igesichts der Verwirrung, die durch die verschiedenen
erüchte naturgemäß angerichtet wird, könnte es wohl
hts schaden, wenn der Oeffentlichkeit ein weniges vor
n diplomatischen Gesprächen und dem Stand der Ver—
undlungen mitgeteilt werden würde. Denn nachgerade
ingt das geduldige Warten weiten Schichten Deutsch
iunds sowohl wie Frankreichs an, unerfreulich zu wer
en, sodaß Alarmmeldungen leicht Glanben finden kön
en und dadurch Mißstimmung auf beiden Seiten er
ugt wird. Besonders das Säbelrasseln ist nicht ge
gnet, beruhigend zu wirken. Seltsamerweise ift es ge
ide die „France militaire“, das vornehmste franzö—
sche Militärorgan, die das Kriegsgespenst an die Wand
talt, indem sie uns mit den vereinigten französisch-eng
ischen Streitmächten bange zu machen sucht. Die Be—
echnung ist natürlich die, auf die deutsche Regierungç
inzuwirken, damit diese mit ihren Forderungen nicht
u weit gehe. Natürlich ziehen derartige Argumente
icht, man wird sie vielmehr als ein Zeichen der eige—
ien Schwäche auslegen müssen. Frankreich muß sic
och allein nicht stark genug fühlen, sonst würde es
icht England in den Vorgergrund schieben. Aber
janz hiervon abgesehen, ist nur zu wünschen, daß
echt bald irgend eine Formel gefunden wird, die beid
leile besriedigt, damit der Marokkohandel endlich augs
»er Welt geschafft wird. Hoffentlich haben wir dann
ür immer Ruhe vor dem leidigen Marokko, das nun
erade genug die Welt in Aufregung versetzt hat.
Inunseren Kolonien scheinen sich wieder
Sreignisse abzuspielen, die wenig erfreulich sind. Im
Laprivizüpfel foll eine Patrouille des Kom—
rissars von Frankenberg niedergemetzelt worden sein.
zn Berlin ist zwar eine Bestätigung dieser Hiobsposi
och nicht eingetroffen, aber immerhin wird schoͤn eiwas
VKahres daran sein. In der Landschaft Urundi, in
deutsch-⸗Ouasriea finn Grnann farhisrer 553846 333*

Ausgestoßen.
Roman nvon MMarbu.
Nachdruck verboten.
„Das wohl — aber grausam ist es doch, darauf zu
estehen, unser Verlöbnis erst an meinem achtzehnten Ge—
urtstage zu veröffentlichen.“ seufzte Fannv. Wielleicht
nntest Du —“
Ihre Absicht, den guten und einflußreichen Onkel Ger—
ard um seine Vermittelung zu bitten, wurde durch einen
ngeduldig mahnenden Zuruf von Tante Agathe vereitelt.
„Bester Gerhard,“ klang die scharfe Frauenstimme,
nöchtest du dich ein wenig beeilen.“ 4243
Burghausen schaute erst jetzt empor zur Veranda, zog
cüßend jeinen Hut und verseßte in verhindlich heiterem
ane:
„Guten Morgen, Herrschaften, Verzeihung, wenn ich
varten lietz und noch Entschuldigung für ein paar Minu—
en, meine bejtaubten Kleider zu wechseln.“
In einigen Augenbliden erschien er auf der Veranda
ind begrüßte die Versammelten in seiner gewinnenden
Veise, ließ sich dann neben seiner Schwester an der
xrühstüdstafel nieder und begann mit dem durch den
veiten Spaziergang verschärften Appetit eines gesunden
sungrigen Magens den aufgetragenen ländlichen Gerichten
die gebührende Ehre zu erweisen. J
Daß ich's nicht vergesse,“ wandte er sich jetzt zu Fräu—
ein Techmar, ‚ich habe Ihnen Grüße zu überbringen vom
düller in Weinfelden; det alte Maun, ganz von Dantbar—
eit und Bewunderung für Sie erfüllt, scheint Ihnen erge⸗
»en auf Leben und Tod.“
„Aus welchem Grunde. Fräulein Maria?“ forschte eifrig
eneugierige Fanny.
„Ein solcher ist kaum vorhanden, Fräulein von Burg—
zusen,“ versetzte die Gefragte mit flüchtigem Aufblick. „Der
Nüller glaubt sich mir verpflichtet, weil ich seine Frau
ind beide Kinder in schwerer Krankheit pflegte.“
„Sie müssen nur noch hinzufügen, mein Fräulein,“
rgãnzte Herr von Burghausen mit warmem Blick und
en. „Sie setzten dabei Ihr eigenes Leben aufs Spiel.
)as feige Gesinde hatte aus Furcht vor Ansteckung Haus
nd Hof verlassen. Sie allein hielten bei den Kranken,
Ihnen doch iremn wager rlin B.

AIw EF — —— — —
zerauot und niedergemacht worden. Eine Strasexpedu, unter diesen Umstönden war es zweckmäßig, das
ion ist zwar sofort zur Verfolgung der Unruhestifsten J System der periodischen Nacheichung im Wege der
bgegangen, aber im übrigen ist diesem Gesichehnis ern eichsgesetzzebung für das ganze Deutsche Reich zur
tere Bedeutung nicht beizumessen. durchführung zu bringen. Einer einheitlichen Regelung
Ter Aufstand in Albanien macht der edurfte es namentlich hinsichtlich der der Nacheichung
kürkei immer noch große Sorge. Die Forderungen der u unterwerfenden Gegenstände, der Fristen für die
banesen sind für die türkische Regierung unerfüllbar Racheichung, der Kennzeichnung der erfolgten Nacheich—
ber trotzzen schiebt die Pforte die Frist der Waffen ing durch die Stempelung, sowie der Einrichtung der
tiederlegung immer wieder hinaus und versteht sich auc die Nacheichung handhabenden Eichämter.
onft zu allerhand Konzessionen. Das ist ein Zeichen Mit der hierdurch bedingten Abänderung des Ge—
afür, daß man die gewaltsame Unterdrückung des etzes vom 17. August 1868 wurde die Einführung wei—
lufstandes, wenn eben möglich, vermeiden möchte. Ruß erer Verbesserungen auf dem Gebiete des Maßk— und
and und England haben dem jungtürkischen Komite Bewichtswesens verbunden.
zeraten, auf alle Fälle ohne Blatvergießen den Auf Dringend gewünscht wurde in den beteiligten Krei—
tand beizulegen. Ob das gelingen wird, scheint frag en die Ausdehnung der in der Maß- und Gewichis—
lich, denn die Zahl der Aufständischen nimmt von Jar »rdnung vont 17. August 1868 vorgesehenen Freizügig—
u Tag zu. eit bezüglich der Meßgeräte auf das Königreich
Mohammed Ali, der verjagte Schah-⸗in-Schal Bayern. Die bisherigen Bestimmungen, welche die
»on Persien ist plötzlich mit bewaffneter Macht in sei lnerkennung des Eichzeichens aller Eichämter im Bun—
ier Heimat wieder aufgetaucht, nachdem längere Zei esgebiet gewährleisteten, fanden auf Bayern keine An—
iber seinen Aufenthaltsort nichts bekannt war. Der dendung. Dies hat für den Grenzverkehr zwi—
Lutsch scheint sorgfältig vorbereitet gewesen zu sein. chen Bayern und dem übrigen Reichsgebiet erhebiiche
KRußland, deu das neue Regime nicht gefällt, weil es Zchwierigkeiten und in nenerer Zeit ꝛꝛu lebhaften Gla—
ticht zu allem Ja und Amen sagt, hat natürlich auch len Anlaß gegeben.
»en Finger im Spiel. Wenn man den über Peters Auch sonst war nach den im Laufe der Zeit ge—
zurg lancierten Nachrichten glauben darf, ist Moham nachten Ersahrungen in einigen Punkten eine Verbeffe—
ned Ali, der blutbefleckte Autokrat, bei seinem Voltk ung und Ergänzung der Maß- und Gewichtsordnung
vieder beliebt. Nun, man wird ja sehen, vo der Putsc ingezeigt. Dazu gehörte die Umgestaltung der Strafbe
zlückt. Hält der Erschah nach siegreicher Niederwerfun— timmung und die Ausdehnung des bisher nur fuün
einer Gegner in Teheran seinen Einzug, dann kann Weinfässer maßgebend gewesenen Eichzwanges auf di
ian sich auf ein Massenmorden der jetzt am Ruder be Fässer für Obftwein und Bier und nerschiedenes an
ndlichen Leute und ihrer Mithelfer gefaßt machen eres.
Die vom 1. April 1912 ab zu beachtenden wesent—
lichsten Neuerungen sind, außer der bereits erwähnten
Einführung der perisdischen Nacheichung, der Gültigkeit
aller deutscher Eichstempel innerhalb des Reichsgebiets
und der Einführung des Eichzwanges für Obstwein
ind Bierfässer (die Vorschrift über die Eichung der
Bierfässer tritt erit am 1 VJanuar 1012 in Kraffh. nach
iolgende:
.2. Die Fristen, innerhalb deren die Nacheich
ung vorzunehmen und zu wiederholen ist, betragen bei
a) den Längenmaßen, den Flüssigkeitsmaßen, deu Meß—
verlzeugen für Flüssigkeiten, den Hohlmaßen und Meß
verkzeugen für trockene Gegenstände, den Gewichten, der
Wagen für eine größte zulässige Last bis ausschließlich
3000 Kilogramm, sowie den Fässern für Bier 2 Jahre
»nden Wagen für eine größle zulässige Last von 3000
dilogramm und darüber, den festfundamentierten Wa—
zen und den Fässern für Wein und Obstwein dre
Fahre. Die Frist beginnt mit dem Ablaufe desjeniger
Ralenderjahres, in welchem die letzte Eichung vorge
nommen worden ist. Bei Fässern, in denen Wein ge—
lagert ist, endet die Nacheichungsfrist nicht. bevor das
Faß entleert worden ist.
2. Dem früheren Pfundsystem dienten die zwar
ängsft beseitigten Gewichte zu — und Pfund, Ge—
wichtsbestimmungen, von denen sich der Kleinhandel und
das kaufende Publikum nicht trenuen konnten. Um dem
praktischen Bedürfnisse zu entsprechen, werden nun wie—
der Gewichte zu 250 und 125 Gramm eingeführt.
3. Als „öffentlicher“ und „eichpflichtiger“ Verkehr gilt
der Handelsberlehr auch dann, wenn er nicht in offenen
Verlaufsstellen stattsindet. (Konsumvereine.)
4. Es ist nicht nur die Anwendung, sondern auch
die Bereithaltung unrichtiger Meß⸗ und Wieggeräte im
eichpflichtigen Verkehr untersagt.
5. Als Gewerbetreibende im Sinne der Strafbe—
timimung gelten nicht nur die Gewerbetreibenden, die
in Gewerbe im Sinne der Gewerbeordnung betreiben,
andern alle dieienigen Versonen. welche in Ausühung
einer auf fortgesetztet Er Tatigkeit ei
nen eichpflichtigen Verkeyr haben. rxraus folgt, da⸗
vich diejenigen Landwirte unter die neue Gesestzbestim
nung fallen, welche ihre landtwir tchaftlichen Erzeug
isse, also Vieh, Getreide, Koartoffeli, Milch, Gemüse,
)ost ꝛc., regelmäßig direkt an Könsumenten oder Zwi
henhändler nach Maß oder Gewicht abgeben. Eine
ereinzelte gelegentliche Veräubereing kommt iedoch nich
u FFrα

Die neue Maß und Gewichtsordnung
Durch Kaiserliche Verordnung vom 24. Mai 1911
st die neue Maß- und Gewichtsordnung für das Deut—
che Reich vont 30. Mai 1908 mit Wirkung vom 1.
pril 1912 an in Kraft gesetzt worden.
Die bisher in Kraft gewesene Maß- und Gewichts—
ordnung vom 17. August 1868 gestattete, wie die „M.
c.“ schreiben, zum Zumessen und Zuwägen im öffent—
ichen Verkehr nur geeichte, richtige Maße, Gewichte und
Vagen. Die Durchführung dieser Bestimmung war den
einzelnen Bundesstaaten überlassen, und es war insfolge
er Verschiedenartigkeit der von diesen angeordne—
en Maßnahmen eine Buntscheckigkeit entstanden, welche
eineswegs der durch die Einheit des Deutschen Rei—
hes gegebenen Einheitlichkeit im Maß- und Gewichts—
erkehr entsprach und auch nicht die Zufriedenheit der
zeschäftswelt finden konnie.
In Preußen, sowie in anderen Bundesstaaten wa—
en polizeiliche Revisionen der im öffentlichen Verkehre
efindlichen Meßgeräte in Uebung, wie solche schon vor
ßrrichtung des Reichs bestanden hatten. Die Revisionen
varen teils ausschließlich volizeiliche. teise polizeisich—
echnische.
In Bayern und Elsaß-Lothringen bestand ein auf
srund je eines besonderen Reichsgesetzes zugelassenes
System, das der zwangsweisen periodischen Nacheich—
ing. Es wurden in den einzelnen Gemeinden pe—
iodisch von den Eichmeistern Termine abgehalten, in
enen die Meßgeräte ꝛc. zum Zweck der Prüfung und,
oweit möglich, der Berichtigung vorgelegt wurden. Die
dichtigkeit wurde durch eine Ernenerung der Stempe—⸗
ung beglanbigt, die zugleich das Jahr der Stempelung
ingab. Die Beteiligung an diesen Nacheichungen war
bflicht. Die polizeilichen Revisionen brauchten im we—
entlichen nur in einer Petichtiaumng der Stomvelung zu
jestehen.
Durch dieses System wurde die Richtigkeit der Meß—
Ind Wiegegeräte im Verkehr weit mehr gewährleistet
ils bei dem polizeilichen Repressivsystem. Die zahl—
eichen Bestrafungen fielen weg, da unverschuldete Un—
ichtigkeiten den Gewerbetreibenden nicht zur Last fie—
en. In Bayern und Elsaß-Lothringen hat sich dann
nch die Nacheichung vorzüglich bewährt, ebenso in den
enachbarten auswärtigen Staaten, in denen sie einge—
ührt ist, und zwar in Oesterreich der Schweiz. Frank—
oich Xftalion Bosaà—ce

ainzig Jhrer aufsopsernden Benschenliehs vordankten die
Zeinen ihre Genesung.“
„Dem gnädigen Gott, nicht mir, ich erfüllte nur meine
oflicht““ sagte Maria in sanfst ablehnendem Tone.
„Hast du dich denn schon nach deinen vierbeinigen
Z„chützlingen umgesehen, Gerhard?“ unterbrach ihn die Ba—
onin — sie mochte ihre Gesellschasterin nichtt länger lo—
en hören.
„Allerdings, Agathe! Auch wenn ich auf meinewm
Vege durch das Dorf nicht an der Schenle vorübergekom
nen wäre, so hätte doch mein tierärztliches Pflichtge
ühl mich zu den armen Kötern getrieben. Der eine har
ie ihm widerfahrenen Mißhandlungen schon ziemlich über—
vunden, er war ja auch weniger schlimm daran wie sein
ßefährte, der ist nech vollständig krank, doch zweifle ich
iicht an seinem Aufkommen. Der Schenbwirt ielbst pilea⸗
das kranke Tier.“
„Natürlich gegen klingenden Lohn!“ warf Reinhold
achend ein. Der Mann keunt Jeihen Vorteil vor dir kab—

„Cyedem,“ jeuszte die Baronin, „hatte Weinfelden in
einem gedeihlichen Wohlstande vichts voraus vor Ellin⸗
gen.“ —
„Trage ich etwa die Schuld, daß es anders gewor—⸗
den ist?“ fuhr Reinhold grollend auf. „Mache dafür ver—⸗
antwortlich die Herren, die vor mir hier waren“
Ein zormats Rot huichte über der Mutter fahles Ge—
sicht.
„Es ehrt dich nicht,“ rügte sie herb, „das Andenken
deines Vaters zu schmähen.“
Der Werweis erhöhte des Sohmnes yerdrießliche Stim—
mung.
„Ach was, davon ist keine Rede, Mama,“ versehte er,
nit Muühe sich beherrschend, „aber du wirst doch zugeben
nüssen, daß es mit Ellingen schon seit Jahr und Tag
hergab geht. Es wäre am besten, wir verkaufen das
Janze Rest, bringt es doch ohnehin nichts ein. als Wer—
ruß und immer wieder Verdruß.“
„In dieser Beziehung kennst du meinen Willen,“ er—
lärte die Freifrau in festem Tone, „olange ich lebe, soli
ind wird Ellingen nicht in fremde Hände geraten.“
Herr von Burghausen war aufmettsam dem Wortae-RAänkel
 zwischen Mutter und Sohn gefrlgt.
„Deine Pietät,“ kam er nun Reinholds Erwiderung
nit Nachdruck zuvor, „für den Stammsitz der Ellingen
viirde gewiß fester wurzeln, wenn die Zugände im Dorfe
»esserer Art wären.“
„Onkel Geryard —“
„Erlaube mir noch eine Frage: Hast du dir schon je—
mals Mühe gegeben, über die Ursachen des sortschreiten—
den Verfalles nachzudenken? Tauchte schon einmal der be—
gehrliche Wunsch in dir auf, mit den Dorfeingesessenen
iber Mittel und Wege zu beraten, wie nicht nur jener
offenbare Verfall aufzuhalten, sondern wie im ganzen Ge—
meinwesen eine Wendung zum Besseren herbeizuführen sei?“
In kaum nech zu zügelndem Unmut stieß der Baron
seinen Sessel zurüd, schritt auf der Veranda einmal auf
und ab, blieb dann vor Gerhard stehen und sagte mit
J dem Ausdrudk jelbitbewußter Ueberlegenheit in Blick und
Ton:
he „Du fragst im völliger Unkenntnis der Verhöältnisse,
v»ohrfeltter OEnkol. ionst mühte du müien daß es ftiür

»uden er, aber so wie du ihm aus den Augen bist
nacht er sich lustig über deine — deine Fürsorge, die —
imm es nicht übel, Onkel Gerhard — das erbärmliche
Lieh in der Tat nicht verdient.“
„Deine Bemerkung über den Wirt,“ erwiderte Burg—
ausen kurz, „mag zutreffen, Vertrauenerwedendes liegt in
»er Galgenphysiognomie des Mannes nicht.“
„Der schlaue Fuchs läßt sich nur nicht fassen, und
»och weiß ich bestimmt, er steckt mit dem übrigen räube—
ischen Dorfgesindel unter einer Dede.“
„Ich war lange nicht unten, will mich aber nächstens
nal wieder durchs Dorf fahren lassen,“ bemerkte die Ba—
onin.
„Du wirst keine Freunde davon haben, Agathe,“ sagte
erhard. Er hatte seine Mahlzeit beendet und rückte sich
etzt im weichen Sessel behaglich zurecht. Denn ich mag
s nicht verhehlen, Schwester, meine Wanderung durchs
dorf bereitete mir eine schmerzliche Enttäuschung,“ versetzte
Zzurghausen ernst. „Das ganze Dorf macht den Eindrud
rostloser Verkommenheit, die doppelt auffallend w⸗
denn man das benachdarte Weinfelden betritt, w
iut einigermaßen vernachlässigates Anwosan ale
hhitoe «zri*22*

wiit dem erwähnten Zeitpunkt tritt auch zumeisß
ine Verstaatlichung der bisherigen Gemeinde-Eichämter
in. Dem Publikum wird zu den in allen Gemeinden
eriodisch abzuhaltenden Eichterminen ausreichende Ge—
egenheit gegeben, Wagen, Gewichte, Maße usw. be—
ordlich prüfen und berichtigen zu lassen, und so wird
zie Maß- und Gewichtsordnung für das Deutsche Reich
omt 30. Mai 1908 nach dem Grundsatze „niemand zu—
iebe, niemand zuleide“ die Sicherheit im Handelsver—
ehr nicht nur innerhalb der Reichsgrenzen, sondern
ruch in Ansehung dek Nusfuhrhandels bhedingen.

Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Die Vorträge, die im Frühjahr dss. Is. iw
teichstagsgebäude über die Zuwachsste uer vor
den staatlichen und kommunalen Veranlagungsbeamter
tattsanden, haben sich nach Ansicht der Teilnehmer fün
»ie Einführung des Gesetzes förderlich und nützlich er—
viesen. Die Absicht der gesetzgebenden Körperschaften
zie auch in dem Terxte des Geseßes selbst wie in sei—
ien Ausführungsbestimmungen mehrfach Ausdruck gefun—
den hat, daß bei der Veranlagung weniger nach for—
malen als nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten verfah—
ten, einerseits jede nicht unbedingt notwendige Belästiging
 des Steuerpflichtigen vermieden, anderseits aber allt
Umsätze, in welche Form sie sich kleiden mögen, ergrif—
en werden sollen, laͤßt sich nur bei sorgfältiger und ein—
heitlicher Vorbildung der ausführenden Organe errei—
hen. Dementsprechend ist neuerdings, insbesondere aus
den Kreisen der Landräte wie der Magistrate wieder—
holt der Wunsch hervorgetreten, für einzelne größere
Bezirke gemeinsame Besprechungen auf Grund von Vor—
rägen der Bcamten des Reichsschatzamtes stattfinden zu
lassen. Im Reichsschatzamt ist man bereit, auf die in
dieser Beziehung geäußerten Wünsche soweit tunlich ein—
ugehen und demnächst Vortragskurse in verschiedenen
Landesteilen stattfinden zu lassen.
* Der Reichstagsabgeordnete Liebermann v.
Zonnenberng, der, wie bereits berichtet, in Ham—
burg plötzlich schwer erkrankte und nach Berlin überführt
vurde, wurde om 21. August 1848 in Weißwasser in
Vestpreussen, geboren, steht also gegenwärtig im 63.
Lebensjahre. Er machto als Offizier den deutsch-fran—

ebermann von Sonnenbernes
ösischen Krieg mit, wurde hier zweimal verwundet unl
ahm infolgedessen später seinen Abschied. 1881 be—
ründete er die später eingegangene „Deutsche Volks—
eitung“, ebenso war er Miltbegründer der deutsch⸗so⸗
ialen Partei und Mitglied des Reichstages seit 1890.
Im Jahre 1903 begründete Liebermann im Reichstagt
die Fraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung, deren
Porñũtzender er seither auch ist.
Norwegen.
*Der deutsche Kaiser soll in Balestrand seine
Mißesst immung ausgesprochen haben über die
Lritil. die ein Teil der norwegischen Preüe über
⸗
zinen Freiherrn von Ellingen unmoglich ist, mit seinen
Dorfeingesessenen in die angedeuteten Erörterungen sich
einzulassen. Das Dorf ist die Brutitätte aeworden für
Forst- und Waldfreveler.“
Um so dringender tritt an den Grundherrn die Pflicht
heran, Wandel zu schaffen. Unter dem heillcsen Gelichter
wird es auch einige bessere Elemente geben. Ihren Kla—
ze.mund Bedürfnissen öffne willig Ohr und Herz. Es be—⸗
udelt deine Freiherren-Ehre durchaus nicht, wenn du per⸗
önlich mit deinen Gutsangehörigen in Verbindung trittst.
Gerade der arme, bedrückte Mensch hat dafür ein feines
FEmpsinden. Erkennen deine Bauern, daß ihre Beschwer⸗
den Beachtung und Abhilfe finden, so wirst du bald mer⸗
len, wie rasch die anfänglich geringe Gesolgschaft der
Huten sich erweitert und vergrößert.“
Die „schulmeisterischen Weisheitsregeln“ — wie der Ba⸗
on des Onkels unerbetene Ratschläge im stillen nannte —
eschwichtigten nicht, sondern schürten noch Reinholds Groll,
ind plötzlich hrahh ⸗2 unter furzem Auflachen von seinen
rinven.
„Zum Kuduck auch — —
„Reinhold, Reinhold — du vergißt dich!“ umterbrach
ihn der Mutter Zuruf; in ihren Augen und Mienen malt⸗
ich Unruhe und Besorgnis.
„Pardon!“ entschuldigte er sich kurz, gewaltsam sich
heherrschend. „Leider verspüre ich nicht die geringste Lust,
ils moderner Herkules den hiesigen Augiasstall zu säu—⸗
hern von seinen unlauteren Elementen. Und dabei kommt
immer neuer Zuzug. Das Gesindel ist auch einmal da
und nistet sich fest, ohne daß ich eine Ahnung davon habe.
Wieder ein neuer Beweis davon ist dieser Schrader, dem
ich gestern durch seine beiden vielversprechenden Sprößlinge
 den Befehi zugehen ließ, sich mir heute früh vorzu«
stellen. Als ich ihn ansprach, zitterte die vierschrötige Ge—
stalt des Mannes an allen Gliedern, ob infolge des Ge—
nusses von Alkohol oder aus Furcht vor dem, was seiner
bevorstand, ließ sich nicht entscheiden. Weinend bat er
mich, ihn in Ellingen zu dulden; wo er eigentlich ortsan—
gehörig sei, wußte er nicht, oder wollte es wenigstend
nicht sagen. Seit vielen Jahren wird er überall ausge—
wiesen, wo er kaum sich niedergelassen hat. Auf ewigen
Wanderschaft irrt er mit den Seinen von Ort zu Ort,
me GSefaro r— 2 FAVhey Nichet Mrch oin
            
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