Full text : Dudweiler Zeitung

Müunchen veginnen und von da Uber Stultgart, Rurn⸗
verg, Salzburg und Linz nach Wien führen. Auch von
einem Flug Muünchen⸗Nuͤrnbera⸗Sluitgarl Framseet ift
die Rede. —
— „Spiel und Sport. A5
Die Prinz Heinrich⸗Fahrt.
Die Teilnehmer der Prinz Heinrich-Fahrt fuhren
Nitiwoch von Shrewsbury nach Cheltenham. Sämtliche
Vagen legten die Strecke ohne Unfall zurück. Zu Ehren
er Teilnehmer wurde abends in Chellienham ein Fest
ssen veransialtet.

— ———— —
Vermischtes.
Die Pariser Blindenbibliothek. Wir lesen in der
ei für Bücherfreunde“: Wohl die größte Blim
enbiwwliother der Welt wird in Paris von der „Asso⸗
iation Valentin Hauy“ unterhalten, einer Gesellschaft,
le ihren Ramen von dem VDegrunder der ersten Er—
iehungs⸗ und Unterrichtsanstalt für Buͤnde entlehnt
sjat. Valentin Hauy, ein Lehrer, wurde, als er einsi
ine Musikkapelle von Blinden sah und hörte, davon so
rgriffen, daß er den Entschluß faßte, den Blinden fort—⸗
in seine Kraͤfte zu widmen. Die von ihm begründete
zibliothek nun wird, der Revue des Bibliotheques ei
lrchives de Belgique“ zufolge, ausschließlich von Blin—
»en verwaltet. Kataloge, Zetiel, Ausleihlisten sind in
rhabener Blindenschrift, System Braille, geschrieben.
die Bibliothek umfaßt gegen 26 000 Bände, die meist
on Wohltätern der Blinden, vorwiegend Damen, in die
Blindenschrift übertragen worden sind. Es gibt zahl—
eiche junge Mädchen der bevorzugten Stände, die kei—
ien Tag verstreichen lassen, ohne nicht wenigstens einige
Zeilen geprägt zu haben. Die Bibliothek versorgt die
Blinden der Hauptstadt wie die der Provinz mit Lese—
toff. Einmal wöchentlich ist Ausleihetag für die Pari—
er Blinden, die dann in großer Zahl mit schweren
Bücherballen auf der Bibliothet erscheinen und ebenso
chwer beladen wieder von daunen ziehen. Die Bücher
n erhabener Blindenschrift sind nämlich von beträcht
ichem Umfange; ein gewoͤhnlicher Band in Druckschrift
ergibt in Blindenschrift acht bis zehn erheblich dickere
md größere Bände. Obgleich die französische Postver
valtung diese Bücher zum Drucksachentarif befördert, iß
och wegen der hohen Kosten den Buͤnden die Benutz
ing der Bibliothek sehr erschwert, denn ungeachtet der
ẽrmäßigung kostet das Porto etwa ebensoviel, wie dem
Sehenden der Ankauf des gedruckten Buches. Da aber
ie Blinden meist in dürftigen Verhältnissen leben, so
it infolgedessen die Benutzung der Bibliothek von aus—
närts weit geringer, als man bei dem starken Bedürf⸗
uis der Blinden nach Lesestoff erwarten müßte. Diesem
lebelstande könnte die französische Regierung leicht ab
jelfen, wenn sie sich entschließen wollte, nach dem Bei—
piele anderer Staaten, diefe Bücher portofrei befördern
in lassen. Erst nach Beseitigung dieses Hindernisses
vird die so menschenfreundlich gedachte Bibliothek ihre
egensreiche Wirksamkeit recht entfalten konnen.
Studentische Gedankensplitter. Aus der Kneip
eitung der „Frankonia“Heidelberg veröffentlichen die
Burschenschaftlichen Blätter“ folgende blutigen „Hirsch
asse⸗Gedanken“
VBie Tiefterz.
Zin Spicker fuhr aus seinem Speer
Mit leisem Pfiff von unten her
In suhnem Tatendrange. ⸗
da sah er vor sich eine Wange,
Die ihm gleich einem Apfel wintt,
Der saftig rot am Baume blinktt.
Er biß hinein mit wildem Trieb.
Worauf er starb und sitzen blieb. —
Die Quart.
In einem Speer stak eine Qunei.
Der es darin zu einsam ward
Sie sprang deshalb mit lautem Krach
Auf ein zerhau'nes Schädeldach.
Ihr Sprung war nicht vergebens;
Sie traf vereint noch andre Quarten,
Die längst schon ihrer Schwaster harrten,
Und freute sich des Levens. —
Der Knochensplirter.
Fin Knochensplitter schlank und lang,
Durchglüht von frohem Wanderdrang,
Berließ den bisherigen Zufunmmenhang,
Und ohne Ziel und ohne Zwecke
Riß er sich aus der Schädeldete
And flog davon. — — — —
Ist das nicht Hohn
Auf das Gesetz der Cohärou? —
Die frauzösische Kriegsdenkmünze von 1870
Diese Kriegsdenkmünze ist nunmehr endgültig von bei—
en Häusern des Parlaments genehmigt worden, so daß
ie bereits in absehbarer Zeit an die Beteiligten abge
jeben werden kann. Diese Denkmünze reiht sich denen
on Sankt Helena, der Krim, Italiens, Mexikos, Chi—
as (1860 und 1900), Tonkins, Dahomes, Madagas
ars und Marokkos, sowie der Kolonial⸗Denkmünze mi
en verschiedenen Spangen an. Da es sich um die Er
nnerung an einen unglüucklichen Krieg handelt, hatte der
erstorhene Krioakminister Berteaux don dem Grovor

zu besfürchten, an den niedlichen Fingerchen blebe ven
der Berührung des „gemeinen Kölers etwas Unreines
cleben. Ja, ließen die Wunden sich mt Glacehandschuhen
anfassen!“
Nein, gar nicht, Onkel Gerhard, gar nicht anfassen,“
rief Fanny halb schaudernd, halb lachend. „Ich kann über⸗
haupt keine blutende Wunde sehen, aber deshalb, Onr'el
Berhard, mußt du nicht etwa glauben, ich sei gefühllos
zegen ein armes, leidendes Geschöpf, fei es Mensch odern
Tier! Wenn es gilt, indirelt zu helfen, opfere ich dann
ogar gern einen Teil von meinem Taschengelde, nur .
„Nur nicht mit eigenen Augen schen, nicht selbst die
Quelle des Elends aufsuchen. Doch verzeiht, ich sehe es
ẽuch an, Ihr fragt Euch verwundert, was dem närrischen
Serhard einfällt, gleich in der ersten Stunde eine morosi
che Standrede zu halten.“
„Es ist wohl eine salsche Annahme, verehrtester On
el,“ nahm der Baron, seine innere Gereiztheit unter ei
ier Miene komischer Zerknirschung verbergend, das Wort
Deine strenge Philippita richiet sich hauptsächlich geger
nich! Schau, ich halte jein still, also gieße nur die Schalt
voll des Zornes ganz aus übet mein sündiges Haupt.“
O dul“ kam Fanny des Onkels Erwiderung lachend
uvor. „Schaden könnte es dir auch wahrlich nicht. Vol
allen Dingen, mein Herr, berichten Sie jeht erst ganz ge⸗
illtgst die Ursache Ihres“ langen Ausbleibens!?
»ix Reinholds Blicke verfinsterten sich. 7
*Sie war fatal genug. Ich hatte auf dem Vorwen
ine sehr ärgerliche Auseinandersetzung mit den Mäherr
& denke, Mama, der Kerls verlangen während der Ern
ezeit höhere Löhnung, sie steigern ihre Forderung ing
Maßlose.“
„Wenn die Männer dich nur nicht im Stiche lassen
ieber Sohn! Du hast sie dringend noͤtig, lege jedem le
der etne Kleiniatit . rief Frau von Ellisigen von Be
. Mamal! Ich kenne meine Leute,
en Finger erlaubt, verlangen sie
irde unterbrochen durch den Ein—
r respeltvoll meldete, daß ange⸗
ꝛeit kehrte Maria zurück. Ein
an deren Seite

Beorges vemarre verrangt, mm ver Kromposttion ves Mo—
ells jede hochtrabende Anspielung, Lorbeer oder Ei—
hjenblaͤtter, ja sogar das Wori „Gloire“ zu vermeiden,
m nirgends anzustoßen. Herr Lemaire hat sich an die
hm erteilten Weisungen sehr streng gehalten und sen
ẽentwurf ist der Reihe nach von den Kriegsministern
zerteaux, General Goiran und Messimy gut geheißen
vorden. Die Vorderseite der Denkmünze traͤgt den
dopf der Republik mit dem Renaissancehelm, den Le—
naire bereits für die Marokko⸗Medaille benützt und für
en er die klassischen Züge der Opernsängerin Fernand⸗—
zubois von der Komischen Oper kopiert hat. Dageger
ind die Eichenblätter, die den Kopf auf der Marotkko
Nedaille umgeben, auf dem Modell der Denkmünze von
870, verschwunden. Die Rückseite deckt eine Trophäe
nit der Inschrift: „Den Verteidigern des Vaterlands.“
)as Band, an dem die neue Denkmünze, die in Bronze
ergestellt wird, zu tragen ist, wird aus vertikalen grů
en und schwarzen Streifen gebildet, die grünen Strei
en an beiden Enden, damit das Band sich von der
zivilkleidern besser abhebe. Diejenigen allen Krieger
ie sich für die Dauer des Feldzuges freiwillig anwer
en ließen, können ihrer Denkmünze eine befsonder
PRange beifügen. Die Matrizen der neuen Medaill
verden ehestens dem Münzamte übergeben, das hierau
mnverzüglich mit der Prägung der in Aussicht genom
nenen 40 900 Denkmünzen beginnen kann. vDie Her.
tellung dürfte ein Jahr beanspruchen. Die Titular
nüssen somit warten, bis die Reihe der Einschreibun
en an sie kommtz diejenigen, die die Medaille kaufer
vollen, haben dafür 1.50 Frank zu entrichten.
Ueberschwemmte Kohlenmine Am 26. Juni if
ie Kohlenmine in Port Hood, Kap Breton Island
deuschottland, ganz plötzlich und völlig unerwariei durch
aächtige Wassermassen uͤbecflutet. Die Mine —XTL
n der westlichen Küste der Insel, die Tiefe der Mine⸗
t 2500 Fuß unter dem Meeressbiegel. das Wassen
türzte mit furchtbarer Macht hinein, in wenigen Stun—
en stieg es in der Mine auf 500 Fuß, und hat jetzt
»as Niveau des Meeresspiegels erreicht. Nach Aussage
es dort anwesenden Minenkommissars Dondlin ist es
anz ausgeschlossen, der Fluten Herr zu werden, etwa
urch Anwendung von Pumpen, und es soll des halb
in solcher Versuch gar nicht gemacht werden, die Mine
t nach Ansicht des Kommissars als absolut verloren zu
etrachten. Die Minengesellschaft ist unter der Firma
hort Hood Richmond Railwah and Coal Companyꝰ
zkannt und Besitzerin einer Eisenbahn an der Westküst.
on Kap Breton Island. Die Gesellschaft hat stets mis
ielen Widerwärtigkeiten zu kämpfen gehabt, sie wurde
on Kapitalisten in Neuschottland gegründei und ging
or einigen Jahren in den Besitz von Kapitalisten in
oronto und Montreal über, Beide Konsortien emii—
erten Bonds, zusammen im Betrage von eiwa fieb—
ehn Millionen Dollaré

Neue Schaumweinstenerzeichen sind vom Bundes
at beschlossen worden. Die Zeichen sollen nach dem
Villen des Bundesrates auf der Schauseite eine um—
änderte Verzierung in einem dunkleren Ton der Grund.
arbe tragen. Bei der Steuerklasse 1 stellt diese Ver
ierung künftig Zweige mit Früchten, bei den Steuer
lassen 20 bis 26 den Aufdruck: „Schaumwein⸗Sieuer⸗
die neuen Zeichen werden sofort eingeführt. Es dür—
en aber daneben die bisher im Gebrauch befindlichen
»is zum 1. Jannar 1912 verwendet werden.
Gegen die Hutnadeln. Die Eisenbahndirektion in
Saarbrücken hat jetzt im Kampfe gegen die Hutnadelr
zu einem sehr energischen Mitlel gegriffen. Sie richte
an alle reisenden oder den Bahnhof betretende Damer
das Ersuchen, ihre Hute nicht mit solchen durchaus un
Jewöhnlichen gefährkichen Nadeln zu befestigen, oder
venigstens die gefaͤhrdrohende Spitze durch Schutzhülsen
oder sonstwie unschädlich zu machen. Die Eisenbahn⸗
erwaltung hat ihr Personal angewiesen, darauf zu
ichten, und, ohne erfi Beschwerden anderer Reisenden
ibzuwarten, Damen mit solchen Hutnadeln zur Ent
ernung der Nadeln aufzufordern. Wer dieser Anord⸗
iung nicht nachkommt, wird auf, Grund der Eisenbahn—
erlehrsordnung von der Mitfahrt ausgeschlossen und
um Verlassen des Bahnhofes aufgesordern
Bitronenfanre aus Sterilisationsmittel. In der
Rature“ wird ein ebenfo einfaches wie wirksames Mit!el
ur Sterilisation von Trinkwafsser angegeben. Dr. Chriftnas,
 der es herausgefunden hat, ist dabei von der Tat⸗
ache ausgegangen, daß Cholcra- und Typhusbazillen in
inem Quaktum Wasser, das 6 bis8 Zehntausendstel Zi⸗
conensäure enthält, zugrunde gehen. Einige Gramm der
enangtten Säure reinigen einenß ganzen Eimer Wasser von
en verderblichen Bakterien; um seinen Geschmack zu ver
essern, kann man ein wenig gewöhnlichen Zitronenfaft
inzumischen. Uebrigens ist dieser in ven Tropen als be—
vährtes Heilmittel gegen das gelbe Fieber längst bekannt.
Ras Urteil über den Fischreiher
st von Seiten der Fischzüchter früher ein einstimmig un—⸗
‚ünstiges gewesen, und erst in jüngster Zeit ist der Ber—
uch gemacht worden, den zweifellos durch Schönheit aus⸗
ezeichneten Vogel bis zu gewissem Grade in Schutz zu
iehmen. Man will ihn wenigstens vor völliger Ausrottung
vemahren und rechnet inn aun hy Maa———

Irnwichen etfuht ich. fotgte die ¶ Dame i nicht he⸗
ade unfreundlichem Taune, wodurch Sie auf dem kurzen
Wege von der alten Ursel bis zum Schlosse ungebührlich
lange aufgehalten wurden; ich will Sie deshalb keines wegẽ
tadeln — Barmherzigkeit auch gegen krankes Vieh steht
dem Menschen wohl an — aber ich möchte doch wünschen
Frau von Ellngen erhob ein wenig die Stimme⸗
daß Sie bei ähnlichem Vorkommnis Ihre täglichen Pflich
ten nicht dem Mitleid für fremde Geschöpfe hintenanseen.
fHyet Maria entgegnete nichts, neigte nur in stummem Ge—
jorsam den blonden Kopf und trat dann hinier den Roll⸗
iuhl der Herrin, ihn in den Speisesaal zu schieben. Doch
in demselben Augenblick wurde sie von Herrn von Burg⸗
zausen sanft beiseite gedrängt
vVerzeihung, Fräulein Techmar,“ bat er höflich dies
ist mein Amt. Sie müssen mir schon gestatten, sehzle er
mit seinem gewinnenden Lächeln hinzu, während meines
Aufenthaltes im Schlosse auf mein alles Vorrecht Anspruch
u erheben ⸗ ——
.Bravo, Onkel Gerhard,“ lachte Fanny fröhlich. Sie
nüssen wissen, Fräulein Maria,“ plauderte sie, fich an den
lIrm der letzteren hängend, meine Mama behauptet, On⸗
el Gerhard wäre ftets der aufmerlsamste Kavalier gewe—
en. den man sich denken kann — und nun ist es doch
oahrhaft tröstlich zu sehen, daß seine ritterlichen Gewohn
eiten bei den Menschenfressern nicht zugrunde gegangen
ind.“ ——8 * — ** —9*
Ja, ja — es scheint,“ nidte Burghausen,* die Kleine
hat befür Htet, mich gls verwilderten Varbar wiedertehren
u sehen!“ — 7
— J

AMlein ⸗endlich alleinß W
Dern shob en Ruccichel ihres Ectbchende ror durhhritt
 den kleinen monderhellten Raum bis zu dem Korb⸗
essel in der Fensternische, wo sie an schönen Sommer.
benden gern noch ein Stündchen zu verträumen pflegte
»evor sie sich zur Ruhe begab. Gedankenschwer blidte sie
sinaus in die schimmernde, duftende Sommernacht, be⸗
nüht, die mancherlei Vorgänge des nun entschwundenen
Tages noch einmal sich zurüdzurufen, eines Tages, be—⸗
begt wie kaum ein zweiter während des halben Jahres,
as sie auf Schloß Ellingen verlebt hatte; da war es
ameist ein fast vergeisener Name. der heute nach Jahr

ren Schutz man jetzt mehr Aufmerksamkeit widmet alds
rüher. Der Reiher gehört zum Wasser wie der Adler zum
dochgebirge und sei daher zu erhalten. Vor allem aber
jat man geglaubt, dem Reiher auch etwas Gutes nachsagen
zu dürfen, damit er nicht mehr als ein Bösewicht mit
auter schlechten Eigenschaften dastünde. Abgesehen von
den Verdiensten die er sich durch die Lieferung seiner präch—
igen Federn erwirbt, sollte er sich dem Landmann durch
ꝛifrige Vernichtung der Feldmäuse nützlich machen. Ei⸗
dandwirt hatte versichert, daß die Reiher so erpicht au
Näuse wären, daß sie einmal zum großen Teil ihren
Zug nach Süden zur Winterszeit ganz unterlassen hätten,
nachdem sich in der betreffenden Gegend eine große Mäu—
eplage eingestellt hatte. Einige von diesen Reihern, die
zeschossen wurden, legten noch nach dem Tode ein vollgi
tiges Zeugnis ihres nützlichen Lebenswandels ab, indem
ich ihr Magen mit Resten von Feldmäusen gefüllt fand,
ber nicht einen einzigen Fisch aufwies.
MPosfialisches. Jeder Landorie rager sührt auf sei—
tem Besite! lgang ein Annahmebuch mit sich, welches zu
Sintragung der von ihm angenommenen Telegramme, Ein
chreib⸗ und Wertsendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen
Pakete, Nachnahmesenduͤngen und Zeitungsbesteilungen, so
vie der zur Frankierung der Sendungen, zur Beste lung
der Zeimmngen und zur Beschaffung von Wertzeichen ihm
ibergebenen Beträge dient. Ein gleiches Annahmebuch führ
eder Inhaber einer Posthilfsstelle für die bei dieser nie—
ergelegten Wertsendungen ufw. Es ist zweckdienlich, daß
zie Aufgeber die Eintragung der Sendungen usw. in die
»ezeichneten Annahmebücher eigenhändig besorgen oder fig
wenigstens von der Buchung durch den Landbriesträgen
»der den Posthilfsstel eninhaber überzeugen. Da diese Ve
timmungen noch immer nicht aus eschend belannt sind
verden sie erneut aur öffent ichen Kennmis gebracht.
Engruirpcyrer RArnauistenbesuch.
Es spricht zu Euch manch' hoher Herr,
Von der Presse, in Worten voll Klarheit.
Wie sie kuture bedeunend waͤr,
Und Ihr freut Euch der schoͤnen Wahrheit.
Und bieles seht Ihr im deutschen Land,
Was Ersoig ven deuischem Geist ist,
Und bewundernd gebt Ihr am Schluß bekannr,
Wie herrlich bei uns man gereist ist.
Doch habt Ihr die Zelle auch geseh'n,
WVo mancher eh geschmachtet,
Weil er ehrlich wolte durchs Leben geh'n,
Und Denunzianten verachter?
Und saht Ihr die F essseln, did und schwer,
Womit man gelegentlich zierte —J
Die Schwerverbrecher und Redakteur'
Und so durch die Straßen sie führle?“
Und saht Ihr endlich den großen Geist,
er die deutschen Kollegen umschwebet,
er uns mit Argusaugen unmlreist, —
zzo laut man die Stimme erhebet?
Der die deutsche Presse hütend bewahre
Als reaktionärer Trutzmaun,
Saht Ihr — unerreicht in seiner Art! — —
Seine Hoheit den preußisschen Schutzmann?
Man hat in Euer Programm das nicht
Zur Besichtigung aufgenommen. *
So was versteckt man vor dem Licht, 5
Wenn fremde Leute kommen.
Ihr saht ihn nicht, den traurigen Zopf,
Die Aufsicht von Anmtes wegen,
Ihr hättet bedenklich geschuͤttelt den Kopf,
Kondolierend den deuischen Kollegen!
(Aus der „Jugend“.)
Parxlamentarische Liebenswürdig—
e i ten. Wie aus den Sitzungsberichten des ungarischen
ibgeordnetenhauses zu erfehen ist, haben sich neulich dort er—
gte Szenen abgespielt, uͤnd bei dieser Gelegenheit sind
wiegespräche zwischen den Abgeordneten gehalten worden
ie wahre Muster von Höflichkeit und vornehmer Umgangs—
grache sind. Wir geben im folgenden nach dem HNeuen
Lester Journal“ einige besonders charakteristische Stich
roben aus den Unterhaltungen der Volksvertreter wieder:
Manin: „Als im der Jjüngsten Sitzung mein Abge—
rdnetenkollege Alexander Vajda. 68
Eine St i m me: „Hinaus mit dem Schweinl“·
Rufe: „Sie sind mit ihm solidarischẽ“
Csizmazi'a: „Ein Vaͤterlandsverräler hat hier kei⸗
en Platz!“
Manin: „... mit Gewalt gezwungen wurde, den
Zibßungssaal zu verlassen .*
Rufe: „Sehr richtig! Recht geschieht's ihm! Er wird
nier niemals mehr erscheinen können.“ (Großer Lärm.)
Später heißt es einnal:
Csizmazia: „Der Vaterlandsverräter hat es ver⸗
ient, an die Luft gesetzt zu werden.“
Somoghyi: „Er kann von Glüd sprechen, daß er
ioch seine Backzähne hat.“ (Großer Lärm.)
Eine andere Stelie des Berichts laͤuten „Der ganze
Fal ist aber beispiellos in der Geschichte des Parlamen—
arismus. Dies ist der veritable Ostrazismus ...“
Hentaller: „Vaterlandsperräterische Schurken!“
Eit exSolche geueine Schurten ie Sie dißt es

und Cag zum ersten Vale wiecer an ihr Ohr drang. —
Seitdem klang er unwillkürlich in ihrer Seele wieder,
Frinnerungen an die schredlichste Zeit ihres Lebens führ⸗
en Maria im Geiste zurüd an den Ort ihrer unausloschichen
 Schmach.
Deutlich meinte Maria daselbst das entsetzliche Weib
nit den gemeinen Gesichtszügen und den frechen Augen
yor sich zu sehen, wie es mit rohen, unflätigen Schimpfeden
 die wehrlose Stubengenossin quälte. Mit welchem
Entsetzen sah sie sich aufs neue unter den ihr zugefügten
dränkungen leiden. Wie heiß ersehnte sie den Tag, wo
ie an des geliebten Vaters Seite das „Friedensasyl“ für
mmer verlassen dürftel Welch ein seliges Weihnachtsfest
vellten Vater und Tochter miteinander felernn So on
MNaria des Augenblids gedachte, in welchem Dr. Stahl sie
nuf den furchtbarsten Schlag ihres Lebens vorbereitete,
onnte sie nie begreifen, daß die schmetternde Wucht der
Trauerbotschaft sie nicht zu den Fuͤßen des Verkünders kdot
niedergestredt hatte. Von ihrem Tun in den nächsten Ta⸗
en konnte sie sich kleine Rechenschaft mehr geben. Ihr
var alles wie erstartrt gewesen. Zwar versäumte fie keine
hzrer Pflichten, aber sie ging und sprach und handelte
ait der Fühllosigkeit einer Puppe, die am Draht gezogen
vird. Daß ihr Herz nicht ersticte an seinem Weh, daß
e allmählich wieder bewußten Blices um und in sich
chauen lernte, verdankte sie einzig dem tröstlicken Zuspruß
»es edlen Mannes.
Wie es Dr. Stahl schon einmal gelungen war, die
erschlagene junge Wenschenseele aufzurichten, so fand er
n seiner Milde auch jetzt das rechte Trostwort für die
zerlassene Waise, indem er nicht ermüdete, auf die Hülfe
»essen hinzuweisen, der den Mühseligen und Beladenen
tuhe und Exquickung verheißt. Tabei verlor ihr Schmerz
»en Stachel, es wurde still in ihrer Seele, in demütigel
ẽrgebung befahl sie ihr Leid, ihr Leben dem Allbarm—
jerzigen, er war fortan ihr Schutz und Schirm, ihbre Zu
etsicht und ihre Burg. — ———
Zwei Meilen von Weinfelden, wo Marig den Bahn⸗
zug verlassen mußte, wurde sie ven Dr. Maurer erwarte
uind mit Vertrauen erwedender Herzlichkeit begrüßt. Es
var ein klarer, heiterer Tag, der Wind wehte ein wentie
risch. Auf den Aedern hantierten Männer und Frauen ir
msiger Tätigkeit, doch wo der von alt und jung gleid
achperehrte Arat verübersuhr, bielien

4

in reinem ꝓariament der Weil. (Großer varm.)
Und dann als w'rkungsbonler Abschluf,
Eitner: Der Abgeordnete Manin hat sich
vergessen, zur Verteidigung einer schlechten Sache de
zuu ergreifen. Getreu seiner Gewohnheit, hat er
gelogen und verleumdet. Das ist so Art der Wala.
Präsident Jusst h: „Wegen dieser Ausdrücke
den Herrn Abgeordneten zur Ordnung!“
Olay: „Spießgesellen. Schurtems Man sollt⸗
alle hinauswerfen!“
Manin'bcehauptet, den Sachverhalt der *
etreu geschildert zu haben. Er ist überzeugt, v
Präsident zur Aufrechterhaltung der Ordnuͤng kein
hialgewalt bedarf, er hat hierzu Macht und Recht
Die Behauptung Eitmers sei eine Beleidigung fü.
anze rumänische Nation! (Großer Laͤrm uñd Wide
Präsident l3ͤutet. Rufe: „Er ist schon wieder
gr o b. Do gibts keine rumänische Nation, nu
rumänische Nationalität! Halten Sie schon den Mi
Präsident Jusst h macht den Rednet darauf
sam, daß es in Ungarn eine tumänische Nation
bel
Julius Manin: „Es wäre die Pflicht des P
ien gewesen, den Abgeordneten Vaida, dessen Plat
ist. Zu schiützen!“ (Lärm. Rufe links: Ein Echan
im Kerker seinen Platl“)

—“

— — —— —
Kunst und Wissenschaft.
sarl von Pilotnhs. (gum 253 jährigen Tode—
Am 21. dss. Mis. sind 25 Jahre verflosser.
nan auf dem Münchener Südfriedhof die ster
deberreste Karl von PiLotys, des berühmten His
nalers, ins Grab senkte. Pilotys, der ein Alte
ast 60 Jahren erreichte der eben seiner künn

*7
2

E narl von piloty. 55
tätigkeit besonders als Direktor der Münchener
kademie hervortrat, war bekanntlich in der Wiede
es Stofflichen im Bilde Meister, seine zahlreichen.
nälde bilden die Zierde vieler deutscher Sammlu
Von Pilotys Schülern sind besonders Makart, Ma—
regger und Lenbach zu nennen.
Mottls Nachfolger. Für den Posten eines
dofkapellnmeisters in München haben sich bereits
dandidaten gemeldet. Hofkapellmeister Or. Karl M
zerlin, ein geborener Würzburger, kommt als erst
Betracht. Die Generalintendanz will erst nach d
August eine Entscheidung sreff⸗n

I —
Handel und Verkehr.
Ursprungszeugnisfe für Frankreich. Der
band Südwefideutscher Industrieller beantragte be
Staatssekretar des Reichsschatzamtes, daß die von
französischen Zollbehörden verlangten Beglaubigu.
der Rechnungen für Waren, die nach dem neuen
zösischem Zolltarif nach dem Werte zu verzollen
tatt vom franzöfischen Konsulat auch von den
schen Zollstellen ausgestellt werden können, da di
französischen Konsulalen bei der Beglaubigung von
prungszeugnissen erhobene Gebühr von Franfts 6,
sentlich zu hoch erscheine. Der Schatzsekretär hat da
hin die Bundesregierungen ersucht, die Zollstellen.
gemein zur Visierung der Fakturen über diejenigen
Frankreich auszuführenden Waren, die nach dem
ranzösischen Zolltarif einem Wertzoll unterliegen,
ermächtigen. In Preußen und Anhalt muß nach
esetzlichen Bestimmungen in Fällen, in denen der L
— H. Wertzoll also
rakturenbetrag 1500 Mark übersteigt, ein Stempel
Mark und 1.50 Mark für die Visierung zur Ein—
ug gelangen, während bei niedrigeren Werten die
Jlaubigung stempel— und gebührenfrei erfolgen k
In den übrigen Bundesstaaten werden dafür zum“
Ztempel oder Gebühren erhoben, die der Regel
»en Betrag von Mr. 1 nicht übersteigen; zum
indet eine Erhebung von Stempeln oder Gebür
iberhaupt nicht statt.

blide alle, selbst die fleißigsten, in der Arbeit inne, eh
hietig seinen Gruß zu erwidern. Er kann⸗ alle beim⸗
nen. Seinem ‚Gruͤß Gottl“ fclgte fast für jeden eir.
aen eine freundliche Bemerkung übers Wetter, das geg
värtig so günstig für die Feldarbeit sei, oder eine
aehmende Frage, haäusliche Verhältnisse betreffend. Da
ersäumte Dr. Maurer nicht, ein lebhaftes Gespräch
jeiner schüchternen Gefährtin in Gang zu erhalten.
alles, was ihrn irgend geeignet dünkie, ihr Interesse
erweden, machte er sie aufmerlsam und freute sich
zerständigen Antworten. αα
Maria empfand dankbar die Absicht des gütigen Ve
nes, sie von ihren traurigen Gedanken abzulenlen; sie w
bemüht, den verschledenen neuen Dingen, auf welche
hren Blid hinlenkte, offenes Verständnis entgegenzubr
Jen; hin und wieder wagte sie selbst eine Frage; aber«
Weinfelden in Sicht war, verwirrte sich ihr Denlen,
ward so unbeschreiblich zu Mute, daß es ihr beinahße
Atem benahm. —
* Auch Dr. Maurer verstummte allmählich; stiegen no
im letzten Augenblicke Bedenken in ihm auf, ob er wol
recht getan, die nicht Malellose in fein Haus zu führer
Befürchtete er, seine Frau mchle 653 Imvpbsange in
sen und Miene eine derletzende Vgmeingenomnmengen
en? — —
Schweigend fuhren sie durch das große Dorf, de
äberall, wohin der Blid fiel, für die Wohlhabenheit di
Bewohner Zeugnis ablegte, bis vors Dottorhaus. Ai
der Wagen hielt, öffnete sich die Haustür und eine leine,
rundliche Dame trat unter den laubenartigen Vorbau
Grüß Gott, liebes Fraule — hier bring ich dir ein
qutes Hausgeistchen, das einen Teil Wirtschaftssorgen du
ib⸗ und auf ich nehmen will,“ rief Dr Maurer in munl.
cherzendem Tone. e
Mit aufrichtiger Freude begrüßte die Frau das Mäd
hen, indem sie es in ihre Arme schloß, es herzlich au
beide Wangen küßte und bewegt sprach:
„Willkommen, mein Kind. Der Herr segne deinen En
aana unter unser schlidtes Dach
Fortsetzung folat
            
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