Full text : Dudweiler Zeitung

krscheint
hemit Aus⸗
me der Sonn⸗
eiertage und
et monatlich
ins Haus ge⸗
cht 70 Pfg.,
der Post be⸗
It vierteljähr⸗
h 2.26 Mark.

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2 2 20 —E * F ———
Umtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beilagen:
298 v 2 2 2 2
Bürgermeisterei⸗Bezirk Dudweiler. Sonntagsblatt und Heitere Blätter.
enspr.Anschlutz Saarbrden Nr. 69, 259, 269, 1261. Drud u. Verlag: J. Unterkeller. Dudweilor Verontwortlich fũr die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigeme Karl Unterkeller
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rbonnen i mi se M. gegen Tod durch! foll bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Stunden nach dem Unfall in ärztlich.
ndlung begeben. Todesfälle müssen sofort spätestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebracht werden. über die Voraussetzung der Versicherung geben die Versicherungsbedinaungen Aufschluß, die vom Verlage od. von der Nürnberger Lebensversicherungsbank zubezieh lind.
Nr. 172. Donnerstaq, den 20. Juli 1911 ——
— —2

1
Gefährdete dentsche Juteressen.
Dem 13jährigen Schah von Persien, Ahmed Mirza,
aseinem eigenen Vater, dem Mitte Juli 1909 ab—
zten Mohammed Ali ein Gegenschah erstanden, der
'den Rebellen proklamiert wurde und wieder ins
d gerufen werden soll. Zu diesem drohenden Um⸗
in Persien erhält der Berliner Korrespondent des
G.A.“ von einem Vertreter der deutschen Groß—
Z, den wichtige Beziehungen mit dem persisch⸗tür⸗
u Grenzgebiet verknüpfen. folgende interessante In⸗
ationen:
die Schreckensworte „Umsturz“, „Krieg“, „Mobil—
ung“ haben für uns, wenn hinten weit in der
ei die Völker aufeinanderschlagen, einen blechernen
mechten Klang. Uns interessiert nicht das Blut
twas illegitimen und zweifelhaften Helden solcher
pfe, das da fließen soll. Aber mit dem Schicksal
Halbstaaten sind die finanziellen Interessen der
naͤchte ena ver?:nüpst. Und an diesen Verknüpfun—
Deutschland wachsend beteiligt. Man braucht nur
Vort Bagdadbahn auszusprechen und die
rion ist für uns gegeben. Eine der Hoffnungen,
ian auf die vielbesprochene Potsdamer Besprech—
aut, ist die endgültige Zustimmung und Mitwir—
Rußlands bezüglich der deutschen Pläne einer
uhrung der Bagdadbahn. Von der russischen Po—
migen aber auch die Zustände im ganzen persi—
dinterland“ des Bagdadbahngebietes ab. Rus—
Lruppen beteiligten sich an den Gefechten, die am
ili 1909 mit der Erstürmung der Stadt Teheran
zie persischen Nationalisten endigten. In der rus—
Gesandtschaft suchte und fand der abgesetzte Schah
umed Ali damals Schutz. In der russischen Stadt
wurde ihm ein Asyl gewährt. Im Februar 1910
eigerte die russische Reglerung die Auslieferung des
Hen Rebellen Rakhin Khan. Sie betrachtete dieser
»litischen Verbrecher, während Persien ihn als
hen Räuber behandelt wissen wollte. Rußland hat
rets die Hand im persischen Spiele, und man wird
n Auswärtigen Amt zu Berlin Klarheit darüber
haffen müssen, wie man an der Newa über die
sten persischen Ueberraschungen denkt. Ein großes
ck war es, daß der erste Regent, der dem jungen
der Könige“ auf seinem schwachen Throne bei—
zcu wurde, Azulk el Mulk, im September vorigen
s gestorben ist. Sein Nachfolger, Nafr el Mulk,
»ie Erwartungen, die man hegte, nicht erfüllt. Er
mnicht den Einfluß seines Vorgängers, der als
ptling des vornehmsten Stammes der Kadjar der
»sehendste Mann in Persien, eine Art Oberhaupt al—
persischen Stämme, zugleich der einzige vertraute
uind der früheren Herrscher Mohammed Ali und Mu—
reed-Din war und als einziger das Recht hatte,
dem Schah sitzend Audienz zu nehmen. Die lang—
cigen Versassungskämpfe in Persien, die so blutige
cgerkämpfe entfesselten, haben zwar in einer merk
tdigen Parallele zur Türlei mit dem Sturz des ab—
itistischen Regimes geendet. Es fehlt aber in Persien
starke Mann, der bis zur Großjährigkeit des jetzi—
Schah⸗in⸗Schah die Idee der modernen Staatsver—
ung aufrecht zu erhalten hätte. Und der abgesestzte
hammed Ali ist erst 40 Jahre alt, kein mürber Greis
Abdul Hamid in Saloniki, sondern ein sehr
enskrästiger Prätendent, der seine Ansprüche nicht
leicht aufgibt.
Bei solchen ungesicherten Zuständen ist natürlich auch
für Deutschland überaus wichtige Grenzgebiei zw
en Persien und dem türkischen Reich gefaährdet.
enkt man sich die Mittellinie des Persischen Golfs nach
»rden verlängert, so haben wir ungefähr die Grenze
schen Persien und dem türkischen Reich. Von Basra
Batum verläuft diese Linie, auf der die Völker
t zur Ruhe kommen wollen. Die Perser unterneh—
ivon jeher entweder selbst allerhand „Truppenüb—
en“ nach dem Westen oder doch drücken sie, weil sie
st wenig kriegerisch veranlagt sind, gern ein Auge
wenn armenische Banden raͤuberische Ausflüge hin
ar in die Türkei untorrre und vwor den N

nern haben die Turten immer noch einen „Heidenre—
pekt“‘. Seit einem Jahrhundert wogt die kriegerische
vLelle zwischen Türken und Persern hin und her. Das
ezeichnete Grenzgebiet, vom Golfe bis zum Norden
um Ararat im Kaukasus war ursprünglich ein Tummel—
»latz nomadischer Stämme, die keine Grenze kennen.
tine englisch-persisch-russisch-türkische Kommission be—
hränkte in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhun—
»erts das streitige Landgebiet auf eine Strecke von 50
dilometer. Ueber diese 50 Kilometer sollten dann Per—
ien und die Türkei sich einigen. Es ist heute noch nicht
eschehen. Am 31. August 1907 schlossen England und
stußland das aufsehenerregende Abkommen über Per—
ien, Afghanistan und Tibet. Wenn es Deutschland nicht
vieder gehen soll, wie dem Dichter in Schillers „Tei—
ung der Welt“, so muß es in diesem Bunde der Sritte
verden. Es dürfte dies die einzige Möglichkeit sein,
Frieden und Sicherheit zu gebieten und die Bagdad—
»ahn in den Satiel oder vielmehr ins Geleise zu setzen
SSe —— ——
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Regelmäßig tauchen in den Sommermonaten Nach—
chten in der Presse über Personalveränderungen in
ichtigen Aemtern des Reiches und der Bundesstaaten
uf. Zumeist erweisen sie sich dann als Kombinationen
ind ein promptes Dementi läßt gewöhnlich nicht lange
uf sich warten So wußte eine Berliner Abendzei—
ing zu melden, der preußische Justizminister Bese—
er sei amtsmüde und sein Rücktritt sei nur noch
ine Frage der Zeit; auch würde in dem Breslaueir
berlanbesgerichtspräsidenten Bierhaus bereits der
dachfolger genannt. Jetzt wird diese Meldung ganz
ntschieden dementiert und von einer offiziösen Korre—
sondenz als Erfindung bezeichnet. Auch die Meldung
nes Berliner Blattes, daß der Unterstaatssekretär v.
ch wartzkopff zum Oberpräsidenten für die Pro—
inz Posen ausersehen sei, stößt in eingeweihten Krei—
mäauf starke Zweifel

AUgsvurge am 14. Fun in Vooe. „Lorereyvr
m 15. Juli in Varna. „Jaguar“ am 15. Juli ir
s»ankau. „Luch s“ am 16. Juli in Yotohama. „Ot
er“ am 16. Juli in Olden. „Ber lbin“ am 16. Jul
n Tenerifsa. — Briefregelung: Für „Prin;
4dalbert“ und „Dan zi a“ bis auf weiteres Ma
inepostbureau Berlin

Riauv. Das im Zentrum von Petersburé
belegene Waschmagazin der Wohltäßgkeitsgesellschaft der
deutschen Kolonie wurde am hellen Tage erbrochen. Die
Finbrecher haben iür mebrere tausend Rubel Wäsche ge
tohlen.
Von Richter. Wie aus guter Quelle verlautet
at die deutsche Regierung bei der türkischen Regierung
en Antrag gestellt, das Lösegeld für den gefangenen
denaer Ingenieur Richter zu zahlen, da er auch von
ürkischen Untertanen gefangen und beraubt worden sei
Menterei. Im Gefängnis von Aleppo kam es
u einer schweren Meuterei, deren Gründe noch nich
ufgeklärt sind. Ein großes Truppenaufgebot mußt
as Gefängnis stürmen. Zahlreiche Gefangene wurder
zetötet und über 40 vermunde

S
Koloniales.
MVon der Pestepidemie in Britisch⸗Ostaf;
ika meldet ein neuer Bericht des Gouverneurs vor
eutsch-Ostafrika, daß jetzt auch Nairobi als pestver
eucht erklärt worden ist. Das Gouvernement in Dar
s⸗-Salam wird von dem deutschen Vizekonsulat ir
NRombassa über den Verlauf der Epidemie fortlaufent
interrichtet. Aus Muansa am Viktoriasee sind neu—
Lestfälle inzwischen nicht gemeldet worden.
—— — —
Zur Marokkofrage.
Paris, 19. Juli. Der „Matin“, dessen deutschfeind⸗
iche Haltung bekannt ist, schreibt: Auf Grund von Mit—
eilungen, die uns aus Berlin zugegangen sind, ist es
inniöglich, die Unterhandlungen zwischen dem franzö—
ischen Botschafte Cambon und dem deutscher
Ztaatssekretär vo n Kiderlen-Wächter in opti
uistischem Sinne aufzufassen. Im Laufe der letzten
interredung zwischen den beiden Staatsmännern ha
aͤmlich Herr von Kiderlen-Wächter Kompensations-For—
erungen aufgestellt, die ganz unannehmbar sind. Man
erlangt in Deutschland die französische Kongoküste ein
hließlich der Stadt Libreville, überläßt Frankreich je
‚och das Hinterland. Auf eine Bemerkung des franzö
schen Votschafters, wie Frankreich denn in diesem Fal—
nseine Kolonie gelangen könnte, antwortete Staats
ekretär v. Kiderlen-Wächter, das könnte ja durch ein
u bauende Eisenbahn geschehen. Cambon wies dieses
Ansinnen ab, worauf der Staatssekretär sich erbot, mi
»em deutschen Kolonialamt Rücksprache zu nehmen. Au
iesem Puntt sind nunmehr die Unterhandlungen ange
angt und der Optimismus, womit bisher ihr Fort
ang betrachtet wurde, ist in gewissen französische!
dreisen nunmehr dahin geschwunden. Man ist der An
icht, daß die Besprechungen sich in die Laänge zieher
verden, gibt aber doch noch nicht alle Hoffnung auf eit
ẽrgebnis derselben auf, wenn Deutschland sich berei
rklärt, weniger unannehmbare Forderungen zu stellen
Das klingt alles sehr unwahrscheinlich.)
Paris, 19. Juli. Einem Vertreter der „Franc
silitaire“ gegenüber erklärte El Mokri, der Sultar
verde seinen Einspruch gegen die von den Spanierr
„orgenommene Besetzung bei den Algeeciras-Mächten
viederholen und seiner Verwunderung darüber Aus.
‚ruck geben, daß er auf seinen ersten Protest keine Ant
vort erhielt

Arbeiterbewegung.
— Der Streik in Schweden. Aus Christiani«
vird gemeldet: Die hiesigen ausgesperrten Arbeiter ver
nstalten taͤglich Demonstrationsspaziergänge im Zen
rum der Stadt. Die Werftarbeiter in Dront
eim treten in einen Sympathiestreik; für einen sol
hen ist nach Drontheimer Blättermeldungen auch unten
sen Heizern der nordwärts gehenden Rüstenschiff
siel Stimmung. Der Arbeitgeberverband bereitet eint
ißerordentliche Generalversammlung vor. Aufsehen er
egt die von dem früheren Abg. Vraa, einem sehr ein
lußreichen Arbeiterführer, in seinem Drammener Blat
in die Arbeiter gerichtete Aufforderung, sich Revolver
zu kaufen, um gerüstet zu sein, falls das Militär in
Interesse der Arbeitgeber verwendet werde; dieser Ap
hell steht mit der überall herrschenden Besonnenheit seh
tark in Widerspruch.

Der Seemannsstreik.
Amsterdam, 19. Juli. Die unruhige Stimm
ing der Streikenden hält weiter an. Der Streik ha
ich auf den Holzhafen ausgedehnt, wo jetzt etwa 500
Arbeiter feien Ein Teil der Fuhrleute hat die Arbei
wvieder aufgenommen.
Antwerpen, 19. Juli. Gestern Abend kam es
u einem Zusammenstoß zwischen Ausständigen
ind Angestellten der Red Star Line, die neuangewor
»ene Arbeitskräfte zu den Schiffen geleiteten. Polizei
eamte, welche einschritten, wurden von der Menge au—
zegriffen; ein Beamter wurde verletzt.
London, 19. Juli. Wegen der Ausschreitunger
in Cardiff, wurden 300 Mann Londoner Polizei
zur Hilfe geschickt: doch war es bald wieder ruhig.
— JAJ————————⏑—
Gerichtszeitung.
Duell Gaffron-Richthofen. Mittwoch vormittag be
jann vor dem Berliner Kriegsgericht die Verhandlung
gegen den Gardeleutnant Frhr. v. Richthofen, der
im 10. Mai d. J. in der Jungfernheide bei einen
Duell den Leutnant a. D. und Maler Wilhelmvpon
Baffron erschossen hatte. Bei der Vernehmung er—
lärte der Legationsrat, daß die Handlungsweise Gaff
oms sozusagen Wucher war. In einer Unterredun—
nit Gaffron habe er sogar ihn des Wuchers bezichtigt
ODberlandesgerichtsrat v. Richthofen, ein Bruder des
Angeklagten, bestätigte die Angaben des Angeklagten um
zing mit den Erksärungen das Lorransrätes einig.

Gr— D.
* Die Marineoffiziere —paldos und Zoras
ie Führer des vor zwei Kahren ausgebrochenen Ma
incaufstandes, die seitdem im Auslande leben mußten
vurhen rherufen und wieder in Dien!
Westellt.

Persien.
* Die Landunng des früheren Schahs Moham
ned Ali erfolgte bei Komeschtepe am Kaspischer
Neere in der Nähe von Asterabad. Er stand mit der
‚ortigen Turkmenen schon seit einiger Zeit in Verbin
zung. Während der Zeit, in welcher Hussein Ku
i Khan im vorigen Jahre Minister des Aeußerer
oar, wurden wegen dieser Intrigen ernste Vorstellun
zen bei den Gesandten Großbritanniens und Rußlands
rhoben, von diesen aber ignoriert. Sein Günstling
Rujalal es Sultan, der im Jahre 1909 ebenfalls als
Zchutzbefehlener in Rußland aufgenommen wurde, isi
etzt plötzlich in der Provinz Aserbeidschan unter den
zchahsewennen aufgetaucht und reizt diese zur Empör—
ing aus. Andere Anhänger des Schahs landeten mit
inem großen Vorrat von Patronen in Baku und er—
nelten troß der Vorstellungen der persischen Regierung
ie Erlaubnis, sich nach Petrowsk zu begeben, wo sie
ine Beinrechung mit den Turkmenenhäuptlingen hatten
Haiti.
*Die „Kölnische Zeitung“ meldet aus New-York:
achrichten aus Port-au⸗Prince besagen, daß die Re—
olLutionäre bei Trou die Regierungstruppen g ee⸗
hlagen haben. Unter den Ausländern ist große
cunruhigung. Das Kriegsschiff „Antoine Simon“ (vor⸗
tals „Konsul Grostuk“) sei kampfunfähig. Aus Kingston
»ird gemeldet, daß einige hervorragende Deutschen we—
en angeblicher Förderung der Revolution aus Haiti
usgewiesen worden seien.
— —
Heer und Flotte.
— * Bewegungen der Kriegsmarine. Angekom
Hen: „Friedrich Karleam 14. Juli in Odde

AX
Am Todestage der Königin Luise. Im Char—
ottenburger Mousoleum wurden Mittwoch vormittag am
dodestage der Königin Luise im Auftrage des Kaiser«
even Webeertraänze entiprrheno der Anzahl der Kin
‚er der Königin niedergelegt.
Im Rausche. Bei einer Bootsfahrt, die fünf un—
erheiraiete Kellner des Kurhauses Zippendorf in Meck
enburg am Mittwoch Morgen in angeheitertem Zu—
rande auf dem großen See unternahmen, kenterte das
Zoot, und die Insassen fielen in das Wasser. Einer
onnte sich durch Schwimmen retten, ein zweiter wurde
echtzeitig herausgeholt; die beiden andern ertranken.
Ertrunken. Aus Welzheim wird berichtet:
Fnenstag nachmittag verlor beim Baden der 10jährige
Sohn Friedrich des Hauptmanns im Infanterie-Regi—
nent „Kaifer Friedrich“ zu Stuttgart, Freiherrn v. Hü—
sel, da er sich an einer für das Baden nicht bestimmten
Ztelle zu weit in die See hinauswagte, den Boden un—
er seinen Füßen und versank. Seine Mutter Paula,
Freiftau von Hügel, eine geborene Brune aus Rem—
cheid, und ein Dienstmädchen suchten den Knaben zu
etten, büßten dabei selbst ihr Leben ein. Die Leichen
dor drei Ertrunkenen koörnt vn e Soge

— —— —
Von der Luftschiffahrt.
*]Rundfhüge. Der Rundflug durch Eng
and beginnt Samstag, 22. Juli in Brooklands. De
Flug führt in vier Etappen über 1600 Kilometer un
zwar von Brooklands nach Handown-Edinburgh-Harro
zate-Newcastle-Edinburgh und Bristol nach Brighton
Die Zahl der Teilnehmer beträgt 29, die sich um rum
200 000 Mark bewerben. — Einen Flug durch Bel—
risen veranstaltet vom 6. bis 15. August der belgische
leroklub. Die Strecke führt von Brüfsel über Mons
Tournai, Blankenberghe und Antwerpen nach Brüsse
urück. — Einen Flug durch Bayern, der even
uell auch auf Oesterreich ausgedehnt werden soll, plam
ex baperiiche Nerofsub fär 1912 Der SFlua sou à

Ausgestoßen.
Roman von A. Marbyy.
Nachdruck verboten.

ne jehren,“ fugte Reinhold Geryards Ertlarung hinzu.
Die Freifrau nidte bestätigend. Sie würde schon da—
ür Sorge tragen, daß der liebe Weltreisende sich vollstän—
ig erholen kann. In ihrer freudig erregten Stimmung
ergaß sic die Vorwürfe, womit sie ihre Gesellschafterin
der deren „unstatthaft“ langes Ausbleiben zu empfangen
edachte, vielmehr winkte sie die eben eintretende Maria
it guüdigem Lächeln zu sich heran und saate ungewöhn
ich huldvoll:
„Sehen Sie, Fräulein Techmar, mein lange erwarte
er Bruder überraschte mich nun heute doch ganz unvermu—
et! Trotzdem sind hoffentlich die Zimmer zur Aufnahme
ir den lieben Gast bereit?“
„Gewiß, Frau BVaronin,“ entgegnete Maria, „ndessen
,ill ich mich auch selbst davon überzeugen, ob alles in
rdnung ist.“
„Bitte — einen Augenblick,“ erkllang die Stimme Ger—
ards, der sich rasch erhoben hatte und nun Maria den
deg vertrat. „Gestatten Sie, verehrtes Fräulein, daß ick
wor eine bei unserem ersten Zusammentreffen versäumte
zflicht nachhole und mich Ihnen in aller Form vorstelle;
zerhard von Burghausen, ein schlichter Privatgelehrter.“
„Pardon, Onkel, erlaube mir ergänzend hinzuzufügem
der bekannte große Weltreisende, beruhmte Archäologe un—
- leiser Spott durchklang Reinholds Stimme — „Erd
mstürzler in aller. Weltteilen, der, gleich berühmten Vor
ildern, leinen Schutthaufen ununtersucht läßt, damit lei
scherben eines alten Götzenbildes, das vor Jahrhunder
en oder Jahrtausenden von Indern, Kabylen oder Azte
en heilige Verehrung genossen, der staunenden Mit- un
dachwelt verloren gehe.“
Reinholds Rede lodte einen Unmutsschatten auf Burg
ausens Stirn.
„Ein sehr schmeichelhaftes Bild,“ sagte er in gezwun
en gelassenem Tone, „ganz geeignet, Fräulein Techma
egen mich einzunehmen. Ich wage nicht zu hoffen, Si
dissen Wahrheit von Spott zu unterscheiden. Bei unsere
äheren Bekanntschaft dürfte Ihnen Gelegenheit werden —“
„Onkel Gerhard mit Schaufel und Spaten zur Hand
u gehen,“ lachte der Freiherr laut auf. „Gratuliere zu
ieser Aussicht, Fräulein Techmar, und bitte die Herr—
haften, als Dritten im Bunde mich Unwürdigen aufzu—
A

„VDann will ich auch dabei sein!“ warf Fanny ein.
„In der Tat?“ lächelte nun auch Burghausen — xei
ann ließe sich schon etwas Ernsthaftes beginnen. Was —
r wandte sich an Maria —, ‚meinen Sie dazu, meir
Fräulein?“
Sie war endlich der Befangenheit, welche sie seit ihrem
Fintritt in den Gartensaal beherrschte, Herr geworden, dit
zunklen Augen voll zum Antlitz des Fragenden erhebend
ersetzte sie mit ihrer seelenvollen Stimme:
„Fürs erste lassen sie mich bekennen: Sie sind mu
eniger fremd, als Sie vermuten. Der Name des be—
ühmten Altertumsforschers Gerhard von Burghausen isi
n Weinfeldner Doktorhause so oft und gern genannt wor
en, daß er seinen vertrauten Klang naoch nicht für midc
erloren hat.“
„In Weinfelden? Sie kannten meinen verehrten Gön⸗
er und Freund? oder wie ich die lieben prächtigen Dok
jrsleute zu nennen pflegte: Onkel und Tante Maurer?“
gch verlebte zwei glückliche Jahre im treuen Doltor⸗
quse“

—— ——— — —
fragte: „Sage mir vor allem Agathe, wie bist du — oder
richtiger, wie sind Maurers zu diesem reizenden Mädchen
zekommen? Wer sind seine Eltern? Wo stammt es ei—
gentlich her?“
Die Baronin streifte ihren jungen Bruder mit half
verwunderten, halb mißbilligenden Bliden. —
„Die Familienverhältnisse meiner Gesellschafterin küm
mern mich nicht,“ entgegnete sie trocken. „Sind sie anstän
diger Leute Kind und besitzen eine fügsame Natur, so
zeht alles übrige mich nichts an. Mit der Techmar bir
ich ja leidlich zufrieden; sie selbst muß froh sein, bei
mir ein Unterkommen zu finden, da Maurers vom Ty
ohus rasch hintereinander weggerafft wurden.“
„Die Arme!“ bemerkte Fanny mitleidig.
„Hat die junge Dame keine Eltern, keine Geschwister?“
orschte Gerhard von Burghausen noch einmal.
Nein!“ lautete Frau von Ellingens kurze Antwert.
Und nun, mein lieber Bruder, möchte ich meinerseits
uim eine Erklärung bitten: Wann und wo warst du schon
nit der Techmar zusammengetroffen?“ —
Burghausen erzählte den Vorgang in der Dorfgasse
inter Worten der wärmsten Anerkennung für Marias gute
Zandlungsweise, bis Reinhold, mit sehr unbehaglicher
Empfindungen, den tiefen Eindrudk gewahrend, welchen
»as schöne Gesellschaftsfräulein auf Gerhard gemacht zr
jaben schien, ihn lachend unterbrach:
„Ich kann Euch versichern, die hochinteressante Situaion,
 in welcher ich die Herrschaften erblicdte, verblüfft
nich geradezu.“ Ellingen gab eine drastische Schilderung
»on dem edlen Wetteifer, den die beiden Zöglinge de—
zroßen „Humanitätsapostels Maurer“ bei ihrer Beschäfti
zung an den Tag legten und darüber sein (Reinhold) Er
scheinen gänzlich ignorierten.
Es kostete Burghausen Ueberwindung, seinem aufflam
nenden Unwillen nicht in einer scharfen Zurechtweisung
Luft zu machen, doch erst, als Fanny mit den Gebärder
nneren Abscheues rief: —B2
„Pfui, wie ekelhaft! Und Fräulein Techmar hat die
häßlichen Tiere angefaßt!? Nicht um die Welt würde ich
ie berühren!“ da brach Gerhard sein Schweigen und sagte
nit herbem Sarkasmus:
Möcht's dir qucch laum raten. Kleine.s wa

WMDank seiner unabhängigen Lage und
ner reichen Witel tonnte er jeinen Neigungen nach Ge—
len leben. Als Gerhard von Burghausen seine letzte auf
e Abwesenheit von zwei bis drei Jahren berechnete
ise antrat, glaubte Frau von Ellingen in Anbetracht
es leidenden Zustandes einen Abschied fürs Leben neh—
a zu müssen.
ach die Zeit verging, Monat reihte sich an Monat,
9r an Jahr — Frau Agathens Zustand blieb derselbe,
er »xlitt wenigstens eine kaum merkbare Verschlimme—
ug — und als eines Tages ein Brief Gerhards verkün
e: Ich befinde mich auf der Heimreise“ und dann je
z3 fernere Schreiben die Heimkehr in immer nähere Aus—
st stellte, da wies die Freifrau den Gedanken an ihren
od weit ab; in steigender Ungeduld sehnte sie den jun
Bruder herbei — und als sie ihn noch früher als sie
hoffen gewagt, in ihre Arme schloß, da versank in der
ceunde des Wiedersehens all' der bittere Unmut, welcher
bis kurz vorher beherrscht hatte. Gerhards Rechte mit
zren beiden Händen fest umschlossen haltend, wurde Frar
on Ellingen nicht müde, mit dem Ausdrud mütterlicken
lücks den Heimgekehrten zu betrachten.
-Ja, es sind die lieben, alten Augen, mit ihrem wech.
inden Ausdruck von hohem Ernst und ireuherziger Schalk
uftigkeit — aber dein Gesicht ist magerer geworden, feind
aune Färbung, welche ihm für einen flüchtig beobachten
en Blick den Anstrich der Gesundheit verleiht, vermag
nich nicht zu täuschen. Mir kommst du ernstlich angegrif⸗
mvor — ja wirklich krank, Gerhard!“
‚Bewahre mich Gott, Agathe! Daß ich magerer ge
den bin, mag wohl sein — ein jahrelanger Aufenthall
den Tropenlaͤndern unter Entbehrungen mancherlei Art
ingt nicht; auch eine gewisse feelische und körperlich
annung gebe ich zu, denn ich reiste von Stambu
Ellingen in einer Tour, ohne irgendwo Rast zu hal—
doch deshalb, glaube meinen Worten, Schwesierchen,
ich mich keineswegs krank, sendern vollkommen ge⸗
vie ein Fisch im Wasser.“
»an ZSeit zum Ausruhen wird es dir bei un

Ich weiß aus Doktor Maurers Briefen, daß Ihr
AInwesenheit in deren Hause den Lebensabend der alten,
raven Leute freundlich gestaltet hat. Lassen Sie mick
zhnen dafür danken, mein Fräulein, und machen Sie sich
arauf gefaßt, Sie werden mir noch oft von unseren ge—
neinsamen Freunden, deren Heimgang ich tief bedauere,
rzählen müssen, vorausgesetzt, daß es nicht zu schmerz—
iche Erinnerungen in Ihnen wachruft
Er hatte mit steigender Wärme gesprochen und stand
ben im Begriff, Marias Hand, die er halb unbewußt er—⸗
riff, an seine Lippen zu führen, als die Schloßfrau
nach einem vergeblichen Räuspern in ihrer scharfen Weise
inwarf:
„Diese Erörterungen spare dir bis zur gelegeren Zeit
auf, lieber Gerhard, augenblicklich hat Fräulein Techmar
wWichtigeres zu tun.“
Schon beim ersten Wort hatte Maria errötend ihre
Hand derjenigen Gerhards entzogen und mit einern bit—
send geflüsterten „Verzeihung, Frau Barcnin“ den Garten—
'aal verlassen. Somit gewahrte sie nicht, wie Burghau—
en leuchtenden Blickes ihr nachschaute und dann, auf sei—
aen Vlatß neben TFrqu von Ellinden zurückkehrend. eifric
            
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