Full text : Dudweiler Zeitung

Königstums bestehen und König Manuel mit vewährte!
Stützen der Monarchie mehrsache diesbezügliche Zusammen
künfte gehabt haben. An dem Ernst der Lage, in apelche
sich die auf unserem Tableau dargeste“lten Leiter Worto
gals befinden, ist, wie aus alledem ersichtlich, nicht meh
zu zweifeln und alle in den letzten Tagen auß der Repu
blik zu uns gelangten Noachrichten bestätigen übereinstim
mend, daß sich aller Volksschichten eine gährende Unzu
friedenheit bemächtigt hat, die jeden Augenblick zum Stur
der gegenwärt'gen Machthaber führen kann—

Aus aller Wolt.
Die Silvesternacht. Dem Berliner Po'izeiberichi
zufolge wurden in der Silvesternacht in Berlin 134 Perso—
nen in Haft genommen, eine Anzahl, die denen der Vor—
iahre fast gleich kommt.
Ein Doppel-Selbstmord. Während einer fröhlichen
Silvesterfeier vergiftete sich in Berlin in der Niebuhrstrafe
n Gegenwart zahlreicher Gäste die Braut des Ingenieu:s
RKichard Fuchs. Aus Verzweiflung darüber stürzte sich dar
mif der Bräutigam, als die ärztlichen Bemühungen un
die Geliebte vergebens waren, vom 4. Stock auf di
Straße. Der Ingenieur, sowie seine Braut, d'e beide aus
Rußland stammen, sollen, wie von anderer Seite gemelde
wird, bei der politischen Polizei nicht im besten Rufe ge
standen haben und ständig überwacht worden sein.
Station für Funkentelegraphie. In Danzig i
»ine Station für drahtlose Telegraphie errichtet worden
Zie soll hauptsächlich zur Uebermittelung von Sturmisig
ialen dienen. Es ist dies die dritte Station an der deut
ichen Seeküste.
Schwerer Unglücksfall. In der Staltion Bluden—
ist nach einer Meldung aus Innsbruck, ein Schneepflug
samt der Maichine entgleist. Acht Arbeiter wurden herab—
geschlendert; drei wurden von der Maschine überfahren un
ind tot; zwei sind lebensgefährlich verlezt. Alse Betrof
enen sind Familienysäter

O Zum Postnachnahmeverkehr. Vom 1. Janvar
1911 ab müssen sämtlichen Postnachnahme endungen (Pa—
eten, Briefen, Karten, Trucksachen, Proben), die der Ueber—
mittelung des eingezogenen Beirages dienenden Postan
we sungen oder Zahltarten bis auf den Postvermer? aus
gefertigt beigefügt werden. Die Postverwaltung läßt zur
Erleichterung des Nachnahmeverkehrs Kartenformulare und
nuch Paketadressen mit angebogener Postanweisung oder
Zahlkarte herstellen, die an den Postichaltern zum Breise
von 5 Pfg. sür 10 Stück verlauft werden, aber auch durck
die Privatindustrie heraesellt werden dürcw

Russisches. Aus Petersburg wird berichtet: Eine
ehnstündige Haussuchung hat bei der Fräsdentin des „Ro—
en Kreuz“, Fürstin Rostowsky, statgefunden. Die Füriten
atte eine große Anzahl von Agenten mit dem Ver!«ufe
son Denkmuͤnzen beauftragt. Die Summen aus dem Ver—
auf find jedoch meist unterschlgen worden.
Durand begnadigt. Aus Paris wird berichtet: Am
zonmag Abend erso!gte die gnadenweise Umwand!ung des
odesutteils Durands zu 7 Jahren Kerker, die in emnem
zefängnis Frankreichs abzubüßen sind. Die Begnad'geing
utspricht den Wünschen, die zahlresche Parlamentarier ꝛc
a inem Gnadengesuch an den Präsiden en Fallieres Aus
ruck gegeben haben. — Indolge der Begnad'gung Du
ands hat das Seine-Synditat die vor dem Elysee ange
undigte Protest-Kundgebung abgeicgt und die Arbeter
Irganisation ausgefordert, den allgeme'nen Ausstand, vor
ubereiten, um eine Revision des Prozesses durchzusetzen
Vom Wachtposten beschossen. Zwei russische Ma
rosen des Panzerschisies „Slawa“, welche in Tou son ver
uichten, in die Festungswerke und den Hof der Pasronen
abrik einzudringen, wairden ven dem dort auf geste len
Wachtposten beschossen, nachdem letztcrer d'e übliche Auf—
orderung an sie hatte ergehen lassen. Einer der Matro—
en wurde getötet. der andere wurde nicht getrofsen. Man
zlaubt, dah die Russen den Anruf des Pasteus nicht ver—
tanden haben.
Der Zopf bleibt. Aus Pesing wird berichtet: Ein
aiserliches Edikt lehn entschieden dis Gesuch d s8 Reichs—
russchusses um Beseit gung des Zopses und Adürderung
des Kleiderschnistes as.
*42 2 5.
Von der Lustictziffahrt.
»Vermißter Ballon. Große Besorgnis herrsch
iber den Verbleib des Ballons „Hildebrand“ vom Berli—
ier Verein für Lustschiffahrt, der am Donnerstag vorigen
Woche von der Schmargendorfer Gasanstalt aus au'g stie
zen ist. Führer des Bal'ons ist Rechtsanwalt Dr. Kohrs
Berlin. Außerdem befand sich ein Passagier in der Gon
del. Der Ballon hat!e die Richt na nach der Ostiee ein
—XL
Tödlicher Absturz. Der Aviatuiker Hoxrsey
der am verfiofsenen Monteg in New-York den Höhen-Re
rord geschlagen hatte, ist Sonntag Nachmittag auf den
Flugfelde von Los Argelos aus einer Höhe von 90 Me
tern abgestürzt und to geblieben. Seine Leiche war ver
tümmelmn. Sämtliche Rippen und beide Beine waren ge
brochen, eine Hotzstange hatte den Leib durchbohtt. Ent
gegengesetzte Windstöße verurfachten die Katastrophe. Hox
jsey galt als der totlkühnste amexikanische Fliegeen



Der Ritter der blauen Rose.
„Sie mussen erst ruhiger werden, Mr Langdon“, sagte
Je eudlich sanft. „Ich werde Ihnen erst enen beruhizen⸗
den Trank reichen, Sie sind jetzt zu aufgeregt. Später
können Sie mir einige Zeilen diltteren und mir die
Ad esse Ihrer Frau angeben, damit ich das Schreiben zur
Vost befördern kann.“
Der Trank tat seine Wirkung, Robert war ba'sd dar⸗
auf wider seinen Willen eingeschlafen, und Isabel hate
Miuze zum Nachdenken. Sie war floh, daß Charles aus
dem Wege war; ihr Onkel würde nalür!ich lahen über
die Idee, daß ein hergelaus ener Künstler sich einbildete,
— Prinzeissin von Ardinlaw

verheiratet. Isabel, sonst im höchsten Grade gleigilltig
gegen die Tagesberichte der fashionablen Blätter, hatte es
sich seit einiger Zeit angewöhnt, ab und zu einen Blid
hineinzuwerfen. Zweimal hatte sie in „Mathildens Jour-⸗
nal“ den Namen der de Bruces erwähnt gefunden. „Miß
de Bruce“, so hieß es in dem ersten Berichte, der offen—⸗
zar von Miß Flitterdashs gewandter Feder herrührte,
„ah entzückend aus in ihrem strahlend-weißen Kostüm, das
ihrer zarten, blonden Schönheit so wunderbar angepaßt
erscheint.“ Und dann hieß es: „Lady de Bruce und ihre
Tochter sind von Winslaw-Gardens nach ihrem Landsite,
Whifford in Blankshire, abgereist.“ *
„Es ist unmöglich“, so hatte sich Isabel damals beim
Lesen dieser Zetlen getröstet. „Es ist also Wahnsinn,
nichts wie eine krankhafte Vorstellung, er kann nicht mit
ihr verheiratet sein.“
Heute indessen, nach der Unterredung mit Langdon,
fühlte sie sich so beunruhigt, daß sie entschloß, sich Klar—
heit zu verschaffen. Mit Isabel war eine große Verän—
derung vorgegangen, welche sie sich selbst kaum eingestehen
mochte. Wo war das Selbstvertrauen, die fast männliche
sktuhe und Klarheit des Fräulein Doktor geblieben? Mi
tefer Beschämung fühlte sie an dem unruhigen Klop'en
ihres Herzens, dem Beben ihrer krästigen Gestalt, der
yon ihr so tief verachteten „nervösen“ Schwäche, daß sie
rotz allem eben doch nur ein Weib war.
Zlötzlich fiel ihr ein, daß heute Dienstag sei, der
2Tag, an welchem Miß ZSlilterdash einige Stun—
Iro Rosucher »uspyrech ⸗ 25

Humoristische Ecke.
*Am Fluß. Fremder: „Was machen Sie denn
neun ganzen Tag da hinter den Sträuchern?“ — Pol zist
„Ich warte auf Anzler, die ich aufschreisgen kann!“ —
‚Wird Ihnen die Zeit denn nicht lang?“ — .Nee ich
augle ein bißchen dabeit“
*Erster Gedanke. „Um Himmelswiilen, gnä—
dige Frau! Mir ist eben ein Blumentopf vom Fenster
heruntergestürzt — und gerade dem gnidegen Herrn aus
den Kopf. — „Doch nicht etwa der echte Majolikatopfe!“
*Ueberlistet. (Fabel.) Ein Fuchs hatte einen
Igel gefangen und schickte sich an, ihm die Gurgel zu
durchbeißen. „Geistreichster unter allem Getier“, fleh e das
Opfer, „erzaͤhle mir doch vor meinem Ende noch e ney
Witz!“ — Der Fuchs, der sich seiner Beute sicher wähnte
schlug diese Bitte nicht ab ... „Nein“, lachte bald der
Igel, „das ist ja zum kugeln!“ Er rollte sich ein — und
der Fuchs haite das Nachsehen.
Humor des Auslands. Elsie (sieben Jahre
ilty: „Mama, ich muß einen Penny haben.“ — Mutier:
Wozu Kind?“ Elñe: „Ich fragte Wile Jones, ob wi—
Nann und Frau spie'en wollten, urd er sagt, er will es
mur, wenn ich eine Mitgift habe.“ — — „Heda, Keltner
ich sand eben dieset agenknopf im Pudding!“ — „Von
inem Regenschirm Sie wohl nichts gesehen? Ge
ern abend ist hier nerloren gegangen.“

z⸗Millionen⸗GHeschenk Carnegies an
Deutschland.
Andrew Carnegie hat für Deutschland eine Stiftung
mit esnem Kapisal von 5 Millionen Mark zur Belohnun
bon „Henden des Friedens“ errichtet. Der deutschen Ka'se
hat das Protektorat über die Stistung übernommen unz
In Carnegie, der zurzeit in New-York weilt, einen Brie
gerichtet, in dem er seinem Dank für die hochherzige Gabe
AUusdruck gibt. Ter volle Tert des Kaiserbriefes an Herrr
Tarnegie heißt es u. a.:: Dieser neue Beweis Ihrer welt
bekannten Menschen reundlichkeit und Großherzigkeit ha
mich in höchstein Maße erfreut und ich betrachte die ge
vählte Zweckoestimmung als besonders glücklich. Die Saif
ung wird in hohem WMaße dazu beitragen, daß in Zu
—D0
mütiger Selbstaufopferung zu sorgen, mehr erfüllt wird
als es bisher möglich war. Das wird in edlen Menscher
den Wunsch erregen, Reltungstaten zu vollbringen, inden
sie alle Sorge um die Zukunft ihrer Hinterbliebenen bannt.
Ich betrachte es als ein Herzensbedürfnis, Ihnen im Na—
men des deutschen Volles den wärmsten Dank zu sager
und zum dauernden Gedächtnis Ihrer edien Tat werde ick
Ihren Namen mit der Stiftung verknüpsen. Gemäß JIh
rem Wunsche bin ich auch gern bereit, das persönliche Pro
tektorat zu übernehmen und ein Kuratorium zu ihrer Ver
waltung zu ernennen. Ich lege speziell Wert auf die Mit,
arbeit des au meinem Hose beglaubigten Botischafters alẽ
Mitglied des Kuratoriums.
Dem „L.A.“ zusfolge hat der Kaiser Herrn Car—
negise ain Samstag durch den amerikanischen Bo'scha
ter einen zweiten Dalulbrief gesandt, dem ein großes Me
daillon-Porträt des Herrschers in Bronce beigefügt war
Aus den Mitteln der Stistung sollen nach dem Wil—
len Carnegies Personen Belohnungen erhalten, die sich
durch „Taten des Heldentums“ Anspruch auf besondere
Ehrung erworben haben, vor allem Men'chen, die ihr Le—
ben zur Errettung des Lebens anderer eingesezt haben,
Sind die Retier selbst bei der Ausübung des Restungswer
kes ums Leben gekommen, so so len ihre Angehörigen aus
dem Fonds der Heldensti ung Zuwendungen erhalten. Ta—
en des kriegerischen He dentums sind von der Wirksamkcit
zer Stiftung, die in erster Linie für Zivilpersonen bestimmt
st, ausdrücklich ausgeschlossen. Denn der Grundgedanke
»es Friedenssreundes Carnegie, der ähnliche Heldenstistun
rien in den Vereinigten Staaten und England und Frantk
eich bereits errichtet hat, ist gerade der, daß die Welt
Uzusehr an die ausschließliche Bewunderung des miitä—
ischen Ruhms und des kriegerischen Heldentums gewöhnt,
ie Taten des Heroismus im Frieden unbeachtet und un—
elohnt läßt, bei denen zahllose Helden in Betätigung
delsten Menschentums und reiner Nächstenliebe, nicht zu
wecken des Kampses und der Vernichtung, ihr Leben in
e Schanze schlagen

Der Kampf gegen die „schwarze Hand“
Ein Aufatmen geht durch die Stadt New-York, be
onders die Reihen der wohlhabenden italienischen Fami
sien. Hat es doch den Anschein, als solle die Stadt von
einer Plage befreit werden, die seit Jahren maßloses Leit
iber viele Ellern gebracht und wohlhabende Kaufleute si
nanche tausend Dollar — mehr als das Publikum ahn
zud selbst die Polizei weiß — gekostet hat. Die „schwarz
dand“, jene Bande oder Banden von Italienern, die mi
zombe und Pistole und durch Entführung von Kinderr
hrer Landsleute, selten auch Angehörige anderer Natio
alltät, terrorisieren, scheinen in dem neuen Chef der hie—
igen Kriminalpolizei Flynn Ppen Meister gesunden 31
daben. Nicht weniger als sechs Kinder im Alter von
wurchschnittilich fünf Jahren. die zum Zwecke der Erpreiĩ.

Fluber udch nicht dort gewesen, sie hatte memals Zeif
und auch keine Lust dazu gehabt; heute kam ihr auf ein⸗
nal die Idee, Amy in ihrem Bureau in Covent⸗Garden
aufzusuchen. —
Als sie die engen steilen Treppen zu Mi litter⸗
dashs Arbeits zimmer erstiegen hatte, mußzte Iß ved lichte
freundliche Räume durchschreiten, in deren letztem sie end⸗
lich das blonde, kluge Köpfchen Amys gebeugt über einen
mit zahllosen Papieren besäten Tisch entdeckte.
Miß Amy haͤlute tagtäglich eine riesige Menge Arbeit
u bewältigen; trotzdem war sie immer heiter und guta—
zelaunt.
Ibhr ganzes Gesicht strahlte bei Isabels Anblick; mit
der einen Hand schob sie ein Manuskript zur Seite, wůh⸗
9— ste die Rechte dem willkommenen Goste entgegen⸗
reckte.
„Bin hocherfreut, Sie zu sehen, Miß Mure, ichyh
»eiß, Sie haben es nicht gern, wenn man Sie „Doktor“
ituliert. Ich würde es greilich vorziehen, denn ich finde
s so schẽn, einen Beruf zu haben und einen Titel dazu.“
„Die Sache hat allerdings den Reiz der Neuheit für
ich, und manche von uns“, meinte Isabel lächelnd, „mö⸗
zen wohl ängstlich darauf bedacht sein, daß man ihnen
la den gebührenden Titel zukommen läßt.“
„Ja, es ist aber auch wirklich ehrenvoll für uns, so
zanz unabhängig dazustesen, die Freiheiten der Männer
u genießen und doch hubsche Kleider tragen zu dürsen,
im mit Grazie und Anmut das Vorrecht der Frau zu er—
alten.“
Isabel fand nicht sobald Gelegenheit, das Gesprächs⸗
hema auf die Familie de Bruce zu lenken. Eine ganz
merklärliche Scheu und Verlegenheit befiel sie mit einem⸗
nale, und sie konnte selbst ein Erröten nicht vrrhindern,
As sie sich jetzt unvermittelt nach den Fortschritten des
blauen Rosen“Ordens erkundigte.
„Es tommt nicht viel dabei heraus“, meinte Amy
pöti'sch. „Diese Leute kommen mir alle wie harmlose
Natren vor. O, entschuldigen Sie, mir fällt jetzt ein, daß
der eiste Ritter dieses Ordens ein Verwandter von Ihnen
si. Das hatte ich ganz vergessen!“
„Im Grunde genommen, sind wir alle Anhänger der
blauen Nose“, nur haben wir nicht so viel Zeit übrig
orie Charles“, erwiderte Isabel ruhigs „Ich hielt Sie
r⸗5ijr eine eisr ge Bewunderin von Miß de Bruee“

ung von Lösege!d entführt worden waren, smd ihren El
ecn im Lause der leßten Woche wiedergegeben worden
Fünszehn Verhafungen wurden vorgenommen.
Tupisch far die Kindesräubereien der Migleder der
schwarzen Hand“, wie sie selost sich bezeichuen, sind die
Fälle zweier Knaben, die seit dem 19. bezw. 21 Novem—
her aus den Wohnungen ihrer Eltern in Brooslyn ver
chwunden gewesen waren: Giuseppe Longo und Michael
izzo. Nachdem die Räuber gengende Informationen
ingezogen, hatten sie von den Välern der Knaben brief—
ich Geld — 5000 und 10 000 Doliars — ver sangt und
jedroht, die Kinder zu entfsernen, wenn die Zahlunger
uicht erfelaten. Als sie kein Ged erhielen, war eines
dages einer, zwei Tage später der zweite Knabe ver
schwunden. Durch allerlei Versprechungen haftte man sie
bon der Straße vor der Wohnung ihrer Eltern fortge
locki. Jetzt erhielten die Väter wieder Briese, in dener
hoͤhere Summen als vorher als Lösegeld verlangt wur
bden. Die Näuber drohten, sie würden den Eltern die
stöpfe ihrer Kinder mit der Post zuschicken, follten sie
ich zu zahlen we'gern oder gar die Polizei benachricht
zen. Die Kinder selbst, die nach entsernten Stadigegenden
jebracht worden waren, wurden indes nicht schlecht be
andelt.
Fast drei Wochen suchte die Polizei, ehe sie den Au
enthaltsort des kleinen Longo ausfindig machen lkonnte
Als die Detektivs in die betrefsende Wohnung im Ital'e
tervertel auf der Ostseise der City eindrangen, mußter
e ein paar Söhne Siziliens mittels ihrer Revolver über
eugen, daß sie Herrn der Sitnation seien. Der z3weit
?nabe wurde am Tage darauf von einem Polizisten au
er Straße gesunden, wo ihn einer seiner Entführer ver
assen hatte. Ob der Vater das Lösegeld bezahlte, oder
ie „Schwarzhänder“ es mit der Angst zu tun bekamen, weif
nan nicht, da solcherart Geplünderte nur sroh sind, ihre
onder wiederzuhaben. In dieser Furcht vor Rache liegt
ine der großen Schwier'gkeiten für dir Polizei bei der
Ze!aämpfung der Banden. Oft ist es unmöglich, Zergen
u erlangen, oder wenn solche da sind, verschwinden sie
»or der gerich lichen Verha d'ung plötzlich auf rät'e hafte
Weise. Sie sind dann eben eingeschüchtert worden und
alten sich versteckt, um nicht aussagen zu müssen.
An eine vielfach vermutete umfassende Organisation
er chmarzen Hand“ in Rew-York oder gar im ganzen
Lande glauben mit der Situation Vertraute nichtt Auch
Aynn, der als Chef der Bundes-Geheimpolizei schon frü—
er viel mit der Frage, besonders bei der Ausspürung
zon italientschen Falschmünzern, zu iun gehabt hat, be—
Wweiselt eine solche. Die einzelnen Banden bedienen sich
»ez Namens nur deshalb, weil sie unter dieser Flagge
hre Opfer leichter einschüchtern können. Die Erbitlerung
segen die Kindesräuber ist so groß, daß die Verhasteter.
tetis unter starker polizeilicher Bedeckung gehalten werden
nüssen. Im Falle von Ueberführungen wird jedenfalls
ie im Staate New-York zulässige Höchststrafe, fünfzehn
Jahre Zuchthaus, verhängt werden. Mehrere Staaten ha—
ben neuerdings das Strafmaß für Kindesraub erhöht, zum
Teil sogar lebenslänaliches Zuchthaus oder Todesitrafe
Arauf gesetzt.

* * — * —J—
SEin Turnier in Landeshut.
Sistorische Erzählung von Elli Bethel. 431
— Nachdruck verboken.'—
Im Jahr 1478 feierte der Herzog Georg der Reiche
jon Bayern seine Hochzeit mit Hedwig, der Tochter des
Polenkönigs. Ganz Landshut wimmelte von den Vor—⸗
sehmen des Reichs und den hohen Gästen, die zur Ver—
serrlichung der Festlichkelten erschienen waren; auch Kaser
Friedrich war gekommen mit seinem Sohne Maximilian
ind einem zahlreichen Gefolge. Eine so große Menge
»on Kurfürsten, Fürsten, Grafen und Edelleuten hatte
nan kaum je vorher versammelt gesehen. νν—»
Im Gefolge der Braut befand sich ein polnischer
Edelmann, der Graf von Lublin. Unter allen Anwesen⸗
den machte er sich durch seinen hohen Wuchs und sei—
nen kräftigen Gliederbau besonders bemerklich; was indes
noch weit mehr geeignet war, die Beachtung der übrigen
auf ihn zu lenken, war die Pracht und der Auswand, mit
welchem er seiner Prinzessin zu Ehren auftrat. Seine Ver—
schwendung ging so weit, daß er die Hufe seines kräftigen
Wallachen hatte mit Silber beschlagen lassen. Das alles,
vomit er die Augen der Deutschen zu blenden und ihre
Bewunderung zu erregen wünschte, war nicht imstande,
chm ihre Zuneigung zu verschafsen, im Gegenteil wenderen
tich die meisten von ihm ab, denn er war ein stolder,
hochmütiger Herr, der über alles, was er sah, ger'ng—
schätzig sprach und namentlich über die abgehaltenen Tur—
niere, Rennen und Stechen verächtlich urteilte, indem er
sie für Kinder piete erklärte. Die Deutschen nahmen das
nicht gerade gleichgültig cuß, sie fühlten sich dadurch ge—
kränkt, und der Aerger sollte noch dadurch geste gert wer—
den, daß der Uebermütige ein scharfes Rennen veründete,
sür welches er einen Preis von tausend Gulden aussezzte
und zu dem alle anwesenden Fürsten und Grasen einde—
laden wurden

„Ah, das ist etwas ganz anderes', rief lachend Miß
Amy. „Ich habe sie bei den Abendacsellschaften beobach—
tet. Sie ist die Güte und Liebenswürdig'eit selbst allein,
wenn der geschäftliche Teil des Abends beginnt, zieht sie
sich in den Hinlergrund zurück und mucht sich heimlich
lustig über die Geschichte.“
„Mein Vetter Charles scheint ganz entzücktt von ihr“,
warf Isabel etwas leicht hin.
„Jedenfalls ist er die rechte Hand der Lady, mög—⸗
ich auch, daß sie ihn für eine passende Partie erach et.“
„Mir ist ein ganz sonderbares Gerücht zu Ohren ge—
fkommen“, sprach Isabel, sich mit Mühe zur Ruhe zwin—
gend. ‚Man sagte mir, Miß de Bruece sei schon im ge—
—V
„Natürlich nicht“, sagte Amy aufs äußerste über
rascht, daß Isabel etwas wußte, wovon sie seltst noch
nichts gehört hatte. Sie lachte lustig, daß alle ihre wei—
zen Zähne blitzten. „Wie lächerlich, so etwas aufzubrin—
gen! Lady de Brure bewacht ihre Tochter wie ihren
Augapfel.“
Ifabel saß einige Minuten schweigend. Nätürlich,
Miß Flitterdash harte recht, es war nicht den'bar, daß
die streng behütete Miß de Bruce es çewagt haben sone,
einen Mann heimlich und ohne Einwilligung ihrer Mut—
ter zu heiraten.
„Auch Charles Macdkenzie hörte von diesem Gerühht
ind lachte ebenfalls wie Sie“, sagte sie dann. „Viel wahr—
scheinlicher ist es, daß ein so gefetertes Mädchen, wi
Miß de Bruce, sich gar nichts aus den Männern macht.“
„Das ist auch meine Meinung“, bemerkte Miß Any
Was für Herren erschienen denn eigentlich bei diesen
Ordensversammlungen?“ fragte Isabel.
„Die eleganteste junge Welt Londons rechnet es sich
zur Auszeichnung, in Lady de Bruces Salon empfangen
zu werden, obgleich man heimlich seine Glossen über sie
nacht. Auch Künftler und Schriftsteller sieht man dort—
unter anderen auch Mrus. Lollimore, Mr. Prujon, oe
Vorträtmaler, und noch ein junger Maler, der ein Bild
auf der Ausstellung hatie, wie heißt er doch nur? — Er
st ein sehr schöner, junger Mann.“
ielleicht Mr. Langdon“, sagte Isabel gleichgiltig
5tIch glaube ja, das ist sein Name. Aber er hat
»enig Glück, der junge Mann, sein Werk ist von der
rizizx 66Gmählich miteenommen worden?

Wie sehr nun die deutschen Gäste den stolzen
im seiner Großsprecherei willen hatzten, wie sehr—
zu demütigen wünschten, so wollte doch keiner das
iis bestehen, dem hochgewachsenen, muskulösen Gra'.
Lublin entgegenzutreten. Die Chre der deusschenn
schaft stand auf dem Spiele, und Herzog Beorg se
mühte sich ihm einen Gegner zu verschafsen. Es fan
einer. Da erinnerte er sich seines Bruders, des He
Christosfel, der ein gar gewalt'ger Held und wegen
ner Körperkraft berühmt wer, und ging den Kaiser
um an, diesen zu einem Treffen mit dem Polen a.
fordern. Friedrich willigte unbedentlich ein und ri
an Christoph folgendes Begehren:
Lieber Herr Oheim und Fürst Christoffel!
Wir haben von Eurer fürstlichen Gnaden Stär'—
Mannheit fast viel gehört und wie Ihr närnlich der 3..
lichste Fürst und zu den Turnieren und Rennen der
chickteste und Beherzteste, und diewe'l solch gutes Lo
allen Fürstenhöfen erschollen und dieser Polak einen
roßen Uebermut wider die deutschen Fürsten so veräa
reibt, wäre Unser gnädigstes Begehrten an Euer Lie*
daß Ihr der Deutschen Ehre retten und erhalten, uns
ürstliches Treffen mit ihm thun wollet, und wo E.f
diese seine ausgebotenen tausend Gulden gewinnen,
Euch der Bräutigam heimlich noch tausend Gulden
verehren, darum wir Euch gut sein wollen.“
Herzog Christophh war ein bis zur Verweger
kühner Mann, den seine Brüder nicht mit Unrecht
Waghals nannten, er zauderte nicht, dem Begehren 8
zu leisten; jetzt wurde sein Mut durch das kaiser
Handschreiben noch erhöht; er versprach innerhalb zr
Tage sich zu stellen und das Treffen ohne jeden No
zu bestehen.
Des polnischen Grasen Erstaunen war nicht
da man ihm dies mitteilte und zugleich die Bedin
festsetzte, unter denen der Kampf stattfinden sollte,
hauptsächlichste war, daß die beiden Streiter iedes
eils entsag!en.
Der anberaumte Tag kam hetan und alle Rär
den Kampfplatz waren dicht gedrängt voll Zuschan
zahlreiches Gesolge begleitete jchen der Ritter, v
ich in die Schranken einsprengten. Der Pole ritt
seinem Lieblingsrosse, dem Wallachen, Herzog Chi
auf einem kräftig gebauken hohen thädinger Schimme
sen er sich stets bei Turnieren bediente. Sobald di
Hauptpersonen einander gegenüberstanden und das G—
sich an die Schranken zurüchgezogen, sprang der —
bon Jeinem Sireitrosse herab und sorderte mit
Stimme den Polen in lateinischer Sprache auf, eir
ches zu kun, denn der Verzicht jedes Vorteils wa⸗
Haupe bed ngung des Kampfes. —
Dieses Verlangen kam dem Grasen von Lublm
erwartet; es versetzte ihn in sichtbare Vestürzung, 5
versuchte Aus rüchte, um sein Tier nicht verlassen zu
fen. Vielleicht ahnte der Herzog die Ursache hiervo
verharrte wenigstens trotz aller Eineeden des Polen
auf seinem Verlangen, und so sah sich dieser endlich,
nötigt, seinen Widerstand auszugeben; allein er vern
nicht ohne Hilfe seines Leibdieners abzusteigen. E
ihn zu sich heran, und d'eser, mit den Kunstgriffen
Gebieters vertraut — zerschnitt die Fesseln, die ihn
der Niederlage sichern solllen. Die Enthüllung dies
samen Geheimnisses verursachte unter den versamme“
schauern ein lautes Lachen, und spöttische Reder
ringsum hörbar. Nach dieser für den Polen so b
den Szene bestieg der Herzog mit Leichtigkleit
wandtheit sein Roß, indes der Graf das Glet
ohne den abermaligen Beistand seines Dieners
bringen konnte. Wie gebräuchlich wurden nunn
gen und Stechzeug untersucht und die Waffen e
tern zutückgegeben. ——
Bts mat bereit, beide legten die Waffe
Fignal wurde degeben and die Vierde mitul
prengten gegeneinander. Der Anlauf geschah
daß die Schasfte zersplitterten. Der Herzog saß
im Sattel wie zuvor, doch sein Stoß war mit
Nachdruck geführt worden, daß der polnische Gra—
Mannslängen hinter seinem Pferde herabstürzte und
gute Weile regungslos am Boden liegen blieb.
Die so schmachvolle Niederlage hatte den Pole
tief gedemütigt, daß er ungeachtet seiner schweren
letzung in der Frühe des folgenden Morgens aufsa
Candeshut in aller Stille verließ. Er kam nicht
oeit, der Sturz hatte ihn arg zugerichtet. Er starb
am dritten Tage darauf. Vor seinem Toden!
mehrmals, es müsse eine überirdische Kraft in di
gen, hageren, schwarzen Fürsten gesteckt haben,
sonst nicht möglich gewesen sei, ihm also das
zwei zu stoßen.
Die Hochzeitsse'erlichkeiten störte dieses C
jeswegs, dielmehr wurden sie jetzt von seiten
schen um so jubelnder begansen, und währten
bierzehnm Tao—s

ι»Lαιι
In demselben Augenblicke trat ein Setzer
turbogen ein, und Miß Mure erhob sich. E
nug, und als sie die engen Stufen wieder 6
sie fest überzeugt, daß Miß de Bruce nicht
konn!e, am wenigsten mit dem armen jung
Ganze war nichts als eine fire Idee seines
und sie wollte ihre ganze Kunst aufbieten
befreien. Als Isabel nach Hause kam, fo
ken schon wach, und ein seltsames Gefün
erbeben, als sie das freudige Aufleucht
Augen bei ihrem Eintritt bemerkte.
Tie ersten Worte, die er an sie
fedoch, um diese ungewohnte Ertegun—
nichten. — —
„Wollen Sie mir jetzt helfen, meine
neine Augen sind schon viel klarer gewor
sie sich ängstigen, da sie nicht weiß, wo ich
sange keine Nachricht erhalten hati-Ich wille
bon Mackenzie schreiben, sie soll nur kymmen
nir sehen.“
„Wäre es nicht besser, wenn Sie sich die
rus dem Sinne schlagen möchten, Mr. Lang
önnen Sie sich nur der Phantasie hingeben, mi
Bruce, einer so wohlbekannten Perfönlichkeit, —
ein Mensch darum weiß, verheiratet zu sein?“
„Wir hielten untere Ehe geheim, aus Fr
Mutter. Wenn dies alles nicht dazwischer
wäre, so müßten wir jetzt längst unser ei
haben und ich, ach Gott, ich sollte jetzt arbeiie
arbeiten für sie“, sprach er erregt und machte—
wegung, als wollte er sich erheben. mn
Isabel blickte ihn eine Weile scharf an, *
ie schweigend Papier und einen gut gespitzter
herbei und ordnete die Kisstn als Stütze für 4
chen Rücken. „Ich muß ihm den Willen tus
kein Fieber bekommt“, meinte sie für sich,
alles nur törichter Wahn!“
„Miß de Bruce — oder Mrs. Langdon
wollen — ist augenblicklich in Whifford,—
merkte sie dann, als er mit vieler Mühe se
——
chreibe die Adresse mit Tinte, die Postbot
indig genug sein, um diese hier zu entzi
ten Sie nichts, ich werde Ihnen die M
Jeschriehen ist“ fügte sie etwo«
            
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