Full text : Dudweiler Zeitung

cher Produne an erster S'e le und führt vn Maroklo Le
nders Geste, Schafwolse, Schaf- und Ziegenseile 1ͤnt
Nandeln een. Die Aussuhr Dentschlands nach Marnt
esteht haupifächlich in Baumwolle und Baumwolisecean
zucler, Eßwarcen. Tee, Tuch, Eisen und Eisenwaren, Por
el an und Glaswaren, Wein, Spiri us, Tabak usw.
Die dentschen Handelsniederlassungen im Hinterlande
on Agadir, welches jeßt im Vordergrund des Inieresses
teht, arbei en hauptsächlich mit landwirtschast ichem Be
rieb, hier hat der Besitz einer einzigen Firma die Groöͤße
in's Fürstentums, während eine andere Firma etwa 120
se sonen, darunet 60-70 Handelsagenten, die im Be
feuischer Schutzbriese sind, und eine andere 60 —
lestellte beschaftigt, außerdem hat der deutsche Handel in
Zzüden Marotkkos zugenommen und sie'gt besonders in der
etzten Zeiten. Die Steigerung ist in der Statistik nich
rfichtlich, weil eine große Menge Güter, deren Impou
ind Erport für England gezählt wird, von deutschen Fir
nen über England ein⸗ und ausgeführt wird. Aud
en Bergbau im Hinterlande Agadirs, wo sich ungeheueri
dpfererzlagesatten belinden, iln Doulschland erhebüch in
Aesser.

Aus aller Welt.
Erwischt. In einer Bar in Frankfurt verhaftele die
kriminalpolizei den 18 Jahre alten Schneider Wladislaus
Jezierny, der am 1. Jun in Begleitung des Banklehr
ings Leon Kochanowsky aus Posen durchgegangen war.
Letzterer hate 353 000 Mark unterschlagen. Auf ihren Irr—
ahrten waren sie nach Franksurt gekommen, wovon die
Polizei Keuntnis erhalten hate. Bei seiner Einlieferung
us Polizeigebäude gab Jezierny einen Schuß auf sich ab,
zer aber fehlging. In seinem Besitz hat'e er noch 1400
Dark. Kochanowsty ist inzwischen voraussichtlich in Straß⸗
zurg verhastet worden, wohin er vorausgereist war. Er
oll noch 15 000 Mark von der unterschlagenen Summe
nn. Das übriage Geld haben beide aemeinschaftlich ver—
ubelt.
Die frauzösischen Winzer. Aus Bordegaur wird
jemeldet: An 2000 Winzer des Gironds-Departements hiel—
sen eine Versammlung ab, in der mehrere Redner in hef—
igen Worten gegen das geplante Gesetz über die Abschaff
ung der Abgrenzungen Einspruch erhoben. Schließlich ist
einstimmigß ein Beschlußantrag angenommen worden, in
weschem die Winzer verlangen, daß die Abgrenzung des
Bordeauxweingebietes aufrechterhalien werde, wobei sie er—
lären, daß andernfalls ihre Gemeindevertretungen ihre Tä—
raigkeit einsiellen und sie selbst die Steuern verweigern wür—
»en Nach der Versammlung reichten an 50 Bürgermeiĩter
hre Entlassung ein.
Cholera. Aus Triest wird berischtet: Die an Cho—
lera auf dem Auswandererdampfer „Oeeana“ erkrankte Frau
Soldan ist gestorben. Nunmehr ist einer der im Seelazaret!
befindlichen Passagiere des Dampfers „Oceana“ unter cho—
eraverdächtigen Erscheinungen erkrankt.
Versuchter Kirchenraub. In der Kirche zu San
Francesco zu Pontremoli (Italien) erschienen zwei fran—
isch sprechende Fremde im Aus o und versuchten, un'er Be—
techung des Dieners ein in der Kirche befindliches herr⸗
iches Madonnen-Relief von Donatelli zu entführen. An
Stelle des echten Reliefs sol te, damit niemand etwas auf—
zefallen wäre, eine ganz ähnliche Kopie aufgehängt wer—
»en. Der Behörde gesang es indessen im letzten Augen—
olick, den Raub zu vereiteln. Man ist den beiden Frem—
zen, die sich als Fürst Bülow und Pierpont Morgan aus—
zegeben hatten, bereits aus der Spur. Der Diener,
»er 1000 Lire Anzahlung erhallen haite, wurde dem
ztrafrichter übergeben.
Unterschlagung. Der Stadtschreiber von Coritza
Türkei), der Derwisch Effendi, wurde wegen Unterschlag—
ung von Amtsgeldern in bedeutender Höhe verhaftet. Er
yatte die Absicht, sich der Bande Bessim-Effendi anzu—
chließen.
Großzfeuer. Auf den Naphtawerken der Kaspischen
vesellschaft in Balschany sind nach einer Meldung aus
Zaku zehn Bohrtürme, von denen acht im Betriebe wa—
en, niedergebrannt.
Von Nichter. Die türkische Regierung hat den Be—
rag von 800 türklischen Pfunden, etwa 16 000 Mark, zur
Ausführung der angeordneten Verfolgung Richters ange—
viesen. Man hosst, durch Geld Leute zu gewinnen, die
zas Versteck der Räuber verraten.
Grosße Hitze. Hundert Todesfälle infolge der Hitze
verden aus den Oststaaten Amerikas gemeldet, dee Hospi—
äler sind mii Erkrankten überfüllt. 390 000 Menschen
ampierlsen am Strande und weitere Hunderttausende in
»en Parks. Die Prognose deutet auf noch größere Hitze,
ie ganze Nacht war außerordentlich schwül. New-Nort
zatie nur zweimal höhere Temnoraturen als am Montaa.

Gerichtszeitung.
F Prozeß; Becker. Das Reichsgericht hat in der Re⸗
aisionsverhandlung des Prozesses gegen den Ritiergutsbe—
itzer Becker das Urteil aufgehoben und den Prozeß an
zas Landgericht Stetlin verwiesen. — In der Urteilsbe—
zründung wurde die Beschwerde als durchgreifend erachtet,
zie die Ablehnung der Vernehmung des Reichstagsabge
dneten Gothein rügt; ferner begründet ist die Ruge, das
u Unrecht einige Fragen an verschiedene Zeugen abgelehm
vurden. Im ersten und zweiten Falle, wo es sich ur
—— ———ã
iaso inmler frisch drauldegessen, dami
— am End' noch verhungern J
i Betty empfand, der alte Mann meinte es gut; sie
wollte ihm burch ein Lächeln danken, aber dabel füllten
sich ihre Augen schon wieder mit dem verräterischen Naß.
Traͤne um Träne perlte über ihre blassen Wangen, sie fie—
len in den Löͤffel, den sie eben, gewaltsam sich zwingend,
zum Munde führen wollte.
Na ja — so ists recht, salzen Sie man die Rüben,
»a werden sie schon dem verwöhnten Schnäbelchen besser
chmeden,“ höhnte die Mitgefangene. 58
Haltet Euren Mund, Schradern, und laßt das Mäd—⸗
hen aus mit Euren dummen Redensarten“, gebot der Ge⸗
ängniswärter, was ihm, nachdem er kaum den Rücden ge⸗
vandt, seitens des erbosten Weibes eine Flut anzüglicher
Schimpfreden eintrug, aber als es gewahrte, wie in den
GBesichtszügen der jungen Stubengenossin Schred und Angst
ich malten, scheinbar über sich selbst erschrocken: „Ja, was
chwatze ich denn nun? Aber so bin ich nu mal, kann
zie Zunge nicht im Zaum halten — und 's klingt schlim⸗
ner, als es gemeint. Brauchen sich nicht etwa vor mir
zu fürchten, kleines Mondscheinprinzeßchen, als ob ich 'ne
Menschenfresserin“ wär' — ich tu' leinem was zu Leide.“
Sie rückte näher an Belty und begann mit widerlicher
zertraulichkeit über ihr „unverschuldetes Unglüd“ und die
nenschliche Ungerechtigkeit zu lamentieren. Wie hätte ihr
as unerfahrene Kind nicht Glauben schenken und in der
erüchtigten Diebeshehlerin ein „bellagenswertes Opfer
chnöder Verleumdungs- und Verfolgungssucht“ sehen sollen!
Zie vergoß schließlich Tränen des Mitleids und zögerte
nicht länger, ihr eigenes Herz durch Mitteilsamkeit zu
rleichtern. Das nur hatte die ebenso listige, wie nengierige
Frau bezwedt. Nachdem sie genügende Aufllaͤrung erhal—
en über Bettys Vergehen, Stand und Namen ihrer Fa—
nilienangehörigen, hielt sie es nicht mehr für nötig, sich
u verstellen. Sie fand kein Ende, Berty zu verhöhnen und
u verspotten, ihr die Schrecknisse des künftigen Gefängnis—
ebens — jetzt war's nur ein Vorspiel — in den grellsten
Farben zu schildern, verlachte und schalt sie das wesrlose
Ipfer ihrer brutalen Launen. Dem rohen Gemüte der
noralisch verwahrlosten Frau gewährte es ein boshaftes
Vergnügen, an der „vornehmen Brut, die nicht besser wie
ereins“ ihr Miitchon ui fkiihlon sio Ie betriot

en Brief an den vVandrat und das xartasteramt handelt
Ul die Form und der Inhalt verwechselt sein: im dritter
nd vierlen Falle wurde die Prozeßrüge als begründet er
htet, doch auch im driten Falle wurden nach der Auf
ssung des Reichsgerichts die Paragraphen 183 und 1860
Beleidigung und üble Nachrede) nicht genügend ausein
ndergehalten. Dem Antrag des Verte digers en sprechend
ourde die Sache an ein anderes Landgericht vecwisfen und
war aus QAweckmäkialeitsaründen.
Beachys Flug über den Niagara. Zu dem Flug
iber den Niagara liegt jetzt eine ausführliche Schilderung
»or. Es war sicherlich einer der aufregendsten Luftflüge,
ie jemals stattgefunden haben, den Lincoln Beachey auj
einem Zweidecker über den Niagarafall bis nach den
WVhirlpool Rapids und entlang den Klippen nach der ka—
nadischen Seise des Flusses unternommen hat. Mehr als
100 000 Menschen beobachteten unter größter Spannung
»as große Wagnis; beständig mußten sie daran denken,
»aß der kühne Flieger zerschmettert werden könnte. Vor
dem Augenblick ab, in dem man wußte, daß er den Flu—
in ernehmen werde, wurden hohe Watten angeboten, daf
er nicht mit dem Leben davonkommen würde. Während
in ziemlich starler Regen einsetzie, stieg Beachey en: sehn
zroße Strecke von den Fäillen entfernt, auf der amerikani—
chen Seite auf. Nachdem er zunächst deiee übliche Richtung
iach dem Kataralt innegehalten und dann einige Flüge
m Kreise herum ausgeführt, flog er dann in einer Höht
son 2000 Fuß über die amerikanischen Fälle. Dann beg
rrnach Norden ab über die Hufeisen-Faͤlle hin, um die
zuftsirönnungen auszusunden. Durch den Walserstaub, den
zie Katarakie erzeugen, hindurch, flog er den Fluß hinun
er fast bis nach dem unteren Stahlbogen. Nach Western
rehend, ging er bald im Bogen wieder nach Norden her—
im und passierte die Hufeisen-Fälle abermals in ener
zöhe von 200 Fuß, indem sein Flugzeug wie eine Möwe
urch den hochaufspritzenden dünnen Gischt dahinschoß. In—
em er nach Südwesten abschwenkte, führte Beachey den
efährlichsten Teil senes Fluges aus. Mit einer Ge—
hwindigkeit von 50 eng ischen Meilen in der Stunde über
ie gewaliig donnernden Wassermassen dahinzischend, lief
ruplötzlich seinen Zweidecker sinken und flog mit ihm.
zum 30 Fuß über dem Wasser, unter der Stahlbrücke he—
en Fällen zu. Ueber dem Abgrund angekommen, schier
s, als ob der Apparat stillftehe. Plötzlich schoß er pfel
hnell in den Abgrund. Er hob sich aber wieder, streifa
ald darauf die Baumspitzen an der kanadischen Sete
ind dort vollzog der Flieger glücklich die Landung. Der
logrund, durch den er geflogen war, ist nur 68 Fuß hoch
nd 100 Fuß breit und die Entfernung von der Brücke,
nter der er hindurchging, bis nach den Fällen beträgt 400
Reter. Beachey erklärte, daß er den Flug demnächst wie
erholen wolle. Leute, die die Tücken der Niagarafäl'e
ufs beste kennen, sind der Meinung, daß di Zoe von
eachey ein wahnwitziges Spier mit dem Tode o
— — — — ⸗ — — ———
Wie Kaiser Franz Josef sich verlobte. Gelegent—
ch der achtzigjähr gen Geburtstagsseier des Kaisers Jo—
ef erzählt der „Gaulois“ nach Heinrich von Weindel fol—
ende hübsche Anekdote: Franz Joses war nur 23 Jahre
lt, als er sich mit jener verloble, die, bevor sie die um—
erirrende Kaiserin“ wurde, den anmutigen Namen „Rose
on Bayern“ trug, den ihr das Volk in seiner liebevoller
zewunderung gegeben hatte. Den Wünschen seiner Mut
er, der Erzherzogin Sophie, entsprechend, hatte Franz Jo
ef im voraus eingewilligt, die Prinzessin Sophie von
zayern, die Tochter des Herzogs Maximilian, seines On—
aAAls, zu heiraten. Da er sie jedoch kennen zu lernen
rünschte, begab er sich untser dem Vorwande einer Jagd⸗
artie nach dem Schlosse Possenhofen, wo seine zukünftige
zamilie sich befand. Er sah daselbst seine Kousine, su
»ar sehr schön, doch zu der Verlobung kam es so blitz—
chnell nicht. Der junge Kaißfer, der dem Versprechen, das
r seiner Mutter gegeben, nicht untreu werden wollte, sang
arüber nach, wie er seine Bitte um die Hand der Prin
essin begründen würde, als auf einem einsamen Spazier
zjange in einer Allee des Parkes er fast umgewor
en wurde durch einen Wachtelhund, der auf ihn los
»rang, während ein Mädchen von etwa fünfzehn Jahren,
asch aus dem Gebüsch tretend, vergebens das Tier zu
ickrief. In seinem weißen Kleide, mit dem aschenfarbi⸗
en auf die Schultern fallenden Haar, seinen lachlustigen
lugen. seiner intelligenten und aufgeweckten Physiognomie
zar das schlanke und feine Mädchen wirklich reizend. Ein
oenig bestürzt und tief errötend: „Entschuldigen Sie Dick
tein Herr“, sagte es, „er ist sehr ungezogen“ — „Imn
egenteil, ich danke Dick“, erwiderte der entzückte Fürst,
da ich durch ihn einer kleinen Fee begegne.“ — „Besten
ank für das Kompliment, mein Kousin!“ — „Ihr Kou—
n! Sie wären . ...“ — „Elisabeih, Amalie, Eugenie,
erzogin von Bayern, um Ihnen zu dienen!“ — „Aber
arum habe ich S'e noch nicht gesehen?“ — ‚Weil ich lei—
er noch zu jung bin, den Empfängen beiwohnen zu dür—
mn, und darum werden Sie mich auch nicht diesen Abend
ei Tisch sehen.“ — Der Kaiser, bestürzt, sann einige Au—
enblicke nach: „Hören Sie, meine Kousine“, fuhr er dar—
uf for:, „legen Sie ihr schönstes Kleid an, und kommen
zjie zum Diner herunter.“ — „Aber man wird mich schel—
mn.“ — „Ich nehme die Sache auf mich.“ — „Der Kaser
esfiehlt es?“ — „Er bittet Sie darum.“ — Man sielle
ch die Aufregung und die Bestürzung der auf der Ter
asse versamme'ten Famile vor, as im Augenb!icke, do
ian sich zu Tisch setze, sie, d'ie keine VPrinzessin, die sicht
üiser ihre Küjnnheit selhst erraft mar ss—

edem Zeichen neser Scelenqual in dem bvleichen
hen der jungen Stubengenossin.
Diese litt in der Tat unsagbar, aber kein Wort der
dlage kam — in gerechter Furcht vor der Rache der jichredichen
 Frau — über ihre Lippen; tapfer drängte Betty jede
mijsteigende Träne zurück, verrichtete jegliche ungewohnte
rbeit, mochte sie ihr auch noch so sauer werden, in
lumpfer Gleichgiltigkeit. — Es war am dritten Tage ihrer
daft. Vetty war allein, ihre Stubengefährtin hatte man
‚um Verhör geführt. Das waren Augenblicke, wo das
irme Kind, sich sicher fühlend vor den Hyänenblicken des
ohen Weibes, freier zu atmen wagte und seine gewaltsam
erhaltenen Seufzer und Tränen sich Bahn brechen durf—
en. Plötzlich hob es lauschend den blonden Kopf. Die—
er im Korridor rasch näher kommende feste und dabei
eichte Schritt war keinem der bekannten Aufsichtsbeamten
igen — warum begann Bettys Herz unwillkürlich stärker
u schlagen? Es war doch nichts Ungewöhnliches, daß
raußen Männerschritte erkllangen? Galt ihr der Besuch?
»astig trodnete sie ihre Tränen — richtig, vor Bettys Stu—
entür hielten die Schritte an — der Schlüsselbund rasselte,
iur ein kaum vernehmbares, hnackendes Geräusch — die
dür sprang lautlos auf.
Ein Aufschrei schrill, herzerschütternd — drang über
zettys Lippen: „Papa!“ Sie wollte aufspringen, sich ihm
ntgegenstürzen, doch die zitternden Füße versagten den
dienst; wie auf eine Geistererscheinung, in banger Scheu,
lickten die großen dunklen Mädchenaugen auf die hohe
Zestalt, in das teure — ach, durch Gram und Schmerz fast
is zur Unkenntlichkeit veränderte Antlitz — verändert
»urch ihre Schuld, von dem Kummer um lein verlorenes
din*

Mt⸗

Unter der zermalmenden Wucht jenes Bewußtseins
llitt Betty nieder auf die bloßen Dielen und erhob flehend
sie krampfhaft ineinander verschlungenen Hände: Vergib
nir, Papa, vergie —“ murmelte der zudende Mund —“
Auch Herr von Techmar war sekundenlang außerstande,
ich von der Stelle zu bewegen; er lehnte kraftlos gegen
en Türpfosten und fragte sich zweifelnd, ob dies schmerz—
ebendeGeschöpf mit dem gramverstörten schmalen Gesichtjen
 denn wirklich sein verzogener Liebling sei, den er
herzweise die ‚kleine Haustyrannin“ zu nennen pilegte,
Soron Mfate —⏑—⏑— M onn r

rodei, er mweinen jsay. Ver Herzog war im Begriff, bosst
1 werden und die Eingedrungene wegzuschicken, aben
ran; Josef legte sich ins Mistel; man mußte sie Plat
men lassen neben ihrer ältercn Schwester. Der Kaiser
riste am anderen Morgen ab, ohne um die Prinzessin
jzoph'e geworben zu haben. Aber drei Monate später —
ecade am 18. August — in demselben Kirchlein, wo der
chtzigiährige Jubilar von den Semigen umgeben, nieder
niete, um den Segen des Priesters zu empfangen, nähert
ch der junge Kaiser, begleitet von einem glänzenden Ge
olge und die Prinze sin Sophie bei der Hand haltend
em Hauptaltar, um den Bund fürs Leben zu schließen
Einen hübschen Satz liest man in einer Zeitschrift
ie den Intere sen des Automobllsports gewidmet ist. E⸗t
eißt da in einer Notiz über den amerikanischen Sporis
tann Streiff: „Es dürfte jeden'alls für jeden Sportsmani
on Inieresse sein, mit dem Weltrekordfahrer zusammenzu
essen und in seiner Mitte einige Stunden verleben zu kön
en“ — Ob sich Herr Streiff das gefallen läßt? Un
nonhe Menschen ert.cgen zu können, muß man aller—
ings einen guten Magen haben. Aber man läßt doch
iicht gleich jeden Sportsmann in in Inneres hinei rie
hen, selbst dann nicht, wenn einer vorgiebt. er babe ei
rennendes Inzeresse daran.
Das Trinkgelderunwesen in Rußland. Zun
Trinkgelderunwesen vwussischer Beamten liegen ein paa
ene interessante behördliche Verfügungen vor. Nachden
zenator Neidhardt auf den verschiedenen Korruptionsge
ieten gründlich aufgeräumt hat, und deie Beamten unte
ludrohung von Dienstentlassung angewiesen worden wa
en, keine Trinlge der mehr anzunehmen, ersannen da
schinewnils (Beamten) neue Tricks. Bei Revisionen ver
Fabrikanlagen, Brennereien, Brauereien usw. gaben su—
n leßter Zeit den Fabrikbesitzern zu verstehen, sie möch er
nit ihnen gern nach Schluß der Revision ein Spilcher
nachen, und zwar ein solches, wobei natürlich die Beam
en gewinnen, und zwar sehr hoch gewinnen mußten Ai
er letßzten Zeit wurden überali bei diesen Revisionen sug
»och gespielt und die Beamten waren so qaiit
tud glückliche Spieler, daß sie nie verloren. Mancher ge
vann an einem Abend 1000 Rubel und mehr. Aber ve
hlaue Senator Neidhardt kam auch hier dahinter um
eßt wurde in den verschiedenen Gouvernements den Be
mten streng untersagt, künft geh'n bei Revisionen von Fa
riken, Institusen usw. Karten zu spielen. Auch heniei
inen anderen Trick ist Nesdhardt gekommen. Traf in ley
er Zeit ein Beamter in irgend eine Fabri'anlage usw
ur Revision ein, so ließ z. B. der Fabrikleiter unau säl
ig einen Einhundertrubelschein fallen, und indem er din
elben aushob. sagte er zu den Beamten: „Ach, Sie haber
oeben einen 100 Rubesschein verloren, sehen Sie bite 1
zhrem Nolizbuch nach!“ Der Beamte sah in se nem NRo
izbuch nach. und mehr als einmal kam es vor, daß e
agte: „Ach, verzeihen Sie, ich habe zwei Einhundertrubel
cheine verioren, der Fasrikleiter suchte weiter und fanl
zirklich den zweiten Hundertrubelschen, wenn auch manch
tal erst im anderen Zimmer. Auch diese Tricks sind Se
a!or Neidhardt bekannt geworden und die Beamten dür
en jetzt keine Hundertrubelscheine mehr verlieren, wenig
ens nicht in Fabrikkontoren, wo sie als Revisoren erschei
en. Uebrigens schlägt die in Petersburg erscheinend
Rossija“ die Gründung eines für Rußland sehr ze tgemä
en Vereins vor und zwar erner „Gesellschaft zur alige
teinen Bekampfung des Diebstahls“. Einmal sollen di
stiiglieder bei ihrer Aufnahme einen außerordentlich siren
en Eid schwören, nicht zu siehlen und andere zum Dieb
ahl zu verleilen, zweitens werden die Mitglieder aufge
ordert, mit allen Kräften dahin zu arbeiten, daß beson
ers auf dem Lande dem dort so sehr verbreiteten Dieb—
ahl Einhalt geboten wird. Ob der Verein viel erreichen
ird, bleibt dahingesteillt

V
3 R
Die Plauderecke.
F ——
*** In den Flegeljahren. Kleine Kin—⸗
yer, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen!“ sagt
»as Sprichwort. Eltern, deren Knaben in den sogenann⸗
en Flegeljahren stehen, werden die Wahrheit dieses Wor⸗
es wohl schon schwer empfunden haben. Der Eintrin in
ieses schwierige Alter läßt sich nicht genau bestimmen;
agegen hat ein gewiegter Pädagog es mit fol gendem Aus⸗
pruch trefflich charakterisiert: Was die Mutter fagt, ist
„umm; was der Lehrer sagt, ist dumm; nur was der
„Flegel“ sagt, das ist gescheit.“ Ausgelassener und fast
nicht zu zähmender Mutwillen wechselt oft mit einer un⸗
jeimlich brütenden Verstimmung. Lluffallend ist eine aus⸗
esprochene Indifferenz für religiöse Einflüsse. Der junz
Nann weiß nicht recht, was er ist: er ist kein Kind medr
uind doch noch kein Jüngling. Mehr und mehr entwächsi—
r der elterlichen Zucht; es sind beinahe keine passenden
Strafmittel mehr zur Verfügung der Eltern. Selbst auf
ie bloße, liebevolle Ermahnung ist der Junge ungemein
reizbar und erregt. An Stelle des häuslichen Einflusses
ritt mehr und mehr der kameradschaftliche, welcher umso
inheilvoller werden kann, a's der Gymnasiast, der
Lehrling ꝛc. ꝛc. sich seine Freunde unler den Alters⸗
genossen sucht. Dieses Suchen nach einer Gemeinschaft au—
ꝛor dem Hanse scheint mir infomeit ꝛratürsich zu sein ⸗r4

chein nutzte, verstand sie durch kindischen Trotz das un
lich scheinende zu erreichen.
Der Regierungsrat hatte auch jeht einen Ausbruch
lindischen, heftigen Trotzes befürchtet; auf den Anblid
der gänzlich gebrochenen, auf ihren Knien um Vergebung
llehenden Gestalt war er nicht vorbereitet. Hatte er ⸗in
bditterem Zorn das schuldige Kind mit Vorwürfen zu
überhäufen, zu strafen gedacht, so ging bei Beitys er—
schütterndem Anblick aller Groll, alle Bitterkeit unter in
der einen Empfindung verzehrender Vaterliebe. Er konnte
nicht anders als beide Arme ausbreiten und mit dem
Rufe: „Mein armes, verblendetes Kind — mein armes
umes Kind — sie zu sich emporzuziehen.
Wie ein verirrtes Vögelchen, das endlich in das
—
Zrürmen geborgen wähnt, so vertrauensselig schmiegte nun
zetty dem Vater sich an. Während ihr zarter Nörper
och unter Schauern erbebte, flüsterte sie. unter Tränen
ichelnd, zum Vater aufblickend:
sar Nun du bei mir bist, heliebrer Papa, It alles gun.
ilch, wie habe ich mich nach dir und Mama gesehnt! Sind
Mama und Helene noch in Frankfurt? Warum ließen sie
nich so lange — lange allein? Erwarten sie uns im Ho—
el? Du kommst mich doch holen, lieber Papa? Ich darf
och gleich mit dir gehen? O, wenn du wüßtest, wie
chwer deine arme Kleine für ihre Unbedachtsamkeit hat
eiden müssen an diesem gräßlichen Ort, die Frau, die
nit mir hier wohnt, ist so roh, so gemein und hat ihre
zreude dran, mich zu quälen. Die wird Augen machen,
venn sie mich hier nicht mehr findet. Komm, Papa, laß
ms gehen, ehe sie zurüdkehrt.“ WWW
Bettys Fragen und Bitten überstürzten sich förmlich,
8 tat ihr wohl, sich auszusprechen, alles erlittene Un—
gemach versank in dem frohen Gedanken, daß ihr der
zater die ersehnte Freiheit brachte. Das gläubige Hoffen
des Kindes bereitete dem Regierungsrat eine unsagbare
Narter, er fand kaum Mut, der erschroken Aufhorchenden
egreiflich zu machen, daß er noch nicht gekommen war,
e zu holen, aber am nächsten oder übernächsten Tage
laubte er sicher, sie mit sich nehmen zu dürfen. Wie
asch erblich das schattenhafte Aufleuchten der Freude in
zettys Blicken und Mienen. Wie bald nahm wieder trost
MaArRelbß Resa span BPrer Xoole

diese den Uebergeng zu dem später notwendigen Lebe
in der bürgerlichen Gemeinschaft bildet. In der Auswahl
er Kameraden sollte man dem jungen Burschen keinen
wang auferlegen, indem man ihm sagt: Mit dem und
em mußt du nim gehen. Ein solcher Zwang widerspricht
schon dem innersten Wesen der Freundschast und läßt ein
Jegenseitig ofsenes und ehrliches Aussprechen nicht auf⸗
ommen. Man kann wohl raten und auf ordentliche
unge Leute aufmerksam machen, aber nicht zwingen. Viel
nergischer aber und mit peinlicher Sorgfalt sollte nach
»er negativen Seite vorzegangen werden. Das Haus solk
den Fleunden ein offenes sein, damit man Gelegenheit
abe, sie zu beobachten und zu beurteilen. Nachftage wird
on großem Vorteil sein. Lautet unser Urteil über einen
er Kameraden ungünstig, oder ist uns von glaubwürdiger
Zeite schlimmes mitgeteikt worden über ihn, so halte man
8 für Gewissenssache, mit dem eigenen Kinde unter vier
lugen zu reden, in freundlichen, ruhigen Worten, deren
endziel der bestimmt ausgesprochene Wunsch ist, eine solche
Yameradschaft zu meiden. Diese Bewahrung vor schlech⸗
en Kameraden ist um so notwendiger, als erfahrungsge⸗
näß die Knaben in den Flegeljahren sich mit Vorliebe den
chlimmen Burschen zuwenden. Wenn einer schon regel⸗
näßig seine Zigarre im Munde dreht, wenn er im Bier⸗
rinken seinen Mann stellt, wenn er im Großtun und in
er „Wurstigkeit“ gegenüber jeglicher Autorität sich hervor⸗
ut, dann imponiert das dem Jüngelchen. Es will keiner
urückbleiben; eine falsche Scham hält manchen zurück, Op⸗
osition zu machen, oder zu gestehen, daß er noch nicht
lle Zucht und Autorität über Bord geworfen. So ist
hon mancher junge Mensch um seinen inneren Frieden
selommen und auf Abwege geraten. Wohl äußert sich
ein Gewissen und macht ihm Vorwürfe, er saft die besten
dorsätze; allein inmitten seiner Kameraden ist er schwach;
r verträgt nicht den Hohn ein „Philister“ zu sein und
inkt tiefer. Da heißt es, ein aufmerksames Auge zu ha—
en und hie und da an allerlei Aeußerungen des Knaben
in furzes, von liebevollem Ernst getragenes Wort zu
nüpfen. Es fällt zwar gar oft schwer, bei dem vorein⸗
sen und grenzenlos oberflächlichen Urteil dieser Jungen
iber alles, was ihnen in den Weg kommt, ruhig zu blei⸗
en; allein wir müssen den jungen Leuten dieses Alters,
pdie einem leiblich Kransen gegenüber, doppelte Klughe!!
ind Sorgfalt walten lassen; es ist vielleicht die entschei—
enste Veriode B8 CGoho

*
F
Dai,eidale Forderumg. „Na, wie geht's
»enn in Ihrem Berufe?“ — „Sie wissen doch, ich gebe,
klavierstunden, die Stunde zu zehn Mark.“, „Haben
Zie denn welche?“ — „Nicht eine einzige; aber ich rechne
inmer noch datauf, daß ich einmal den Achistundentagbe⸗
oamninei — —5—
vuIm Zweifel. Spund: „Nan«, Süfsel — so nach—
enllich? Waos ist denn los?“ — „Ach — miein alter Herr
chreibt mir heut, wenn ich's so wei er triebe, wär' ich am
ingsten Student gewesen, und Professor Kluge sagte im
zeminar, wenn ich's so weiter triebe, würde ich ewig
3tudent bleiben — wer hat nun recht?“
*Am Stammtisch. „Hab' ich nicht eine klassische
stase?“ „Na. sie fängt wenigstens an, es zu werden!“ „Sie
ingt an?“ Ja — zu „schi lern!“
*zVorbereitung. „Was ist denn das für ein Ge⸗
hrei bei Komnier ienrats?“ — „Die gehen nach Tirol die⸗
es Jahr — und da nimmt die Familie Jodel- Unter⸗
icht.“
*zVereinszweck. ‚Weshalb hat denn unser Vor⸗
tand ene Generalversammlung einberusen?“ „Ja, für was
wäre denn der Vesein überhaupt, wenn wir net amal a
Beneralversammlung hätten?“
*ändliche Rehebilitierung. Was ist
denn da drüben vor der Wirtschaft los?“ — „Ach, da
hatte der Hausknecht irrtümlich 'n Falschen h nausgewor—⸗
en — und der wird jetzt feierlichst mit der Musik wieder
jere'ngeholt“
*Dankbar. Gefängniswärter (zum Verbrecher)
„Hier ist von dem Polizeidiener, der Sie verhaftet hat.
ein Schinken und en Gugeshupf für Sie angekommen! ..
der Mann hat gestein die ausgetetie Belohnuna erbalten!“

Er blickt auch dich an als sein Kind,
Das ihm gedient oft halb und schlecht;
Und doch: wie lange Zeit verrinnt,
Eh' er nur eine Suͤnde rächt!
Wenn drum im harten Tageslauf
Ptanchmal dein Herz im Vorn erbebt,
Dann schaue betend zu ihm auf,
Eh' sich die Hand zum Schlag erhebt.

— —⸗
‚„Wäre ich doch lieber tot, als daß ich hier leben
nußi“ klagte Beity wieder und wieder verzweiflungsvoll.
Ich wollte ja doch nicht stehlen — ganz gewiß nicht sieh⸗
len. Du glaubst mir doch, nicht wahr, geliebter Papa.
»u glaubst mir doch?“
Gewiß! — Er, ganz Güte, Schonung und Milde,
weifelte nicht, daß Bettiy die Wahrheit sprach — er
annte ja sein Kind! Doch außer ihm — wer glaubte
vohl noch — seine kranke Gattin ausgenommen — an die
viriliche Absicht des unbedachten Kindes? Der Schein sprach
zu stark für bewußte Schuld! Die unfreiwilligen Zeugen
des aufregenden Vorganges in dem allbelannten Gescheüut
hatten sich nicht verpflichtet gefühlt, über das, was sie
gzehört und gesehen. zu schweigen; Gerüchte, bald ins Un—
Jeheuere vergrösßzert, wurden verbreitet; noch am selben
Tage bemächtigten sich die Abendzeitungen des sensatio—
nellen Stoffes und erzählten von einem großen Brillan
endiebstahl, begangen von Hochstaplerinnen aus den v
iehmjten Gesellschaftskreisen. ei⸗
Doch schon die am ondern Tage folgende,
orgennummern berichtigten: es handele sich um ein fasl
roch dem Kindesalter angehöriges Mädchen, das ein paar
Ohrgehänge entwendet hatte, die ihm aber gleich nach er—
olgier Tat wieder abgenommen wurden, se daß H. L. in
teiner Weise geschädigt sei. — ——
Eine Mitwissenschaft seitens der Angehörigen des nin—
Jen Mädchen sei vollständig ausgeschlossen. Die Familie
sei zu bemitleiden, um so mehr, wenn die Kunde sich be—
ätigen sollte, daß die arme Mutter, Frau v. T., mm.
olge von Schred und Schmerz hosfnungslos erkrankt sei
Im Publikum nahm man teils für. teils gegen das zi
schnelle und strenge Vorgehen des Juweliers Partei. Vie
sen dünkte die Tat des jungen Geschöpfs nur eine unbe
onnene Handlung. „Aber gestohlen bleibt doch gestohlen!“
widersprachen andere. Gerade daß der Juwelier ohn
Rückssicht auf die Person handelte, ist sehr lobenswert.“
Dem Juwelier blieben die verschieden ngenden Ur.
eile nicht verborgen. Als er in seiner ersten zorniger
Frbitterung die „lücklich abgefaßte“ Diebin zur gerichtli—
hen Bestrafuna absühren lien fühlte »rx sich in voll⸗
2A*—
            
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