Full text : Dudweiler Zeitung

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Umtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beilagen:
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Bürgermeisterei-⸗Bezirk Dudweiler Sonntagsblatt und Heitere Bläͤtter.
rinr ⸗Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Drucku. Verlag: J. Unterkeller, Dudweiler Perantwortlich für die Schriftleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenteil Karl Unterkeller
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der Abonnent ist mit 00 Migegen Tod durch Unfall bei der Nienberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Stunden nach dem Unfall in ärztliche
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Nr. 158. Dienstaq, den 4. Juli 1911. 24. Jahrgang
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— Suanz er Coup der Wuhelmstraße eine europaissche saron
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eiten. Entweder ziehe Frankreich sich zurück und begnüge cht neue Erlcuterungen den Veweis liefein, daß er ei—
ich mit den in Algeeiras ihm zugestandenen Rechten oder . beruhigenden Charakter hat, als dies jetzt als wahr⸗
s stimme der Aufteslung Marokkos zu. Die der Regie— — een
ung nahestehenden Blätter, wie der „Petit Parisien“ und — RZJuli. Die hiesigen Blät er drücken X
»er „Matin“ weisen darauf hin, daß das deutsche Eingrei en o eed ee im großen und gan—⸗
yn isn verernr erscheine muit ver dentinhesrantacssehen en fehr —2 aus. In einzelnen Berichten klingi
lbmachung von 1909. edoch etwas Freude über das Vorgehen Deutschlands mi
Man wird sich in Frankreich in das Unvermeidliche urch. Man ijt hier allgemein der Meinung, daß Deutsch.
hicken müssen. Wir haben den Ertlärungen der französü 2 den Haßen Agader dauernd besetzen wirs
hen und sanischen Regierung Glauben geschenkt, und so
nnen wir billigerweise für unsere Erklärung verlangen,
aß dle Aufrichtigkeit derselben nicht in Zweisel
ezogen wird. Deutschland denlt nicht daran, den euro
ãischen Frieden zu stören, aber es ist doch schließlich dazu
a, die Interessen seiner Staatsangehörigen zu schützen.
Nan wird der „Täglichen Rundschau“ zustimmen müssen,
benn sie u. a. sagt: „Wir warten noch welter in Geduld,
önnen aber nicht während dieses Wartens Leben und
zut der deutschen Unsertanen opfern. Deshalb erscheim
mser Kanonenboot vor Agadir. Wir hoffen, daß man in
zrankreich unsexe loyale Polstik anerlennt und uns miit
erselben Billigkeit begegnet. die wir ihm iederzeit er—
eijgt habon “

i
Der Albanesen⸗Austand.
Noch ist nicht zu erkennen, in welcher Weise die alba—
sche Frage sich loͤsen wird. Die türlische Regierung hat
ie den Malissoren gestesl'e Gnadenfrisft um 14 Tage ver—
ingert, aber der Erfolg, den sie damit bei den Häupt⸗
ingen der aufständischen Albanesen erziett hat, ist bisher
echt gering. Ein Teil der Häuptlinge mit ihren Stäm—
jen ist in die Heimat zurüctgekehrt, aber der größere Teil
erharrt im Widerstande, wie in ausländischen Blättern
icht ohne Gehässigkeit erllärt wird, weil sie nach ihren
rüheren mit türkischen Versprechungen gemachten Erfah—
ungen der Amneslie mißtrauen, wahrscheinlich aber, weil
ie von einigen Mächten mehr oder weniger schüchtern ge—
achten Einmischungsversuche sie hofsen lassen, daß doch
‚och ein internationaler Druck auf die Türkei ausgeübit
erden wird. und daß sie durch diesen eine Autonomie
tlangen werden, die sie aus eigener Kratt nicht zu errei—
sen vermögen. In der Tat sind sie am Ende ihrer Krajst,
ud nur die Ansehnung an die montenegrinische Grenze
ad die Scheu der türkischen Regierung vor Grenzverletz—
igen und daraus möglicherweise enistehenden internatio—
len Verwicklungen hat sie bisher vor der Vernichtung
wahrt. Es ist aber den türkischen Mil tärs offenbar bit⸗
rer Ernst. wenn sie jetzt ankündigen, daß sie vor leinem
indernis und vor keinen Konfequenzen zurückschrecken
„erden, um den Aufstand gewaltsam niederzukämpfen, falls
ie Albanesen die vierzehntägige Frist wiederum verstrei—
yen lassen, ohne die Waffen niederzulegen. Sie meffen
uch bereits alle Vorbereitungen, um zu einem lehten
utigen Schlage auszuholen. Es wiederholt sich hier ein
organg, der ganz ähnlich den Grund der bosnischen
erise bildete. Damals war es Serbien, dem von London
ud Peltersburg her ein Beistand in Aussicht gesteilt wor—⸗
en ist, der in Wirklichkeit niemals geleistet werden konnte.
ur weil dieses frivole Spiel nicht früh genug beendei
urde, spitzte sich der Konfikt so gefährlich zu. Diesmal
d es die Albanesen, die in der gefährlichen Täuschung
zalten werden, als werde das Ausland ibhre Sache füh—
n. Aber diesmal ist gerade der Staat mit an dieser
iuschung schuldig, der sich damals über dies Verfabreu
ur Aecyt vercyhwerie. Bon Vesterreich aus yat man, of⸗
enbar unter dem Einstuß einer gewissen hösischen
zropaganda, zuerst die Türkei zu warnen versucht. Neuer⸗
ings geschieht dasselbe von Rußlaund aus und auch im
glischen Parlament geben Mitg ieder der Regierung Er—⸗
aärungen ab, die so klingen, als sei Albanien nicht eine
rkische Provinz, sondern ein selbstäͤndiger Staat. Das iß
u so merlwürdiger, als keine dieser Staaten mit der
zimper gezuckt hat, als Rußland die Revolution in Strö—
ien Blutes ertränkte und die Selbständigkeit Finnlands
edertrat. Niemand wird dem tapferen Volle, das in
n albanischen Bergen für seine Freiheit, wie es sie ver—
eht, kämpft, seine Sympathie versagen. Aber kein Vor—
cieilsfreier wird es auch der Türkei verargen, wenn sie
e staatliche Autorität in ihren Gebieten mit Gewalt und
isen ausrecht erhält. Täte sie es nicht, so wäre in we—
gen Monaten die türkische Herrschaft, wenigstens in
uropa, zu Ende. Das erkennt auch ein konservatives eng⸗
sches Bait. der „Daily Graphic“, unumwunden an, des—⸗
n vernünftige Betrachtung die Lage angenehm absticht
on dem aufgeregten Ton, in dem andere englische Blät—⸗
r, wie be spielsweise die „Times“, die Sache behandeln.
)as Blatt erinnert Oesterreich an die Pacifikation Bos—
liens und der Herzegowina, bei der die Aufständischen
nich nicht mit Rosenwasser begossen worden seien. In—
erna ionale Garantien, wie die Wiaalissoren sie für die Er—
üllung der Amnestie verlangen, bönne sich keine Regier—
mg, die einige Selbstachtung habe, gesallen lassen, wohl
ber sei das t'efe Interesse, das die albanische Frage in
iropa finde, eine tatsächliche moralische Garantie, die
icht erst geschaffen zu werden brauche. In der Tat ist
hwer ich zu befürchten, daß die tarlische Regierung Ver—
prechumgen, die sie im Angesicht von ganz Europa den
Ubanesen gibt, brechen wird, wohl aber hätlten die ein—
iischungslustigen Regierungen, wenn es ihnen wirklich um
as Heil der Albanesen und die Verhütung von Blutbä—
ern zu tun ist, allen Grund, den Albanesen, vor allem
her auch dem montenearinischen Nachbar. dessen Haltung

Volitische Reudschau
Deutsches Reich.
s In den Bestimmungen über die Verleihung von Osr—
ensauszeichnungen ist u. a. auch der Passus
nthalten, daß Arbeiter nach einer mmunterbrochenen
Oiährigen Tätigkeit bei ein und demselben Unternehmer
ur Verleihung des Aligemeinen Ehrenzeichens vorgeschla—
en werden können. In jedem Jahr werden auf Grund
ieser Bestimmung durchschnittlich 50 Arbeiter dekoriert.
diese Anerkennung treu geleisteter Dienste wird jetzt auch
uuf das Handwerk ausgedehnt. Zum ersten Male wurd
das Allgemeine Ehrenzeichen Handwerksgesellen verliehen
die 40 Jahre bei demselben Meister arbeiteten. Es sind
ies fünf Handwerksgesellen in Wiesbaden.
* Nach einem Ausschreiben des hessischen Ministerium
es Innern werden die Meuwahlen zum Land«
age vpraussichtlich Freitag, 3. November 1911 vorge
lommen moöorder

Berlhin. 3. Juli. Nach einer Meldung aus Tan—
er erhielt der dortige deutsche Gesandte vom Vertreter des
zultans, El Gabbas, die Miite lung, daß der Sul—
an erfreut sei, ein deutsches Kriegsschiff in den marok—
anischen Gewensern zu begrüßen und daß er überzeugst sei,
ie Maroklaner würden in den deutschen Vorbeugungs—
naßregeln ke nerlei unfreundliche Absichten erblicken.
Berlin, 3. Juli. In hiesigen diplomat schen Krei—
en nimmt man an, daß nach längeren Verhandlungen
hne vorangehende internationale Konferenz eine Ver—
tändigung zwischen den an Marokko interessterten
MNächten, also zwischen Deutschland, England, Frankreich
ind Spanien erfolgen wid. Die Antwort der französi—
chen Regierung auf die deutsche Note wird erst in einigen
Tagen erwartet, da man den Wortlaut der Antwort in
ßaris sorgfältig erwögen wird.
Paris, 3 Juli. Im H'nblick auf die Marokkowir—
en schreibt der „Petit Parisien“ beruhigend, daß Kaiser
Bilhelm zur Zeit seiner Nordlandsreise und Präsiden
Fallieres seine Fahrt nach Holland angetreten habe,
erner daß der deutsche Reichskanzler von Bethmann-Hoil—
veg und Staatssekre är von Kiderlen-Wächter fern von
Berlin seien. Die Lage sei also nicht so ernst.
Paris, 3. Juli. Wie aus bester Quelle verlautet,
seigte die deutsche Regierung den Algecirasmächten nichi
nir an, daß sie zur Wahrung und Sicherung der deutschen
Interessen das Kanonenboot „Panther“ nach Agadir ent
ende, sondern daß sie überall in Marokko aktive Maßnah—
nen ergreifen werde, wo eine Bedrohung deutscher Inte—
essen eintreten sollte.
* Bei dem Gartenfest im Elysee hatten der Minisierprä—
dent und der Minister des Aeußern eine Unterredung mit
em deutschen Botschafter. — Eine sichtlich von offiziöser
zeite stammmende Mitteilung erklärt, in gewissen Kreifen
rückte man den übrigens — begreiflichen Wunsch aus,
aß auch die französische Regierung ein Kriegsschiff nach
lgadir schicke, um dort die Ruhe zu sichern, die nach einei
zehauptung Deutschlands gestört sein soll. Man glaubt zu
vissen, daß die franzpsische Regierung nicht geneigt ift,
iesem Wunsche zu rechen, da eine solche Maßnahme
ie Angelegenheit u verwickeln würde.
Loudon, 3. Juhß Obwohl sämtliche Sonntagszei—
ungen von dem Vorgehen Deuischlands in Marokko be
ichten, so schwingt sich doch nur der konservative Ob
erver“ zu einem längeren Kommentar der marokkanischen
Angelegenheiten auf, in dem es heißt: Wie ein Blitzstrah!
ius heiterem Himmel A— die amtliche Ankündigung ei
ies Eingreifens Deutschl in Marotko. Dies erinner
n die Besetzung von Kiautschou oder an die Kaiserreise
ach Tanger im Jahre 1905. Seit dem letztgenannten
wischenfall hat es leinen plötzlicheren, beunruhigenderen
ztreit gegeben. Die ganze Bedeutung der Meldung ist fin
en Angenblick noch nicht ermessen. Ginstwweilen bildeil

— — —* — — —2—
——
isammen 1300 Pferdelräfsen, die dem Schiffe eine Ge—
hwindigkeit von 14,5 Seemeilen in der Stunde verlei—
N. Die Armierung besteht aus zwei 10,5 Zim. Schnell—
uergeschützen und sechs 3,7 Ztm. Maschinenkanonen und
ird durch zwei Maschinengewehre ergänzt. Eine Torpe—
oausrüstung fehlt. Die Besatzung zählt 125 Köpfe, dar—
uter 6 Seeofsiziere, 1 Maschineningenieur, 1 Arzt und
zablmeister

Frankreich.
* Nach einer Mesdung der „Agence Havas“ begleitet di
Selves den Präsidenten Fallieres nach Hole
sand. Das Ministerium des Aeußern wird so lange in
erimistisch von Caillaux verwaltet.
Serbien.
* Infsolge der Aussichtslosigkeit, das Kabinett Pasiisch
um Verbleiben im Amte zu bestimmen, nahm der König
ie Demisson des Kabinetts an und berief den
bräsidenten der Skupschtina, Nitolitsch, sowie die einzel—
ien Parteiführer ins Palais. In politischen Kreisen wird
rklärt, daß nur durch die Auflösung der Skupschtina die

Agadir
tals Hauptstadt um 1500 von den Portugiesen gegrün
et worden und hieß unter portugiesischer Herrschaft Santa
ruz de Berberia. Es ist der süd ichste Hafen an der at—⸗
ant schen Küste Marokkos und liegt an der Mündung des
Tussoze Su Seit der Gründuing von Moandor (1760

rise definitiv gelöst werden könnte, da die Meinungsver—
hiedenheiten innerhalb der beiden rarikalen Parteien der
ortbefiand der Koalition unter den gegenwärtigen partei—
olitischen Verhältnissen nahezu ausschließen. Man erwar—
et, daß die Neuwahlen insofern eine klare Situation schaf—
A—
sdarteien durch die Bildung neuer Parteifraktionen eint
ue politische Lage herbeiführen würde. Sowohl bei den
Itradikalen wie den Jungradikalen streben die jüngeren
slemente eine Emanzipation von den bisherigen Partei—
eimmngen an, und es macht sich eine Bewegung nach Grün—
unag einer ronen ararvarei hemerknr

*
8
—
F

Deutichland in Marokko.
Die deutsche Regierung hat sich nach langem Zsgern
atschlossen, bezüglich der Marokkowirren und vielleicht nch
nehr bezüg ich des Eingreifens Frankreichs und Spaniens
ntichlossen, die Stellung des sti len Beobachters aufzuge
en. Das Kanonenboot „Panther“ wurde zum Schutz der
edrohten deutschen Interessen nach dem marokkamischen
hafen Agadir enssandt. Die Tatfache an und für sich
st nicht verwunderlich, aber das unerwartete, plötzlich
rkingreifen Deutschlands, nachdem es monatelang in allen
duhe zugesehen halte, ist überraschend. Trotzdem brauch
nan nicht zu glauben, daß nun eine andere Aera au
rricht und noch viel weniger, daß sich die gefahrvolle Si—
uation von 2907 wiederholt. Selbstverständlich ist man
zuch in Frankreich nicht wenig überrascht, und als die
Nachricht durch Extrablätter auf den Pariser Boulevards
⸗erbreitet wurde, da sah man allenthaͤlben verwundern
gesichter. Die Pariser Presse hatte inzwischen Gelegenheit
u der Angelegenheit ausführlich Stellung zu nehmen. Es
esteht von dem nationalistischen „Eclair“ bis zu der so
ialistischen Humanitee“, in der Jaures seine Meinung
iußert, Einmütigkeit darüber, daß der von Deutschland
ngegebene Grund nur ein Vorwand sei. Jaures selbsi
nacht die französische Kolonialpartei dafür verantwort'ich,
Anyanien und Deutichsand den Normand zum Gineroifer

oar es für den fremden Handel geschlossen. Die Stadi
ählt angeblich 6000 Einwohner. Im Hinterlande von
lgadir sollen sich bedeutende Kupfererzlager besinden, aul
eren Ausbeutung die Firma Mannesmann Anspruch er
26⸗

Ausgestoßen.
domon von A. Marbp
Nachdruck verboten.
Forschend schaute Helene sich um. Im selben Augen⸗
lick, als sie nahe der Ausgangstür die Kleine gewährte,
rtönte eine barsche Stimme:
Salt! Hier geblieben! Niemand verläßt jeßt den La⸗

nein kleines Fräulein,“ wandte er sich an Berry, — vie
prach⸗ und bewegungslos, mit schlaff herabhängenden Ar—
nen dastand, wie in den Boden gewurzelt, „es ist trau—
ig, bei einem so jungen Geschöpf solche moralische Ver—
erbtheit entdeclen zu müssen, die dadurch nicht weniger
erächtlich ist, daß vielleicht der lüsterne Gedanke näch
em Besitz des wertvollen Geschmeides nicht auerst hinter
ieser jungen Stirn —“
Ein unheimlicher Ton ließ den Juwelier inne halten
ind lenktte seine Aufmerksamkeit wieder auf Frau v. Tech—
nar und deren ältere Tochter; das Furchtbare nicht fas—
end, starrten beide Damen auf Betty, wie auf eine völlig
Fremde. Da erhob die Unglückhelige die gesenkten Augen,
in Blich, jammervoll hilflos, suchte und fand die Mutter
ind entriß sie ihrer Betäubung. Ein heftiger Schauer durch—
ebte die zarte Frau. Der Mund flüsterte ein paar unver—
tändliche Worte „Mein Kind eine — Diebin — mein Kindl“
urchzitterte es in herzzerreißendem Weh die Lujt, im näch⸗
ten Augenblick sank Frau von Techmar besinnungslos zu
zoden. J —
Die zunächstsiehenden Herren sprangen hilfbereit hin⸗
u und legten die Ohnmächtige auf einen Divan. Hätte
ßetty in der herrschenden Verwirrung den Entschlutz ge⸗
aßt, zu entfliehen, es wäre ihr vielleicht jeht ein leichtes
ewesen. Doch in ihren Ohren gellten fort die mütterlihen
 Worte, dazu Helenes verzweifelt hervorgestoßener Ruf:
„Hilfel Hilfe! Sie stirbtl“ —
Nama, meine liebe Mama, vergib mir!“
Den Kreis der Umstehenden gewaltsam durchbrechend,
darf Betty sich über die leblose Mutter; ihr entsetzter Blick
aftete starr auf den beiden Blutstropfen, die auf den halb
eöffneten Lippen standen.“ Leise wimmernd war das jun⸗
e Mädchen im Begriff, die Kubinen“ von den Lippen
er Mutter zu küssen, da fühlte sie sich heftig zuriidgeris⸗
en und beiseite gestoßen.
‚Hinweg. verworfenes Geschöpfl!“ keuchte Helene von
dechmar autzer sich, init wild lodernben Augent bu' bijt
ücht 7* Nan zu berühren. Diebin — Moͤrderin
„Helene — Erbarmen!“ schrie das unglücliche Kind, der
Zchwester Hand een ahh ice Mind, de
Sie wurde ihr ungestüm entzogen.
Es ist die höchste Zeit, Herr Kommissar,“ fagte kura
at⸗ mitloi dio⸗n Qriunm her ⸗ian mι sιιν

er Juwelier, „gem unangenehmen Auftrin ein Ende zu
nachen. Sehen Sie, auf der Straße — der Himmel X
oissen, ducch wen die Kunde hinausgedrungen ist — findet
hon ein Menschenauflauf statt; schlagen wir aber der Reu⸗
zierde ein Schnippchen, indem Sie mit dem Diebsgesindel
den Weg durch den Hof nehmen und dann dleich 'in die
zeitengasse einbiegen.“ —88 a
„Sie sprechen von „dem“ Diebesgesindel Herr L. —
halten Sie denn noch die beiden Damen — ich meine die
Nutter und die älteste Tochter, für Mitschuldige?“
„Aber unbedingt, bester Herr,“ gab der Juwelier ohne
zesinnen zur Antwort. „Aufrichtig gesagt“ — den Ton
einer Stimme durchklang ein Gemisch von Spott und Ver—
ruß, „es wundert mich, daß Ohnmachten und Weiberträ⸗
ien einen so gewiegten Kriminalisten »yhb beirren
önnen“ —*
„Nicht nur „‚beirren“, Herr L.“, versetzte fest, den
Juwelier ernst anblidend, der menschenfreundliche Beamte.
Es ist sogar meine volle Ueberzeugung. Die genannten
Ddamen sind so unschuldig an dem Vergehen des jungen
Nädchens, wie — Sie und ich.“ „Gerade“, fuhr er, der
lebhaften Unterbrechung schnell zuvorkommend, in erhöh⸗
em Tone fort, „weil sich mir hundertfache Gelegenheit
hietet, die Spuren des Lasters und aller möglichen Ver—
brechen im menschlichen Antlitz zu studieren, glaubte ich
neinen Erfahrungen, meiner haͤufig erprobten Urteilskraft
ertrauen zu können. Ich habe vorhin die Damen unab—
ässig beobachtet; ihr Entsehen, die Zeichen ihres Schmer—
es waren nicht erheuchelt, sondern die Ausbrüche natür—
ichen Schredens. Herr L.“, — der Kommissar, seine
Stimme dämpfend, trat noch dichter an jenen heran —
ich spreche nicht allein für die Unschuld der Besprochenen,
wor vern erlaube mir sogar, auch für das arme, sicher
nur für einen einzigen verhängnisvollen Augenblick ver—
lJendete Kind ein gutes Wort einzulegen — J
Herr Kommissar —
Bedenken Sie doch, fuhr jener, in seinem edlen Eis,
er den Einwurf nicht beachtend, in warm überredendem
sone fort. „Sie sind wieder im Besitz des wertvollen
zeschmeides, sind also nicht im geringsten geschädigt, wenn
Zie Gnade für Recht ergehen lassen; wogegen, wenn Sie
ie Sache dem Gericht übergeben, auf dem verurteilten
dchen ein Gchandflee haffoöen üPltht Ser vid— —y 5e

Zukunft des vedauernswerten Geschopfes, sondern mogn⸗
cherweise das Glück und den Frieden einer ganzen hoch⸗
angesehenen Familie vernichten dürfte.“
Es kostete dem Juwelier sichtliche Ueberwindung, den
ruhigen Zuhörer zu spielen. Sein blasses Gesicht hatte
der Aerger hochgerötet, seine Stimme einen scharfen Klang
hekommen, als er endlich das Wort nehmen konnte: Ihr
uutes Herz, Ihren Scharfsinn und Ihre — Erfahrungen in
khren, Herr Kommissar. Während meines dreißigjährigen
Veschäftsbetriebes sammelte aber auch ich reiche Erfahrun⸗
gen, aus denen ich, vielfach durch Schäden klug gemacht,
die Lehre zog, mich niemals in einem Falle wie dem heu⸗
ligen, durch den Anstrich äußerer Distinktion täuschen zu
assen. Gerade die scheinbar vornehmen Hochstaplerinnen
ählen zu der Klasse der gewandtesten und gefährlichsten
dadendiebinnen. Es ist tausend gegen eins zu wetten:
wischen dieser sogenannten Frau von Techmar und ihrer
chönen Tochter war die Ohnmacht, überhaupt die ganze
Verzweiflungsszene im Falle des Mißlingens eine vorher
abgekartete Sache; der vorgebliche Kauf war beiden nicht
ernst, sie wünschten nur die sie bedienenden Kommis so
sange zu beschäftigen, bis der Raub vollführt! —
Ah! Das kaum flügge gewordene Vögelchen scheint gut
ingeleitet; glauben Sie mir, es war sicher nicht sein er er
Diebstahl; daß es aber wenigstens für längere Zeit der
etzte bleiben soll, dafür werde ich Sorge tragen. Ja,
nein Herr Kommissar, es gereicht mir zur besonderen Ge—
iugtuung, das geschickte Werlzeug abgeseimter Verbrecher⸗
nnen auf frischer Tat gefaßt zu baben, wodurch endlich
das ehrenwerte Kleeblatt der mohlnordionton Strafe über⸗
intwortet wird.“
Der mitleidige Kriminalbeamte hatte sich längst über—
eugt, datz von dem Geschäftsmanne, der so überdies nach
decht, Pflicht und Gewissen zu handeln glaubte, keine
Sinnesänderung zu erwarten stand. Jede weitere Ritte
dar überflüssig.
„Sehr wohl, Herr L.“, erwiderte er kelt in steifer
Haltung. „Aber wie Sie sehen, ist die arme Mutter au⸗
zersiande, mich zu begleiten; sie bedarf des Arztes au—⸗
enblicklich nötiger, als des Richters. Ich werde also
zunächst die jüngste Tochter in Sicherheit bringen, die bei—
»en anderen Dauen müssen Sie schon noch — ich würde
aton. iie ns Nebhenzimmer skihron 2zu sion — innt⸗

Augenscheinlich galt Betty jener Zuruf, und der ihn
zuusstieß, war derselbe Kommis, welcher die des Tiebstabls
erdächtigten Damen bedient hatte. —
Sogleich nach dieser unliebsamen Entdechung von un—
estimmten Argwohn gegen die jüngste der Damen erfüllt,
rotz ihres passiven Verhaltens — hatte er sie nicht aus
en Augen verloren. Es mußte fein Mißtrauen verstär—
en, als er sah, wie sie bestrebt schien, sich der Aufmerk—
ierlsamkeit der im Laden Anmesenden zu entziehen. In der
lat achteten auch nicht die erregten Herrschaften der un⸗
heinbaren, kleinen Gestalt, die gleich einer Schlange sich
sindurch wand. Kein Zweifel, sie wollte die im Augen⸗
licke unbewachte Ausgangstiir erreichen und heimlich das
Veite suchen. Schon stredten die Finger der Rechten sich
us nach dem Kopf, bei dessen leisem Druck die schwere
adentür geräuschlos in ihren Angeln sich drehte, da drang
ötzlich jener Zuruf an Bettys Ohr, zugleich legte eine
dand sich schwer auf ihre Schulter, eine andre faßte mit
inem schnellen Griff in Bettys Manteltasche und brachte
mus derselben des Mädchens krammihaft geichsassene Lirike
ernor.
Es bedurfte für den kräftigen, jungen Mann geringer
Instrengung, die kleine Mädchenhand zu öffnen. Ein zier⸗
iches Etui kam zum Vorschein, er schlug, zitternd vor
lufregung, den Deckel zurück, hielt dasselbe truumphierend
npor und rlef mit schallender Stimme: „Hier ist das cor⸗
uus delicti und diese ist die Diebin! “ —
Blitzschnell wandten aller Augen sich um nach der
berführten Verbrecherin; Worte der Ueberraschung, des
nwillens wurden laut, Herr L., als er der Steine an⸗
hhtig wurde, atmete erleichtert auf und sagte in kaltem,
mere Erregung verratenden Tone: —
„Sehen Sie nun, meine Herrschaften, wie recht ich
24 — —— V 4 20 *
            
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