Vermischtes.
Berlin ohne Zeitungen. Richard Nordhansen knüpf
in die betannien Vorfälle in den Berliner Zeitungsgroß
ruclereien in den „M. N. N.“ folgende hübsche Glossem
kin paar Maschinenmetster von Scherl waren von dem
serichtshof, den Arbei geker und Arbeitnehmer des Dru
ergewerbes sich selbst geletzt haben, zur Entlassung verur—
eilt worden. Als die mächtige Firma den wohl mühsam
jenug erlangten Spruch ausführen wollte, erklärten sich
lötz ich alle Kollegen der Sünder solidarisch mit ihnen.
Scherls Rotalionstoose mußten also stille ftehen. Ein auf
srund längst beschlossener Interesffengemeinschaft gemachter
bersuch, die in Frage kommenden Zeitungen bei Ullsien
ind Mosse herstellen zu lassen, mißlang. Venn obwohi die
gzewerlschaft selber diese Arbeit nicht für Streikbrecherarbeil
erklärte, weigerten sich die Maschinenmeister der beiden
inderen Firmen ebenfalls, ihre Schuldigkeit zu tun. Es
aleb auch Mosse und Ullsiein nichts übrig, als die Unge—
orsamen zu entlassen und anf die Herausgabe der in
hrem Verlege erscheinenden Zeitungen zu verzichten. Der
—A VV
innreiche Bemerkungen knüpsen. Was nützen die schön—
ten Tarifabkommen, wenn sie einseit'g durch etliche Leute
zebrochen werden können; wenn der Wille der gesamten
arif reuen Arbeiter- und der Prinzipal chaft machtlos ist
zegenüber einer Handvoll gereizter Dickköpfe? Für die
evorstehenden Tarifverhandlungen im Druckergewerbe und
ür die Bedeutung von Treu und Glauben eröffnen sich
unk'e Aussichten. Indessen, wir dürfen an dieser Sielle
en Politiser se nen Sorgen überlassen. Für uns andere
var es sasi spaßig, einmal mit'en in der Woche weder
lbend- noch Morgennummern ins Haus gel'esert zu er—
zalten und auch am Sonntag, wo sonst jedes anständiee
Blatt mindestens 16 Beslagen umfaßt. nur vier oder sechs
zeisen bewältigen zu müssen. Scherl und Mosse und Ull—
ein befriedigen fast die ganze Berliner Journallesewut,
lle anderen Zetrungen sind klein, an den Goliathen die,
er drei Verlage gemessen. Und plötzlich übertreffen selbs
ibedeutende Blätter die Ricsen an Umfang und Inhalt
zlötzlich hat man seiner Abonnentenpflicht in kaum dre
Ninuten genügt, während sonst jeder gewissenhaste Leser
nindeftens drei Stunden gebrauchte .... Es sind herr
che Tage gewesen. Friedlicher und gemütlicher, ordent ich
zroßväterlich scheint die Zeit. Und wir wollen nur ho—
en, daß der große Erfolg, den das Nichterscheinen der
Ze tungen gehabt hat, keinen werdenden Staatsmann, zu
Preßordonnanzen der Zukunft begeistert. Es ist immer ge—
ährlich, wenn eine große Macht anderen Mächten zeigt,
daß es gelegentlich sehr gut auch ohne sie geht.
Gesegnete Mahlzeit! Wenn man der „Actuaitee“
glauben darf. soll die Königin Wilhelmine von Holland
die größte Esserin unter den gekrönten Häuptern sein. Ihrt
Lieblingsgerichte sind, wie das Blatt erzähtt, Lammslenle
und Ochsenfilet nach englischer Art. Sie nimmt nicht we
niger als sechs Mahlzeilen jeden Tag ein. In der Mor—
genstunde trinkt sie Kaffee und ißt dazu eine reichliche
Menge mit Butter bestrichene Scheiben Schwarzbrot (Pum
pernikel); um 10 Uhr frühstückt sie, und zwar werden ih
varme Pastelen und Creme double vorgesetzt, dazu trink
ie zwei Glas süßen Rotwein. Um 2 Uhr nimmt sie wie
erum einen reichlichen Imbiß; um 414 Uhr gibt es Te
ut Sandwichs; um 8 Uhr endlich die Hauptmahlzeit, die
ader Regel einem Festschmaus gleicht; um 10 Uhr wird
er Tag mit Wein und Biskuit beschlossen. Der Prinz—
gemahl seinerseits halle seiner königlichen Gattin im Essen
ie Stange; er habe es zu seiner besonderen Aufgabe ge—
aacht, sich um die Versorgung der königlichen Weinkelser
u kümmern, d'ie er reichlich mit Burgunder, Champagner
ind köstlichem alten Tokayer der besten Art versehen lasse.
Der Schreiber der vorstehenden Zeilen schent ein etwas
oshafter Herr zu sein; wenigstens ist es ihm ein Vecgnü—
gsen, Ons Witlemintje“ und ihrem Gaiten eins auszu—
vischen. D. Red.)
Japans Kaiser dichtet. Der Kaiser von Japan, der
ekanntlich auch Dichter ist, hat die Krönung Konig Ge—
irgs durch einen Vierzei er gefeiert und seinen Abdruck in
er Krönungsnummer des Japan Financial und Economic
Nonthly erlaubt, „als Beweis seiner Freundschaft für
zroßhritonnien“. Das Gedicht, das „der tiefen Genugtu—
ing Ausdruck geben sol“‘, womit ihn ene Gelegenheit er—
üllt, die internationale Eintracht und Ruhe fördert“, lau—⸗
et japanisch: —IV
33 ie in kuni 95
5383 awaschitsutsu Kuni kuni nus
——— Osamaru Toli ni —J—————
JJ Amzo ureschili.
Baron Seifu Takasali, „der Vorstand des Poesie-Bureaus
im kaiserlichen Haushalt“, hat dieses Gedicht „ehrfurcht—
ollfi“ abgeschrieben und ins Englische übersetzt. Danach
st sein Sinn folgender:
Wenn Volk zu Volk spricht in Tönen
Freundlichen Grußes, ist's eine Freude, es zu hören.
Wenn Voölker friedlich weilen unter dem Szepter
Weiser. quter Herrscher, ist's eine Freude, es zu sehen.
—AXI
Werdegang eines berühmten Buches.
Ueber die Entstehungsgeschichte der berühmten Erzäh—
ung „Onkel Toms Hütte“ von Harriet BeecherSltowe
zrinat ihr Sohn Rey Gharles Eoward Stowe in e nen
nit einer so großen Mühle und * großen Schulden V
zinnen 7* . e g
„Sie brauchen die Mühle ja gar nicht zu behalten
Herr Nachbar,“, versetzte der Müller hastig. „Ich hab
a längstein Ptojeut. Sie kaufen die Mühle, wir
sie Ihnen zu viel, so assoz ieren Sie sich mit einem tüch
tigen Kausmnann — es ist das rentabelste Geschäft, wa
Sie machen können.“ w α
Machen Sie es selbst; Sie sind der Mann si
tentable Geschäste, nicht ich “ .. 2*
Offen gestanden, ich habe ein anderes Projekt,
zann das hier nicht mehr durchführen. Es ist etwo
Sroßartiges, wozu Sie mir verhelsen können. Ab
vald, noch in dieser Nacht! In acht Tagen vielleie
schon kann ich Ihnen mit hohen Zinsen zurückza
en —
Ich treibe nicht Wucher,“ fiel Werner von Than
jausen ein, mit einem schnei denden Klange in sein
Stimme. Ich treibe nicht Wucher und ich habe wed
Sinn noch Geid für ungeheuere Dinge.“
Wer Müuller ballte heimlich die Hände, um ihr Zucken
ind Zittern zu verbergen. ν
„cin Jeder trachtet, sein Haus zu erweitern, Sit
vissen das am besten, Herr Rachbar. Sie haben —“
,„Ich habe,“ unterbrach ihn Werner von Thannhau⸗
en init Würde.“ alle rdings ein neues Haus erbaut, weil
ie Verhältnisse mich dazu zwan gen und ich die Mittel
»azu 'hatte. Sie aber haben darauf los gebaut und
pekuliert, ohne zu fragen, ob Sie es auch ohne Schaden
zurchsühren können. Wir können nicht mit einander
zehen. Ein Wort soviel wie tausend: Ich kann Ihrem
Zohne meine Tochter nicht geben, ich kann Ihnen die
Mühle nicht abkaufen und ich kann Ihnen meinen Not
yfennig nicht anvertrauen.“
Werner von Thannhausen hatte sich erhoben und
chon die Türklinke in der Hand, um zu seiner Ge'ell—
haft zurückzukehren. Der Müller griff nach seinem
irme und hielt ihn zurückh.
„Herr Nachbar,“ preßte er nach einer sichtbaren AÄber⸗
indung heraus, „einen Gefallen ist eine dreißigjährige
zreundschaft wohl wert —“ 3 J
Freundscha si Sagen Sie Nachharschaft, Her—
un u des Pome zJournalue neues mieren
mtes Material bei. Von der Wiee an, meint der Ver
asser, habe sich die Dichterin unbewußt darauf vorbereitet
Ir Buch zu schreiben, das einen so mächt'gen Einfluß au
ie Sklavenbefreiung haben sollte. Das Werk war de
lusdruck ihrer Persönlichkeit, und „die notwendige Vor
ufe für diese Schöpfung war die Ausbildung dieser Per
In ichkeit“. Von ihrem Vater hatte sie die glühende Be
edsamkeit geerbt, deren leidenschaftliches Pathos durch d
anfte, träumerische Mutter gedämpst wurde. Die Natur
n der sie aufwuchs, lenkte ihren Sinn auf ein schwärme
isches Träumen: die grausigen Dinge, die sie in diesen
ovundervollen Landschaft geschehen sah, erfüllten ihre Seel—
nit einer zornigen Erregung. „Von Kindheit an hate si
n einer Umagebunag agelebt, die sie zur Feindin aller Skla
ꝛrei machte. Das frühreise Kind von neun Jahren hat
iglich den Vater besen hören „ür die armen, unterdrück
eu Neger, auf daß der Tag ihrer Besreiung herankommer
iöge“. Lange Zeit war in ihrer Familie eine ehemalige
zlavin aus Virginia, die in einer Zuckerplantage in
uisiana gearbeitet hatte. Sie selbst hatte die Pflanzungen
n Kentucky besucht, wo sie die Sklavenhalterei in enen
nlderen und patriarchalischen Form sah, wie sie nachher
n den Einleinungsartikeln von „Onkel Toms Hütte“ ge—
childert wurde. Einmal auf einem Dampjfschiff war sie
lugenzeuge einer Szene gewesen, wie ein verkauftes Neger—
ind aus den Armen der herzzerreißend schluchzenden, ohn
iächtig zurücksinkenden Mutter gerissen wurde. Von allen
zeiten her hörte sie von den furchtbaren Leiden der un
lücklichen Schwarzen, ihr Gatte und ihr Bruder Henry
Bard ritten in einer dunklen, stürmischen Nacht von Hause
ort mit einem Negerweib und ihrem Kind, die sie vor
en verfolgenden Farmern in Sicherheit bringen wollten;
inmal kam ein Weib mit einem Kind, das, von Eisscholle
u Eisscholle springend, über den angeschwollenen Fluß
on der Kentucky-⸗Küste nach der von Ohio geflohen war.
zolche Szenen und Vorstellungen setzten sich in ihrem
jeiste sest, bis endlich aus den Tiesen des Unbewußten eine
auptszene ihrer berühmten Erzählung greifbar und unver—
eßlich vor ihr auftauchte. „Das geschah auf folgende
veise. Sie saß an einem Sonntag vormittag in ihrem
irchstuhl in der Kirche von Brunswick und wohnte dem
zottesdienst bei. Plötzlich standen, wie wenn sich ein
roßes, zusammengerol'tes Gemälde vor ihr aufwickelte,
zene auf Szene vom Tode Onkel Toms vor ihrem Geist.
die Worte Christi klingen in ihrem Ohr: „Was ihr dem
zeringsten unter meinen Brüdern tut, das habt ihr mi
etan.“ Ihr schien's, als spräche Christus felbst zu ihr
urch die Stimme des armen schwarzen Mannes, .der de
ing, blutend unter den Streichen der Sklavenpeissche. Si—
ynnte sich kaum enthalten, nicht laut auzuweinen, so er
riffen war sie. Am Nachmittag ging sie nach dem Esser
a ihr Zimmer, schloß die Tür zu und schrieb das Kaͤpi
l, das den Tod Onkel Toms enthält, genau so nieder.
»ie es dann später gedruckt wurde. Da ihr das nmötige
chreibpapier fehl‘e, so schrieb sie in fliegender Eile die
jeschichte mit Bleistift auf dickes braunes Papier, wie mar
3 zum Einschlagen verwendet. Ihr war's, wie wenn al
s, was sie schrieb, wie eine unaufhaltsame Flut durd
sten Geist strömte, ihren Arm entlang rann und am End
zres Bleistists herausquoll. Ihr Mann war nicht zu
ause, abet des Abends sammelte sie ihre Kinder um sick
nd las ihnen vor, was sie geschrieben. Einer ihrer klei
en Jungen schrie auf: „Ach, Mama, Sklaverei ist das
zrausamste auf der Welt.“ Er nahm später als einer der
ersten auf Lincolns Ruf die Flinte über die Schulte;
ind ward bei Gettysburg schwer verwundet. Am nächster
dage hatte Mrs. Stowe über den täglichen Haushalungs
orgen beinahe das Erlebnis vergessen, das sie so lief auf
‚ewühlt hatte. Sie zeigte die Blätter sogar nicht ihrem
Nanue nach seiner Rückkehr. Er entdeckte sie zufällig, und
ines Tages fand sie ihn in Tränen über dem braunen
Linpackpapier, er hatie das Manuskript in ihrem Schreib
isch gefunden und las es mit Staunen und Bewunder—
ing. Auf sennen Rat entschloß sie sich dann, das, was sit
eschrieben, „um Höhepunkt einer ernsthaften Geschichte zu
nachen.“ Das Buch erschien zunächst in einer Zeiischrif
The Nauonal Acra“ vom 5. Juni 1851 bis 1. Apri1 1853
nd trat damit senen Ruhmeszug an, der ihm wie selten
inem Werk beschieden war.
Studenten als Kellner.
Vierzehn Hochschüler haben sich in einem Restauranit
Keßthely (Ungarn) über die Sommerferien als Kellner
erdungen. Der unternehmende Wirt, der seinen Gästen
ie Schätze seiner Küche nicht nur mit Grazie und Ge—
andtheit, sondern auch mit akademischer Bildung servie—
en läßt, hat vor Wochen, als er an notleidende Universi—
itshörer die menschenfreundliche Einladung erließ, bei
ein die Sommerserien unter günstigen Bedingungen zu
rbringen, mannigfache Anfeindungen und hefstigen W
erspruch über sich ergehen lassen müssen. Merkwürdige
eise kam, wie den „M. N. N.“ aus Wien berichtet wird,
ieser Widerspruch nicht etwa von den Kellnern, die sich
it einigem Recht gegen den unlauteren Wettbewerb der
lma mater hätien wehren können, sondern gewisse Hoch—
yulkreise waren es, die mit tiefster Entrüstung den Ge—
ainlen von sich wiesen, als könnte der Hochschüler außer
inem eigenen Wissensdurst auch noch den leiblichen Durst
ner Mitmenschen stissen. Und wenn der Bursch auch frei
nd nemann es ihm verwehren kann. üir die Miin
zu sch,“ wendete Werner von Thamhausen ein. .7
Der Müller schien sich nicht allzu viel um diese Un
erscheidung zu kümmern.
Kaufen Sie die Vorräte, die ich in der Mühle lie
n habe“, stieß er hastig hervor, indem er ein Zeitunas
latt aus der Tasche zog. „Sehen Sie hier den neuet⸗
zurs — ich schlage drei Mark, sage drei Mark pr.
entner ab — die Preise steigen von Tag zu Tag —
5nist ein gutes Geschäft —“
„Warum wollen Sie sich selbst den Schaden“ zw
igen?“ frazte Werner von Thannhausen lauernd. „Oel
arum schlossen Sie heute in der Stadt dicesen Handei
iht ah?“
„Hat der alte Steizsutz auch das verraten ?“ ru
asch vor Grimm und Aufreaung mit den Zähne
sirschend. 3
„Sprechen Sie nicht so von die sem Ehrenmann
e wissen ganz genau, was Klaus Ihnen zu danke
t. Uebrigens bin ich selbst lange genug Bauer, un
ssen zu können, was die Frucht wert ist, wann di
reise steigen und sallen — und, um es gelinde zu se
n — daß es gegen das Gesetz verstoßen würde, wen
Ihre Vorräte jetzt kausen würde, von denen ich eber
lls genau weiß, daß Sie dieseiben unter glänzende
ersprechungen den Bauern nur mit Wechsseln bezahl
iben — mit Wechseln, die Sie nicht einl ösen werde
d können. Ja, ich weiß alles und es ist nur 3
dauern, daß meine Warnung bei den Nachbarn 3
ät kam.“
„Herr Nachbar!“ rief der Müller außer sich und klan
zrie sich an den Zurückweichenden mit beiden Händer
eier aber hatte schon die Türe nach dem Wohnzimme
öffnet, in welchem die Klavierkläsnge seit einer Weil
wiegen. Die jungen Leute brachen auf, ebenso rüste
mdie übrigen Gäste sich zum Abschiednehmen und Frar—
eheimrätin Henydenreich empiahl sich. —7 ———
9. Kapite.
Sluck und Glas. J———
Der Müller wankte gebrochen aus dem Zimmer: er
zast im stillen zu hungern oder Veltionen zu 50 Pfennig
tmertellen und als Hofmeister die Annehmlichkelt des
andausenthaltes gegen freie Kost und Quart'er mit ga⸗
mtiert guter Behandlung zu genießen, — für po stei
urde er doch nicht erklärt, daß er es sich erlauben dürfte,
as reichliche Trinlgeld eines Kellners dem mageren Ho
rar eines Hauslehrers vorzuziehen. Und so verbot denr
ich die besonders strenge juristische Fakultät einer ungari
en Universität ihren Hörern die Annahme des lockenden
aAgebots des Restaurateurs von Keßthely. Trotzdem es
och dem geschäststüchtigen Restaurateur nie beigefallen
zar, seinen Kellnern in ihren freien Stunden das Stu
ium der Rechte zu verbieten.
Die Juristen bl'eben denn auch wirklich aus, dafür
mden aber die Mediziner und Philofophen, daß der gut
memnte Vorschlag nicht zu verachten sei, und der sreund—
he Wirt erhielt so viel Angebote, daß er mehr akademi
ve Bürger hätte anstellen können, als manche mittere
ochschule Hörer zählt. Aus ganz Oesterreich-Ungarn, aus
denlichland, ja sogar aus Dänemark kamen Anträge, die
as Elend in gewissen Kreisen der Studen enschaft greller
ezuchteten, als umfassende Enqueten. Der Restaurateur
t'chied sich in sesnem patriotischen Gefühl durchwegs für
ngarische Hochschüiler und konnte schon dieser Tage den
Alen Ersolg seines interessanten Versuches vermelden. Der
rsie Kellner der alademischen Garde, der angerückt kam
t ein Mediziner mit Brille und Vollbart, der disktet als
derr K.“ bezeichnet und auch von den Gästen unter die
eun Namen gerufen wird. Herr K. erfreut sich bei den
zästen des regsten In eresses und der rücksichtsvollsten Be—
andlung. Of,iziere und Beamte verlehren mit ihm wice
iit ihresgleichen. das Trinkgeld wird ihm ebenso reichlich
13 zart zugemessen, jede Handreichung lohnt man ihm mi
oͤflichem Dank. Damit die auch in der Pußta mit Rech
elebte Romanii!k nicht fehle, siel dem frischgebackenen Kell—
ser⸗Studenten gleich am ersten Tage die vergnügliche Auf—
jabe zu, ein ganzes Mädchenpensionat zu bedienen, das
mdas Restaurant h neingeschneit kam. Er entledigte sio
eser Aufgabe mit einem seiner akademischen Würde ent
rechenden Ernst; die leblichen Pensionatsschwestern aber
cher en und tuschelten und konnten es sich nicht versagen,
»de cinzeln den „Herrn Doktor K.“ zu sich zu rufen, um
ann verlegen errötend bei ihm ein Sphawasse— u beltet
lie altes
7wei kEse rde—
ig neu.
»IHses
— äö
Aus aller Welt.
Verhaundlung gegen Pfarrer Jatho. In Berlin
egann die Sitzung des Spruchkol egiums in der Angele—
enheit Jatho. Die Oessent ichkeit ist bei der Verhandlung
usgeschlossen. Anwe end sind die Gattin Jathos, sen
ʒohn, der prattischer Arzt ist, und dessen Gattin. Dr. Ja—
ho ist zuge assen, um notigenfalls ärziliche Hilse leisten zu
önnen, da sein Vater Frit drei Jahren an einem Herzleu
»en erkrantt ist. Bei Beginn der Verhandlung wurde vor
en Verteidigern der Antrag gestellt, die in dem Vorver.
ahren augegebenen Zeugen des Bellagten jetzt zu hören
bfarrer Jatho soll in seinem Verhör, das drei Stunden
auerte, seinen religiösen Standpunkt volikommen aufrecht
rhalten und diesen als in der evangelischen Landeskirche
urchaus gleichberechtigt bezeichnet haben. Als einzig
jeuge wurde der Landtagsabgeordnese Dr. Hintzmann ir
Aberfeld vernommen. Die übrigen Zeugen wurden vom
spruchkollegiunt abgelehnt, wogegen r RMorteidiger Wro
est erhob.
Die münnliche Hosdame. An der Poisdamer Straf—
vomer Straflammer begann der Berusunasprozeß aegen
ls er draußen seiner Tochter begeg nete, die mit deir
reiherrn von Thannhausen noch plauderte und mit ihr
erade einen gemein schaftlichen Spaziergang für de
ächsten Morgen verabredete, richtete er sich wieder aꝛ
nd die alte Energie ichien über ihn gekommen 3
in.
Als Helene ihren Vater erblickle, verab schiedete si
ch schnell von dem Adjutanten und wollte ihrer vor
usgehenden Tante nach eilen, als plötzlich ihr Vate
eben sie trat und leise sagte:
„Laß die Tante, Lud wig und den Varon vorau⸗
ehen, ich habe Dir noch einiqes zu jagen, ich verreil
och diese Racht.“
Bei den unberechenbaren Gesschäften des Müller
ar ein unstätes Reisen und Treiben, eine wechselnd
timmung den Seinen keine aufärllige Erscheinung
nnoch war Helene betroffen, aber sie folgte.
Der Adjutant hatte sich inzwischen zu seinem Kamt
den Leutnant von Stern, der seiner harrte, zurückbe
eben. um mit diesem nach dem Schlosse sich zu begt
en.
Als sie das Schloßtor e rreichten, fanden sie scho
nen Diener von Werners Bediensteten, der ihnen vo
isgegangen war und führte sie in die in Stand gese,
n Zimmer. Es waren dieselben, welche der Adjuta⸗
hon früher stets bewohnt hatte, wenn er zu kurzen
esuche auf dem Schlosse weilte. Alles war so saube
nd wohlerhalten, auch ihre Reisekoffer waren schon hie
ergebracht worden; auf dem Tische brannte die Lamp
nd für alles war gesorgt.
Der Diener bemerkte die angenehme Ueberraschun
er beiden Offiziere.
„Ic, wo Fräulein Margarethe anordnet und de
err befiehlt, da sehlt es an keinem Dinge,“ sagte e
munzelnd.
„Fräulein Margarethe!“ rief der Adjutant verlegen
eil es ihm erst jetzt einfiel, daß er seine Verwandt
ufe eidentlich recht vernachlässigt botte 2*
den 20jährigen Franz Eichbaum, der sich am
ber vorigen Jahres im Kronprinzenpalais
zerkleidet als Gräfliche Hosdame ausgegeben he
Stiftung. Der neie Ehrenbürger in Pr
dommerzienrat Goldfarb hat seiner Vaterstadt
einer Silberhochzeit 100 000 Mark gestiftet.
Brenvender Dampfer. Aus Pernambuc
neldet: Der von Hamburg nach Brasilien geh
che Dampfer „Santa Barbara“ geriet im Hale
on in Brand.
Gesunken. In Mecheln ist eine Fähre —
onen gesunten. Man spricht von acht Ertrum
var eine Feststellung bisher unmöglich.
Großfeuer. Die Ortschaft Waidmannsd
nark) steht in Flammen. Die Feuerwehren 5
Vassermangels machtlos. Sieben Gehöfte mit u
eländen sind bereits niedergebrannt. Den B—
Ies Vieh und alle sonstige Habe verbramn—
Deutsche Tischkarten. Eine Bemerkung
tmbei der Galatasel im großherzoglichen Schlo
Felitz gesallen. Am Kaiserhofse müssen bekanr
kischkarten, wenn nicht hohe ausländische Gäste
ud, in dentscher Schrift und deutscher Sprach
ein. In Neusteelitz hält man aber noch an
zopf fest, und so war auch bei jener Galatafel
arte frauzösisch abgefaßt. Ter Kaiser äußerie
n Fherzhaftein Ton zu seiner Tischnachbarschaft:
as Gefühl. daß die Vorzüglichkeit der Speisen
ranzösische Bezeichnung nicht gefördert werden
nir zu Hause muß alles deuisch sein!“ — Aud
etzten grosen Festtaseln am bayerischen Hose zu
. Geburtstages des Prinz-Regenten waren7
eit deutsch. Diese Vorbilder sollten endlich allg
seeahmt werden. Es stünde den Deutschen viel
nit den Franzosen in der Kochkunst zu weiteife
amit zu begnügen, ein Mit agessen „Diner“ zu
zpeisensolge „Menu“ zu nennen und die Spelse
ranzösischen Namen auf dee Karee zu setzen. J
ifferei des sranzösischen Küchenzettels ist ebens
vie lächerlich. Wenn der Deutsche Kaiser und
che Hof deutsche Tischkarten aussiellen, so wird
eutsche „gitte Gesellschaft“ 12n können.
Erinnerungen an König Ludwig 2. E
ines inzwischen verstorbenen Pflegers des Kö—
vig 2. entnehmen wir folgende Stellen: ...
1886. .... Naum kann ich mich erholen von
en, der mich betraf. Ich war seit sechs Tage
zr. Maiestät König Ludwig 2. und habe som
irophe in Berg am Starmnbergersce mitgemacht.
in Pfleger und ich, von 2 —12 Uhr nachts 28
lut 7 Uhr abends das Unglück passierte. Me
en hättie das Mitgehen gesrofsen und wir saher
sec aus, wie er zurückgewiesen wurde; ich sowr
bileger ... staunten nicht wenig über das kür
»n des Herrn Professor von Gudden; es p
md um 7 Uhr war das Unglück fertig. Nat
In dem Spaziergang Sr. Maiestät hälte mic
eren getroffen, weshalr ich den Tisch deckte;
annötig, Maiestät kam nicht mehr. Liebe Schr
ce ausgestanden in Hohenschnengau, Neuschw
m Berg ist mir unbeschreiblich Vom 12. auf
jotte ich bei Majestät Nachtdienst Majestät
del mit mir und war vngemein freundlich.
nicht wußte sagte Majestät niir in der größien
Vorleben mußte ich erzaͤhlen und Majestät stau
agte, daß ich 12 Jahre Militär und 11 Jah—
im Dienste des jetzigen Königs Otto bin. D
is wie in den Zeitungen steht. Majestät fragt
meine Kollegen auch Soldaten gewesen wären
dies bejahte, daß 2 Infanteristen und 2 Artil
—D
mit — Zivil zu tun zu haben.“
König Georgs Krönungskuchen. Unte
vsen Spenden und Ehrengaben, die König Ge
Antertanen ihrein Herrscher bei der Krönungsfe
zeu wollen, wirnd cin Stück besonderes Auileh
zer Krönungskuchen, den eine große englische
zesellschaft dem König als festliches Angebinde
md zu dessen Annahme sich der Monarch berei
dieses Prachtstück ist ein riesengroßer Kuchen,
veniger as 3 Moeter Durchmesser hat und gen
der mienen sg r Herfftosseng des Forier,
200 Pfund gemischte Früchte, 200 Pfund
90 Pfund But er, Zucker ꝛc. erforderlich sein
ig Georgs Krönungskuchen soll nicht nur ei
cide fur den Gourmand sein; man will, wi
. N.“ zu melden wissen, auch ein Kunstwerk
den mit Schönheitssinn begabten britischen U
even und erfreuen kann. Daher hat man sich
unstalkademie gewandt und von einem bekann
or, dessen Name einstweilen der Mitwelt noch
m wird, die künstlerischen Entwürfe für diesen
erstellen lussen. Das Riesenbackwerk wird acht
ien zeigen, korinthische Säulen aus Zuckerguß
eigmasse. und in den freibleibenden Feldern w
ꝛmalte Miniaturen des Königs und der König'
h der Krönungskuchen seiner eigentlichen Besti
»iührt und verischmauft werden soll, ist noch m
Das Königin⸗Luise⸗Dent ·
für Weißensee.
Professor Gottlieb Elster, der vor kurzen
on Prosessor Adolf Brütt als Leiter der B
ung der großherzozlich-sächsischen Hochschulenn
ibersiedelte, hat jetzt das große Tonmodell fü
mal der Königin Luise in Wesseisee nahe u v
dünstler hat die Königin in sißenber Ha urn
—
das Denkmal soll auf ganz niedrigem —
ßark aufgeflellt werden, in unmiittelbarer
es zum grünen Baum, in dem Königin
linkunft des ihr von Berlin entgegengesanp⸗
ens wartete. Das Denkmal wird in Bron
chule elbit gegossen.
m Rαιι—