Full text : Dudweiler Zeitung

ort vor. General Werder, den die überlegene Macht der
rzranzosen bekannt war, zoß ichleun'gst alle in seiner
dähe befindlichen deu schen Truppen zufammen, hielt den
zeind durch den Angriff bei Villersexrol ein paar Tage
iuf und ließ inzwischen die durch die Taleinschnitte der
rzisaine und Allaine-Baches gebildete Verteidigungsstellung
rrahier-Monloliard Dello befeitigen. Diefe ausgezeichnete
Ztellung, die 10 Kilometer lang, und das ganze obere
ẽIsaß declte, wurde in aller Eile mit 47 schweren Ge—
chützen von der Belforder Belagerungsartillerle ausge⸗
üstet. Die deutschen Truppen hatten eine Stärke von
3 000 Mann, denen 150 000 Franzosen gegenüberstanden.
Bei einer Kälte von 14 Grad begann am 15. Jannar
ie Schlacht, am 1. und 2. Tage gelaͤng es Bourbaki, in⸗
olge seiner Uebermacht einige Vorteile zu erzielen, die
eutschen Flügel wurden zurückgedrängt, doch konnten die
rranzosen infolge des Feuers der im Zentrum der deut—
chen Stellung befindlichen schweren Geschütze die Lifaine
icht überschreiten. Am 17. Januar griff die deutsche Bri—
jade Keller das von den Franzosen besetzte und befsestigte
Lhamebier an, konnte das Dorf jedoch nicht nehmen, da—
jegen alle von feindlichen Kräften ausgeführten Angriffe
nurückweisen. An allen Punkten des Schlachtfeldes zeig⸗
en sich die Franzosen erschöpft; Bourbaki mußte sich am
Abend des 17. Jannar zum Rückzuge entschließen, da seine
lrmee infolge des Mißerfolges, sowie der surchtbaren
Leiden durch die Kälte und der mangelhaften Verpflegung
»emoralisiert war. Zur Deckung seines Rückzuges, der
is zum 19. Jan. dauerte, ließ er am rechten Lisaine—
fer starke Truppenabteilungen zurück. Am 19. Januar
ing Werder zur Verfolgung über und brachte dem Feinde
och ansehnliche Verluste bei. Damit entschieden die Kämpfe
n der Lisaine endgültig den deutsch-französischen Kr'ieg,
oweit er sich auf dem oͤstlichen Schauplatz abspielte. In
en dreitägigen Kämpfen verloren die deut'chen Truppen
1 Ofsiziere urd 1847 Maͤnn, während 800 Mann von
er Armee Vonrbafis iieten

Von der Lu'tsKiffabrt.
*zAuflösung einer vustschisfaßrt-Ge—
ellschaft. Die Luftschifjahrt-Gesellschaft, die von
Nünchen den Verkehr mit den Vororten im Gebirge un—
erhielt und zahlreiche Fahrten mit dem ihr gehörenden
ßarseval-Ballon ausführne, hat ein überraschend schneiles
ende gefsunden. In der unter dem Vorsitz des Reichsrats
zrafen Ernst von Moy abgehaltenen Generalversammlurg
er Parjeval-Lust'chif ahrt Gesellschaft m. b. H. wurde die
luflösung der Gesel schafr beschlossen, da die für Fortiuh—
ung des Luftschiffverehrs erforderlichen Geldmittel nicht
ufgebracht werden önnen.
*?Der Ballon Hildebrandt aufgefun—
„en. Wie der „Frankfurter Oderzeitung“ gemeldet wird,
st der Ballon „Hildebrandt“ im Wildenbrruchsee nördlich
er Stadt Schön ieß in der Neumark aufgesunden worden.
die Gondel steckt noch im Morast. Es hefinden sich darin
wei Leichen.
Vreußischer Landtag.
Berlin, 16. Jan.
HOas Abgeordnetenhaus wählte mit 301 von 306 Stim—⸗
nen den Abgeordneten von Kröcher zum Präsidenten
ind die Abgag. Porsch und Krause durch Zuruf zu
zizepräsidenten und setzte dann die Etatsberatung fort.
Finanzm'nister Lentzze betont, daß die Steuerzu—⸗
hläge als solche zwar vorübergehend, die Steuererhöhung
oohl aber eine dauernde sein werde. Abg. v. Jazde
ewski erneuerte die Beschwerden der Polen, worauf
er Abg. Wiemer (F. Vp.) in ausführlicher Rede an dem
ẽtat und den politischen Verhältnissen eingehende Kritif
bte.
Morgen: Weiterberatung. WV—
— —
Deutscher Reichstag.
dachm. 2 Uhr. Berlin, 16. Isn
(108. Sitzung.)
Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des
zuwachssteuergesetzes.
Abg. Graf Westarp (cons.) führt als Berichterstat—
er der Komm ssion aus: Die Kommission habe den Ent—
vurf in drei Lesungen beraten und sei von dieser in der
zorliegenden Fassung mit allen gegen die Stimme des
bg. Arendts (Rchsp.) angenommen worden. In seiner
zigenschaft als Abgeordneter führt Redner weiter aus:
MNeine politischen Freunde stimmen in ihrer überwiegen—
»en Mehrheit nicht nur dem in 81 ausgebrachten Grund—⸗
sedanken zu, sondern auch dem Kommissionsbeschluß über—
aupt, vorbehaltlich einiger Abänderungswünsche. Wir
donservative sind gewiß große Freunde eines lebhaften
Vohnungsmarktes und der inneren Kolonisation, halien
ber diese Steuer nicht für geeignet, wirtschaftspolitische
zwecke zu verfolgen. Uns begleiten hier finanzpolitische
zesichtspuntte. Die Zuwachssteuer gibt dem ganzen Sysiem
er Reichsstenern einen neuen fruchlbringenden und erfo!g⸗
erheißenden Gedansen Meine Partei sieht nach wie vor
iuf dem Standpuntte. daß das immobile wie das mo—
ile Kapital min dem Wertzuwachs zur Steuer herange—
ogen werden muß.
Schatzsekretär Wermuth: Der Reichstag fällt die
Entscheidung nicht nar über die Zuwahetener inm Reiche,
ondern üter den CGiedanten übeh uvt. wWird de dJZu:

—*4

Der Nitter der blauen Rose

Aber nun kommu wvu mit und sagst Onkel Jamie
guten Tag“, rief Isabel, da Charles im Gehen inne—
hielt, als sei er gewillt, sofort zu Miß Flitterdashs luf⸗
tigem Reich empor zu eilen. „Du solltest auch Roberi
dangdon besuchen; es wäre das beste, wenn es zwischen
kuch beiden zu einer Aussprache käme“, fügte sie nach—
drücklich hinzu.
„Für mich kann dieses Wiedersehen nur unangenehm
ein, nachdem ich ihn so zugerichtet habe!“
„Er trägt Dir nichts nach. Er sprach immer von
»em Streit als von einem ehrenvollen, in dem Du den
Zieg davontragen mußtest, weil Tu der stärkere bist. Und
er weiß auch, daß Du Alicia liebtest. Ihr könnt jetzt
freundschaftlich zusammen reden, Charles, da sie nun tot
und Euch beiden verloren ist.“
„Das können wir nicht!“ rief Charles erregt und
tieß mit dem Stodee heftig auf das Pflaster. „Wenn er
nit mir Freundschaft schließen will, dann muß er sehr
eige sein!“
Nennst Du Edelsinn Feigheit?“ In Isabels Augen
lammie es zornig auf.
„Er weiß eben, daß er im Unrecht ist. Ich kann
niemals freundschaftlich mit Langdon verkehren, nein,
nicht einmal seinen Anblick kann ich ertragen, nachdem er
nir in n'ederträchtiger Weise Lissies Liebe weggestohlen!“
„Niederträchtiger Weise? Nein, Charles, das kannst
du nicht behaupten.“
„War es nicht niederirächtig von ihm, sie heimlich zu
eiraten, sie heimlich bei sich aufzunehmen, die gu!e Mut⸗—
er und die törichte alte Tante zu betrügen?“
Charles hatte augenscheinlich nicht vergessen, wie
oenig Sympathie er bei Laoͤy Graeme genoß, und in
einem Herzen war er geneigt — vielleicht auch nicht ohne
Incecht — ihr die Hauptschuld an Lissies heimlicher Hei—
at beizumessen.
„Ich müßte nicht der Mann sein, der ich bin, Isa⸗
el, wenn ich Langdon so leicht vergeben könnte. Sage
dr. Jamie, er möge zu mir in meine Wohnung kom—
nen“. setzte Mackenzie hinzu und entsernte sich dann

vantzesteuer fur das Reich abgelehnt so wird sie auchen
In Genttitden kam noch zu hallen fein Die Zuͤwact 5⸗
leuer ist eine Besitzstener, bei der das NRest Zlücküch g e—
renzt ist gegen die Bundesstaaten. Lu den GCernern der
Zteuer habe früher auch der Reschssstag gehört, und di
abe sie 1909 einstimmig versangt. Er habe angeregt,
vas der Bundesrat jett mit allt'eiiger Uererzenugung ver—
rit aber die Reg'erungzvorlage und noch mehr die Kom—
ni si an zeichlüffe, bleisen weit hinter dem zurück, was vom
tcißstage 1999 verlangi worden fei. Der Staas' e retr
egt das noch im einzelnen dar und schließt: Der Ein uß
der Siener auf den Etat ist von groder Bedeunnug Für
ie Veseranen können wir auf anderer Weslse kein Geld
üssig machen.
Inzwi'chen sind e'ne Reihe von Abünderungsanträgen
ingegangen:
Abg Marr (Itr.): Wir dürfen von dem Pfade der
zerechtiget und Bil igteit nicht abweichen Darum haben
bir uns⸗«Rernst!ich die Frage vorgelegt, ob nicht durch die
ßorlage durchaus berechtig'e ja echt konservat ve Grund
ätze ins Schwanlen g eraten. Es soll in erster Lnie keise
deubelastung des na ionalen Vermögens erfolgen, denn
er ausgesprochene Zweck der Vorlage ist. daß die Ve—
astung der Grandstecke mit dem Umsatzstempel beseingt
odird. Wir werden unter al en Umständen an der Auf⸗
ebung des Umsatzsiempels sesthalsen. Wir stehen auf dem
Zoden der Vorlage und wünschen nur möglichste Rücksicht—
ahme während der Uebergangszeit.
Schatzsefretär Werrenuth: Wir haben eingehende
ẽrhebungen gemacht und uns mit allen Interessenenteci
en in Verbindung gesebt. Bringen Sie auf un ere Roch
ungen Gegenrechmungen, ader nicht allgemeine Behaup
ungen.
Abg. Göhre (Soz.): Wir sind für die Zuwachs
teuer, aber nur soweit als daß der Ertrag derselben den
zemeinden zusließt, den diese schaffen erst durch hre Ein—
ichtungen den Wertzuwachs.
Abg. Weber Matl.): Sehr schwere Beden'en haben
vir gegen das Fortbestehen des Umsatzstempels neben der
ieuen Steuer. Das ist einseitige Benachteiligung des im—
nobilen Besitzes. Zweifellos liegt ein scharfer Eingriff in
ie Selbstwerwaltung vor. Entschieden verlangen wir, daß
er verdiente Wertzuwachs möglichst frei bleidt. Abande
ungsanträge behalten wir uns vor.
Abg. Cuno (F. Vp.): Die Wirkungen des Gesetzes
und noch nicht zu uͤbersehen, daher ist Vorsicht geboten.
Lir haben ernste Befürchtungen, denn nicht einmal der
zegriff des steuerlichen Wertzuwachses konnte einwandfre
efiniert werden. Die im Gesetze geschaffenen Kautelen
yerden kaum ausreichen, wenn der Zusatz angenommen
»ird, daß nur der unverdiente Wertzuwachs besteuert wird.
)ann steht les im Ermessen der Steuerbehörde.
Weiterberatuna: Dienstag 1 Uhr. — Schluß gegen 7
Br

Aus aller Welt.
Die Weddingskandale. Vor der Strafkammer des
zerliner Landgerichts begann am Montag die Verhand
ung gegen die Angeklagten des Wedding Exzesses (Okto—
er 1910).
Das Hamburger Sechstage-Renneu. In der 34.
tunde des Sechstagerennens Montag früh um 8 Uhr wa—
en 343,2 Kilometer zurückgelegt. Die Spitze halten Demke
ud Lorenz. Die Direktion des Sechstagereunens hat
eshalb von 6 Uhr bis 10 Uhr vormittags verfügt, daf
eine Vorstöße gemacht werden, damit die Fahrer einige
tuhe bekommen.
Deutsche Volksfestspiel-Gesellschaft. Die deuische
bolts piel⸗-Gesellschaft, die bekanntlich unter der Leitung
on Mar Reinhardt in den großen Städien Deutschlanda
ol. Stümliche Vorstellungen veranstalten will, hat jetzt in
zerluu ihre Konstitution vollzogen.
Ein Falschmünzernest wurde von der Polizei in
Veißensels a. S. aufgehoben. Wegen Anferlͤgung und
zerausgabung falscher Drei-, Zwei- und Einmarkstücke sind
isgesamt vier Personen verhaftet worden.
Raubmord. In Sosnowice (Rußland) wurde der
Weichensteller Julius Bialas mit durchschnittener Kehle,
e Hände auf dem Nücken gebunden, in seiner Wohnung
rmordet aufgesunden. Wie der Befund ergab, ift der
Nord bereits vor 10 Tagen geschehen, Es Aiegt Raub
nord vor, da aus der Wohn vg eine Anzahl Gegenständ
gestohlen worden sind. Ein der Tat verdechtiger Streden
arbeiter wurde verhafet.
Srehwerer Schneesturm. Seit 48 2tenden fällt ir
Nord-Spanien un uterrochen Schnee, dec in e nigen Or
en der Provin; Sautander, so besznders in Remosa, di⸗
6he von 3 Wietern erreicht hat. Das Thermometer is
auf 12 Grud enter Rull gesunsen. Große Schneeplu guꝛa.
Hinen sind auf der Sirscke blockert worden. Man miel
At bas Verschwiunden mebrerer Hirken, die wahrfae niick
der Külte zum Opfer gefalsen sind. Auf fämtlichen Rord
dahn⸗Linien hat der Schnee eine durchschnittiche Hoͤhe von
3 Metern erreicht. Die Nordbahn-Ge'el schaft ijl eifrig
zemüht, die Bahilinien frei zu bekommen., Mehrere Eifen
ahnzüge sind auf freier Strecke liegen geblieben. Die Lage
er Reisenden ist sehr kriti'ch. Die Verbindungen mit dem
zunern Spaniens Ind voltständ'g unterbrochen. Der Gou—
rneur der Provinz Leon teilt mit, dah bei Lara“a eiee
zchneelawine einen ganzen Eisenbahn;ug, der cus ein
Lokomo ibve und 8 Wagen besiand. in die Tiefe gerisken

schnell, um jede Entgegnung seiner Kousine abzuschneiden.
„Das Mädel scheint mir auch bis über die Ohren in
ꝛdangdons glatte Larve verliebt zu sein“, murmelie Mak—
enzie verdrossen vor sich hin, als er eilig hinwegschritt.
Das kann ein schöner Spektakel werden, wenn die Ge—
chichte einmal zum Klappen kommt! Anstatt zu begrei—
en, daß der Bursche mir im Wege steht, geht sie hin
ind schließt zärtliche Freundschaft mit ihm. Ich sehe
instweilen keinen Ausweg vor mir. Jetzt müssen vor al—
em Edgars Ansprüche klar gestellt werden, und dann soll
r heiraten. Wenn ich ihn nur dazu bringen könnte, daß
r Jiabel heirctet! Aber er mochte mich nie und wird
uuch meiner Verwandeschaft keine Smpathie enbgegen⸗
ringen.“
Mit diesen Gedanken beschästigt, stieg Charles in
inen Omn'bus, der nach Charing Croß hinüberfuhr;
»enn er hielt für Verschwendung bei jeder Gelegenheit
inen Wagen zu benützen. Jiadels Vorschlag hatte ihm
o eingeleuchtet, daꝛ er ihn noch heute ausführen
vollte.
So klomm er denn die endlosen Stufen zu Miß Flit⸗
erdasts Bureau hinauf.
Glücklicherweise war es Diensteg, sonst hätte nicht
inmal das Ansehen seiner Perien ihm die Pforte zu
Liß Amys Reich erschlossen. Wenn d'ie Geschäfte nicht
llzusehr drängten, war unsere heitere junge Freundin
urchaus nicht abgeneigt, Besuche zu emp'angen, nament⸗
ich, wenn ihr daderch Gelegenheit gebolen wurde, Cha⸗
akterstudien zu machen.
Macenzies Besuch betrachtee sie wehl nur in diesem
Ahte. Sie lauschte seinem Berichte mit schlecht verhehlter
Ingeduld. Sofort hate sie all.s begriffen, und ehe er
ioch mit seinen langatmigen Erklärungen halbwegs zu
znde war und selne Nolizen mit nachdrudsvoller W chtig⸗
leit auf ihrem Pulle ausgebreitet hatlie, wußte Amy schon
vas er von ihr wünschte.
„Zu welchen Scropes gehörte dieser Gilbert Serope?
Ist der Zweig erloschen? Mit welchen Familien haben
iese Scropes Ehen eingegangen?“
So stürmten ihre Fragen auf Charles ein, oh gleich
reihr vergeblich klar zu machen suchte, daß sie nicht zuͤt
zache gehörten. —

yat. Die Telegraphen inie, sowie das VBahngeleise wur—
en auf eine Entsernung von mehreren Kilometern zerstört.
Junden Finß gestürzter Jug. Bei Puebla de
zordon in der Pravinz Leon (Syvon'en) hat eine La
pine d'e Lossmotive und acht Wogen eines durch der
IAhnee aufgehaltenen Zuges in enen Fluß gerissen umn
ie Eisenbabnlinie, sowie die Tetezrapsten aten zerstört
In Asurien diegt der Saänce an mehreren Stellen au
u Schienen sechs WReler hoch.
— — ——
— —
Ein paar Worte über den Schulranzen. Jeda
nal zu Beginn einer neuen Schulperiode werden die Et
iern vor die Wahl gestellt: Ran;en oder Mappe! Leiden
entscheidet man, namenlich beim Uebertritt ins Gymna
tuin, fast ausschließlich zu Gunsten der legzieren. Mar
veiß ganz genau und hat es hundertmal von Aerzten ge
pört, daß das Mappetragen viel Nachteiliges für die
Desundheit, sjür die spätere Haltung der heranwaächsender
Jugend hat. In einzesnen Gymnasien sind sogar an Pho—
ographien die Vor- und Nachteile des Ranzens. bezw
der Mappe, nachgewiesen und trotzdem nützen alle War—
uungen nichts Warum? Weil man sich geniert. Weil
ast kein Kind einen Ranzen bat. Da will keines ein
Ausnahme machen und man mag sein Kind auch nich
denmt Spott und dem Gerede der Mitschüser aussetzen. Ei
‚entlich ein netter Grund für vernoöenftige Eliern und doch
vieder zu begreisen, wenn man schon an sich selbst die
zrausame Spottlust der Schalinameraden erfahren hat und
veiß, daß ein Abweichen vom allgemein Ueblichen, ein
dervortrelken mit etwas Besonderem dem Althergebrach:en
ygenüber immer beredet wird und einem die Schule zu
Qual machen kann. Deshalb wird auch mit allen Mah
iungen nichts erreicht, unsere Kinder werden weiter schief
Jjüftig werden, solange die Schulen nicht solidarisch vor—
zehen und die Mappe direkt verbieten. Warum wird ir
en Schulen der Rucksack nicht eingeführt? Scheut sich ein
Tourist, mit diesem auf dem Rücken durch die Staädt zu
zehen? Oder, falls manches gegen den Rucksack einzu—
venden wäre, warum führt man für groß und klein nicht
inen regelrechten Militärtornister in den Schulen ein? Ein—
fach und unauffällig in Farbe und Ausftattung. aber
„raltisch und gesundheitsdienlich in der Ausführung? Ist
ie Schule nicht ein geistiger Exerzierplatze Und gehen die
Z—chüler nicht gleich Soldaten dorthin zum geistigen Drill?
Varum sollte man sich schämen, sein Handwerkszeug in
inem Tornister auf dem Rücken mitzunehmen? Ware das
Zwang und somit allgemein eingeführt. so würde kein
Mensch mehr etwas dahinter finden. Warum ritt nie
nand streng und energisch für diese gute Sache auf? Es
st eigentlich ung'aublich, daß heutzutage, da man so viel
ür die Jugend tut, da für ihrt Wohl und Wehe so viele
Lanzen gebrochen werden und das Wort „Hygiene⸗“ ar
der Tagesordnung ist, der alte Schlendrian in dieser Be
ziehung ruhig weiter mitgemacht wird. Eltern, die senf
illes für ihre Kinder tun und ängstlich alles bedenken
vas ihnen schaden könnte, sind in diesem Punkie chnvach
veil sie nicht den Aniang machen nicht die einngen
nr

»**Pantheonider Schnetder. Vie Spai—
en einer Modenzeitung sind wohl geeignet, einige Worte
denjenigen Schneidern zu widmen, welche sich auf rühm—
iche Weise ausgezeichnet haben, das heißt: nicht nur in
hrem Fach, sondern auch auf andern Feldern. Zuerst
pollen wir nach Deutschland blicken, dies ist vorzüglich
eich an merkwürdigen Schneidern und allein die letzten
rei Jahrhunderte, vom Wiedertäuser Johann von Leyden
nis auf den Weltstürmer Weitling (1848) haben ihrer eine
roße Anzahl aufzuweisen. Jung Stilling war ursprüng
ich Schneider. Einer der bedeutendsten Feldherrn des 17
Jahrhunderts, Derfflinger, war ebenfalls ein Schneider
Is Ludwig 14. Strasbueg an sich riß, war es die dor
ige Schneiderzunft allein, welche Gegenwehr bis zum.
dode verlangte. Neynliche Beispiele ließen sich in Meng
ufführen. Auch die englische Geschichte hat ihre berühm
en Schneider. Sir John Hawkwood wurde gewöhmlick
Johannes Acutus genannt, und zwar wegen der Scharf
einer Nadel. oder seines Degens. Der Geschichtsschreiber
Fuller sagt von ihm: er machte seine Nadel zum Degen
ind seinen Fingerhut zum Schild. Sir Ralph Bladwel
var mit ihm zugleich in der Lehre; auch er wurde we—
Jen seiner Tapferteit von Eduard 3. zum Ritter gemacht
je ratete seines Meisters Tochter und stiftete Blackwellhall
Der Historiker John Speed war ein Schneider aus Che
äre; auch der Altertumsforscher John Stowe war ein
Schneider. Elliots Regiment leichter Reiter bestand haupt
sächlich aus Schneibern. — Der erste Mann, welcher die
Idee der Abschaffung des Sklabenhandels anregte, wan
Thomas Woolman, ein Quäker und Schneider von Nehpp
Jersey. Der fruchtbare, einst in Dresden lebende Romam
schriftsteller Lubotahky, der nahe an 60 Bände geschrieben,
worunter „Königs Masenblüte“ den meisten Wert hat, war
in seiner Kugend zu Freiberg Schneidergeselle, wurde dann
Shampieser und widmete sich hier aus Not und Drang
der Sahciin erei, deren Erträögnisse ihm bereits eine sor⸗
jenlose Zukunft gesichert halen. eim

etß Flitterdash gab ihm aver zu verstehen, daß sie
überhaupt nichts berühre, was nicht zur Sache gehöre.
Innerlich war sie empört über die Unverschämtheit, mit
der er es wagte, eine so viel beschäftigte Frau wie sie
in Anipruch zu nehmen. Denn sodiel hatte se schon her—
ausgesunden, daß Charles es für selbstverständlich hielt
Amy könnte es sich zur Ehre anrechnen, an dieser „hohen
Sache mitzuarbeiten. Trotzdem schien sie nicht abgeneigt
ihre Hilf zuzusagen. Ihr schien es nur, meinte sie, alé
sei mit Miß de Bruces unvorhergesehenem und früh
eitigen Tode der Hauptreiz und die Poesie der ganzen
Sache geschwunden. Da Miß Flitterdash von Charles
Werben um die schöne Prinzessin von der „blauen Rose“
wußte, so war sie im geheimen erstaunt, daß er noch
weiter nach der Krone strebte, nachdem Lissie nicht mehr war.
„Lissies Verlust“, gab jetzt Mackenzie zur Antwort, „ist
in jeder Hinsicht tief zu beklagen. Jedoch Baron Edgar,
ihr Bruder lebt, und seine Sache ist es, die wir führten
und jetzt weiterführen müssen.“
„Ja wohl, aber man sagt doch, daß er sich um die
janze Affäre nicht kümmert, nichts davon wissen will. 'Er
scheint sich von seinen Schwarzen in Afrika nicht trennen zu
können; jedenfalls interessieren ste ihn mehr als alle
dronen, die man hier für ihn anstrebt. Entschuldigen
Sie mich, bitte, einen Augenblick!“
Ein Schriftsetzer war mit einigen Druckbogen einge—
treten, und nachdem Amy ihn abgefertigt, fuhr sie mit
twas ernsterem Tone fort: „Alle Welt war entsetzt und
zetrübt über diese Katastrophe. Miß de Bruce war ein
'o reizendes, lebensfrohes Mädchen, und mir ist es, als
ei sie gestern noch in unserer Mitte gewesen. Ich war
gzanz entzück von ihrer Seonheit, als ich ste in der
etzten Saison in Winslow ddens zu sehen Gelegenheit
yatte. Niemand scheint auc, e Ursache dieses plötzlichen
Todes zu kennen.“
„Ich selbst“, entgegnete Mackenzie, „war zur Zeit weit
entfernt von „Les Tourterelles“, und hörte erst viel spä—
ter von dem tragischen Ereignis. Lady de Bruce ist so
gebrochen, daß sie den Anblick ihrer besten Freunde
meidet.“
„Das dachte ich mir und habe es auch in meinem
Zlatte so angedeutet“, meinte Amy. „Nach dem natür—
ichen Gang der Dinge hätte man erwarten dürfen, daß
Niß de Bruce nach Whifford oder Ardinlaw gebracht und

*»Chemieund Liebe. Daß es mögli
ie Chemie in den Dienst der Liebe zu siellen, be'
vie ein Spaßmacher aus London berichtet, ein Bli
tgend eine moderne Pharmakopie. Ein blasierter
uüngling zum Beispiel, der seine innere Gleichgült
der Dame seines Herzens verheimlichen möchte, tut
besten daran, wenn er, bevor er die Schwelle der G
len betritt, eine konzentrierte Lösung von Glukose zꝛ
umiat, wodurch er sofort allen Appetit ver iert. E
zeitig wäscht er sein Gesicht mit ein paar Tropfen
erstofshyperoryd aus einer kleinen Phiole, wodurch
gesicht, noch bevor er den Ueberrock abgelect hat,
höchst interessante Blässe erhält. Dank der Glokuse
er während des Essens alle Teller unberührt lassen,
den geringsten Hunger zu verspüren; wenn er auß
ine Chloroformkapsel in einer Serviette verborgen
ind durch Einatmen naturgetreue Seufzer erzeugt, ka
Erfolg nicht ausbleiben. Der nächste Schritt, wenr
nach dem Dessert mit seiner Geliebten allein ist,
darin, in seinem Taschentuch eine Glaskapsel von
tersaurem Amyl zu zerbrechen und einzuatmen, so de
sein Gesicht in holder Scham zu rötet. „Fräulein M
ruft er aus, „darf ich fortan Mizzi sagen?“ Geling
ihm debe', einige Pillen von Nitroglyzerinschokolad
ganz schwacher Form zu schlucken, so kann er damit
hörbares Herzklopfen erzeugen. „Fräulein Mizzi“, fö
fort, „Sie müssen schon lange bemerkt haben, wi—
berehre“ (Chlotoformseufzer.) „Darf ich hoffen, da
Ihnen nicht vollständig gleichgültig bin?“ Erschein
Tame vollständig ungerührt, so inhaltiert der Li—
rasch etwas Senfölessenz und erzeugt damit einen
haften Tränenstrom. Ter weitere Verlauf der Dinge
von der Antwort der Schönen ab. Gibt sie eine gü
Autwort, dann werden ein oder zwei Pillen Muiro
ma sofort ein Gefühl höchster Begeisterung erzeugen,
rend im Falle einer ungünstigen Antwort der ungl
Viebende blotz etwas Aethychlorid einzuatmen brauch
in eine interessante Ohnmacht und Bewußtlostgkeit ziu
fallen.
— *33*Der Name Mutter“. Die Mütter !
stolz sein auf den Ehrennamen, die ihnen die Spric
ter aller Völker geben. Muttertreu, sagt der Der
wied tägsich neu. — Ist die Mutter noch so arm, g
boch dem Kinde warm. — Wer der Mutter nicht
vill, muß zuletzt dem Gerichtsdiener folgen. —
er einen reichen Vater verlieren, als eine arme M
— Was der Mutter ans Herz geht, geht dem Vate
ans Knie. — Im Hindostanschen heißt es: Mutter
immer mein, möge reich oder arm ich sein. — Der
tianer sagt: Mutter, Mutter! Wer sie hat, ru't sie,
wuir sie nicht hat, vermißt sie — Der Rus'e sagt:
Bebet der Mutter holt vom Meeresgrund herauf. —
und Ticheche sagen: Mutterhand ist weich, quch wer
scheegt. — Fast alle Völker haben das Sprichwort:
Mu ter kann eher sieben Kinder ernähren, als sieben
der eine Mutter. — Ueber den Verkust der Mutter
ein russisches Sprichwort: Ohne die Mutter sind die
det verloren wie die Bienen ohne Stachel.
ꝛ*3fsDas Gesundheits-Trinken.
mag wohl diese altftankische Mode und die Ausdrücke
sollen leben! Auf ihre Gesundheit!“ abstammen? —
Schotten, welche so seht an den uralten Sitten der
hängen, beobachten noch heute diese Sttte; der Trintke
dem Nachbar: „Auf Dich!“ und der Nachbar ern
‚„Auf meine Treu;“ zleht sein Messer, steckt es
Tisch, und verwendet kein Auge von dem Freunde
—
daß dieses „Auf Dich“ eine Bitte um Schutz ist, we
mon trinkt. Barbarei ist also der Ursprung eines
ches, der sich bis auf unsere Zeiten erhalten hat; in
vilden Zeiten brauchte man einen Bürgen seines
elbst beim Trumke!
— *3*Ein aàarmer Jude war bei eineme
zuden zum Essen geladen worden. Man trug Fisch«
imm der Reiche legte dem Armen davon die kleinften
Die ser stocherte mit der Gabel unter seinen Fischeneh
zhne davon zu essen, und brummte uwwerständ iche
dabei in den Vart. Der Reiche sah ihm eine Zeit
zu, waid fragte ihn endlich: „Warum ißt er denn
Wos treibt er denn mit de Fisch.“ — ‚Verseihen Se
vo sete der Gefragte, „ich sprach was mit de Fisch
„Nu, wos denn?“ fragte der Reiche. — Ich hobe
men Bruder“, entgegnete der Arme, „der w ertrunken
ner hohen ihn nich tönnen im Waser finden; nu fr
Fisch, ob se mer nich können sagen von meinem
ec?“ — Mu, wos antworten sie denn?“ versetzte
Reiche. — Se antworten mir“, erwiderte der Arme,
varen noch ßu klaine, und wilßte nischt von der Gese
ich möchte de Graußen fragen“ — Beschämt legt
der Resche große Fische vor, die er denn mit or⸗Ken
»rtit speiste.

— — 2
iyr Leihenbegängnis feierlichst in Gegenwart ihreret
Freunde stattfinden würde. Es scheint mir aber, ia
sie in aller Stille beerdigt, wahrscheinlich wohl auf
Tourterelles“. Ich kann mich nicht enssinnen. ⸗ene
darüber gelesen zu haben.“
„Alies wäre anders gekommen“ hemerlte Amy,,
ihr Bruder in Europa gewesen wi.' und Charles!
uicht umhin, ihr zuzustimmen.
Er wußte nur zu gut, daß Lord de Bruccs B
enheit die ganze Sachlage verändern wörde, und
var nicht ganz wohl zu Mute bei dem Gedanken,
eine Lordschaft wohl zu allem Vorgefallenen sagen w
„Vor Anfang der nächsten Woche kann ich nichts
Ihrer Sache tun, Mr. Mackenzie“, unterbrach hies
Flitterdaͤh seine Erwägungen. „Am Montag Nachm
wird es mir vielleicht möglich sein“, schloß sie und
sich mit einem Blick, der so viel bedeutete als
rannst Du gehen!“
— Matkenzie brauchte einige Sekunden Zeit, um e?
einzugestehen, daß sie von seiner Gegenwart befreit zi
wünschte, dann entfernte er sich, unzufrieden mit
selhst, weil er die wichtige Sache der de Bruces se
dolen Händen anvertraut hatte.
Er war so in seine Gedanken vertieft, daß er
Stiege zu tief hinabstieg und zu den Falzern gerie
denen sein erstauntes Gesicht eine gewisse Heiterkeit
ursachte

a
Ihrem Versprechen getreu, machte sich Amy am
tag Nachmittag auf den Weg nach dem Britischen Mu
wo sie früher eine Zeit lang häufiger aus⸗— und
gangen war. Iht waren geneologische Forschungen
neues, und bald hare sie herausgefunden, daß die
lie Serope, zu welcher Gilbert gehörte, in der
lichen Linie erloschen war und die übrigen Glieder
mit den Wontons zu einer Familie verschmotzen J
Die Wontons waren eine Familie, deren Papiere
politischen Gründen im Jahre 17185 beschlagnahmt
den wacen. Zusällig hatte Miß Flitterdash schon
eststellen können, daß jene Briefe nicht im Urkund—
ondern im britischen Museum deponiert wordern.
Und wirklich — den klugen geschickten Händen
Zreundin war es gelungen, die Mynton-Vriefe
uikriptenraum aufzustöbern.

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