Full text : Dudweiler Zeitung

7— 533 —7 4 9 — * 3 F — J 7 7 * — 73 — — 6 C 2 — J 3 17 *
— 8 J 4 — d 4 4 — —— 7 — — — —— 9 —3— — * 3 ⸗ — * 8 3 * *. —
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Amtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beilagen:
2 2 2 2 * 8 B 0
Bürgermeisterei-Bezirk Dudweiler. onntagsblatt und Heitere Blätter.
*-arhrũcken Nr. 69, 259, 269, 1261. Druck u. Verlag: J. Unterkeller. Dudweiler Verantwortlich für die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenteil Karl Unterkeller
— nnnngnl
onnent ist mit 800 M. gegen Tod durch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Stunden nach dem Unfall in aͤrztliche
y begeben. Todesfälle müssen sofort spätestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebracht werden. UÜber die Voraussetzung der Versicherung geben die Versicherungsbedingungen Aufschluß, die vom Verlage od. von der Nürnberger Lebensversicherungsbank zu beziehefind.
139. Samstaa. den 10. Juni 1911. 24. Jahrqang
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eroffnet; von letzteren haute in 1454 Fallen der Gemein
schuldner die Konkurseröffnung beantragt. Beendet wur
xn im 1. Vierteljahr 1911: 1945 (1. Vierteljahr 1910
1948) Konlursverfahren, und zwar durch Schlußverteilung
803, durch Zwangsvergleich 444, infolge allgemeiner Ein
villigung 29 und wegen Massemangels 169.“ In 906 be
ndeten Konlursverfahren war ein Glaͤubigerausschuß be
dellt. Von den 2998 neuen und den 1945 beendelen
konlursversahren betrafen: Natürliche Personen 2175 (1543)
achlässe 575 (228), Handelsgesellschaften 98 (97). 6
senschafiten 16 (12), andere Gemeinschuldner 134 665)
Telephone⸗Verbindung England- Deutschland
Die englischen Postbehörden beschäftigen sich gegenwärtig
mit dem Plane, eine telephonische Verbindung zwischen
London-Holland und Deutschland herzustellen. Auf den
Umweg über Paris hofft man einen brauchbaren Tele
phonverlehr mit der Schweiz, insbesondere mit Basel unz
Zürich in kurzer Zeit ins Leben rufen zu können. Die
Versuche, die in der nächsten Zeit beginnen sollen, sind
möglich geworden durch das neue un erseeische Kabel, das
Engaland mit Frankresch verbindet und das eine bedeutsam—⸗
Ve esserang gegen die bisher angewandten Kabelarten auf—
weist. Die brit sche Postbehörde hofft, auf dem Wege über
Lile Fraͤn reich Fern prechverbindungen von London nach
Imisterdam, Köln und Frankfutt a. Mi herzustellen Wenn
die e Versuche die erwarteten Erfolge haben, wird man
den Anschluß auch nach anderen Städten folgen lassen.
Weanyescheinlich werden dann auch bei dem internationalen
Jern prechverlehr zwischen England und dem Festlande die
Fe ngesprächsgebühren eine bedeuntende Ermäßigung er—
ahren

Politische Rundschau
Deutsches Reich.
Kaiserliche Statistische Amt veröfsent'icht eint
qau der Finanzen des Reiches rnd do4
Bundesstaaten. Tie Nachweise beziehen sich jsün
znschläge aguf das Rechnungsjahr 1910, für du
ynungen auf das Rechnungssahr 1908. Insge
cagen die Staatsausgaben nach den Voranschlä—
Bundesstaaten 5869 Millionen (darunter außer.
e 263), für das Reich 3032 Millionen (darunten
atliche 191). Die Staatseinnahmen belaufen sic
zundesstaaten auf 5852 Mi lionen, im Reich au
runter außerordentliche aus Grundstücksanleihez
ge Staatsfonds 334 bezw. 191). Unter den or—
Ausgaben und Einnahmen der Bundesstaaten
Erwerboseinkünite mit 2948 bezw. 3742 Mi lio
an erster Stelle. Der Hauptanteil entfält au
seisenbahnen mit 2082 bezw. 2718. Die or
Ausgaben und Einnahmen des Reiches an Er
alten mit 756 bezw. 872 Millionen Mark ent
uptscechlich auf Post und Telegraph mit 640 bez
dem in Vorbere tung befindlichen Reich sSeta
ist eine Stelungnahme des Reichskanzlers er
nach auch für den kommenden Etat eine Bilan
wischen Einnahme und Ausgabe unter Ausschlie
er Anleihe herbeigeführt werden soll.
Nordd. Allg. Zig.“ schreibt: Wieder einmal ve
Berliner Korrespondenz die grobe Ungehör gkeit,
aus der Luft gegrissene Verhobunng der Prin⸗
storia Luise und zwar mit dem Erbgroßherzog
enbura⸗Strelitz zu verbreiten.
Belgien.
der Kammerpräsident Csssoreman hat auch
rige Finanzminister Libaert es abgelehnt, die
des nmeuen Kabinetts zu übernehmen. Ir
uinde verlautet, daß der König nunmehr der
von Broqueville mit der Kabinettsbild
traae hot
Spanien.
m'it größter Spannung erwartete Interpel
über Marokko vor dichtgefülltem Haus ent
urch das Ausbleiben neuer Aufklärungen. Ent
These des Interpellanten Billanueva, daf
die Hände gebunden seien durch den Geheimver
1904, der Frankreichs Intervention selbst ir
ischen Zonen zulasse, erkllärte Canalejas,
interlasse freiwillig jede militärische Interventior
seine Erfolge in strikter Beobachtung des Rechts
Türkei.
x* mir von Melka meldet, daß die Trupper
Niörsfe von 7 Batai lonen die Rebellen be
»siegten. Diese hatten hundert Tote, dar—
Scheils.
Marokko.
Da ly Expreß“ meldet aus Fe z, daß Fez vorp
iden Rebellen belagert werde. Die
hen. welche sich keiner Niederlage bewußt seir
aben das französische Lager an den Mauern vor
rifien. wobei fünf Franzosen getötet wurden.
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Koloniales.
itsche Kolonialgesellschaft. Die in Stuttgart
Lerhandlungen der Deutschen Kolonialgesellschafi
Donnerstag mit einer Vorstandssitzung begonnen
esbericht ist zu entaehmen, daß der Mitglieder
zahre 1910 39 025 in 16 Gauverbänden besrug.
wurden von dem Bureau der Gesellschasft 428
.außer den selbständig von den Abteilungen
en Vorträgen. Die Zentralauskunfissie le sün
er hat vom 1. April 1910 bis 31. März 1911
Fälten Auskunft erteilt, meist an Handwerke;
te Industriearbeiter. Der Voranschlag für 1911
nahmen und Ausgaben je 333 300 Mark vor
d 52500 Mark zur Förderung der Wohlijahr
zebiete bestimmt.
wmwollbau in Deutsch-Ostafrika. Ueber die
—Naumwollbaues in Deutsch-Ostafrila und Togc

marht der „Voralanzeiger“ forgende Angaben: RNach den
orläuf gen Schätzungen wird die Ernte in Deutsch-Ostaß—
ita etwa 3800 Balben betragen, also fast die doppelte
döhe der vorjahrigen Produktion (rund 2000 Ballen) er—
ceichen, und in Togo etrwa 2500 Ballen, was einer vor—
aussichtlichen Steigerung gegen das Vorjahr (rund 1800
Baslen) um mehr als ein Drittel entsprechen würde.
Arbeiterbewegung.
— Streik. Aus Brüssel wird gemelde: In Aaip
and Umgebung ist der Generalstreik der Ziegereiar
oeiter preksamiert worden. Mehrere tausend Arbeiten
eiern. Sie fordern Lohnerhöhung.
— Ausstand der Seeleute. Aus Antwerpen
vird berichter: Der Sekretär des Syndidates der belgischer
Zeelente teilie in einer Versammlung mit, daß es der
Bürgermcister von Antwerpen übernommen habe, zwischer.
den Seeleuten und Reedern von Belgien zu vermitteln
Aber es sei wahrscheinlich, daß die Reeder wegen der Ver—
oflichtungen gegenüber dem internationalen Reederverband
die Vermitilung nicht annehmen. Sollten sie sie ablehnen,
so würde in den belgischen und holländischen Häfen in
der nächsten Woche gleichzeitig der Streik ausbrechen. Die
Ausstandslewegung sei auch für Großbritannien beschlos—
sen, würde dort aber erst nach den Krönunasfe erlichkeiten
beginnen.
— Drohender Eisenbahnerstreik. Ein Ausstand der
baslischen Eixenbahnarbeiter sieht nach einer Meldung aus
Madrid bevor. In Bilbao und im Norden der Halb—
insel sind zahlreiche Beamte abgesetzt worden. Die Eisen—
ahner halten täglich Versammlungen ab, um über Ge—
jenmaßnahmen zu beraten. Die Bürgerwehr ist einberu—
en und das Eisenbahn⸗Regiment hat Befehl erhalten, sich
ereit zu halten, um gegebenen Falls die ausständigen Ei—
senbahner zu ersetzen 5
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Gerichtszeituug.
H Ein Spielerprozeßz, der in weiteren Kreisen In
eresse finden dürfte, ging zu Ende. Mehrere vermögend—
derren aus Köln gründeten einen Gesellschaftsklub For—
una, dessen Zweck in Wirklichkeit dahin ging, in den ir
er Schildergasse in Köln gelegenen Klubräumen dem Ha—
ardspiel obzuliegen. Wer dem Klub bpeitreten wollte, der
mußte 5 Mark bezahlen und es fand dann der Form nach
ine Ballotage statt. Die Mitglieder waren passionierte
Spieler. Gespielt wurde Meine Tante, Deine Tante mit
kinsätzen bis zu 100 Mark und Roulette, wobei die Banl
»is zu 10 000 Mark stieg. In jeder Nacht wurden große
zummen verspielt und gewonnen. Der Klub hat lang—
estanden und der Besuch war auch von auswärts rege
die Polizei wußte davon, glauble aber keine Handhab⸗
»Einischreilen zu haben. Die dort verzehrten Getränke
raur. nicht vezahl. werden, danur muße avber de
ewe lige Banihalter an die Unternehmer jede ha ve Staund
e nach Höhe der Bank etwa 10 Mark abliefern. Schließ—
ich beschlagnahmte die Kriminalpolizei die Spieltische und
er Direlior des Klubs, ein Kaufmann und sein Schrift⸗
ührer, ein Agent, hatten sich wegen gewerbsmäßigem
zlückspiel und Duldens von Glücksspielen vor der Kölner
ztrafkammer zu verantworten. Die Angeklagten stellten
ch auf den Standpuntt, daß der Klub als eine geschlos
ene Gesellschaft anzusehen, und daß das Hazardspiel ge—
aiuet çewesen sei. Das Gericht war aber der Ansicht, daß
ie Klubräune als e'n öffsentlicher Verammlungsort im
zinne des Gesekes anzusehen waren und daß jeder dort
rach Erledigung eniger Förmlichleiten Zutritt erlangen
onnte. Es erkannte gegen den Direktor auf zwei Wochen
hefangnis und 3000 M. Geldstrafe und gegen den Schristührer
 wegen Besh'lfe auf drei Tage Gefängnis und 150
Mäark Gesdstrase. Der Staatsanwalt hatte zwei Monate
Besangnis und 3000 Mark Geldstrafe gegen den ersten
ind acht Tage Gefängnis und 150 Mark Geldstrae gegen
den zweten Anage lagten beantragt.
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Von der Luftschiffahrt.
*Einneuer Zeppelin. Das neue Passag' erluft—
schiff der Delaa“ wird etwa am 20. Juni fertiaqgestent

Dann son unter Fuhrung dves wrasen Zeppelin der Flug
nach Baden-Baden zur Generalversammlung der „Delag'
am 26. Juni erfolgen. Hierauf wird das Luiftschiff wie
der zurück nach Friedrichshasen fahren, um dort einige
Wochen lang Pafssagierflüge auszuführen.
*Wettfhiegen. Der König von Belgien
wird am 23. Juni auf dem Flugfelde von Berchen dem
Start der Tei nehmer an dem europäischen Rundfluge bei—
wohnen.
*Wieder ein Flieger tot. Der Flieger Mar—
ra, einer der Teilnehmer an der Römischen Flugwoche
stürzte bei Tordiquinto und st ar b während der Ueberfüh
rung ins Krankenhaus.
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Landwirtschaftliches.
Saalenstand im Reiche. Saatenstand des Deutscher
Reiches anfangs Juni. Zwei bedeutet gut und drei mi
lel: Winterweizen 2,5, Sommerwe zen 2,6, Winterspel
2,5, Winierroggen 2,7, Sommerroggen 2,5, Sommergerst
2,4, Hafer 2i6. Kartoffeln 2,6, Klee 2,9, Luzerne 2,8
Bewäffecungswiesen 2,1 andere Wiesen 2.5. In den allge
meinen Beineckungen zum Saatenstand heißt es: In de
zweiten Maihälfte war das Wetter, wie schon in
Vormonat. in großen Teilen des Reiches anhaltend wocken
bei meist scharfen östlichen oder nördlichen Winden; in man
chen Gegenden soll schon monatelang kein Regen gefsalen
sein. Hänfig wird über starke Verunkrautung der Saaten
oerichtet, hier und da auch über Schädigungen durch In
selten, besonders Drahtwürmer, und Piflanzenkrankheiten
wahrend die Mäuse zum größten Teil verschwunden 3
ein scheinen. Im allgemeinen war der Stand der Winte
nung anfangs Juni günstiger Im Weizen macht sie
eceinzelt Rost bemerlbar. Roggen hatte bei der Ab
gabe der Berichte bereits schon abgeblüht, teils stand e
n verschiedenen Gegenden noch in Blüte. Auf das Wach
en der Sonmmerhalmfrüchte mach'e sich der Einfluß der s
erschiedenartig ver ausenen Witterung in noch stärleren
Raße geltend als es bei der Winterung der Fall war
duürre, Nachtsröste, Verunkrautung und Drahtwürmer ba
einsußten die Entwicklung und den Stand der Sommern
aaten nachteilig, doch konnten sämtliche vier Sommerhaln
rüchte ibre Reichsnoten von der Maimitte wenigstens be
haupten. Frühkartoffeln sind zum Teil abgefre
ten, von den später gepflanzten war ein Teil anfangs Juf
ioch nicht sichtbar, ein anderer lief infolge der Trockenhe
tiur langsam und lückenhaft auf, ein dritter war gut au
zegangen und zeigte kräftiges Wachsstum. Die Nachrichte
iber den Stand von Klee und Luzerne lauten im große
zanzen wenig günstig, sie stehen infolge des frühere
Mäufefraßes und von Frühjahrsfrösten vielfach lückenhasit
Her erste Kleeschnitt läßt, soweit mit ihm schon be
zonnen, an Menge viel zu wünschen übrig, umso besser i
aer die Beschafsenheit des Futters. Auch bezüglich de
Wiesen lauten die Nachrichten sehr verschieden. M
hem Heuschnitt ist mancherorts schon hegonnen worden.

Die größte Bogenbrücke der Welt.
Die den East-River bei New-York überspannende rie
sige Eisenbahnbrücke, die größte ihrer Art, geht nach mehr
als vierjähriger Bauzeit nunmehr ihrer Vollendung ent—
gegen. Die Brücke überspannt den Fluß in einem Bogen
und steht mit ihrer 100 Fuß umfassenden Spannwelte in
der Wel‘ unerrescht da. Das riesige Bauwerk ist auch zu—
zlert Ve schwersse Eisenbahnbrücke, denn das zu ihrem
Bar erwendete Materias Uowicht von 80000

Handel und Verkehr.
Deutscher Spezialhandel 1910. Im deutschen Wirt
schastsgebiet betrug der Wert der Einfuhr ohne Edelme'all
ni Jahre 1910 8934,1 Millionen Mark gegen 8520,1 Mil
ionen Mark im Vorjahre. Der Wert der eingeführtel
Edelmetalle belief asich auf 375,9 gegen 340,3 Miilionen
Mart im Vorjahre Der Wert der Ausfuhr ohne Edelme
talle bezifserte sich auf 7474,7 Millionen Mark geger
6592,2 Millionen Mark im vorhergehenden Jahre und
der der ausgeführten Edelmetalle auf 169,5 gegen 266
Mill onen Mark. Der Gesamtwert (ceinschließlich Edelme
talle) übertraf den von 1909 in der Einfuhr um 449,
und in der Ausfuhr um 785,5 Mislionen Mark. An de
Wertsteigerung von 1909 auf 1910 sind in der Ein- und
Ausfuhr fast sämtliche Warengruppen beteiligt.
Konkursstatistik. Nach der vorläufigen Mitteilung
des Kaiserlichen Statistischen Amts zur Konkursstatistik ge
langten im 1. Vierteljahr 1911 im Deutschen Reich 2990
neue Konkurse zur Zählung, gegen 2883 im 1. Vierteljahr
1910. Es wurden 615 Antraͤge auf Konkurseröffnung we
en Massemangels aboewiesen in 5383 Snfterknerfabre—

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Hund und Katze
Beschichte aus dem bayerischen Oberland
noan Hermann Schmidt

gelegen und hat mir's fafst abgedruckt — die Bas'l hat mir
davon gehelfen“
„Die Bafss1? Die feindselige Dingin? Die keinen Men—
ichen was Gut's gegönnt hat? Die Dir gar nichts und al—
ies fremden Leuren vermacht hat?“ rief der Bauer. „Das
müßt' sonderbar zugegangen sein.“
„Die Baf'l ist nit so çßewesen, wie die Leut' gemeint
jaben. Mußt ihr nichts ungut's nachreden, Vater, wenn
dich's freut, daß ich wieder anfange zu lachen und zu sin—
zen,“ sag e Kuni, von der Crinnerung an das Sierbebett
der Base gerührt. „Es hat so kommen müssen. Auf dem
Teze von ihr her — Du weißt wohl in der bösen Nacht,
vo ich mich so vergangen hab' — da ist mir der schwere
tein vom Herzen gefallen.“
„Aber wie denn? Warum rückst Du nit heraus mit
der Sprach'?“ fragte der Alte entgegen. „Warum denn lau—
er solche Heimlichleiten? Ich weiß alleweil' noch nit recht
vas Dir eigentlich geschehen ist in der Nacht, und wie Du
n das Geitad'lhäusel gesommen bist. wo ich Dich geholt
ab'?“
„Du wirst alles schon einmal erfahren,“ sagte Kuni mit
zewinnendem Tone, „nachher wirst alles verstehen.“
„Tät' schon not, denn jetz versteh' ich von der ganzer
Zach' soviel wie garnichts,“ rief er dazwischen. „War eine
Nacht, daß man keinen Hund hinausjagen sollt'. Gestürmt
hatts, daß ich ein paar Mal gemeint hab', es nimmt mir
das Dach überim Kopse weg. Auf einmal, schon gegen den
Tag zu, kommt was an mein Fenster und klopft an und
agt, Du wärst von der Bas'l fort, das Wetier hätt' Dich
uüberf Ilen, und ich soll Dich in der Früh' beim Gestad'l
er helen — wei er hättst Du nimmer kommen können. Ich
hab' lang' gemeint, es wär nur ein Traum, und hab' der
amen çesragt, wer mir denn die Botschaft bringt. Dat
arauchst nit zu wissen, hat er gesagt, Du tärust mich doch ni
ennen. Das'elbe ist aber nit wahr gewesen, denn wenn en
uch die Sprach' wecssellt hat, ist sie mir doch bekannt vor
elommen, und wenn's nit gar so nörrisch gewesen wär'
o höt' ich fast gezlaubt, es wär' ...“
„Horch, Vater,“ unterbrach ihn Kuni, „der Bub' schnalz
mit der Peissche; er hat also schon eingespannt. Machen
vir uns auf den Weg, damit wir nit zu spät kommen.“
„Hast rechr,“ sagte er, indem er sie verwundert betrach
ne und sich dann gegen die Tür wandte; aber wie sich
ines bessern besinnend, hielt er inne. „Das ist auch wie
er was neues, daß es Dir zu so was eilt. Aber wi—
vird's denn nachher sein?“ begann er wieder, fast wie ver
584 A ⏑ MR2 R—— M—a ö⏑JJ 622341482 2722

konnt s leicht geschehen, daß man jemand begegnen könni',
der einen nit besonders freut ...“
„Zrauchst Dich deswegen nit zu fürchten, Vater,“ un—
erbrach sie ihn fest, aber sich rasch abwendend, damit er
ihr Erröten nicht gewahren solle; ich will den Veuten zei—
zen, daß ich mich nicht vor ihnen scheu', und denk', wenn
ch tauzen will, wird's wohl noch einen Bucschen geben,
oer mich holt, wenn's auch nicht zum Vostanze in. Der
selbige aber, den Du meinst,“ setzte sie etwas zögernd hin
zu, wird nicht da sein, Du weikt ia. daßk er üch nirdeude
bliclen lassen darf.“
Kuni hatte schon den Wagen erstiegen. Der Vater seitzte
iich neben sie. „Auf das ist kein Verlassen,“ sagte er, Zuñ—
zel und Peitsche ergreifend. „Derselbige kann wohl kom—
nen, wenn es ihm darum zu tun ist; es heißt der Könicç
hat den Flüchtling begnadigt, weil seine Mutter einen Fuß
sall vor ihm gemacht hat; da wird man dem, der ihm
»urchgeholfen hat, auch den Kopf nicht abreißen.“
Die eten Worte verloren sich etwas im Geräusche des
dahinrollenden Wagens; das tiefere Rot, das Kunis Wan
jsen über log, verriet edoch, daß ihr dieselben nicht enigan—
zen waren — sie schwieg aber und machte sich mit dem Si
ze zu schaffen, als ob sie es sich auf demselben erst bequen
lachen müsse.
Der Vater sah sie nach einer Weile von der Seite an
‚Nun,“ sagte er, „ist Dir die Stimm' versallen? Waruw
ed st Du denn nichts?“
„Es ist nicht gut reden im Fahren; es stoßt so,“ sagi
ie sich zur Seite wendend.
Der Bauer aber, dessen Stolz es war, daß sein Wä—
jelchen sich so leicht fahre, als ginge es auf einer gelchla—
zenen Tenne dahin, ließ die Peitsche knallen, daß die
Pferde ausgriffen und das Wägelchen hin und wider Asg.
Wenn dasselbe denn schon einmal stieß, kam es auf ein
bvanr Müffe mehr ader minder auch nicht ä

DSochzen amgen waren mindesitens eberch· Ac XR
zaste zu erwarten. die „auf die Hochzeit“ alis erst gegen
eund tamen und deren Bedmminisse also auch derriedigt wer
en arßten. Obendretu urußte auch dafür geiorgt werden
zaß eder Mahlgaß noch einen angehäuften Teller wvoll
Bescheideijen“ zurückstellen und, in ein Tuch gedunden. sei⸗
ten Angehörigen heimbringen konnte. In der AÆnche soti
zriet, bro selte und qualmie, rauchte und duftele es buni
deitrcheinander, und eine kundige Nase hätte vereits ver⸗
nocht, einige der landesüblichen „Hauptrichten? zu unierschei
zen, wie das mit Knoblauch gespickte Brüöbeiich mub dea
an rläßliche „Ehrenkraut“.
Nicht minder emsig ging es im oberen Stogwerte, in
dem langen, aber niedrigen Sale zu, in dem die Tafel in
langer shmaser Reihe aufgestellt war, während eine ausge—
räumte Stube nebenan zum Tanzboden umgeschaffen war,
damit die Gäste keinen weiten Weg zu machen hätten, denn
es iit Sitte, daß der Tanz nicht bis zuletzr verspart, son⸗
dern in Abteilungen zwischen den einzelnen „Richten“, de—
ten ede aus mehreren Speisen besteht, eingeschaltet wird
In Ermangelung anderen Grüns waren die Fenstersimse
iud Türgerüste mit Tannengewinden verziert, an denen brei—
Streifen bunten Papiers sich emporringelten; hinter dem
Platze des Brautpaares war ein für den Abend bestimm
tes Transparent angebracht, in dem ein Meund ein FJin
geschli fenen Glassteinen flimmerre. Die Braut hatte es
durchgesetzt, daß auch hier der mißtäönende Zachorieiot ver
mieden worden war.
In der Tanzstube war der alte Trompeteriranzel mi
der Herrichtung des Musikantensitzes beschäftigt, auf dem be
eteder Lrammbaß sich, wie in gränilicher Erwartung der
einer harrenden Strapazen, sich mit dem Gesicht in die Ecke
etehat hrise. Der Alte hatte zwar den abermaligen Hoch⸗
zeiteriit abgeschlagen, aber bei der Hochzeit selbst wollte er
duoch seines gewohnten Amtes walten, die verschiedenen Spru—
he tun, die „Abdantung“ halten und mit seinem kräftiger
Geicenpozen die Musit in Ordnung halten, wenn sie et
wa wit der vorrückenden Zeit und der wachsenden Steiger
ung des Vergnügens in's Schwanken gerailen sollte.
De' Tafel im Saale war bereits vollständig hergerich
et. Julei, die Näherin, die sich eben im Hause auf der
Vochenstöhr befand, harte dieselbe gerade noch einmal über
s'ickt und die letzten inen Unardnungen in den Fealter
——— *A .—

wie ein Wetterfahn'l,“ entgegnete der Vater,
etwegen! Ich bin schon zufrieden, weil Tu nur
tunnd nit mehr den Kopf hängen laßt, wie ein
hn'il. Mehr verlang' ich nit zu wissen um mei—
nialer — der Bader hat seine Sach' doch ganz
„sagst? Dem hast Du drei Kronentaler ge—
ur was denn?“
denn — wie Du nur so in den Tag hinein
zür was denn sonst als für die Medizin, für
al'l, das er Dir verschrieben hat.“
n zuckte stärler um des Mädchens Mund.
re und legte ihm die Hand auf die Schul⸗
Bader wieder nach und laß Dir Deine drei
iedergeben! — Verschrieben hat er mir das
wer — eingenommen hab' ich's nit.“
eingenommen?“ rief der Alte verblüfft Has
prochen ...“
r, Du wirst nit im Ernsta glauben, vdas
einnehm'? Ich hab's zum Fenster hinaus
nit gesehen, daß die Brennesseln, die un
abgestanden sind von dem Gifte?“
ich schon sagen, da sreut mich mein Leben,“
und wolue ärgerlich werden, weil er sich
Ih, weil ihm die Taler wurmten und weil
innn Aerger in lautes herzliches Lachen aus—
and sich aber nicht recht in den Unwillen hinein,
eude über Kunis Lachen war zu groß, als daß
nangenehmen Regungen vor dem lange entbehr⸗
Lachtone verstummt wären. „Da möcht' man
n den Hut steh'n mit dem Mädel, aber sie
ugt wieder; sie lacht wahrhaft'g und das isi
- wenn es auch ausgelacht ist und über mich
t Am Ende hat Dir gar nichts gefehlt, Du
ik gewesen, als daß Du Deine Mucker und Sper—⸗
it uns getrieben hast.“
Vater,“ sagte Kuni plötzlich ernst, faßte ihn bei
und sah ihm so voll und herzlich in's Gesicht
nahe daran war, feuchte Augen zu belommen
krank gewesen, recht krank — ich hab' einen.
—haht dor ift nir nmor u n Gorro

In dem Dorfwirtshause, in dem das Hochzeidswahl
gerüstet wurde — es wird wohl das in Utting gewesen fsein
— wurde indessen schon allerorts schon tüchtig georbettet
besonders in der Küche; es war auch keine Kletnigtkert, fur
eine zahlreiche Gesellschaft eine so ausgibige Mahlzeun hed
ustellen, als es der Landesbrauch erforderie — war es dod
ine sogenannte „große Hochzeit“ die gefeiert werden soslte
nd außer den achtzig oder neunzig Personen, die nur un
e Kirche ninon vom on filnahn 41f
            
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