Full text : Dudweiler Zeitung

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n Intnches Pubnationsargan sur den Mit zwei Beilagen: ——*
ürgermeisterei-⸗-Bezirk Dudweile Sonntagsblatt und Hei X Auu
1.. * öchster
⸗Antne Gaarboricken Nr. 69, 259, 269, 1261. Druck u. Verlag: J. Unterkesler, Dudweiler —— n He tere Blätter. r Rabatt
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wedt ist mit 800 M. gegen Tod durch Unfall bei der Nurnberger Lebensversicherungsbank in Nurnber T566 — —
Abegeben. Todesfälle mũssen sofort spatestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur —e I en einer Woche nach Eintritt der Nürnber,e Lebendersicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Eunden rach d
— — *
186. Z ⸗ —F— 38 er d ee ae
ittwoch, den 7. Juni 1911. — — —
24. Jahrgang
F ——
34 poustandige Systeme fur perschiedene Siaaten geliesert;
ün Deutschland 14, für die Vereinigten Staaten von Ame⸗
sta 8, fut China,6, für England 4, für Oesterreich⸗ Un
arn 4 und für sechs andere Staaten je 2 Stellen. —
Horstehende Ausführungen lassen besonders das wachsen⸗
e Vertrauen der Vereinigten Staaten von Amerika zu dem
deutschen System hervortreten, was um so —3 —
erscheint, als sich dort vier große Konkurrenten (außer
Telefunken“ de Forest, Fessenden unmd Stone) den Sieg
treitig machen. Besondere Aufmerksamkeit verdient fer⸗
ner, daß die kubanische Regierung Telefunken mit der
Einrichtung von acht öffentlichen Stationen mit einer
Reichweite von wenigstens 300 bis 400 Kilometern über
See vbeauftragt hat; die Zentralstation in der Nähe von
dabana auf dem Fort, Cacanos wird mit einer Reich—
Zeile von nicht unter 1500 Kilom. ausgestattet werden.
In der Beurteilung der Verbreitung des deutschen Sy⸗
tems in fremden Ländern, wie England, Franlreich, Ita⸗
lten uswp, muß man berücksichtigen, daß dort natürlich
die einheimischen Gesellschaften bevorzugt werden; das
deutsche System kann dort nur allmählich vordringen und
lesten Fum̃ jassen. wenn es sich dauernd als überlegen
iymeist

9
ins und Amerikas Heer.
a vielfach in der Presse gertadet wurde, daß
seine Armee nach dem Kriege bereits um 2
a verstärtt habe, so ist dies, wie die D. Warte“
nicht richtig. Das würde etwa der Ver—⸗
des Heeres um ein Viertel des bisherigen Be—
leichgete mmen sein. Nach dem Kriege zählte die
VLinien- und eine Gardedivision, die zuerst in
ischurei belassen waren, wurden nach dem Hei⸗
zurülgezogen und dienten als Stamm für die
ng zweier neuer Divisionen. Nach Bewilligung
ährigen Budgets verfügt Japan also über eine
und 18 Liniendivisionen — nebst
wächeren Division auf Formosa. Noch wichti⸗
diese Erweiterung der Formation ist aber die
eung der zweljährigen Dienstzeit,
betreibt. Hierdurch würde das stehende dee
Drittel seines Bestandes vermehrt werden. Fer—⸗
man dafür, daß die Eisenbahnwachttruppen in
ischurei sich aus Freiwilligen der Reserve
nicht aus Leuten des stehenden Heeres. Nach
zung dieser als dringlich anerkannten Reformen
im Laufe von vier Jahren 2 weitere Divisi⸗
fstellen und dann die gesamte Armee — abge⸗
n einer Gardedivision — in 10 Armeekorpvs zu
Divisionen gliedern.
plant man nur eine allmähliche Verstärkung
terei, die aber zunächst an dem Mangel an
n PPfferdematerial scheitern würde, und erhofft
Resultate von der Tätigkeit der neu aufgestellten
waltungsdepartements und der nach Europa ent⸗
Pferdeankaufskommission. Bein der japanischen
erie wird die Bewaffnung mit Rohrrückaufeifrig
 bettieben. Die Herstellung der Kanonen
japanischen Arsenalen; man hat sich die Halb—
ate von Krupp kommen lassen. Auch eine schwe⸗
erie des Feldheeres soll geschaffen werden, doch
tel dafür noch nicht ausgeseßzt. Im übrigen
ioch andere Organisationsaäͤnderungen und Neu—⸗
gen in Aussicht gestellt. Man will die Train—
en vermehren und verbessern, die Arsenale ver⸗
ind eine eigene Bekleidungswirtschaft bei den
einrichten. Ferner soll ein Automobilkorps ge⸗
ind der Formierung berittener Infanterie näher
werden. Die Zuteilung von Maschinengewehren
znfanterie ist zum Teil schon durchgeführt. In
wird jedes Regiment nicht weniger als 6 Ma⸗
vehre erhalten. Vergleicht man Min die bel
ehenden Formationen (im ganzen nur 16 Maschi—⸗
rabteilungen), die für die ganze Armee genü—⸗
ssen, so erscheint die Forderung einer Vermeh—⸗
ser Waffe wohl gerechtfertigt, zumal auch die
Mächte starkes Gewicht auf die Anschafsung und
J der Gewehre auf die verschiedenen Truppen⸗
legen, was bei uns nicht der Fall ist. Im
vird die Friedensstärke der japanischen
tzt (nach dem ‚Russischen Invaliden“) auf etwa
Mann geschätzt. Nach Durchführung der Refor—
Vermehrung der Armee auf 10 Armeekorps hält
ür, daß die Kriegsstärke etwa 1130000
betragen wird, wobei allerdings etwa 100 000
itgerechnet sind. Ob hiermit die Zahl der Sol⸗
e Japan im Notsfall aufzubringen vermag, er—⸗
ein würde, muß zweifelhaft erscheinen.
Deutsche rechnen mit unseren 60 Millionen Ein⸗
auf drei bis vier Milltionen Soldaten, sodaß
mit 47 Millionen Einwohner mindestens zwei
Soldaten aufweisen kann. Würde die Uni—
vicht darauf legen, als Militärmacht zu geltn
te der militärische Extralt aus etwa 88 Millio—
wohnern im Kriegsfalle logischerweise 4 bis 5
a ausgebildeter Soldaten betragen. Man weiß
ß im Lande der Freiheit der Militärdienst über
sel angesehen wird, und daß das stehende Heer
Reserven an sich nicht imsiande sein würde,
reren Vunkten landenden Invasionstruppen er
entgegenzutreten. Man unterscheldet in der
»as stehende Heer und die Milinz. Er—
rd durch Werhuna auf Z3Z Johre erac αν-Feinde“,

 Bauern und Nauberr. Beim Spier mußten
durch geschidte Züge die Steine des Gegners geschlagen
oder durch Einschließen so jesigesetzt werden, daß er sich
nicht mehr rühren konnte. Die Spielsteine der Römer
varen von Elfenbein, Stein, Glas oder Metall, es läßt
iich annehmen, daß sie oft reich verziert waren, sicher wa—
ren sie mitunter mit gegossenen oder geprägten Darstell—
angen versehen, also Vorläufer unserer deutschen gepräg
ten Damebrettsteine. — Tas Damespiel war im drei—
ehnten Jahrhundert im ganzen westlichen Europa sehr
»ekannt. Zuerst scheint es vom Orient nach Frankreich
gelangt zu sein und von dort kam es auch nach Deutsch—
land. Wie heute war das Spielbrett in 64 Felder ge—
teilt, und das Spiel wurde mit 12 weißen und mit 18*
ichwarzen Steinen gespielt. Zur Zeit der Pompadou:
'am eine andere Art von Spiel auf, das mit je zwanzieç
Steinen auf einem Brett von 100 Feldern gespielt wor
den ist; es hieß „politische DTame“. Ursprünglich hieß das
Damespiel nur „Brettspiel“, die geteilte Unterlage aber
„Spielbrett'; die Bezeichnung „Damespiei“ und Da—
mebrett“ erscheinen erst gegen das Ende des 14. Jahr
hun dorta

Spiel
die Geschichte der Brettspiele.
Das Schach- und das Damespiel, so schreibt
zie Zeitschrist „Daheim“, scheinen erst durch den Einfluß
der Kreuzzüge im westlichen Europa bekannt geworden zu
ein. An sich sind sonst die Brettspiele uralt. Bei Homer
chon vertreiben sich die Freier mit einem Brettspiele die
Jeit, und die Griechen schrieben die Erfindung desselben
em Palamedes, einem Zetgenossen des Odysseus, zu. Es
st aber viel älter, wahrscheinlich orientalischen Ursprungs.
— Die alten Aegypter waren leidenschaftliche Brettspie—
er, aber über die Art ihres Spieles sind wir nicht un—
errichtet, wenn wir auch ägyptische Brettspiele in natura
ind Abbildungen von solchen besitzen. Auf einem Bilde
»es mittleren Reiches in Benihafsan z. B. sieht man zwei
Aegypter beim Spiel. Das Spielbrett, in Form einer
Bauke, steht auf dem Boden, die beiden Partner kauern
davor in einer von den Aegyptern sehr bevorzugten Stell—
ing, nämlich halb knieend, das eine Bein untergeschla—
sen, das andere aufgestemmt. Die kenischen Spielsteine
ind durch die Farben schwarz und weiß unterschieden; die
rmhaltung der Spieler, die zierliche Art, wie sie die
Zteine anfassen, gleicht vollständig dem Gebaren begeister⸗
er Schachspieler von heute. In Berlin befindet sich u. d.
as Brettspiel des Sennofer, eines königlichen Beamten,
tammend etwa aus dem Anfang des neuen Reiches. Es
st ein Spielkasten mit einer für die Figuren bestimmter
Schublade; das obere Brett ist in dreimal zehn, zum
Teil bezeichnete Felder geteilt, das untere zeigte vier, zehn
ind vier Felder. Berlin besitzt auch eine Zahl von Brett⸗
teinen aus Fayence, große kegeltörmige und kleine mit
dundeköpfen.
Nun zu den geprägten Damebrettktspie—
ein. Die Griechen und Römer kannten verschiedene Ar—
en von Breitspielen, von denen allen wir uns jedoch
eine klaren Vorstellungen machen können. Eine in Athen
gesundene Tongruppe zeigt zwei in Sesseln sitzende Spie.
er, ein. Frau und einen Knaben, die das Spielbrett au
den Knien halten. Dasselbe ist in 42 Felder geteilt und
eigt zwölf plattrunde Steine, doch ist anzunehmen, daß
der Töpfer nicht auf mathematische Genauigkeit gesehen
zat, sondern nur die Art des Spiels andeuten wollte
das „Spiel der fünf Linien“ wurde mit je fünf Steinen
iuf fünf das Brett teilenden Linien und einer diese kreu
zenden, der „‚heiligen Linie“ gespielt. — Unserem Schach—
und Damispiel scheint das griechische Städtespiel (die
Felder hießen „Städte“), das wahrscheinlich mit dem rö—
nischen identisch war, ziemlich nahe gestanden zu haben,
vihrend das „Spiel der zwölf Linien“ eine Art Triktrak
var. Das „Räuberspiel“ wird von Seneca, Ovid, Pau—
uis u. a. mehrfach erwähnt. Jeder Spieler hat 30 Steine
er Figuren, die durch Farben unterschieden waren, aber
b nerschjieden henannt wurden mie Salsaten und di—e

WDelnde Wisenz
Die deutsche Funkentelegraphie (System Telefunken
hat sich in den wenigen Jahren ihres Bestehens immei
weitere Gebiete erobert. Bis jetzt sind 641 voll
Stationen von der Gesellschaft Telefunken“
in Berlin fertig gestellt worden, während alle nach der
verschiedenen Systemen erbauten Stationen etwe
die Zahl von 1550 erreichen. Die überwiegende Anzah
»er Stationen deutschen Ursprungs weist auf die Vorzüg
ichkeit des Systems hin, welche besonders in der ausge
eichneten Meßvorrichtung begründet ist, die auf dem Ge—
hiete der Funkentelegraphie eine ausgezeichnete Rolle spielt
Im In—- und Auslande besitzt „Telefunken“ eine größer—
Anzahl von Patenten betreffs ihrer Maschinen und Vor—
eichtungen, besonders für Sender und Empfänger.
Die 641 Stationen deutscher Herkunft verteilen sich au
31 Länder Europas, Amerikas und Asiens und besiteher
teils aus festen Land- und Küstenstationen,
eils aus Schiffsstationen, sowie aus fahrba
ren Militärstationen. An Stationen der erste
ren Art mit einer Reichweite von meistens 200 Kilometern
die sich aber bei einzelnen auf 500, 700 und noch mehr
Kilometer ausdehnt, find zur Zeit 174 vorhanden. Na—
urgemäß fieht Deutschand an der Spitze mit 36
meist an der Nord- und Ostseeküste befindlichen Statlonen;
dazu gehört auch die große Versuchssiation der Gesellschaf
in Nauren mit 3000 Kilom. Reichweite. Dann folge!
die Vereinigten Staaten von Amerika mit 2
Stellen (darunter Fire Island, Washington, New Orleans
San Franzisko, San Juan, Porto Rico); Rußlan
mit 17 Stelleun, darunter die große Station Wladiwosto
mit 1000 Kilom. Reichweite über See; Oesterteich- Ungart
mit 10 Stellen, Dänemark und Spanien mit je 7 EStellen
Holland mit 6 Stellen, darunter Scheveningen mit 70
Kilom. Reichweite; Norwegen und Schweden mit je fün
Stellen usp. Von den außereuropäischen Ländern kom
men besonders für die Schiffahrt in Betracht: Argenti
nien mit 4, Brasilien mit 6, China mit 5, Cuba mit 8.
Mexico mit 6, die Philippinen mit 2, die wicde
seln (Honolulu) mit einer Station. Diese festen Land—
und Küstenstationen befinden sich vorwiegend in staatli⸗
chem Besitze, gehören der Marine, der Post und Telegra
phie, den Tonnen⸗ und Bankenämtern, den Verwaltungen
für das Leuchtfeuerwesen und dergl. an und sind aum
Teil öffentliche Stationen.
Von den Schiffsstationen sind 22 auf deut—
schen und holländischen Handelsschiffen, 889 auf Kriegsichiffen
 untergebracht. Bei den Kriegsschiffen stehen das
eutsche Reich mit 140 Stellen, Rußland mit 126 Stellen
ben an; es folgen die Vereinigten Staaten von Ameril
nit 43, een mit 19, Oesterreich. Ungarn mit 17
Zosland mil 10, Norwegen mit 8, Argentinien mit6
dänemark, Spanien und Brasilien mit je 58, Griechenland
nit 3, Hinter⸗ Indien mit 2 Kriegsschiffen. An fahr—
77 *8* — ναα.

— ——
das erste Scherenschleifer⸗ Automobil.
Ben Alibas Wort „Es ist alles schon einmal dagewe—
n“, wied wieder einmal Lügen gestraft, und zwar ist es
iesmal ein geschäststüchtiger Pariser Scherenschleifer, der
in großen morgenländischen Gelehr'en ad absurdum führt.
jeser französtiche Jünger der Bequemlichkeit, dem das
—
31

J —

——

Ziehen resp. Stoßer eines Schleifkarrens wohl nicht neel
zeitgemäß und auch hHeschwerlich schien, erregt jetzt mit der
von ihm konstruierren Arbeits-Automobil in den Straße
Paris nicht geringes Aufsehen. Nicht vieler seiner Kolle
gen dürften in der Lage sein, sich des modernsten Vehilel
bei ihrer Arbeit zu bedienen i7
Vermisates.
Der Zaunkönig als Wetterprophet. Auf diele
bielleicht wenig bekannte Eigenschaft des niedlichen Sän—
gers macht Prof. Dr. Gustav Jägers „Monatsblati“ auf⸗
merksam. „Ein Landschneidermester“, so schreibt darin
ein Leser, „behauptete von ihm und ich habe es durch
aden doß der kleine Vo—
— — — — — ————
Flache zu ertennen, die nichts anderes sein konnte, als de
Ammersee; tiefschwarz lag der Hügelabhang da und au
Fuße desselben ein nicht minder dunkler Streisen, der an'
Afer führen konnte. Sie hatte Ziel uns Richtung vollstam
zig verloren.
Da blitzte es in nicht großer Entfernung auf; ein VLich
purde sichtbar und blieb ruhig an derselben Stelle haften.
Das war der Schein aus einem beleuchteten Fenster; dou
nußte eine menschliche Wohnung sein. Der Ort war nich
zu entfernt, als daß man ihn trotz des Dunkels und dern
pPfadlosigkeit nicht hätte erreichen können.
NAber die Nacht ist das Reich der Täuschungen und bei⸗
es Menschen Freund. Mühsam, oft ausgleitend auf nas—
ni Boden oder glartem Gesteine, gelangte Kuni den Ab—
Ang hinunter; die Hände waren ihr wundgerissen von den
sesten und Dornranken, an denen sie sich halten mußte, um
sch vor dem Sturze zu sichern, und der schmelzende Schnet
roff ihr von Stirne und Haar; dennoch waren die Müh⸗
igteiten, die ihrer harrten, noch größer als die überstan—
enen. Beim ersten Schritt auf den Boden vor ihr erlam
ie, daß sie auf Moorland getreten war, das, nur
berfroren und nur hier und da mit Grasbüscheln
nerlichen Legföhren bestanden, jeden Augenblick
een drohte. Ein Gefühl des Schrecken
leich der vollständigen Ermüdung überfiel F
edem Schritt in die Kniee zusammenbr⸗
irchtete.
Aber vor ihr brannte und lockte, nic
ichtschein. —*
Endlich war der Rand des Moores
innte einen Streifen festen Landes unter
essen anderer Seite windbewegte Wellen
schwimmenden Schollen der aeboritener
s auschten·
Sie stand am Ufer des Sees. Emeny
zchnee bedeckte unkenntliche Masse lag dort
dielmehr im Ufereis; nur seitwärts ließen sit
änander geschichtete Stöße von Holzzscheiter
ẽs war eine sogenannte Scheere, eine eis
sichtung, wie sie kaum an einem andere
erns in gleichem Umfang gebräuchlich
pird das Jahr über vieles Holz gef
ier gespalten, die dann, iun die Am
dieser, wenn auch mit unwilligem
ken See getragen werden. Damit
* BB —— — —

— — — — — —
Hund und Katze
Geschichte aus dem bayerischen Oberland
von Hermann Schidt

eren Cebven ersahren, hatte auf Kuni gewaltigen Eindru
emacht — war doch in dem Exeignis * ng dene
en Wildschutzen und dem tiefgründigen Haß der Base he—
en ihn, etwas gelegen, was an die duntle Sielle in wh
em eigenen Gemüt erinnerte. Sie war vom tiefsten Mit⸗
kits für den Unglücküchen erfüllt und konnte die emng
ärte der Base nicht billigen, doch auf die Feindschaft, die
x selbst im Busen trug, üͤbten diese Regungen nurinc
hjr untergeordneten Einfluß. Ihr Fall wana oienbar
An ganz anderer. Der Mann, den sie haße, hatte außer
der unvernünftigen Kinderzeit niemals in Beziehungen zr
hr gestanden, und ihre Abneigung gegen ihn war nur ge
zecht — hatte er sie nicht vor einer Unzahl Zeugen mit ei
aer unerhörten Schmach bedecr? Wenn sie auch durch ih
en Schrei den Verfolgten wieder in die Hände sciner Fein—
de gesicfert hatte, sie hatte keine Schuld daran. Es war un
villtürlich geschehen beim vermeintlichen Anblick ihres Geg
ers, wie serbst das bewußtlose Tier instinktmäßig er
hricht und aufschreit, wenn es sich plötzlich seinem Feind«
egenüber sieht. Wenn es auch dazu gekommen, daß Syl—
est selbst zum Flüchtling geworden wie der Holzer-Mart!h,
har sie vielleicht die unfreiwillige Veranlassung dazu, aber
ie Schuld traf ihn selber, warum hatte er sich eines flüch
igen Verbrechers angenonimen? Und während sie so dach
e, regte sich in ihr das Wohlgefallen, daß er es getan
aind daß er das Vorhaben so mutig und klug durchgesetz
zatte — wäre der Täter ein anderer gewesen, wie hätte sie
ich der Tat gefreut! Während so Gedanklen und Gefühl«
pecheselnd in ihr hin und wider fluteten, war es fast däm
ierig geworden. Sie blickte um sich und gewahrte nichts,
ls hinter und vor sich die Straße, rings um sich her den
Vald. „Es wird ja fast schon Zwielicht,“ sagte sie vor sich
iin, „der Weg zieht sich doch länger als man meint; ich
end, ich wecd doch vorn am Brückel den Gaugsteig ein—
chlagen: auf dem ist's fast eine Stunde näher, sonst wird's
inster, eh- ich aus dem Wald draußen bin.“
Der Fußpfad war bald erreicht. Er sah stark betreten
ind kenntlich aus, so daß sie, mit Ort und Richtung ziem—
ich wohl vertraut, ihm unbedenklich folgte. Von ferne wur—
e es zwischen den Fichtengipfeln hell und ließ die Nähe
es sreien Landes erlennen.
Ebenso wurde es allmählich auch heller in Kunis Ge
anlen; sie war fest entschlossen, nicht wie die Base der
zifttropsen des Hasses in der Brust bis an's Sterbelage
nit sich zu tragen; sie schleuderte ihn von sich und dazu
. i FA Mit,eol · io ? — ⸗ 46470

genstand desselben nicht mehr denlen, durste ihn einfach ver
jessen, dann war jede Beziehung zwischen ihnen zerrissen
es war so gur, als ob der Rensch gar nicht auf der Wel
wäre, und wenn er wider Willen und Vermuten ihr dod
noch einmal vor die Augen käme, konntie sie gelassen ble
ben, als wenn ihr der wildfremdeste Mensch begegnete. Wi
sie sich aber dieses Vergessen und ihr Benehmen bei eine
solchen Begegnung so recht ausmalie, brach trotz aller Vor
sätze die Glut des alten Grolles wieder aus der dünnen
Friedensasche hervor — sie sah ihn vor sich stehen, wie er
sije mit den funkelnden Augen maß und sie vor allen alcç
eine Person hinstellte die verdiene gehaßt zu werden, und
ein unverkennbares Etwas bäumte sich in ihr auf, als ot
ie das niemals vergessen könne und dürfe, ehe er nicht für
seinen VLeermut gestraft und sie in der Meinnuno allor mie
dechergestellt sei.
Ein plötzlicher Windstoß schreckte sie aus ihren Träume—
reien auf, indem er ihr beinahe das Tuch vom Halse riß
und sie zwang, besser des Weges zu achten, auf dem sie
risend und unbekümmert fortgeschritten war. Beklommen ge
wahrte sie, daß sie sich an einem Orte befand, der ihr
mindestens im winterlichen Cewande, völlig unbekannt war
Der Weg haäatte an Spuren öfteren Betretenseins verlorer
und teilte sich überdes in geringer Eutsernung in zwe
Pade, deren einer sich wieder in den Wald wendete, wäh
rend der andere sich gegen eine offene, aber wieder durch
einen buschigen Hügel abgeschlossene Niederung hinzog.
„Schau, schau!“ sagte sie, „da muß ich mich unter lau
term Denlen und Sinniren vergangen haben; dort in des
Wald darf ich nicht mehr zurück; ich schlag mich dorthin ge
gen das Freie, dort von der Anhöh' muß ich ja eine Aus
sicht haben; es kann doch nimmer weit sein bis an den See
Der Entschluß wurde sogleich in's Wert gesetzt, aber
die Ausführung war schwieriger als sie geschienen. Das Ge—
wölk, das sich immer tiefer und üUefer niedergesenkt, begann
endlich sich in einem dichten Schneegestöber zu entladen, dad
der Wind durcheinander trieb, sodaß Kuni die nassen Flo—
cken ins Gesicht schlugen und sie kaum die Augen offen zu
halten vermochte. Darüber schwand das letzte marte Tages
grauen, und das Mädchen hatte kaum die Niederung durch
— —
reicht, als die Nacht völlig hereingebrochen war und ei
nen undurchdringlichen schwarzgrauen Schleier zuiñ die gan
ze Gegend breitete.
Ratlos, bereits empfindlich durchnäßt, starrie Kunin
fternia hinansa; Fio qIo te ino moite 4r4uwvpeiß

wortete daher eben nur den dritten Tag ab, un
jloclen verllungen waren, die dem Bas'l zu Gralb
jatten, machte sie sich auf den Weg nach Hausr
in ihrem Vorsatze durch die Ankunft eines Lei
bestärkt. der in die Stadt fubr und mit dem si
zjuem und sider bis an den Anfang des Sees ge
inte. Wohl war sie ohne weitere Nachricht von
ofe und wußte nicht, ob der Vacer nicht doch da
schicken werde, sie abzuholen, sie gedachte aber je
chon am Tage vorher daheim einzutreffen und ihn
raschung des Wiedessehens zu bereiten. Dazu kan
ter, daß der Morgen des Vegräbnistages nach vie
en und Stöbern hell und klar anbrach und daß eir
rrühfrost Wege und Stege wieder gehärtet hatt
r also nicht schwer, wenn es nötig werden sollte
Stück Weges zu Fuß zurückzulegen.
kleine Umstände, gegen die sie nichts ausrichte
rzögerte sich aber die Abfahrt bis zur Mittags
bwohl blieb Kuni bei ihrem Vorsatz; es war nod
üüh çenug, um an den See und dann wenigsten
t Alban oder Diessen gelangen zu können. Nad
ztunden war der Scheideweg erreicht, wo sie sie
Gefährten trennen und auf der Landstraße ihr
Richtung einschlagen mußte. Sie schritt tapfer di
frostharte Bahn dahin, mirten durch lange Wald
enen das erweichende Tauwetter das winterlich
noch weniger abzustreifen vermocht hatte, als del
Segenden. Es war ein trübes Bild, das so gan
edanken und Empfindungen stimmte, die Kuni'
Sinn befangen hatten, so daß sie, der Umgegen!
achtend, auch kaum gewahr wurde, daß mit den
nden Abend das Wetter sein Aussehen abermall
begann. Grauweiße Wolkenmassen, die wiede
öber im Schoße zu bergen schienen, sammelten sich
⁊und warteten nur des Sturmwindes, der sie ali
in über die Lande führen sollte. Wo eine Licht
en den Tannenzipfeln sich auftat, zeigte ein mat⸗
b am Himmel, daß die Sonne sich bereits ⸗Inn
tergang rüste.
— „rMase und wohl nvochk mehr was Heran-
            
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