Full text : Dudweiler Zeitung

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I. Amtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beilagen:
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ürgermeisterei-Bezirk Dudweile. Sonntaqsblatt und Heitere Blätter.
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* *on Nr. 69, 259, 269, 1261. Druck u. Verlag: J. Unterkeller, Dudweiler Verantworflich für die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigent-“n 34rl Unterlkeller
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nt ist mit ood N. gegen Sod durch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintrilt der Nürnberger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verlehte innerhalb 20Stunden nach demine
— Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebracht werden. Über die Voraussetzung der Versicherung geben die eeerande urgen —— vom Inens d von ee enrde nnn dn usinde
4 Samstaa,. den 3. Juni 1911. 24. Jahrgang
—— ——— —— — —— —
Fenersbrunst. Auf der Ziegelei des Reichstanzlers
ani Vahnhof Nie der: un o w brach Feuer aus, das
einen mit Stroh gefullien Lagerschuppen und die Folz
ummwehrung eines Ringsfens einäscherte. Die Feuerweh
ren aus den umliegenden Orten löschten den Brand ab
Der Betrieb ist nicht grtort.
Bestohlene Stalipaskasse. Auf der Station Berng
in Oldenbuͤrg führten Einbrecher einen kühnen Raub aus.
Sie fahren mir einem sogenannten Bahnmeisterwagen auf
die Staätion, drangen in das Stationsgebäude und hol—
ien den 4 Zeniner Fyweren Geldschrank heraus, luden ihn
auf den Wägen und fuhren damit auf die freie Strecke
hinaus, wo sie ihn erbrachen und 1200 Mark Bargeld
taubten. Den Geldschrank lieden sie dann auf dem Wagen
stehen Von den Dieben sehrt jede Spur.
erichtung. Freitag srüh 6 Uhr wurde in Hal—
berstadit der Invalide Becker aus Hilsenburg hinge—
richtei. Bekanntlich wurde derjelbe wegen Ermordung sei—
ner Frau, seiner Schwiegertochter und deren awei Keunder
zum Tode verurteilt.
Der Zustand Monis. In Pariser politischen Krei—
sen erhielt sich am Donnerstag mit großer Hartnäckigleit das
Geruͤcht, das sich der Zustand des Ministerpräsidenten Mo—
nis plötzlich verschlimmert habe. Im Ministerium des In—
nern wuͤrde auf eine diesbezügliche Anfrage erklärt, daf
der Zustand des Kabinettschess unverändert sei.
Sport- und Spielklub. Aus Paris wird berich
te:‘: Rarquis von Dijon hat dem französischen Automobil
llub seine Austrittserklärung unterbreitet mit dem Bemer—
ken, daß in dem Klub die Glücksspiele die Oberhand ge
wonnen hätten. während der Svort fast aanz aurückge
drängt worden sei.
Meunternde Matrosen. Unter den Matrosen der
Kriegsmarine ist es in Dünkirchen zu neuen Zwi—
schenfäüllsen gekemmen. Seit dem Diebstahl der Schiffskasse
des Torpedobootes 256 hatte die Marine-Behörde eine
strenge Disziplinargewalt angeordnet. Es war u. a. ver
ügt worden, daß die Matrosen Nachts nicht mehr an
Land bleiben dürsen, sondern um 9 Uhr auf das Schifs
zurücksehren müßten. Dieser Umstand rief die lebhafteste
Unzufriedenheit der Matrosen hervor, von denen sich 150
weigerten, weiter Dienfst zu tun und mit passivem Aus
stand drohten. Trotzdem sich die Offiziere bemühten, di
Ptatrosen eines Besseren zu belehren, ist es nicht gelun
gen, sie zur Vernunft zu bringen.
Carnegie und der Friedenskaiser. Im nationale;
lub in London hielt Carnegie eine bedeutsame Rede
zr sprach besonders mit großer Begeisterung vom Welt
rieden und lobte und bewunderte in höchstem Maße Kai
ser Wilhelm 2., den er seinen Freund nannte. Carnegi
weifelt nicht, daß sich Kaiser Wilhelm, wenn der Schieds
—
Freund anschließen werde.
Londoner Diamantensucher. Verschiedene unter
nehmungslustige Londoner suchen jetzt in der Umgegent
der Mall nach einem wertvollen Diamanten, den ein in
discher Nabob, Oberst Sir Ganga Singh Banadur, der
Maharadscha von Bikaner, aus seinem Turban verlorer
hat. Der Stein, der noch nicht, wieder gefunden wurde
ist sehr aroß und auf acht Seilen geschliffen.
Vedrohte Richter. In Hulll endete eine Gerichts
verhandlung über den Antrag auf Nichtigkeitserklärung der
letzten Parlamentswahl wegen Bestechung damit, daß der
mit 207 Stimmen Mehrheit gewählte Unionist Sir Sey—
mour King, der den Kreis seit 25 Jahren im Parlamen;
bertreten hat, seines Mandats für verlustig erklärt wurde
Als die beiden Richter Ridley und Bucknill, die den Fa'!
entschieden hatten, in ihrem Automobil vom Gerichtsge—
bäude wegfuühren, griff der Pöbel sie an, umringte si—
und schleuderte Steine und Kohlenstücke nach ihnen. Beid
Richter wurden verletzt. Die Polizei zerstreute die Ruhe
störer und verhafte e zwei Rädelsführer.
Die Cholera. Nach einer amtlichen Meldung aut
Triefl betrug die Zahl der Cholerafiille in Benedi
gegen 300. Bis Freitag sind vier Fälle tödlich verlaufen
(Damit scheinen die Gerüchte ihre Bestätigung zu finder
die zu Sicherheitsmaßrege'n an der österreichisch-ungari
schen Grenze geführt haben. In italienischen Blättern lie
nen bedoch feine Nachrichten vor D RMedoe — In Sam

Ww—

Gerichtszeituug.
F Der Entschädigungsprozetz der Witwe Herr
mann. TDie Entschädigungsansprüche der Frau des Ar
beiters Herrmann, der bei den Unruhen in Moabitse
östet wurde, gelangten vor der Zivillammer des Ver
iner Landgerichts 1 zur Biarhendlung. Die Frau hau die
Stadt Veruͤn und den preusischen Fissus auf Zahlum
— E
juch von der Stadt Berlin mit der Begründung abgewie
sen worden war, daß ihr als Witwe überhaupt kein Rech—
auf Schadenersatz zustände DTer Vertreter der Klägern
eantragte, ihr die Rente zu bewilligen, da sie durch der
dod ihres Ernährers mittellos geworden sei. Der Ton
»es Herrmann sei aber, wie aus dem Strafkammerurier
un Moabiier Prozeß klar hervorgehe, durch Mißbrauch der
Laffe von seiten der Schutzleute hervorgerusen worden. Ei
asse die Anktage gegen die Stadt Berlin vorläufig fallen,
eantrage aber, den preusischen Fiskus wezen Zahlung
zer Rente zu vertlagen, da derselbe unter al en Umstämn
un für Mißgriffe seiner Beamten haf bar zu machen sei.
der gegnerische Anwalt beantrag'e, das Urtel auszusetzen,
»is die Unterschung der Staatsanwalt'chaft „gegen Un
ek nut“ in der Herrmannschen Sache beendigt sei. Fernen
e;weifelte er, daß die Ehesrau d'e priäußische Staatsan—
gehörigseit besitze. Das Gericht beschloß, die Alten der
Ztagtsanwa t'chaft einzufordern, und gab dem Vertretet
»er Klägerin auf, die Staatsangehörigleitspapiere seinen
Dandantin hecbeizuschaffee Darauf wirrde der Prozei
ertegt.
FIDie Maifeier und die hieraus entstandenen Ar⸗
heiterEntlasfsungen betreffen Klagen, welche ge—
senwärlig bei den Besliner Gerichten zur Verhandlung e
zen. Eine große Anzahl Arbeitgeber hatte am 2. Mai Ar—
ester, die fich an der Maifeier beteiligten, kurzerhand ent—
assen. Die von dieser Maßnahme belroffenen Arbe ter ha⸗
»en zum größten Teil die Gerichte angerufen mit dem
Antrage, die Entlassung für rechtswidrig zu erklären; die
Maifeier könne wohl eine Entziehung des Tagelohnes,
ine vorübergehende Aussper ung oder eine Aufkündigung
»es Arbeitsverhältnisses zum nächsten gesetzlichen Kün—
„igungsstermin, nicht aber eine plötzliche Entlassung zur
Folge haben. Die Gerichte siellen sich jedoch durchweg auf
»en Standpunkt, daß das Fernbleiben von der Arbe t am
. Mai zwecks Teilnahme an der sozialdemokratischen Ma
eler en un befugtes Verlassen der Arbeii
st. Aus diesem Grunde werden die Kläger mit ihren
Zchadenersatzansprüchen kostenpflichtig abgewiesen.
J Erpressungs-Prozeßß. In dem umfangreichen Pro—
eß wegen Erpressung an der verw. Meyer in Zop—
ot wurde von der Danziger Strafkammer das Urtei
efält. Der Angeklagte Heinrich aus Breslau wurde we
en schwerer Urundenfaälschung in Verbindung mit dort
zesetzter Erpressung, sowie wegen versuchter Erpressung und
ersuchten Betruges zu 5 Jahren Gefängnis und 5 Jah en
kÄAhrverlust verurteilt, unter Anrechuung von 6 Mong er
intersuchungshaft. Wijncki-VBerlin erhielt 3z3 Jahre Ge
ängnis und 5 Jahre Chrverlust, Dobielczek-Berlin 1 Jah
Heföngnis. Die Schauspieser Meyer (genannt Manfred
und Rafael, beide aus Breslau, je 6 Monate Gesängnis
P Kriegsgerichtsurteil. Der Festungsgesangene Ft
grün hatte seinen Strohsack in der Zelle angezündet
veil er ins Zuchthaus kommen wollle, um aus dem Heet«
msgestoßen zu werden. Das Kriegsgericht in Neit
erurleiste ihn wegen versuchter Brandstistung zu vier Jah
en Zuchthaus und MAusstofung aus dem Heere.
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Arbeiterbewegung.
— Schriftsetzerstreik. Sämt iche Schriftseter und Buch—
ruder, sowie die Arbeiter der Torpedo-Werkstät'en in
Fiume haben sich dem Streik angeschlossen.“ In einet
ibgehaltenen Konferenz der organisierten Arbeitee n4
zie sirikte Durchführung des allgemeinen Strehks beschlesen
— —— — F
Von der Lusftschiffahrt.
Deutscher Rundflug.
Für die Schauslüge in den Etappen-Ortten des Dert
chen Rundfsruges 1041 um den B-B.AAPreis der Lüdeann

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AA sich in zenegertreisen ein ebvenso startes Interesse, wie
ür den ARNundflug fselost. Der Meddeschluß sur die Kielen
Flugwoche. die un Rahmen des Deutschen Rundjlages
nattfindet, ergab nicht weniger als 20 Unscerschrissen, zum
Tel von Fliegern al er erster Klasse. Außer einer ganzer
Relhe von Teilnehmern, die für den Deutschen Rundue
gemeldet haben, liegen auch noch von anderen Zlieert
Meldungen vor, die vielleicht auch diese oder jsene Etapo
des Deutschen Rundfluges bestreiten werden, aber für der
Gesamtflug nicht gemeldet haben. Im einzelnen beabsich
tigen zu starken: Gustav Otto (Oito-Zwe deckee), W. Lij
sauer (Otto-Cindecker), Georg Schendel (Dorner Kindecker)
Paul Engelrardt (Wriaht-Zweidecker), Eml Secnnin ums
Vruno Büchner (Aviatik-Zweidecler), Robert Thelen (Ad
Astra⸗-Wright-⸗Zweidecker), Olto Lindpaininer (Kin- un!
Zweidecker), Felix Laisch (Albatros-Zweidecker), Noell
Grade Eindecker), Hanuschte (Hannschie Eindecker), Loen
Fritsche-Eindecker), Eugen Wincziers (10), Steinbeck (Dor
ier⸗ und Grade-Eindecker), Reichardt EEuler⸗Zweidecker;
Treitzke (Grade-Eindecker), Röver (Grade Eindecker), Scheil
Grade-Eindecker), Jahnow (Harlan-Eindecker) und vor
Noßner (Wright-⸗Zweidecker). Die Teilnahme von Gusta!
Ttto und Robert von Moßner erscheint in Frage gestell
»g diese auch für den Rundflug abgemeldet haben. Fü
sdobert von Moßner wird bei dem Rundflug der bekann
Pilot Schauenburg einspringen. Ob für Otlo Ersatz ge
tellt werden wird, ist noch fraglich. Eine weitere Aen
serung hat die Startliste für den Rundflug insofern erfal
en. als an Stelle von Hirth, der sich bei dem Oberrhei
rischen Zuverlässigleitsslug zu sehr überanstrengt hat, de
lviatiker Vollmöller auf Etrich-Rumpler-Eindecker der
dampf auszunehmen gedenkt. — Die Organisation für der
eutschen Rundflug ist jetzt abgeschlossen. Die Streclen
emnmission, die im Auftrage des Organisations-Komitee!
ie Gefamtstrecke des Deutschen Rundfluges abgefahren hat
at bei allen wichtigen Punlten Markierungen vorgesehen
die durch die Ortsausschüsse angebracht werden solten. Zun
Teil werden Signal-BVa lons verwandt, zum Teil aucd
eine Markierung durch Flaggen, außerdem sollen die Ei
senbahnlinien, die die Flieger zur Orisenlierung verjfolgen
in der Weise kenntlich gemacht werden, daß zwischen der
zu verfulgenden Geleisen weiße Markierungen angebrach
werden, damit die Flieger über die Richtung orientiert
ind. Außerdem wird allen Teilnehmern am Rundfluge
eine Streckenslizze mit den markantesten Punlten und ein—
gedruckte Streckenbeschreibung mit auf den Weg gegeben
verden, sodaß calso auch für die »8terung der Flieger
i das Beste oesgrat werden wirn
Aus auer 2ævelt.
Attentate auf Frauen, Während eine nach Tau
senden zählende Menschenmenge sich vor dem tronprinzli
chen Palais aufgesteilt hutte, um die Rückkehr des Kaiser
vom Paradefelde abzuwarten, benutzte ein Bursche die Ge
legenheit, um mehreren Frauen mit einem Messer oder ei
ner Schere die Kleider aufzuschneiden. Bisher haben sick
drei Frauen gemeldet, die dem gefährlichen Menschen zun
Opfer gefallen sind. Der Rockaufschlitzer konnte his ijetß
noch nicht ermittelt werden.
Falscher Herzog. Unter dem in letzter Zeit genann
ten Berliner Travellerklub, dessen Kassierer verhafte
wurde, soll sich auch als Mitglied eine angebliche Durch
raucht, namens Herzog von Chartreux, befinden. Nach ei—
aer Anfrage an maßgebender Stelle in Paris wurde de
Bescheid zuteil, daß es sich um einen vorbestraften Hoch
tapler und Schwindler aus der Schweiz handelt. Unter
uchung ist eingeleitet.
Verkehrsstörung. Freitag Vormittag war der ge—
amte Berliner Telephon⸗ und Telegraphenverkehr mit gan;
Frankreich geftört. Die Störung soll auf den allzustarken
Istwind zurückzuführen sein.
65 000 leere Wohnungen. 65 000 Wohnungen und
zewerbliche Raͤume stehen zurzeit in Groß-Berlin
eer. In Berlin allein 40 000. Noch niemals ist auch nur
nnähernd eine so große Zahl von leerstehenden Gelassen
rmittelt worden.
Gerüsteinsturz. An einem Neubau in Breslau brach
in Gerüst zusammen, auf dem zwei Maurer und ein Ar—
eiter beschäftigt waren. Sie stürzte aus dem dritten Stoch
wden Lichtschacht. Einer war sofort tot. die beiden
indern schwer verletzt
m eniscn ( dermochte, und sein Herz zog sich wie rramp
hast zusammen, wenn er an seine Liebe für Mechel dacht.
es wollte ihm scheinen, als wäre es nur die unverlanns
Aehnlichleit mit Julei gewesen, was ihn an Mechel geze
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er in ihr geliebt. Wie um sich selbst zu entfliehen und sei
nen eigenen Gedanlen, sprang er endlich auf und rannt
ziellos durch Sturm und seuchtes Schneegestöber Sapon.
Mehrere Tage hatte das Unwetter 56 De
warme Föhn ließ nicht nach, sodaß trotz des kenbedeck
ten Himme's der Schnee zerschlich und die Eisdecke des
Sees brüchig wurde; von unten stiegen und wallten nach
)er Ansicht des Landmanns die warmen Grundwasser em
por und sprengten den Panzer, wo er noch sest anlag; di
Ammer aber goß ihre steigenden Wellen darüber hin unr
schob manchen Eisblock mit, daß die Schollen sich stauten
an- und ülbereinander envorstieren und zu froihoen hegan
ren

Hund und Katze
deschichte aus dem bayerischen Oberlond
unn Hermann Schmidt

Und als were deimender Fraheeng unz ihn und nich
toͤtticer Winter, so fardig und reich sprossen vor seinen in
Aeren Aucen Erinnerungen aus seinen Bubenjahren auf
wee Feldblumen auf enem frischgrünen Rasen. Er sah
als war es gestern gewesen, wie einmal ein Mann mit ci
nem Schleiferkaärren spät abends auf das Gut gekommen
der eine Frau und ein kleines Mädchen bdei sich hatte un
um Nachtherderge bat, weil er irank und außerstande war
das nächste Doif zu erreschhen. Der Vater war zwar dag
Jen gewesen, und wollte von solchen Strolchen und Streu
iern nichts wissen, aber die Mutter redete gut sür sie, un
während des Eesprächs waren die unbefangenen Kinder ir
Nu miteinander bekannt ßseworden. Am andern Tage abe
ha te es großen Kummer gegeben, denn der sremde Man
lag starr und tot auf dem Steohlager in der Scheune —
er war, ohne daß es die Seinen agemerkt. in aller Still
aus dem Leben geschieden.
Zachariesel hörte in seinen Ohren noch die Jammertön
mit denen die so plötzlich Witwe gewordene Frau sich übe
den Leichnam warf, und wie bitterlich das arme Waische
chluchzte und immer wieder den Toten an der Hand fsaßt.
ils müßte ihn die Berührung des kleinen Julei wecken, da
er so lieb gehabtj Er sah das Bild vor sich siehen, wie ma
den fremden Mann an der Kirchhosmauer eingrub, wie —
elbst dabei das Julei an der Hand führte und ihr den In
begriff seines Bubenglücks eine Schachtel voll rotröckige
Bleisoldaten versprach, wenn sie zu weinen aufhöre. E
ntsann sich, wie dann die Frau eines morgens mit dern
Schleiferkarren fortgezogen sei, das Mädchen aber zurückg
lassen habe; sie wollte gehen, um Unterkunft zu suchen, un
dann wiederkommen. das Kind abzuholen. So war da
Julei geblieben und ihm durch eine lange Reihe glückliche
Kindertage eine Gespielin geworden, die bald, Vater un
MNutter beinahe rergessend, in der Fremde eine Heimar ge
sunden hatte. Lebhast tauchte in dem Gemüt des Sinnen
den auch das Schreckbild des Morßens auf, als er beim Ei
wachen ersuhr, die sremde Frau set in der Nacht da gewe
sen und habe ihr Kind mit esorutren — ihn selbst hatte ma
nicht geweckt, um ihm den Ech e der Trengung zu spe
ren. Was dann gesehen. rmn in un“ren Bilderr
twwo⸗ar in eine schwere Krankheit verfallen, und als er wie
er genesen, war mit der Lebhaftigrteit der Erinnerung aud
ie Lebhastigleit des Schmerzes ebromen — neue Gespiele
ue Freuden sproßten um seinen Weg durch daß n
nen, wächst doch auch über eirzern wieder Gre

— ———Ê
Dorschens. Da man vei verschiedenen Anlassen ihr abstoß
endes Wesen erfahren, hatte man sie gewähren lassen; de⸗
sto mehr machten ihr die Seitenverwandten ihres Mannes
das Leben sauer, die es nicht verwinden konnten, daß ih—
nen durch sie das Gütchen entzogen war, das er ihr als
Wittum verschvieben hatte. Eine große hagere Gestalt mi
ernsthaften, fast männlichen Gesichtszügen, hatte sie dasselbe
bewirtschaftet, nicht als Herrin, in ruhig tärigem Genusse
rondern im Schweiße ihres Angesichts als ihr eigener erster
deenstbote, hadernd mit ihrer ganzen Umgebung, wie mi
sich selbst. Wie sie jeden Umgang und Verkehr mied, wur—
de sie auch bald gemieden, und grollte doch darüber, daß
nan es tat, wie über ein Unrecht, das ihr widerfahren.
Bei ihrer zähen Körperbeschaffenheit hätte sie wohl das
höchste Greisenalter erreichen können, aber ein Fall, den si
n ihrer steten Uebereile getan, hatte sie am Fuße beschä—
digt, daß sie nicht mehr gehen konnte und das Lager bü
ten mußte, um sich nicht wieder von ihm zu erheben. Kun
wuß!e den Widerspruch ihres Vaters gegen einen Besuch bei
der Base bald zu überwinden und gab ihm insseheim nich
inrecht, wen ner ihr vorwarf, daß sie doch nur dern
Leuten und dem Gerede ausweichen wolle. Wenn sie seit
zer Geschichte mit dem Lostanze in der Kirche gewesen, wa
s3 ihr nicht entgangen, wie die Burschen gelacht, die Mäd
hen gezischelt, die Männer und Frauen aber die Köpfe zu—
ammengesteckt hatten. Möglich auch, daß in ihrer Seele de—
vielleicht nicht ganz NRar ausgesprochene Hintergedanken lag
daß sie selbst der Entfernung aus den gewohnten Verhält
atssen und der Zurückgezogenheit bedürse, um mit sich selbf
über das Vorgefallene ins Reine zu kommen, das auf ih
sag wio das Bewußtsein einer Schuld, wie die Erinnerun—
eines begangenen Unrechts, wenn sie sich auch wieder und
wieder vergeblich zersonn marin dafseshe ergentlich bestebes
sollte.
Die Base empfing sie mit einem Gemisch von Freund
lichkeit und Groll. Es gefiel ihr, daß die Tochter des rei
chen Baulrn kam, sie, die verhältnismäßig arme Söldners
wittib zu pflegen, und doch konnte sie es nicht unterlassen
auf den mutmaßlichen Grund dieses Kommens anzuspielen
auf die Absicht, sich die Erbschaft zu sichern. Als Kuni das
mit dem Ausdruck der unbesangensten Wahrheir verneinte
ah sie dieselbe zweifelnd und mit dem ungläubigen Spoti
achen eines Gemütes auu. das sich nereist hat. um ũbere
——R——

re auf; man hörle dem srijchen LDon des La—
aß es aus einem heiteren und reinen GCemüte
ir das gefallen tät?“ rief s'se mun sec. „Die Tag',
ue Mühl' auf die Stöhr komm', die sind mir
sten, als wenn's lauter Feiertag' wären....
so heimelig, und so lieb staubig, und hernach
non MWasser und das Klappern von den 34

»lt inne; es wandelte sie an, als habe sie zuvie
Zachariesel schiin in Gedanken das Mühlenbilt
imalen hielt aher immer noch ihre Hände4

Atemzug lang standen sie wortlos vor einande
zog sie ihm ihre Hände und griff nach dem klei
das sie im Kapellchen abgelegt hatte. „Abet
je Zeit, daß ich mich wieder auf den Weg be
sie, „ich hab' noch eine gute Weil' zu laufen,
den Ort komm', wo ich morgen Stöhr' habe,
ich nicht vor Nacht da bin, könnten die Leute
chmälen — also, b'hüt Dich Gott, Zacharie el!“
ib' doch nur noch ein wenig,“ sagte er, „oder
t Dir gehen!“
nn nimmer warten,“ erwidere sie mit leichtem
id das Mitgehen tät' sich nit schicken — es isi
»er Leut. Das Wetter hat sich auch aufgehellt,
ich meinen Weg schon allein; also nochnral
vott, Zachariesel!“
z, und er machte keinen Versuch, sie zu halten.
Abschied bestand in einem halblauten „B'hün
ah ihr nach bis an die Wendung des Wald—
wendete sie sich, sah zurück und nickte ihm zu.
im bedünken, als wäre ihr Gesichtesen dabei
o sreund ich gewesen, wie zuvor oder bei dem
den Erlinçe zuun. Darüber faßte inn mit ein—
valtige Unruhe; es war ihm, als ob ihm im
nganz gewaltiger Verlust träfe, als müsse er
zurückzuhalten; er zwang sich aber, setzte
Schemel der Betbank nieder und sab
hie einbrechende Dämn erung hinein
iuken durcheinon — —
AVcC *

Es war ein wilder, hormäckiger Kampf, den der nich—
enden wollende Winter mit den Gewalten kämpfte, die der
Frühleng plötzlich aus Vorrab vorausgesandt hatte. — In
einer düftseren Vausrnstube in einem Dorfe an den ersten Ab
hüängen der Verge toble ein ähnlicher Kampf; ein erlöschen
bdes Leben wehrte und stemmte sich mit den letzten Krästen
und Aengsten çegen den Tod, der unerwartet die uerbittli
che Hand nach ihm ausstreckte, dem Vogel ähnlich, der vor
der Hand, die in den Käfig areift, um ihm, zu fassen, er—
chrickt und schen hin und wieder flattert und sich Kopf und
Flügel zerstößt. Die Nadhricht, daß es schlimm um Kuni's
Mutterschwester stehe, hatte vollen Grund gehabt, und das
Mädchen war der Leidenden zur guten Stunde und wie eir
zuter GCeist gekommen; der Geist, der bis dahin dort ge—
waltet hatte, wal jene Hast und Unruhe gewesen, der die
xrde als eine große Werkstatt und das Leben als ein
Tretrad in derselben erscheint, die Tag um Tag in der
Sorge des Nichtveranügens an der harlen bitteren Schale
der Arbeit nagt. ohne iewals die Sükiakeir ihres Kerns zu
genießen.
Kuni hatte die Base kaum gekannt und jedenfalls seb—
elten gesehen; sie war eine übellaunige, vergrämte und ver
zrimmte Frau gewesen, die in reiferen Jahren einen vie
lteren Mann ceheiratet hatte und nach dessen baldigem To
e veele Jakre kinderlos aus »m nicht unansehnkicher Z5
7 und erneua, der⸗
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