* *
Von der Lujtschiffahrt.
*Prinz Heinrich von Preußen hat sein Er—
cheinen bei den Flugveranstaltungen des Breisgau-Verein⸗—
uͤr Luftschifsahrt in Fresburg i. B. anläßlich des Berl“
jer Zuverlasfigleitsftuges zugesagt.
*Gelungener Flung. Der Diplomingenieur Pau
BSitterstärter aus Darmstade ist Dienstag mor
jen 355 Uhr mit seinem Euler⸗Zweidecker auf dem Karls
uher Exerzierplatz gelandet. Witterstälter war Montaq
lbend 6.85 Uhr in Darmsiadt aufgestiegen und hat e nag
iner lurzen Zwischenlandung in Pfungstadt die Fahrt nad
deidelberg fortgesetzt, wo er um 714 UÜhr landete. Vor
eidelberg fuhr er Dienstag früh nach Karlsruhe weiter
don h'er will Witierstätter, der von seiner Frau beglei
et wi d, nach Baden-Oos zum Startplatz des Zuverte
aleitsfuges fahren.
*Deér deutsche Benjamin. Der Flieger Wern.
en hat den von der Stadt Hamborn ausgesetzten 500
Nar!Preis gewonnen. Er stieg um 7 Uhr vom Hol ene:
zlugplatz auf. umlreiste das Gelände in zwei Runden um
nternahm hierauf, die Landstraße entlang fliegend, in 600
Neter Hohe den Ueberlandfilng nach Hamborn, wo er be
ingungẽgemäß den Rathausturm umkreiste. Er kehrte dant
um Flugplatz in Holten zurüchk.
*—Keinemtlitärische Hilfe für Luftbal
ons. Dem schlesischen Verein für Luftschiffahrt in Bres
au hat die Kommandantur mitgeteilt, daß nach einem er
zangenen kriegsministeriellen Befehl die Stellung vor
Nannschaften zum Halten von Ballons usw. und zum Ab
xerren von Füll⸗Plätzen ein für alle Mal nicht mehr er—
olgi. e
* Deutscher Reichstag.
Nitiag 12 Uhr. Berlin, 17. Mai.
(177. Sitzung.)
Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der
Neichs versicherungsordnung.
Dis Weiterberatung wird fortgesetzt beim dritten Buch
Unfallverßcherung).
ß 3694 bestimmt, daß Betriebsunternehmen, die kei—
ner besonderen Unfallgefahr ausgesetzt sind, vom Vorstande
er Berußsgenofsenschaft als versicherungsfrei erllärt wer—
»en koönnen. Es wird ein stompromißantrag Schulz hier⸗
u Wrre wonach bei Fortfallen der Voraussetzung
ne Bolsve ung widerrufen werden kann.
Bei 6 572. eee freiwillige Versicherung außer
Zraft tritt, wenn der Beitrag nicht rechtzeitig gezahlt wird,
XX Peeeeae Antrag angenommen, der ein
orherige Mahnung vorsieht.
Waͤhrend dieser Beratung führt ein störender Zwi⸗
chenfall eine urze Unterbrechung herbei. Auf der allge
neinen Tribüne macht sich eine anscheinend hyfterische Frar
hemerkbar, die in den Saal hinunterruft: „Wer noch nich
aut sprechen kann, gehört nicht in den Reichstag.“ Bei der
zewaltsamen Entfernung, verfällt die Frau in Schreikrämpfe
Bei 8 577 wird ein Antrag der Sozialdemokraten ab
gelehnt, der zur Entlastung der Krankenkassen verlangt.
daß die Berufsgenossenschaft vom Tage des Unsalles an
tatt erst vom Beginn der 14. Woche nach dem Unfall ab
»em Verletzten Krankenbehandlung und Rente zu gewäh
en hat.
— 5 384 beantragen die Sozialdemokraten, di
zemessung der Rente des 1800 Mark übersteigenden Tei
8 des Jahresverdienstes, nicht nur, wie es die Vorlag
sisetzt, mit einem Drittel, sondern voll anzurechnen.
Die Abgg. Molkenbuhr, Sachfe und Hu«
Soz.) sprechen für den Antrag.
Abg. Semler (nl.): Wenn wir auf der ganzen Li
cie den Sozialdemokraten entgegen kommen woillten, sou
»ürde die Vorlage gefährdet werden.
*384 bleibt unveräandert.
Die Paragraphen 607—614 regeln die Versorgung de
interbliebenen. Ein sozialdemokratischer Antrag, der Wit
de nicht ein Fünftel, sondern ein Drittel zu gewähren
aird abgelehnt.
Nach 8 614 haben die Hinterbliebenen eines Auslän
ers, die sich zur Zeit des Unfalles nicht im Inlande auf
alten, leinen Anspruch auf Rente.
Die Abgg. Schmidt (Soz.) und Korfanti
Pole) fordern Streichung dieses Paragraphen.
Abg. Neumann⸗Hofer (Fortschr): Wir wollen
abß das Ausland vorher die sozialen Einrichtungen schaff
zie wir.
Der Streichungs⸗Antrag wird abgelehnt.
Der Rest des Abschni tes 3 blelbt unverändert.
Die Paragraphen 638 —661 handeln von den Trägeri
er Verlicherung. Bei 8 638 beantragen die Sozialdemo
raten die Einbeziehung der Staat⸗⸗ und Rommunaglbe
tiebe. Der Antrag wird nach einer Rede des Aba. Mol
umerd abgelehnt.
Rach 8 640 ist das Reich bei den Binnen-Schiffahrt
eBetrieben Träger der Versicherung, wenn der Beiriei
ür seine Rechnung geht.
Abg. Bassermann (n.) fordert Streichung de
zaragrapben. Dem schlieben sich die Sozialdemotraten an
Der Streichungs⸗Paragraph wird abgelehnt.
Nach 5 698 wird die Berufsgenofsenschaft vom Vor—
lande verwaltet
I3
— — —
uͤr Tempel lieserte. An bestimmten Lagen werden solche
figuren unter Trompetengeschmetter von den Priestern vor⸗
ezeigt. Man konnte leicht verstehen, daß es den Eindruck
auberhafter ihm innewohnender Kräfte hervorrief; es war
ogar sehr wahrscheinlich, daß es zum Beweise derselben vor
jen Augen des veedegn Volkes sein grauenvolles Amt
usüben mußte. er diejenigen waren, an denen es seine
kräfte ausließ, daran dachte man lieber garnicht. Es passieren
mmer noch seltsame Dinge in Indien.
Edwin Lawrence konnte kaum bei gesundem Verstand
sewesen sein, als er sich ein solches Spielzeug kaufte. Es war
ein Gegenstand, den ein normaler Mensch um irgend einen
Hreis haͤtte besitzen mögen. Lawrence hatte vermutlich eine
ingeheure Summe dafür bezahlt, sonst hätte der schlaue Ein—
eborene eine solche Kuriosität sicher nicht aus den Händen
egeben. Anscheinend hatten die Brüder sich ihr Lebenlang
ezankt. Edwin pflegte irgend etwas zu tun, was Philipps
zorn reizte und dann griff Philipp Edwin mit sinnloser
Heftigkeit an. War der Wutanfall vorbei, das Unglück ge⸗
chehen, dann kam die Reue. In diesen Stimmungen mußte
! Tausende und Abertausende gegeben haben, um die
efühle des Bruders zu beschwichtigen, den er soeben geprügell
zatte. Eine dieser Szenen hatte just vor Edwins Abreist
iach Indien stattgefunden; ja das übliche Pflaster ermöglichte
hn gerade erst diese Reise. Daß seines Bruders Behandlun
hun wurmte, das unterlag keinem Zweifel; und der Naun
er Mord⸗Puppe war höchstwahrscheinlich das Resultat solcher
Brůbeleien.
Ganz zum Schluß war das Verbrechen selbst vermutlich
zas Ergebnis eines momentanen Impulses —, daß es vor⸗
ereitet war, um eines Tages zu geschehen, war ganz klar.
kr hatte sich sogar im voraus einen Anzug —2 der
„em seines Bruders vollständig glich. Diesen hatte er auch
m seinem Schlafzimmer versteckt. Sobald die „Göttin“ nun
hres Amtes gewaltet hatte, hatte er die Ueberreste seines
Bruders entkleidet — und eine grauenvolle Aufgabe mußte
rs gewesen ye Er bekleidete den Leichnam dann mit seinen
eigenen Kleidern, ohne zu bedenken, daß diese keine Spuren
bon den Schnitten und Stichen aufwiesen, und zog selbs
den bereit gehaltenen Anzug an.
Ob er mich sah oder nicht — ob ich überhaupt tatsächlich
vabei war — ist bis auf diesen Tag nicht aufgeklärt. Aber
ntweder beachtete er das — seines weiblichen Besuches
nicht oder er legte dem kein Gewicht bei; jedenfalls zeigten
alle seine Handlungen nach Eintritt der Tragödie eine seltsamt
xyintschlossenheit. Aller Wahrscheinlichkeit nach gab die Kata—
rophe dem schon im Gleichgewicht erichütterten Gehirn der
Aba. Stückhen (Soz.) beantragt, daß zu einem
rittel auch die Versicherten zur Verwaltung zugelassen
erden. Der Antrag wird abgelehnt.
Beim n8 7770 wird über Rücklagen der Berufsgenosß⸗
nschaften bestimmt, daß der Bundesrat im Jahre 1921
em Reichstage die Vorschrissen über die Rücklagen zur
rneuten Abstimmung vorzulegen hat. Durch Mehrheitseschluß
wird die Frist auf 1918 verkürzt.
Die Paragraphen 818 833, zu denen keine Worimel.
ung vorliegt, werden unverändert angenommen.
Die Paraaraphen 8472889 handeln von der Un—.
all⸗Verhũtung und Ueberwachung.
Abg Gothein Gortsch) beantragt, von den Un;
all⸗Verhü ungs⸗Vor Pifien fremdsprachliche Abschriften
erzustellen, wenn in einem Betriebe fremdsprachliche Ar⸗
eiter beschäftigt sind, von denen 28 dieselbe Mutterprache
aben. Der Antrag wird angenommen.
Die Paragraphen 896 —905 behandeln die Haflung
nan Unternehmern und Angestellten.
Abg. Frant-Mannheim (Soz.) beantragt. daß auch
e Möanchfeu zugelassen wird, zivilrechtlich gegen den
rhrlassigen Unsernehmer vorzugehen. Der Antrag wird
maenommien.
Die Gewerbe⸗Unfall⸗Versicherung wird erledigt, ein
hließlich 8 912.
Moraen 1 Uhr: Westerberatung. Schluß 458 Uhr.
Aus den Kommissionen.
Berlin. 17. Mai. In der heuligen Sitzung der Bud
etlonimlision wurde die Erklärung des Stagaissetrelars in
zachen der Diamantenportilt n Deutsch Ad⸗
hestafreka zur Kenntnis genommen. Der Staatssekreiär er⸗
läre e ar die Maiverträge seines Vorgingers Dern
2onialgeseilschaften für voll rechtsgůlli⸗
—
Vermischtes.
Wer andern eine Grube gräbt... Eine amü—
ante, wenn auch vielleicht nicht ganz neue Kulissen-Ge—
chichte entnimmt die „Berl. Börsen-Ztg.“ der Pariser Zeit
chrift „Madame et Monsieur“. In einem Vorstadttheater
varen zwei Schauspieler auf den Tod mite nander ver
eindet. Sie spielten in einem großen apenpam, „Na⸗
oleon“ die beiden Hauptrollen, den Kälser und den Ge
eral Verthier. Im dritten Alt follte der Kaiser vor sei—
en Soldaten eine Proklamation verlesen, die ihm der Ge—
ieral übe geben, und da diese Prollamation ziemlich lang
var, hatte der Schauspieler sich nicht die Mühe gegeben
je auswendig zu lernen, sondern las sie wirklich ab. Zu
einem Entsetzen bemerkte er nun eines Abends, daß Ber
hier, anstalt ihm wie immer das beschriebene Blatt hin
ureichen, mit einem diabolischen Lächeln ihm ein leere«
zlatt Papier gab. Was sollte er tun, wie sich aus der
zchlinge ziehen? Zuerst fiel ihm nichts ein und er begann
nit erstickter Stimme: „Soldaten!“ Plötzlich aber kam ihm
ie Er euchtung, er wand'e sich zu Berthier und sagte laut
u ihm: „Genexral, Sie, den man immer an meiner Seite
esehen hat, in Austerlitz, in Jena, in Auerstädt, in Eylau
ind Friedland, Sie, dessen Tapferkeit sich so oft und glän
end erwies, Sie sollen heute einen klaren Beweis meiner
reundschaft zum Dank sfür Ihre Hingebung und Ihren
Nut empfangen, General, Sie haben die Ehre, selbst diede
drollamation zu lesen!“ Berthier erwiderte schlagfert'g:
Sire, S'ie wissen, ich bin ein Soldat, der einiges Ver—
ienst hat. Aber meine Wiege stand in keinem hohen Haufe
... Ich muß Ihnen zu meiner Schande geftehen, ich
ann nicht lesen!“ Napoleon trat wieder der Angstschweiß
uf die Stirn, als er das weiße Blatt aus den Händen
es triumphierenden Berthier zurückerhielt, aber er gab es
hmunverzüg'ich zurück und r'ef: „Gut, General, man soll
icht sagen, daß Sie um eines so kleinen Mangels willen
iner so großen Ehre beraubt sein sollen. Sie koͤnnen nicht
esen, gut. ich will Ihnen die Proflamation vorsagen. Ich
verde Ihnen die Sätze leise ins Ohr sprechen und Sie
verden Sie laut wiederholen! Also ich fange an .....«
ind nun flüstere Napoleon Verthier ein paar zusammen—
anglose Worte ins Ohr. Der jetzt seinerseits Biut und
Lasser schwitzende Berihier suchte sich. so gut er konnte,
einer Aufgabe zu entledigen. So wurde er in sener ei—
genen Schl'nge ge'angen und es fiel ihm nicht wieder ein
nit Napo'eon Scherze zu treiben. —
2Fremdkörperin der Augenhöhle.
daß Fremdkörper in die Augenhöhle gelangen und längere
zeit daselbst verbleiben, ohne irgendwelche Beschwerden zu
erursachen kemmt nicht selten vor. Aerzte haben gelegent⸗
ich berichtet, daß sie Ftemdkorper entsfernen mußten, die
ich wochenlang im Auge befunden hatten. Neuerdings
vird aber in ber Australischen Medizinischen Zeitung der
zanz außergewöhnliche Fall eines Knaben beschrieben, der
nicht weniger als vier Jahre einen Splitter im Auge trug.
Ddiefer Knabe war im Jahre 1902 im Spiel gegen einen
zRfahl geschleudert worden. Unmittelbar darauf hatte er
ich einen Splitter aus dem rechten Auge gezogen. Er ver⸗
or für kurze Zeit das Bewußtsein, und als er wieder er—⸗
dachte. war das Auge erblindet. Unterhalb des Auges
var eine Narbe sichtbar, der untere Teil der Augenhöhle
rar empfindlich, außerdem strömte das Auge einen eigen⸗
ümlichen Geruch aus. Unter Chloroform wurde darauf
ein Einschnitt in die Bindehaut gemacht und ein harter
etzten Sroß. xReime andere prhge dann sonst befriedigend
eine unglaubliche Ruhe erklären, da er doch jeden Moment
vefürchten mußte, daß Alarm geschlagen und er mit blutigen
Dänden ergriffen wurde.
Nicht nur, daß er sich umkleidete und sich seinem Bruder
so ähnlich wie möglich machte, sondern er packte auch noch
hie „Göttin“ in ein großes Tuch, und trug die mit Blut be—
pritze Puppe auf die Straße hinunter. Das war es, was
kurner ihn hatte tragen sehen, in der Meinung er sei
der Mann, der zu derselben * oben auf dem Fußboden
eines Zimmers lag, eine verstümmelte ie Da Turner
beide Brüder gut von Ansehen kannte, so beweist das, mil
welcher Sorgfalt die Täuschung ausgeführt worden sein mußte
Gegen Isaac Bernstein wurde keine Klage weiter
ingeleitet. Außer den Worten des Toten lagen keine Be—
veise gegen ihn vor. Daß aber die von Edwin Lawrenc
on ihm erzählte Geschichte wahr war, und daß er doch noch
inen Rest von Gewissen besaß, konnte man daraus schließen
aß er wenige Tage später aus London und seinen gewohnten
zchlupsfwinkeln verschwand. So weit ich weiß, ist nichte
»ieder von ihm gehört und gesehen worden. Ob er fürchtete
»egen anderer duͤnkler Geschichten in denen er eine Hand
ehabt hatte, zur Rechenschaft gezogen zu werden, oder ob
In die Erinnerung an die zwiefache Tragödie, für die er
enigstens zum Teil verantwortlich war, verfolgte, kann ich
icht sagen. Es blieb nur die Tatsache übrig, daß, so weiit
ie Polizei in Erfahrung brachte, er nie den Versuch machte,
roße Summen Geldes, die ihm zur Zeit seines Verschwinden⸗
eschuldet wurden, einzuziehen.
Da die beiden Brüder die letzten ihres Stammes waren
ind keiner Anspruch auf Philipps Erbe erhob, fiel es an die
trone.
Der alte Morley und seine 8 hatten nicht umsonst se
iele Jahre in einem so guten ienst gestanden; sie hätten
ch schon seit Jahren zuruͤckziehen können, hätten nicht so
ltmodische Ideen von Treue gehaht Der Tod ihres —
jeß sie in guten Umständen und im Besitz eines kleinen Land—
ůͤlchens zurück. Auf diesem kleinen Gute leben sie noch
eutigen Tages. Als sie es zuerst erwarben, war die Um—
ebunig noch recht wild und unzivilisiert. Jetzt haben auch
ndere ihre Schönheit entdeckt. Ringsum wird viel gebaut und
ine förmliche kleine Stadt ist im Entstehen. Wenn dies auch
en materiellen Wert ihres Besitzes eher erhöht, so ist das alte
Jaar doch nicht sehr erfreut davon.
Hume ist noch unverheiratet. Immer weniger beshästigi
r sich mit der praktischen Ausübung seines Verysr ur in
2243u0 qus Geifteskrankbeiten und Störungen er ein⸗
holzsplitter von ungefähr zwei Zentimeter Länge und
zentimeter Dide entsernt. Auch eine genaue Untersuchung
onnte danach keinen Fremdkörper mehr im Auge entdek
en. Bald darauf hatte das Auge seine normale Lage wie
er eingenommen, und es traten auch keine Schmerzen ein
venn es in die Augenhöhle gepreßt wurde. Danach erfolgt
Imählich eine völlige Vertümmerung des Augennervs
Erst vier Jahre später, im Februar 1900, wurde der
dnabe den Aerzten wieder vorgestellt. Seine Mutter brachte
in Stück Holz von ungefähr drei Zentimetern Länge und
4 Bentimeter Dicke mit, das eines Morgens aus dem
lugenwinkel des Knaben gestarrt hatte, während noch am
»orangehenden Abend nichts davon zu bemerken gewesen
par. Der Splitten war also während dieser ganzen vier
Jahre in der Augenhöhle des Knaben verblieben, ohne
daß seine Anwesenheit gespürt worden war.
»»xꝛAusgestorbene Höhlenwohnun⸗—
nvein. Eine neue Serie archäologischer Arbeiten, die von
em Bureau für Ethnologie Amerikas herausgegeben wer—
»en, beginnt mit einer Beschreibung der Altertümer de“
Jumez⸗Plateaus, eines Berglandes in Neu-Merxiko, das
vestlich vom Rigo Grande del Norte gelegen ist. Dies
dand hatte ehemals eine zahlreiche Bevölkerung, ist jedoch
or etwa 600 oder 800 Jahren wegen Verschlechterung der
limatischen Verhältnisse verlassen worden. Heute finden
ich daselbst nur noch zahlreiche Ueberreste menschlicher
Wohnstätte. Zum Teil handelt es sich um natürliche unb
ünstliche Höhlen, zum Teil aber auch um große Häuser,
ie von mehreren Familien bewohnt wurden. Eins dieser
däuser, die meistens so angelegt sind, daß stie verteidig!
werden konnten, enthält mehr als 600 Zimmer. Die An—
aahme, daß die ehemaligen Höhlenbewohner die Vorfahren
er heute lebenden Indianerstämme sind, hat sich durch die
ieuen Forschungen als unhaltbar erwiesen. Erstens besteht
einerlei Aehnlichkeit zwischen der Kunst beider Völker
weitens war die ehemalige Bevölkerung langschädelig, wäh—
end die heutige kurzschädelig ist. Jene ältere Rasse, von
er bis jetzt wenig bekannt geworden ist, war in man
herlei Künsten bewandert, besonders aber in der Töpferei.
die Funde, die man in den Wohnstätten gemacht hat, be—
sehen in Waffen und Geräten aus Stein, Knochen un'
stinde, sowie in rohen Steinbildern, Feuersteinen und
mderen wabhrscheinlich als Angelsenker benutzten Steinen
Grohfener. In Swinemünde erach im Hotel zun
Zustoichten“ Großfeuer aus. Durch drei Polizeweumnte i
ir Famtlie des Besitzers und ein Gast, welche im unesster
53hla?e lagen, gere tet worden. Das Hotel brannte bi—
uf die Manern niecder.
lünwetter. Ein schwetres, über Wien, Baden und
maegend niedergegangenes Gewister richtete insolge de—s
albstündigen Hagelschlages an den Kulturen und Wein
ergen beirachtlichen Schaden an. Die Hageltörner liegen
ellenweise 16 Zentime!er hoch. Ein Weingutsbesitzer in
umboldstinchen hat sich aus Kummer darüber, daß sein
mzer Besitz vernichtet wurde, erhängt.
Der Zufiand Mahlers. Nas Besinden Mahler.
zribt, wie aus Wien gemeldet wird, andauernd kritisch
ln die Atemnot zu lindern, wurde dem Palienten Nacht?
urch einen automa isch fanktionierenden Apparat Sauer
zwoff zugeführt. Alses hängt von der Herztätigkeit ab.
Bruͤdermörder. Aus Laibach wird berichtet: In
ein Dorfe Ucale Lasce im Unterkrain erschoß der 13jäh—
ige Sohn des Bauern Levstek seinen 15jährigen Bruder
das Gewehr. mit dem der Knabe den Brudermord be
Ruig, hatte der Bauer versehentlich frei in der Stube lie
nen lassen.
Unfug im Theater. Der nichtsozialistische Verbans
ser französischen Bühnen-Angestellten wollte im Pariser
derdtischen Gaitee-Theater zu seinem Benefiz eine Vorstell—
uig geben. Kaum begonnen, mußte die Vorstellung jedod
zieder abgebrochen werden, weil die in den Saal drin
enden Sozial-⸗Revolutionäre furchtbaren Skandal machten
Ztinkbomben warfen und sonstigen Unfug trieben. Zwöl
Personen wurden verhaftet.
Sabotage. In Versailles wurden in der Nach
urch unbekannte Täter neuerdings 28 Telephonleitunger
nirchschnitten. sodaß die telegraphische und infolgedessen di
Bahnverbindung eine Zeit lang mit Versai les gestör
var und die Züge erhebliche Verspätungen erlitten. Vo—
bden Tätern fehlt noch jede Spur.
Verschwundene Schiffskasse. Wie der „Matin“ mel
»et, ist von Bord des französischen Torpedos ootes Nr. 25
die Schiffskasse verschwunden. Die Kasse enthielt zwo
mur einen Barbetrag von 250 Franks, daneben aber wich
ige Dokumente. Bis jetzt ist das Verschwinden der Kasst
toch nicht aufgeklärt.
Familiendrama. Bei Vise Gelgien) wurde au
inem Teich die Leiche eines Kindes und bald darauf di
der Mutter gezogen. Die Frau hatte mit dem Kinde ihre
Mann wegen Zwisligkeiten verlassen. Auch der Mann ha
zus Gram darüber Selbstmord begangen, indem er fich
bon einem Zuge überfahren lassen.
Abdul Hamid als Selbstmordkandidat. Der sei
üngerer Zeit an Tobsuchtsanfäl'en leidende, in der Vill
Allatini in Saloniki gefangen gehaltene Exsultan Abdu
zamid hat einen Selbstmordversuch begangen. Der Sulta
oll versucht haben, sich aus dem Fenster zu stürzen. Man
hermutet, daß die Mitteilung von der bevorstehenden
lutorität und hat schon manches Buch darüber geschrieben.
Ich habe sie nicht gelesen — ich bin kein großer Buͤcherfreund
ind solche Bücher wären nun schon garnicht mein Fall —
ber ich höre, daß er zu zeigen versucht, daß wir alle mehr
der weniger verrückt sind und ziemlich weit in den Beweiser
ieser Theorie geht. Im wesentlichen hat er auch bine An
ichten über meine 9 Beschaffenheit nicht geän ert 8E
al mir sogar einmal versichert, daß er immer mehr zu der
leberzeugung käme, daß Maänner, deren physische und mus
ulöse Entwickelung bestimmte Grenzen überschritte, ipso fact⸗
errückt waären; und solglich wäre ich verrückt. Immerhin
ind wir passable Freunde und er scheint willens, zuzugeben
aß ich eben so gut außerhalb wie innerhalb eines Irrenhauses
ufgehoben bin.
Wie verlautet, soll Fräulein Adair die Absicht haben ir
llernächster Zeit von der Bühne abzugehen; und man munkelt
aß Hume, der seit längerer Zeit ihr unzertrennlicher Be
leiter ist, mit dieser ihrer Absicht in Zusammenhang steht
Fedenfalls würden sie gut zu einander passen, denn beide ver
kehen Gre Zunge zu gebrauchen.
Bessie — ich glaube, ich darf sie nun wohl mit guten
Recht Bessie nennen — trat nicht wieder auf. Nach jenen
entsetzlichen Nacht verfiel sie von neuem in heftiges Fieber
Wochenlang schwebte sie zwischen Tod und Leben. Mehr als
inmal gaben die Aerzte alle Hoffnung auf. Glücklicherweist
ind Aerzte nicht allwissend. Gott war sehr gnädig —
zegen mich.
Fast ihre ersten Worte nachdem das Bewußtsein zurück
zekehrt war, bildeten die Frage: „Wo ist Tom?“ Der
Lunip von einem Bruder! Nach allem was sie um ihn ge—
itten hatte, lag er ihr am meisten am Herzen.
„Ich hoffe, daß er auf dem Wege zum Glück ist.“
Indem sie mich mit ihren großen Augen ansah, die noch
rößer geworden und jetzt noch tiefer im Kopf lagen, fragte
se mich, was ich meinte. Ich erklärte es ihr. Ich hatte den
joffnungsvollen Jüngling mit allem Nötigen ausgestattet
im in dem neuen Dorado — im Klondyke-Gebiet, nach Gold
zu graben. Er hatte sich auf die Fahrt begeben. Er hatte
aber nie gefunden, was zu suchen er ausgezogen war. Einige
Monate später erfuhr ich, daß er gestorben war; er war
nachts in den Yukon Fluß gestürzt und ertrunken. Der
Briefschreiber teilte mir mit, daß er „knüppelduhn“ gewesen
wäre, was ich aber seiner Schwester mitzuteilen du für nötig
befand. Ich wollte nicht, daß sie sein Ende eines Manne⸗
unwürdig faͤnde.
Bessie und ich sind jetzt just lange gerug verheiratet, das
ich anfange mein Glück zu begreifen. Ich bin nur langsam
Arum mill ich nicht vperraten wie nmies⸗ Fahre es daa, v
Abdul Hamid
unft seines Briiders ihn in die größte Erregung
habe. Der Arzt hegt de Hessneng daß der ra
iIbdul Hamid nur vorübergehender Natur sei. vogle
zeichen von Delirium vorliegen jsolien. Ter einstige
sjan der Türlei, welcher jezt im bg. Lebensjahr stel
während seiner nunmehr zweitrährigen Verbanund
holt vergeblich zu entfließen versucht.
Die Fenersbrunst in Kirin zerstörte 8387 G
im Werte von 15 Millionen Rubel, 4076 Läden u
Bankkontore. Ueber 40 000 Menschen sind obdachlo
Besamtverlust beträgt 40 Millionen.
Die Cholera. In Smyrng sind vom 26. Ap
14. Mai neun Cholerafaͤlle vorgelommen, von deen
lödlich verlaufen find.
TTACCCOC.
Arbeiterbewegung.
— Ausstand. Eine in der Brauerei Fr'edrichshe
zende Versammlung der Arbeiter der Eisen⸗-Konstru
Werkstätten GroßBerlins, die von etwa 200
onen besucht war, beschloß, in den Ausstand zu
Durch den Streik werden mehr als 3000 Arbe ter be
. Diese Tatsache wurde nach einer späteren Me du
Mittwoch auch bereits vo'lzogen. Bis jetzt sind 17
beiter in den Ausstand get.e en.
— Streik. 700 Hol;arbeiter der Pianofortefabr'
Bluethner in Leipzig sind in Streit
weil ein entlassener Arbe. ter nicht wieder einageltell
den isi.
— — —
Von der Luftschiffahrt.
*Abgestürzit. Auf dem Flugselde von Is1
Moulineaurx stürzte der Flieger Gentyem
nem Eindecker aus 25 Meter Höhe ab und eri
innert Verlebungen
Lokales und Vermischtes.
Vom neusten Starklicht. Noch unlängst 9
bekannte führende Persönlichkeit der Elektrotechn
deren Aeußerungen wegen ihrer Verdienste um di
strielle Entwicklung Deutschlands mit recht großes
gelegt wird, in einem glänzend geschriebenen Artike
Tagespresse der Gasindustrie den Rat, sich auf die
»estristtene Domäne der Heizung zurückzuziehen. Al
pender sei die Elektrizität dem Gase uͤberlegen
Vorsprung werde immer mehr und mehr in Erse
reten. Um so mehr Ueberraschung bot der öff
Meinung eine jüngst durch die Presse gegangen
daß der Westminister City Council der Straßenbele
des größten Teils der City of Westminister, in der
reich die größten. und belebtesten Straßen Londe
Kingswaü, Leicester, Square, Pall Wall, Picadelly
Street usw. fallen, für die nächsten fünf Jahre an
Light and Coke Company vergeben habe, und daß
durch erzielte Ersparnis für den Zeitraum von fln
ren auf 200 000 Mk. von zehn Jahren etwa ar
als 300 000 Mk. sich stellte. Die Uederraschung
sich noch, als man hörte, daß es sich bei dem Pref
eine deutsche Erfindung handelt, und daß der Wesi
City Council sich lediglich an das Vorbild der des
testen Stadt des Kontinents, der Reichshauptstadi
zehalten habe. Bereits im Jahre 1902 wurde sei
Berliner Kommunalverwaltung der erste Versuch
Einführung dieses neuen Gasstarklichtes in der
beleuchtung gemacht, und die Ausdehnung der d
stallierten Straßen betrug schon 1908 vierzig K
während die Ausdehnung der elektrischen Straßer
tung zur Zeit nur auf achtundzwanzig Kilometer
läuft. Charakteristisch ist, daß die Stadt Berlin vr
Erweiterung der elektrischen Straßenbeleuchtung
und daß, wie die Kölnische Zeitung berichtet, auch
waltung der Gaswerke Köln auf Grund längerer
mit verschiedenen Preßgasbrennern und Preßgasbel
für größere Straßenzüge einführen wird, trotzdem d
das elektrische Bogenlicht aus ihrem eigenen Elek'
werk zu beziehen in der Lage ist. Noch auf ei—
Reihe anderer Groß—- und Mittelstädte kann r
wverden, welche sich für Preßgas entschieden haben.
das nicht nur auf die bessere Dekonomie zurückzufüh
die größere Gleichmäßigkeit im Brennen wie der
daß die weichere Abtönung des Preßgäses gestattet
Zeit in Lichtkegel der Lampe zu sehen, ohne daß di
wie beim elektrischen Licht, schmerzhaft von den Lie
berührt werden, mögen bei der Entscheidungem
haben. Die Verschiedenartigkeit des Preßgaslic
zenüber dem elektrischen Licht in Bezug auf Farber
ind Helligkeit illustriert am besten der Vergleich ein
nannes, der treffend sagt: „Ein Stück des Son
zenommen und in jede Preßgaslampe hineingepflanz
o wie man von der elektrischen Beleuchtung sage
„Ein Stück des Mondenlichtes ist genommen und
in Gestall jeder elektrischen Bogenlampe“. Es ersche
würdig, duß eine so bedeutende Erfindung solan
mein unbekannt bleiben konnte, und doch liegted
rung, wie eben derselbe Fachmann ausführt, n
„Der Fortschritt hat sich,“ wie er bemerkt, „fast
denkbar vorsichtig verbreitet, wie es der guten,
deutschen Art entspricht, im Gegensatz zu etwa
wie die amerikanische Technik zuweilen sich in Er
zu setzen weiß. Der Vorgang mit der Preßgasbe
ist für diese Art des deutschen Nationalcharakters
typisch.“ Wenn man dazu noch einen Wunsch äus
ist es der, daß diese große Errungenschaft des
in der weiteren Oeffentlichkeit mehr als bisher bekce
den möchte, und daß alle, welche die Reichshauz
Hen, —D »fAdie 0
hurste; wenn gleich oas Aier unseres Fzungsten oie
fälligkeit seines Vaters leicht verraten könnte. Zwi
war keine Rede von —9— machen und umwerben.
ich an ihrem Bette wachte, wußte ich, daß sie, falls
deben bliebe, meine Frau werden wuͤrde, und daß
alls unter allen Umständen ihr gehörte. Und so wa'
Zobald sie so weit wieder hergestellt war, heirate
Und seitdem sind wir Liebende geblieben. Und wen
itze, ihre Hände fest in den meinen, und unsere Kr—
obachte, dann ertappe ich mich zuweilen auf dem
daß unsere Brautzeit erst jetzt beginnt. Das weiß
nie aufhören wird.
Gott ist sehr gut gewesen, daß er sie mi
zab. Anscheinend durch — in der Tat
Schicksalsfügung, ist das Weib meiner Träu.
vorden. Wahrlich es ist wahr, daß viele M.
iber ihr Verdienst belohnt und glücklich werden